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Band: Metalnews nach 'Blazy Bayley' durchsuchen Blazy Bayley
Interviewpartner: Blaze Bayley

Es ist ein bitteres Schicksal, dass der Brite Blaze Bayley von allen IRON MAIDEN-Musikern wohl am wenigstens aus seiner Karriere herausholen konnte. Er war in den 1990er-Jahren Sänger der auch in Fankreisen nicht überbeliebten Alben "The X Factor" (1995) und "Virtual XI" (1998), bevor Bruce Dickinson mit dem Knall "Brave New World" wieder zurückkehrte. Der sympathische Lad aus Birmingham überzeugte aber schon davor (und noch immer) mit WOLFSBANE und vor allem mit seiner Soloband BLAZE BAYLEY, die seit nunmehr knapp 20 Jahren durch die kleinen Clubs Europas und Amerikas tingelt. Bei seinem letzten Gig in Wien schnappten wir uns den 54-Jährigen, um ausführlich über seine Albumtrilogie und das Buchprojekt "Infinite Entanglement", sein bewegtes Leben in- und außerhalb von MAIDEN, seine psychischen Probleme und die Verbundenheit zu den Fans zu sprechen.




Blaze, du tourst gerade mit deinem neuen Album „Endure And Survive – Infinite Entanglement Part II“ durch die Gegend…

Das Feedback der Leute ist toll und wir hatten viel Druck, da wir den direkten Vorgänger „Infinite Entanglement“ immer noch als sehr stark erachten. Wir waren dieses Mal aber organisierter und haben beim letzten Album sehr viel gelernt. Wir haben einige Sounds verändert und uns in gewissen Bereichen etwas mehr Zeit genommen, um alles noch perfekter zu machen. Es waren unendlich viele Stunden voller Arbeit. Wir waren extrem perfektionistisch. Wenn wir nach fünf ganzen Albumdurchläufen noch immer etwas fanden, mussten wir es verändern. Wir konnten so unmöglich das Studio verlassen, weil das Projekt einfach nicht vollständig war. Es gab nicht einmal den Gedanken, irgendetwas auch nur annähernd offen zu lassen. Wir haben literweise Kaffee verbraucht und sind uns auch oft mal angegangen, aber am Ende landete das Album im Mix und mein Gitarrist Chris Appleton als auch ich waren am Ende schließlich einen Tag vor der Deadline fertig und zufrieden.

Das bringt natürlich auch viel Druck für das nächste Album mit. Die Leute nehmen das Material schon so gut an, wie das des Vorgängers und ich spiele immer weniger IRON MAIDEN-Songs, weil sie meine Solosongs wirklich ehrlich lieben. Das ist das größte Kompliment für mich, ich kann den Support unserer Fans oft gar nicht fassen. Sie sind so loyal zu uns, kaufen so viel Merchandise und kommen oft mit zerfetzten T-Shirts aus meiner „Silicon Messiah“-Zeit daher. Das sind jetzt fast 20 Jahre, als ich meine Solokarriere startete. Ich will gar nicht größer werden, sondern solche Locations wie den Wiener Viper Room, für 200-300 Leute füllen, und eine schöne Zeit haben. Hier erreiche ich alle Menschen, bin ihnen nahe und habe mehr Spaß am Auftreten. Wenn der Sound gut ist und die Fans vom Veranstalter gut behandelt werden, dann kommen wir garantiert wieder zurück. Es wird auch nach jeder BLAZE BAYLEY-Show Fotos und Unterschriften geben, ohne dass ich dafür auch nur einen Cent verlange – das käme niemals für mich in Frage, schließlich habe ich den Fans alles zu verdanken.


