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Vor knapp zwei Jahren, um genau zu sein am 13. Dezember 2008, feiert die Queen Of Metal, DORO [Pesch], im leider nicht ganz ausverkauften Düsseldorfer ISS Dome ihre 25-jährige Bühnenpräsenz mit einer Megasause. Das Who-Is-Who der Hardrock- und Metalwelt war gekommen, um gemeinsam mit der kleinen Blondine die Feierlichkeiten einzuläuten. Heute, gar 27 Jahre auf dem kleinen Buckel, ist die Veröffentlichung der entsprechenden DVD zu eben jenem Konzert nur noch zwei Wochen entfernt. Anlass genug, ein paar Worte mit der Protagonistin zu wechseln. Dass DORO unserem wohl durchdachten, 20 Punkte enthaltendem Fragenset allerdings einfach so den Garaus macht, hätte niemand ahnen können, denn die deutsche Rockröhre hat immens zu erzählen...


Grüß dich, DORO, was macht die Kunst? Wie geht’s dir?


Ach, mir geht’s so gut. Ich bin immer noch ganz aufgeregt, weil ich gerade erst wieder aus Japan zurück bin. Wir haben dort ja unsere erste Tour überhaupt gespielt und das war total verrückt, toll und... ach, ich weiß nicht, … das war ganz, ganz toll. Die ganzen Japaner haben ja so ziemlich meine Größe, das war ganz lustig. War auf jeden Fall eine lustige Erfahrung, dort durch die Straßen zu gehen. Manche drehten sich um, für andere war ich dort eine richtige Atraktion, wieder andere haben sogar verängstigt einen Schritt zurück gemacht – das war total lustig.


Hehe, bei mir gab es zwar damals dieselben Reaktionen, als ich in Tokio war, aber da liegt es dann am Gegenteil, weil ich knappe zwei Meter groß bin.

[Lacht] da sagst du was. Wir hatten ähnliche Reaktionen. Unser Gitarrist, der Bas, der ist ja auch so groß und hat durchaus viele Blicke auf sich gezogen. Das Krasseste war aber eigentlich der Gitarrist unserer Vorband dort, der Typ ist glaube ich 2,20m oder so. Das war dann schon ein Erlebnis. Vor allem für mich... mehr so nach dem Motto „Nackenstarre“ [lacht].
Aber insgesamt war das ein tolles Erlebnis. Wir haben ja so viele Fans da unten und in der Vergangenheit auch immer sehr viele Platten dort verkauft. Deswegen war es mir immer ein besonderer Wunsch, einmal dort Konzerte für all diese tollen Fans zu spielen. Für mich war es jetzt erst das allererste Mal. Ich durfte ja vorher nie!


Hm? Wie meinst du das?

Naja... ich durfte halt nie. Der Typ, der damals für all die Promotion und Veranstaltungen in Japan zuständig war, der hat mich als Metal-Act immer abgelehnt und so durfte ich dort nie auftreten. Das war halt auch eine andere Zeit, heute ist das zum Glück anders, wie man ja sieht, aber bis vor ein paar Jahren wurden Frauen auf der Bühne innerhalb unserer Musik recht häufig angegriffen und nicht als Künstler akzeptiert.


Also quasi eine mittelalterliche Haltung gegenüber Female Fronted Metal/Rock?

Absolut! Ich dachte aber in den 80ern, dass das vielleicht einfach so ist. Dann kam das Jahr 2000, als wir bei SPV unter Vertrag waren. Zu der Zeit hat sich dann der Olli Hahn um uns gekümmert, der auch sofort Feuer und Flamme war, unser Album auch in Japan rausbringen zu wollen. Er kam allerdings mit derselben Nachricht, auch nach all den Jahren, und meinte: „Du, ich muss dir was sagen. Der ganze Kram hat sich dort leider noch immer nicht besonders verändert. Keine Chance, sorry.“ Ich dachte viele Jahre lang, dass es so etwas doch gar nicht mehr geben kann, aber so war es wirklich. Tja, und jetzt waren wir eben zum ersten Mal dort.


Hm, du hättest vielleicht in den 80ern eher als minderjähriges Schulmädchen, statt als Lack- und Lederbraut dort auflaufen sollen...

[Lacht] ja, das hätte wahrscheinlich geklappt. Oder ich hätte getragene Schlüpfer in Automaten verkaufen sollen, haha. Ja, doch... hätte klappen können. Ich habe diese berühmten Automaten allerdings gar nicht gesehen, muss ich ehrlich sagen. Aber man sagt ja auch, dass das alles nur Gerede ist. Aber wer weiß das schon?!


Naja, Unterwäscheautomaten sind ja nicht alles. Wie hat's dir denn allgemein gefallen?

Also die Fans dort. Das kannst du dir nicht vorstellen. Klar, es war für beide Seiten etwas ganz Besonderes, weil es eben so lange gedauert hat. Die haben sich so dermaßen gefreut, das war der Hammer. Einige Fans haben mir erzählt, dass sie seit 25 Jahren darauf gewartet hatten, mich endlich mal live zu sehen. Ich habe einige Leute wieder getroffen, die zum 25-Jährigen 2008 nach Düsseldorf angereist waren. Stell dir mal vor, was das bedeutet! Da kommen Japaner einfach mal nach Deutschland, nur um unsere Show in Düsseldorf zum 25-Jährigen zu sehen, weil sie zu Hause niemals die Möglichkeit hatten. Ist das der Hammer?


Absolut...

