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Mit Veröffentlichung des Doppelschlags „Deconstruction“ und „Ghost“ ist das auf vier Teile angelegte „Kapitel“ DEVIN TOWNSEND PROJECT nach zwei Jahren abgeschlossen. Obwohl die Resonanzen weitestgehend positiv ausfielen, sind die Verkaufszahlen größtenteils eher ernüchternd. His Deviness meldet sich an einem Dienstagabend im August telefonisch aus Kanada, um seine Sicht der Dinge zu erläutern, ein Fazit zu ziehen und einen Ausblick auf zukünftige Projekte zu geben.




Als wir uns vor anderthalb Jahren – kurz nachdem „Addicted“ erschienen ist - das letzte Mal unterhalten haben, hattest du die Veröffentlichung von „Deconstruction“ und „Ghost“ für ein halbes Jahr später angekündigt. Warum hat es nun doch noch so lange gedauert?

Naja, ich wusste damals noch nicht, dass ich so lang auf Tour gehen würde, aber dann tat sich plötzlich die Möglichkeit auf, quasi ein Jahr lang am Stück Konzerte zu spielen. Das war so nicht geplant und wenn es nicht so gekommen wäre, dann wären die Alben auch früher veröffentlicht worden. Aber nachdem ich mein Management gewechselt hatte, diese ganzen Angebote hereinkamen und es offensichtlich auch eine Nachfrage dafür gab, erschien es mir plötzlich sinnvoller, das erst mal durchzuziehen und mit der Veröffentlichung der Alben noch etwas zu warten.


Wann hast du die Scheiben denn aufgenommen? Waren die schon 2009 fertig oder erst später?

Also die Hauptideen für alle vier Alben wurden alle zur gleichen Zeit aufgenommen. Teile von „Ghost“ und „Deconstruction“ wurden aufgenommen, während wir an „Ki“ und „Addicted“ gearbeitet haben. Grundsätzlich dokumentiere ich Ideen immer gleich, wenn sie entstehen - in manchen Fällen expliziter als in anderen – aber wenn ich dann entscheide, dass es Zeit ist, die Arbeit an einer Platte abzuschließen, kommen all diese Teile zusammen. In diesen finalen Prozess sind wir dann letzten Sommer eingetreten.


Und wieso genau wurden die beiden letzten Alben nun parallel veröffentlicht?

Nun, da mein ursprünglicher Plan durch die Touren vollkommen verworfen wurde, entschied ich, dass es einfach an der Zeit sei, nun beide herauszubringen. Außerdem ist „Deconstruction“ so eine konfuse Platte, wenn ich sie alleine veröffentlicht hätte, dann wäre das vermutlich als eine Definition dessen aufgefasst worden, wer und was ich derzeit bin, anstatt das man es als ein Element des Gesamten gesehen hätte. Indem nun „Ghost“ zeitgleich veröffentlicht wurde, erlaubt es eine andere öffentliche Wahrnehmung von „Deconstruction“, da ihm etwas völlig anderes an die Seite gestellt wird.


Meiner Meinung nach ging „Ghost“ in der Öffentlichkeit dadurch eher etwas unter.

Ja, aber mach dir darum keine Sorgen. Das ist okay, hahaha. Mir ist das auch eigentlich egal. „Ghost“ hat eine Menge Prügel einstecken müssen, von dem Moment an, wo es erschienen ist. Die Leute erwarten seit jeher Heavy-Platten von mir und im Grunde war es gar nicht möglich, dass „Ghost“ die selbe Aufmerksamkeit zuteil werden würde, wie „Deconstruction“. Andererseits ist das aber auch eine coole Sache, denn ich denke, dass die Leute, die „Ghost“ wirklich hören wollen, etwas zu hören bekommen, dass sehr schön ist. Es ist eine sehr erwachsene Platte und auch wenn „Ghost“ nicht die selbe Aufmerksamkeit bekommt, wie „Deconstruction“, so ist doch keine von beiden weniger wichtig als die andere. Sie sind auch nur weitere Elemente meines Lebenswerks voller seltsamer Musik. Und auch wenn die Leute vielleicht wirklich nicht so viel über „Ghost“ reden, denke ich doch, dass es die gleiche Aufmerksamkeit bekommt und ähnlich viel verkauft, wie „Deconstruction“. Also alles in bester Ordnung.


