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Interviewpartner: Biff Byford

Die britischen Ur-Metaller SAXON gehören seit der New Wave Of British Heavy Metal fest zum Inventar der weltweiten Metal-Szene und haben somit den Sound, der Generationen von Headbangern geprägt hat, maßgeblich mitgeformt. Während sich manch andere Band mehr oder minder sang- und klanglos verabschiedet oder ihre musikalischen Vorstellungen auf eine Art und Weise verändert, die eingeschworenen Fans ganz und gar sauer aufstößt, sind sich die Herren um Bandleader Biff Byford stets treu geblieben und haben dennoch drei Jahrzehnte lang qualitativ hochwertige Alben vom Stapel gelassen – so auch der Fall mit ihrem neuesten Werk „Call To Arms“, das zwar etwa so innovativ ist wie Bockwurst mit Senf, aber glücklicherweise auch genauso zeitlos. Aus gegebenem Anlass hatten wir das Vergnügen mit Herrn Byford, der sich die Zeit für ein Interview mit Metalnews.de nahm.






Hallo Biff und vielen Dank für Deine Zeit! Seit „Into The Labyrinth“ ist mit zwei Jahren die Zeit vergangen, die üblicherweise zwischen zwei Eurer Alben liegt – was habt Ihr in dieser Zeit getrieben?

Oh, gar nicht mal so viel. Wir sind mit „Into The Labyrinth“ wirklich ziemlich viel getourt. Dann haben wir eine Pause eingelegt und eigentlich direkt mit den Arbeiten am neuen Album begonnen. Wir konnten auch noch ein paar Festvials und eine kurze Tour mit unseren Kumpels von ANVIL dazwischen quetschen. Das ist eigentlich alles.


Auf Eurem neuen Album scheint Ihr Euch wieder mehr auf Eure Wurzeln zu besinnen, weshalb „Call To Arms“ stark an Euer Schaffen Anfang der 80er erinnert – wie würdest Du die musikalische Ausrichtung des Albums beschreiben?

Ich denke, das liegt hauptsächlich daran, dass wir für dieses Album ein neues Team zusammengebracht haben. Ich finde, dass unsere letzten drei Alben fantastisch waren, allerdings ist da in Sachen Produktion einiges an Nachbearbeitung geschehen, wodurch ein sehr bombastischer Sound entstanden ist. Diesmal wollten wir zurück zu einer Arbeitsweise, mit der ein Album natürlicher klingen würde – wir haben also alles in einem Take gespielt und keinerlei digitale Samples und solches Zeug verwendet. Daher klingt es wohl in vielerlei Hinsicht mehr nach unseren Alben aus den 80ern. Das Album hat einen sehr dynamischen Sound und ich finde, dass wir tatsächlich mehr zu unseren Wurzeln zurückgekehrt sind.


“Call To Arms“ hat tatsächlich einen weitaus transparenteren Sound als seine beiden Vorgänger…

Ja, diesmal kann man die ganze Band wunderbar hören! Die Leute sagen uns oft, dass wir live fantastisch klingen würden und dass wir doch mal versuchen sollten, das mal auf einem Album einzufangen. Das haben wir diesmal ausprobiert, weshalb es diesmal nicht nach Studioproduktion sondern nach fünf Leuten, die gemeinsam in einem Studio spielen, klingt. Als wir zum Beispiel das Schlagzeug aufgenommen haben, hat die Band gemeinsam im gleichen Raum gespielt. Die Platte sollte so viel Live-Feeling enthalten, wie uns irgendwie möglich war – wir wollten das aufregende Gefühl des Moments, in dem die Songs gespielt werden, festhalten. Das Album klingt auf diese Weise einfach leidenschaftlicher…


Hat sich Euer Wunsch, mehr zu Euren Wurzeln zurückzukehren, auch auf das Songwriting ausgewirtk?

Ich denke, dass wir uns vor allem im Bezug auf die Texte wieder näher an unseren Anfangstagen befinden – das geht jetzt alles wieder mehr in Richtung „Stand Up And Be Counted“, „Backs To The Wall“ und „Never Surrender“. Zwei oder drei der Songs hätten wir so auch 1986 schreiben können. Am Ende geht es aber nur darum, wie es den Leuten, die es hören, gefällt – wenn den Fans unser Album gefällt, ist unsere Arbeit getan. Auch wenn wir wollten, dass dieses Album ein bisschen anders klingt, ist es im Endeffekt das, worum es uns geht.


SAXON verarbeiten oft geschichtliche Themen in ihren Texten – was erwartet uns diesmal?

Da steckt schon wieder ein bisschen Geschichtliches drin: Mit „Mists Of Avalon“ wurden Legenden der Artussage verarbeitet und „Call To Arms“ dreht sich in gewisser Weise auch um historische Themen, weil wir uns dazu von den Geschehnissen des ersten Weltkriegs haben inspirieren lassen. Insgesamt ist es diesmal aber nicht so geschichtlich orientiert wie sonst.


Wer ist der Kerl auf dem Cover?

Das ist Lord Kitchener.


Und der hat sich wodurch hervorgetan?

Er hat die Truppen rekrutiert, die im ersten Weltkrieg gekämpft haben. Ich denke, in Deutschland hätte man dann den Kaiser vorne drauf gepappt. Die Franzosen hatten ja auch so einen und die Amerikaner auch. Überall, wo Krieg geführt wurde, hatte man irgendeinen Typen, der mit dem Finger auf einen zeigt. Im Grunde bedeutete das: “Ich befehle Dir, in den Tod zu gehen.“ Ich finde das als Motiv aber ziemlich gut – wir haben viel mit Schwertern und keltischen sowie mittelalterlichen Motiven gemacht und diesmal wollte ich gern was anderes haben. Und es passt ja auch gut zum Titel.


SAXON sind eine der dienstältesten Heavy Metal-Bands überhaupt – hat man nach all den Jahren im Geschäft noch das Gefühl, dass man als Band oder Musiker etwas noch nicht erreicht hätte?

Naja, im Grunde möchte man erfolgreiche Alben machen. Für eine Band, die seit 30 Jahren dabei ist, ist es natürlich ziemlich schwer, Alben zu produzieren, die von den Fans genauso gut aufgenommen werden wie die frühen Sachen – das sollte uns mit „Call To Arms“ jedoch gelungen sein. Mir fällt eigentlich nichts ein, was wir nicht erreicht haben – vielleicht hätten wir in Amerika ein paar Millionen Alben mehr verkaufen können, das wäre schön gewesen, aber davon abgesehen wüsste ich nicht, was noch fehlen würde. Ich denke, dass wir uns sehr glücklich schätzen können, noch immer dabei zu sein.


Heavy Metal hat in den vergangenen Jahren wieder zunehmend an Beliebtheit gewonnen – wie beurteilst Du die aktuelle Metal-Szene?

Ich denke, der Metal-Szene geht es prächtig, zumal im Moment eine neue Generation von Bands entsteht, die eines Tages das Zepter von Bands wie uns oder auch IRON MAIDEN und JUDAS PRIEST übernehmen wird. Ich finde es wichtig, dass es junge Bands gibt, die solche Musik spielen und wir tun alles, was wir können, um diese Bands zu ermutigen.


Wie sieht es in diesem Jahr mit Euren Tourplänen aus?

Klar, wir haben ein neues Album, also wollen wir damit auch auf Tour gehen – das wird dann im Dezember passieren. Wir haben auch schon etliche Festivals in Osteuropa geplant.


Alles klar, das war’s auch schon – vielen Dank!

Metalviech

Autor: Thomas Meyns [Metalviech] | 04.06.2011 | 15:58 Uhr

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