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Band: Metalnews nach 'Napalm Death, Suffocation & Warbringer' durchsuchen Napalm Death, Suffocation & Warbringer
Interviewpartner: Barney, Frank & John

Im Rahmen der Campaign For Musical Destruction Tour 2008 begaben sich die Grindcore-Pioniere NAPALM DEATH zusammen mit den Deathern SUFFOCATION und den Thrash-Neulingen WARBRINGER auf Tour durch Europa. Eine ideale Gelegenheit also, um die drei Frontmänner der beteiligten Bands vor dem Konzert gemeinsam an einen Tisch zu bitten, um ein wenig die alten Zeiten und die Anfänge zu reflektieren sowie über Themen wie Filesharing versus Tapetrading, Reunions, die aktuelle Musikszene und Ähnliches zu diskutieren. In unserem ausführlichen Special melden sich somit Mark „Barney“ Greenway [NAPALM DEATH], der erst im Verlauf des Interviews dazukommen sollte, Frank Mullen [SUFFOCATION] und John Kevill [WARBRINGER] zu Wort.




Okay, erst einmal vielen Dank, dass Ihr Euch zu dem Interview bereit erklärt habt! Wie läuft denn die Tour bis jetzt, nachdem jetzt knapp zwei Drittel schon hinter Euch liegen?

Frank [SUFFOCATION]: Ja, es sind jetzt noch ungefähr zehn Konzerte übrig. Bis jetzt läuft die Tour echt super. Alle Konzerte waren klasse und wir hatten eine prima Zeit. Alle Leute im Tourtross sind total locker, was es natürlich sehr angenehm macht. Ein paar Shows waren glaube ich sogar ausverkauft, aber insgesamt bewegen sich die Zuschauerzahlen auf einem sehr soliden Niveau.

John [WARBRINGER]: Wir hatten bis jetzt eigentlich gar keinen Abend, den man als ‚schlecht’ bezeichnen könnte. Läuft also richtig gut.


Die Rechnung, eine Mischung aus Grindcore, Brutal Death und Thrash Metal anzubieten, scheint also aufzugehen? Ihr, WARBRINGER, seid den meisten Leuten ja sicherlich noch relativ unbekannt, oder?

John [WARBRINGER]: Klar, wir sind zum ersten Mal überhaupt hier. Wenn uns dann jemand kennt, dann überrascht mich das auch eher. Wir hatten bisher aber durchgehend gute Rückmeldungen. Das Tourpaket bietet auf dreierlei Art sehr extreme und aggressive Musik, sodass alles gut zusammenpasst.


Seht Ihr eigentlich viel oder zumindest etwas von den Orten, wo Ihr Stopps einlegt? Heute seid Ihr ja in Lindau, wobei Ihr sicherlich nicht viel Zeit hattet, oder?

John [WARBRINGER]: Hehe, ich habe es gerade einmal bis zum McDonald’s die Straße hinunter geschafft.

Frank [SUFFOCATION]: Haha, ja, aber es ist auch echt schwer. Die meiste Zeit über hast Du nicht die Möglichkeit, Dir viel anzuschauen. Wenn man dann mal angekommen ist und alles geregelt hat, bleibt vielleicht gerade mal Zeit, ein wenig in der Umgegend des Clubs herumzulaufen. Es ist aber ziemlich schwierig, sich wirklich etwas in Ruhe anzuschauen.

John [WARBRINGER]: Man sieht schon einige sehr coole Dinge, aber man kann überhaupt keine touristische Sachen durchziehen.


Was mögt Ihr denn bis jetzt am meisten? Welches Land sagt Euch am meisten zu? Was würdet Ihr Euch gerne mal mit mehr Ruhe ansehen?

Frank [SUFFOCATION]: Meiner Meinung nach ist die Schweiz eins der schönsten Länder, die ich besucht habe. Die Berge überall und eigentlich die ganze Landschaft. Ich würde gerne irgendwann mal zurückkommen und mir vieles in Europa anschauen. Deutschland und so weiter, und da auch gerade die ganzen Burgen, das wäre total cool. Bisher hatte ich nur leider noch nicht die Möglichkeit dazu.


Was ist denn der exotischste Ort, an dem Ihr aufgetreten seid? John, Ihr spielt ja dieses Jahr in Wacken, auch wenn das jetzt nicht exotisch in geografischer Hinsicht ist.

John [WARBRINGER]: Ja, Wacken steht definitiv ganz oben auf meiner Liste.

Frank [SUFFOCATION]: Wir waren in Indonesien und auch auf Gran Canaria. Das war echt abgefahren, hehe. Hawaii wäre mal eine tolle Sache.


Habt Ihr während Eurer Zeit hier irgendwelche deutschen Sätze und Ausdrücke gelernt? Frank, Ihr wart ja schon einige Male hier?

Frank [SUFFOCATION]: Nein, nicht wirklich. Es geht eigentlich nicht über „Danke“ hinaus. Barney ist da aber recht fit.


Was mögt Ihr an Deutschland oder habt Ihr vielleicht mal irgendetwas Negatives erlebt?

Frank [SUFFOCATION]: Nein. Bis jetzt war das immer gut, sodass ich nicht sagen kann, dass wir wirklich mal etwas Schlimmes erlebt haben. Es tauchen immer viele Leute auf und die Konzerte sind auch immer gut.

John [WARBRINGER]: Ich mochte Deutschland schon vorher. Ich bin mal einige Zeit durch Europa gereist und habe ungefähr zwei Wochen in Deutschland verbracht. Ich mag die ländlichen Gegenden mit den vielen Waldgebieten total gerne. Die Menschen waren mir gegenüber sehr freundlich. Ich habe während der gesamten Zeit hier immer wieder neue und mir eigentlich wildfremde Menschen kennen gelernt, die mir dann eine Unterkunft angeboten haben, was ziemlich cool und freundlich war.


Was haltet Ihr denn prinzipiell vom Touren? Was sind die Vor- und Nachteile des Tourlebens?

Frank [SUFFOCATION]: Die Vor- und Nachteile bestehen darin, dass das Konzert an sich, wenn man dann endlich auftritt, eigentlich die beste Sache daran ist. Was ich wirklich nicht leiden kann, ist die ganze Rumfahrerei, das Reisen und das ewige Rumsitzen und Warten. Gerade das Herumsitzen ist nervtötend.

John [WARBRINGER]: Gut 22 oder 23 Stunden pro Tag sitzt Du einfach herum und wartest darauf, dass Du auf die Bühne kannst, sodass sich die Zeit, wo Du wirklich etwas machst, auf vielleicht eineinhalb oder zwei Stunden beschränkt.


Wie vertreibt Ihr Euch dann die Zeit? Filme gucken, lesen, etc.? Oder arbeitet Ihr an neuen Songs?

Frank [SUFFOCATION]: Nein, nicht wirklich. Wir sollten wahrscheinlich neue Musik schreiben, aber im Normalfall passiert das einfach nicht. Du hörst dann eher Musik oder schaust Dir Filme an, damit Du nicht total durchdrehst.


Was macht Ihr denn vor Euren Auftritten? Wärmt Ihr Euch auf? Gibt es da ein bestimmtes Vorgehen?

Frank [SUFFOCATION]: Ich mache eigentlich gar nichts.

John [WARBRINGER]: Normalerweise nichts. Ich schreie höchstens fünf Minuten vor unserem Auftritt die Wände an, hehe. Und manchmal, das liegt daran, dass ich Rob Dukes von EXODUS das machen sah, brülle ich ganz laut „Heyeyeyey!“. Aber das ist eher ein Witz und hat mit richtigem Aufwärmen nichts zu tun.


Wie war das für Euch, als Ihr mit dem Singen angefangen habt? Frank, Du hast ja zum Beispiel zuerst Gitarre gespielt?

Frank [SUFFOCATION]: Ja, das war vor einer ganzen Weile. Ich habe mit der Gitarre angefangen. Ich war ganz okay, aber jetzt auch nicht großartig. Ich habe dann Gitarre in ein paar Bands gespielt, bevor ich eine Zeit lang den Bass übernahm. Und irgendwann dachte ich mir: Ach, ich probiere das jetzt einfach mal mit dem Singen und Herumbrüllen. Das erste Mal hat wehgetan und ich konnte zwei Tage lang kaum sprechen. Dann bin ich drangeblieben und es hat sich dann so entwickelt.