Viele Musiker verlieren diesen Zugang zu ihren Fans. Nicht so bei Kalibern wie IRON MAIDEN-Bassist Steve Harris oder den DEAD DAISIES, die immer wieder beweisen, dass man nicht alle ausbeuten muss. Andererseits sind die Preise aber auch irgendwo verständlich, wenn niemand mehr Alben verkauft…

Als ich bei IRON MAIDEN war, hatte ich Glück, dass ich viel Geld verdient hatte. Bei WOLFSBANE war das nicht so gut, aber es war mir egal. Es geht immer um den Geist der Musik. Ich bin selbst Fan und weiß noch genau, als ich in Birmingham MANOWAR sah und mich dort voll auspowerte. Ich bekam damals die Gelegenheit, Sänger Eric Adams um Tipps zu bitten und er sagte mir: „Gib immer alles“. Dieser Ratschlag begleitet mich jetzt schon mein ganzes Leben. Als Fan traf ich auch Ronnie James Dio, ebenso unvergesslich. Ein Teil davon, Heavy Metal zu sein, bedeutet, dass man ein Teil einer großen Familie ist und dass man dem Publikum immer nahe sein sollte. Die Fans sind deine Band! Du bist nicht relevant, wenn du keine Fans hast. Man kann kein ernsthafter Heavy-Metal-Musiker sein, ohne selbst als Fan bei anderen Konzerten aufzutauchen. Das wäre ein Widerspruch in sich.


Jetzt bist du in der Position eines Eric Adams und kannst jüngeren Musikern Ratschläge fürs Leben erteilen.

Sie waren damals Headliner beim „Italian Gods Of Metal“ und ich war dort irgendwo unter ferner liefen. Ich ging demütig zu ihm hin, um mich noch einmal dafür zu bedanken, dass er mir vor 20 Jahren in Birmingham mein Ticket signierte und kurz mit mir sprach. Weißt du, was er machte? Er gab mir einen „World Tour All Areas“-Pass. Ich war der einzige Mensch, der nicht zur MANOWAR-Crew zählte und immer auf die Bühne durfte. So etwas werde ich mein Leben lang nicht mehr vergessen. Ich bin nicht qualifiziert genug, um selbst Ratschläge zu geben. Ich habe auch 20 Jahre später noch Eric Adams um Tipps gebeten. Ich habe das Singen gelernt, bin kein Naturtalent. Manche Gesangslehrer brachten mir Bullshit bei, andere nicht, aber ich kann niemand anderen Tipps geben, weil ich nur weiß, wie es für mich selbst am besten funktioniert.


Die Idee von „Infinite Entanglement“ ist eine Trilogie, von der jedes Jahr ein Album erscheint. Könnt ihr den Zeitplan einhalten?

Wir müssen, haben gar keine andere Wahl! Als ich mit Chris und den Jungs darüber sprach, war das von Anfang an so festgelegt, mit einem fixen Zeitplan und jedes Album erscheint jeweils am 1. März. Es gibt überhaupt keine andere Wahl, auch wenn wir die Qualität nicht beeinflussen können. Wir legen absolut alles rein, um dieses ambitionierte Ziel zu schaffen.


Hattest du schon die gesamte Geschichte, das vollständige Konzept im Kopf, als du die ersten Zeilen für das erste Album geschrieben hast?

Einen Großteil davon. Ich konnte zumindest das Ende voraussehen, aber die Geschichte dazwischen musste sich erst entwickeln. Das ging im Schreibprozess ganz natürlich voran. Derzeit ist für mich sehr klar, was im dritten Teil passieren wird – ich muss nur noch überlegen, wie ich das lyrisch und melodisch für das Album umsetze. Wir haben derzeit vier engere Ideen, sind aber noch sieben davon entfernt, bis wir aktiv daran arbeiten können. Der Nickname der kommenden Songs ist „Magnificent Seven“ – ich lege mir die Latte also ziemlich hoch. Es muss wieder alles für mich stimmen. Außerhalb meiner Fans ist mir völlig egal, was andere darüber denken. Wir haben bis heute noch nie ein fertiges Album an Journalisten geschickt, bevor es die Fans bekommen haben. Die allerersten Reviews kommen fix von Leuten, die dafür gezahlt haben und absolut verstehen, worum es mir geht. Wir gehen mit diesem System ein bisschen zurück in die späten 80er-Jahre, wo wir die Fans und nicht die Medien bevorzugen, was mir sehr wichtig ist. Ich habe das große Glück in der Position zu sein, meinen Traum als professioneller Sänger leben zu dürfen und dazu noch meine eigenen Songs zu schreiben und alles so zu machen, wie ich es für richtig halte.

