.: SUCHE
    Erweiterte Suche
Interviews mit Klabautamann
Reviews von Klabautamann
CD Review: Klabautamann - The Old Chamber

Klabautamann
The Old Chamber


Black Metal
5.5 von 7 Punkten
"Rückbesinnung ≠ Rückschritt"
CD Review: Klabautamann - Der Ort

Klabautamann
Der Ort


Black Metal, Progressive
5.5 von 7 Punkten
"[Hier zu] Irren ist unmöglich"
CD Review: Klabautamann - Merkur

Klabautamann
Merkur


Avantgarde, Black Metal
6 von 7 Punkten
"Tod der Nostalgie!"
Mehr aus den Genres
CD Review: Tombs - Fear Is The Weapon [Compilation]

Tombs
Fear Is The Weapon [Compilation]


Black Metal, Post Rock, Sludge
Keine Wertung
"Rückschau"
CD Review: Limbonic Art - Spectre Abysm

Limbonic Art
Spectre Abysm


Black Metal
4 von 7 Punkten
"Im Grunde nur für Nostalgiker"
CD Review: Marduk - La Grande Danse Macabre

Marduk
La Grande Danse Macabre


Black Metal
5 von 7 Punkten
"Hm, seltsam: ich kaufe mir ein Marduk-Album! :) Nein, ernsthaft, eigentlich bin ich kein ... [mehr]"
CD Review: Eibon la Furies - The Blood Of The Realm

Eibon la Furies
The Blood Of The Realm


Ambient, Avantgarde, Black Metal
6 von 7 Punkten
"Des Sherlock Holmes düsterster Fall."
CD Review: Before The Dawn - Soundscape Of Silence

Before The Dawn
Soundscape Of Silence


Dark Metal, Melodic Death Metal, Progressive
5.5 von 7 Punkten
"Ganz sicher nicht still!"
CD Review: Kadavar - Rough Times

Kadavar
Rough Times


Doom Rock, Hard Rock
6 von 7 Punkten
"Bleiben sich treu!"
CD Review: Arch Enemy - Will To Power

Arch Enemy
Will To Power


Melodic Death Metal
5 von 7 Punkten
"Alles wie immer: Alles gut."
CD Review: Revolution Saints - Light In The Dark

Revolution Saints
Light In The Dark


Hard Rock, Melodic Metal
4 von 7 Punkten
"Del Vecchios neue Platte"
CD Review: L.A. Guns - The Missing Peace

L.A. Guns
The Missing Peace


Sleaze Rock
5 von 7 Punkten
"Rückkehr des Ballermanns"
CD Review: Evil Invaders - Feed Me Violence

Evil Invaders
Feed Me Violence


Heavy Metal, Thrash Metal
6 von 7 Punkten
"Voll auf den Punkt"
Share:
Band: Klabautamann Homepage Metalnews nach 'Klabautamann' durchsuchen Klabautamann
Interviewpartner: Florian Toyka

"Der Ort" war und ist immer noch ein Album, von dem man einfach nicht genug bekommen kann: Gewitzt, spannend ohne Ende, kompakt und einfach nur klasse. Das neue Album "Merkur" ist so ziemlich das genaue Gegenteil davon, nur noch geiler. Warum dem so ist, durfte uns Florian Toyka, seines Zeichens Mitbestimmer des Schicksals von KLABAUTAMANN, näher erläutern.




Eure Zusammenarbeit als KLABAUTAMANN begann vor mehr als zehn Jahren, um den Black Metal durch den Kakao zu ziehen. Was hat sich in eurem Zusammenwirken abgespielt, dass ihr eure Meinung diesbezüglich geändert habt und mittlerweile nicht nur sehr respektable, aber vor allem glaubwürdige schwarzmetallische Musik spielt? Was hat euch ferner dazu bewogen, zwischen der "Spaß"- und der heutigen Ära keinen Strich mittels eines Namenwechsels zum Beispiel zu ziehen und wie seid ihr generell zu eurem Band-Namen gekommen? Wie wichtig war diese Frühphase für das Fortbestehen des Projektes, wie steht ihr zu ihr?