John [WARBRINGER]: Anfangs, was dann im Endeffekt WARBRINGER werden sollte, sollte ich Gitarre spielen, da ein Freund und ich uns sagten: Hey, lass uns eine Band gründen! Da ich eine Gitarre hatte, habe ich angefangen, mir das draufzupacken. Ich bin aber echt furchtbar und habe das nicht auf die Reihe bekommen. Daher habe ich mir dann das Mikro geschnappt. Das einzige Training, das ich hatte, bestand darin, im Auto die ganzen alten Thrash-, Death- und Speed Metal-Scheiben anzuhören und die Texte, die ich kannte, mitzusingen.


Was ist eigentlich das Verrückteste, das Euch mal während eines Konzertes oder auf zum Weg zu einem Auftritt passiert ist? Terrance [Anmerk.: Hobbs, Gitarrist von SUFFOCATION] ist ja beispielsweise mal der Pass abhanden gekommen?

Frank [SUFFOCATION]: Ja, er hatte ziemliche Probleme, den zeitnah zu bekommen, und ja, dann wurde er ihm geklaut. Das war ein ziemlicher Mist. Während der Touren bin ich circa dreimal vergessen worden, was echt verrückt ist. An irgendeinem kleinen Restaurant irgendwo oder Du gehst auf die Toilette – und zack, stehst Du alleine da.

John [WARBRINGER]: Wir waren mit NILE unterwegs, aber das war recht unproblematisch. Bei der Tour mit EXODUS waren wir nahe daran, uns an die Gurgel zu gehen, als wir um drei Uhr nachts mitten durch Blizzards fuhren. Bei der jetzigen Tour war eigentlich das Verrückteste, als Frank den Leuten sagte, dass sie in einen Fluss springen sollen, von einer Brücke runter.

Frank [SUFFOCATION]: Haha, ja. Das war schräg. Das war beim Rock Hard Festival. Wir haben nicht gespielt, also habe ich den ganzen Tag gebechert.





Ihr habt kürzlich eine Schwarze Liste für miserable Tour Promoter veröffentlicht. Das ist eine spannende Geschichte, da Ihr anscheinend einige negative Dinge erleben musstet? Wie wäre es zum Beispiel, eine Art Netzwerk aufzubauen, damit es sicherer für die Bands wird?

Frank [SUFFOCATION]: Ja, es wäre eine großartige Idee, wenn sich das machen ließe. Wir hatten echt die Schnauze davon voll, an schlechte Promoter oder miserable Busagenturen zu geraten. Unserer Meinung nach können wir die Leute jetzt über diejenigen in Kenntnis setzen, bevor sie dann selbst in der Patsche sitzen. Das ist eine Erfahrung, die man eben erleben sollte. Wenn man sich dann trotzdem zu einer Zusammenarbeit entschließen sollte, gut, von mir aus, aber schaut Euch an, was bereits passiert ist. Aber vielleicht hilft das, sodass die Bands sich das genauer betrachten und sich dann gegen diese oder jene Busagentur oder gegen einen Typen entscheiden, weil er schon eine andere Band abgezogen hat. Das ist also ein Weg, dies publik zu machen, und ich hoffe, und das ist eigentlich die Hauptsache, dass sich diese Leute bessern.

John [WARBRINGER]: Ich muss das mal mit unseren Listen für unsere anstehende Tour in Großbritannien vergleichen. Wir sind direkt nach dieser Tour hier für eine Woche als Headliner dort unterwegs, zumal das ebenfalls das erste Mal sein wird, dass wir Großbritannien bereisen.


Was haltet Ihr denn von Festivaltouren, die fast nur aus Death-Metal-Bands oder auch Thrash-Metal-Bands bestehen? Ihr spielt ja alle in ein paar Tagen auf dem Neurotic Deathfest in Tilburg. Und dann gibt es noch das Death Feast Open Air, das Ihr leider absagen musstet.

Frank [SUFFOCATION]: Das ist schon cool. Hier gibt es schlichtweg so viele verschiedene Festivals, was sehr gut funktioniert. Wenn die Leute nur Death Metal mögen und nur das sehen möchten, dann passt das ausgezeichnet, da sie sich nicht haufenweise Bands reinziehen müssen, die sie eigentlich gar nicht sehen möchten. Bei den großen Festivals sind vielleicht vier oder fünf Todesblei-Bands, und der Rest ist dann Power Metal oder Thrash und so weiter.

Barney [NAPALM DEATH]: [kommt dazu] Sorry, ich möchte Euch nicht unterbrechen, aber ich glaube, es gibt hier ein Interview, an dem ich teilnehmen sollte. Es gab noch ein paar Probleme mit dem Merchandise, aber ich kann das nachher noch klären. Ich bin so weit, wenn das okay ist.

Frank [SUFFOCATION]: Ja, klar!

John [WARBRINGER]: Was die Festivals betrifft: Ich meine, wir spielen das Neurotic Deathfeast, wo natürlich alle auf Death Metal stehen. Das wird sicherlich spannend, was die Zuschauer betrifft. Wir waren ja schon auf Tour mit NILE und wir sind zudem auf dieser Tour, und beides lief richtig gut.


Das ist ein guter Zeitpunkt, da Barney jetzt dazugekommen ist, um kurz über die anstehenden Studioalben zu sprechen. Gibt es vielleicht Neuigkeiten, die Ihr uns vermitteln könnt? Frank, Eure Scheibe wird zum Beispiel „Blood Oath“ heißen?

Frank [SUFFOCATION]: Ja, richtig, das ist der Titel der CD. Im Moment sprechen wir mit einer Plattenfirma. Es ist noch nicht ganz sicher, aber alles ist gerade sehr nahe daran, einen Vertrag unter Dach und Fach zu bringen.

Barney [NAPALM DEATH]: Wir haben einen sehr kleinen Kern dessen, was auf dem Album enthalten sein wird. Das ist eigentlich nicht mal die Hälfte dessen, was wir schon gerne hätten, aber wir arbeiten immer sehr zügig. Haha, wahrscheinlich werden wir sogar noch vor Euch fertig sein, Frank, hehe!

Frank [SUFFOCATION]: Hehe, ja. Wir wollen es bis August oder September aufgenommen haben, also sollte die Veröffentlichung ungefähr im November liegen.

Barney [NAPALM DEATH]: Ja, wir sprechen da von einem ähnlichen Zeitfenster. Aber bis jetzt haben wir ja noch nichts, hehe. Bis jetzt habe ich noch nichts Konkretes im Kopf, woraus das Grundthema der Scheibe bestehen wird. Wir haben zwar auf dem letzten Album das Thema Religion behandelt, aber man kann ja trotzdem immer wieder auf kleinere und immer wieder kleinere Aspekte zurückkommen. Das ist also nicht komplett abgeschlossen. Vielleicht wird es auch um Satan gehen, denn darüber kann man sich eigentlich immer gut lustig machen.

John [WARBRINGER]: Wir haben bis jetzt einen neuen Song fertig, den wir auch auf dieser Tour spielen. Während des Sommers werden wir dann noch acht oder neun Tracks schreiben und diese ungefähr Anfang nächsten Jahres aufnehmen.


Barney, wird es eigentlich etwas Spezielles zum Tod von Jesse Pintado geben, um dieses Thema anzuschneiden und gleichzeitig abzuschließen?

