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Band: Metalnews nach 'Eis' durchsuchen Eis
Interviewpartner: Alboin

Vor einem guten Jahr brachte die deutsche Black Metal-Institution EIS ihren Kracher "Bannstein" heraus und zeigte einmal mehr, welches Können in der Band steckt. Um das 1. Jubiläum der Scheibe zu feiern, sprachen wir mit Mastermind Alboin u.a. über das Album selbst, deutschen Black Metal und warum kürzlich er wieder einen Besetzungswechsel erlassen hat.




Alboin, zuerst möchte ich dir noch einmal zu eurem aktuellen Album "Bannstein" gratulieren. Auch nach einem Jahr der Existenz hat es noch nichts von seinem Charme eingebüsst und dürfte ein weiterer Meilenstein eurer Geschichte sein. Wie waren denn im allgemeinen die Reaktionen auf das Album, also seitens Fans und Presse?


Die waren wirklich gut. Also auch die Reviews von den großen Magazinen wie Rock Hard, Hammer usw. Auch von den Onlinemagazinen gab es viel Gutes zu lesen. Das Review von metalnews.de war ganz ok, glaube ich (lacht). Die Fans haben eigentlich auch alle sehr positiv auf das Album reagiert. Manche sagten, dass sie nach "Wetterkreuz" etwas anderes erwartet hätten, was ich auch verstehen kann. Aber im Großen und Ganzen hat wirklich jeder nachvollziehen können, dass das nun der Nachfolger ist und auch etwas daran finden können, was demjenigen gefallen hat. Also insgesamt war alles sehr positiv.


Ich habe beim Review ja gesagt, dass "Bannstein" aus meiner Sicht das Album ist, was "Enthrone Darkness Triumphant" für DIMMU BORGIR war. Bahnbrechend, zumindest in künstlerischer Sicht in eurem Fall. Würdest du mit etwas zeitlichem Abstand auch sagen, dass "Bannstein" eines eurer stärksten Alben ist?

Aus meiner Sicht findet wohl jeder etwas tolles an einem Album, was er selbst erschaffen hat. Ich denke schon, dass es eins unserer stärkeren Alben ist. Ich lehne mich jetzt vielleicht ein wenig weit aus dem Fenster, aber aus meiner Sicht ist es schon ein gutes Album des deutschen Black Metals. Ob man es nun mit "Enthrone Darkness Triumphant" vergleichen kann, weiß ich nicht. Bei DIMMU BORGIR war es damals ja so, dass das Album viel härter und viel brutaler als "Stormblåst" war. Sie sind damals ja zu Nuclear Blast gewechselt und wurden sehr erfolgreich. Aber auch ein wenig überheblich. So würde ich "Bannstein" nicht sehen. Es ist etwas ruhiger und reifer, aber nicht brutaler als "Wetterkreuz". Dabei ist es aber kein Album von dem ich sagen würde, wir hätten einen großen Schritt getan. Es ist eigentlich ein Album, was die Schritt-für-Schritt-Entwicklung von EIS zeigt. Aber das sieht natürlich auch jeder anders.


Nun sind im Black Metal ja auch die Texte immer sehr wichtig und gerade bei EIS und "Bannstein", ziehen einen, Achtung Wortspiel, die Texte in den Bann. Ohne jetzt eine tiefere Analyse deiner Texte anstreben zu wollen: Gab es ein grobes Gesamtkonzept oder stehen die Songs eher einzeln für sich?