Also im Nachhinein ist das natürlich eine grobe Jugendsünde, sich so einen bekloppten Namen zu geben, und es stand mehr als einmal im Raum, sich davon zu lösen. Aber irgendwie hängen wir doch durch eine nostalgische Laune an dem Namen. Undenkbar, irgendwie anders zu heißen!
Die Entwicklung von der Parodie weg zur ernsthaften Band kam übrigens relativ schnell. Augenzwinkern gibt es ja auch jetzt noch, aber schon auf dem ersten Demo haben wir angefangen, musikalisch ernsthaft zu agieren. Wenn auch mit vielen blödsinnigen Texten. Die Musik haben wir aber irgendwie schon nach den ersten Songs recht ernst genommen, ich habe jedenfalls nie irgendwas komponiert, was sich besonders bescheuert nach „albernem Black Metal“ anhören sollte, das kam schon alles von Herzen. Ich stehe da auch absolut dazu. Es war eine schöne Zeit, in der man viel lernen und ausprobieren konnte, schnell Fortschritte gemacht hat und sich auch über kleine neue Erfolge sehr freuen konnte. War sehr wichtig!


Im Laufe der Jahre hat sich eine Mehrzahl an fantastischen anderen Gruppen wie VALBORG oder ISLAND um KLABAUTAMANN mit eurer Mitwirkung versammelt, welche alle unter dem Dach eures Labels Zeitgeister Distribution vereint sind. Das neue Album "Merkur" erschien ebenfalls in Eigenregie. Abgesehen von den offensichtlich praktischen Gründen wie komplette Kontrolle über sein Schaffen, reduzierter Verwaltungsaufwand und dergleichen: Welchen Hintergrund hatte das Führen einer eigenen Plattenfirma, wie reagierten bislang Kollegen auf eure Arbeit? Wie sehr verbesserte sich bislang die Aufnahme beziehungsweise die "Awareness" über euer Schaffen, seitdem ihr alle Fäden in der Hand habt?

Also der Grundgedanke von Christian und mir war einfach, alle Bands über einen Shop anzubieten, damit sich diese gegenseitig promoten, damit Leute die nur eine unserer Bands kennen auf den anderen Kram aufmerksam werden (und der von dir genannte reduzierte Verwaltungsaufwand). Das funktioniert sehr gut! Die Entscheidung, auch komplette Releases zu finanzieren, kam dann mit „Merkur“ eher zufällig, da ein ursprünglich geplanter Deal mit einer anderen Firma nicht zustande kommen konnte. Ich wollte so was schon immer mal machen – wozu auch den Löwenanteil der Einnahmen an irgendjemand Anderen abgeben? Tim war auch dafür, und jetzt hoffen wir einfach mal dass die Klabautamann-CD gut läuft (heutzutage weiß man ja nie), dann sehen wir weiter. Die Reaktionen auf das Zeitgeister-Kartell sind bislang alle gut. Würde mich über so was auch freuen, wenn ich eine neue Band entdecke, die mich begeistert und dann bekomme ich auf einen Schlag alle anderen Projekte serviert, in denen die Musiker ebenfalls tätig sind...




Einige Truppen nutzen heutzutage MySpace-Freundschaften, um CDs anzukündigen, andere veranstalten ungewöhnliche bis lästige PR-Aktionen hierfür. Warum steht ihr auf klassische Promotion? Wenn Zeit, Geld und Muße auf eurer Seite wären, womit müssten wir bei Zeitgeister Distribution rechnen?

Das liegt wohl hauptsächlich an unserem/meinem Alter! Als wir die ersten Demos und unser Debut promotet haben, war das ja alles erst im Kommen, da musste man ganz klassisch CDs verschicken. Klar, wir nutzen auch MySpace und YouTube (wir wären ja blöde, wenn nicht), aber das Internet ist eben nur eines der Tools, die einem Label zur Verfügung stehen. Ich sehe das eben auch aus der Sicht des Redakteurs: das sind ja oftmals einfach selber Musik-Freaks, die das alles umsonst machen, da ist es ja wohl das mindeste, wenigstens die Original-CD für deren Sammlung zu verschicken. Für einen mp3-download oder sonst wie verstümmelte Demos/Promos würde ich als Schreiberling keinen Finger krumm machen.
Wenn speziell Geld keine Rolle spielen würde, könnte man bei uns vermutlich mit mehr Aktionen wie unserem Zeitgeister-Sampler rechnen: eine professionell gepresste CD, randvoll mit Tracks unserer Bands (teilweise noch unveröffentlichtes Material), die es umsonst zu jeder Bestellung, auf Konzerten und über befreundete Bands/Mailorder gibt. Wir fragen uns halt, was uns als Musik-Fans ansprechen würde. Flyer schmeiße ich meistens weg – aber wenn mir jemand so eine CD in die Hand drückt, die würde ich mir wenigstens einmal anhören. Vielleicht sind wir da altmodisch, aber ich hoffe, in Zeiten von MySpace und diesem ganzen mp3-Schrott mit solchen liebevollen Aktionen punkten zu können. Wenn nicht, haben wir es wenigstens versucht.


