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Interviewpartner: Christof Kather

Wer hier nur mal eben kurz die Antworten auf ein paar Rockmusik-Standardfragen lesen möchte, während er seinen Coffee To Go aus dem Schnabelbecher in seine Tastatur kleckert, der kann gleich weiterhetzen. Denn dieses im Vorfeld der unter eher widrigen Wetterbedingungen stattfindenden JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE-Show im Hamburger MarX geführte Interview ist streng genommen alles andere als zeitgemäße Häppchenkost. Also macht euch lieber einen schönen Grog, zieht die Gemütlichkeits-Kutte an, legt "Bilder fressen Strom" auf und nehmt euch Zeit für ein langes, interessantes Gespräch mit Schlagzeuger Christof Kather über die JAPANISCHEN KAMPFHÖRSPIELE, schlechtes Wetter, Punkrock, hartnäckige Fehlinformationen, die Werbebranche, die Inspirationen für Texte, Musik im Radio und JAKA-Actionpuppen. Viel Spaß beim Lesen!




Erstmal vielen Dank, dass du dir Zeit für uns nimmst.

Ja, bitte.


Willkommen in Hamburg. Ich hoffe, ihr seid gut angekommen, das heißt, bis auf die zwei, die jetzt nicht dabei sind. Wie kam's dazu?

Die mussten beide vorher noch arbeiten, das heißt, dass die nicht mit uns heute morgen um 10 abhauen konnten und deswegen eben die Flüge gebucht haben. Die wären eigentlich um sechs Uhr losgeflogen und so gegen acht, neun Uhr hier gewesen, das hätte ja eben so gereicht. Und jetzt ist es aber so, dass die Flüge gestrichen wurden, also dass gar keiner fliegt von Düsseldorf aus. Keiner traut sich.


Eigentlich ganz schön krass, dass jetzt innerhalb von Deutschland nichts mehr geht wegen 2,5 cm Neuschnee, oder?

Joah, ich weiß nicht, wie das in der Luft ist. Da muss man andere Sachen bedenken, dass man auch wieder runterkommt.


[Es folgt ein kurzes Fachsimpeln über die Gründe. Keiner von uns hat Ahnung von Luftfahrt. Gibt es eigentlich das gegenteilige Wort zu "Fachsimpeln"? Anm.d. Verf.] Naja, aber immerhin vier von euch sind hier, das ist schon mal gut. JAKA wird auf jeden Fall stattfinden. Erzähl doch mal ein bisschen was zum "Package For dem Herrn" – wie kam es zustande, dass ihr jetzt mit KEITZER und EISENVATER zusammen diese Tour in Gang gebracht habt?

Mit EISENVATER wollten wir eine Tour machen, weil die ja auf unserem selbstgegründeten Label sind; die sind ja eine von jetzt inzwischen drei Bands. Mittlerweile haben wir noch JACK SLATER dabei. Und mit KEITZER haben wir auch schon öfter gespielt, das bot sich halt an. Die machen ja auch noch mal 'nen ganz anderen Sound. Wir achten schon immer darauf, dass es alles möglichst verschieden klingt.


Wenn man dann PROCTOPONDER noch dazunimmt, quasi alles alte Bekannte heute Abend, oder?

Ja. Das wird wahrscheinlich auf der ganzen Tour so sein. Das Grundpackage ist ja JAKA, KEITZER, EISENVATER, und ich glaube morgen in Essen sind WORLD DOWNFALL dabei... die kennen wir schon alle, ja. Die erste Band wechselt dann immer von Stadt zu Stadt.





Ja, cool. Normalerweise ist ja noch so eine Standardfrage, wie die Tour bisher gelaufen ist, aber das hier ist ja heute der erste Abend, von daher erübrigt sich das. Und auch die Frage nach der Anreise hat sich ja schon erübrigt, das ist ja eher ein bisschen... schwierig...

Ich hoffe, dass wir gut wieder abreisen können, dass wir morgen pünktlich in Essen sind.


Ja stimmt, da habt ihr ja auch noch ein ganzes Stück vor euch. Wir sind halt mit dem Zug da aus Kiel, das ist eigentlich ganz angenehm; wenn der dann liegenbleibt, dann geht zumindest die Heizung nicht so schnell aus...

Ja, ich bin einmal an Weihnachten 24 Stunden gefahren mit dem Zug von Essen nach Hamburg, also mit 20 Stunden Halt.


Heftig. Ich drück euch auf jeden Fall alle Daumen, dass das alles glatt über die Bühne geht. Vielleicht hört es ja auch noch auf zu schneien... [Tat es nicht. Im Gegenteil. Anm.d.Verf.]

Jaja, ich denk schon. Also nach dem, was heut passiert ist, wird' s auf jeden Fall besser.


Was machen denn eigentlich die andern? Fliegen die gleich nach Essen?

Ne, die wären ja eigentlich aus Düsseldorf gestartet, der Sänger [Martin Freund, Anm.d.Verf.] ist ja sogar Düsseldorfer. Aber Düsseldorf - Essen, das ist nicht weit. Und der andere Gitarrist [René Hauffe, Anm.d. Verf.] ist Essener. Wir sind ja eigentlich zum größten Teil inzwischen Essener, längst keine Krefelder mehr. Beziehungsweise, wir waren ja eigentlich nie Krefelder. JAKA wurde halt in Krefeld gegründet von Klaus und mir, aber wir sind ja auch keine Ur-Krefelder. Steht ja immer noch überall: "Die Krefelder JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE..."


Hatte ich auch immer noch so im Kopf...

Ja, wenn das einmal so im Internet steht, wird das immer wieder kopiert und gepastet...


Ja, und außerdem: was kennt man sonst noch aus Krefeld?