Die waren total euphorisch, als ich dort ankam. Wir haben gemeinsam Bilder vom Jubiläum angeschaut, die sie dort geschossen hatten. Einer war total aufgelöst und meinte: „Hier, schau mal, das hier ist meine Hand. Das ist MEINE Hand.“, und deutete auf ein Foto, was von der Bühne aus gemacht wurde und auf dem man seine Pommesgabel in der dritten Reihe sehen konnte. Das war einfach total emotional, wenn man langsam realisiert, was die Menschen da alles auf sich genommen haben, nur um mit uns gemeinsam diese Party dort zu feiern. Wahnsinn! Viele, viele der Fans hatten Tränen in den Augen, weil sie fast ihr gesamtes Leben lang schon Die-Hard-DORO-Fans waren und wir nun endlich da waren. Alles in allem kann man es nicht anders sagen, als dass einfach eine sehr magische Stimmung herrschte.
Wir haben ja Tokio, Nagoya und Ōsaka angesteuert und dort gespielt. Alle drei waren auf ihre ganz eigene Art und Weise total faszinierend. Und da ist dann etwas total Heftiges passiert. Die ganzen Fans sind ja quasi von Nagoya weiter nach Tokio und Ōsaka mitgereist. Wir sind ja dort mit den Schnellzügen gefahren, das sind ja diese ultraschnellen... wie heißen die noch?... Bullet Trains oder so? Egal, jedenfalls sind die um die 350km/h schnell. Die Fans haben uns dann bis zum Bahnsteig gebracht, uns ganz toll verabschiedet, geherzt und gedrückt und Fotos gemacht. Ich habe dann ganz, ganz viele selbstgemachte Geschenke bekommen und sie haben uns allen zum Abschied zugewunken, bis der Zug den Bahnhof verlassen hatte. Wirklich ganz, ganz toll. Hey... ich habe von den Menschen dort Puppen bekommen, die ganz aufwändig selbstgenähte Klamotten anhatten, die originalgetreu meinem Bühnenoutfit nachempfunden waren. Wirklich total süß und lieb. Und dann kam's: als wir in der nächsten Stadt ankamen, standen plötzlich genau dieselben Fans am Bahnsteig und haben uns empfangen. Wie machen die das bitte? Die konnten ja nicht denselben Zug genommen haben und wir hatten auch diesen extrem schnellen Direktzug. Trotzdem standen alle wieder da. Wahrscheinlich haben die Japaner insgeheim doch schon rausgefunden, wie man beamt oder so. Das war jedenfalls absolut überwältigend und wir haben dann mit den Leuten gemeinsam gefeiert. In Ōsaka haben wir sie dann alle zum Essen eingeladen und den Abend verbracht. Das war auch die Endstation der Tour. Da mir die Fans immer schon das Allerliebste waren, habe ich unseren Promoter gebeten, die Die-Hard-Fans eben mitnehmen zu können, um mit ihnen essen zu gehen. Das war mir sehr, sehr wichtig und das haben wir dann auch tun können. Zum Glück hat der Promoter mitgespielt und so konnten wir dann alle richtig traditionell japanisch essen gehen. Das sind dann immer kleine Gänge und Häppchen und total interessant. Natürlich gab es dann auch ganz viele Dinge, die ich mir mit ihnen angesehen hatte. Als sie erfuhren, dass wir gemeinsam essen gehen würden, haben sie ihre gesamte DORO-Sammlung eingepackt und mitgebracht. Wir haben sehr gute Gespräche geführt und uns unzählige Fotos und Erinnerungsstücke angeschaut. Für mich war zwar schon vorher klar, dass wir unbedingt wieder nach Japan kommen müssen, aber dann erst recht. Alles andere war auch total toll. Wir wurden immer sehr nett und zuvorkommend behandelt, alles war perfekt organisiert, es gab nicht das Geringste, was zu Kritik hätte führen können. Absolut gar nichts.
In Tokio haben wir dann auch noch so'n kleines Video gemacht. Es gibt dort eine so genannte Plattenladenwoche. Das ist eine Aktion, die ins Leben gerufen wurde, um die Plattenläden des Landes zu fördern, damit sie nicht pleite gehen. Ich dachte mir, dass wir das vielleicht auf der Straße drehen sollten, also unter den Menschen in der Innenstadt halt. Und da gibt’s ja dann wirklich alles. Überall männliche Prostituierte! Der Wahnsinn! Ich hab' nicht eine Frau darunter gesehen... alles Kerle! Ich weiß gar nicht, wie man die Menschen da nennt...


… Japaner.

[Lacht laut] ja klar, das schon, aber die Prostituierten halt. Die haben bestimmt eine speziellen Namen. Die anderen Japaner sind ja nicht so, haha, das wär' ja noch schöner! Aber die Typen dort... echt heftig. Die standen alle vor diesen ganzen Etablissements und haben dann eben auf weibliche Kundschaft gewartet. Die sahen auch alle gleich aus. Alle total sexy Haarschnitte und so. Ich hab vor der Tour mal einen Japaner, ein guter Freund von mir aus Düsseldorf, gefragt, was die denn da so treiben. Der hat mir dann erzählt, dass die so ein bisschen Kabaret machen.


Öhm... Kabaret?

[Lacht] ja, Mann! Das hat der mir so gesagt. Die machen ein bisschen Kabaret und... naja... wenn die Frauen dann anschließend Sex wollen, dann wird halt... ne? Dann wird halt! Die vergnügen sich da den ganzen Abend und dann ist das eben so. In meinem Hotel in Tokio konnte ich von meinem Zimmer aus runter schauen. Da war so ein Kreisverkehr und drumherum diese ganzen Läden, vor denen dann die ganzen jungen Hüpfer rumliefen. Das war dann ein kontinuierliches Warten auf un Werben um Kundschaft. Total irre! Alles komplett anders, sowas hatte ich noch nie gesehen. OK, in Thailand gibt es diese so genannten Lady-Men, aber das ist ja wiederum was anderes.


Du hast wirklich komische Hobbys, kann das sein?

[Lacht] Nein, nein, um Gottes Willen! Das sind halt die Eindrücke, die man da sammelt und die liefen ja nun auch alle da rum und ich konnte sie halt auch von meinem Zimmer aus sehen und dann bei dem Videodreh. Ich fand das halt auch total spannend. Die kann man ja nicht übersehen. Aber interessant und total verrückt war es halt irgendwie schon. Beim Reisen kommt man nun mal rum und sieht viele Dinge, die man sonst nicht kennt. Zum Beispiel in China, wo wir kürzlich waren. Da wurde ich zum Essen eingeladen und ich durfte es meinen Gastgebern nicht nehmen, für mich zu bestellen. Ich wollte aber genau wissen, was das eigentlich ist, was man mir da bestellt, aber das durfte ich natürlich nicht wissen. Es hieß dann nur: „Das schmeckt alles ganz lecker, musst du einfach probieren, das ist toll!“ Joa, dann kamen also irgendwann diese ganzen Sachen auf den Tisch und der erste Überblick fiel ziemlich utopisch aus. Das war alles so optisch ekliges Vieh-Zeugs. Viele kleine Sachen und so. Bei einigen Dingen dachte ich mir: „OK, das hier kannst du ja mal probieren, das geht ja noch“, aber dann kamen noch etliche andere Sachen, die ich unbedingt probieren sollte aber das habe ich nicht getan und mich geweigert, solange man mir nicht sagte, was ich denn da probieren sollte. Nach langem Hin und Her verriet man mir dann, dass das in der Schale Hund war. Ganz leckerer, zarter Hund. Ich lehnte sehr schnell dankend ab. Ich liebe Tiere und ganz besonders Hunde, daher konnte ich das einfach nicht. Die Gastgeberin versuchte mich aber zu überreden und meinte: „Nein, nein, keine Angst, die werden hier extra zum Verspeisen gezüchtet, das ist alles OK.“ Ne, das ging absolut nicht. Es gibt halt Dinge, da verschlägt es einem die Sprache, aber dort ist das halt so und auch total angesagt. Andere Länder, andere Sitten, aber irgendwo ist dann auch gut, das geht gar nicht.


