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Band: Metalnews nach 'The 11th Hour' durchsuchen The 11th Hour
Interviewpartner: Ed Warby

Gut zwei Jahre nach „Burden Of Grief“ legen die niederländischen Doomster THE 11TH HOUR mit „Lacrima Mortis“ ihr zweites Album vor. Multiinstrumentalist und Workaholic Ed Warby [u.a. auch HAIL OF BULLETS, DEMIURG] meldet sich im Interview zum aktuellen Stand bei THE 11TH HOUR zu Wort.




Grüß Dich, Ed! Wie zufrieden bist Du rückblickend mit dem Debüt, „Burden Of Grief“? Gibt es vielleicht Dinge, die Du ändern würdest?

Es gibt immer etwas, was ich anders machen würde, wenn ich dann mit dem Album fertig bin. Ich habe Schwierigkeiten damit, loszulassen, wenn ich an einem Projekt für acht oder neun Monate gearbeitet habe und ich wortwörtlich bis zur letzten Minute an allem getüftelt habe. Das sind meistens kleinere Details und Sachen, die niemand außer ich selbst überhaupt hören wird, aber während der letzten Wochen und Tage des Abmischens kann das in solch einem Grad bedeutsam für mich werden, sodass ich nicht mehr richtig schlafen kann, bis alles in Ordnung gebracht ist. Insgesamt bin ich aber sehr zufrieden; ich bin der Meinung, dass die neue CD in jeglicher Hinsicht ein deutlich stärkeres Album ist als „Burden Of Grief“, das ich immer noch mag; von den Songs über die spielerische Leistung bis hin zum Mix.


Und wie lange hast Du dann an „Lacrima Mortis“ gearbeitet? Inwiefern hat sich die Herangehensweise eventuell geändert?

Die eigentlichen Aufnahmen begannen im Februar, und wir haben das Master dann Ende Oktober abgeliefert – das wären dann ganze acht Monate. Ich begann schon mit den neuen Songs, als „Burden Of Grief“ vor zwei Jahren herauskam, und habe Riffs und Ideen gesammelt sowie Texte zusammengestellt, aber es gab zwischendrin lange Phasen, in denen ich mich mit ganz anderen Dingen beschäftigt habe. Da ich mit dem Schreiben eigentlich gar nicht wirklich aufgehört habe, gibt es für mich keine erkennbare Änderung bezüglich Herangehensweise oder Stil. Ich habe den Eindruck, dass ich mich im Doom-Genre wohler fühle und mehr dazu bereit bin, risikofreudiger bei den Arrangements vorzugehen. Es gibt mehr Melodien, mehr Dynamik zwischen hell und dunkel, die Arrangements sind vielschichtiger – und insgesamt würde ich sagen, dass es ein bisschen mehr von „mir“ ist.


Ist „Lacrima Mortis“ eine logische Fortsetzung des Konzepts und der Geschichte des Vorgängers? Wo setzt es an, oder geht es diesmal um ein gänzlich anderes Thema?

„Lacrima Mortis“ ist kein Konzeptalbum im Sinne der Geschichte; es ist nur eine Ansammlung von Gedanken zum Tod, Verlust, Trauern und ähnlichen Dingen. Die Inspiration hierfür kam durch die gleiche Quelle wie bei „Burden Of Grief“, nämlich der Tod meiner Eltern und wie dies mein eigenes Leben beeinflusst hat. Ich nehme also reale Emotionen und Erinnerungen und verwebe sie zu einer fiktionalen Geschichte; die Basis ist also sehr real.




Da Du die gesamte Musik selbst geschrieben, aufgenommen und produziert hast, stellt sich wohl auch die Frage, bis zu welchem Grad Perfektionismus ein Segen bzw. ein Fluch für einen Musiker ist? Wie schwierig ist es, bei der eigenen Musik objektiv zu bleiben?