Also ich mag dieses Wort "Konzeptalbum" nicht. Es besteht schon ein Zusammenhang der einzelnen Texte. Im Grunde wird eine Geschichte erzählt. Und wie eigentlich immer, versuche ich bei den Texten metaphorisch etwas auszudrücken. Es geht im Grunde um den Gedanken, dass die Menschheit dazu tendiert Verhältnisse, mit denen sie selbt nicht mehr klarkommt bzw. die Menschen nicht mehr damit klarkommen, immer weiterzutragen. Sie lernen nicht aus ihren Fehlern und machen sie immer wieder. Dabei haben sie die Verhältnisse, in denen sie leben, selbst in der Hand. Sie schaffen es einfach nicht, aus dem diesen großen Kreislauf herauszukommen. Darum geht es im Großen und Ganzen, verpackt in dieser Geschichte von Protagonisten, die aus einer bedrückenden Stadt heraus den Weg zu einer herbstlichen, weiten Natur finden. Aber dennoch kündigt es sich auch in dieser eher glücklicheren Umgebung an, dass alles wieder von vorne losgeht.


In einem anderen Interview hast du mal gesagt, dass du gerade bei deinen Texten immer ziemlich pingelig bist und ewig daran herumfeilst. War das bei "Bannstein" auch der Fall?

Ja. Schlimmer denn je! (lacht) Tatsächlich fällt es mir immer schwer mich nicht zu wiederholen. Ich habe keine Lust darauf, auch wenn manche Bands das einfach stumpf machen, immer wieder den selben Kram zu schreiben. Ich versuche immer, mich nicht zu wiederholen, mich eher zu steigern und Worte, Vokabular oder Metaphern zu finden, die auch in dem Genre nicht so ganz ausgelutscht sind. Denn das würde mich sonst ankotzen, immer die gleichen Phrasen zu schreiben.


"Mansaden" ist z.B. ein Wort, was mir sofort aufgefallen ist. Das hört man heute nicht mehr so häufig.

Kann schon sein. Da gibt es aber auch noch mehrere. Metaphorik ist in dem Genre schon ziemlich eng vorgegeben, aber ich sträube mich so ein wenig dagegen. Es ist mir wichtig, einen eigenen Wortschatz zu finden und auszudrücken. Und das dauert einfach und ist sehr anstrengend.


Das kann ich mir vorstellen. Das Eröffnungsstück "Ein letztes Menetekel" ist ja, so wie ich gelesen habe, eine Art Anschluss zum letzten Album "Wetterkreuz".

Das Stück an sich ist eigentlich kein Bindeglied zum Vorgänger. Was ich allerdings immer versuche, ist einen textlichen Rückbezug zu den Alben einzubringen. Auf "Wetterkreuz", "Galeere" und "Bannstein" lasse ich beim letzten Stück das ganze Album immer noch einmal reflektieren. Das ist dann eine Art Abschluss für mich selbst. Vielleicht wurde sowas in dem Zusammenhang mal gesagt.





Auffallend auf "Bannstein" ist ja mit Sicherheit auch der Einsatz von Hörnern und Fanfaren, was ich auf einem Black Metal-Album auch noch nicht gehört habe. Wie bist du denn auf die Idee gekommen, mit diesen Instrumenten eine gewisse tonliche Erhabenheit auszudrücken?

Ich bin eines Morgens aufgewacht und wusste, dass ich Hörner auf dem Album hören wollte... (lacht). Nein, ich habe mir eine gewisse Stimmung vorgestellt für Passagen eines Songs, die dann auch zu dem textlichen Inhalt passt. Ich habe überlegt, wie ich es umsetzen könnte, es majestätisch klingen zu lassen. Und die Fanfaren und Hörner, das weiß ich noch aus dem Musikunterricht, in D-Dur, welche die königliche Tonart ist, wirken einfach sehr erhaben. Und so habe ich es es dann auch eingesetzt und experimentiert, bis es so klang, wie ich es mir vorgestellt habe.


Es klingt auch so wie ein Soundtrack zu einem Film oder einer Filmszene eines großen Fantasy-Blockbusters...

Ja, ich habe auch schon überlegt, die Musik an die "Game Of Thrones"-Macher zu verkaufen für die nächste Staffel. Aber die wollten einfach nicht genug bezahlen (lacht).


Verflucht! Die können sich euch aber auch einfach nicht leisten. Auf "Wetterkreuz" habt ihr bekannterweise Samples von Klaus Kinski verarbeitet. Auf "Bannstein" gibt es auch wieder solche Einspieler, allerdings konnte ich nicht herausfinden, wo diese herkommen bzw. was der Ursprung davon ist.