Gut, nun zurück zu KLABAUTAMANN selbst: Das Debüt "Our Journey Through The Woods" erschien zunächst auf eigene Faust, später bei den Übersee-Mannen von Vendlus Records, von denen ihr gerüchteweise nicht gerade die beste Meinung mehr habt. Erzähle uns vielleicht vom Entstehungsprozess hierzu und wie ihr gemerkt habt, dass dies ein einschneidender Wendepunkt im Wesen eures Projektes ist. Soweit ich das in Erfahrung bringen konnte, habt ihr sowohl damals als auch letztes Jahr vorüberwiegend positive Reaktionen erhalten...

Ja, das Debut kam sehr gut an, obwohl wir den komischen Namen behalten hatten (s.o.) und sogar noch – ganz furchtbar! – Illustrationen zu schwedischen Trollgeschichten im Artwork verwendet haben. Ich weiß noch, wie uns damals ein größerer Vertrieb nicht haben wollte, weil ja keiner sich eine CD kaufen würde, die wie ein Kinderbuch aussieht... da hat sich jemand gründlich getäuscht!
Ich habe damals eine Menge „klassischer“ Promotion gemacht und wir waren auf jedem noch so kleinen Sampler drauf, das war alles sehr teuer, aber hat glaube ich auch viel gebracht. Die ganzen positiven Reaktionen waren damals sicher ein Ansporn. Zu dem aktuellen Ärger mit Vendlus will ich jetzt nicht so viel sagen, das hat sich auch erst so allmählich entwickelt. Ist halt ein Ärgernis, wir haben noch nicht mal alle Freiexemplare, und die CD ist über ein Jahr draußen. Und so weiter...


Ich habe euch mit "Der Ort" entdeckt, welches auch knapp vier Jahre nach Veröffentlichung dank seines kompakt konzentrierten Charakters nichts von seinem außergewöhnlichen Charme verloren hat. Besonders beeindruckend sind nach wie vor die vielen kleinen technischen Spielereien und Riff-Turboschübe, welche sich nahtlos ins Gesamtbild einfügen. Vor Experimenten wie zum Beispiel dem sehr stimmigen Frauengesang in "October" habt ihr ebenso wenig zurückgeschreckt wie vor ausgezeichneten Synthesizer-Einwürfen sowie -Untermalungen. Euer extensiver Gebrauch von Akustik wie Semi-Akustik funktioniert sogar noch besser, weil diese Passagen geschmeidiger als auch atmosphärischer mit den harschen Hauptteilen harmonieren. Obwohl diese Scheibe von der Stimmung her ähnelt, wirkt sie um einiges weniger "naturromantisch" als der unmittelbare Vorgänger. Woran liegt das? Würdest du angesichts der doch schwer auf wäldlich natürliche Themen beschränkte textliche Rahmen von einem Konzeptalbum reden oder siehst du "Der Ort" eher als eine Art Sammlung neuer Songs? Was macht für dich persönlich den Reiz eurer zweiten Platte aus, was konntet ihr von den Aufnahmen an Lektionen lernen und für "Merkur" dementsprechend richtig umsetzen?

Also unsere ersten beiden CDs sind zu einer Zeit entstanden, als die ganze Wald- und Naturthematik in unserem Leben eine viel größere Rolle gespielt hat. Da haben die Proben nicht selten damit geendet (oder begonnen), dass wir doch lieber in den Wald gegangen sind, anstatt zu musizieren, das hat damals eine große Rolle gespielt. Mittlerweile wohnen wir halt in der Stadt und haben kaum noch Zeit für irgendwas. Außerdem beschäftigen uns jetzt natürlich auch ganz andere Sachen als noch vor ein paar Jahren. Das schlägt sich dann in der Musik nieder. Wenn ich einmal im Monat mit Mühe und Not in die Natur komme, mich aber jeden Tag mit Dingen wie Arbeit, Studium, Beziehung, Label, mir selbst usw. beschäftige, kommt da was anderes bei raus, als wenn ich – wie damals – ganz unbeschwert meine Zeit ausschließlich mit Musik, Natur und Freunden verbringe. Darum war es ein ganz selbstverständlicher, natürlicher Prozess, dass wir von diesem Waldkonzept in Musik und Gestaltung etwas Abstand gewonnen haben. Es sind halt andere Sachen dazu gekommen, das kann man eigentlich nur positiv sehen. Die Zeit steht ja nicht still – wir entwickeln und verändern uns menschlich wie musikalisch. Ich vermute und hoffe einfach mal, dass das auch für unsere Fans gilt!

