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Interviewpartner: André Olbrich

BLIND GUARDIAN gehören ohne Zweifel zu den erfolgreichsten und besten Metalbands Deutschlands und können auf eine treue Fanbasis, verteilt über die ganze Welt, blicken. Vier Jahre mussten erneut ins Land ziehen, damit der Nachfolger von "At The Edge Of Time", "Beyond The Red Mirror" in den Läden stehen kann. Wir konnten Gründungsmitglied und Gitarristen André Olbrich für ein Gespräch gewinnen.

André, man kann mittlerweile sagen, dass der Abstand zwischen euren Alben immer vier Jahre beträgt seit "Nightfall In Middle-Earth" denn das ist auch wieder der Abstand zwischen "At The Edge Of Time" und eurer neuen Platte "Beyond The Red Mirror". Ist das eigentlich kalkuliert oder braucht ihr wirklich immer so lange?


Nein, wir brauchen wirklich soviel Zeit. Wir haben schon häufig versucht, es schneller zu schaffen, sind dabei aber kläglich gescheitert. Es liegt aber auch an verschiedenen Faktoren. Zum einen werden unsere Touren immer länger, die letzte dauerte zwei Jahre, dann kamen noch Festivals hinzu. Dann haben wir in 2013 noch die "A Traveler`s Guide To Space And Time" veröffentlicht zum 25 jährigen Band Jubiläum, wobei alle Alben remasterd und remixt wurden. Das haben wir als Band auch nicht aus der Hand gegeben und saßen somit auch wieder im Studio. Nun sind wir aber auch eine Band, die nicht nebenbei an neuen Songs feilen kann, weil wir absolute Ruhe brauchen und Konzentration. Auf einer Tour z.B. hat man das nie, da versuchen wir es gar nicht erst, denn es würde nicht viel Gutes bringen.


Die Qualität eurer Alben ist ja schon immer sehr hoch gewesen und immer konstant.

Danke!


Bitte, bitte. Erzähl doch mal bitte etwas über den Inhalt und den lyrischen Teil des Albums. Habt ihr da ein bestimmtes Konzept verfolgt? Oder sind die Titel unabhängig voneinander?

Es ist ein Konzeptalbum geworden. Es geht um den Spiegel auf dem Cover, der eine Art Portal darstellt, durch das man in verschiedene Dimensionen gelangt. Hansi ist zu der Idee gekommen ein Konzept daraus zu machen, als wir vier oder fünf Stücke fertig hatten und diese eigentlich sehr unterschiedlich waren, sowohl von der Geschwindigkeit als auch vom ganzen Gefühl oder Gefüge. Die Songs konnte man nicht so richtig verbinden, weil sie so andersartig sind und so sind wir auf die verschiedenen Dimensionen gekommen, worauf Hansi eingefallen ist, dass er schon mal eine solche Geschichte geschrieben hat und zwar bei der "Imaginations From The Other Side". Er hat diese Geschichte dann wieder aufgegriffen, weil das Ende offen war. Bei "Bright Eyes" geht es ja um einen Jungen, der am Ende der Geschichte eine Entscheidung treffen sollte, das Ende blieb allerdings offen. Es stellt sich jedoch heraus, dass der Junge die falsche Entscheidung getroffen hat und an dieser Stelle greifen wir die Geschichte wieder auf.


Also ist Hansi auch nach wie vor der Texter der Band.

Genau. Er ist komplett verantwortlich für die Lyrics und er hat sich auch die ganze Story dazu alleine ausgedacht. Dazu ist auch eine Menge zu lesem im E-Book, da hatten wir eine Menge Platz zur Verfügung. Aber auch in der limited Edition sind einige Seiten dazu vorhanden. Ja, man könnte sagen es geht um eine Reise durch die verschiedenen Dimensionen, man könnte auch sagen, dass es sich um eine futuristische Suche nach dem heiligen Gral handelt.


Das hört sich wirklich gut an! Man kann auch bei "Beyond The Red Mirror" wieder sagen, dass ihr euch musikalisch weiterentwickelt habt. Es gibt wieder diese ganzen orchestralen Arrangements oder die verschiedenen geilen Chöre. Wer denkt sich eigentlich immer die Wucht der ganzen Faktoren bei euch aus?

