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Interviewpartner: Ben, Makka

DIVINE:ZERO gehören mit Sicherheit zu den aufstrebensten Acts des Undergrounds. Mit ihrem aktuellen Album "The Cold Asylum", konnte nicht nur die Presse zufriedengestellt werden, auch die Fanbasis hat die Granate wohlwollend angenommen. Wir sprachen mit Gitarrist Ben Mumm und Bassist Markus "Makka" Emde über die aktuellen Geschehnisse. Und wie es sich bei Death-Metal-Bands so gehört, kam ein informatives wie auch unterhaltsames Produkt dabei heraus.




Euer aktuelles Album "The Cold Asylum" hat ja überwiegend positive Reviews erhalten. Seid ihr nach einer Weile Abstand mit der Scheibe denn auch noch immer zufrieden oder gibt es etwas, was ihr im Nachhinein lieber anders gemacht hättet?


Ben: Also ich bin bei manchen Sachen immer etwas pingelig. Und es gab eine Sache im Studio bei den Aufnahmen des Schlagzeugs. Alles hat perfekt funktioniert, doch unser Drummer Plö (Stefan Rohn) hat bei einem unserer Geprügelsongs, "Virus", bei seinen Breaks immer das Becken mitgenommen. Da haben wir uns im Studio ein wenig in die Haare gekriegt, da ich es mir anders vorgestellt habe... er war allerdings anderer Meinung. Und jedes Mal, wenn ich mir die Aufnahme anhöre, höre ich genau diesen Break.

Makka: Nachdem wir uns das Master und die Feinheiten angehört habe, die vorher vielleicht untergegangen sind, habe ich schon gesagt, dass ich Fan meiner eigenen Band bin. Im Gegensatz zu den anderen Jungs, die mit dem Album schon vier Jahre beschäftigt waren, höre ich mir das Album auch immer wieder sehr gerne an.

Ben: Stimmt, ganze vier Jahre haben wir dafür verschlissen...

Makka: Ich habe ja den Vorteil, dass ich die Scheibe viel objektiver betrachten kann. Aber wie gesagt, ich bin Fan der CD.

Ben: Auch von "Scardust"?

Makka: Ja, auch von "Scardust". Zu deiner Info: zu diesem Song haben wir auch noch ein Video gedreht und die Nummer sehr, sehr oft gespielt...

Ben: Die Aufnahmen der Gitarre war auch eine Geschichte für sich. Wir haben die Stücke vor dem Studiobesuch auf cleanen Gitarren gespielt. Im Studio haben wir dem Produzenten dann die Aufnahmen gegeben, damit er sie über den Amp durchjagen konnte. Wir standen dann in diesem riesigen Regieraum und hinten ballerten voller Wucht die Gitarrenriffs über ein Amp - und man selbst musste gar nichts mehr machen. (lacht) Das war schon ziemlich cool. Lediglich ist es dabei passiert, dass die viele Obertöne nicht mehr rauszuhören waren. Wir hatten dann allerdings keine Motivation mehr, noch mal das Studio zu entern, um jeden einzelnen Oberton neu einzuspielen. Das ist noch ein Punkt, der beim nächsten Mal zu beachten wäre.


Das ist ja mit Sicherheit auch ein Kostenfaktor, oder?

Ben: Das spielt auch eine Rolle, klar. So ein Studiotag kosten um die 230 EUR. Alleine für das Schlagzeug haben wir sechs Tage gebraucht. Da ich selbständig bin und entsprechendes Eqiupment habe, konnte ich schon bei mir zu Hause in Sachen Bass und Gitarre vorarbeiten. Das hat auf der anderen Seite Kosten gespart. Wir sind ja alle keine, oder sagen wir noch nicht, Millionäre. (lacht)


Man arbeitet dran!

Makka: Genau, wir spielen Lotto! (lacht)

Ben: Na ja, in der Band bin ich schon mal der einzige, der ein U-Boot und nen Hai hat... allerdings nur ziemlich klein und ferngesteuert. (lacht)


Ich verfolge euer Schaffen ja nun auch schon so einige Jahre und habe bei jedem eurer Alben auch eine gewisse Entwicklung ausmachen können. Mit eurem neuen Album habt ihr allerdings einen Sprung gemacht... da liegen Welten zwischen den älteren Scheiben.

Ben: Es ist schon was anderes, oder?