Es ist beides. Ich bin der ausgesprochenste Perfektionist, den man sich vorstellen kann, und manchmal wünsche ich mir, dass ich alles etwas lockerer nehmen könnte, aber ich verwende unglaublich viel Zeit auf Details, habe massive Panikattacken, während denen ich denke, dass ich auf ganzer Linie versagen werde [zum Glück gehören aber auch Momente der Euphorie dazu, denn sonst würde ich nie etwas fertig stellen], und über acht Monate hinweg fühlt es sich an, als ob ich unter meiner ganz persönlichen Gewitterwolke leben würde. Ich bin dann froh, wenn mir diese Last endlich von den Schultern genommen wird, klare Sache. Und Objektivität ist natürlich nicht möglich. Ich werde nicht in der Lage sein, das Album für eine Weile objektiv betrachten zu können, was wiederum die Phase, in der man auf die ersten Rezensionen wartet, ziemlich nervenaufreibend macht, da jegliche Art von Kritik sich so anfühlt, als sei sie direkt gegen mich gerichtet. Ich bin sehr dankbar, Ronnie Björnström für den Mix an Bord gehabt zu haben, da er ein wenig für das nötige Gleichgewicht sorgte, nachdem ich eine derart lange Zeit ganz allein an den Aufnahmen getüftelt hatte. Sich in dieser Phase dann auf „frische Ohren“ verlassen zu können, ist auf alle Fälle ein Segen, und er hat wunderbare Arbeit geleistet.


Rogga [DEMIURG, PAGANIZER etc.] konnte ja aus gesundheitlichen Gründen keinen Gesang beisteuern. Wie geht es ihm? Pim von OFFICIUM TRISTE, der für die Growls bei Konzerten zuständig ist, war da sicher die naheliegende Wahl?

Rogga geht es gut. Er konnte einfach nicht das Maß an Qualität liefern, das ich von ihm gewohnt bin, da er zu dem Zeitpunkt krank war. Pim war die offensichtliche Wahl, da er schon seit zwei Jahren mit der Band live auftritt, und sein Gesang hat mich wirklich umgehauen. Ich liebe die Growls von Rogga, aber die Stimme von Pim hat eine erhabenere Qualität und ist als solche für Doom besser geeignet, wie ich finde. Letzten Endes hat dann alles perfekt gepasst.


Ursprünglich als Studioprojekt begonnen, habt Ihr inzwischen einige Konzerte gespielt, und da inzwischen Dein ehemaliger GOREFEST-Kollege Frank ebenfalls mit dabei ist, hat das schon fast ein bisschen was IRON MAIDEN, oder? ;-)

Es war aufgrund der vielen Gitarrenebenen von Anfang an der Plan, drei Gitarristen zu haben. Der Unterschied besteht allerdings darin, dass man bei uns auch tatsächlich alle drei Gitarren hören kann. ;-) Am Anfang waren es Bram Bijlhout, Petra Guijt und ich für die ersten paar Konzerte, und dann kam Frank dazu, der Petra ersetzte. Ich habe schon gesehen, wie die Leute total geplättet waren, wenn wir das erste Riff spielten, also denke ich mal, dass wir eine schöne „Wall of Doom“ gezimmert haben. Es ist schön, in der Lage zu sein, ein Twin-Solo mit Frank zu spielen, während wir immer noch eine fette Rhythmusgitarre am Start haben.


Dabei kam mir zu Ohren, dass der Auftritt auf dem Doom Shall Rise Festival ziemlich eindrücklich gewesen sein soll. Was verbindest Du damit? Wird es eigentlich eine „richtige“ Tour geben?

Das Doom Shall Rise war eine große Sache für mich. Ich wusste, dass ich eine ganze Halle voller Leute überzeugen musste, die aufgrund meines Death-Metal-Hintergrunds mehr als skeptisch waren. Wir haben gut gespielt, hatten einen massiven Sound [den eigenen Mischer mitzubringen, ist eine lohnenswerte Investition], und ich wollte meinen Augen nicht trauen, als ich ein paar Leute in der ersten Reihe weinen sah. Das war wirklich beeindruckend. Ich habe später eine Rezension gelesen, in der stand, dass unsere Show so heavy war, dass sich das angefühlt hätte, als würde man eine unfreiwillige Fußmassage erhalten. Wir haben inzwischen knapp zehn Konzerte gespielt, und jedes davon war irgendwie eindrücklich. Wenn ich aber noch eins davon herausgreifen müsste, dann wäre dies das Hammer Of Doom, da dies unsere bislang größte Show war. Wir werden aber nicht auf Tour gehen, da das einfach zu teuer ist, aber wir werden dieses Jahr auf jeden Fall noch mehr Festivals spielen.


