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Band: Metalnews nach 'Andi Deris & The Bad Bankers' durchsuchen Andi Deris & The Bad Bankers
Interviewpartner: Andi Deris

Der Name Andi Deris sagt sicherlich den meisten, ja doch wohl eigentlich allen Lesern etwas. Seines Zeichens seit gut und gern zwanzig Jahren Sänger bei Hamburgs Aushängekürbissen HELLOWEEN. Nun kommt er mit seinem ersten Soloalbum seit 1999 um die Ecke. Obwohl, Soloalbum stimmt ja auch nicht ganz. ANDI DERIS & THE BAD BANKERS nennt sich das Projekt. Was dahinter steckt und worum es thematisch dabei geht, lest ihr im folgenden Interview.




Hallo Andi. Du bist wohl im Moment sehr beschäftigt, wie es scheint?

Kann man so sagen. Wir spielen mit HELLOWEEN auf dem Metal Hammer Paradise-Festival, danach geht es direkt auf Mittel-und Südamerikatournee.


Was ist das für ein Gefühl, auf die Veröffentlichung eines neuen Albums zu warten, welches
nicht mit der Hauptband aufgenommen wurde?


Ich bin weniger aufgeregt als sonst, da es ja nichts ist, wovon ich jetzt speziell persönlich abhängig bin. Eigentlich ist es ja ein Spaßprodukt, obwohl die Thematik dahinter sehr ernst ist. Es hat aber eben Spaß gemacht, sich einfach mal über diesen ganzen Banker- und Manager- und Politikermist auszukotzen. Jeder von uns guckt hin und wieder mal Nachrichten. Diese ganzen Typen, die dich anlügen und dabei noch feist grinsen, wären mal lieber nach Hollywood gegangen. Keiner von uns glaubt mehr das, was uns die Politiker in den Nachrichten erzählen. Das ganze System ist doch so, ob nun in Deutschland oder Europaweit oder sogar global. Du siehst einen von diesen Bankchefs und hörst zu, was sie da von sich geben. Und keiner glaubt ihnen mehr etwas. Trotzdem sitzen wir nur da und können es nicht ändern.


Das klingt ja alles sehr angepisst, trotzdem stelle ich so etwas wie Galgenhumor fest. Was man schon am Albumtitel erkennt.

Es knistert ja mittlerweile an allen Ecken dieser Welt, eigentlich ist das gar nicht zum lachen. Aber das Leben geht ja trotzdem weiter. Wir gehen trotzdem immer noch in den Supermarkt und können uns unser Essen bezahlen. Tatsache ist aber, dass unser Leben irgendwann nicht mehr so luxuriös abläuft, wenn die da oben weiterhin die Millionen abgreifen. Da kommt man schon mal ins Grübeln, ob man seinen Protest nicht einfach mal laut heraus schreit. Und das kann ich mit meiner Musik natürlich gut machen. Ich schreibe meine Texte, singe „Motherfucker“ und meine es dann auch so.


Udo Dirkschneider lebt auf Ibiza und hat zu eben diesem Thema einen spanischen Titel geschrieben, weil er feststellt, dass die Problematik in Spanien noch wesentlich präsenter ist als hier im vom Luxus relativ verwöhnten Deutschland. Du wohnst auf Teneriffa, ist die Stimmung dort ähnlich?

Kann man so sagen. Obwohl ich hier nicht angepisster oder gar agressiver sagen will. Denn der Kanare an sich ist eher ein ruhiger und dankbarer Typ. Der kotzt sich zwar auf die Füße, weil er wieder einmal drei Jobs machen muss, um seine Hypothek abzubezahlen oder weil er wieder kein Arbeitslosengeld bekommt. Aber es geht irgendwie weiter, weil hier die Familien zusammenhalten. Das ist sehr schön mit anzusehen, dass irgendeiner in der Familie noch ein paar Cent zusammenkratzen kann. Obwohl es auch immer schwieriger wird, denn in erster Linie leben die Leute hier vom Tourismus. Und Reisen sind nun mal das, woran der Mensch in Krisenzeiten zuerst spart.




Ich komme mal auf die Band zu sprechen. ANDI DERIS & THE BAD BANKERS. Was verbirgt sich dahinter? Wie hast du die Band zusammengetrommelt?