Barney [NAPALM DEATH]: Nein, nein. Wir haben schon einige Sachen gestartet, um für Jesse zu sammeln. Natürlich tut es weh, dass Jesse nicht mehr lebt, aber Jesse ist im Endeffekt seinen eigenen Weg gegangen. Er hat das getan, was er machen wollte, und er wusste, wo die jeweiligen Risiken lagen. Es ist ja nicht so, dass es nur wenigen Menschen so ergeht. Ich persönlich kann mich dem Tod ganz gut abfinden, auch wenn ich natürlich nicht sterben möchte, aber ich finde, dass der Tod der nächste Abschnitt und das Ende der Zeit auf der Erde ist. Der Tod ist für mich also nicht dieses riesige, und da möchte ich meine Worte jetzt sorgfältig wählen, ja, Melodrama, zu dem er von vielen Menschen gemacht wird. Natürlich tut mir Jesses Familie sehr leid, da sie zutiefst erschüttert war und sicherlich noch ist, aber für mich persönlich war es so, dass ich eine Weile traurig war, es dann aber akzeptiert habe. Es ist Zeit, nach vorne zu schauen. Ich hoffe, da Jesse in Holland verstarb, dass genug Geld zusammenkommt, damit seine Familie zumindest finanziell gut dasteht und mit der Situation klarkommen kann. Nein, also es wird keine Tribut-Single oder etwas Ähnliches geben. Ich möchte nicht, dass das herzlos klingt, aber ich sehe dafür irgendwie kein Bedürfnis. Diese Zeit ist gekommen und wieder gegangen, während ich mich an Jesse auf meine eigene Art erinnern möchte. Immerhin war er ein Freund von mir, klar. Das Leben geht eben weiter, das ist einfach natürlich.

Frank [SUFFOCATION]: Ben von DISGORGE und Vitek von DECAPITATED wären da auch zu erwähnen.


Ganz anderes Thema: Wie sieht es eigentlich mit der SUFFOCATION-DVD aus, die schon eine ganze Weile ansteht?

Frank [SUFFOCATION]: Oh je, das erscheint mir ebenfalls schon wie eine halbe Ewigkeit. Ein Teil der Aufnahmen wurde leider demjenigen, der das Teil schneidet, gestohlen, d.h. die Festplatte seines Computers wurde entwendet. Also musste er von vorne beginnen und alles neu bearbeiten, aber es wird wirklich bald geschehen. Ich rede hier von den nächsten paar Monaten. Im Moment ziehen wir die ganzen losen Fäden zusammen. Es wird einige Behind-The-Scenes-Geschichten geben, ältere Aufnahmen und ein bisschen was von allem. Es soll eine schöne DVD geben, die einen Großteil der Geschichte der Band beinhalten soll. Für den Augenblick sieht es so aus, dass wir das erst einmal in Eigenregie veröffentlichen werden.


Von CANNIBAL CORPSE kommt ja beispielsweise im Juli ein großes Paket mit drei DVDs heraus, das Live-Auftritte und die komplette Bandgeschichte enthält. Ist das nicht auch eine Frage des Geldes?

Barney [NAPALM DEATH]: Das erfordert extrem viel Arbeit. Was die Finanzen betrifft, kommt es aber darauf an, woher sie die Aufnahmen haben. Wenn Du als Band einigermaßen schlau bist, dann wirst Du die Fans Deine Konzerte filmen lassen und dann zum gegebenen Zeitpunkt diese Aufnahmen verwenden und zusammenschneiden. Es wird sicherlich viel davon darauf vertreten sein. Aber es erfordert wie gesagt wahnsinnig viel Arbeit. Und man muss auch im Auge behalten, d.h. das ist jetzt meine eigene Meinung zu DVDs: Ich bin wirklich zögerlich, eine DVD zu veröffentlichen, und zwar aus einem einfachen Grund: Bei allem nötigen Respekt, aber viele Leute in den Bands denken schnell, dass sie wie Filmstars sind, indem sie DVDs veröffentlichen, sodass die Leute dann denken „Wow, eine DVD von dieser Band, toll!“, aber wollen die Fans wirklich ernsthaft eine DVD von einer Band auf der Bühne immer und immer wieder ansehen? Meiner Meinung nach nicht. Aus diesem Grund muss einfach das komplette Paket sinnvoll und stimmig sein.
Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber wenn mich etwas wirklich überhaupt nicht auf einer DVD interessiert, dann sind das eine halbe Stunde Extras, während denen eine Band irgendeinen Blödsinn im Umkleideraum macht. Das ist doch zum Gähnen langweilig! Dabei kommt es noch nicht einmal darauf an, ob es den Betroffenen damals wie ein großer Spaß vorkam. Wenn man sich dann die Rezensionen der DVDs anguckt, kommt meistens: Same old shit! Eine Band, die Backstage rumalbert. Es ist natürlich bis zu einem Grad schwer, etwas Neues zu bieten, aber wenn die Leute nur mit genügend Einfallsreichtum an die Sache herangehen würden. Es gibt durchaus DVDs, die wirklich die hineingesteckte Mühe reflektieren und Grenzen überschreiten. Da fällt mir zum Beispiel die von PIG DESTROYER ein, als das Album mit der DVD erschien, auf der eine Art leerer Bildschirm zu sehen war. Ja, okay, es war nur ein leerer Bildschirm, wo ab und zu etwas erschien, aber es war etwas völlig anderes. Dann gibt es noch die Punk-Band CRASS, die eine DVD mit ihrer Musik, die zu wirklich abgefahrenem Bildmaterial aus dem Public Domain lief, erstellt hat. Sie haben das natürlich gründlich gemacht und recherchiert, und dann haben sie das auch richtig zusammengestellt. Ich habe das jetzt vielleicht fünfmal gesehen und ich werde mir das auch wieder anschauen. Ja, klar, eine gute Live-Show ist eine prima Sache, aber ich möchte mir das nicht ein- oder zweimal ansehen und dann niemals wieder die DVD in die Hand nehmen.





Barney, Ihr hattet ja zum Beispiel ebenfalls eine DVD, „Punishment In Capitals“, also wird es da in Zukunft nicht so schnell etwas Neues geben?

Barney [NAPALM DEATH]: Ja, und das hat auch richtig gut funktioniert, da ein umfassender Dokumentarteil enthalten war. Es war nicht nur so in der Art: „Guckt alle mal, ich balanciere Bierflaschen auf meiner Nasenspitze!“ Zum Gähnen. Wenn wir eine neue DVD machen sollten, dann soll es wiederum ein komplettes Paket werden, das sich aber von dem jetzigen unterscheidet.


Hört Ihr Euch derzeit eigentlich viel Death Metal oder Thrash Metal an? Gibt es einige Bands, die Euch kürzlich umgehauen haben?

Frank [SUFFOCATION]: Ich höre mir viel von dem Old-School-Zeug an. Es gibt einige neuere Bands, die es ziemlich drauf haben. Ab und zu finde ich dann mal hier und da etwas. Meistens kann ich mir eigentlich fast alles anhören. Außer Country. Das kann ich nicht ausstehen. Furchtbar!

Barney [NAPALM DEATH]: Geht mir ganz genauso.


Wie hat sich die Szene Eurer Meinung nach geändert, wenn Ihr es mit den Anfängen vergleicht?

Barney [NAPALM DEATH]: Hm, nun ja, wir sind NAPALM DEATH, die oft sehr früh involviert waren. Ich war auch schon davor in einer Band, sogar schon vor BENEDICTION. Die offensichtliche Antwort ist, dass die Szene total übersättigt ist. Es gibt so unglaublich viele Bands. Aber das liegt eben in der Natur der Sache, wenn ein Genre ein wenig populärer wird und dann wieder weniger populär und dann wiederum wieder populärer; alles vollzieht sich in Kreisläufen und ist irgendwann übersättigt. Und um auf das zurückzukommen, was Frank in seiner letzten Antwort sagte, so finde ich es wirklich sehr schwer, mich noch von Death-Metal-Bands begeistern zu lassen. Das goldene Zeitalter war meiner Meinung nach Mitte bis Ende der achtziger Jahre. Wenn wir mal ehrlich sind, dann schreibt doch niemand Songs, die so gut wie auf „Scream Bloody Gore“ oder „To Mega Therion“ waren. Das sind wahre Zeitzeugnisse, die nur ganz schwer zu reproduzieren sind. Dabei ist vieles sogar bei den Leuten im Schlafzimmer entstanden, und das oftmals auch rein zufällig und schlichtweg nicht geplant. Das ist einfach logischerweise das interessanteste Zeug. Ich erinnere mich daran, als SUFFOCATION anfingen. Sie waren, um ganz ehrlich zu sein, die letzten der wirklich aufregenden Bands, ehe die ganze Szene komplett übersättigt war. Die Aufnahmen wurden zu steril, die Songs waren eher nach dem Motto „Oh, lasst uns doch mal gucken, wie viele Noten wir eigentlich spielen können.“ strukturiert. „Scream Bloody Gore“, „To Mega Therion“ und die REPULSION-Alben waren deshalb toll, weil sie Songs beinhalteten.