Also mir gefallen beide Alben sehr gut!

Danke, Buddy. Das ist nett, dass du das sagst. Ich glaube es gibt einige Leute, die da ähnlich denken und die „Ghost“ eigentlich mögen. Trotzdem redet man lieber über „Deconstruction“, weil es da ein Orchester gibt und einen Chor und die ganzen Gastsänger und diese Cheeseburger-Geschichte. In meinen Augen zieht es damit die Aufmerksamkeit eben viel eher auf sich, als diese Platte mit ihrem New Age-Sound mit Flöten und Akustikgitarren. Es ist vermutlich unvermeidbar, dass es mehr Beachtung bekommt, aber ich denke die Leute sollten „Ghost“ eine Chance geben. Ich weiß es aus eigener Erfahrung: „Ghost“ ist die Platte, die ich mir selbst am häufigsten anhöre. Es ist die am wenigsten aufdringliche und somit angenehmste Scheibe für meinen derzeitigen Gemütszustand. „Deconstruction“ kann ich nicht immer auflegen, es erfordert volle Konzentration und ehrlich gesagt gibt es in meinem derzeitigen Leben nur selten Momente, in denen ich die Zeit und die Geduld habe, mich intensiv mit Musik auseinanderzusetzen. „Ghost“ ist da viel offener.


In jedem Fall ist „Ghost“ das Album, das wohl die größte Überraschung darstellte, wenngleich ich der Meinung bin, dass man die Atmosphäre des Albums bereits früher in gewissen Momenten auf „Terria“ heraushören konnte. Vermutlich hat nur niemand damit gerechnet, dass du ein Album machen würdest, dass ausschließlich diese Stimmung transportiert.

Was den Überraschungseffekt angeht, da stimme ich zu. Aber es ist schon lustig, denn als ich diese Sache mit den vier verschiedenen Alben angefangen habe, war das ganze Material zunächst mal so gegensätzlich und es ergab sich daraus im Endeffekt ein dermaßenes Sammelsurium, ein Album ohne jeglichen Fluss. Aber als mir dann klar wurde, dass ich genügend Material hatte, um vier Alben daraus zu machen, bestand mein großes Ziel darin, jedes einzelne davon zu einem schlüssigen und genau definierten Werk zu machen. Das war bei „Terria“ nicht der Fall, auch wenn es da natürlich all diese unterschiedlichen Elemente gab, die trotzdem miteinander verbunden waren. Allerdings war das damals auch meine Intention, eine solche Platte zu machen, wohingegen ich dieses mal ganz bewusst vier vollkommen verschiedene Aussagen treffen wollte. Ich bin schon sehr gespannt, wie es zukünftig weitergehen wird, aber in diesem Moment war es einfach wichtig für mich, diese vier Alben so zu machen, wie sie nun sind und das Ganze mit einem Boxset abzuschließen.



Eigentlich wollte ich darauf ja erst später zu sprechen kommen, aber wo wir schon dabei sind, würde ich gerne von dir wissen, wie du dich jetzt, nachdem die vier DEVIN TOWNSEND PROJECT-Alben veröffentlicht sind, mit ihnen fühlst? Denkst du, dass es eine runde Sache geworden ist?