Die habe ich eigentlich gar nicht zusammengesucht. Ich wollte das Album eigentlich mit Mikkey Dee von MOTÖRHEAD machen. Der hatte dann die Idee, den Doug Aldrich von WHITESNAKE an der Klampfe zu nehmen. Das wäre eine tolle Sache, doch du hast bei unseren drei Bands keine Zeitfenster, wo du alle drei Musiker zusammen bekommst. Vergiss es. Ich war dann irgendwann mal in Puerto de la Cruz, unserer Hafenstadt hier in Teneriffa. Dort findet immer mal so ein Hafenfest statt, wo auch die eine oder andere Band auftritt. Ich hörte dort einer interessanten Gruppe zu, ein Jimi-Hendrix-Klampfer, ein SLIPKNOT-Idiot an den Drums und einen Funky-Bassisten, die dann RADIOHEAD spielen. Ich fand das einfach geil und habe die gleich gefragt, ob sie mir bei der Aufnahme helfen. Wie sich heraus stellte, war es die ehemalige Band meines Sohnes, der inzwischen nach England gezogen ist. Ich kannte die Jungs alle und habe sie überhaupt nicht wiedererkannt. Als ich die das letzte Mal sah, waren das noch Teenies, haha. Da ich zeitlich nicht unter Druck stehe, konnte ich die Jungs einfach machen lassen, solange bis es alles so geklungen hat, wie wir es haben wollten. Den Mangel an Erfahrung konnte ich mit Zeit wunderbar ausgleichen.


Funktionierte das Umschalten von der Arbeit mit den „alten Kürbisköpfen“ zu den Jungspunden?

Ja, schon. Aber es ist genau das eingetreten, was ich erwartet hatte. Die Jungspunde musst du immer bremsen. Aus positivem Geltungsdrang machen die immer ein bisschen zu viel. Hier noch ein Riff, da noch eine Idee, dort noch ein Break. Für mich als Songschreiber natürlich geil, weil ich aus vielen frischen Ideen auswählen konnte, was ich haben möchte. Aber dennoch, als Chef musst du dazwischen gehen und die besten Sachen rausfiltern, und zwar lobend. Die Schaffenskraft von solchen jungen Leuten muss schon gebremst werden, sonst endet es im Chaos, haha.


Aber es klingt nach richtigem Bandfeeling.

Wie gesagt, wir hatten eben viel Zeit. Teilweise wurde bis zum Erbrechen geprobt, bis wir einen Song dann komplett live eingespielt haben. Wir haben etwa 70% des Albums live eingeballert. Sicher musste ich hier und dort etwas ausbessern, aber wir wollten eben vermeiden, dass Schlagzeug und Gitarren einzeln aufgenommen werden und alles zerstückelt wird.


Wo willst du mit der Band noch hin? Welche Ziele hast du mit den BANKERS? Ist es für dich persönlich vereinbar, beide Bands parallel laufen zu lassen? Gibt es irgendwann mal mehr als nur ein Album, sprich auch mal eine Tour oder ähnliches?

Würde sich anbieten. Da hätten auch die Jungs schon Bock drauf. Wir könnten ein paar von den PINK CREAM 69-Songs nehmen, ein paar von HELLOWEEN und eben die Solosongs, da käme schon eine gute Stunde zusammen. Ein paar Angebote sind auch schon da, Hellfest zum Beispiel. Das bedeutet, ich werde nach Weihnachten anfangen, mit den Jungs zu proben. Mein größter Wunsch ist es, mit den Jungs die Insel zu verlassen. Ich möchte das Brennen in den Augen sehen, wenn wir das erste Mal in Japan landen. Ich kann mich noch erinnern, als ich das erste Mal da war. Ein absoluter Kultuschock, allerdings im positiven Sinne.




Apropos Songs. „TWOTW 1938. [Don`t listen to the Radio]. Klär mich mal auf, worum geht es in diesem Lied?

Wenn du TWOTW 1938 in der Suchmaschine eingibst, landest du bei „The War Of The World“, broadcasted 1938 in den USA. Es geht um das legendäre Hörspiel im amerikanischen Radio mit Orson Wells. Die Amerikaner haben ja damals wirklich gedacht, dass die Aliens die großen Städte angreifen und sind in ihre Autos gesprungen, um die Städte zu verlassen. Man muss natürlich sagen, dass Radio zu der Zeit noch ein total neues Medium war und das Hörspiel in einer absolut überzeugenden Echtheit inszeniert wurde, noch dazu ohne Werbepausen. Ich fand, das ist eine witzige Parallelhommage an die heutige Medienlandschaft. Die Leute sind damals darauf herein gefallen, weil sie den Medien komplett vertraut haben. Auch heute wirst du, ohne dass du es vielleicht merkst, zu einer bestimmten Meinung hingeführt. Schau mal ein paar Stunden Fernsehen, irgendwann nimmst du eine Meinung an, wo du gar nicht mehr überlegst, ob dies wirklich deine eigene Meinung ist. Ich habe mich selbst schon oft erwischt, wie ich etwas nachgeplappert habe, was ich in den Tagen davor fünf oder zehn Mal im Fernsehen gehört habe. Da sehe ich der heutigen Zeit die Gefahr. Die Menschen brauchen sich keine eigene Meinung mehr bilden, sie bekommen sie ja täglich vorgesetzt. Ich verdamme jetzt nicht alles und der Song ist schon mit einem kleinen Augenzwinkern zu sehen. Was damals mit dieser witzigen Sache passiert ist, passiert uns heute quasi tagtäglich. Obwohl heutzutage jeder vernetzt ist, sind wir von einer echten Demokratie noch weit entfernt.