Was geschieht momentan abseits von THE 11TH HOUR, beispielsweise bei HAIL OF BULLETS, DEMIURG etc.? Gibt es noch weitere Projekte?

Ich habe mir eine kleine Auszeit in Sachen Aufnahmen bis zum April gegeben, und dann werden wir mit der nächsten Scheibe von HAIL OF BULLETS anfangen, die aber erst noch geschrieben werden muss. Also werden wir uns die nötige Zeit nehmen. Ich habe von Rogga gehört, dass er zu dieser Zeit auch ein neues DEMIURG-Album machen möchte, also werde ich wohl wieder viel um die Ohren haben. Neue Projekte gibt es nicht; ich habe genug damit zu tun, alle momentan bestehenden Sachen unter einen Hut zu bekommen. Vielleicht werde ich aber im Jahr danach endlich mal das Power-Metal-Album auf die Reihe bekommen, von dem ich schon so lange träume...


Wie sieht die Zukunft von THE 11TH HOUR aus? Hast Du schon Pläne für das dritte Album und dessen musikalische sowie thematische Ausrichtung?

Nicht wirklich. Der einzige Plan, den ich habe, besteht darin, das als gesamte Band zu machen, da ich jetzt genug davon habe, das komplett alleine durchzuziehen. Ich habe einige Riffs und Ideen in meinem Kopf, aber wenn sie gut genug sind, dann werden sie mich bis April begleiten, und falls das nicht geschehen sollte, dann waren sie das auch nicht wert. Wer weiß, vielleicht werden die anderen sogar ein bisschen Doom beisteuern. Die musikalische Ausrichtung wird sich nicht ändern; ich bin mit unserem jetzigen Stil sehr zufrieden. Einige sagen, dass es Doom/Death ist, aber für mich ist das einfach klassischer, epischer Doom mit Growls.


Was sind Deine drei Lieblings-Doom-Bands aller Zeiten?

Ich muss da mal bei den Großen bleiben: CANDLEMASS, PARADISE LOST und TROUBLE. CANDLEMASS sind eine meiner Lieblingsbands aller Zeiten, eigentlich seit „Epicus...“ herauskam. TROUBLE sind ein bisschen von der Bildfläche verschwunden, aber die ersten beiden Alben [und auch die weniger doomigen Rubin-Scheiben] sind einfach umwerfend. Und was PARADISE LOST betrifft, so konnte ich kaum meinen Ohren trauen, als „Faith Divides Us – Death Unites Us“ erschien; das war etwas, was ich von ihnen nicht mehr erwartet hatte. Greg ist zudem einer meine favorisierten Sologitarristen. Oh, ehrenhalber sollten noch KRUX erwähnt werden. Sie live zu sehen, war einer der Gründe dafür, THE 11TH HOUR ins Leben zu rufen. Leif Edling ist ein Riff-Gott.


Was waren Deine fünf Lieblingsalben des Jahres 2011?

1. VALLENFYRE – „A Fragile King“
2. WHILE HEAVEN WEPT – „Fear Of Infinity“
3. AUTOPSY – „Macabre Eternal“
4. CROWBAR – „Sever The Wicked Hand“
5. ARCH/MATHEOS – „Sympathetic Resonance“

Non-Metal: JONATHAN WILSON – „Gentle Spirit“ [ein umwerfendes Album]


Ich danke Dir für das Interview und wünsche Dir alles Gute!

Vielen Dank! Ich hoffe, dass Ihr Euch die neue Scheibe anhört und/oder zu einem unserer Konzerte kommt!



soulsatzero

Autor: Alexander Eitner [soulsatzero] | 08.01.2012 | 11:46 Uhr
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