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Interviewpartner: Bobby Liebling & Victor Griffin

Es gibt nur wenige Bands im erweiterten Rock- und Metalsegment, um die sich so viele Mythen ranken wie um die amerikanische Doom-Legende PENTAGRAM. Frontmann Bobby Liebling ist die vielleicht schillerndste Figur des gesamtem Musikbusiness und hat in seinem Leben wahrscheinlich mehr Drogen konsumiert, als Pablo Escobar in seinen Glanzzeiten verkauft.

In der Wiener Arena spielte das zuletzt auch durch angeblichen Sexismus und Machogehabe in die Schlagzeilen gekommene Quartett eine souveräne Show, die nichts von der alten Energie vermissen ließ. Zum Interview in den altehrwürdigen Backstage-Räumen stand mit Liebling, Griffin, Greg Turley und "Minnesota" Pete Campbell sogar die ganze Truppe Spalier - auf das Reden konzentrierten sich aber die beiden Masterminds. Nach handverlesenen 15 Minuten war Schicht im Schacht und das Liebling zwar ein herzensguter, aber auch reichlich verwirrter Geselle ist, war uns schnell klar. Die Selbstgespräche, die ihr während des Talks immer wieder führte, lassen wir außen vor. Verunsichern ließen sich die routinierten Herren relativ schnell, als es ums Thema Religion ging...





2016 feiern wir 47 Jahre PENTAGRAM – gab es jemals einen Zeitpunkt wo ihr selbst daran geglaubt habt, so populär zu werden wie ihr es gegenwärtig seid?

Bobby Liebling: Nein, niemals. Das liegt einfach daran, dass wir so viel unterwegs sind und uns die Ärsche abtouren.


Und wohl auch an der Doku „Last Days Here“ aus 2012, wo man Bobbys einzigartiges Leben in seiner ganzen Schonungslosigkeit nachverfolgen kann.

Liebling: Der Film beinhaltet natürlich viele Kuriositäten und wurde dementsprechend beworben, insofern gab es unheimlich viele Menschen, die ihn sehen und sich selbst davon überzeugen wollten. Von dort sind sie dann zur Musik von uns gekommen. Der Film selbst ist etwa 90 Minuten lang und beinhaltet relativ wenig Musik.


Es ist dennoch eine gewisse Ähnlichkeit zur kanadischen Metal-Band ANVIL erkennbar, die auch lange Musik machten, dann aber erst durch eine Doku wirklich in das Bewusstsein von vielen Menschen rückten.

Victor Griffin: Natürlich hat der Film vor allem medial hohe Wellen geschlagen und viele Menschen hätten sich sonst wohl kaum um unsere Musik gekümmert. Wir konnte mit dem Film auf uns aufmerksam machen und bekamen dadurch auch mehr Tourangebote.

Liebling: Wir haben nach den Arbeiten am Film vier Alben herausgebracht, das darf man nicht vergessen.

Griffin: Naja, zwei Studioalben, wobei „Last Rites“ vor dem Film erschien und zwei Live-Alben, um genau zu sein.


Die neuen Alben klingen für mich besser als eure alten…

Griffin: Danke Mann. Schön, dass du das so siehst, denn das ist wirklich selten.

Liebling: Man kann die Alben auch nicht mehr vergleichen, wir machen heute ja fast was ganz anderes.


Bobby, von dir gibt es auf den Studioalben auch heute nur Ideen aus den 70er-Jahren, die sich mit dem Songwriting deiner Kollegen vermischen.

Liebling: Ich habe meine Songs von früher, die jetzt nicht mehr so klingen wir früher, weil die Jungs sie ohnehin verändern.


Gibt es noch immer so viele nicht ausgegrabene Schätze aus dieser Ära?

Liebling: Auf jeden Fall, da können wir noch mehrere Alben daraus machen.

Griffin: Bobby hat all die alten Kassetten irgendwo gehortet und ich habe dann angefangen, sie zu sichern und zu kopieren. Ich habe noch ungefähr vier Kassetten mit 90-Minuten-Material der letzten 20 Jahre gelagert und diese Ideen sind immer auch ein Teil jedes neuen Albumprozesses. Der Song „Lay Down And Die“ von unserem neuesten Album „Curious Volume“ ist etwa ein Song, der auf ganz alten Ideen von Bobby fußt. Der Grundsong war keine zwei Minuten lang und wir haben ihn dann eben ergänzt und erweitert.

Liebling: Den Song habe ich erstmals 1965 geschrieben – es hat also mehr als 50 Jahre gedauert, bis er schlussendlich aufgenommen wurde.

Griffin: 50 Jahre, Mann! [lacht] Das war schon bevor du die Band überhaupt ins Leben gerufen hast. Völlig wahnsinnig. Pete, du bist 31 Jahre alt oder? Das ist eigentlich unfassbar. [lacht]

Liebling: 1969 haben wir mit PENTAGRAM wirklich gestartet – nicht 1971, wie so viele Menschen fälschlicherweise behaupten.