Du bist ja auch nur ein Hobbyjournalist! (lacht)


Ja, ich weiß! (lacht)

Das sind in der Tat keine fremden Samples, sondern eigens erstellte. Ich habe mir einmal überlegt, dass es schön wäre, gesprochene Samples zu benutzen. Zu dem Sound von EIS passt das meiner Meinung nach auch recht gut. Für "Bannstein" hatte ich auch wieder verschiedene Vorstellungen und habe mich auf die Suche gemacht nach jemanden, der das sprechen könnte. Ein Bekannter von mir ist Studiobesitzer und macht u.a. Sprachaufnahmen für Serien und Computerspiele. Und über ihn bin ich auf einen Synchronsprecher gekommen, Bert Stevens, der schon so einiges gemacht hat. Ich war sicher, dass er es so hinbekommen würde, wie ich es mir vorstelle. Tja, dann habe ich ihm die Texte einfach geschickt und schon nach relativ kurzer Zeit war er damit fertig. Und meiner Meinung nach ist es ihm sehr gut gelungen. Es sind eben eigens von mir geschriebene Texte, die im Stil dieser Samples gesprochen wurden. Soweit ich mir das gedacht habe, funktioniert es sehr gut.


Auf jeden Fall. Klasse ist ja auch, dass das etwas ganz eigenes ist. Die meisten Bands bedienen sich ja eher fertigen Elementen, wie eben die Zitate von Klaus Kinski.

Für das damalige Album haben diese ja auch super gepasst. Mittlerweile habe ich auch herausgefunden, dass es einen Comedian gibt, der Klaus Kinski parodiert. Wie heißt der noch?


Giermann!

Genau, Max Giermann. Ich habe schon überlegt, ihn für das nächste Album zu buchen. (zitiert) "Du Idiot!" Ich wollte ihn ein paar meiner Zitate im Kinski-Stil sprechen lassen. Vielleicht würde er das ja machen (lacht).


Auf jeden Fall. Also, Herr Giermann, wenn sie das hier lesen sollten...

Genau! Hallo Max, wenn du das jetzt liest, dann melde dich doch mal. Hier meine Telefonnummer...


Markus Stock aus der Klangschmiede Studio E scheint ja mittlerweile dein Heim- und Hofproduzent geworden zu sein. Ihr müsstet euch doch mittlerweile blind verstehen, oder?

Im Rahmen der letzten drei Alben lief die Aufnahme eigentlich immer reibungsloser ab. Bei "Bannstein" war es so, dass wir für die ganze Produktion, also Aufnahme, Mix und Mastering nur zehn Tage gebraucht haben. Das ist für die hohe Qualität der Aufnahmen und der gesamten Platte eigentlich sehr kurz. Das alles lief dennoch vollkommen stressfrei und ohne Zeitdruck ab, auch weil Markus wirklich weiß, was ich mir vorstelle und ich ihm das super vermitteln kann. Außerdem kann er sich sehr gut in die Musik einfühlen, da man ab und an auch einen anderen Sound braucht. "Wetterkreuz" war vom Sound ja viel harscher...


Ich würde sogar sagen kalt.

Genau. "Bannstein" ist ein eher warmes, melancholischeres Album, bei dem ich keine sehr extreme Produktion wollte, sondern eher zeitlos und druckvoll. Also es ist jetzt keine sehr moderne Produktion, aber eben zeitlos und sehr gut. Das hat Markus verstanden und er weiß auch genau, wie er es umsetzen kann. Ich wüsste jetzt auch nicht, wo ich hingehen sollte, um einen besseren Sound zu bekommen. Ganz abgesehen von den persönlichen Dingen, die ich sehr schätze. Man kann dort einfach viel Spaß haben und dabei auch professionell und produktiv sein. Dabei aber trotzdem zu einem Preis, den man woanders nicht bekommt. Das ist auch einfach ein Faktor, den viele Bands unterschätzen.