Du hast eben gesagt, dass die japanischen Fans auch in Deutschland waren. Viel deutsche Fans haben das nicht mal geschafft. Dafür gibt es ja deine DVD bald. Was gibt’s denn darauf alles zu sehen?

Hast du denn selbst schon reingeschaut, Patrick? Los, sag schon, hast du schon gesehen, was es da gibt?


Hehe, nicht so aufgeregt! Natürlich habe ich das, ich wurde ja bestens von Nuclear Blast ausgestattet, aber vielleicht kannst du erklären, was wie und warum enthalten ist.

Aber klar, da gibt’s viel zu erzählen.


Ach was, DAS überrascht mich jetzt!

[Lacht] ja, das ist immer so! Aber es ist gut, dass du schon mal weißt, was da alles drauf ist, weil wenig ist es ja nicht. Da ist zum Beispiel als Allererstes das Konzert in Düsseldorf zum 25-Jährigen. Das allein geht schon mal zweieinhalb bis drei Stunden. Und da sind auch alle Gäste drauf zu sehen, die dort waren. Darüber habe ich mich am meisten gefreut, dass das alles so toll geklappt hat. All diese Leute, die mich dort auf der Bühne unterstützt haben waren total toll und absolut... ich möchte mal supportive sagen. Die haben sich auch alle so eingesetzt, das war der Wahnsinn. Hast du die Doku dazu auch gesehen?


Klar, das volle Programm!

Ja, dann kennst du das ja schon. Da hat man halt verschiedene Stimmen meiner Gäste eingefangen und was die alles gesagt haben. Sooo lieb und süß, das hat mich total gefreut. Ich habe das alles erst gesehen, als wir die DVD gemeinsam zusammengestellt haben. Ich wusste gar nicht, dass so viele tolle Leute, wie zum Beispiel Bobby Blitz oder Rudolph Schenker, so viele nette Sachen gesagt haben. Das war dann auch total toll, die DVD zu machen. Ich habe es ja damals nur von der Bühne aus gesehen, aber dann eben auch alle die Dinge drumherum. Das war schon insgesamt sehr schön. Ich bin den ganzen Gästen so dankbar für all das. Das war ganz großes Kino! Alle waren da, alle haben absolut alles gegeben und das war einfach grandios.
Ja, also wie gesagt das Konzert und dann die Dokumentation, die sehr, sehr schön geworden ist. Die hat der Ronald gemacht, Ronald Mattes. Der hat auch die letzten DVDs schon gemacht und es war total spannend, die Entstehung zu verfolgen. Auch den Jörg Stegmüller mit dem großen Warlock. Wie er das alles gemacht hat. Sehr schön, wie er das alles hinbekommen hat. Das ist ja als „The Making Of The Warlock“ auch enthalten. Dann ist da noch so eine kleine Dokumentation drauf von dem Patrick von Schuckmann. Der macht „Ungebrochen Metal“, das ist so eine Metalsendung in Hamburg. Im März haben wir ja das 2500. Konzert gefeiert und dafür hat er ein kleines Special zusammengeschnitten. Da waren auch tolle Gäste dabei. Der Schmier [DESTRUCTION] war auch da, mit dem haben wir „We Are The Metalheads“ zusammen gesungen, wie Wacken-Hymne.
Ja, und dann sind noch ein paar Festival-Highlights drauf. Ein bisschen Wacken 2009, ein bisschen Bang Your Head 2010 und Ausschnitte vom Metal Female Voices aus Belgien, was auch ein sehr schönes Festival ist. Vom Summer Breeze ist auch noch ein Track dabei. Ein kleines China-Special und zwei TV-Beiträge sind auch noch auf der DVD. Und... ehm... ach ja! Die Live-CD ist natürlich auch noch im Package enthalten, auch ganz wichtig und toll. Darauf sind dann auch zehn bzw. mit Intro elf Tracks dabei. Axel Rudi Pell und Chris Boltendal sind darauf auch zu hören... jede Menge tolle Sachen!
Alles in Allem gibt es etliche Stunden vom Jubiläumskonzert über die Dokus bis zu den neueren Sachen.


Logistisch war das doch die reinste Meisterleistung, oder? Also allein all diese ganzen Musiker, die natürlich selbst auch Verpflichtungen und Termine haben. Wir habt ihr das denn alles unter einen Hut bekommen?

Ja, das war wirklich heftig! Der ganze Organisations-Wahnsinn hat sogar schon ein Jahr vorher angefangen. Also auch die Location aussuchen und schauen, dass die an dem Tag auch frei ist und so weiter. Wie haben damals das 20-Jährige am 13. Dezember gefeiert, also dachte ich mir, dass das wieder der perfekte Tag sein würde. Das war dann passenderweise auch ein Samstag und wir mussten zusehen, dass das terminlich alles klappt. Das 20-Jährige war auch schon so schön. Damals war sogar Lemmy [MOTÖRHEAD] dabei und SAXON haben gespielt. Wir wollten einfach schauen, dass wir es zumindest so schön hinbekommen, wenn nicht sogar noch schöner. Das war dann insgesamt eine Riesenherausforderung. Der ISS Dome in Düsseldorf ist ja eine Riesenhalle, wo sonst nur die fettesten Bands spielen. Wir dachten dann: „OK, wenn wir das Ding füllen könnten, das wär der Hammer!“
Wir ziehen ja nun tagtäglich nicht wirklich so viele Leute, also war schon ein gewisses Risiko da, aber ein solches Event ist dann natürlich schon was Besonderes.
Ja, und dann waren natürlich all die Dinge drumherum noch ein absolutes Abenteuer und eine Herausforderung. Allein der Bau des Warlocks auf der Bühne hat acht bis neun Monate gedauert. Das war immer unglaublich spannend. Die ersten Fotos damals aus der Werkstatt... darauf war dann ein Finger zu sehen und so ging es dann Stück für Stück weiter, was wirklich total spannend war.