Genau. Aber woran liegt das? Seid ihr als Band näher zusammengewachsen oder ist das der Erfahrung geschuldet?

Ben: Wie man sicherlich bemerkt hat, sind wir nicht gerade die schnellsten! (lacht) Und wir haben wirklich einige Zeit nun an den Stücken arbeiten können. Früher standen wir im Proberaum und hauten noch ein Riff und noch eine Keyboardspur usw. raus. Bei der alten Aufnahme der Songs war das ähnlich und da haben wir uns einfach verannt. Bei der jetzigen Aufnahme haben wir uns einfach darauf konzentriert, wie man früher aufgenommen hat: Eine Gitarre rechts, eine Gitarre links, Schlagzeug, Bass, Punkt! Nicht 40 Gitarren links, 30 Melodie-Gitarren übereinander, den Bass fünf mal eingespielt und verschiedene Gesänge drübergehauen. Wir wollten auch eine ehrliche Aufnahme machen. Also das, was du auch live hörst, auch auf dem Album zu hören ist. Vor zwei Jahren war ich auf dem Summer Breeze-Festival und habe mir IN FLAMES angeschaut. Ich weiß nicht mehr, bei welchem Song es war, aber es kam dann eine cleane Gitarre aus den Lautsprechern, während die Gitarristen einfach nur rumstanden. Da dachte ich mir auch, warum die sowas nicht spielen und es vom Band kommen muss. Das finde ich schlimm. Man hätte ja einfach den Fußschalter bedienen und den Part eben clean spielen können. Es gibt ja auch Bands, die auf Platte ganz anders klingen als live. Da wird im Studio mit Gastsängern usw. gearbeitet und wenn man die dann auf der Bühne sieht, dann denkt man sich, dass die überhaupt nicht singen können etc.


Ja, sowas habe ich mal bei CREMATORY erlebt. Also die "Act Seven" veröffentlicht hatten und auf der entsprechenden Tour waren... Nach eigenen Angaben sind die ja lieber auf der Bühne als im Studio...

Ben: Ja, ja, genau. FEAR FACTORY ist auch ein gutes Beispiel dafür. Ich habe die neun oder zehn mal live gesehen und die waren immer scheisse! (lacht) Wenn Burton C. Bell versucht clean zu singen und dabei keinen Ton trifft... das geht gar nicht!

Makka: Also generell macht es doch Sinn, das auf der Bühne wiederzugeben, was man auch auf der CD hören kann. Es bringt doch nichts, wenn die Leute von der CD total begeistert sind und dann live enttäuscht werden. Umgekehrt ist das natürlich auch ein Manko, wenn man live super ist und auf CD wie Rotz klingt. Ich denke, wir haben da einen guten Mittelweg gefunden und das findet sich in den positiven Reviews auch wieder.

Ben: Die Gefahr ist allerdings auch immer, dass ein Album vollkommen in die Hose geht. Man weiß ja nie so genau, wie ein neues Album von den Fans angenommen wird. "Die Keyboards sind weg, jetzt seid ihr scheisse!" Hätte passieren können.

Makka: Hm, das stimmt. Früher war das Keyboard ja ein tragendes Element der Band, was nun nicht mehr der Fall ist. Als ich noch nicht in der Band war, habe ich mal auf nem Konzert miterlebt wie jemand meinte, wofür die Band überhaupt ein Keyboard braucht.


Wo wir schon beim Keyboard sind: Ihr hattet ja in der Vergangenheit auch immer wieder Besetzungswechsel. Haben denn die Weggänge von Nadja (Jäger, Keyboard) oder Chris (Birx, Vocals) große Lücken in die Band gerissen?

Ben: Wir haben uns jedenfalls nie unterkriegen lassen, es war irgendwie eher sowas wie eine Herausforderung. Ach ja, Besetzungswechsel: Im Booklet von unserem Album "The Day God Left" sieht man übrigens eine kleine Übersicht der ehemaligen Bandmitglieder - im Hintergrund und jeweils durchgestrichen. Sowas wie unsere kleine "Verschleiß-" "Todesliste"! (lacht) Das weiß aber keiner...

Makka: Jetzt ist es raus!