Ja, definitiv! Es hat zwar wegen der Tour länger gedauert, all das zu sagen, was ich gesagt haben wollte, aber was im Endeffekt dabei heraus kam ist eben genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Und ich bin wirklich sehr erleichtert, die Sache nun abgeschlossen haben zu können, denn ein Großteil dieser Musik wurde bereits vor vier Jahren geschrieben. Ich habe auch jetzt immer noch so viel Material in der Hinterhand, das die Leitungen gewissermaßen verstopft sind. Aber ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Natürlich entdeckt man im Nachhinein auf jeder Platte Momente, die nicht ganz so geworden sind, wie ich mir das vorgestellt hatte, aber zu 90 – 95% ist es genau so, wie ich es haben wollte.


Das hört sich doch gut an. Aber ich sehe es genau so, ich finde die ganzen Alben wirklich sehr toll. Naja, mit „Ki“ bin ich noch nicht ganz warm geworden, aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben und werde sie mir auch noch ein paar mal anhören.

Du solltest „Ki“ morgens als allererstes hören, das ist die beste Zeit. Wenn du eine lange Nacht hinter dir hast, mach „Ki“ an. Entweder das oder du hörst dir „Ki“ so um vier Uhr morgens an. Es ist ein Album für die späte Nacht oder den frühen Morgen.


Okay, danke für den Tipp. Werde ich bei nächster Gelegenheit mal ausprobieren.

Ja, mach das. Aber ich finde die Tatsache, dass du drei von vier Alben magst, schon toll. Das ist mehr als die meisten Leute von sich sagen können. Es gibt viele Leute, die mögen nur eine von vier. Drei von vier, das sind 75%, das ist doch wirklich eine tolle Quote. Ich persönlich mag sie alle vier und es gibt noch mehr Leute, die alle vier mögen, aber es gibt eben auch Leute, denen nur „Ghost“ gefällt oder denen nur „Ki“ gefällt. Meine Intention dahinter war ja auch, die ganze Breite der Farbpalette aufzuzeigen und wenn ich mit einem bestimmten Album die Aufmerksamkeit mancher Leute gewinnen kann, dann ist das schon eine tolle Sache. Aber auch wenn sich niemand auch nur für eine der Platten interessieren würde, dann wäre das auch okay. Mein Antrieb, dieses Projekt zu machen, hat nichts mit dem Verlangen nach Bestätigung zu tun.


Wenn du nun auf die vier Alben zurückschaust, denkst du, das man jedes gewissermaßen charakterisieren kann? Das man zum Beispiel sagt, „Ghost“ sei die „Wohlfühlplatte mit dem Enya-Vibe“?

Sicher, ich denke „Ki“ ist die unheilvolle Platte, „Addicted“ ist die tanzbare, große und simple Party-Scheibe mit viel Herz, „Deconstruction“ wäre dann der philosophische und sarkastische Blick auf die psychologische Seite des künstlerischen Prozesses, den ich durchlaufe, verpackt als hartes Heavy Metal-Album und „Ghost“ ist dann das Album mit der meditativen Stimmung, die aber nicht nur aus Sonnenschein und Fröhlichkeit besteht. Es gibt darin nämlich auch noch dieses Element der Realität, die alles etwas düsterer macht, als es hätte werden können.


Reden wir mal kurz über „Deconstruction“. Das erste, was mir in den Sinn kam, als ich mir den ersten Song „Praise The Lowered“ mit seinen merkwürdigen Sounds angehört habe, waren die frühen Werke eines Peter Gabriel. Würdest du ihn als Einfluss bezeichnen?

Vielleicht in gewisser Weise. Ich erinnere mich, dass ich mir als Kind vor Angst fast in die Hosen gemacht habe, als „Games Without Frontiers“ im Radio lief. Es gab sicher gewisse Dinge, die ich interessant fand oder auch seine Art zu produzieren, aber ein wirklich großer Einfluss war er eigentlich nie. Ich glaube ich habe auch niemals eine Platte von ihm besessen. Unterbewusst hat er mich vielleicht irgendwie beeinflusst, aber nicht wissentlich.