Die Wucht kommt eigentlich dann rein, wenn der Song es braucht. Das entwickelt sich schon beim Songwriting. Wenn man schon ein Orchester bei den Aufnahmen dabeihaben will, muss man auch so konsequent sein und versuchen, eine gewisse Dynamik reinzubringen und die klassischen Elemente so zu featuren, dass es eben so eine Wucht bekommt. Die orchestralen Passagen sind für uns ja ein wichtiges Element und wir versuchen schon im Vorfeld, die Ideen abzuarbeiten. Bei der Produktion versucht Charlie (Bauerfeind) natürlich auch noch mal alles, um den Sound in den Vordergrund zu bringen. Die Struktur der Songs und die Art, wie wir einen dynamischen Aufbau innerhalb eines Songs strukturieren, die verlangen es einfach. Wir wollen ja auch eine gewisse Dynamik haben. "The Ninth Wave" z.B. fängt ja eher seicht an und baut sich langsam auf. Und diese dynamische Spannung da reinzukriegen, das ist die Kunst eines Songs. Und das eben mit allen Elementen, die da reingehören.




Du hast es ja eben schon angesprochen, ihr habt dieses Mal ja sogar mit verschiedenen Chören zusammen gearbeitet. Einer kam aus Budapest, einer aus Prag und einer sogar aus Boston. Wie seid ihr auf die ganzen Sänger gekommen und warum habt ihr so viele verschiedene ausgewählt?

Nun, es ist so, dass, als wir "The Ninth Wave" fertig hatten, eine Vision dieses Intros über unseren Köpfen schwebte. Wir haben dann versucht einen 200-Mann-Chor zu finden, den es natürlich nicht gab. Darauf überlegten wir dann, wie wir es wohl hinbekommen könnten, und kamen darauf, dass man die ganze Sache ja auch splitten könnte. Wir nahmen also den gleichen Part mit drei verschiedenen Chören auf und mischten es dann zusammen. Deshalb ist dieser Chor auch am Anfang so beeindruckend und bombastsich geworden, es war technisch auch gar nicht anders möglich.


Ich stelle es mir gerade organisatorisch sehr anstregend vor...

Na ja, wir haben den Charlie schon ganz schön gestresst! (lacht)


Wenn du schon Charlie ansprichst: Er hat ja eure ganzen letzten Alben produziert, ihr müsstet euch demnach ja schon fast blind verstehen, oder?

Ja, und das ist auch das Gute an der Geschichte. Wir bauen auch auf ein beständiges Team, was BLIND GUARDIAN eigentlich schon immer ausgemacht hat. Es gibt nur wenige Wechsel, die sind ganz, ganz selten und auch dann nur, wenn es wirklich notwendig ist. Ansonsten wollen wir immer gemeinsam etwas erarbeiten und gemeinsam weiterkommen. Würde man jetzt den Produzenten wechseln, würde man sowohl auf der musikalischen als auch auf der persönlichen Ebene bei 0 anfangen. Mit Charlie haben wir ja schon so viele Jahre zusammen im Studio gesessen, dass man sich wirklich blind kennt. Er weiß, wie wir als Personen ticken und er versteht unsere Sprache. Wenn ich z.B. in einem Stück ein ganz besonderes Gefühl erzeugen will, dann ist es immer ganz schwierig, dass genau zu beschreiben. Man muss also jemanden haben, der die Fähigkeit hat, dies zu interpretieren. Er muss es verstehen, wenn man gerade in seiner kreativen Phase ist und das macht Charlie sehr gut. Er hat ein tolles Verständnis für die Ideen und auch für die Essenz eines Songs. Die wichtigen Kernstück, die werden gefeatured und die versucht er immer, nach vorne zu stellen, anstatt allem ein Soundschema überzustülpen, was an der Stelle vielleicht gar nicht hingehört. Und genau das liebe ich beim Charlie, seine Fähigkeit, die Grundintention zu verstärken und das ist es, was für mich beim produzieren darauf ankommt.


Versteh mich nicht falsch, aber ihr seid ja auch schon ziemlich alte Hasen, wenn es um das Thema Musik geht. Lasst ihr euch denn von ihm überhaupt noch irgendwo reinreden, wenn ihr Ideen umgesetzt haben möchtet? Oder äußert er in dieser Sache erst gar keine Vorschläge euch gegenüber?