Ben: Genau. Auf unserem aktuellen Album gibt es das Stück "Deathroll Pentecost". Bei der Nummer gibt es sehr ruhige Passagen und am Anfang haben wir überlegt, uns dafür nicht doch einen Gastsänger zu holen, der einen cleanen Gesang drüberlegt. Aber das hätten wir eben live nicht reproduzieren können, weshalb wir uns dagegen entschieden haben. Stattdessen haben wir unseren Sänger Björn Harz da voll drüberbraten lassen! (lacht) An dieser Nummer scheiden sich allerdings auch die Geister, denn man findet sie entweder kacke oder cool. Ich finde sie jedenfalls richtig stark. Wobei der Björn auch immer besser wird, das muss man schon sagen. Ich denke, er hat die größte Entwicklung hinter sich gebracht. Wenn man "The Cold Asylum" mit "The Day God Left" vergleicht...


Auf jeden Fall. Wie gesagt, da liegen Welten zwischen! Ihr klingt aber auch wie eine andere Band.

Ben: Auch wenn es sich um Death Metal handelt, achten die Leute auch auf den Gesang, welches ja eins der prägnantesten Instrumente ist.




"The Cold Asylum" klingt für mich wie eine Mischung aus alten IN FLAMES, DISMEMBER und MOURNING CARESS. Sind solche Bands denn eigentlich auch eure Einflüsse? Oder kommt ihr aus ganz anderen musikalischen Ecken?

Ben: IN FLAMES habe ich bis zur vorletzten Scheibe wirklich geliebt. Aber das letzte Album... Ich kenne viele Leute die der Meinung sind, dass schon die letzten vier Alben kacke waren. Das kann ich aber nicht bestätigen. IN FLAMES haben sich eben weiterentwickelt... nur das letzte... Käse. DISMEMBER habe ich schon als kleines Kind gehört, oder BOLT THROWER, DARK TRANQUILITY... herrlich.

Makka: IN FLAMES finde ich super, DISMEMBER sowieso. Ich muss allerdings gestehen, dass ich die dritte genannte Band nicht kenne...


MOURNING CARESS? Das war eine super Gruppe aus Münster. Sie galten vor ein paar Jahren als deutsche Antwort auf IN FLAMES. Mittlerweile ist die Band aber leider aufgelöst...

Ben: Sowas wie NIGHT IN GALES?


Ja, so ungefähr.

Ben: Okay, kenne die nicht, werde ich mir allerdings mal reinziehen. Ich bin auch immer auf der Suche nach neuer Musik, da ich den ganzen Tag vor dem Rechner sitze. Und egal, wie viele Alben du besitzt, irgendwann hast du dich an den Sachen tot gehört. (lacht)


Auch der Sound auf "The Cold Asylum" ist über jeden Zweifel erhaben - ebenfalls auch wieder im Vergleich mit den vorherigen Werken. Zum ersten Mal bin ich mit eurem Sound richtig zufrieden.

Ben: Danke! (lacht)


Habt ihr die Scheibe eigentlich selbst produziert? Man konnte es eben schon fast erahnen...

Ben: Produziert ja! Wir haben uns auch wieder ein anderes Studio gesucht. Wobei wir bisher immer in unterschiedlichen Studios aufgenommen haben. Das hängt natürlich auch damit zusammen, wieviel Budget du hast. Im Nachhinein bin ich mit dem Sound von unserem letzten Album "The Day God Left" überhaupt nicht mehr zufrieden. Am liebsten würde ich die Songs noch mal komplett neu aufnehmen. Mit "The Cold Asylum" waren wir bei Achim Kaiser im Studio, der ja auch schon mit MOTORJESUS gearbeitet hat. Achim kennen wir schon seit Ewigkeiten und dieses Mal wollten wir eben seinen Sound. Wir mussten auch gar nicht lange rumschrauben, das hat alles ziemlich schnell gepasst. Die ganze Studiozeit war einfach nur locker. Wenn wir Achim allerdings nicht hin und wieder gebremst hätten, hätte er zehn Stunden oder mehr durchgeackert. (lacht) Er saß mit einem Tunnelblick vor dem Rechner und hat richtig Gas gegeben. Am liebsten würde ich die nächste Scheibe auch wieder bei ihm aufnehmen. Wenn ich mir unsere Alben Sachen anhöre... gut, die "Solarisphere" hat ja schon einige Zeit auf dem Buckel...1999. "Burial Sessions" war ja eher ne Promo, wobei ich die Nummern zu Hause im Heimstudio aufgenommen habe. Ich bin zwischendurch zu meinen Eltern rüber und habe das Teil in voller Lautstärke zum testen angehört. (lacht) Auch in Sachen Sound... das mag jetzt vielleicht irgendwie altbacken klingen, aber ich kann die Leute nicht verstehen, die Musik nur noch runterladen oder streamen. Das ist überhaupt nicht mein Ding!