Das ist aber doch auch das Schöne an der Musik, dass wenn ich den Song höre, ich eben diesen Einfluss herauszuhören meine und du mir dann aber sagst, dass es gar nicht so ist.

Naja, wer weiß, vielleicht wurde ich ja auch von jemandem beeinflusst, der wiederum von Peter Gabriel beeinflusst wurde, oder …


Wie auch immer, vielleicht kam es auch einfach von irgendwoher.

Nun ja, ich bin ja ein Kind der 70er und hab immer Sachen wie YES, LED ZEPPELIN oder PINK FLOYD gehört. Und die haben sicher auch mal in den selben Studios gearbeitet, wie Gabriel und so ist alles natürlich auch irgendwie miteinander verbunden.


Du hast auf „Deconstruction“ eine ganze Riege illustrer Gaststars, wie Mikael Akerfeldt [OPETH], Joe Duplantier [GOJIRA] oder Ihsan [Ex-EMPEROR] präsentieren können … [plötzlich klingelt bei Devin ein anderes Telefon] … sollen wir kurz unterbrechen?

Nein, nein. Das ist okay.


Okay … also wie war es, mit diesen Leuten zusammenzuarbeiten und waren das deine Wunschkandidaten?

Ja, die meisten von ihnen sind einfach Freunde von mir und als ich die Platte gemacht habe, hatte ich dafür so eine theatralische Atmosphäre im Kopf. Um da eine Verbindung herzustellen, würde ich jetzt mal Andrew Lloyd Webber nennen. Auf jeden Fall gibt es darin diese ganzen unterschiedlichen Charaktere und zunächst wollte ich ihnen allen meine Stimme leihen, merkte dann aber recht schnell, dass es dadurch ziemlich eindimensional klingt. Deshalb entschloss ich, andere Personen mit einzubeziehen und mein Freundeskreis besteht eben mehr aus Leuten, die in irgendwelchen Bands spielen. Also habe ich einfach ein paar E-Mails geschrieben und gefragt, ob sie Teil des Projektes sein möchten und größtenteils habe ich Zusagen bekommen.


Hattest du den noch jemanden im Sinn, der letztendlich nicht mit dabei sein konnte?

Naja, es gibt immer Leute, mit denen ich für solche Sachen gerne mal in Kontakt treten würde, aber es hat eben nicht sollen sein.


Du wirst mir aber jetzt nicht verraten, an wen du dabei denkst?

Nein, werde ich nicht.




Hast du eigentlich jemals daran gedacht, einen Film aus „Deconstruction“ zu machen, sowas in der Art von ...

Die Verkäufe des Albums erfüllen mich nicht gerade mit Zuversicht, dass sich das in nächster Zeit realisieren lassen wird. Es wäre aber natürlich eine tolle Sache.


Das Cover ist daran sicherlich nicht ganz unschuldig, aber ich denke dabei immer an etwas in der Art von „Gefangen im Tim Burton-Themenpark“.

Das wäre großartig. Ich warte eigentlich nur darauf, dass Tim Burton sich bei mir meldet. Vielleicht war er es ja, der gerade eben angerufen hat?


Ja, vielleicht. Und ich war derjenige, der dieses Traumgebilde gleich wieder zerstört hat, in dem ich dich hier mit meinen Fragen aufhalte.

So ist es. Es ist deine Schuld, wenn Tim Burton gerade angerufen hat und er es jetzt nicht mehr versucht. Er hat es drei mal klingeln lassen und sich dann gesagt „Ach, leck mich doch!“. Hahaha.


Oh Mann, wie soll ich heute Nacht nur ruhigen Gewissens einschlafen können?

Ach, mach dir keine Sorgen, wir finden schon jemand anderes, der das Projekt übernimmt.


Ich habe im Vorfeld der Albumveröffentlichung dieses grauenhafte Zitat von dir gelesen, in dem du deine Musik damit vergleichst, scheißen zu gehen. Ich finde das furchtbar, wie kannst du sowas nur sagen? Es gibt doch soviel Schönheit in deiner Musik, das passt doch nicht!