Ähm, GRIND INC.


Ach? Die kommen aus Krefeld? Also GRIND INC kenn ich, aber ich wusste nicht, dass die aus Krefeld sind.

Doch, das sind zum Beispiel echte Krefelder. Also morgen die Show, das sind fünf Minuten Fußweg von mir. Das Essener Turock, da wohn' ich direkt um die Ecke.


Das ist doch angenehm. Bringst du denn auch deinen ganzen Kram zu Fuß dahin?

Nö, den hab ich dann ja im Bus von hier. Aber könnte ich, bei dem kleinen Schlagzeug, das ich spiele, wäre das kein Problem.


Ist das echt so klein? Ich hatte nie den Eindruck; also, außer in dem Video, das ihr gedreht habt, zu "Verrat am Metal".



Jaja, also das ist natürlich sehr klein, aber mein Originalschlagzeug ist auch sehr klein – das sind zwei Handgriffe. Siehst du ja heut Abend! [Es ist wirklich recht klein. Aber der Mann weiß, wie man es spielen muss, damit es sich doppelt so groß anhört! Anm.d.Verf.]


Ja, stimmt. Ihr habt 'ne neue Scheibe draußen, "Bilder fressen Strom". Wie ist die bisher so angekommen?

Die kommt ja eigentlich erst genau heute raus. Die war halt nur mit dem Start der Promo direkt im Internet und deswegen haben wir sie dann "vorveröffentlicht", sozusagen... also, bis jetzt läuft die gut. Bisher haben nur wir die ja verkauft über unsere Website. Konzerte hatten wir seitdem noch keine. Also ich weiß nicht, wie viele wir davon jetzt selber verschickt haben; auf jeden Fall hat der Vertrieb schon mal 1000 Vorbestellungen gehabt. Das werden die Läden, die das vorbestellen, wohl auch verkaufen; die müssen das ja auch irgendwie errechnen. Also ich denke, die läuft gut.


Ja, das wollen wir doch hoffen! Ich hab sie bis jetzt noch nicht gehört, abgesehen von den Songs, die ihr auf MySpace habt. Ich hatte ein bisschen den Eindruck, als ob ihr die elektronischen Elemente wieder ein wenig zurückgefahren habt. Auf "Rauchen und Yoga" waren ja relativ viele elektronische Spielereien dabei...

Ja, die haben wir auf der neuen Platte schon auch. Ich weiß jetzt nicht, ob da weniger sind... eigentlich gehört das ja immer schon zu JAKA. Elektronisch ist ja zum Beispiel auch, wenn du da Bongos hörst, die sind ja auch gesampelt, das ist ja nicht eingespielt. Und auf der neuen Platte haben wir ja immerhin ein Stück, das wirklich elektronisch ist. Da ist ein Stück dabei, "Jochbeinbruch", das ist komplett elektronisch. Also, da ist zwar auch 'ne Gitarre bei, aber kein Schlagzeug; das Schlagzeug ist auch aus der Tube.


Aber das hat auch Text und Gesang, oder?

Hat auch Text und Gesang, ja.


Achso, cool. Das wäre nämlich auch meine nächste Frage, nach den Texten. Wenn man die Liste sich so anguckt, ist es ja eigentlich wieder "typisch" JAKA. Wobei ich auch finde, dass mit den JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELEN, mit dem Namen und mit den Titeln, schon so ein Feld aufgemacht wird. Zum Beispiel sowas wie "Rentnerparadies". Wenn man das irgendwo in der Zeitung liest, denkt man sich: Ach, irgendso ein Reisebericht, blabla... wenn man hört: JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE – "Rentnerparadies", dann erwartet man gleich eine Grindpunk-Hymne voller Zynismus. Gibt es irgendein Oberthema, was dich besonders fasziniert hat? Du schreibst ja die meisten Texte, oder?

Ja, ich schreibe alle Texte. Das Thema ist aber eigentlich seit jeher das Beobachten der eigenen Umwelt. Das sind ja alles so Erstwelt-Themen, Widersprüche und Probleme der Erstweltmenschen. Oftmals wird das ja als sozialkritisch wahrgenommen. Kann ich auch verstehen, aber die sind nicht so gemeint. Also, 'ne Message ist da nicht drin, man will auch keinen belehren, das ist tatsächlich einfach nur beobachtet.


Also nicht so wie bei den TOTEN HOSEN zum Beispiel, wo dann gesagt wird: "Das und das ist Scheiße, das und das müsst ihr anders machen"...

Nee, stimmt, die sagen das sehr platt und sehr direkt, und zum Teil müssen die sich ja auch von FUNNY VAN DANNEN die Texte schreiben lassen. Es sind also eigentlich alles Versatzstücke aus dem eigenen Alltag und das, was da beobachtet wird, man beobachtet sich auch viel selber. Wenn man das irgendwie sozialkritisch verstehen will, dann richtet sich die Sozialkritik auch gegen uns selbst. Wir rauchen auch Zigaretten und fahren auch Autos, gehen gern zu McDonalds... das ist ja auch schon mal Thema, aber eigentlich nur als Beschreibung gemeint. Eigentlich handeln die Platten und die Texte immer davon, dass man ja selber auch widersprüchlich ist und dass es besser ist, das zu akzeptieren und damit zu leben.


Einfach mal einen Moment kurz Pause machen und sich angucken, was man da eigentlich macht also?