Bei Hansi und mir ist es eigentlich so: Solange wir noch an einem Song schreiben, bekommt ihn keiner zu hören. Niemand! Das ist eine Sache zwischen Hansi und mir. Wir lassen noch nicht mal Freunde oder Familie etwas davon hören. Und auch Charlie bekommt einen Song erst, wenn er von der Grundstruktur fertig ist. Und in dem Moment besprechen wir dann natürlich gemeinschaftlich, in welcher Richtung die Songs produziert werden sollen. Ab dem Zeitpunkt sind wir natürlich auch offen für Vorschläge. Aber ins Songwriting hinein, dass man z.B. den Aufbau noch mal verändern würde - eher nicht. Das sind dann eher Soundsachen oder in welcher Form man mit einem Orchester arbeitet, welche Dinge man eher kleiner hält und welche größer... es sind eher die produktionstechnischen Dinge, bei denen von Charlie sehr viele kreative Ideen kommen. Und das finde ich auch toll. Aber beim Songwriting lasse ich mir nur ungern reinreden!


Das dachte ich mir schon. Du hast ja eben noch das Orchester angesprochen. Ein 90 Mann großes Orchester habt ihr ebenfalls im Einsatz gehabt. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Wie kann man sich denn den Aufnahmeprozess im wahren Leben vorstellen? Wie ist das, wenn Metalmusiker auf klassisch orientierte Musiker treffen?

Das ist eigentlich relativ einfach, denn die große Arbeit steckt in der Vorproduktion. D.h. wir arbeiten den Orchesterpart schon bis ins kleinste Detail aus. Jede Note steht fest und von uns wird eine Partitur geschrieben. An dem Tag, an dem die Aufnahme stattfindet, bekommen die Musiker ihre Noten und spielen die Nummer dann so gut es eben geht ein. Eine Kommunikation mit uns als Metalband findet eigentlich nur auf sekundärer Ebene statt. Man kennt sich, man sieht sich und man hat schon eine gewisse Vorstellung voneinander. Das ist alles vorher bereits festgelegt und schon geprobt an dem Aufnahmetag. Die Musiker reisen an in der Oper in Prag, da ist unten im Keller ein Aufnahmestudio, wo das ganze Setup steht und im Prinzip kann man da den ganzen Tag genießen, wie seine eigene Musik in der Oper gespielt wird. Die Musiker müssen so ein Stück dann so ungefähr 13 mal spielen und dann ist es im Kasten. Der eigentliche Aufwand mit dem Orchester am Aufnahmetag ist demnach eigentlich recht unspektakulär.


Platz für Zufälle gibt es also bei einer Albumproduktion bei euch eher nicht, oder?

Nicht in dem Sinne, dass wir nicht in irgendeiner Weise improvisieren können. (lacht) Es wäre doch schon sehr zeitaufwendig, wenn z.B. an irgendeiner Stelle jemand quer schlägt und alles noch mal neu eingespielt werden muss. Das muss einfach alles sehr präzise sein. Dafür machen wir ja auch die ganze Vorproduktion. Auf der anderen Seite passiert es aber auch schon mal, dass während der Produktion noch Ideen reinkommen, an die wir vorher nicht gedacht haben. Dann bastelt man eben spontan noch manche Sachen um... wir sind eigentlich für kreative Ideen immer offen.


Vielleicht stoße ich dir jetzt gleich ein Wenig vor den Kopf, aber ich finde die neue Scheibe eine ganze Ecke schlüssiger und runder als z.B. Alben wie "A Night At The Opera" oder "At The Edge Of Time". "Twilight Of The Gods", "The Holy Grail" oder "Prophecies" sind wirklich geniale Stücke. Klar, es ist euer neuestes Baby, aber würdest du das Album auch ganz hoch oben in eurer Discographie ansiedeln?

Ja, auf jeden Fall. Also man hat schon beim Songwriting irgendwie das Gefühl gehabt, dass es einen ganz anderen Schluss hatte. Man muss aber auch sagen, dass wir bei der letzten Tour eine unglaublich starke Atmosphäre in der Band hatten. Davon haben wir, glaube ich, auch etwas ins Studio mitgenommen. Die Kommunikation war einfach top und wenn man dann noch eine gute Phase hat und kreativ ist, dann sprudeln die guten Ideen nur so. Sowas kann man ja nicht gezielt planen, welche Ideen man am Ende so hat. Man muss bei solch einem Prozess eben damit leben, was man hat. Und ich bin der Meinung, dass wir bei dem Album wieder sehr kreativ waren und dass da unglaublich gute Ideen am Start waren.


Das stimmt wohl!