Ich finde es okay, dass du sagst, du findest das etwas derb. Aber was ich damit eigentlich sagen wollte, ist dass ich hin und wieder zu diesem Punkt kommt, an dem ich ungemütlich werde, wenn ich es nicht „rauslassen“ kann.


Auf diese Betrachtungsweise bin ich gar nicht gekommen, aber ich verstehe jetzt, was du gemeint hast. Es hat sich eben nur etwas komisch angehört.

Ja klar, die Musik ist nicht scheiße. Es ist gewissermaßen so, dass wenn ich Musik mache, ich mich danach irgendwie leer, bzw. entleert fühle. Langsam füllt es sich wieder an und wenn ich es dann erneut nicht loswerden kann, fühle ich mich nicht wohl.


Die beiden neuen Alben sind – wie ich gelesen habe – auf Platz 15 in die finnischen Charts eingestiegen. Zu meiner Verwunderung haben sie es aber beide nicht in die deutschen Charts geschafft. Hast du dafür eine Erklärung?

Ich glaube einfach, dass Deutschland meine Analogie vom Scheißen nicht so sehr schätzt, hahaha.


Ernsthaft, ich verstehe es nicht wirklich. Ich kenne eine Menge Leute hier in Deutschland, die deine Musik lieben, aber ...

Ja, ich auch. Aber … wenn ich das jetzt sage, versteh das bitte nicht falsch, sondern genau so, wie ich es meine, das ist nicht irgendwie respektlos gemeint und ich will auch nicht unhöflich sein, aber: Chartpositionen, Verkaufszahlen und der ganze Kram interessieren mich überhaupt nicht. Natürlich würde ich gerne riesige Konzerte spielen und dafür Tonnen von Geld kassieren und ich würde mich auch freuen, wenn jeder meine Musik mag. Das ist doch auch logisch, nicht wahr? Aber es interessiert mich nicht. Man hat mir gesagt, dass ich Platz 15 in Finnland erreicht habe und dann habe ich gesagt: „Aha, das ist cool!“. Und dann habe ich gehört, dass die Platte in Deutschland gar nicht gechartet ist und dann habe ich wieder nur gesagt „Aha, das ist cool!“. Ganz im Ernst: ich würde das hier machen, völlig egal, ob die Leute meine Musik hören wollen, oder nicht. Die Tatsache, dass es Leute gibt, die sich meine Musik anhören, ist sehr schmeichelhaft, aber das motiviert mich auch nicht mehr, als wenn sie es nicht täten. Weißt du, Metalcore ist zum Beispiel gerade das große Ding hier, aber das beeinflusst mich nicht im Geringsten. Ich bin da eher ziemlich nah an das gebunden, was die Muse mir aufdiktiert und wenn das dann eben etwas wie „Ki“ oder „Ghost“ oder „Deconstruction“ oder „Addicted“ oder was auch immer ist, dann folge ich ihr einfach, wohin auch immer sie mich führt. Ich hoffe nur einfach immer, dass es irgendwie passt. Hahaha.


Vermutlich macht es auch einen Teil der Qualität deiner Musik aus, dass dir Chartpositionen und ähnliches nicht so wichtig sind und du dich nicht verbiegst. Ich meine ...

Naja, das es mich gar nicht interessiert war vielleicht schlecht ausgedrückt. Es darf mich eben nicht interessieren, denn das würde den Effekt haben, dass ich emotionale Probleme bekommen würde. Aber es hätte ohnehin keinen Einfluss auf die Musik, darum wäre es einfach unnötige Mühe, auf so etwas zu schauen.


Es hat mich nur wirklich sehr gewundert. Wenn man bedenkt, was für eine Scheiße mit teilweise enorm niedrigen Verkaufszahlen in den deutschen Charts zu finden ist, dann verstehe ich das einfach nicht ...