Eure Studiozeit war wettertechnisch ja eine ziemlich heiße Woche...

Das war die heißeste Woche!


Wie habt ihr euch denn motiviert, dennoch ins Studio zu gehen und nicht einfach die Badelatschen anzuziehen und zum Schwimmbad zu wackeln um am Wasser ein paar Bier zu trinken?

Bier haben wir trotzdem getrunken! (lacht) Wir waren auch jeden Vormittag im Supermarkt um uns Grillfleisch zu holen und haben jeden Mittag gegrillt, was Markus auch super kann. Im Endeffekt ist es ja auch Arbeit und kein Spaß in dem Sinne. Wir hatten ja auch einen leichten Zeitdruck, das Album in der Zeit fertig zu bekommen. Wir konnten uns jetzt nicht erlauben einfach gar nichts zu machen. Im Studio selbst war es bin zum Nachmittag ziemlich erträglich. Es liegt sozusagen in einem Halbkellergeschoss und hat auch keine großen Fenster, wo die Sonne reinscheint. Man konnte es da schon aushalten. Schlimmer war es in der Ferienwohnung. Wir haben knapp zwei Wochen lang aufgenommen und an einem Tag habe ich in der Wohnung die Keyboards gemacht, da ich sowas am Computer machen kann. Und das war genau an dem Wochenende, wo 43 Grad herrschten. Ich hoffe, dass das hier nur Volljährige lesen, aber diese Aufnahmen habe ich in der Unterhose gemacht, weil es anders einfach nicht zu ertragen war. Das ist nun mal leiden für Black Metal!


Aber sowas von ! (lacht) Ihr habt ja alle fünf Stücke von "Bannstein" für die Deluxe-Edition an verschiedene Sänger geschickt um eine jeweils andere Version zu bekommen. Wie kann man sich solch eine Aktion vorstellen? Wie findet man solche Musiker und wie bekommt man diese davon überzeugt, für einen die Arbeit zu machen?

Häufig ist es ja so, dass ein Label sich wünscht, neben dem künstlerischen Inhalt auch einen zusätzlichen Kaufanreiz bieten zu können, Bonusmaterial eben. Ich weiß, ich habe es schon sehr oft gesagt, aber ich mag diese Liveversionen, Demoversionen, Coverversionen usw. einfach nicht. Gegenüber den Käufern und Fans kann ich es nicht vertreten, diese mit so etwas zu ködern. Ich möchte schon einen künstlerischen Mehrwert bieten und keinen B-Ware-Schrott draufzupacken. Unser ehemaliger Schlagzeuger hatte mal überlegt, etwas mit einem Gastsänger zu machen, woraus bis Dato nichts geworden ist. Diese Idee hat bei mir im Kopf aber weiterhin herumgespukt und so wollte ich einfach mal versuchen, die Songs anders interpretieren zu lassen. Die Überlegung war, dass ich zwar schreien, aber nicht singen kann und es somit interessant wäre, die Stücke mit klarem Gesang zu hören. Reine Coverversionen wollte ich allerdings nicht haben, also habe ich nur die Texte und die Songs mitgegeben, ohne das fertige Produkt mitzuliefern... oder höchstens die jeweilige Übersetzung. Bezüglich der Auswahl ging es so von statten, dass ich Sänger gesucht habe, denen ich es zutraue, das künstlerisch umzusetzen. Leute, die einen kreativen Ansatz beim Gesang haben und eben Sänger, die ich zum Großteil auch schon kannte und daran interessiert waren und die Zeit hatten, das ziemlich kurzfristig umzusetzen. Bis auf ein oder zwei Leute, die leider keine Zeit hatten, hat das auch super funktioniert. Die Reaktionen darauf waren sehr positiv, weil es auch mal etwas anderes ist. Fjalar von ISTAPP aus Schweden hat mal gesagt, er würde niemals Gastgesang für andere Bands machen, weil er das nicht mag. Unsere Idee hat er aber so cool gefunden und der Song hätte ihm so gut gefallen, dass er sofort zugesagt hat. Das war natürlich auch ein sehr schönes Kompliment an uns.