Ja, genau. Es ist also eher, sich die Sachen noch mal bewusst zu machen, jetzt nicht mit dem Anspruch, das ändern zu wollen oder so. Also, es ist bestimmt so, dass ich mein eigenes Verhalten hier und da mal schon ein bisschen geändert hab, weil ich eben die Texte schreib, weil mir dadurch manche Sachen bewusst werden. Aber ich versuch jetzt nicht verkrampft, selber alles abzulegen, was da beschrieben wird an Negativem. Zynisch - also negative Themen sind das ja schon, aber es wird auch immer versucht, den Schlenker zu 'ner Pointe zu kriegen. Es ist also auch der Spaß an der Pointe. Also, witzig zu sein, nicht lustig.


Was mir dazu gerade einfällt: hörst du eigentlich DIE KASSIERER?

Ähm, nee. Ich kenn DIE KASSIERER. Ich find DIE KASSIERER ein bisschen zu eklig, muss ich sagen. Ich höre viele deutschsprachige Bands, auch Bands in KASSIERER-Nähe, auch viel Deutschpunk und so... aber DIE KASSIERER nun ausgerechnet nicht. CHEFDENKER aus Köln find ich zum Beispiel besser. Die sind weniger eklig.


Was sind denn deine Favoriten in dem Bereich?

In Sachen deutschsprachiger Musik? CHEFDENKER find ich gut. FUNNY VAN DANNEN find ich auf jeden Fall auch gut – nicht alles, aber ich find auch nicht alles bei uns gut. Ich find selten alles gut von jemandem. Wer gute Sachen produzieren will, muss ja auch viel Mist produzieren nebenbei. Gute Sachen entstehen nun mal nur zufällig. Bei FUNNY VAN DANNEN find ich zum Beispiel die melancholischeren oder eher zu Herzen gehenden Sachen besser, als wenn er dann lustig ist. Er hat ja auch viele Sachen, die eindeutig lustig sind; das kommt bei JAKA eigentlich nicht vor. Das Lustigste, was wir gemacht haben, ist vielleicht "Scheiße, der Lehrer", ansonsten... Ja, ich weiß nicht, wie ich das so richtig beschreiben soll... Schenkelklopfer haben wir jedenfalls nicht.


Was ist mit "Kundenbetreuer"? Und "Scheiße, der Lehrer" find ich auch immer wieder großartig!

Da ist ja kein Gesang, das ist ja so ein Sample vom Anrufbeantworter. Ja, "Scheiße der Lehrer"... also von der Produktion her ist mir das Stück eigentlich inzwischen ein bisschen peinlich, aber das gehört eben auch zu dem, was man akzeptieren muss.


Wieso ist dir das peinlich? Ich finde, da gibt es nichts dran auszusetzen!

"Scheiße, der Lehrer"? Also ich finde, das Stück an sich ist nicht schlecht, aber live gespielt war das immer besser. Wir haben auch eine Liveaufnahme davon, die find ich um Längen besser als die Studioversion. Meiner Meinung nach ist die "Fertigmensch" ein bisschen zu clean produziert, und wenn du dich dann humortechnisch ein bisschen zu weit aus dem Fenster lehnst, geht das schnell nach hinten los. Das ist auch das Problem, was ich mit den GRINDFUCKERS hab; die find ich auf Platte halt zu spießig. Live, wenn man dann noch ein paar Bier getrunken hat, find ich das gut, wenn's dann auch mal ein bisschen untight wird oder so... wenn's dann handfest wird. Ja, das ist so das Problem, was ich mit Humor hab, hehe.


Ein sehr spezielles Problem... aber die Pausenglocke habt ihr echt gut hingekriegt.

Ja, da sind natürlich Momente, die sind nicht schlecht. Im Moment arbeiten wir daran, alles vor Gründung unseres eigenen Labels [Unundeux, Anm.d.Verf.] als "Best Of" rauszubringen; das wird eine Box mit drei CDs und einer DVD, und da kommt eben noch mal von allem bis zur "Luxusvernichtung" ein "Best Of" von jeder Platte drauf, wo ich selber nochmal die Leichen im Keller lasse, hehe. Auch bei der DVD, die ja hoffnungslos zu lang ist und viel zu sehr übers Knie gebrochen.. .die find ich inzwischen auch nicht mehr gut. Es soll mal alles durchgekämmt werden. Bei der Platte [deutet auf "Bilder Fressen Strom"] geht's mir anders, die find ich das erste Mal von vorne bis hinten gut. Die haben wir halt selbst produziert, da hatten wir Zeit, noch viel herumzuschieben und herumzubasteln. Wir schreiben die Songs, während wir schon aufnehmen. Da gibt es ein paar Sachen, die sind schon geschrieben. Wenn wir ins Studio gehen, wird dann vieles einfach aufgenommen und bis jetzt, wo wir eben selber produzieren und auch noch mal ein Riff austauschen können nach zwei Wochen, wenn uns eine Stelle nicht mehr gefällt, war das früher ja so: Wenn du ins Studio gehst, dann musst du das fertigmachen und dann musst du mit dem Endergebnis leben. Da kam es vor, dass mir hinterher 40, 50, 60 Prozent nicht mehr so gut gefielen, deswegen auch diese "Best Of"-Sachen, wo man das selber noch mal durchkämmt.


Du bist da ein ziemlicher Perfektionist, oder?

Ähem, also mein Gott heißt Zufall, aber mein innerer Schweinehund ist Perfektionist. Ich spring gerne so rein in die Sachen. Die Arrangements zum Beispiel sind nicht direkt klar, da kann sich noch viel dran ändern, wenn noch mal vier Takte rausgeschnitten werden; das ist ja heute alles möglich, wenn man Musik sehen kann auf dem Computer. Aber nach dem ersten Aufnahmeschritt, also wenn das Schlagzeug aufgenommen ist, dann geht's schon los mit Perfektion. Also was die Texte angeht – auf jeden Fall. Die dauern eigentlich am längsten. Die werden immer wieder hin- und hergewälzt und geschoben, Wörter ausgetauscht.