Aber weißt du, denk doch nur an „Schnappi, das kleine Krokodil“. Das hatte 150.000.000 Views oder so. Vielleicht sollte ich etwas in der Art als nächstes machen? Hahaha.


Mit Ziltoid?

Ja, vielleicht so etwas wie den „Gummibären-Song“. [Devin grummelt irgendetwas mit extrem tiefer Stimme, was vermutlich seine Version des besagten Songs sein soll.]



Damit hättest du sicher einen Riesenhit in Deutschland, hahaha!

Ja, hahaha. Menschen sind eben Menschen, das ist überall gleich. Für mich persönlich lief es aber in Deutschland immer nur sehr langsam und schleppend. Da muss ich nur an die gerade zurückliegende Tour denken: wir waren in London komplett ausverkauft, wir haben vor 2.500 Leuten in Finnland gespielt – das war großartig! Und dann kommen wir nach Deutschland und spielen vor vielleicht 150 Menschen. Nichtsdestotrotz waren die 150 Leute, die da waren, genau so enthusiastisch, wie jene in Finnland oder irgendwo sonst, wo wir gespielt haben. Ich denke, dass es schon gewisse kulturelle Vorlieben gibt, bei dem, was die Menschen hören, aber am Ende des Tages sind wir alle eben einfach Menschen, egal ob wir Deutsche oder Kanadier oder Holländer sind. Die Leute, die es mögen, mögen es und diejenigen, die es nicht mögen, mögen es eben nicht. Die Medien spielen dabei natürlich auch eine gewisse Rolle. Aber im Grunde genommen mache ich meinen Job und die Leute haben Spaß daran und das ist alles, was zählt.


Im Internet habe ich kürzlich etwas über „Ghost 2“ gelesen. Wird das ein weiteres reguläres Album und wird es da ein physisches Produkt geben, oder wird es womöglich nur digital erhältlich sein? Handelt es sich dabei um ein paar Songs in der Art und Stimmung von „Ghost“, die du noch auf Halde hattest?

Als ich „Ghost“ geschrieben habe, schrieb ich eine Menge Songs, wobei in etwa die Hälfte davon recht düster ist. „Ghost 2“ ist also im Grunde genommen eine bedrückendere Version der selben Art von Stimmung. Es wird auf jeden Fall einen physischen Release geben. Weißt du, ich habe so viel Musik veröffentlicht und habe mein Management und mein Plattenlabel um so viele Gefallen gebeten dass es ein wenig vermessen von mir wäre, wenn ich sie weiterhin mit Alben bombardieren würde. Deshalb arbeite ich ganz langsam daran und hoffe aber, dass es noch bis Ende des Jahres veröffentlicht werden kann. Ob dieser physische Release dann vielleicht nur über das Internet oder nur über Mailorder bezogen werden kann, muss man noch sehen, aber wir arbeiten jedenfalls daran.


Wir sprachen ja vorhin auch schon über die Touren, die du zuletzt absolviert hast und ich erinnere mich, dass wir das Thema bei unserem letzten Gespräch auch schon hatten und du meiner Vermutung zugestimmt hast, dass du lieber im Studio als auf der Bühne bist. Nun warst du ja – wie erwähnt – zuletzt häufiger unterwegs, da würde mich doch mal interessieren, ob das so weitergehen wird? Gibt es eventuell sogar schon weitere Pläne?

Ich habe das Management gewechselt und arbeite nun mit Andy Farrow aus England und er ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass ich zuletzt so viele Konzerte gespielt habe. Aber ganz ehrlich, je mehr ich toure, desto mehr merke ich auch, dass es ein ganz wichtiger Bestandteil davon ist, meine Musik an den Mann zu bringen. Nehmen wir zum Beispiel Deutschland, wo die Alben eben keine hohen Stückzahlen verkaufen. Ich könnte nun weiterhin im Studio rumhängen und Alben machen, die keiner hören wird oder ich mache Alben, gehe auf Tour und bringe den Leuten meine Musik nahe. Die einzige Möglichkeit, dass die Leute deine Musik hören, von der sie normalerweise nichts mitbekommen würden, ist wenn du dich und deine Musik verfügbar machst. Und im Grunde genommen mag ich es auch, ich spiele gerne Konzerte. Ich bevorzuge es, im Studio zu sein, aber es ist nicht so, dass ich es nicht mag, auf der Bühne zu stehen.