Geht mir genauso!

Ben: Die Musik muss einfach gut klingen, ob am Kopfhörer oder am PC etc. Viele hören sich die Musik ja auch übers Handy an...


Musik verkommt ja immer mehr zu einem Wegwerfprodukt. Ich bevorzuge daher auch nach wie vor natürlich das gute, alte Vinyl. Mit tollem Cover, Gatefold etc.

Ben: Ja, genau! Und als Musiker nimmt man die Sachen auf einem Eqiupment auf, das zig-tausend Euro gekostet hat, nur damit man es nachher durch ein kleines Handy jagt.


Ich habe in der Vergangenheit oft euren Sound kritisiert, also zumindest auf Platte. Nicht die Qualität war entscheidend, mir waren die Produktionen nur oft zu klinisch. Seht ihr das auch so? Oder war diese Eigenschaft des Sounds einfach passend für die jeweilige Scheibe?

Ben: Hm. Also in eine klinisch und technische Richtung sollte es damals schon gehen. Es hat damals auch zu den Songs und den Texten gepasst, doch zu 100% zufrieden bin ich mit dem damaligen Sound auch nicht. Den heutigen finde ich wesentlich cooler und fetter, ja einfach zeitgmäß. Auf der "Solarisphere" sollte er bewusst mechanisch und kalt klingen. Auf "The Day God Left" war es hingegen nicht so geplant.


Ihr hattet früher ja auch mal nen Drumcomputer, was in der Szene ja total verpönt ist...

Ben: Ja, wir waren da schon Exoten.


Bis RUNNING WILD damit um die Ecke kamen. Gab es denn mal Seitenhiebe von euren Fans bezüglich des Drumcomputers?

Ben: Nee, sowas gab es nicht. Wir hatten allerdings zweimal Stromausfälle auf Konzerten! (lacht) Tja, und dann ist natürlich der Drumcomputer leer und muss neu geladen werden und das dauert unter Umständen. Und dann steht man da auf der Bühne... das war schon doof. Wenn man natürlich auch noch keine gute Bühnentechnik oder Monitoranlagen hat, konnte man die Drums nicht richtig hören. Der Vorteil war: Egal, wie der Drummer drauf war, er ist immer marschiert! (lacht) Und man konnte Sachen machen, die wir mit unseren jugendlichen Fähigkeiten in Richtung Schlagzeug gar nicht hätten machen können. Drummer gibt es ja auch nicht wie Sand am Meer und man muss potente Leute erst finden. Und die menschliche Komponente ist ebenfalls sehr wichtig. Wobei, Makka, dich dulden wir ja auch! (lacht) Ganz im ernst, das Line Up, das wir jetzt haben, finde ich perfekt. Wir verstehen uns alle sehr gut. Klar, Reibereien gibt es schon ab und zu, das bleibt nicht aus. Doch Streitigkeiten gab es bei uns noch nie.

Makka: Uns allen ist ja auch bewusst, wo wir stehen und wo wir hin möchten. Mit anderen gäbe es vielleicht Probleme mit der eigenen Positionierung in der Szene. Wir sind uns dessen bewusst und auch dankbar, dass wir z.B. einen Plattenvertrag haben. Wir alle vier haben Spaß an der Sache und alles, was man daneben noch für sich mitnehmen kann, nehmen wir gerne an.

Ben: Als Band ist man ja auch sowas wie ein Freundeskreis. Oder sagen wir so: Ideal wäre es, wenn man sich auch neben der Musik gut versteht und sich was zu sagen hat. Ich glaube auch nicht, dass man gute Musik machen kann, wenn diese Hintergründe nicht gegeben sind - oder es handelt sich um eine One-Man-Show. Für mich ist der Reiz an einer Band auch, dass man zusammen im Proberaum steht und gemeinsan an Songs tüftelt. Wenn jeder nur einen einzelnen Part bringt, dann kann es sein, dass Egos aufeinanderprallen und es dann zur Sache geht. Dann dauert ja auch die Erstellung einer Nummer länger.


Wie handhabt ihr denn das Songwriting? Gibt es für alle Eventualitäten einen Spezialisten?