Findet Ihr, dass das Internet da eine große Rolle spielt, wenn wir uns zum Beispiel MySpace anschauen? Was haltet Ihr davon, wenn man sich zusätzlich die Gemeinsamkeiten zwischen Filesharing und dem früheren Tapetrading betrachtet?

Frank [SUFFOCATION]: Oh ja, sicher.

Barney [NAPALM DEATH]: Oh ja, das ist es. Ich habe kein Problem damit, wenn sich die Leute unsere Alben ziehen, aber es gibt ein paar Einschränkungen. Mich stört es nicht, wenn die Kids sich die Scheibe ein Jahr oder so nach der Veröffentlichung runterladen, da es dann – ehrlich gesagt – zusätzliche Promotion für die Band bedeutet und sich diese Leute wohl sonst niemals bewusst die neue CD von NAPALM DEATH gekauft hätten. Wenn es die Kids hingegen vor der Veröffentlichung oder um das Veröffentlichungsdatum herum machen, was aber viele Leute nicht verstehen: Wir sind nicht Britney Spears oder fuckin’ Justin Timberlake. Wir sind auf diese ersten drei Monate nach dem Erscheinen der CD total angewiesen, um die Band am Laufen zu halten. Das hat noch nicht mal etwas mit Profit zu tun, sondern dient nur dazu, um überhaupt auf den Beinen zu bleiben, wenn dann vielleicht der nächste Scheck in einem halben Jahr eintrudelt. Das ist ja der Punkt. Wenn die Kids das also machen, dann verbauen sie der Band eher den Weg, weil sie nicht die Menge an Platten verkauft hat, die sie früher aber veräußern konnte, sodass sie im Umkehrschluss nicht auf Tour gehen kann. Das ist der Nachteil an der Geschichte. Es gibt aber noch einen weiteren Punkt: Die großen Plattenfirmen hatten einfach viel zu lange ihr Monopol, zwar nicht darauf bezogen, was die Leute letztendlich hören, aber in Bezug auf die Preisgebung. Das haben sie übertrieben und dafür dann quasi die Quittung bekommen. Das ist zumindest meine Meinung.

Frank [SUFFOCATION]: Es wird sich weiterhin ändern. Im Endeffekt wird es auf solche Sachen wie iTunes und Ähnliches hinauslaufen. Die Fans werden dann nicht ein ganzes Album herunterladen, sondern vielleicht nur zwei oder drei Songs, die sie aber dann auch kaufen werden. Die Band muss natürlich ihr absolut bestes Material schreiben, um dann alles verkaufen zu können.

John [WARBRINGER]: Abgesehen von dem, was schon gesagt wurde, ist ein weiterer Nachteil an den Downloads, dass die Scheiben, die man gekauft hat, etwas sind, in das man zu einem gewissen Grad investiert hat. Wenn man auf Soulseek oder ähnlichen Mist geht, ist alles umsonst, und wenn Du Deinen Computer die Nacht über anlässt und dann ein Gigabyte an Musik dazubekommen hast, dann kann man das Zeug nicht richtig wertschätzen. Man hört sich das ein wenig an, vielleicht sogar nur zwei Songs. Es gibt ja tonnenweise Musik im Internet. Es zerstört meiner Ansicht nach ein Stück weit die Wertschätzung der Musik. Die Aufmerksamkeitsspanne ist viel geringer. Und es gibt ja auch etliche Scheiben, bei denen beim ersten Hören nicht viel hängen bleibt, die aber die Zeit und einige Durchläufe brauchen, um dann wirklich zu zünden und einen total umhauen. Wenn man die einfach herunterlädt, hat man kaum genug Zeit, sich das lange genug anzuhören, um es überhaupt richtig verstehen zu können. Und wenn es dann nicht schon beim ersten Durchlauf zündet, fliegt das meistens raus. Das ging mir bei fast allen meiner Lieblingsbands so, dass ich die CDs anfangs gar nicht mochte, sondern schlichtweg Zeit dafür benötigte.

Barney [NAPALM DEATH]: Ja, da hat John wirklich Recht. Ich meine, bei „Smear Campaign“ war das echt so, dass wir verdammt noch mal kaum im Studio fertig waren, als es schon online stand! Das war schon irgendwie traurig. Es ist aber auch schwierig: Auf der einen Seite denke ich so, aber andererseits finde ich auch, wie ich schon sagte, dass die Musikindustrie einfach schon zu lange die Vormachtstellung und die Fäden in der Hand hatte. Jetzt wurde der Spieß herumgedreht, und der Nachteil ist, dass wir, die die Alben aufnehmen, auch einen Teil davon schlucken müssen. Aber so ist es nun mal, und es ist auch ein Ansporn für uns, weil wir uns jetzt weiterentwickeln müssen, um den Anforderungen gerecht zu werden. Wie Frank schon meinte, so fallen die Plattenfirmen vielleicht irgendwann komplett unter den Tisch. Die wirtschaftliche Seite könnte, so wenig wir auch darüber reden möchten, im Endeffekt wieder komplett bei den Bands selbst liegen. Wir wären dann für die Einnahmen zuständig und würden unsere Alben über unsere eigenen Internetseiten vertreiben und nicht über die eines Labels.

Frank [SUFFOCATION]: Ja, ganz genau.

Barney [NAPALM DEATH]: Schaut Euch nur mal NINE INCH NAILS mit ihrem kostenlosen Download an. An diesem Punkt ist das natürlich leicht für die, weil sie ein massives Kapital haben. Die müssen sich nicht über die nächste Miete oder so Gedanken machen. Bei uns liegt der Fall dann schon anders. Das verstehen aber viele Menschen nicht oder wollen es nicht wahrhaben. Das wird aber sicherlich so kommen, definitiv.


Ein kleiner Schwenk zu einem komplett anderen Thema: Was denkt Ihr eigentlich über die ganzen Reunions, die seit einer Weile stattfinden. CARCASS, AT THE GATES und FORBIDDEN sind beispielsweise wieder zurück. Ich warte eigentlich nur noch auf eine Reunion von DEMOLITION HAMMER, um ehrlich zu sein. DEVASTATION sind ja auch wieder zurück.

John [WARBRINGER]: Was, DEVASTATION sind wieder zurück?! Wow, bei DEMOLITON HAMMER wäre ich aber sofort am Start!

Frank [SUFFOCATION]: Es ist auch einfach so, dass Musik sich wie in einem gigantischen Kreislauf bewegt. Wenn man sich all die anderen Bands anschaut, die sich wieder reformieren, die ganzen Hair-Metal-Bands. WARRANT spielen wieder Konzerte, dann auch RATT und so weiter. Musik bewegt sich immer weiter. Was gerade passiert, ist, dass Death Metal eine Phase durchschritten hat, wo er beinahe zum Stillstand kam. Dann hat sich alles wieder erholt. Headbangers Ball war da, und das Internet macht es den Bands wesentlich leichter, ihre neuen Sachen vorzustellen. Als wir damals anfingen, wie wohl auch damals bei NAPALM DEATH, ging es ausschließlich um Tapetrading und Fanzines. Das war die einzige Art von Plattform, die es überhaupt gab. Jetzt ist eigentlich eine perfekte Zeit für einige der Bands, sich wieder zu reformieren.