Was kommt eigentlich bei euch zuerst? Immer die Riffs, die Musik?

Nee, das ist immer unterschiedlich, aber zum größten Teil sind es erst die Texte, die da sind. Und dann guckt man an den paar Sessions, die wir spielen, was da schon passt von den Texten. Der Großteil bei dieser Platte ist zum Beispiel auf die Texte getrommelt und dann haben wir die Gitarren halt zu Hause improvisiert, haben alles ausprobiert. Also man kann sagen: erst Texte, dann ergibt sich langsam das Arrangement. Dass man vom Schlagzeug ausgeht, ist bei der Musik eben möglich, weil alles ja so perkussiv ist. Das Gitarrenriff ist für die Gesangslinie ja auch nicht bindend. Die Gitarre macht die Melodie – also wenn es mal eine wird, haha. Und die Texte sind eher rhythmisch, die kannst du auf Schlagzeug machen. So geht's üblicherweise.






Kommen wir noch mal zurück zu "Bilder fressen Strom". Das Cover ist wieder eine Collage?

Nee, das ist keine Collage. Ein Originalfoto, da hat man nur noch mal drübergebügelt.


Media Markt Berlin, oder?

Genau. Wir hatten ja ins Internet geschrieben, dass die Leute uns was schicken können. Im Innenteil die Collagen, das sind zum Teil eingeschickte Versatzstücke, die aber auch noch mal von uns collagiert wurden. Das Coverfoto wurde gar nicht eingeschickt, das habe ich selbst im Internet gefunden und hab dann denjenigen angeschrieben, der es gemacht hat, ob wir das verwenden dürfen; das ist eben von dieser ominösen Media Markt 24-Stunden-alles-umsonst-Eröffnung.


Ist schon krass, was da abgegangen ist, oder? Die Verhaltensweisen, die da zu Tage getreten sind, sind doch eigentlich ein gefundenes Fressen für JAKA, oder?

Ja, nachdem das Cover stand, hab ich erst erfahren, worum es da überhaupt geht. Ich hab erstmal nur "Menschenmenge im Media Markt" gesehen, das war schon noch erkenntlich, das haben wir ja überpinselt, die Media Markt Logos, die da noch waren. Naja, die Leute wissen's ja anscheinend. Ich weiß es inzwischen auch, hab's dann auch im Fernsehen gesehen, da gibt's auch Filmaufnahmen von. Also der Titel war bei der Platte das Erste, was stand. Fand ich 'nen guten Titel und dann war das Bild natürlich irgendwo passend. [Christofs Handy klingelt, es folgt ein kurzes Telefonat mit dem in Düsseldorf festsitzenden Gitarristen René.]
Das war der Gitarrist, der sorgt sich um seinen Amp, dass wir den nachher auch ausladen bei der Kälte.


Was für ein Amp? Röhre?

Öhhhm... mag sein, hehe.


Okay, du bist Schlagzeuger. Wobei Trommeln Kälte auch nicht so mögen.

Das ist bei Metal aber egal, da kannste ja in alles ein Mikro stecken.


Stimmt, aber ich hätte jetzt gedacht, so perfektionistisch wie du bist...

Nene, ich bin eigentlich überhaupt nicht perfektionistisch. Wie gesagt, wenn's um Texte geht oder ums Fertigmachen. Aber das Starten mit Songs machen, da regiert auf jeden Fall der Zufall.


Wenn ihr live spielt, ist es also auch einfach "spielen", anstatt dass da alles minutiös durchgeplant ist, oder?


Nene, das wär gar nicht möglich, weil wir gar nicht so viel proben. Wir proben vor jeder Show einmal und der Rest passiert. Vieles kriegt das Publikum gar nicht mit oder es kommt halt gerade sympathisch, wenn man sich mal verspielt. Wir haben jetzt nicht so die Show: "Da kommt die und die Ansage". Immerhin haben wir 'ne Setlist!


Das ist doch schon mal gut, darauf kann man aufbauen. Das ist auch etwas, was mich in den letzten Jahren im Metal immer mehr gestört hat, dass zunehmend alles durchproduziert und durchgeplant wird und dass diese Reißbrettarbeit überwiegt.

Ja, genau. Ich find auch, Metal ist was Ehrliches, da hat zuviel Technik und zuviel Perfektion nichts verloren. Ich denke mal auch, wenn wir heute zu viert spielen, dass wird man auch nicht merken. Vor der Bühne ist es laut, und es geht bei Konzerten ja auch um das visuelle Erlebnis. Das ist jetzt kein Beinbruch.


Stimmt. Was mir gerade zu Shows noch einfällt: Ihr wart ja auch tatsächlich in den Vereinigten Staaten unterwegs. Wie ist es eigentlich nochmal dazu gekommen, dass ihr nach Amerika eingeladen wurdet und wie war's da, wo habt ihr überall gespielt?

Also, eingeladen wurden wir auf das Maryland Death Fest, und die haben auch Flüge und alles bezahlt. Und wir haben dann zehn Tage draus gemacht, haben aber glaube ich nur vier Konzerte insgesamt gespielt. Es waren auch nur vier geplant, den Rest der Zeit haben wir dann eben Amerika angeguckt. Und die anderen Shows, also außer dem Maryland Death Fest, dass war dann auch mal in irgendeiner Pizzeria und: "Habt ihr ein Schlagzeug dabei?" "Nee." "Ja, dann müssen wir noch eins holen!" Oder: "Wat, ihr braucht zwei Mikros?". Also, das war katastrophaler, als wenn zwei Leute fehlen, hehe. Aber war 'ne schöne Zeit natürlich, ein tolles Erlebnis.