Ben: Also Vocal-Linien und Texte schreibt Björn komplett alleine. Aber die Songs an sich werden von uns allen geschrieben. Meistens kommt einer mit ner Idee, die dann aufgegriffen wird. Wir haben auch schon ein paar neue Ideen, an denen wir arbeiten. Und das ist immer eine Gemeinschaftsarbeit, die lebt und sich entwickelt. Es ist ein Zusammenspiel von uns allen.

Makka: Das würde auch gar nicht funktionieren. Stell dir mal vor, einer kommt mit einem fertigen Song an und du merkst, dass er kacke ist... Das klappt nicht! Dann lieber Schritt für Schritt aufbauend, wobei jeder seine Ideen und seine Meinung beisteuern kann. Wenn immer nur eine Person etwas vorgibt, kommt am Ende nichts gescheites bei raus.

Ben: Man möchte ja auch hinter dem Material stehen! Björn z.B. hat einen wahnsinnig hohen Output an Riffs. Der zaubert dir da eben einen Lick aus dem Ärmel, auf den man erstmal kommen muss. Häufig sind das erstmal Fragmente, die dann von uns zusammengesetzt werden. Oft denkt man am Anfang, dass aus den Riffs eine total schnelle Nummer wird, dann allerdings kann es passieren, dass am Ende ein eher groovendes Teil erschaffen wird.

Makka: In einer Band zu spielen ist ja auch ein Geben und Nehmen. Wenn einer nicht weiterkommt hat ja oft ein anderer nen Vorschlag, wie man es machen könnte.


Wie schaut es denn bei den Texten aus? Legt ihr euch da auf Themen fest oder können die Nummern von allem möglichen handeln?

Makka: Das ist eher eine Björn-Frage! (lacht)

Ben: Ich denke mal, dass Björn bei den Texten Dinge verarbeitet, die ihm auf der Seele liegen. Wobei ich nicht davon ausgehe, dass er explizit persönliche Dinge da verwurschtelt, wie "meine Freundin hat mich verlassen" etc. Es ist eher die Aufregung über globale Themen. Björn ist ja auch Englischlehrer. Ich bin der englischen Sprache schon relativ mächtig, aber Björn kann da Passagen zaubern... da hört es bei mir auf. Wobei wir bei den Texten auf "The Cold Asylum" schon wesentlich offener geworden sind. Früher hat er da Vokabeln reingebracht, wofür man ein Wörterbuch brauchte.


Das hört man an einem Stück wie "Blood Pounding". Die Nummer geht direkt in den Kopf und man möchte am liebsten eine Band auf der Bühne anfeuern.

Ben: Es ist ja auch sehr wichtig, dass die Nummern live zünden. Es macht keinen großen Sinn, auf Teufel komm raus vertrackte Songs zu schreiben, wenn die Leute wie mit nem Brett vor dem Kopf vor der Bühne stehen und nicht kapieren, was du willst. Wenn ich die Band nicht kennen und granatenvoll im Publikum stehen würde, bräuchte ich einen Song wie "Blood Pounding"! (lacht)


Du machst ja beruflich auch in Sachen Videos, oder Ben?

Ben: Genau, bei der Band bin ich der Arsch vor und hinter der Kamera! (lacht). Zum Videodreh des Songs "Scardust" habe ich noch einen Kumpel hinzugeholt, da ich mich ja nicht selber filmen konnte.

Makka: (lacht) Ja, sonst sieht man nachher nur die Füße. "Ja wie, das Gesicht sollte auch mit drauf?".

Ben: Na ja, wir kommen langsam in ein Alter, in dem die Gesichter nicht mehr unbedingt zeigenswert sind... Lederlappen.


Also einfach ist das doch bestimmt nicht für dich. Man hat ja bestimmt einen hohen Anspruch an sich selbst, oder?

Ben: Auf jeden Fall. Gerade bei den eigenen Sachen tue ich mich immer total schwer. Entweder, um ein Ende zu finden oder um zu sagen, dass das der momentane Stand ist. Genauso verhielt es sich mit dem neuen Logo. Das ist ja relativ einfach gehalten, allerdings habe ich bestimmt 20 Versionen davon gebastelt. Man ist da aber auch einfach zu pingelig... oder man hat ein Brett vor dem Kopf. Es ist oft schwierig, eine Balance zu finden. In der Band regeln wir das Endprodukt aber immer sehr demokratisch.

Makka: Änderungswünsche von uns kommen aber so gut wie nie vor.