Bei WOLFSBANE hat die Plattenfirma entschieden, ob wir noch ein Album machen dürfen oder nicht – bei IRON MAIDEN waren es nur wir als Band – niemand anderer. Aus der Ära, aus der ich komme, hatte die Plattenfirma immer die Entscheidungsgewalt. Viele Bands haben Herz, Hirn und Seele in ihre Alben gelegt, aber sie erschienen niemals, weil jemand vom Label nicht zufrieden damit war. Dir gehörte nichts, du hattest keine Entscheidungsgewalt. Am Ende hatte ich also nichts zu verlieren und das war der Grund, warum ich derzeit absolut unabhängig bin. Jeder will gesignt werden, dieser Gedanke besteht bei jungen Musikern noch immer – aber warum? Hinterfrage jedes Detail und du wirst sehen, dass du hauptsächlich Nachteile hast. Ich habe lange warten müssen, bis ich all meine Lizenzen von Steamhammer zurückbekam und für all meine Projekte die volle Freiheit erhielt. Es war ein harter Kampf, aber es hat sich ausgezahlt. Nun kann ich mir alle Träume so erfüllen, wie ich will und meine Fans unterstützen mich immer dabei. Ich entscheide ganz alleine, was in welcher Form erscheint und niemand legt sich dabei quer.


Gab es einen entscheidenden Moment in deiner Vergangenheit, an dem du wusstest, du musst dich jetzt von allem lösen und völlig selbstständig werden?

Ich habe schon lange darüber nachgedacht, aber es nie ganz so ernsthaft betrieben in den alten Zeiten. Ich dachte, ich wäre damit überfordert, hätte keine Zeit und zu wenig Geld dafür. Für mich ist das Proben das Wichtigste an der ganzen Musik. Wenn es sich dort gut anfühlt und du dich wohlfühlst, dann kannst du sorgenfrei aufnehmen, denn eine Aufnahme bedeutet, es ist für die Ewigkeit gemacht. Das muss einfach zu 100 Prozent sitzen, diesen Ehrgeiz hatte ich immer. Als ich nicht mehr bei MAIDEN war, spürte ich, dass die Platten- und Distributionsfirmen nur auf Zahlen und nie auf die Musik achteten. Sie stellten irrationale Vergleiche her und dann war mir klar, dass es so nicht weitergehen kann. Man kann kein Projekt von mir mit IRON MAIDEN vergleichen, das wäre sinnlos. Ich kann die Frage „warum gehst du nicht zu einem großen Label, das dir viel Geld bietet?“ nicht mehr hören. Willst du lieber ein reicher Gefangener sein, oder ärmer, aber dafür frei und unabhängig? Für mich ist diese Frage leicht zu beantworten. Ich sehe nicht ein, warum jemand, der keine Ahnung von meiner Musik hat, mitreden sollte. Wenn ein Produzent meint, er müsste ein Wort meiner Lyrics ändern, weil es für die Fans zu kompliziert werden könnte, dann kann er sofort gehen. Unterschätze nie deine Fans! Und vor allem – wenn ich Shakespeare zitieren will, dann mache ich das. Kein Produzent muss mir sagen, ob das okay ist oder nicht. Ich will nie mehr den Geschmack fehlender Integrität schmecken, diese Pille ist mir zu bitter. Ich muss das auch nicht. Viele Leute katapultieren sich in Situationen, wo sie Komfort und Goodies erwarten, die unnötig sind. Am Wichtigsten sind Musik, Live-Auftritte und Fans – alles andere ist verzichtbar.


Ist es für dich mehr Fluch oder Segen, dass viele Leute dich immer noch gerne mit deinen IRON MAIDEN-Jahren in Verbindung setzen?