Wie seid ihr da angekommen? Waren das alles Germanistikstudenten, die ihr als Publikum hattet?

Auf dem Maryland Death Fest sind wir schon ganz gut angekommen würd ich sagen; da haben wir auch ein paar T-Shirts verkauft, also man kennt uns da schon. Weshalb wir ja auch die Flüge bezahlt gekriegt haben und so; das ist ja nicht der Normalfall. Normalerweise freut man sich, dass man da spielen darf und muss dann die Kosten selber tragen. Wir haben ja keinen Vertrieb für Amerika, aber man kennt uns da schon. Man kriegt das ja auch mit übers Internet, wer einem schreibt. Ich denk mal, da haben wir eben auch diesen deutschen Bonus, der in Amerika offensichtlich zählt.


Haben die Leute auch die Texte mitgesungen so wie bei RAMMSTEIN?

Nein, aber zum Teil hatten die sich das schon übersetzt, wenn auch falsch. Also, Songs wurden dann schon gefordert auf Englisch mit falscher Übersetzung. "Shit on the teacher" zum Beispiel, was wir aber nicht gespielt haben, hehe.


Schade, ihr hättet ja eine spontane neue Version draus machen können. Vielleicht ja nächstes Mal. Irgendwas wollte ich dich gerade noch zur neuen Platte fragen. Was ist das eigentlich für ein schönes Tortendiagramm da drauf?

Ja, das hab ich – wie auch die Schweine [auf der Rückseite von "Bilder fressen Strom", Anm.d.Verf.] im Internet gefunden. Anscheinend kommt das aus Excel, also in irgendeinem Review stand, das fände derjenige besonders toll, dass wir das Excel-Tortendiagramm haben. Auf der CD ist das dann nochmal, die CD ist dann das Diagramm von oben, das ist dann der Doppelwitz. Aber ein Tortendiagramm, das passt auch in die Welt, in der die Texte spielen, es geht ja auch um Business, Werbung, was man nicht braucht, Powerpoint-Präsentationen kommen auch vor.


Um nochmal auf die Texte zurückzukommen: JAKA und deine Texte sind immer auch sehr gegen die moderne Medienlandschaft gerichtet...

Sie sind über die Medienlandschaft. Über, aber von mir aus auch dagegen.


Das eine bedingt ja manchmal das andere, wenn man sich mal anguckt, was da eigentlich abläuft...

Ja, es ist eigentlich alles eins. Aber es ist ja auch sehr anstrengend, das Leben in der ersten Welt, trotz beheizbarer Sitze im Auto und so. Aber den Leuten trocknet die Haut aus wegen zuviel Stress, sie sind depressiv und haben Verlustängste... schön isses ja hier nicht gerade, mit dem ganzen Wohlstand, nech?


Jaja, wir haben's schon schwer...

Jaja, ehrlich wahr. Psychische Erkrankungen sind jetzt ja die Volksleiden. Wenn das in den 50ern Herzinfarkte waren, Herz-Kreislauf-Sachen, sind das ja jetzt so Nervensachen und psychische Dysfunktionen. Was man natürlich in anderen Ländern nicht kennt, weil man da ganz andere Sorgen hat. Also, weil man da wirklich Sorgen hat, hier werden ja Sorgen generiert. Ich meine, Sorgen braucht man ja. Der Problembewältigungsapparat Gehirn muss Sorgen haben. Kennt man ja von sich selber. Wenn alles erledigt ist, wenn die Miete bezahlt ist und der Kühlschrank voll, dann sorgt man sich um irgend einen anderen Scheiß, der dann wieder in den Hintergrund tritt, sobald man das nächste ernste Problem hat. Ich grübel manchmal auch über Sachen, wo ich mich dann echt frage, ob das Sinn macht.


Global gesehen sicherlich nicht.

Ja, globale Probleme, da bin ich dann dankbar für, da kann ich Texte schreiben. Also, da kann man sich immer was aufschreiben, woraus dann ein Text entsteht.


Was ich eben eigentlich fragen wollte: Du hast viel über die moderne Medienlandschaft geschrieben, auch viel übers Fernsehen usw., aber ich vermisse ehrlich gesagt das Radio.

Radio hör ich nicht. Also wenn, dann höre ich Podcasts, aber die ziehe ich mir auch aus dem Internet, und wenn die gut sind, höre ich sie mir auch zehnmal an.


Aber gerade jetzt auf längeren Autofahrten zum Beispiel... also ich für meinen Teil muss sagen, dass ich Radio einfach nicht ertragen kann.

Ja, da müssen wir tatsächlich Radio hören, da ist kein Musikplayer an Bord. Ne, du sagst es, auf den Fahrten merk ich das, wir haben auch diesmal wieder keinen CD-Player, kein Tapedeck... also, wir sind eigentlich die ganze Zeit am Skippen, bis mal irgendwo was dabei ist. Oder wir skippen auch schon mal hin und her zwischen zwei verschiedenen Sendern, so DJ-mäßig, dass dann auf dem letzten Schlag des vierten Taktes immer noch die Oboe vom Klassiksender in Rockstück passt. Ist manchmal lustig. Aber es ist schon unerträglich, diese ganzen Chartssender. Bei uns sind es ja WDR2 und 1Live, das ist schon schlimm.


Also bei uns gibt es Delta Radio, gibt's auch schon länger. So ein Rock und Pop Sender mit etwas stärkerer Betonung auf Rock... wobei NICKELBACK natürlich immer wieder dabei sind, da kann man nichts machen...