Mit Quality Steel Records habt ihr ja euren ersten Plattenvertrag ergattern können. Wie seid ihr eigentlich dazu gekommen?

Makka: Eigentlich durch den klassischen Weg. Wir hatten die Albumaufnahme fertig, nur das Cover stand noch nicht. Tja, und damit haben wir uns eben Weg beworben. An die 30 Kopien haben wir in die Welt rausgeschickt.

Ben: Klar waren da auch Labels wie Nuclear Blast dabei, aber da wussten wir schon, dass das nix wird. Es ging ums Prinzip.

Makka: Schade ist, dass sich manche Label gar nicht zurückgemeldet haben. Allerdings haben wir auch einen Fehler gemacht.

Ben: Ja, beim kopieren auf die Rohlinge ist es irgendwie passiert, dass das Häkchen mit der Soundanpassung gesetzt wurde. Somit waren die Nummern auf den Rohlingen einige DB leiser, als die eigentliche Aufnahme.

Makka: Das ist uns aber leider erst aufgefallen, als uns jemand darauf angesprochen hat. Jetzt weiß man natürlich nicht, ob es ohne diesen Fehler anders gelaufen wäre.

Ben: Dennoch denke ich, dass wir einen guten Partner gefunden haben.


Bezüglich der Promotion haben die sich jedenfalls Mühe gegeben.

Ben: Bis jetzt kann ich auch gar nichts negatives über sie sagen. Und ich hoffe, dass es auch weiterhin so läuft. Gerade im Metalbereich gibt es aber auch so einige Kuriositäten. Wir sind vor ein paar Jahren mal nach Dortmund zu einer Plattenfirma gefahren und hatten dort ein zweistündiges Gespräch. Am Ende des Gesprächs meinte dann eine Mitarbeiterin, dass wir ihnen die 2.500 Euro überweisen sollten, worauf wir natürlich aus allen Wolken gefallen und natürlich sofort nach Hause gefahren sind - ohne ein weiteres Wort mit denen zu wechseln. Es gibt manchmal schon sehr komische Geschichten...

Makka: Es gibt da aber auch ganz viele eigenartige Modelle. Viele meinten zu uns, dass ein Plattenvertrag heutzutage nichts besonderes mehr ist. Aber einen zu bekommen, bei dem du auch dahinterstehst... Wir haben eben ganz klassisch mit denen gedealt und das Ding steht - ohne dass wir z.B. teuer die CDs selbst kaufen müssen etc. Was für uns im Umkehrschluss bei der Sache herumkommt, steht natürlich auf einem anderen Blatt, aber das ist erstmal sekundär. Das liegt ja auch an uns und wie wir uns z.B. live verkaufen.

Ben: Die Scheibe gibt es ja auch als digital Relase und du kannst sie dir bei verschiedenen großen Anbietern ziehen.




Was war eigentlich der größte Grund, dass ihr für das neue Album sechs lange Jahre gebraucht habt? Lag es an den Line-Up-Wechseln?

Ben: Das waren recht viele Gründe. Natürlich hatte auch das Line Up Auswirkung darauf, da z.B. während der Aufnahmen jemand ausgestiegen ist.. wir haben den Bass drei mal eingespielt - komplett. Und wir sind lahm, das muss man einfach mal sagen. Bei den älteren Aufnahmen hat es sich auch sehr hingezogen, wir mussten viele Takes noch mal und noch mal machen... da wir auch Gitarre und Bass quasi zu Hause gemacht haben, saßen wir häufig am Abend zusammen und versuchten, in zwei bei drei Stunden noch mal unser Bestes zu geben. Ansonsten hatten wir nur die Wochenenden. Aber all das zieht so eine Geschichte natürlich sehr in die Länge.


Wie steht ihr denn dazu, dass die Leute heutzutage lieber Geld für Konzerte großer und/oder etablierter Acts ausgeben, statt sich kleinere Bands für wesentlich weniger Kohle anzuschauen?