Wurde denn für die Arbeit Geld verlangt?

Nö. Es gibt natürlich Sänger, die sich gerne als Gast engagieren lassen. Diese haben meistens schon einen gewissen Bekanntheitsgrad und dann poppt der Sticker "Featuring XYZ" auf dem Cover. Die machen das dann aber nicht aus künstlerischen Gründen, sondern eher um ein wenig Kohle zu verdienen. Diejenigen, die ich angesprochen habe, hatten nur Interesse an der Idee der Sache. Wobei ich auch von vorneherein gesagt habe, dass es ein Liebhaberprojekt ist, für das wir nichts zahlen können. Tja, die haben aber alle auch gar nichts gewollt. Das ist für mich auch einfach Metal!


Beeindruckend. Ich meine, das kann ja schon einen gewissen Aufwand verursachen, einmal die Zeit und dann die eigentliche Aufnahme.

Das ist wohl wahr.


EIS bzw. die Vorgängerband GEIST hat sich mit den Jahren ja zu einem festen Bestandteil der Black Metal-Szene gemausert und sich auch einen guten Ruf als Liveband erschaffen.

Ja?


Also ich habe bisher nur positives gesehen und gehört. Für dich ist es beruflich bedingt im Prinzip ja nur möglich, in den Ferien oder am Wochenende Auftritte und Touren zu absolvieren. Ist es denn manchmal nicht hart, diese beiden Faktoren, Arbeit und Musik, zu vereinen?

Es kommt dabei ja immer darauf an, was du mit einer Band erreichen willst. Wir z.B. haben immer ausgewählt, welche Touren wir machen und welche Festivals wir spielen. Extrem häufig wollen wir auch gar nicht auftreten, um uns auch interessanter zu halten. Damit riskierst du aber natürlich auf der anderen Seite, gar nicht oder eben nur sehr langsam zu wachsen. Manche Bands sagen sich "Egal, wir haben Zeit, wir sind Studenten etc., wir machen jeden Gig." Damit kannst du im Grunde schon die Hälfte des Jahres unterwegs sein. Und wenn die Band dann auch noch gut ist, kann das schon sehr ertragreich sein. Aber in der Situation waren wir noch nie. Das lag jetzt aber nicht nur an mir, sondern auch an der Kombination von fünf Leuten in der Band. Da gibt es Jobs oder noch andere Bands oder ein Leben... (lacht)


Vielleicht!

Es ist halt schwer zu organisieren. Dennoch haben wir es geschafft, in den letzen beiden Jahren immerhin zwei Touren selbst zu organiseren, was nicht ganz ohne ist. Es geht also schon, aber eben nur mit Abstrichen.


Und mal eben nach Barcelona zu kommen, ist ja auch nicht so easy.

Na ja, mit nem Flieger geht das ja recht schnell.


Aber da gibt es doch auch viel zu organiseren... mal eben ein Wochenende weg.

Auf jeden Fall. Das ist aber generell so. Bei Gigs von nem Umkreis weiter als 300 km, ist das Wochenende hin. Wenn man Samstags spielt, fährt man Samstagvormittag los und kommt Sonntags am späten Nachmittag wieder. Das ganze Equipment aufbauen, abbauen, einräumen, wegbringen... Aber wenn es ein cooles Konzert ist, lohnt sich das natürlich allemal. Es gibt aber auch Gigs, bei denen du 600 km fährst und dann mit gekürzter Spielzeit von 30 Minuten nachts um zwei Uhr auf die Bühne musst... da stehen dann zehn Leute, denen es zwar gefallen hat und einem selbst auch gefallen hat. Nur die Relation ist natürlich manchmal schwierig. Aber so ist es eben und wenn man genug Erfahrung hat, dann weiß man auch, worauf man sich einlässt.