Das hat uns auch den Druck ein wenig genommen. Wenn man sowas im Rücken hat und schon zwei oder drei tolle Songs im Kasten hat, dann hat man einen Lauf. Das ist vermutlich so ähnlich wie bei unseren Fußballern bei einer WM. Wenn man die ersten paar Spiele gewonnen hat, dann hat man eben die Chance, den großen Cup zu holen. Es entwickelt sich so eine Eigendynamik und eine Selbstsicherheit, dass da Ideen kommen, die jemanden vollkommen umhauen. Das kann man bei dem Album auch gut hören, z.B. bei "Ninth Wave", welches für mich die spektakulärste Nummer des Albums ist. Nicht umsonst der Opener und es war die erste Nummer, die wir geschrieben haben. Das bestätigt für mich irgendwie die Situation. Die vorletzte Nummer war hingegen "Twilight Of The Gods". Somit rollen wir das Album von hinten auf. (lacht) Für uns war das eine große Erleichterung und wir waren so befreit, dass wir immer tiefer in die kreative Kiste geriffen haben.


Der Opener von "A Twist In The Myth", "This Will Never End" - es ist ein cooler Song, aber ich finde da einfach keinen Zugang zu.

Das habe ich von vielen gehört, dass sie mit der "Twist..." Schwierigkeiten haben. Aus meiner Sicht: Wäre das Album nicht gewesen, hätten wir diese Experimente nicht gemacht mit dem moderneren Sound, dann hätte es ein Stück wie "The Ninth Wave" nicht gegeben. Als Beispiel gibt es aber einen Song von unserem letzten Album, "Tanelorn", der von unseren Fans super aufgenommen worden ist, ist für mich die Weiterentwicklung von "This Will Never End". So gesehen muss man auch immer die Notwendigkeit für Experimente eingestehen. Man muss den Musikern schon ihr Spielfeld lassen um zu manchen Sachen zu kommen. Es wäre ja auch Quatsch zu glauben, dass man z.B. nach einem Album wie "Battalions Of Fear" gleich ne Platte wie "Beyond The Red Mirror" raushauen kann. Da müssen schon solche Zwischenschritte einfach sein, und die müssen auch nachvollziehbar sein. Wenn man sich nicht an Experimente wagt, dann kann man auch nicht gewinnen und sich entwickeln. So gesehen ist es mir eigentlich egal, wenn Leute die "Twist..." scheisse fanden. Das nehme ich in Kauf. Als Musiker bin ich durch die Scheibe ein ganzes Stück weitergekommen, wodurch wir jetzt vielleicht ein Album rausbringen, was die Leute umhaut.


Kannst du denn die Kritik von Fans der ersten oder früheren Stunden nachvollziehen, die euch musikalisch teilweise gar nicht mehr folgen können?

Da gibt es bestimmt so einige, klar. Wenn da jetzt ein 80er Metalhead ist, der wird vielleicht durch die ganzen Innovationen unserer Seite aus, auf der Strecke bleiben. Ich denke jedoch, dass wir als Band mehr davon profitieren, dass wir mit unseren Alben immer näher am Zeitgeist waren und es auch immer geschafft haben, die nächste Generation der Metalfans zu beeindrucken oder Leute auch ins Metallager zu ziehen. Wenn man sich unsere Historie anschaut, dann gibt es z.B. Stimmen die sagen, dass sie durch "A Night At The Opera" zum Metal gekommen sind. Das gleiche hören wir ja auch von der "Twist..." oder "At The Edge Of Time". Auf unseren Konzerten stehen häufig 16 jährige in der ersten Reihe und singen unsere Songs mit. Die können bei einem Album, was vier Jahre davor rausgekommen ist, unter Umständen noch gar nicht dabei gewesen sein. So gesehen sind wir auch eine Band die es schafft, die Metalszene weiter zu beleben. Wenn es nur Bands geben würde, die in den 80ern stehen geblieben sind, dann wäre der Metal wahrscheinlich schon verschwunden.


Das könnte gut sein. Ich denke, die "Imaginations From The Other Side" war damals ja auch schon was ganz anderes. Und wenn ich zurückblicke, ist das noch immer meine Lieblingsscheibe von euch, obwohl sie ganz anders war als z.B. "Tales From The Twilight World" oder "Somewhere Far Beyond". Vielleicht ist es in zehn Jahren ja genauso.

Pass mal auf! Als wir die "Imaginations..." veröffentlicht haben, gab es einige böse Stimmen, die "Somewhere Far Beyond 2" erwartet haben. Das boten wir natürlich nicht. Wir haben ja sogar Midtempo-Nummern gebracht, wo sich einige Metalheads erstmal vor den Kopf gestoßen fühlten. Und eine Struktur wie vom Song "Imaginations From The Other Side" hatte es bis dato auch nicht gegeben. Wir waren zu dieser Zeit auch sehr innovativ und ich denke, dass wir einen ähnlich großen Schritt wie von der "Somewhere..." zur "Imaginations..." jetzt auch von der "At The Edge Of Time" zur "Beyond The Red Mirror" gemacht haben.