Okay, das hatte ich zwar ein wenig anders in Erinnerung, aber das macht ja nichts.

Naja, vielleicht habe ich ja auch einfach meine Meinung geändert.


Was dein gutes Recht und eine ganz normale Sache ist.

Das einzige Problem ist, wenn du eine Person bist, die in der Öffentlichkeit steht und du deine Meinung änderst, dann kommen da immer gleich die Rückfragen. Dann heißt es „Du hast doch was anderes gesagt!“. Ich erwidere dann, dass ich da eben müde war, oder schlechte Laune hatte, hahaha.


Dann hätte ich eigentlich auch nur noch eine abschließende Frage: wie geht es weiter? Was machst du, nachdem das DEVIN TOWNSEND PROJECT nun abgeschlossen ist?

Ich denke, ich werde erst mal versuchen, etwas Schlaf zu bekommen. Ernsthaft: ich habe schon wieder einige Ideen im Kopf. Eine wichtige persönliche Erkenntnis, die mir die Arbeit an diesen vier Alben gebracht hat, ist dass ich - wenn alle Stricke reißen - dazu in der Lage bin, auf musikalischer Ebene alles zu vollenden, was ich möchte. Ich denke, dass mein nächster Schritt etwas sein muss, was … naja, das wird sich einfach zeigen müssen. Ich habe momentan fünf oder sechs verschiedene potentielle Ideen, was ich als nächstes machen könnte. Vielleicht mache ich eine Pop-Platte oder ein großes Musical. Jetzt will ich aber erst mal noch ein paar Shows spielen, mein Boxset fertigstellen und dann einfach sehen, was passiert.


Was auch immer es sein wird, ich freue mich schon jetzt darauf, weil ich deine Arbeit wirklich sehr bewundere.

Danke für deine Unterstützung, ich weiß das wirklich zu schätzen. Weißt du, zu tun, was wir tun und der Mensch zu sein, der wir sind und die Musik zu machen, die wir machen – oder auch nicht – das sind nicht die Dinge, die uns definieren. Meine Musik definiert mich nicht und meine Arbeit definiert mich auch nicht. Was mich ausmacht sind meine Beziehungen zu meinen Freunden und meiner Familie und mein ultimatives Ziel ist es, mich in meiner Haut wohler zu fühlen. Und um das zu erreichen, ist die Musik natürlich immer ein gutes Hilfsmittel. Deshalb werde ich auch weiterhin Songs schreiben, weil es einfach eine aufregende Sache für mich ist. Musik machen zu können, an der ich selbst auch Freude habe, das ist wirklich ein wahrer Segen. Die Möglichkeit zu haben, das zu tun und die Tatsache, dass es immerhin ein paar Leute gibt, die sich gerne meine Musik anhören, ist ein wunderbarer Bonus. Ich versuche einfach, ein glückliches Leben zu haben und ansonsten werden wir sehen, was in der Zukunft passiert und welche musikalische Richtung ich als nächstes einschlagen werde. Ich habe dieses Interview wirklich genossen, es war schön mit dir zu plaudern, aber ich muss hier abbrechen, weil gleich schon das nächste Interview ansteht. Danke dir!


Ich danke dir, es war mir mal wieder ein großes Vergnügen!

Ganz meinerseits … und ich hoffe sehr, dass Tim Burton nochmal zurückruft, hahaha.

kaamos

Autor: Timo Beisel [kaamos] | 22.08.2011 | 00:31 Uhr

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