Du hast gerade Lemmy erwähnt, dazu später noch etwas, aber wo wir gerade bei DEM Warlock sind, bleiben wir doch kurz mal bei WARLOCK, deiner ehemaligen Band. Es wird immer wieder gemunkelt, dass es, gerade nach der Reunion beim 25-Jährigen, eventuell eine echte Reunion WARLOCKs mit DORO geben könnte. Erleuchte uns!

Das wissen wir alles gar nicht so ganz genau. Wir haben jetzt erst mal gekämpft, dass es überhaupt passiert und dann auch mit auf die DVD kommt. Ich weiß es wirklich nicht. Der Ursprungsbassist zum Beispiel hat der Musik völlig abgeschworen und will nicht mehr. Der hat heute gar nichts mehr mit Musik zu tun. Ich würde sagen: „Mal schauen“, aber in Planung ist bisher absolut nichts. Es ist nicht unmöglich, sage ich mal. Never say never, aber hängen halt viele Dinge von ab. Wenn einer nicht mehr möchte oder mit Musik überhaupt nichts mehr zu tun haben will, dann wird’s echt schwierig.


Naja... wenn es Zwang ist, ist es ja auch kein Metal.

Genau so sieht's aus und dann muss man diese Entscheidungen eben auch respektieren. Der Nick ist jetzt zum Beispiel seit über 20 Jahren mit mir in der Band. Der Johnny auch schon seit 1993. Das ist dann schon manchmal super hart und wenn die Jungs mit einem durch Dick und Dünn gehen, das ist schon ein geiles Gefühl. Aber eben auch knallhart. All das Schöne hat auch seine Schattenseiten und man denkt oft, man ist in einem Bootcamp. Dann musst du eben auch gut drauf sein, wenn du total krank bist oder mangels Schlaf am Jetlag zu knabbern hast oder jemand in der Band sich ein Bein gebrochen hat. Da musst du eben durch. Die Jungs, mit denen ich nun seit Jahren unterwegs bin, die sind eben auch gewillt, das alles durchzuhalten und durchzustehen. Trotz allem – und wir touren ja wirklich richtig viel – haben wir alle sehr viel Spaß dabei und das ist auch extrem wichtig, dass das nicht verloren geht. Ich erinnere mich an einige Bandmitglieder, die ich im Laufe der Jahre so dabei hatte, die irgendwann ankamen und sagten: „Ey, ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, ich schaff's nicht mehr... will nach Hause!“ Gut, was will man dann machen? Aber zum Glück kam dann irgendwann Johnny Dee und ich wusste, dass er ein guter Kumpel unseres Keyboarders war. Nach Wacken wurde mir damals erzählt, dass er nicht mehr will. Das war glaube ich 1993. Und dann stehst du da, bist beim geilsten Festival aller Zeiten eingeladen, das damals zwar noch nicht ganz so groß war, aber schon immer besonders, und dann sagt jemand komplett fertig zu dir: „Ich will nach Hause.“ Ich hätte es verstanden, wenn wir irgendwo auf einer Russland-Tour oder so gewesen wären, wo es generell immer eher ungemütlich zugeht, aber Wacken? Wenn da jemand so etwas sagt, dann ist es wirklich ernst. Naja, jedenfalls habe ich den Johnny dann auf diesem Wege damals in die Band bekommen. Aber noch mal zur Ausgangsfrage: mit WARLOCK... da muss man mal abwarten und schauen, was die Zukunft bringt. Geplant ist bisher aber wirklich nichts. Aber als Nächstes gibt’s erst mal die Tour mit Lemmy und seinen Jungs von MOTÖRHEAD, mit denen wir ab Dezember auf Tour sind.


Ach Mann, du klaust mir dauernd meine Fragen. Gut, dann erzähl halt einfach weiter, hehe.

[Kichert] sorry, das tut mir Leid, aber das passiert mir immer oft. Ich rede und rede und dann kommt man irgendwie auf alles und jeden, hehe.

Macht ja nichts. Jedenfalls bist du ja demnächst, wie gesagt, mit MOTÖRHEAD unterwegs. Wahrscheinlich gibt es wenig Menschen, die über Lemmy mal aus Sicht einer Frau berichten könnten. Was ist denn das so für ein Typ? Eigentlich geht’s hier ja um dich, aber die Chance schreit einfach nach der Frage.

Oh, das erzähle ich dir sehr gern, dabei ist es auch egal, ob es hier um mich geht, weil Lemmy einfach ein Typ ist... das kannst du gar nicht so einfach erzählen... Lemmy ist ein Goldstück.
Ich weiß noch, dass Lemmy der Erste war, den ich 1983 in England kennenlernen durfte. Das war bei einer Party des Magazins Kerrang!, was ja ziemlich bekannt ist und auch damals schon war. Das Heft und die Party waren damals schon total wichtig und man hat mich nicht nur eingeladen, sondern sogar einfliegen lassen. Ich sollte an dem Abend dann bei der Party auch auftreten. Allerdings wurde nur ich aus Kostengründen eingeflogen, man erzählte mir aber, dass ich dort auf eine Band treffen würde, die den Song, den ich singen soll, vorher perfekt einstudieren würde. Ich weiß gar nicht mehr, wie die Band hieß, sorry, das ist lange her. Egal, jedenfalls sollte ich dann ein paar Songs singen und bin dann nebenan in ein Pub gegangen, das erste Mal, und dann sehe ich dann plötzlich Lemmy dort stehen. Ich schaute rüber und denke mir nur: „Boah, krass, da steht der Lemmy hier einfach rum!“ und schon rief er rüber: „Hey DORO, come over, have some drinks!“. Das war das allererste Mal, dass ich Lemmy begegnet bin und dann haben wir natürlich sofort ein bisschen was gezwitschert. Da kann man ja auch nicht nein sagen, das wäre ja unhöflich gewesen. Dann sollte ich später noch auf die Bühne und meine Songs singen [lacht]. Ich hab' natürlich dann gar nichts mehr gepeilt. Weder meine Einsätze, noch meine Texte habe ich irgendwie gescheit auf die Reihe bekommen. Naja... das war dann also mein erstes Erlebnis mit England und eben die erste Begegnung mit Lemmy. Damals war England einfach wahnsinnig wichtig, weil man von England aus entschieden hat, ob eine Platte weltweit rauskommen würde oder nur lokal. Das war halt die Marktmacht damals. Und ich natürlich total abgefüllt, hervorragend [lacht]! Ich vertrage ja auch nicht sonderlich viel, weil ich auch keine gute Trinkerin bin. Ich dachte mir dann irgendwann nur noch: „Ach, scheiß doch drauf, du hast hier eine tolle Zeit, stehst mit Lemmy Arm in Arm und betrinkst dich... das erlebst du sowieso nicht wieder.“
Ich habe Lemmy dann 1986 wiedergesehen. Damals bei den weltberühmten Monsters Of Rock Festivals in Donnington.