Was ich mich bei euch immer frage, gerade bei euch beiden Gitarristen: Wie schafft ihr es eigentlich die ganzen komplexen Elemente und Chords auf der Bühne im Kopf zu halten? Zumal eure Stücke ja selten unter fünf Minuten sind und ihr euch ja so gut wie nie wiederholt!

Ähm... proben! (lacht) Vielleicht ist das auch unsere Kunst und das unterschätzen auch viele. Zu sowas muss man auch einfach hinarbeiten. Damals, bei dem Song "Majesty" auf unserem ersten Album, hatten wir ja schon eine ungewöhnliche Struktur, bei der man sich alles merken musste. Das ist einfach Training. Und wenn man das einmal drin hat, dann funktioniert das eigentlich sehr gut und ist live für mich einfach ein Spaßbringer. Bei Songs, bei denen sich wenig tut, da schlafe ich ein! (lacht) Das ist langweilig. Z.B. auf der "Follow The Blind", da gibt es zwei Stücke, bei denen sich nicht so viel tut... das ist dann nicht so interessant. Mir macht es Spaß, eine Nummer wie "And Then There Was Silence" zu spielen. Da ist ständig Bewegung drin und man muss am Ball bleiben. Deshalb wird auch die Liveperformance viel besser, wenn man sich da richtig reinfallen und Gas geben muss.


Es ist dennoch erstaunlich. Und ihr seid auch noch immer ziemlich einzigartig mit BLIND GUARDIAN, das muss man schon sagen. Es gibt ja so viele Bands die sich Symphonic Progressive Power Metal-Band schimpfen, aber eure Klasse erreichen wenige bis niemand.

Danke, danke!


Bitte, bitte. Ihr geht dieses Jahr ja auch wieder auf große Europatour. U.a. steht sogar Russland auf dem Programm, was ich sehr cool finde. Was können die Fans denn von der kommenden Tour erwarten? Wird vielleicht sogar ein Chor mit dabei sein?

Natürlich wäre auch unser Traum, mal mit Orchester und Chor auf die Bühne zu gehen, das lässt sich aber leider nicht realisieren. Aus dem einfachen Grund, dass die Hallen, in denen wir spielen, nicht für klassische Instrumente gemacht sind. So ein Orchester gehört in eine Oper oder ein Opernhaus mit einem entsprechenden Akustikausbau. Nur da klingen die wirklich gut und würden unseren Ansprüchen genügen. In den normalen Hallen ist es auch leider so, dass sich die klassischen Instrumente sehr schnell verstimmen, dazu bleibt das Tuning einer Metalband konstant und das würde natürlich für unschöne Reibungen sorgen. Wir planen aber tatsächlich mal Konzerte in Opernhäusern zu machen. Das wird aber erste nach dem Release unseres Orchesteralbums stattfinden. Auf der kommenden Tour wird es eigentlich wie gewohnt unsere normalen Metalshows geben, mit einigen neuen Stücken. Nicht nur vom neuen Album sondern auch Klassiker, die wir lange, sehr sehr lange oder sogar noch nie live gespielt haben.


Das hört sich aber geil an!

Wir haben jetzt erstmal 17 Stücke in den Topf geworfen und müssen nach den Proben mal schauen, welche davon umsetzbar sind, aber wir haben Großes vor, auf jeden Fall.


Könntet ihr euch denn vorstellen, noch mal so ein BLIND GUARDIAN Open Air zu veranstalten? Vielleicht zum 30. Jubiläum von BLIND GUARDIAN?

Jaa, das könnten wir uns gut vorstellen. Es ist allerdings noch nichts in Planung. Wir arbeiten ja gerade an dem Orchester-Projekt und versuchen es in den nächsten zwei Jahren fertigzustellen. Und da wir das auch gerne mal aufführen möchten, bietet sich ein eigenes Festival natürlich an. Das wäre also evtl. nach dem Release unseres Orchester-Albums ein weiteres großes Projekt.




Musik, auch in ich sag mal unserem härteren Bereich, wird ja leider immer mehr zu einem Wegwerfprodukt. Die Tendenz geht ja immer mehr in den Downloadbereich. Siehst du Plattformen wie Napster oder Spotify eher als Fluch oder als Segen?