Barney [NAPALM DEATH]: Bei den Bands, die Du erwähntest, ist es so, dass sie einfach machen sollen, was sie möchten. Ich habe da ehrlich gesagt keine wirkliche Meinung. Wenn es für sie funktioniert, dann müssen sie das machen. Das große Risiko ist halt, wenn sie sich reformieren, und das Ganze dann total lahmarschig wirkt, denn dann werden sie damit auf die Nase fallen. Sowohl CARCASS als auch AT THE GATES sind Kumpels und wir haben beide einige Male mit auf Tour genommen, und ich hoffe wirklich sehr, dass es für beide gut laufen wird, aber ich glaube nicht, dass diese Reunions so groß werden, wie die Leute jetzt sagen. Für mich ist es merkwürdig, da Bill von CARCASS so was von überhaupt kein Interesse mehr daran hatte, jemals wieder heftige Musik zu spielen. Er war dann bei FIREBIRD, das ist eine Country Rock-Band! Shane [Anmerk.: Embury, Bassist von NAPALM DEATH] hat vor ein paar Jahren zu Bill gesagt: „Komm, Bill, spiel doch mal ein wenig Gitarre für eines meiner Projekte.“ – Und Bill sagte: „Ich kann überhaupt nicht mehr mit einem Distortion-Pedal umgehen.“ – Ich bin da einfach neugierig, wie sich das dann entwickeln wird. Wir haben so eine Art Wohltätigkeits-Album aufgenommen, und das war das erste Mal, dass Bill überhaupt wieder etwas mit Verzerrung gespielt hat. Und sein Gesichtsausdruck ging eher in die Richtung: „Was muss ich machen? Was muss ich machen?“

John [WARBRINGER]: Ich finde, die Reunions sind von Fall zu Fall unterschiedlich zu bewerten. Manche Bands siehst Du vielleicht erst jetzt und denkst Dir, dass das eine tolle Show war. Ich habe zum Beispiel CARCASS damals nicht sehen können. Manche der Reunions werden oft als finanzielle Abzocke gewertet, vielleicht ist das bei einigen sogar der Fall, aber wenn ich CARCASS sehen kann und das auch noch toll ist, dann werde ich mich sicherlich nicht darüber beschweren, hehe.

Barney [NAPALM DEATH]: Und mal ganz im Ernst: Kann mir wirklich jemand sagen, dass so viele Leute so betrübt darüber waren, als AT THE GATES sich damals auflösten, also im Vergleich zum jetzigen Hype? Ich möchte wirklich alles andere als respektlos erscheinen, aber erinnert Ihr Euch daran, als AT THE GATES noch aktiv waren?

Frank [SUFFOCATION]: Wenn ich ehrlich bin, ich habe nie AT THE GATES gehört.

Barney [NAPALM DEATH]: Viele Leute wussten überhaupt nichts von denen. Ehrlich, als wir mit ihnen in den Staaten und in Europa unterwegs waren, mochten die Leute sie, klar, aber niemand sprach zum Zeitpunkt von „Slaughter Of The Soul“ so viel von ihnen wie im Vergleich zu heute. Ich will nicht unfair wirken, und ich bin mit allen in der Band befreundet, aber das ist wirklich interessant, wie sich die Auffassung von damals bis heute geändert hat. „Slaughter Of The Soul“ ist ein verdammt gutes Album, aber damals hat sich wirklich niemand groß darum gekümmert, als sie sich auflösten. Das ist jetzt nur realistisch betrachtet. CARCASS hingegen ist eine komplett andere Geschichte.





Was haltet Ihr von dem Stand der extremen Musik heutzutage? Es gibt viele Bands, die wahnsinnig technisch oder brutal sind, wenn wir mal BRAIN DRILL, DESPISED ICON oder BENEATH THE MASSACRE betrachten, die teilweise verschiedene Szenen zusammenbringen. NAPALM DEATH hatten sicherlich weniger Probleme damit, da Ihr immer schon die Punks und die Hardcore-Fans angezogen habt, oder?

Barney [NAPALM DEATH]: Wie John eben sagte, so kommt dies tatsächlich auf jeden einzelnen Fall an. Eine Band kann im Endeffekt machen, was sie will. Wenn sie das Gefühl hat, dass das gut ist und dass es sie glücklich macht, und sie davon auch überzeugt ist, dann werde ich ihnen sicherlich nicht in die Suppe spucken wollen. Bei mir persönlich ist das so, dass ich mir die CD anhöre, und wenn sie gut ist, ist sie gut, und wenn nicht, dann nicht. Ich habe zum Beispiel einige echt fürchterliche Fusion-Bands gehört, aber es gibt ebenso sehr ein paar richtig gute. Insgesamt muss diese bestimmte Szene einiges bringen, damit ich wirklich überrascht bin und mir denke „Wow!“, aber man sollte niemals nie sagen.

John [WARBRINGER]: Das extreme Zeug kann ich mir ehrlich gesagt nicht anhören, hehe. Viel davon spricht mich nicht so an, da in der modernen Metal-Szene, besonders im extremen Bereich, der Trend vorzuherrschen scheint, sich die ganze Zeit nur auf Sweeps und Blasts zu konzentrieren, damit es so abgefahren wie möglich klingt. Wie Barney gerade meinte, hatten die ganzen alten Bands dagegen wirkliche Songs.

Frank [SUFFOCATION]: Wenn es dann so übertrieben gemacht ist, dann ist es wirklich ein bisschen lachhaft.

John [WARBRINGER]: Man sieht sich das an und denkt sich, meine Herren, das ist echt beeindruckend, und man hört es, aber erinnert sich an die Musik nur als Klangfläche an sich. Das Ende vom Lied ist doch, dass die Technik gar nicht so wichtig ist, wenn man etwas erschaffen will. Es macht es nicht zwangsläufig besser, je mehr Noten hineingepackt werden. Dann hat man zwar ewig viele Noten, aber keinerlei Struktur.

Barney [NAPALM DEATH]: Es ist im Endeffekt eine Sackgasse, wenn Du denkst, dass Du einfach nur eine Million Noten spielen kannst, so begabt Du auch sein magst, und dann ein Album machst, das die Leute vielleicht nur einmal aus ihrer Sammlung hervorholen. Das wird nur sehr selten passieren.

John [WARBRINGER]: Bei den meisten Bands geht es mir auch so, dass ich ab dem dritten Song auf der Scheibe denke: „Bitte, ich möchte mir eigentlich bloß nicht genau das anhören!“ [lacht]

Barney [NAPALM DEATH]: Ja, PSYOPUS zum Beispiel. Und ganz im Ernst, auch wenn das vielleicht ein wenig kontrovers klingt: Mir geht das so bei den CDs von NECROPHAGIST. Nach einer Weile, und auf den Alben sind wirklich einige unglaublich gute Riffs, hatte ich das Gefühl, dass sie diese ganzen wahnsinnig technischen Parts nehmen und aneinanderkleben. Ich denke dann „Wow, das ist ein fantastisches Riff“, und dann ist es aber schon wieder weg. Und wenn ich dann das Riff richtig verarbeitet habe, dann sind die nächsten drei Riffs ebenfalls schon längst wieder außer Sichtweite, hehe.


Was ist denn Eure Meinung zum wieder belebten Old School Thrash Metal, den Ihr mit WARBRINGER ja spielt? Warum scheinen die Fans so daran interessiert zu sein, diese Art von Musik wieder zu hören?

John [WARBRINGER]: Das ist wiederum eine sehr gemischte Sache. Bereits jetzt fängt schon wieder die Übersättigung an. Earache haben zum Beispiel fünf Retro-Thrash-Bands in den letzten paar Jahren unter Vertrag genommen, was meiner Meinung nach übertrieben ist. Thrash Metal wurde quasi von anderen Genres absorbiert, die zum Teil daraus entstanden sind; Death Metal zum Beispiel. Puren Thrash Metal hat es eine ganze Weile nicht mehr gegeben, aber jetzt kommen auch die ganzen alten Bands wieder auf die Bildfläche zurück, mehr oder weniger erfolgreich, und einige neue Bands sind mit am Start. Die neueren Bands scheinen besonders im Thrash Metal mehr Energie an den Tag zu legen, was diese Musik viel interessanter macht. Das Problem an der ganzen Geschichte besteht dennoch darin, was Du eigentlich mit einem Genre anstellen sollst, das im Prinzip vor 20 Jahren sein Ende fand.

Barney [NAPALM DEATH]: Hehe, mit einem Genre, das eigentlich komplett auf dem Hosenboden gelandet ist. Ich habe das damals mitbekommen. Es wurde einfach uninteressant, da alles sehr steril, einförmig und austauschbar war. Einfach oberflächlich. Und dazu gab es etliche Bands, die wesentlich heftiger waren und kurz vor ihrem Durchbruch standen. Diese Szene wurde dann jedoch auch wieder langweilig, wie wir vorhin schon angeschnitten haben. Ich mag da falsch liegen, aber ich finde, dass MUNICIPAL WASTE diese ganze Wiederbelebung gestartet haben, sodass ein grundlegendes Interesse wieder vorhanden war. Viele Bands scheinen dann nachgezogen zu haben. Wer jetzt wo zuerst war, kann man, glaube ich, nur schwer sagen. Aber wenn man sich die Magazine anschaut, dann dürften MUNICIPAL WASTE eine große Rolle gespielt haben. Das muss man jetzt einfach abwarten. Diese ganzen Bands, WARBRINGER und so weiter, die weitermachen wollen, müssen das jetzt aber auch weiter vorantreiben. Puren Thrash Metal zu machen wird nicht für die Ewigkeit funktionieren, sondern man muss es weiterentwickeln.