Ich bin unheimlich stolz auf diese Zeit. Ich komme aus der Schule von Ronnie James DIO und er stammt aus ELF, RAINBOW und BLACK SABBATH – er war auch immer ein Teil dieser Bands und es war ein Teil seiner Geschichte. So ist das auch bei mir und ich sehe das mit Freude und Stolz. Ich bin genauso stolz auf eine kleine englische Band wie WOLFSBANE, die aus dem Nichts kam und dann einen US-Plattenvertrag bekam. Ich spielte bei der wohl größten und am meisten respektierten Metalband der Geschichte vor Hunderttausenden Menschen auf Tour – wie kann man das nicht schätzen? Ich bin stolz auf meine zwei Alben und meine Songs bei MAIDEN. Wenn du mich schneidest, dann blute ich Metal. Wenn du mir einen Zahn ziehst, ist er aus Metall. Es gibt viele MAIDEN-Fans, die mich mal sehen und fragen, wo ich die letzten 20 Jahre war. Ich war immer hier, immer auf der Bühne, kann aber nicht von jedem verlangen, dass er mich genauso intensiv verfolgt, wie seine Lieblingsband.

Ich bin auch ein Riesenfan von Ian Gillan und er hat neben DEEP PURPLE auch viele verschiedene Projekte gemacht. Ich sehe mich ähnlich, nur kleiner. Heute werde ich als Blaze Bayley immer bekannter. Natürlich wissen die Leute, dass ich bei MAIDEN war, aber sie checken auch meine Soloprojekte aus. Für einen jungen Mann, der Hotelzimmer reinigt, ist es natürlich grandios, mit IRON MAIDEN die größten Bühnen der Welt zu bespielen. Ich komme aus einer Working-Class-Familie, aus dem Nichts und bin jetzt hier. Es ist ein harter Job, aber ich bin unendlich stolz darauf. Außerdem habe ich nur mit netten Menschen gearbeitet, jeder in der Band ist ein musikalisches Genie und wahnsinnig warmherzig. Erst in IRON MAIDEN habe ich meine wahre Stimme gefunden und danach habe ich meine Fertigkeiten richtig verbessert. Heute bin ich ein wesentlich selbstsicherer Sänger als vor meiner Zeit bei MAIDEN. Es waren nur fünf Jahre und zwei Alben, aber diese werden für immer unvergesslich bleiben. Steve Harris gab mir so viele Ratschläge, aber er war mein größter und wichtigster Mentor. Steves Genie war, wie man eine Idee in die Realität umsetzt und das habe ich von ihm gelernt und ist noch heute ein essenzieller Bestandteil meiner Arbeit.


Der Erfolg kam für dich aber auch extrem spontan und dein Leben änderte sich rasant. War es schwierig, all diese Änderungen so zu durchleben, dass man nicht abhebt oder daran zerbricht?

Der schwierigste Teil meiner Zeit war bei WOLFSBANE. Wir kamen damals auf Magazin-Cover und ich wurde in ganz Großbritannien auf der Straße erkannt, weil Metal dort so groß war. Damit tat ich mich sehr schwer. Ich habe aber einen Weg gefunden, das zu verarbeiten. Du kannst das mit Sport vergleichen. Auch im Fußball ist ganz oben die größte Intensität vorhanden. Wenn Alex Ferguson Manchester United trainierte, erwartete man sich jedes Spiel einen Sieg. Das gleiche wird von IRON MAIDEN erwartet – jedes Konzert muss das allerbeste aller Zeiten sein. Bei WOLFSBANE war das in kleinem Rahmen ähnlich. Leute sprachen mich an, ohne genau zu wissen, wer ich jetzt wäre. Der Segen dieser Musik ist aber, dass du außerhalb der Heavy-Metal-Grenzen nicht berühmt bist und dich niemand bemerkt. Du bist als Metaller nicht einmal im Fernsehen, zumindest nicht mehr, seit MTV gestorben ist. Du kommst durch die ganze Welt, viele Leute kennen dich, aber der Mainstream bemerkt dich überhaupt nicht. Außerhalb der Konzerte hast du meist deine Ruhe und wenn mich jemand auf der Straße um ein Autogramm fragt, ist das auch okay, solange sie zumindest wissen, wer ich bin. Ein normaler Heavy-Metal-Fan weiß aber genau, mit wem er es zu tun hat und fragt nicht auf Verdacht. Als Metal-Fan hast du zu einer Band eine Beziehung wie zu deiner Freundin – du weißt, dass du mit ihr sehr lange, wenn nicht sogar ewig, zusammenbleiben willst, und begegnest ihr mit dem nötigen Respekt. So ticken wir. Wir finden das richtige Team und bleiben loyal – wie deine Fußballmannschaft. Auch wenn dich andere interessieren, du hast immer einen Favoriten.