Ben: Klar, so eine große Band mit aufwändiger Licht- und Bühnenshow zu sehen, ist schon der Hammer. Allerdings habe ich bei Konzerten kleinerer Bands schon häufig die ein oder andere Perle entdeckt. Von vielen großen Bands kommen meiner Meinung nach in letzter Zeit immer häufiger Alben raus, bei der ein oder zwei coole Stücke drauf sind, der Rest allerdings als Lückenfüller fungiert. Das ist wirklich schade und man findet das aktuell immer wieder bei den Releases der ganz großen Nummern. Es gibt anscheinend immer weniger Bands, die den ganzen Zirkus nur wegen der Musik machen. Dann gibt es aber Gruppen wie die FOO FIGHTERS, deren Frontmann Dave Grohl sich das Bein bricht und das Konzert dennoch zu Ende spielt - das ist der Wahnsinn! Ein Gegenbeispiel hatten wir mal auf einem Festival. Wir wollten eine bestimmte Band sehen und die ließen sich ne knappe Stunde Zeit. Während der Wartezeit flog über dem Festival ein Helikopter mit dem Banner der Band über dem Gelände. Da dachte ich mir auch, dass es schöner wäre, wenn die endlich mal anfangen würden zu spielen. Wenn manche Acts zu groß werden, knallen vermutlich auch mal die Egos durch. Da rückt die Musik in den Hintergrund und es geht nur noch um das Geld - das kommt im Underground eher selten vor. Die Bands freuen sich eher, wenn sie mal auftreten können und es den Leuten gefällt. Und wenn wir ehrlich sind: Geld verdienst du als kleine Band eh nicht. Wir machen das nur, weil wir Spaß an der Sache haben. Man steckt am Ende mehr Geld rein, als es dabei rauskommt. Instrumente, Felle, Spritkosten, Saiten, Amps... Wir wollen einfach nur auf der Bühne stehen und Gas geben. Und wenn nur einer da steht und uns cool findet, dann sind wir schon zufrieden und der bekommt die gleiche Show, als wenn 100 Leute feiern würden. Es ist ein Anspruch an uns, denn es gibt doch nichts schlimmeres, als ne Band auf der Bühne zu sehen, die gar keinen Bock hat.

Makka: Klar, wenn nur einer da steht, könnte man enttäuscht sein. Aber der hat ja auch Eintritt bezahlt und das Recht darauf, eine motivierte Band zu sehen. Wenn man sich von sowas als Band den Spaß nehmen lässt, dann sollte man was anderes machen.

Ben: Genau, man muss sich schon den Hintern wund spielen und versuchen, die Leute für dich zu überzeugen.


Kommen wir langsam zum Schluss dieses illustren Treffens. Welche Ziele habt ihr euch denn für die nahe Zukunft gesteckt?

Ben/Makka: Die Weltherrschaft! (beide lachen)


Das höre ich in letzter Zeit häufig!

Ben: In erster Linie wollen wir neues Material schreiben. Wir sind ja wie gesagt sehr lahm, daher müssen wir jetzt schon anfangen. (lacht)


Bitte keine sechs Jahre mehr!

Ben: Nein, sonst würden wir erst im Jahre 2048 unsere neue Demo rausschicken. Man nimmt sich ja auch immer was vor, z.B. dass wir, sobald die Songs stehen, direkt das Studio für nen Monat entern und jeder eine Woche bekommt, um seinen Kram einzuspielen. Wem das zeitlich nicht reicht, der muss es aus seiner eigenen Tasche zahlen! (lacht)

Makka: Ansonsten sind wir live sehr aktiv, vielleicht schaffen wir es ja auch, das ein oder andere Festival zu beackern.

Ben: Wir haben bei "The Cold Asylum" darüber nachgedacht, das Teil auch als LP zu veröffentlichen. Ich weil eine verdammte LP von unserem Album! Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal. Cool wäre eine Kombination aus LP und CD, was mittlerweile ja einige Gruppen schon machen. Ich will so eine fette, dicke Schallplatte in meinem Regal stehen haben!

Makka: Das wäre legendär!

Ben: Man muss sich doch auch Ziele setzen. Die nächste Scheibe wird ein Doppelalbum, gefolgt von einem Doppel-Live-Album! (lacht)

Makka: Dann kommt noch eine Biografie...

Ben: Genau! Und eine Blu-Ray und eine live Blu-Ray... wenn es Blu-Ray dann noch gibt. Ja und dann kommt noch ein Film über die Band natürlich.

Makka. Wir wollen weiterhin Spaß an der Sache haben und wenn möglich keinen Frust schieben. Man muss möglichst realistisch bleiben und eine gesunde Einstellung beibehalten.


Jungs, vielen Dank für das Interview!

Autor: Ingo Nentwig [Pinhead] | 21.01.2016 | 20:04 Uhr

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