Im Frühjahr habt ihr ja auf dem Ragnarök-Festival gespielt. Da seid ihr doch auch schon eine Art Stammband, oder? Ihr spielt dort doch jedes Jahr.

Das ist einfach ein Festival, auf dem die spielenden Genres ziemlich festgelegt sind. Es war früher ja eigentlich eher ein Pagan-Festival, tendiert heute etwas in Richtung Black Metal, oder eben eine Kombination beider Stile. Ab und an spielt auch schon mal ne Thrash oder Death Metal-Band dort, aber eher selten. Im Grunde gibt es aber auch nur eine limitierte Anzahl von Bands im deutschsprachigen Raum, die man für das Festival anfragen könnte. Nun, es hat sich für uns gezeigt, dass es viel Spaß macht, dort zu spielen und den Leuten hat es immer gefallen, wenn wir dort waren. Natürlich wollen wir auch gerne die Kohle haben. (lacht) Es ist für ein Festival natürlich auch sehr teuer, wenn man die großen Bands aus Skandinavien einfliegen lässt und somit spielen da eben häufig die selben 30 Bands aus dem deutschsprachigen Raum immer runter an den beiden Tagen. Aber es funktioniert trotzdem, denn die Leute wollen und die Leute kommen auch um die Bands zu sehen.


Ihr habt da aber auch vor vollem Haus gespielt, wenn ihr auch spät dran wart...

Wir haben als letzte Band gespielt an dem Samstag, kurz vor halb eins... also am Sonntag im Grunde. Vom Eindruck her würde ich sagen, dass es nicht leerer war als bei den Bands, die da zur Prime Time gespielt haben. Es war noch schön voll, die Stimmung war gut und die meisten Leute konnten sogar noch stehen und brüllen, was für diese Zeit nicht selbstverständlich ist. Also ingesamt war es sehr erfolgreich und ein gutes Konzert.


Die Geschichte von GEIST und EIS ist ja eine Geschichte voller Missverständnisse...

Na ja... (lacht)


...geprägt von Höhen und Tiefen. Zumindest was deine Mitmusiker angeht. Du hast dich ja von einigen Musikern getrennt, ein paar Monate nach dem Release von "Bannstein". Manch einer würde vermuten, dass die häufigen Wechsel auch am Bandkopf liegen. Nun hast du die Chance, das zu revidieren!

Es liegt ja auch an mir!


Punkt! (lacht)

Aber es ist glaube ich anders, als es von außen aussieht. Ich verstehe es und ich könnte als Fan der Band auch denken, dass ich der letzte Penner sein muss, ein egoistisches Arschloch. Klar, Egoismus spielt da eine Rolle, das ist einfach so. Andererseits ist das eine Band, die ich mit der Musik, die ich schreibe, aufgebaut habe. Und ich verfolge mit der Band, was mir musikalisch und textlich wichtig ist und nehme mir gewisse Sachen auch raus. Eben mir wichtige Dinge und Vorstellungen, wie es meiner Ansicht nach sein sollte. Im Verlauf der letzten Jahre ist es allerdings immer wieder so gewesen, dass die Vorstellungen zum Teil künstlerisch aber vor allem auch persönlich eben sehr auseinandergegangen sind, wie so eine Band sein sollte. Der egoistische Teil in mir nimmt sich dann eben heraus zu sagen, dass ich manche Dinge einfach nicht will. Die Band mache ich nicht beruflich sondern als Ausgleich, auch zu Sachen, die nebenher anstrengend sind. Die Band mache ich auch, weil ich Spaß haben will, weil ich mich dabei frei fühle und mich auch darauf freuen möchte, das alles zu machen. Wenn es sich allerdings immer mehr dazu entwickelt, dass es anstrengend wird und man nur Ärger oder Enttäuschung empfindet, dann ist das nicht das, was ich mir darunter vorstelle. Und ich glaube, dass sich viele Leute in vielen Bands so fühlen. Nur haben viele vielleicht nicht den Arsch in der Hose zu sagen, dass es unangenehm ist und man es eigentlich so gar nicht mehr will, man jedoch aus Angst, Rücksicht oder Respekt gewisse Entscheidungen nicht trifft. Dies führt aber natürlich zu einer dauerhaften Unzufriedenheit und das will ich eben nicht. Mittlerweile ist es so, dass wenn mir etwas dauerhaft nicht gut tut, es aufhören muss. Klar ist das egoistisch, aber ich glaube, dass es vielen Menschen gut tun würde, Unzufriedenheit nicht immer wieder runterzuschlucken. Wenn jemand das anders sieht, kann er das gerne tun. Es ist aber auch jeder dazu eingeladen, mich einfach mal zu fragen. Ich beantworte das gerne.