Du hast in vielen Interviews offen über deine psychischen Probleme gesprochen, die dich jahrelang verfolgten. Konntest du sie mit dem Live-Performen bekämpfen? Haben sie dir in diese Richtung Sicherheit gegeben?

Das hat damit gar nichts zu tun. Ich habe nie verstanden, was Depressionen sind, bis mir ein Arzt erklärte, dass ich sie habe und welche Symptome damit einhergehen. Erst wenn du das weißt, kannst du Wege suchen, um damit klarzukommen. Wenn dir der Kopf schmerzt und du nicht weiß, dass es Kopfschmerzen sind – wie willst du sie bekämpfen? So ging es mir mit den Depressionen. Ich bekam Medikamente und nahm sie sehr lange, erkannte über die Jahre aber, dass sie mir nur bedingt halfen. Ich hatte auch viele Therapien in verschiedensten Bereichen, bis ich endlich wusste, was mir hilft. Du kannst Depressionen nicht heilen, du musst einen Weg finden, damit zu leben. Bei unseren Großeltern wurde noch gar nichts diagnostiziert. Damals warst du einfach traurig, niedergeschlagen oder melancholisch. Heute finde ich das Wort Depression inflationär verwendet. Ich habe versucht, die Krankheit zu greifen und sie zu besitzen. Wenn du weißt, woran du leidest, dass du einem Sturm ins Auge blickst und am Rande einer Klippe stehst, dann beginnst du damit zu arbeiten. Was hat mich dorthin gebracht? Welchen Weg muss ich finden, um raus zu finden? Wieso fühle ich mich so schlecht? Warum bin ich so grantig und warum denke ich, der da drüben ist ein Arschloch? Liegt es daran, das sich drei Tage schlecht geschlafen habe, oder ist das tiefgründiger?

Als ich mir all dessen bewusst war, erkannte ich auch bei anderen Aggressionen und Gewaltbereitschaften, die für mich unerklärbar waren. Ich habe es geschafft, diese Sache zu kontrollieren, ohne weiterhin Medikamente nehmen zu müssen. Ich habe immer noch sehr intensive Stimmungsschwankungen, kann sie aber meist sehr gut in den Griff kriegen. Ich habe das Glück, dass mich Familie und Freunde immer unterstützten. Ich habe das nie versteckt, denn für Millionen Menschen ist das eine normale Sache. Ich bin nicht speziell oder anders, ich bin so wie all diese anderen und muss damit umgehen können. Ich habe das Glück, einen Job zu haben, den ich liebe und von vielen Menschen unterstützt zu werden – dieses Glück haben nicht alle. Hätte ich ein paar Jahre früher gewusst, was dieses Trauma verursacht, hätte man viel im Keim ersticken können. Es ist aber wie es ist und man kann nicht zurückreisen. Ich habe für ein Albumkonzept zwar einmal eine Zeitmaschine erfunden, aber sie dann wieder zerstört, weil sie die Welt als solche vernichten würde. Also leben wir lieber mit unseren Entscheidungen. [lacht]


Einer deiner größten Wünsche war immer, dass es einmal eine IRON MAIDEN-Show mit allen drei Sängern, dir, Bruce Dickinson und Paul Di’Anno, geben wird. Ist dieser Traum in irgendeiner Art und Weise realistisch?