Da kommt dann doch der Song „Will We Ever Change“ ins Spiel, oder?

„Will We Ever Change“ ist eigentlich die Geschichte von der menschlichen Rasse, die diesen Planeten so komplett leergemacht hat. Es sind bald keine Ressourcen mehr da und wir müssen den Planeten verlassen. Zum Glück haben wir die Technologien dafür und finden auch einen erdähnlichen Planeten. Leider ist es dort sehr kalt, weil der Planet weit von der Sonne entfernt ist und man sehr viel Energie benötigt. Es gibt aber einen Rohstoff, der für alle zugänglich ist, das Zeug hat quasi jeder im Garten und es kostet nichts. Doch die Industrie merkt, dass man damit kein Geld verdienen kann und verbietet den Abbau, um am ebenfalls dort vorkommendem Öl zu verdienen. Es geht also genau so weiter wie bisher.


Das war es erst einmal von meiner Seite aus. Bitte ein paar Grußworte an unsere Leser [Jetzt sollte eigentlich das finale Statement kommen...].

Wir haben nächstes Jahr dreißigjähriges HELLOWEEN-Jubiläum. Dafür sind unter anderem auch viele Leser von metalnews.de verantwortlich. Herzliches Dankeschön auf jeden Fall, auch für die nächsten fünfzehn, zwanzig Jahre. Solange wollen wir noch durchhalten. Allerdings will ich nicht mehr im Mick Jagger-Alter auf der Bühne stehen, hahaha.


Überhaupt sind ja zur Zeit einige Bands dreißig Jahre und mehr am Start. DORO, TANKARD, RAGE. Um nur einige zu nennen. Ich hätte vor etwas über zwanzig Jahren nicht daran gedacht, dass es mal dazu kommen würde. Abzusehen war dies Anfang der 90er nicht wirklich...

„Metal never dies“ hieß es in den 80ern und es hat sich bewahrheitet. Ich denke mal, die Hardrock- und Metalkiste ist eine feste Größe, das wird sich nicht mehr ändern. Diese von der Straße kommende Musik ist so wichtig, weil wir eigentlich die einzige Bastion sind, die auch mal „Motherfucker“ singen dürfen. Die Texte, die auf der BAD BANKERS-Platte drauf sind, könnte ich mir ja in keinem anderen Genre leisten. Ausser vielleicht im HipHop oder im Rap, aber da wäre es dann eher wieder eine Modegeschichte. In anderen Genres wiederholt sich alles, da kommt eine Kopie von der vorherigen Kopie heraus. Das mache ich nicht mit, ich bleibe bei meinem Metal, da fühle ich mich besser aufgehoben. Im Metal findet eben nicht der totale Ausverkauf statt wie anderswo.


Da muss ich doch nochmal einhaken. Ich finde, diese Worte werden auch durch das musikalische Konzept von den BAD BANKERS deutlich. Das Album lässt sich nicht wirklich als Kopie von irgend etwas einsortieren, sondern ist meiner Meinung nach ein eigenständiges Teil. Man könnte ja denken, wenn Andi Deris ein Soloalbum heraus bringt, klingt es zwangsläufig nach HELLOWEEN.

Es klingt zwar schon ein wenig nach PINK CREAM hier und nach HELLOWEEN dort. Aber weniger die Trademarks, sondern eher die Melodien. Es ist von allem was drauf, aber es war nichts geplant. Worauf ich wirklich drauf geachtet habe ist, dass die Platte wie in diesem Fall ein gewisses Konzept beinhaltet. Es ging mir halt darum, mit einem Augenzwinkern darauf hin zu weisen, dass einige Arschlöcher unterwegs sind. Denn so, wie es im Moment in diesem Land läuft, geht es ja definitiv nicht weiter. Nun bin ich ja auch schon etwas älter und schon länger dabei, die Songs sind quasi auch ein Querschnitt durch die letzten zwanzig Jahre und mehr. Aber ich denke, wir haben einen gemeinsamen Sound gefunden und das funktioniert ganz gut.


Ich bedanke mich an dieser Stelle für das Interview. Ich könnte mich eigentlich noch eine Stunde mit dir unterhalten...

Ich danke dir. Wenn es um Politik und BAD BANKERS geht, hätte ich noch Themen für zwei Stunden...



Fränky

Autor: Frank Wilkens [Fränky] | 05.12.2013 | 16:17 Uhr

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