Bobby, noch einmal kurz zum Film: „Last Days Here“ hat dich in all deinen tiefen Phasen begleitet, ein trauriger, aber auch ehrlicher und unheimlich konsequenter Film. Warst du sofort damit einverstanden, dass man dich so verletzlich abbildet?

Liebling: Ja, ich wollte unbedingt Ehrlichkeit haben und die Leute nicht verarschen. Alles, was du in dem Film siehst, gehört zu meinem Leben. Es gibt keinen Grund, etwas davon zu verstecken – wieso auch? Den Film zu machen, die Leute darüber abstimmen zu lassen, wie sie ihn finden und dann die Folgen zu beobachten war ein Vorteil auf allen Ebenen. Viele dachten schon, dass ich längst tot wäre und dann kam der Film und sie merkten plötzlich, dass es diesen Typen und seine Band ja noch immer gibt. All der Sex und die Drogen konnten mich eben nicht aufhalten. [lacht]




Offen und geradeaus – wie konntest du deine Vergangenheit überleben?

Liebling: Meine Freundinnen hatten dabei immer eine sehr wichtige Rolle gespielt, vor allem auch meine ex-Frau. Ich bin nicht gut darin, mich selbst zu pflegen und in dieser Gesellschaft normal zu funktionieren. Ich brauchte immer ein Gegenstück, das mich reflektiert und mir auch die Grenzen aufweist. Ich bin auch nicht mehr die Person, die ich früher einmal war.


Wie ist denn die Beziehung zwischen euch innerhalb der Band – jetzt auch außerhalb der Tour und all den Bühnenaktivitäten?

Liebling: Wir sprechen nicht so viel miteinander.

Griffin: Wir quasseln 24 Stunden am Tag miteinander, Mann. [lacht]

Liebling: Nein – abseits der Tour war die Frage. Wir bleiben schon in Verbindung, aber wir reden jetzt nicht die ganze Zeit, sondern lassen uns alle in Ruhe. Wir leben auch alle ganz woanders. Victor lebt noch am nahesten neben mir und das sind schon 70 Meilen. Greg wohnt etwa 500 Meilen entfernt, aber ich bin kein Mathe-Professor. Pete liebt in Minneapolis, das sind schon 900 Meilen von mir – da geht sich das tägliche Gespräch nicht mehr so ganz aus.


Victor, vor dem offiziellen Interview haben wir kurz über Gott und Religion gesprochen – über die letzten Jahre sind Teile von euch zu Christen mutiert. Hat das eure Fans anfangs nicht sehr stark verärgert?

Griffin: Bei mir setzte diese Veränderung vor etwa 20 Jahren ein. Es gibt sicher Teile der Metal-Community, die sich dadurch vor den Bug gestoßen fühlten. Persönlich wurde ich noch nie mit diesem Thema von einem Fan konfrontiert, aber klar, auf Facebook lassen alle ihre Muskeln spielen. Es ist aber auch nicht so, dass ich nach Europa komme und meine Ansichten predige und damit auf der Bühne hausieren gehe – das war nie mein Stil.

Liebling: Auf Facebook reden die Leute nur Scheiße. Dort ist jeder groß und ein großer Held, aber von Angesicht zu Angesicht werden sie alle sehr schnell sehr klein.

Griffin: Es gibt ja auch die Black Metaller, die ganzen Satanisten und auch sehr diabolische Biker-Gangs – das ist ebenfalls eine Art von Religion, nur eben in die andere Richtung. Ich habe 35 Jahre lang die dunkle Seite ausgetestet und sie hat mir in der ganzen Zeit nichts gegeben, was ich gebraucht oder gesucht hätte. Als ich sozusagen ins Licht ging, fand ich für mich das Richtige. Gott macht bei der Ordnung meines Lebens einen besseren Job als ich selbst. Ich gebe mein Bestes, alles zu reflektieren und ein guter Mensch zu sein, aber das gelingt natürlich nicht jeden einzelnen Tag. Ich will nicht für die anderen Jungs sprechen, aber ich denke, wir haben eine Art Vereinbarung und auch eine Art von Glauben an Gott, der uns verbindet. Jeder auf seine Art und Weise. Eigentlich ist das schon seit dem Debütalbum in unserer Musik, auch wenn wir früher nie darüber gesprochen haben und wir selbst damals den falschen Weg gewählt haben.

Liebling: Du musst dir immer beide Seiten der Münze ansehen – diese Phrase kommt ja nicht von irgendwo.

Griffin: Du kannst das in wesentlich berühmterer Form auch auf BLACK SABBATH umlegen. Sie wurden anfangs als dunkle und absolut satanische Band eingeordnet, wenn du dir aber die Texte durchgelesen hast, dann war davon nichts zu sehen.

Liebling: Wir haben den Leuten nie dazu geraten, Satan anzubeten oder ihn zu verehren.