Ich glaube nicht, dass das jemals passieren wird, auch wenn ich davon träume. Ich sehe das aber eher aus einer Fan-Perspektive und glaube, dass das jeder MAIDEN-Fan gerne einmal sehen würde. Ich weiß auch, wie affektiert MAIDEN-Fans sind und jeder dieser Fans kann dir vom allerersten Album weg wahrscheinlich alle Fragen dazu beantworten. Es ist wie bei KISS – dieses Wissen und diese positive Nerdigkeit von uns Metalfans führen dazu, dass ein paar ausgewählter solcher Shows, wo jeder von uns seine Songs singt, perfekt wären. Die Leute könnten unendlich lang darüber diskutieren, wer denn der Beste sei und warum. Es wäre einfach so unglaublich lustig. Das Problem ist, dass es für alle Involvierten zu viel wäre. Es gibt Managements, Plattenfirmen, Booker etc. Ich will den Traum aber noch nicht sterben lassen, weil er zu gut klingt.


Hast du mit jemanden von IRON MAIDEN schon mal aktiv darüber gesprochen?

Nein, ich habe die meisten seit Jahren nicht gesehen. Bruce sehe ich hie und da, Steve leider nie, weil er die ganze Zeit nur unterwegs ist. Egal ob mit MAIDEN oder dann privat auf den Bahamas. Diese Idee sollte keine Comedy sein, aber trotzdem Spaß machen. Es wäre ein Moment für die Ewigkeit – und zwar für sehr viele Menschen. Es wird nicht mehr viele Möglichkeiten dafür geben und die Zeit läuft, aber ganz ehrlich glaube ich nicht, dass es wirklich eintreten wird. Da sehe ich es als realistischer an, dass ich noch einmal ein Nummer-eins-Album auf den Markt werfe. [lacht]


Fürchtest du eine kreative Leere, wenn du die „Infinite Entanglement“-Trilogie nächstes Jahr beendet hast?

Fad wird mir nicht. Die Geschichte der drei Alben basieren auf einem Buch, das ich derzeit auch schreibe und das dann als abschließender Schritt nach den drei Alben veröffentlicht wird. Es ist eine Science-Fiction-Story, die zu einem Drittel fertig ist und Teile davon sind schon als Leseprobe an die Fans gegangen. Ich bin kein Schreiber und die Intensität der Arbeit an unseres Albums und der Touren, nimmt mir derzeit die Energie für die Fortsetzung des Buches. Es wird auch noch eine Live-DVD geben, die sich an diese Album-Trilogie aufhängt und all das zusammen ist vielleicht doch etwas sehr ambitioniert geplant, das gebe ich zu. Wenn all das einmal erledigt ist, dann kann ich in Ruhe reflektieren, was ich wirklich mag, ob mir das Buchschreiben so viel Spaß macht, dass ich es vielleicht wiederholen möchte, oder ob ich mich trotzdem weiterhin stärker auf die Musik fokussiere. Es sind spannende Zeiten, weil ich mein Leben derzeit gerade noch einmal neu ausrichte.


Kannst du vielleicht kurz zusammenfassen, worum es sich in dieser ambitionierten Trilogie samt darauffolgendem Buch dreht?

Es ist eine Geschichte über einen Mann, der nicht weißt, ob er Mensch oder Maschine ist. Er muss die Dinge aus seiner Vergangenheit reflektieren und hat eine unsichere Zukunft vor sich. All die Dinge, die ihm etwas Wert sind und für die er lebt, wurden ihm genommen. Er muss einen neuen Grund finden, um zu leben. Das ist die Geschichte ganz kurz zusammengebrochen.




Wie viel Autobiografisches steckt darin?