Mit dem schlicht nach eurem Band-Banner benannten Siebenzöller habt ihr zwei neue Songs inklusive CDR mit demselben Material in die Menge gefeuert. War diese EP von Anfang an als solche geplant, hattet ihr vom letzten Werk noch Stücke übrig, welche ihr unbedingt veröffentlichen wolltet oder stehen andere Gründe für diese ausgesprochen schöne Scheibe?

Nein, die Songs waren nicht übrig, das waren einfach zwei Songs die wir direkt nach „Der Ort“ komponiert haben, bevor aus verschiedenen Gründen eine längere kreative Pause folgen musste. Unser damaliges Label Heavy Horses Records (wo auch die „Merkur“-LP erscheinen wird) ist ein großer Picture-Vinyl-Fan, daher hat das sehr gut gepasst. Das Label hatte Interesse und wir die Songs, perfekt! War auch genau das Richtige damals, nicht direkt ein weiteres Album zu produzieren sondern schön gemütlich zwei Songs. Und für Fans ist das glaube ich ein richtiges, kleines Juwel geworden.

So, nun zum brandneuen Abend[aus]füller: Warum fiel die Wahl für den Titel des neuen Albums auf "Merkur"? Fasst das Stück dessen Essenz am besten zusammen, ist es eurer Meinung nach das eindeutige Highlight in welcher Hinsicht auch immer oder gab es andere Gründe?

Ja, für mich ist das Lied ein absolutes Highlight. Hat für mich mit die stärksten Parts, sehr viele extreme Elemente, viel Ungewöhnliches und ist dennoch sehr klabautamännisch und stimmig. Und wir sind da relativ pragmatisch veranlagt: alle Lieder waren fertig und betitelt und unser Illustrator brauchte einen Album-Titel um das Artwork zu gestalten. „Merkur“ war da einfach genau das richtige. Außerdem ist Weltraum irgendwie total METAL! :-)




Das, was mir an "Merkur" wahnsinnig gut gefällt: Die moderne, zugleich aber verdammt organische Produktion. Während ihr letztes Mal ziemlich höhenlastig durch die Botanik gerast seid, gibt es heute einen wunderbar großen Bass-Untergrund, welcher zusammen mit der nach allen Seiten ausströmenden Dynamik des Gitarren-Feuerwerkes das Material fast schon perfekt abrundet. Doch wie seht ihr das? Klingt "Merkur" ziemlich nah nach dem, was ihr unter "perfektem Sound" versteht? Was war das Erfreulichste und/oder Mühsamste an der Abmischung eures dritten Full-Length-Schatzes?

Mit dem Sound sind wir auch SEHR zufrieden. Tim hat einen super Job gemacht und Tom von Strype Audio hat mit dem Mastering noch das Sahnehäubchen oben drauf gesetzt. Ich glaube so dicht an der ursprünglichen Idealvorstellung waren wir noch nie. Dynamik und Wärme/Natürlichkeit war dabei tatsächlich sehr wichtig. Viele moderne Bands benutzen getriggertes und quantisiertes Schlagzeug und komprimieren dann am Ende noch alles total kaputt, richtig abartig. Aber das ist eben heutzutage bei vielen Leuten die Hörgewohnheit, so muss ein „fettes“ Album klingen. Wir haben bewusst einen anderen Ansatz gewählt und ich denke man sieht (beziehungsweise hört), dass es so eben auch geht...


Wie sehr und vor allem inwieweit verbindet ihr eurer Meinung nach Moderne mit Nostalgie auf "Merkur"? Wie weit wollen sich die beiden Hauptmusiker hinter diesem Projekt als Black Metal verstanden wissen, wo stehen sie darüber? Es gibt und gab ja damals wie heute Bands, die sich vom Black Metal als bloße stilistische Beschreibung lossagen, weil ihnen das Drumherum - sprich die Anhänger, deren Einstellung, stellenweise sogar das inflationär "kvltige" Marketing einiger Plattenfirmen - gelinde gesagt auf den Keks geht, obwohl sie selber streng genommen genau diesen Stil zelebrieren. Welche Position vertretet ihr in diesem Punkt? In welchen Aspekten siehst du diese Band noch als Black Metal, wo wärt ihr froh, euch von dieser Bezeichnung lossagen zu können? Welchen Stellenwert haben für euch als erfahrene Musiker überhaupt noch so große Stil-Eingrenzungen à la "Trve Waldkacker BM" und dergleichen?