John [WARBRINGER]: Ja, auf jeden Fall sollte es so laufen, dass man sagen kann: „Okay, das ist ein Lied von WARBRINGER.“ Schauen wir mal, ob das möglich ist.

Barney [NAPALM DEATH]: Klar, wenn man ein weniger clever ist, dann sollte das durchaus machbar sein. Mit NAPALM DEATH war das genauso. Kontrovers für uns ist eben, dass „Scum“ sowohl eine echt tolle Sache als auch eine Art Mühlstein um den eigenen Hals bedeutet. Manche Leute wollen immer noch, dass wir 20-sekündige Songs schreiben, sodass das Album dann über 40 Minuten hinweg nur diese kurzen Songs enthalten würde. Unsere Meinung dazu ist: Welchen Sinn ergibt das? Wir wissen, dass wir ein richtig gutes Album mit 20-Sekunden-Liedern in ein paar Wochen zusammenbasteln könnten, aber wozu? Wir wären dann überhaupt nicht kreativ, sondern würden einfach alles recyceln. Mitte der neunziger Jahre hat die Band dann zum Teil Richtungen eingeschlagen, mit denen sogar ich nicht einverstanden war, was ich dann auch ansprach: „Das fühlt sich nicht richtig an.“ Daraufhin folgten dann Diskussionen innerhalb der Band, aber wir mussten letztlich unser Klangspektrum erweitern. Wenn wir, sagen wir, „Harmony Corruption“ oder sogar „Utopia Banished“ immer und immer wieder aufs Neue reproduziert hätten, dann wäre es flach, lahmarschig und langweilig geworden. Und wie Frank schon meinte, dass die Szene ein Tief durchlief, so wäre dann alles komplett abgesoffen. Wir hatten das Glück, dass wir eine wesentlich weit reichendere Fanbasis haben als beispielsweise SUFFOCATION oder WARBRINGER. Viele Punks mögen uns, dann sind da die ganzen Fans aus dem Metal-Bereich, und dazwischen gibt es auch noch etliche Gruppen. Viele Bands haben unglücklicherweise nicht so ein breites Spektrum an Fans. Wir mussten uns also auf jeden Fall weiterentwickeln, und wenn wir das nicht gemacht hätten, dann würde ich jetzt garantiert nicht hier sitzen.


Wie sieht es bei Euch eigentlich mit weiteren Bands und Nebenprojekten aus? Shane ist da ja unglaublich aktiv, beispielsweise mit VENOMOUS CONCEPT. Wie viel Zeit und Motivation ist da vorhanden?

Frank [SUFFOCATION]: Nein, Nebenprojekte waren nie mein Ding, da ich lieber meine ganze Energie in eine einzige Band investieren möchte.

Barney [NAPALM DEATH]: Haha, ja. Shane ist aber auch gänzlich Musiker. Er gibt sich nicht zufrieden, so lange er nicht viel um die Ohren hat. Er sprudelt geradezu über vor lauter Ideen. Es sind aber nicht alle Mitglieder so drauf. Ich habe auch viele Dinge außerhalb der Band laufen. Ich bin somit nicht wirklich ein Vollblutmusiker, da ich mich nicht 24/7 ausschließlich mit Musik beschäftige. Neben NAPALM DEATH verfolge ich noch andere Dinge, auf die ich mich gerne konzentrieren möchte. Frank geht es ähnlich. Manchmal ist es mir auch ganz lieb, von der Welt von NAPALM DEATH kurzzeitig Abstand zu nehmen, da es mich auf Dauer schlichtweg erdrücken würde, und das soll nicht so negativ klingen.


Ich habe mal irgendwo gehört, dass Du über ein zweites Standbein in der Politik nachdenkst?

Barney [NAPALM DEATH]: Hehe, ja, die Leute haben mich dazu ermutigt. Ich habe viel darüber nachgedacht, zum Beispiel für die Grünen in meinem lokalen Wahlkreis anzutreten. Bei Politik geht es blöderweise immer um Profilierung, sodass ich erst einmal wesentlich mehr Profil innerhalb der Gemeinde vorweisen müsste. Das würde viel Basisarbeit bedeuten. Bis zu einem gewissen Grad hasse ich diese Standard-Politik so sehr, dass ich eigentlich überhaupt nicht Teil dessen sein möchte. Ich möchte ein Politiker sein, der macht, was gesagt wird, anstatt nur leere Phrasen zu dreschen. Wenn ich das also im Hinterkopf behalte, dann stellt sich die Frage, ob ich überhaupt jemals in die Welt der Politik, wie wir sie kennen, eintreten möchte? Sehr wahrscheinlich nicht, haha.





Was hat Euch eigentlich all die Jahre dazu bewegt, am Ball zu bleiben oder Euch zu reformieren? Woher stammen die Motivation und die Ausdauer?

Frank [SUFFOCATION]: Ich denke, es ist bei allen Musikern so, dass Du es vermisst, wenn Du nicht mehr ein Teil dessen bist. Das ist ein Teil Deines Lebens, der viel Spaß macht. Bei mir war es so, dass ich recht jung geheiratet habe und die Band einige Jahre lang forciert habe. Meine damalige Frau hat mir dann ganz schön Stress gemacht, wann ich denn nun endlich mit der Band aufhören würde, was ich dann letztlich auch tat. Zwei oder drei Jahre später war ich dann geschieden und habe mich gefragt, warum ich eigentlich mit etwas aufgehört habe, das mir sehr viel Spaß macht. Es ist größtenteils die Leidenschaft für die Musik. Im Death Metal verdient man nicht viel und fährt keine Millionen ein. Man wird nicht reich davon, sondern es dreht sich einzig um die Musik.

Barney [NAPALM DEATH]: Bei mir ist es so, dass ich das nur schwer beantworten kann, da ich einfach am Ball geblieben bin. Jeder hat mal diese Tiefphasen, wo man denkt: „Warum zur Hölle mache ich das hier eigentlich? Warum gehe ich noch jeden Abend auf die Bühne?“ Und manche dieser Clubs sind echt wie ein Glutofen, sodass Du fast umfällst vor Hitze. Das ist ein furchtbares Gefühl. Das möchte ich wirklich sehen, dass jemand auf so eine Bühne geht und sich toll dabei fühlt. Du bist total weggetreten, weil Du kaum klar denken kannst. Oder wenn Du eine Weile auf Tour bist und negative Dinge zu Hause passieren, dann überlegt man sich schon mal, warum man das eigentlich noch macht. Ganz schnell erkennt man dabei, dass es eben so ist. Entweder Du möchtest es machen oder eben nicht. Halbe Sachen gibt es einfach nicht. Wenn Deine Band gut ist und ein allgemeines Interesse an der Band besteht, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Du auf Tour gehen wirst. Du musst dann entscheiden, ob Du Dich darauf einlassen willst oder nicht. Ich für meinen Teil kann eigentlich viel leichter erklären, wann der Punkt gekommen sein wird, um aufzuhören, anstatt zu sagen, was mich damals dazu bewogen hat und mich heute noch antreibt. Wenn ich das Gefühl habe, dass wir nicht mehr so auftreten können, wie es NAPALM DEATH sollten, und das sind 100 Prozent Energie, die alle von sich und den anderen erwarten, oder wenn wir nicht mehr kreativ vorgehen auf den Alben, dann ist das Thema erledigt. Ende. Es gab genügend Momente, wo ich hätte sagen können, dass ich genug davon habe. Wenn es dann noch um Beziehungen geht, so ist es wirklich schwierig, denn wenn Du mit jemandem zusammen bist und es deswegen in die Brüche geht, weil Du nie wirklich da bist, dann schotte ich mich davon ab. Das ist die einzige Art, wirklich damit umzugehen.