Die Recherche vor dem Interview hat mir übrigens die Info beschert, dass du die einzige weibliche Protagonistin bei diesem Festival warst. Wusstest du das?

Oh, wirklich? Ehrlich gesagt weiß ich das wirklich nicht. Beziehungsweise wusste ich das wirklich nicht. Danke für die Info, das ist ja auch mal nett zu wissen. Man weiß ja oft gar nicht, was alles so stimmt, wenn man sich selbst mal informiert, was so über einen geschrieben wird. Aber ich denke, dass das schon stimmen könnte. Ansonsten liest man ja auch viel Mist, aber das egal, … interessant ist das ja mal.
Jedenfalls waren wir dort und Ozzy Osbourne war damals Headliner. Ich wollte unbedingt Ozzy sehen und lief so über's Feld, auf dem Weg zum Bühnenrand. Da wurde ich dann aber von der Road Crew, dem Tourmanager und der Festival Security gestoppt und man machte mir klar, dass ich da jetzt nicht hin dürfe, weil ich keinen Zugang hätte. Dazu brauchte man einen ganz speziellen Pass und ich hatte halt nur einen Backstage Pass für Artists. Gebraucht hätte ich einen Access-All-Areas-Pass, den halt nur die wichtigsten Personen des Festivals bekamen, wie halt der Veranstalter oder der Leiter der Technik und so weiter. Ich bin dann etwas enttäuscht wieder abgezogen und als ich auf dem Weg zum Tourbus war, kam mir plötzlich Lemmy entgegen und hat sich tierisch gefreut, mich zu sehen. Er fragte, was ich so mache und wo ich gerade hin will. Dann habe ich ihm kurz die Story erzählt, die gerade passiert war und jetzt eben nicht Ozzy sehen werde und zurück gehe, weil ich den wichtigen Pass halt nicht habe. Lemmy schaute etwas traurig, konnte aber nicht verstehen, wo jetzt das große Problem war. Er sah sich um, sah einen Typen, der scheinbar sehr wichtig war – ich weiß gar nicht, wer das gewesen sein soll – und ging zu ihm rüber. Er tippte ihm auf die Schulter und nahm ihm seinen Access-All-Areas-Pass einfach über den Kopf weg ab, hing ihn mir um und meinte trocken: „OK, let's go see Ozzy.“ [lacht]. Ich weiß gar nicht, ob Lemmy sich heute wirklich daran erinnert, aber als ich irgendwann ein Vinyl-Album von MOTÖRHEAD zu Hause hörte und mir die Plattenhülle ansah, entdeckte ich im Innenteil ein Foto von genau diesem Abend, das geschossen wurde, als ein Fotograf uns an der Bühne fotografierte. Für das Bild hatte Lemmy mir total süß ein Küsschen auf die Wange gegeben. Ich habe das Foto dann sofort ausgeschnitten und Lemmy einfach einen Brief geschrieben. Ich fragte darin, wie es ihm geht und erzählte, dass wir nun Label-Mates seien – wir hatten damals gerade das Label gewechselt und er war mit MOTÖRHEAD auch dort – und dann habe ich ihm gesagt, dass wir gerade eine neue Platte machen und fragte einfach, ob er nicht Bock hätte, zusammen mit uns was zu machen. Dann hab ich noch meine Telefonnummer drauf geschrieben und den Brief einfach mal abgeschickt. Allerdings ans Management, da ich ja seine Adresse gar nicht kannte. Deswegen habe ich auch gar nicht damit gerechnet, dass der Brief überhaupt bei Lemmy persönlich ankommt. Jedenfalls gab's dann eine Situation, da war ich ganz heftig traurig, da war mein Papa gerade gestorben und für mich ging absolut gar nichts mehr. Ich musste an dem Tag mit meiner Mama für die Beerdigung meines Papas schwarze Kleidung für die Aufbahrung aussuchen und ich war total fertig, es ging wirklich gar nichts mehr. Sehr traurige Zeit. Aber plötzlich klingelte das Telefon. Eigentlich wollte ich gar nicht rangehen und meine Ruhe haben, aber im Display stand eine Nummer aus Los Angeles und dachte: „Hä? Wer ruft mich denn jetzt bitte aus L.A. An?“. Ich bin dann rangegangen und dann war tatsächlich Lemmy am Telefon. Ich habe ihm direkt gesagt, dass ich im Moment nicht die beste Gesprächspartnerin sei, habe ihm die Geschichte dann kurz erzählt und wollte halt eigentlich nur klarmachen, dass ich halt gerade an diesem Tag bzw. in dieser Zeit nicht so drauf bin wie sonst. Er war aber direkt motiviert, meine Traurigkeit zu beseitigen, hat mir sein Beileid bekundet und fragte irgendwann doch, ob ich nicht was mit ihm machen will. Er sagte: „Hey DORO, du klingst echt gar nicht gut, das ist nicht schön. Lass uns was machen. Wir müssen das tun, du weißt schon... da kommst du auf andere Gedanken, kannst verarbeiten. Lass und loslegen! Komm rüber nach L.A. und wir machen was Schönes zusammen.“ Dann wusste ich nicht so recht, bin aber doch nach Los Angeles geflogen, wo wir die beiden Songs „Alone Again“ und „Love Me Forever“ aufgenommen haben. Das war so schön. Das war mit die schönste Zeit in meinem Leben. Wir haben zwei Wochen richtig Spaß und eine geile Zeit gehabt, die Songs geschrieben und aufgenommen. Das war total schön. Lemmy hat ja auch diesen supergeilen, dunklen, englischen Humor. In dieser Zeit ist Lemmy mir dann auch total ans Herz gewachsen. Lemmy ist einfach Lemmy und ich freu mich immer total, ihn zu treffen.