Reden hilft.

Manchmal schon.


Häufig stecken Bands ja auch wegen Unstimmigkeiten und Unzufriedenheit in der Klemme und kommen nicht weiter. Da helfen evtl. nur, von außen betrachtet, radikale Schritte.

Es ging hier ja nicht nur ums Weiterkommen. Es geht ja auch manchmal um die Atmosphäre. Du weißt es doch aus deinem Leben, genauso wie jeder andere es auch weiß. Es ist häufig so, wenn Menschen lange oder längere Zeit zusammen verbringen, dass sich verschiedene Vorstellungen entwickeln. Wenn du aufgrund der Umstände aber gezwungen bist, es so weiterzumachen, dann gibt es eben Reibungen und Unzufriedenheiten. Wenn das als Band oder Liveband nicht richtig rundläuft, fehlt einem irgendwann die Motivation, der Spaß an der Sache, der Antrieb. Und ich glaube, bei vielen Bands die ich so höre, das auch zu spüren. Wenn man merkt, dass die Leidenschaft dahinter nicht mehr da ist und die Musik gezwungen klingt. Wenn ich ein Album mache und Konzerte dazu spiele, wo alles irgendwie gezwungen ist... nein, das möchte ich nicht.


Das ist aber vielleicht auch der ehrlichste Weg.

Da gibt es bestimmt verschiedene Wege. Für mich ist es allerdings der ehrlichste Weg.





Die Anzahl deutscher Bands in der Black Metal-Szene ist in den letzten Jahren etwas übersichtlicher geworden, während Pagan und Viking-Bands gewachsen sind. Wie siehst du die Entwicklung der Szene? Gibt es Bands, die den Black Metal noch richtig vertreten?

Deutsche Bands meinst du?


Genau.

Ehrlich gesagt habe ich keinen Überblick. Mir ist das wirklich zu anstrengend. Ich bekomme natürlich mit, wenn neue Bands auftauchen. Und viele davon werden auch sehr talentiert sein. Allerdings höre ich eher Bands, die ich schon viele Jahre kenne und mit denen ich mich wohl fühle. Teilweise kenne ich Gruppen bei denen ich merke, dass sie es ernst meinen. Aber irgendwie fehlt bei vielen dieser Bands einfach die Magie. Dann gibt es Bands, die sehr fleißig und sehr talentiert sind und dabei gute Musik machen, ganz objektiv gesagt. Die ziehen dann auch in kürzester Zeit an uns oder größerer und länger etablierten Gruppen vorbei. Die schließen größere Deals ab und spielen auf den großen Festivals...aber mir persönlich geben die auch nur selten was. Aktuell total im Trend sind mit Sicherheit Bands aus Island. Das ist so mein Gefühl. Ich frage mich, ob in Island überhaupt so viele Leute leben. (lacht) Und natürlich liegt ein großer Fokus auf Gruppen aus Osteuropa. Insgesamt herrscht aber eine Ästethik, die ich nicht verstehe. Vielleicht ist das aber auch eine Generationsfrage. Ich bin jetzt 36 und als ich die Musik kennen gelernt habe, war ich 14 oder 15, also 20 Jahre her bzw. eine Generation. Die Leute, die das jetzt kennen lernen, die kennen die Bands, die ich früher gehört habe wenn überhaupt noch vom Hörensagen. Es gibt eine ganz andere Stimmung, ganz andere Dinge sind wichtig und die Bands bei denen die jüngeren Leute jetzt einsteigen in deren Musik, mit denen habe ich überhaupt keine Berührungspunkte. Und so ist es eben, dass für mich nur wenige Black Metal-Bands aus Deutschland richtig faszinierend sind. Was ich in den letzten Jahren wirklich toll fand, das sind LUX DIVINA aus Spanien, ISTAPP aus Schweden... eigentlich viele Gruppen aus Schweden.