Kennst du das Stück, wo einer die ersten beiden NICKELBACK-Singles eine auf die rechte, eine auf die linke Box gelegt hat, beide mit demselben Startpunkt? Die sind original am selben Punkt zuende, die Steigerungen sind immer gleich, im selben Tempo sind die Stücke sowieso – alles toll produziert mit Click und allem – du denkst wirklich erstmal, das ist ein Stück. Das fällt dir überhaupt nicht auf, dass da zwei Stücke parallel laufen. Das spricht schon Bände, was für Musik dem Mainstream schon reicht.


Deswegen hab ich mich immer gewundert, bei allem was man bei euch in den Texten findet, dass das Radio viel zu gut weggekommen ist.

Ja, also Fernsehen ist ja so oft auch nicht Thema. Indirekt kommt nun mal vieles aus dem Internet oder aus dem Fernsehen. Das mach ich auch nur ab und zu an, aber dann prasselt es umso härter auf mich ein, da muss ich ja direkt das Textheft holen. Aber vieles, was du im Fernsehen siehst, siehst du auch, wenn du dich so im Alltag bewegst; es ist ja auch so alles voll mit Werbebannern und City Lights; die Berieselung ist ja permanent. Kauft, Leute!


[Es folgt ein kurzes Lästern von Seiten Henris und mir über die neuen Monitore in der ansonsten ziemlich ranzigen Uni-Cafeteria in Kiel und ein Exkurs über die Verbindung von Nachrichten und Werbung.Übrigens: Kauft "Bilder fressen Strom"!]

Bist du eigentlich noch in der Werbebranche? Du bist doch Grafiker, oder?

Nein, nein. Also, ich habe Grafikdesign studiert und war dann zwei Jahre in der Werbebranche. Notgedrungen, weil ich ja sowas gelernt hatte. Ich hab das aber nicht studiert, um in die Werbung zu kommen, sondern weil es das Einzige war, was ich noch studieren konnte mit meinen Noten. Und weil's auch mit Bildern zu tun hatte, also nicht mit Klausuren schreiben oder mündlichen Prüfungen; das kann ich nicht so gut. Dann habe ich aber festgestellt, dass ich in der Pflege, momentan bin ich beim Pflegedienst, genausoviel verdienen kann, weil man in der Werbung eben nicht so viel verdient, wie alle denken. Und das lässt mir eben auch viel Zeit. Ich gehe ein-, zweimal die Woche arbeiten, 24-Stunden-Schichten und hab dann den Rest der Tage Zeit, um zum Beispiel Platten zu machen. Zwischendurch mache ich nochmal Grafiksachen, für uns natürlich – obwohl, eigentlich fände ich es schon besser, wenn das in Zukunft die Fans erledigen würden – oder für andere Bands. Aber das sind dann meistens Tauschgeschäfte, so hat zum Beispiel diese Platte hier der Jacob Bredahl und hat dafür T-Shirt-Motive für seine Bands gekriegt oder ein Cover. Der ist auf jeden Fall ein netter Vogel, mit dem kann man das so tauschmäßig machen. Das finde ich auf jeden Fall besser, der macht das, was der, der andere das, was der kann, so find ich das erträglich. Ansonsten ist Grafik nicht mehr meine Baustelle.


Ist doch cool, das lässt dir dann ja auch für JAKA alle Freiheiten.

Ja, genau, darum geht's. Und man hat auch das Gefühl, irgendwas Sinnvolles zu machen. Anders als in der Werbeagentur, wo man dann 'nen Flyer oder 'ne Anzeige machen soll. Die soll dann in zwei Stunden fertig sein, weil der Kunde wenig Geld hat und dessen Kunden die Qualität ja sowieso nicht würdigen können, und dann ist das immer ein bisschen unbefriedigend, wenn man etwas fertig hat, was eigentlich noch gar nicht fertig ist. Oder etwas fertig haben muss, was noch gar nicht fertig ist. Und das ist ja meistens auch ein Job, den du eben nicht nur fünf Tage die Woche machst, sondern immer noch mal 'ne Stunde länger und eben auch am Wochenende. Dass Leute, die eine Agentur leiten, das mit Herzblut machen können, weil das eben deren Ding ist, so wie JAKA mein Ding ist, das kann ich ja verstehen, aber die Angestellten kriegen ja noch nicht mal viel Geld raus. Für 'nen Full-Time-Job, in Zeiten von E-Mail und SMS hat man ja nie seine Ruhe, hehe.


Aber du hast auch ein Handy, oder? Wann hast du zuletzt dran gedacht, das einfach komplett abzuschalten?

Ja klar, ich hab alles. Also immerhin habe ich erst das zweite Handy in meinem Leben, und das auch nur, weil das erste kaputtgegangen ist. Ich kann mit meinem Handy auch nicht telefonieren. Abschalten würde mir nicht in den Sinn kommen, ich finde Handys schon wichtig, also ich finde moderne Medien extrem wichtig. E-Mail, Internet... auch für Bands ist das wichtig, also Computer an sich sind toll. Unsere Art zu produzieren wäre auf Bändern so nicht unbedingt möglich, weil wir inzwischen auch viel schneiden, vieles halt auch aufnehmen direkt im Hinblick darauf, dass man es noch umarrangieren kann. Und auch ansonsten, unsere Bekanntheit haben wir auf jeden Fall dem Internet zu verdanken. Wir hätten sicher kein Label gefunden, wenn wir zehn Jahre früher drangewesen wären, als man noch ein Label und diese ganze Maschinerie brauchte, und wir konnten halt auch einfach diesen Bandnamen nehmen, weil's ja auch eben auf nichts ankam. Man konnte ja trotzdem die Sachen ins Internet stellen und so. Wir wollten ja auch nie dahin, wo wir jetzt sind, sondern das ist eben alles so gekommen. Die moderne Zeit mit den modernen technischen Möglichkeiten ist auf jeden Fall wichtig gewesen. Und E-Mails und SMS find ich auch ganz gut, das spart den ganzen lästigen Small Talk. Oder auch wenn jemand grade nicht zu erreichen ist, dann schreibt man dem 'ne SMS und dann liest er sie eben abends erst, auf jeden Fall hat man's selber aus dem Kopf raus und hat wieder Speicher frei für andere Sachen.