Keine. Das interessiert mich auch überhaupt nicht. Klar, wenn man jemandem KLABAUTAMANN beschreibt, kommt man wohl um den Begriff „Black Metal“ nicht rum, aber das ist dann auch schon alles. Wir sind nie wie eine „true“ Black Metal Band aufgetreten, wer uns kennt, weiß das ja auch. Wenn man etwas abseits der großen Stilrichtungen agiert. muss man sich da halt irgend eine Beschreibung zusammen fummeln, aber das Problem haben ja auch Bands wie OPETH oder ENSLAVED. Ich glaube, am ehesten spielen wir progressive Metal. Klar, unsere Band kommt aus einer Zeit, wo wir uns mit viel Mit Black Metal beschäftigt haben, aber wenn ich mir mein CD-Regal so anschaue, da sind nicht einmal 5% Black Metal drin... insofern interessiert mich auch nicht, was die „Szene“ so macht...


Was den Inhalt des neuen Albums betrifft, so war ich - gerade wegen aller Klasse beider Werke - doch sehr erstaunt darüber, dass ihr dem "Der Ort" mindestens ebenbürtig, mit der Zeit vielleicht sogar überholen konntet. Seid ihr also doch rationeller denkende und schreibende Komponisten, als ich bislang immer davon ausgegangen bin? Gibt es während des Songwritings eine klare Rollenverteilung oder findet ihr zusammen nach Ideen und verwertet beziehungsweise mustert diese aus?

Naja, ich will doch hoffen, dass wir immer ein kleines bisschen besser werden, das ist ja schon der Anspruch, wenn man länger Musik macht. Tim schreibt glaube ich etwas mehr mit theoretischem Hintergrund, er hat sich da viel mit beschäftigt. Ich auch mal, allerdings hab ich vieles vergessen und empfinde Theorie in der Musikkomposition manchmal eher als hinderlich. Jedenfalls schreiben wir jeweils zunächst alleine an ganzen Songs oder Parts, so dass der andere dann die zweite Gitarre ausarbeitet und gegebenenfalls noch gemeinsam am Arrangement rumgedoktort wird. Aufgrund des Line-Ups (kein fester Drummer) schreiben wir die Songs auf Gitarre komplett fertig und schauen dann, wie die Drums dazu passen. Nicht optimal, aber bislang ging das ganz gut.


Um einmal stärker auf eure zwischenmenschliche musikalische Beziehung näher einzugehen: Wie ist das bei Euch? Was brachte euch beide auf den Gedanken, zusammen die Welt mit überwältigender Musik zu überrennen? Was für Charaktere seid ihr, wie läuft eure Zusammenarbeit "normalerweise" ab?

Normalerweise zanken wir uns über irgendwelche Kleinigkeiten und verlieren dabei aus dem Auge, dass das alles nur ganz nebensächliche Details sind :-)
Naja, manchmal jedenfalls. Haben halt beide oft Vorstellungen, die in verschiedene Richtungen gehen, da gibt es ab und zu mal Konflikte. Und hinterher hat man den fertigen Song oder eben das Album und fragt sich, warum man es sich so schwer macht. Aber so ist das bei uns. Wir sind beide nicht gerade unkomplizierte Charaktere, das schlägt sich ab und zu in der Arbeit an der Musik nieder. Aber am Ende kommt dann was dabei raus, das wir so gut finden, dass sich der Stress immer gelohnt hat!
Anfangs wollten wir einfach Musik machen, und neben Punk ist Black Metal glaube ich so mit das einfachste, was man machen kann wenn der musikalischer Horizont sowie Spielfertigkeit noch eher am Anfang sind... Black Metal ist eine gute Musikrichtung um zu lernen. Da kann man mit primitivsten Powerchord-Folgen und Rumpel-Drumming anfangen und dann langsam neue Elemente einflechten, wenn man so weit ist.




Habt ihr bei "Merkur" als dessen Erschaffer überhaupt so etwas wie Lieblingsstücke? Wenn ich eine [fiktiv bleibende] Best-Of eures gesamten KLABAUTAMANN-Kataloges erstellen müsste, welche Nummern müssten unbedingt drauf, wenn es nach euch geht?