Lemmy wird von vielen, die ihn näher kennen, immer als sympathisch-zynischer Knuddelbär beschrieben. Das klingt ja schon beinahe danach...

Ja, doch, schon irgendwie. Er hat wirklich den besten dunklen Humor, den du dir vorstellen kannst, ist aber auch total intelligent und sagt immer Dinge, nach denen du irgendwie eine ganz tiefe Weisheit in ihm erkennen kannst und einfach nur denkst: „Öhm... wow!“ Er ist natürlich auch Rock 'n Roller durch und durch. Mit Whisky im Glas und einem Zigarettchen ist er glücklich. Wenn man sich dann ein bisschen unterhält, stellt man schnell fest, dass Lemmy einfach der Beste ist. Lemmy is the best, muss man so sagen. Total liebenswert.


[Anm. d. Verf.: Zu jenem Zeitpunkt blicke ich auf die Uhr und sehe, dass wir bereits 35 Minuten gequasselt hatten, was mich zu folgender Frage bewog]
Du, sag mal, wie viel Zeit haben wir eigentlich? Interviews mit DORO... da bin ich ja wohl nicht der Einzige.

[Lacht] au weia, da sagst du was. Ich habe noch etliche Gesprächstermine, aber das macht voll Spaß. Ich muss natürlich gucken, dass niemand schimpft, aber ich sag' jetzt einfach mal, dass wir ruhig noch zehn Minuten quasseln können, geht schon in Ordnung, denk ich. Wir beide sind ja auch verspätet ins Gespräch gegangen, da verschiebt sich das sowieso immer. Ach was... wir machen einfach weiter...


OK, denn es wäre traurig, wenn wir unsere Leser nicht einbeziehen könnten. Wir haben im Vorfeld eine „Deine Fragen an DORO“-Aktion gestartet und ich habe einige Fragen unserer Leser für dich vorbereitet.

Och, das ist aber süß. Sehr gern, schieß los!


Als Erstes möchte unter anderem Anja Prell aus Hannover wissen, ob man dein Bühnenoutfit irgendwo kaufen kann oder wo man diese Sachen bekommen kann? Nähst du selbst, lässt du nähen oder kaufst du speziell irgendwo ein?

Boah, jetzt muss ich wirklich mal sagen, wie froh ich über diese Frage bin. Dass das endlich mal jemand fragt, ist jetzt echt total toll. Das alles wird nämlich designt und hergestellt von einer ganz, ganz tollen Frau, die mittlerweile eine richtig gute Freundin geworden ist. Bei der bin ich lustigerweise schon morgen wieder. Ute Mazocha heißt sie und sie kommt aus Düsseldorf. Ute habe ich 1995 kennengelernt und seit dem sind wir ein total tolles Team. Sie hat die ganzen Klamotten gemacht und wir arbeiten daran immer zusammen. Dabei unterhalten wir uns immer ganz viel und ich gebe dann meinen Senf dazu. Meistens habe ich ihre Sachen an, es gibt aber auch noch ein paar andere Designer, wie zum Beispiel die Resi aus Holland. Die macht mir manchmal ein paar Dinge, aber ich mag auch den Laden Trash & Vaudeville in New York. Der Laden ist am St. Marks Place in New York City. Wenn mal jemand einen Trip in die Stadt unternimmt, dann schaut auf jeden Fall mal dort vorbei. Das liegt in so einer Art Punk-Gegend und der Laden ist wirklich toll. Ich lasse dann auch immer gleich etwas umgestalten, wenn ich hier oder dort noch ein paar Nieten mehr brauche. Das ist dann kein Problem und immer sehr schön. Aber den größten Teil macht halt immer die Ute Mazocha, die das alles supertoll macht und dafür absolut ein Lob verdient hat. In Nacht- und Nebelaktionen legt sie sich immer wieder voll ins Zeug und oft läuft das dann wirklich so, dass ich von einer Tour nach Hause komme, sie direkt anrufe und dann geht’s nur: „Ey Ute, ich brauch dat bis morgen, hau ma' rein!“ Das ist immer Hardcore. Morgen gehe ich wieder hin, damit ich für die Russland-Tour wieder bei ihr und bin dann bei Tourauftakt wieder frisch und edel von Ute eingekleidet.
Ja, echt tolle Frage! Es ist ja immer so schade, dass all die Leute im Hintergrund, die so tolle Arbeit machen, nie so oft erwähnt werden, deswegen freue ich mich, dass hier mal jemand nachgefragt hat. Danke, danke! Es gibt da zum Beispiel auch den Maler, der meine ganzen Cover all die Jahre lang schon malt, das ist der Geoffrey Gillespie, der viel zu wenig erwähnt wird und immer einen hervorragenden Job macht. Es gibt etliche Leute im Team und auch er ist einer der Leute, deren Namen man mal aussprechen sollte.


Apropos Maler. Du bist selbst gelernte Grafikdesignerin, oder? Jedenfalls habe ich das gelesen. Hast du damit eigentlich noch irgendwas am Hut oder ist das der Bühnenpräsenz gewichen?

Ja, richtig, das habe ich gelernt. Ich mache immer noch bei allen Sachen mit. Ob Artworkgestaltung, Covergestaltung, Backdrop oder Schriftarten und Merchandising, da mische ich immer noch überall mit. Wir haben zwar unseren Grafikdesigner, das ist der Thomas Eberhard, der wohnt auch in Düsseldorf. Wir arbeiten da ganz toll im Team und ich habe schon oft gemerkt, dass es auf jeden Fall Vorteile hat, wenn man einen Beruf erlernt und dass es dann auch noch ausgerechnet dieser war, kam da schon oft positiv zur Geltung. Ich weiß ja auch noch, wie das ist, wenn man hart für sein Geld arbeiten muss und sich als Angestellte unterordnen muss. Das ist eigentlich gar nicht so schlecht, wenn man im Leben lernt, auch Dinge befolgen zu müssen und sich unterzuordnen. Aber heute bin ich immer noch mit meinen Fingern überall dabei und freue mich, wenn ich bei den Grafiken mitwirken kann. Die großen Sachen, also die Gemälde für die Cover etc., die macht halt immer der Geoffrey Gillespie. Wir verfeinern seine tollen Arbeiten dann immer noch, damit das alles tauglich als CD-Cover ist. Der Thomas Eberhard macht dann mit uns allen die Grafik im Team und heute wie gestern mache ich das sehr gern.
Ich designe übrigens auch manchmal Klamotten. Das mache ich für – ich weiß nicht, ob du das jetzt kennst – XtraX. Da haben wir eine eigene Kollection, die nennt sich Love Me In Black. Das machen wir mit einem ganz, ganz lieben Kerl, der Monaco heißt. Der hat diese XtraX-Läden und ich finde die alle total super. Kennst du das?