Ich denke, jeder, der einmal in seinem Leben ein Buch schreibt, kommt nicht ganz davon weg, dass er Elemente von sich selbst einbaut. Es gibt viele Elemente von mir in dem Hauptcharakter und auch in den dunkleren Figuren, die sich lose um Dinge drehen, die mir im negativen Sinn selbst passierten. Oder auch um Dinge, die mir andere Menschen angetan haben. Das Konzept spielt in der Zukunft und ich bin ein großer Fan davon. Die Geschichte der Evolution zeigt uns, dass sich eine Sache niemals ändern wird: die menschliche Natur. Vor mittlerweile 60.000 Jahren sind Menschen immer gleich gewesen wie auch heute. Egal, ob im Dschungel mit Speeren oder im Großstadtdschungel mit Smartphones. Wenn ich einen Haufen der intelligentesten Menschen in einen Raum sperre und sie um viel Geld kämpfen lasse, werden sie ihre Intelligenz über den Haufen werfen. Das ist die menschliche Natur. Es gab und gibt Liebe, Gier, Neid, Hass, Liebe, Betrug und so vieles anderes – unverändert. In meiner Geschichte interessiert mich hauptsächlich, was den Menschen wirklich ausmacht – in einer Umgebung, die so ganz und gar nicht mehr menschlich ist. Wie formst du Identität? Wie gehst du mit dir und deiner Umwelt um? Bin ich ein Mensch, weil ich aus Fleisch und Blut bestehe, oder weil ich nur glaube, dass ich ein Mensch bin? Brauche ich Fleisch und Blut, oder würde ein maschineller Körper mit menschlichem Hirn reichen? Das ist der wichtigste Teil der Identitätskrise der Menschheit in der Zukunft – und der Aufhänger des Buches.


Auch die künstliche Intelligenz ist immer stärker im Vormarsch und droht diverse Weissagungen kultiger Science-Fiction-Film Realität werden zu lassen…

Ich traf einige Menschen, die mit künstlicher Intelligenz, menschlichen Gehirnen und Roboter-Algorithmen arbeiten. Es scheint sich alles immer mehr zu verbinden und eins zu werden. Die Definition des Bewusstseins wird bald eine ganz andere werden. Auf einem wissenschaftlichen Level hat mich immer interessiert, dass im Zweiten Weltkrieg jemand realisiert hat, dass es Mikrowellen gibt. Man konnte sie aber noch nicht verifizieren. Am Ende des Krieges, als all die Radarstationen auf den Himmel schauten, um etwaige Feinde zu erkennen, entdeckten sie die Mikrowellen definitiv. Das ist der Background des Universums. Sie waren immer da, aber die Menschheit hatte nicht das Equipment dafür. Ich bin überzeugt davon, dass auch Dinge wie Telepathie und ähnliches mit dem richtigen Equipment entdeckt und verifiziert werden. In meinem Buch ist die Telephatie schon ein Teil und dieses Equipment existiert bereits. Wenn zwei Elektronen in der Quantenphysik der Theorie nach verknüpft werden können und das wissen – warum kann das nicht mit zwei Menschen passieren? Quer durch mehrere Universen? Das ist der Verwicklungsteil der ganzen Geschichte, Entanglement. Und Infinitiy, die Unendlichkeit, ist das Universum.


Es wird auch eine interessante Frage sein, ob der menschliche Geist mit all seinen Emotionen und Empfindungen in der Zukunft dauerhaft überleben kann?

Das ist auch ein Teil meiner Geschichte. Im ersten Teil wird ihm erzählt, dass er einen Maschinenanzug operativ an den Körper genäht bekommt, damit er schnell und ohne Umstände in und aus dem Raumschiff steigen kann. Du steckst dort drin fest, bis du am Ende daraus befreit wirst, sich dein Körper heilt und du die 1000 Jahre der Geschichte überlebt hast. Während dieses Teils der Reise, kommt er drauf, dass er keinen Anzug trägt, sondern einen maschinellen Körper. Sein Bewusstsein ist im Maschinenkörper gefangen. Er realisiert langsam, dass er eine Maschine ist, aber wie ein Mensch denkt. Er ist sich unsicher, was er ist, was er darstellt und was aus ihm in Zukunft werden soll. Ein wichtiger Teil der Geschichte ist, dass ein Geist eines Menschen quasi aufbehalten und in eine Maschine versetzt werden kann. Das ist natürlich alles sehr furchterregend, denn unglücklicherweise finden wir am Ende heraus, warum er für diese Mission ausgewählt wurde.