Puh... sicher haben wir Lieblingsstücke, die Unterscheiden sich aber je nach Tagesform und Laune. Ok, ich mach Dir mal ein 10-Lieder Best-Of Klabautamann wie ich es Anfang August 2009 sehe:

“Rabenmorgen” („Our Journey Through The Woods“)
“Spring Morning Sun” („Our Journey Through The Woods“)
“This Place” („Our Journey Through The Woods“)
„Der Ort“ („Der Ort“)
„Red Urn“ („Der Ort“)
„Negeder Mand“ („7inch“)
„Unter Bäumen“ („Merkur“)
“Stygian” („Merkur“)
“Merkur” („Merkur“)
“Morn Of Solace” („Merkur“)


Ich gehe mal davon aus, dass eure Songs live eine erst richtig einvernehmende Wirkung haben werden. Nun gibt es meines Wissens bisher keine bestätigten Daten, um den neuen Blockbuster gebührend zu feiern. Woran liegt das? Seid ihr überhaupt momentan für Bühnenvernichtungen verfügbar?

Leider nicht. Wir haben keinen Drummer der live spielen kann/will, darum sind wir im Moment nicht in der Lage aufzutreten. Wobei ich KLABAUTAMANN auch nie als Live-Band empfunden habe. Wir hatten zwar super Gigs mit tollem Feedback, aber irgendwie sind wir halt doch ein Zwei Mann-Projekt, das sich für Auftritte immer Personal zusammen suchen muss. Mir ist das darum gar nicht so wichtig.


Der obligatorische Blick in die Glaskugel bitte...

Ganz ehrlich: Keine Ahnung. Bislang sind bestimmt 70-80% der Sachen, die wir so geplant haben, doch anders gekommen. Darum mach ich erstmal gar keine Prognose. Vielleicht so viel: ich denke es gibt irgendwann ein neues Album, aber ich glaube auch, dass es wieder dauern wird. KLABAUTAMANN ist was für geduldige Fans!


Wir nähren uns langsam dem Ende, doch bevor es soweit kommt, bitte ich dich um ein etwas Werbung: Welche letzten Anschaffungen hast du angestellt, die du hier weiter empfehlen willst? Gibt es irgendwelche Bands, die dich in letzter Zeit beeindruckt haben, sei es live oder auf Platte? Irgendein Kommentar bezüglich des momentanen Reunion-Trends, der in der Metal-Welt noch immer sehr lebendig zu sein scheint?

Reuninons sind glaube ich selten zum Vorteil der Band. Hab aber auch nichts dagegen, soll jeder machen, wie er will, niemand wird dazu gezwungen, sich das dann zu kaufen. Mit der Frage bzgl. aktueller Anschaffungen kommst Du gerade richtig: bin kürzlich in San Francisco in einem Musikgeschäft gewesen, wo man neben dem Erwerb der neuen CD fast immer die Wahl hat sie gebraucht (trotzdem neuwertig) zu kaufen, für 5-7 Dollar. Herrlich! Besonders freuen tue ich mich im Moment an folgenden Alben:

GENESIS – “Nursery Cryme”
BLACK SABBATH – “The Dio Years”
DONALD FAGAN – “Kamakiriad”
DANZIG – “How The Gods Kill”
STEELY DAN – „Aja“

Nach wie vor mein Lieblingsalbum dieses Jahr: MAUDLIN OF THE WILL – „Part The Second“. Fanfinanziert und kostenlos zu bekommen auf www.maudlinofthewell.net. Unbedingt anhören!!!


Abschließende, allgemeine Frage: Internet - Fluch oder Segen für KLABAUTAMANN?

Beides. Das Internet ist in vielen Dingen sehr hilfreich, aber ich finde es wirklich traurig, dass ich am 1.7. Promos und Vorbestellungen verschicke und am 2.7. auf Rapidshare unser komplettes Album als Download finde. Früher oder später wird so was den kleineren Bands das Genick brechen. Danke an alle Leute, die noch den Haufen an Arbeit und finanziellem Aufwand zu schätzen wissen, der immer dahinter steckt und sich Musik kaufen die sie hören. Für Euch machen wir das!


Es war mir eine Ehre. Danke vielmals.

Danke auch für das Interview, hat Spaß gemacht Dir zu antworten. Alles Gute!

Micha

Autor: Michael Bambas [Micha] | 04.08.2009 | 13:10 Uhr

Kommentare
HOME |  IMPRESSUM |  RSS |  FACEBOOK |  TWITTER |  DISCLAIMER
@Metalnews_de folgen

METALNEWS.DE - Metal-Magazin