Frank [SUFFOCATION]: Ja. Du musst es einfach so machen.

Barney [NAPALM DEATH]: Diese ganzen Dinge sind schwierig für viele Menschen. Entweder entscheidest Du Dich dafür, Dein Leben ganz ‚regulär’ zu leben oder Du bist die ganze Zeit unterwegs und lebst quasi aus dem Koffer.


Was haben denn damals Eure Freunde und Verwandten gesagt, als Ihr angefangen habt, in Bands zu spielen? Musstet Ihr Euch oft anhören, dass es besser wäre, einen normalen Job anzutreten?

Barney [NAPALM DEATH]: Nein, ohne meinen Vater würde ich mich nicht für anspruchsvolle und außergewöhnliche Musik interessieren. Es gab keine Pop-Musik in unserem Haus, das war alles Rock. Hehe, mein Vater hat das also zum Teil verstehen können. Außerdem war er früher relativ linkspolitisch unterwegs, sodass er den Ethos der Band und woher das alles kam vollkommen nachvollziehen konnte. Das waren also zwei Aspekte, die sehr ermutigend waren. Sie haben mich niemals davon abbringen wollen.

John [WARBRINGER]: Ich habe ziemlich viel Mist zu hören bekommen, bis wir dann den Plattenvertrag bei Century Media bekamen. [lacht]

Frank [SUFFOCATION]: Mein Vater und meine ganze Familie hatten immer viel mit Musik zu tun. Mein Vater spielte Trompete in verschiedenen Bands, meistens Jazz-Bands, als er jünger war. Meine Schwester ist eine ausgezeichnete Klavierspielerin. Es war also immer Musik da, sodass das nie ein Problem darstellte. Meine Eltern waren ziemlich aufgeregt, als das dann alles losging mit der Band. Mein Vater ist jetzt 79 Jahre alt und kommt immer noch zu unseren Konzerten in Flordia, was prima ist.

Barney [NAPALM DEATH]: Meine Eltern waren schon seit einer Weile nicht mehr bei einem unserer Konzerte, da es gesundheitlich nicht so toll lief. Das war vielleicht vier oder fünf Jahre her, aber ich erwarte auch nicht, dass sie kommen, wahrscheinlich genauso wenig wie Frank. Wenn sie dann aber vor Ort sind, dann ist das ohne Frage ein Bonus.


Könnt Ihr Euch eigentlich von der Musik komplett ernähren?

Barney [NAPALM DEATH]: Wenn man richtig auf das Budget achtet, dann geht das schon, hehe. Bei Terrance wohl eher nicht, hahahaha.

Frank [SUFFOCATION]: Haha, stimmt. Ja, wenn man aufpasst und nicht über die Stränge schlägt, dann kann man genügend Geld verdienen. Was mich betrifft, so arbeite ich, wenn ich zu Hause bin, damit ich ein wenig mehr verdiene. Ich arbeite für eine englische Firma, die Severn Trent heißt.

Barney [NAPALM DEATH]: Was, Du arbeitest für Severn Trent? Das ist mein lokaler Anbieter in den Midlands, hehe.

Frank [SUFFOCATION]: Da bin ich jetzt seit vier Jahren, und alles ist geregelt, sodass ich gehen kann, wenn ich möchte, und wenn ich wieder zurück bin, dann läuft das einfach weiter.

John [WARBRINGER]: Wir sind natürlich noch weit davon entfernt. Ich arbeite in einem Anwaltsbüro, was jetzt nicht meine Lieblingstätigkeit ist, aber die Rechnungen werden damit bezahlt und es kommt mehr Geld dabei herum, als Du sonst als Absolvent der High School bekommst. Ich habe dort viel mit Versicherungsfällen im Rahmen von Unfällen zu tun und erledige da den administrativen Kram.

Barney [NAPALM DEATH]: Klar, man muss arbeiten, damit man was zwischen die Zähne bekommt. Ich habe auch jede Menge Zeitarbeit gemacht und so, was echt das Furchtbarste auf der Welt ist. Ironischerweise geht aber der Großteil meiner Zeit für ehrenamtliche Aufgaben drauf. Ich arbeite zum Beispiel für die Union, die Musiker repräsentiert. Dafür gibt es natürlich kein Geld, da es freiwillig ist. Klar, man muss irgendwie die Miete zahlen, aber es gibt ja auch noch andere Sachen im Leben. Ich muss das Gefühl bekommen, dass ich mit den Dingen, die ich mache, der Gesellschaft an sich etwas helfe. Das bereitet einem eine gewisse Zufriedenheit, und daher engagiere ich mich in diesen Bereichen.


Frank, Du machst doch diese charakteristische Handbewegung auf der Bühne? [alle grinsen] Ich habe ein Video von Barney und Dir auf YouTube gefunden, wo Ihr bei „The Code Is Red … Long Live The Code“ auf der Bühne wart und sogar Barney anfing, das nachzumachen. Steht etwas Spezifisches dahinter? Das ist so ansteckend, dass sehr viele im Publikum das sofort übernehmen, hehe.

Frank [SUFFOCATION]: Ja, das ist echt witzig. Das orientiert sich natürlich am Blast Beat, und ich habe dann einfach damit angefangen und es hat sich immer weiter entwickelt, hehe.

Barney [NAPALM DEATH]: Haha, ich habe das übernommen, weil es total witzig ist. Ich mache das natürlich, wenn Frank in der Nähe ist, um ihn oder andere Leute zum Lachen zu bringen. Daher mache ich das eigentlich.

Frank [SUFFOCATION]: Nach einer Weile war es bei Konzerten echt abgefahren, da die Fans in den ersten Reihen das schon machten, bevor wir überhaupt unser Set begonnen hatten!

John [WARBRINGER]: Als wir mit Euch im August gespielt haben, sind wir nach Hause gefahren und haben Death Metal im Auto gehört, und wenn dann der Blast Beat kam, haben wir alle mit dem Gewedel angefangen, haha. Das ist echt mal ansteckend und passt perfekt!


Was haltet Ihr denn von politischen Themen im Metal-Bereich? NAPALM DEATH haben ja vor ein paar Jahren auf dem Party.San Open Air gespielt, in dessen Rahmen es einige unterschiedliche Reaktionen auf „Nazi Punks Fuck Off“ und die dazu gehörende Ansage gab. Hast Du das damals mitbekommen? Manche Leute haben gebuht, während die anderen applaudiert haben.

Barney [NAPALM DEATH]: Ja, habe ich. Wie verdammt traurig ist das denn bitte? Leider liegt das zum Teil an der geografischen Lage des Festivals, da es in diesem Teil Deutschlands leider einige Probleme mit rechtsextremen Tendenzen gibt. Die Leute sind eingeschüchtert oder folgen dem einfach wie eine Herde Schafe. Das ist ein richtig großes Problem, wenn Menschen zu Schaden kommen. Meiner Meinung nach ist es verdammt traurig, dass Menschen sich so wie Schafe verhalten. Gerade bei etwas, das für viele Millionen Menschen den Tod bedeutet hat, nur weil sie ein klein wenig anders waren, sei es in genetischer oder in kultureller Hinsicht, oder weil sie eine Behinderung hatten. Ich finde das so verdammt traurig, dass manche das einfach unreflektiert übernehmen. Das verstehe ich nicht. Im Laufe der Zeit habe ich so viel von diesem Kram gesehen, zum Teil wurde ich auch direkt darauf angesprochen, dass ich mich davon nicht mehr angegriffen fühle. Es führt nur dazu, dass ich mir die Frage stelle, was denn in den Gehirnen der Leute abgeht. Das hat doch eigentlich nur mit gesundem Menschenverstand zu tun.


Letztes Jahr habt Ihr dann auf dem Death Feast Open Air gespielt, wo die Situation eine gänzlich andere war.

Barney [NAPALM DEATH]: Oh ja, wir können ja auch auf dem With Full Force in der Nähe von Leipzig spielen, wo die Reaktionen zu einhundert Prozent positiv ausfallen. Wir spielen das Lied heute Abend hier und ich kann Dir garantieren, dass es zu hundert Prozent positiv sein wird. In der Schweiz sieht es genauso aus. Es fußt schon ein wenig auf der geografischen Lage. Ich halte mich davon abgesehen aber sowieso nicht für ein angesehenes Mitglied der Metal-Szene. Ich sehe mich noch nicht mal als Metaller an. Ich bin eben ich. Ich habe mir die Haare abgeschnitten und hatte nicht mehr das Bedürfnis, nach dem standardisierten Punk-Rocker oder Metaller auszusehen, wobei ich an und für sich überhaupt nichts dagegen habe. Ich wollte nur ich selbst sein, und das drückt es im Endeffekt aus, aber wie denkt Ihr denn darüber?