Es gibt nämlich noch eine weitere Mission, eine Untermission. Er realisiert, dass die anderen sieben Crew-Mitglieder es nicht zum rettenden Planeten schaffen, aber warum schafft er es und ist dafür vorgesehen? Er realisiert, dass er gehirngewaschen wurde und in einem luziden Zustand jedes Crew-Mitglied getötet hat. Nach diesen 1000 Jahren gibt es nur mehr ihn und am Ende versucht das Raumschiff ihn zu töten. Das ist der Tag der toten Sonne und von dort an, geht es um das Überleben von allem – Teil zwei beginnt. Mit den letzten Happen von Elektronen und seinem Gehirn, versucht er sich zu retten. Der allerletzte Satz lautet „William Black Must Die“. Wir wissen dann, dass es nicht darum ging, dass er zum Planeten kommt. Teil drei dreht sich dann also darum, ob er es schafft oder nicht. Und in diesem Status wissen derzeit genau ich und noch vier sehr gute Freunde von mir, wie es endet. [lacht] Wenn ich das jetzt verraten würde, bräuchte niemand mehr das Buch kaufen. Alles, was ich bislang verraten habe, gibt es auf den zwei Alben zu entdecken. Ich hoffe, dass das Buch auch jemanden interessiert, denn es ist unheimlich viel Arbeit. Wenn du so ein Projekt beginnst, dann weißt du Stephen King erst richtig zu schätzen. [lacht] Während ich zwei Kapitel schreibe, hat er wohl zwei große Bücher fertig.


Planst du eigentlich auch ein weiteres WOLFSBANE-Album?

Auf jeden Fall, das ist immer schon ein Thema gewesen. Am 13. Dezember gibt es eine WOLFSBANE-Live-Reunion, die bis Weihnachten geht und uns auf einige Bühnen bringen wird. Das ist die einzige Phase, wo alle von uns Zeit dafür haben und ich bin sehr froh, dass sich das ausgeht und ich mit anderen Projekten das Geld dafür verdiene, um das zu probieren. Wir spielen in England und ich hoffe, dass wir in ein paar Jahren auch nach Europa kommen können. Wir haben mit WOLFSBANE niemals eine Europa-Headlinertour gespielt, das fehlt mir noch in meiner Statistik.


Mit neuem Material?

Wir haben einiges Neues auf der WOLFSBANE-Homepage stehen, schaut dort einfach vorbei. Das Material ist zumindest so gut wie alles, was wir früher gemacht haben. Die Fans werden nicht enttäuscht sein. Wir haben noch viele weitere Ideen, um 2018 vielleicht wirklich ein richtiges Studioalbum in Angriff nehmen zu können. So viel zu arbeiten ist übrigens eine weitere Aktion gegen Depression. Ich trinke mittlerweile auch keine harten Getränke mehr und niemals etwas vor einem Auftritt. Ich werfe mich in die Arbeit, weil sie mich am besten aus dunklen Gedanken holt. Am Wichtigsten ist es, immer konstant an die Musik und Texte zu denken. Man muss diese Schmetterlinge des Selbstbewusstseins fangen, weil sie nicht so oft vorbeifliegen. Songs zu schreiben ist für mich wie puzzlen. Wenn ich fertig bin, fühle ich eine unglaubliche Erleichterung und Freude. Ich bin einfach dankbar für dieses Leben.

Am 22. September kommt Blaze Bayley für eine Akustik-Show in den Escape Metalcorner in Wien. Eine gute Chance, mit dem sympathischen Kultsänger auf Tuchfühlung zu gehen!

Robert Fröwein

Autor: Robert Fröwein [Froewe] | 18.09.2017 | 12:45 Uhr

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