Also ich finde es tragisch, dass einige Bands nicht mehr genug Geld verdienen um zu existieren. Das ist natürlich eine sehr negative Entwicklung zumal ich weiß, dass Leute, die einen normalen Job wieder annehmen müssen, nicht mehr so kreativ sein können, als wenn sie den ganzen Tag an einem Song basteln können. Andererseits glaube ich nicht, dass wir den Markt, so wie er jetzt ist, als fix reden sollten, er befindet sich eher im Umbruch. Wir sind in der Zeit von Veränderungen, von analog auf digital, von offline zu online und ich denke, da wird sich in den nächsten Jahren noch so einiges tun. Ich sehe auch viele positive Sachen in dieser Entwicklung und da man die Zeit nicht zurückdrehen kann, muss man eben sehen, wie man mit diesen Technologien arbeitet und umsetzt. Als Künstler würde ich sagen, kann man heutzutage durch die ganzen Möglichkeiten, auf Distribution, Management, Plattenfirmen evtl. auch verzichten. Und wenn man das Geld, was momentan noch durch andere abgezwackt wird, direkt an den Künstler gehen würde, dann würde die Geschichte auch wieder passen.


Da ist was wahres dran...

Manche Bands sollten einfach mal umdenken. Na ja, aber ich denke, wir sind aktuell im Umbruch und es ist nicht das finale Ding, was aktuell herrscht.


Wenn wir schon beim Thema online sind. Du bist bekannterweise ja auch ein Freund von Videospielen. Was sind denn da deine Favoriten? PC oder eher die Konsolen?

Ich spiele hauptsächlich sogenannte RPG FMOs, die spielt man auf dem PC. Es gibt natürlich auch einige für Konsolen, aber mit acht Tasten meinen Charakter zu steuern macht mir jetzt nicht so viel Spaß. Ich spiele hauptsächlich Spiele wie World Of Warcraft oder Final Fantasy. Also überwiegend bin ich bei FMO's unterwegs. Und natürlich, da ich Kinder habe, gehen die Konsolen auch nicht leer aus.


Jawohl!

(lacht) Wir haben natürlich auch die ganzen Konsolen am Start... aber ich war früher eher der Konsolenspieler, es ist aber weniger geworden. Mario Kart geht aber immer.


Okay, dann komme ich auch mal langsam zum Schluss. Seit eurer Gründung im Jahre 1984, unter dem Banner LUCIFER`S HERITAGE: Hättet ihr damals daran gedacht, dass ihr mal weltweit so erfolgreich sein werden würdet?

Wir hatten jedenfalls von Anfang an die Vision, das muss man wirklich sagen. Hansi und ich haben uns getroffen, wir beschlossen, zusammen Musik zu machen. Von der ersten Probe an war klar: Wir machen eine Band und werden berühmt. Wir werden das schaffen. Ab dem Tag stand eigentlich außer Frage, dass es keinen anderen Weg geben würde. Wir haben ganz gezielt darauf hin gearbeitet und auch alles andere links liegen lassen. Für uns stand das eigentlich außer Frage und wir sind unserem Ziel Schritt für Schritt immer näher gekommen. Wir haben uns da ganz verschiedene Sachen einfallen lassen. In den 80ern gab es ja diese große Tapetrader-Szene und wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir damit die breite Masse ansprechen könnten. Und so waren wir damals eben die erste Underground-Band, die ein Demo mit Farbcover gemacht hat. Damals haben die meisten Bands ihre Demos einfach mit einem Kassettenrecorder im Proberaum aufgenommen. Wir sind direkt in ein 16-Spur Tonstudio gegangen. Wir hatten allerdings auch nicht viel Geld zur Verfügung, so hat Hansi eben seine Plattensammlung verkauft.


Nee!

Doch, so ernst war es uns damals.


Thema Platten. Es ist wirklich unglaublich, wie eure Platten im Wert gestiegen sind. Wenn man z.B. die "Imaginations From The Other Side" Picture bei einem großen Auktionshaus ersteigern möchte, muss man schon mal 100 Euro auf den Tisch legen.

Hm, tja, dazu sag ich mal nix. Aber es ist doch schön, dass auch unsere älteren Werke noch immer Anklang finden. (lacht)


Das kann ich so Unterschreiben. Andrè, vielen Dank für das Interview!

Pinhead

Autor: Ingo Nentwig [Pinhead] | 30.01.2015 | 14:10 Uhr

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