John [WARBRINGER]: Ich glaube, ich würde mit kurzen Haaren einfach dämlich aussehen.

Frank [SUFFOCATION]: Ach, mir ging es irgendwann auf den Keks. Auf Tour ist es nervig.

Barney [NAPALM DEATH]: Aber um zurück auf das Thema zu kommen, so habe ich immer gedacht, dass es in der Metal-Szene immer um Offenheit gehen sollte. Als Musikform war der Metal solch ein schwarzes Schaf, sodass ich immer erwartete, dass alles etwas offener und cleverer sein sollte. Daher kann ich das oben Erwähnte auch nicht verstehen. Die Betroffenen sollten wirklich mal in sich gehen und sich fragen, ob sie wirklich mit etwas sympathisieren wollen, das für den Tod von Millionen von Menschen verantwortlich war. Ich meine jetzt nicht nur Juden, sondern auch Homosexuelle, Zigeuner und so weiter und so fort. Können sie wirklich dafür gerade stehen und verdammt noch mal sagen, dass sie dieses oder ein vergleichbares System unterstützen würden? Wie der Text von den DEAD KENNEDYS besagt: „You still think swastikas look cool … In a real Fourth Reich you’ll be the first to go.” Wenn eine Regierung oder eine Machtinstitution einen Typen mit langen Haaren durch die Gegend schlurfen sehen würde, dann wäre der doch der Erste, der an der Mauer stehen würde, ob er jetzt ein Hakenkreuz irgendwo hat oder nicht!

John [WARBRINGER]: Es sollte eigentlich ziemlich offensichtlich sein. Man hat gesehen, wie das gelaufen ist. Verdammt schlechte Idee!





Kompletter Themenschwenk: Wie seid Ihr eigentlich auf den Metal, Hardcore oder Punk gekommen? Was heut Euch dazu veranlasst, Musik zu machen oder Sänger zu werden?

John [WARBRINGER]: Bei mir war es so, dass ich mit zwölf oder dreizehn mit dem Classic Rock der Marke LED ZEPPELIN und BLACK SABBATH angefangen habe. Dann war es nur eine Frage der Zeit, ehe ich bei IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST und den ganzen bekannten Metal-Bands gelandet bin. Danach schaute ich dann nach heftigeren Sachen im Metal, sodass ich die alten Thrash-Sachen entdeckte und dann bei der Sache geblieben bin.

Frank [SUFFOCATION]: Metal war für mich immer das, wo Du musikalisch fast alles sagen und tun kannst. Das hat mich unglaublich angezogen. Es gab fast kein Thema, das man nicht anschneiden konnte. Wenn Du darüber sprechen wolltest, wie jemand abgeschlachtet wird, gut, dann konntest Du das. Du konntest es direkt einbauen. Die Band, die meine ganze Perspektive bezüglich dieser Musik veränderte, waren SLAYER mit „Hell Awaits“. Als ich die Scheibe hörte, hat das die Art, wie ich Musik betrachtete und wie sie sein sollte, komplett verändert. Das war einfach umwerfend. Ingesamt war es auch so, dass Normen keine Rolle gespielt haben, da wir sowieso nicht von Millionen von Alben sprechen, wohingegen wohl niemand Britney Spears davon singen hören will, wie jemand abgemurkst wird.

Barney [NAPALM DEATH]: Ich sehe da zwei Aspekte. Ich habe wegen meiner Eltern mit Rock und Metal angefangen. Danach habe ich dann Punk Rock entdeckt. Meiner Meinung nach waren die Szenen, mit denen ich mich befasst habe, also Hardcore und Punk, wesentlich zugänglicher. Ich konnte nicht in die Nähe von IRON MAIDEN gelangen, aber dafür konnte ich mir DISCHARGE reinziehen und mit Cal [Anmerk.: Kevin „Cal“ Morris] quatschen. Das war dieser einfache Zugang, der mich ein bisschen mehr angesprochen hat. Der Sänger von NAPALM DEATH wurde ich total zufällig. Das war bei BENEDICTION und der Band davor, die Hardcore gespielt hat, ganz genauso. Ich habe es einfach an einem Tag probiert und es hat geklappt. Pläne gab es keine. Ich habe das mit dem Gesang angetestet und es hat funktioniert, sodass ich mir die Technik angeeignet habe, damit mir nicht sofort meine verdammten Stimmbänder aus dem Hintern rauschen und so. Das war aber alles ein völliger Zufall, und alles andere wäre eine Lüge.

Frank [SUFFOCATION]: Das war bei mir ähnlich. Vorhin erwähnte ich ja bereits, dass ich ein wenig Gitarre gespielt habe. Wir haben dann mit der Band, in der ich damals war, die hieß WOMBROT, herumgealbert. Ich habe einfach mal das Mikro in die Hand genommen und es mal probiert und geschaut, was passiert.


Wenn die Musik Eurer Bands als Film gedreht würde, welches Genre oder welcher Film wäre es?

Barney [NAPALM DEATH]: Das wäre vermutlich, Moment, ich kann da eher an einen Film anstatt an ein Genre denken. Das wäre „1984“, da für mich das Wichtigste darin besteht, die Wahrheit aufzudecken, und zwar nicht die Wahrheit, die Dir CNN oder Fox News auftischt, sondern diejenige, die Du mit eigenen Augen siehst. Dies ist der einzige Weg, jemals die tatsächliche Wahrheit zu entdecken, und darum geht es meiner Meinung nach bei „1984“, da beleuchtet wird, wie eine totalitäre Gesellschaft funktioniert und wie die Menschen darin noch denken, dass dies ein perfektes Leben ist. Wenn Du aber das Oberflächliche außer Acht lässt und wirklich nachforschst, dann wirst Du herausfinden, was sich wirklich abspielt. Das ist einer der Gründe, ohne das jetzt zu sehr im Detail anzusprechen, warum NAPALM DEATH oft zuerst an manchen Orten gespielt haben, da wir niemals auf die Leute gehört haben, die immer gesagt haben: „Geht da nicht hin! Dieser Ort ist zu gefährlich, das ist ein Risiko!“ Wir wollen uns das selbst anschauen und uns dann unsere eigene Meinung bilden.

John [WARBRINGER]: Oh, nach diesem Statement muss ich sagen, da wir ja keine politische Band sind, dass vielleicht „Predator“ am besten passt. Ein total abgedrehter Ballerfilm aus den Achtzigern. Alles ist total gewalttätig, aggressiv und energisch.

Frank [SUFFOCATION]: SUFFOCATION wäre wohl ein Horror- und Slasher-Streifen. Das absolute Inferno und viel Gemetzel [Barney lacht sich bei Franks hackender Handbewegung schlapp] sowie Leichenteile überall. Bind Torture Kill und so, hehe.


Okay, dann haben wir es jetzt fast geschafft. Die letzte Frage lautet: Die Welt sollte…

Barney [NAPALM DEATH]: …frei von Hunger und Armut sein, damit wir uns nicht mehr über den Mist Gedanken machen brauchen, von dem ich Jahr für Jahre rede, hehe.

John [WARBRINGER]: …frei von Armut und Gedankenkontrolle sein.

Frank [SUFFOCATION]: …sollte zusammenhalten. Es gibt diese ganzen abgefuckten Kriege, diese Menschen hassen jene, andere wieder etwas anderes, aber im Endeffekt sind wir doch alle nur Menschen.


Okay, vielen Dank an Euch für Eure Zeit, Geduld und ausführlichen Antworten im Rahmen dieses Specials zur u.a. von Metalnews präsentierten Campaign For Musical Destruction Tour 2008. Viel Erfolg noch mit der restlichen Tour und bis bald! Cheers!

soulsatzero

Autor: Alexander Eitner [soulsatzero] | 30.05.2008 | 02:37 Uhr

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