Andererseits ist der Speicher auch immer schnell wieder voll mit was anderem. Und wenn man sich die Leute anguckt, die damit aufgewachsen sind und die nichts anderes kennen als diese digitalen sozialen Netzwerke...

Ich glaube, das hängt schon von den Leuten ab. Ich musste ja den ganzen neuen Kram erstmal lernen. Leute, die älter sind als ich, verteufeln das, weil sie einfach nicht drauf klarkommen, Frank Schirrmacher zum Beispiel, der kann ja gar nicht auf Internet. Und die heutigen Jugendlichen, ich glaube schon, dass die ganz gut klarkommen. Also, das Phänomen, dass sowieso nur wenige Leute sich auf das wirklich Wichtige konzentrieren können, überhaupt erst mal rausfinden können, was für sie wichtig ist, das gab es immer schon und wird es auch immer geben. Das wird immer so sein, Menschen werden immer nachgeboren und müssen alle bei Null anfangen. Das ist für jeden schwierig, diesem Vorgesetzen zu entfliehen, was so aufgetischt wird.


Ja, es ist ein täglicher Kampf. Ich schreib mir mittlerweile Listen, was ich machen muss und wovon ich denke, dass es wichtig ist, dann freu ich mich immer, wenn ich was abhaken kann. Und dann denke ich mir, eigentlich ist es ganz schön erbärmlich, dass du dich jetzt über ein Häkchen auf so einer scheiß Liste freust, hehe...

Hehe, ja... To-Do-Listen... das war bei mir auch nicht immer so. Ich hab ja eben gesagt, dass ich mich vielleicht selber am ehesten, wenn auch nicht vollständig, durch das Texteschreiben therapiere, dadurch, dass ich mir die Sachen bewusster mache. Mit To-Do-Listen und so einem Gefühl der Verstopftheit habe ich auch immer gelebt und durch meine Berufswahl habe ich es mir jetzt eben so eingerichtet, dass ich möglichst wenig E-Mails kriege, die mich nerven. Durch Ausschalten der Agenturarbeit zum Beispiel, das war auf jeden Fall krass. Und jetzt, mit dem Pflegedienst, da kommt ja höchstens mal "Kannste einspringen?" oder sowas. Und sonst würde ich fast eher sagen, dass ich derjenige bin, der die anderen mit SMS oder E-Mails nervt, haha.


Hehe, das ist natürlich was anderes. Man selber hat ja auch immer gute Gründe! Auf jeden Fall eine interessante Welt, in der wir leben...

Ja, auf jeden Fall!


Was würdest du sagen ist dein Lieblingslied auf "Bilder fressen Strom"?

Auf der Platte kann ich das nicht sagen, die sind alle gut!


Dann vom Text her. Was gefällt dir am besten?

Vom Text her... also "Die Kampagne" gefällt mir gut, "Die Schlachtung" gefällt mir auch gut... "Minderleister", das ist ein altes Thema, wurde sicher vor 200 Jahren schon durchgekaut, ist aber immer noch gut. "Wie geht noch mal Ficken?" ist ein toller Text geworden, weil "wie geht noch mal ficken?" im Text gar nicht vorkommt... jaa, sind viele gute Texte drauf, hehe. Also, die Texte gefallen mir eigentlich immer auf Platten, aber bei dieser Platte ist es zum ersten Mal so, dass ich es auch musikalisch von vorne bis hinten gut finde. Nach langem, jahrelangem Üben und immer wieder neu Rausfinden, wie man die Sachen anpackt, sodass man doch noch bis zum letzten Schritt Sachen korrigieren kann und so, hehe.


Ist schon so eine Sache, wenn man nicht so leicht mit sich zufrieden ist. Eine andere Sache noch! Die ist glaub ich schon über mehrere Wege zitiert worden und kam auch in unserem letzten Interview mit Bony vor ein paar Jahren zur Sprache, in dem Bony die Frage eines Journalisten zitiert hat: Wie würde eine Gesellschaft aussehen, in der JAKA völlig überflüssig wäre? Die find ich nach wie vor gut, was sagst du denn dazu?

Was hat Bony denn gesagt, hehe?


Dass es eine gute Frage wäre, die er aber so direkt nicht beantworten könne; er hat dem Typen dann aber für später eine Antwort versprochen. Ich habe aber noch keine Antwort gefunden bisher!

JAKA überflüssig, hmm... vielleicht ist JAKA jetzt schon, wie alles andere auch, überflüssig, vielleicht sind ja Menschen sogar überflüssig. Das ist vielleicht ein Thema für die nächste Platte, wie überflüssig Menschen eigentlich sind. Denk ich immer, wenn ich so Naturfilme sehe, wo Grizzlybären Lachse aus dem Fluss klatschen, die fressen und dann dösen. Oder überhaupt, wenn ich Tiere sehe so beim Dösen, da fragt man sich ja schon, ob das nicht peinlich ist, wenn wir uns kleiden, Gedanken über die Frisur machen und solche Sachen. Eigentlich bei allen Geschöpfen außer Menschen. Wobei, es gibt ja sogar Menschen, die können dösen. Aber die Welt, wo JAKA überflüssig wäre, wäre die, wo keine Menschen sind.