Allerdings scheinen deutschsprachige Metalkapellen aktuell wieder im Trend zu sein. Wenn z.B. eine Band wie VARG die Charts stürmt...

Aber du hast ja nach Black Metal-Bands gefragt!


Ich weiß, aber aktuell gibt es ja dieses Phänomen der deutschen Sprache im Metalbereich.

Es ist ja auch ein Phänomen. VARG ist eine Band, die für viele verschiedene Geschmäcker etwas bietet.


Das ist aber nett ausgedrückt! (lacht)

Alles Geschmackssache! Das Phänomen ist ja auch, dass, egal wo du bist, alle über sie meckern. Auf der anderen Seite weiß ich aber auch, wie viele Scheiben die verkaufen. Also irgendwer muss das ja kaufen.


Klar, aber das ist ja bei vielen umstrittenen Bands so.

Na ja, irgendwer wird es gut finden und jeder eben wie er will.


Machst du dir denn um die Zukunft des Black Metal Sorgen?

Also Nachwuchs gibt es mehr denn je. Wenn du mal durch youtube oder Bandcamp etc. stöberst... das ist ja wie ein Eisbergmodell. Man sieht vielleicht nur die Gruppen, die Deals haben und entsprechende Verträge. Unter der Spitze hast du vielleicht hunderte von Bands, die genauso gut sind oder sogar viel besser, die nur wirklich keine Sau kennt und die auch nichts physisches veröffentlichen sondern nur im Internet, weil sie die Kohle nicht haben. Möglicherweise gibt es mehr talentierte Bands denn je. Aber es geht ja nicht nur um das Talent, Musik zu machen, sondern auch darum präsent zu sein, ein eigenes Konzept zu entwickeln. Es geht darum live zu spielen und das auch überzeugend. Das ist nochmal was ganz anderes. Sorgen mache ich mir da nicht, das wird immer so weitergehen. Ich mache mir mehr um die Magie in der Musik Sorgen.


Es gibt aktuell auch nicht mehr diese mystischen, verschrobenen Gruppen, die z.B. der Legende nach irgendwo in Norwegen in einem Wald gelebt haben etc.

Sowas hat schon viel ausgemacht.


Kommen wir so langsam zum Ende des Interviews. Wenn man recht unbedarft im Internet nach eurer Band sucht, landet man schnell auf einer Seite, die Erotikartikel anbietet!

Damit finanzieren wir unsere Produktion! (lacht)


Ha! Ich wusste es! Aber habt ihr nicht mal über eine Partnerschaft nachgedacht? Nieten und Noppen, alles mögliche für den Black Metal-Fan! Ihr habt ja schon den legendären EIS Eiskratzer im Programm.

Ein Endorsement-Deal wäre an dieser Stelle sehr gut. Aber da ich jetzt verheiratet bin, ist die Sache für mich eigentlich erledigt. (lacht) Also zumindest bezüglich der Mengen, die ich aus dem Endorsement-Programm verwenden könnte. Aber ich glaube, die Website gab es erst nach uns!


Das meine ich auch.

Wir könnten die eigentlich mal verklagen!


Darin habt ihr ja Erfahrung... zumindest in Sachen Androhung einer Klage! (lacht)

Das stimmt! (lacht)


Vielen Dank für das Interview, es war sehr nett.

Unerwartet nett! (lacht)

Pinhead

Autor: Ingo Nentwig [Pinhead] | 26.10.2016 | 20:23 Uhr

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