Du, meine Freundin sitzt gerade nebenan und wartet, die ist in der Bude Stammkundin.

[Lacht] na, dann hast du ja auch was davon, hehe. Ich finde die Klamotten von denen immer total schön. Wir machen jedenfalls einige Sachen zusammen und kürzlich ist die Love Me In Black Kollektion erschienen. Ich bin auch gerade wieder nebenbei dabei, mir neue Sachen auszudenken, die dann den Fans vielleicht gut gefallen könnten. Das passiert aber alles nicht im großen Stil, nicht, dass du denkst, ich bin jetzt hier die Top-Designerin oder so. Das ist halt im Kleinen und wir haben die Sachen dann auch immer bei unserem Tour-Merch dabei. Mit dem Monaco kann man dann aber auch immer einige schöne Dinge machen, die etwas spezieller sind. Meistens ist das dann auch alles für die Mädels, weil ich halt auch nun mal eins bin und da fällt mir das natürlich viel leichter, weil ich die Proportionen natürlich am eigenen Leibe ausmachen kann [lacht].


Joa, so'n Kerl im Leder-Bustier sieht auch ziemlich scheiße aus, oder?

[Lacht laut] da hast du verdammt Recht! Das würde ich mir wohl auch eher ungern anschauen, haha. Obwohl... das wär' doch auch mal der Renner!


Jetzt gibt’s eine sehr private Frage. Unsere Leserin Sabine aus Nürnberg würde gern wissen, ob du Single bist, ob du hetero- oder homosexuell bist und wie du das mit der Liebe so handhabst, weil es ja kein seltenes Thema in deinen Songs ist. Spricht DORO über Privates?

Also... öhm... eigentlich... ja, also eigentlich bin ich ja mit der Musik verheiratet. Eigentlich bin ich daher auch nicht mehr Single [lacht] und meine Familie sind wohl meine Fans. Aber im Ernst: ich bin nicht verheiratet, war es auch noch nie und Kinder habe ich auch keine. Ich bin zwar heterosexuell, aber... ja, wo die Liebe halt hinfällt... ich würde niemals ausschließen, dass man sich nicht auch in eine Frau verlieben könnte. Ich bin da sowieso sehr tolerant. Aber, wie gesagt, ich bin da eher hetero. Ich bin allerdings kein Mensch, der sich auf lange Zeit bindet und heiraten wollte ich auch eigentlich nie. Ich arbeite ja auch oft 24 Stunden am Tag und bin dauernd unterwegs. Ich habe dann halt manchmal auch eine Beziehung oder einen Freund. Es kommt dann aber auch immer drauf an, wie es klappt. Als Musiker ist das mehr ein Zigeunerleben, deswegen verstehe ich mich wahrscheinlich am besten mit Zirkusleuten, von denen ich auch sehr viele Freunde habe. Das fahrende Volk! Zu denen fühle ich mich eher verbunden. Ich bin niemand, der eine Beziehung so richtig leben könnte, habe aber hin und wieder einen Freund.


Wahrscheinlich heißt es unter anderem deswegen auch Metalzirkus...

Ja, absolut, das trifft es ziemlich gut. Das ist nämlich nicht nur bei mir so, sondern auch bei meinen Jungs in der Band. Das ist für die Jungs auch schwer mit einer festen Beziehung oder Hochzeit. Wenn man professioneller Musiker ist, dann muss man sich oft entscheiden und die jahrelangen, funktionierenden Beziehungen sind dann da eher selten. Stell dir vor, du würdest deiner Freundin mehrmals im Jahr sagen: „Du Schatz, ich pack jetzt meine Sachen, ich bin dann mal wieder acht Wochen auf Tour, mach's gut.“ [lacht] Dann ist aber zappenduster, das kann ich dir sagen [lacht].


So, eine Frage habe ich noch. Ich konnte sie leider nicht prüfen, weil die Frage zehn Minuten vor unserem Interview nachgereicht wurde. Andreas Worscheidt aus Gelsenkirchen möchte wissen, ob das von Gene Simmons [KISS] produzierte Album dich damals weitergebracht hat, ob es ein Karriereschub war, ob es aus kommerziellem Sinne entstanden ist oder einfach zufällig?