Es ist aber trotzdem eher selten und unüblich, dass eine Band mit diesem Namen und dieser Symbolik dann zum Christentum überwechselt.


Griffin: Wen interessiert das heute? Eine Zeitlang war ich mir auch nicht sicher, ob die Entscheidung die richtige war, aber irgendwann ist der Bandname einfach nur ein Wort und du kannst in verschieden interpretieren. Wir haben dann auch beschlossen, dass wir keine Ziegenköpfe, verkehrten Kreuze, 666-Zahlen und Pentagramme mehr verwenden, wir haben den Namen also nicht proaktiv mit satanischen Botschaften symbolisiert.

Liebling: Wir haben nun sogar christliche Symbole.

Griffin: Andererseits muss man auch sagen, wie viele Bands heute solche satanischen Symbole zur Verstärkung ihrer Botschaft verwenden und dabei vergessen, dass sie dem Fan und Hörer eigentlich überhaupt keinen eigenen Interpretationsspielraum mehr lassen. Jede Rockband hat heute schon ein Pentagramm auf seinem Albumcover, das ist doch furchtbar.

Liebling: Bei uns bedeutet das Pentagramm auch mehr als nur eine Sache. Es geht nicht nur um Satan.

Griffin: Die ersten beiden Alben haben wir erst mit Pentagrammen wiederveröffentlicht – die Originalversionen in den 80ern hatten diese Symbole gar nicht drauf.

Liebling: Das Pentagramm ist ein fünfzackiger Stern – das ist die erste und einzige Bezeichnung dieses Symbols. Alles andere ist Auslegungssache, das war es immer schon.




Griffin: Heute haben wir sogar in unseren Verträgen stehen, dass bei Neuveröffentlichungen keine Werbemaßnahmen mit Pentagrammen und derartigen Symbolen einhergehen sollen. Wenn du also Leute mit Shirts und den Symbolen herumrennen siehst, dann machen sie das selbst, aber es ist nicht in unserer offiziellen Merchandise-Linie.

Liebling: Es gibt halt welche, die wollen nicht akzeptieren, dass wir nichts mit Black Metal, Satan oder Anbetung der Hölle zu tun haben.

Griffin: Wir sind erwachsene Menschen, die ihre Entscheidungen für sich selbst treffen und die Leute dazu ermutigen, zu unseren Shows zu kommen und Spaß zu haben. Das ist alles. Wie es die ROLLING STONES schon treffend formulierten: „It’s only Rock’n’Roll, but we like it“.

Liebling: Man kann ein Pentagramm einfach extrem vielseitig interpretieren. Für den einen symbolisiert es Satan, für den anderen schlichtweg fünf einfache Ecken. Es kann sich ohnehin jeder seinen Reim darauf machen, wir sind nicht hier, um zu missionieren, wissen aber sehr wohl, wofür wir stehen. Wir sind keine Satanisten.

Griffin: Wir sind eine Hard-Rock-Band für Hard-Rock-Fans. Wir sind einfach froh, dass wir es in den letzten Jahren offensichtlich geschafft haben, die Energie der Rockbands aus den 70er-Jahren wieder aufleben zu lassen. Als PENTAGRAM in den 70ern auf die Bühne gingen, dann war das einfach ein reines Feuerwerk. Damals haben sich alle Rockbands um das Konzert, die Show und das gesamte Event gekümmert haben. Diese Energie von damals kannst du heute kaum mehr raufbeschwören.

Liebling: Wir sind nicht die Band, die daran glaubt, dass ein paar bunte Shirts, Tennisschuhe oder ein Football-Jersey gut für eine Rockshow sind. Die Musiker sollten sich mehr um ihr Äußeres kümmern.

Griffin: Wir verstehen auch die Beweggründe der gesamten Hair-Metal-Bewegung von früher, bevor der Grunge diesen Trend auslöschte. Es muss einem nicht gefallen, aber sie haben ihre Musik und ihren Lifestyle einfach perfekt visualisiert. Die Musik ist natürlich wichtiger als alles andere, aber das Entertainment darf man nicht vergessen.

Liebling: Die Optik ist mitentscheidend. Wenn jemand aussieht wie irgendein dahergelaufener Durchschnittstyp, dann nimmt man ihm doch erst einmal keine Bandzugehörigkeit ab.

Griffin: Denk nur zurück, wie ALICE COOPER und seine Band auf dem Backcover des „Easy Action“-Albums aussahen. Das waren Gesamtkunstwerke und das war bei allen Bands so. KISS waren sowieso federführend dafür. Die anderen Bands waren nicht unbedingt theatralische Schauspieler, aber einzigartig und engagiert, etwas darzustellen. Das ist auch unser Ziel.

Fotos: KBK Images (3)

Robert Fröwein

Autor: Robert Fröwein [Froewe] | 04.11.2016 | 00:07 Uhr

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