Hoffen wir, dass es so weit nicht so schnell kommt.

Mir egal, hehe. Könnte auf jeden Fall ein Konzeptalbum werden, das nächste. "Fertig mit die Menschen!" Hehe!


Oh, das muss ich jetzt noch fragen: Das Lied "Der Arsch"! Besingt ihr da den Körperteil?

Nene, das geht... wie geht das gerade? Also: "Immer schön nach unten treten und nach oben sich verneigen, die Fehler anderer aufzeigen und die eigenen verschweigen." Das ist halt so ein ganz kurzer Vierzeiler. Das ist halt "Der Arsch". Waren halt schöne Reime, und dann brauchte das Ding auch 'nen Titel. Und "Der Arsch" – klar, wenn man dann "Der Arsch" liest auf der CD, dann gehen direkt die Antennen an, dann muss man die CD haben, hehe.


[Eine kurze Abschweifung zum Thema Vinyl enthalte ich dem Leser hiermit vor, das Wissen um sie macht jedoch die nächste Antwort etwas klarer.Anm.d.Verf.]

Fällt dir noch irgendwas Wichtiges ein, was du in einem JAKA-Interview noch nie gesagt hast, was aber noch mal raus muss?

Ne, da fällt mir nichts ein, aber wo wir grade bei Platte sind: Unsere Platte ist mit Download-Codes. Manche Bands machen das ja schon so, dass sie nur noch Vinyl machen, mit Download-Codes, weil die Leute, die was aus dem Netz ziehen, das nicht machen, um was zu klauen, sondern damit das dann direkt MP3-Player-kompatibel ist. Das ist zum Beispiel der Grund, warum ich das auch mache. Mit der Platte hat man eben was zum Sammeln und hat auch, wenn man das mit Download-Codes anbietet, direkt 'ne gute Qualiät, ohne sich strafbar zu machen. Man muss keine CD rippen. Das finde ich eigentlich auch gut. Ob wir da jetzt 'ne Band für sind, weiß ich nicht, aber eigentlich ist das schon ein guter Weg. Ich glaube schon, dass wir mehr CDs verkaufen als Platten, aber generell find ich das gut.


Ist halt die Frage, wie es aussehen würde, wenn ihr nur noch Platten rausbringen würdet.

Jaja, gut, manche Bands machen das. Aber das ist dann eben auch wirklich Underground. Naja, also Underground gibt's ja eigentlich nicht mehr. Oder gerade? Ich weiß es nicht. Seit Internet... Underground ist ja nicht mehr "underground"... ich weiß nicht, wo wir da sind. Irgendwo ist es natürlich Underground, irgendwo auch nicht...


Underground ist wahrscheinlich einfach nicht mehr das richtige Wort dafür, es ist ja alles immer irgenwo zu finden. Aber bei einigen Sachen musst du halt trotzdem wissen, was du suchst, wo du es suchst...

Also, wir sind vielleicht nicht mehr underground dadurch, dass wir über unseren Cargo-Vertrieb eben auch in den Läden stehen. Das ist ja eigentlich schon nicht mehr underground, hehe. Ich find's auch gut, dass wir in den Läden stehen. Hab ich kein Problem mit.


Das ist gut, hehe. Normalerweise denke ich mir für Interviews immer noch ein paar Bonusfragen aus, eine davon ist die nach den Filmen... aber da ihr die "Japanische Kampfspielfilme"-DVD schon gemacht habt, funktioniert die nicht so ganz. Wenn JAKA eine Fernsehserie wäre, welche wäre das?

Ne, das würde nicht vorkommen. Ich kenn auch keine Fernsehserie, aber das ist ja auch unheimlicher Produktionsstress.


Trotzdem, wie würde sowas aussehen? Lass' deine Fantasie spielen!

Gar nicht. Also, jedenfalls wär ich da nicht dabei, hehe. He Klaus [Nicodem, Gitarre, gerade im Vorbeilaufen begriffen. Anm.d.Verf.], wie würde 'ne Fernsehserie aussehen, wenn wir eine Fernsehserie wären?
Klaus: Beschissen! Hehe. Wir haben uns aber schon Action-Puppen überlegt.


Was? JAKA-Actionpuppen?

Christof: Ja, Action-Puppen, das wäre ein ganz anderes Thema!
Klaus:Da haben wir auch schon konkretere Vorstellungen.






Ja? Sag doch mal, wie würden die ausfallen?


Ja, also der Bony würde halt 'ne weiche Puppe sein und der Klaus wäre nur so eine Karnevalsnase zum Aufziehen, die dann über den Tisch läuft... aber bei den anderen weiß ich's gar nicht. Beim Bachmann [Marco, Bass. Anm.d.Verf.] könnte man irgendwie 'nen Putzfeudel nehmen oder sowas...


Das ist ja geil, wann kommen die raus? Produziert ihr die selber?

Wir müssen erst noch wissen, wie die anderen drei dann aussehen und dann... das wäre jedenfalls etwas, wo ich nix gegen hätte. JAKA-Actionfiguren. In der Juniortüte. Müsste aber die Juniortüte sein!


Dem ist im Prinzip nichts hinzuzufügen, zumal es für die JAPANISCHEN KAMPFHÖRSPIELE nun an der Zeit war, sich bühnenfertig zu machen. Bis die Actionpuppen dann wirklich in der Juniortüte sind, müsst ihr euch mit "Bilder fressen Strom" behelfen – oder vielleicht denkt ihr euch einfach aus, wie die übrigen Figuren aussehen sollten!

Grim_Rieper

Autor: Lennart Riepenhusen [Grim_Rieper] | 12.02.2010 | 00:23 Uhr

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