Ich war und bin ja immer noch totaler KISS Fan. Das war damals für mich dieses typische „a dream came true“. Ich habe diese Band immer vergöttert und das ist insgesamt eine absolut tolle Geschichte. KISS habe ich das erste Mal gesehen und kennengelernt bei den Monsters Of Rock Festivals in Deutschland und der Promoter wusste, dass ich totaler KISS Fan bin und fragte mich, ob ich nicht Bock hätte, die Band auf der Bühne anzusagen. War natürlich eine Frage, ich bin sofort hingefahren und habe KISS eben angesagt. Da habe ich Gene das erste Mal kurz gesehen und eben auch kurz hallo gesagt. Das war glaube ich 1989. Dann dachte ich irgendwann, dass wir unbedingt mal was zusammen machen sollten. Ich habe hin und her überlegt, ob man einen Song gemeinsam macht oder ich vielleicht einen KISS Song covern sollte. Ich habe dann zufällig erfahren, dass Gene einen Tag nach meinem Vater Geburtstag hat. Mein damaliger Manager war Alex Grob, mit dem ich 17 Jahre gearbeitet habe. Der ist eigentlich Schweizer, aber auch halber Amerikaner. Den fragte ich, ob er für mich eine Adresse von Gene herausfinden könne, weil ich ihm unbedingt eine Geburtstagskarte schicken wollte. Alex fragte mich natürlich, ob ich nicht alle Latten am Zaun hätte und ob ich wirklich erwarten würde, dass Gene Simmons meine Geburtstagskarte lesen würde. Ich habe aber daran festgehalten und ihn gebeten, mir zu helfen. Die Nacht darauf konnte ich gar nicht schlafen, habe in Gedanken im Bett gelegen und mir überlegt, ob nicht musikalisch mit mir und Gene irgendetwas laufen könnte. Ich habe Alex dann wieder angerufen und ihn gebeten, dass er mal prüfen soll, ob da nicht was gehen könnte. Alex meinte, dass Gene sowieso keine Zeit haben würde und niemand weiß, wo er sich gerade aufhält. Damals gab es ja auch kein Internet etc. Er sagte dann auch: „Du glaubst doch nicht, dass der Zeit für so einen Quark hat?!“
Ich habe das Ganze dann irgendwann realistisch gesehen und es als Traum eines KISS Fans abgetan. Irgendwann war der Gedanke dann auch der realistischen Einstellung von Alex gewichen. Die Monate gingen so ins Land und irgendwann rief Alex mich an. Das war morgens um ca. 11:00 Uhr. Für mich war das wirklich ganz früh, weil ich meistens noch bis 5:00 oder 6:00 Uhr morgens arbeite. 11:00 Uhr war also für mich noch früher Morgen. Jedenfalls meinte Alex, ich solle mich ganz schnell anziehen und ihn auf der 57. Straße in einem Hotel in New York treffen. Das Hotel war mir noch sehr bekannt, weil das das Erste Hotel war, in dem ich in New York eincheckte, als ich zum ersten Mal dort war. Zwei Tage habe ich damals übrigens gebraucht, um festzustellen, dass ich sowieso in New York leben will. Das ist ein ziemlich nettes Hotel und erst einmal freute ich mich, dass wir uns dort treffen, musste aber dann doch noch mal nachfragen, was denn überhaupt los sei. Alex sagte mir natürlich, dass es eine Überraschung sein soll, also ging ich davon aus, dass sicherlich jemand aus Deutschland mich besucht, Freunde, Familie, Bekannte, irgendwer eben. Ich bin hingefahren, wir haben uns vor dem Hotel getroffen und habe Alex dann so lange gelöchert, bis er mir endlich sagte, dass ich Gene Simmons gleich treffen würde. Ich bin dann total ausgerastet und meinte: „WAS? Bist du wahnsinnig? Ich bin doch nicht mal gescheit angezogen, sieh mich doch mal an! Wie soll ich das denn machen? Mein Gott, Gene Simmons! Ich werd' bekloppt!“
Ich bin dann dreimal mit Alex um den Block gelaufen und musste mich erst mal fangen, bis ich halbwegs wieder normal im Kopf war und dann sind wir reingegangen. Gene saß in der Lobby und wir haben und direkt unterhalten. Ich habe ihm dann natürlich von meinem Traum erzählt, mit ihm mal was zu machen, vielleicht einen gemeinsamen Song oder so. Gene meinte dann, dass man es ja mal versuchen könnte. Er sagte: „Wenn's nichts wird, hatten wir vielleicht 'ne schöne Zeit, kriegen wir schon hin.“ Wir sind dann irgendwann zu ihm, er hat da ja auch ein ultragroßes Studio, wo wir uns ein paar Demos angehört haben. Unter anderem auch „Unholy Love“, das damals übrigens noch anders hieß. Den hatte er auf dem Demo eingesungen und ich wusste direkt, dass das total geil werden würde. Wir haben uns dann supergut verstanden und haben dann einfach ein ganzes Album zusammen aufgenommen. Der damalige Co-Producer hat dann auch die meisten Gitarrenspuren eingespielt und irgendwie dachte ich, dass ich als KISS Fan im Himmel wäre. Gene ist definitiv einer der nettesten, intelligentesten und tollsten Menschen, die ich je getroffen habe. Gene war ja auch mal Lehrer und hatte es daher total drauf, jemandem richtig gut etwas beibringen zu können, das war wirklich ein Traum. Unglaublich und einmalig. Das ganze Jahr war für mich unvergesslich und Gene hat sich so verdammt bemüht. Ich erinnere mich noch an einen Song, der gefiel mir irgendwie nicht so ganz. Ich wusste, dass er auch Gene sehr am Herzen liegt. Der Song hieß „Mirage“ und irgendwie wurde ich damit nicht so richtig warm. Gene hatte den Song geschrieben, aber der Mix hat ihn irgendwie zerstört. Beim Mixing ist das ja oft so, dass Manches total geil wird und andere Sachen auf einmal vollkommen untergehen. Ich habe Gene dann mitgeteilt, dass ich das irgendwie nicht so toll finde und dass mich irgendetwas stört. Mir gefiel halt der Rough-Mix viel besser. Gene sagte sofort, ich solle mir keine Gedanken machen, ins Hotel fahren und mich entspannen, er wird das Kind schon schaukeln und melde sich dann. Ich habe dann total aufgeregt gewartet. Es wurde acht, neun und zehn Uhr... nichts. Dann wurde es elf, zwölf, eins und zwei Uhr... immer noch nichts. Irgendwann bin ich dann vor Übermüdung eingeschlafen und um neun Uhr rief die Rezeptionistin an, die mich mit den Worten „Hier hat gerade ein großer, gut gekleideter Mann etwas für Sie abgegeben“ weckte und ich bin natürlich gleich runter und habe das DAT geholt, worauf wir damals alles mischten. Ich habe es sofort in den Player gelegt. Hach, der Mix war so großartig, der Hammer! Gene hatte wirklich bis neun Uhr morgens an dem Ding rumgebastelt und was dabei heraus kam, war der absolute Wahnsinn. Er hat sich die ganze Zeit total eingesetzt und engagiert... war einfach großartig.


Wir sind wirklich am Ende angelangt und ich darf dir jetzt für diese vielen Worte und Anekdoten herzlich danken. Es war mir eine Ehre, die letzten Worte sollen dir gehören.

Vielen Dank, hat mich auch sehr gefreut, Patrick! Ich will an dieser Stelle all meinen Die-Hard-Fans danken für all die Jahre des tollen Supports und ich verspreche euch allen, immer das Beste zu geben! Ich hoffe, dass wir uns bei der nächsten Tour alle wiedersehen. Ich wünsche euch allen nur das Beste und... keep Metal alive!

Border

Autor: Patrick Franken [Border] | 14.11.2010 | 23:37 Uhr

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