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METALNEWS.DE - INTERVIEW: Canopy - Fredrik, Jonatan
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Band: Metalnews nach 'Canopy' durchsuchen Canopy
Interviewpartner: Fredrik, Jonatan

Gute Musik findet über kurz oder lang immer seine Hörerschaft – eine [hier sprachlich etwas umgebaute, nichtsdestotrotz sinngemäß korrekt wiedergegebene] Weisheit aus einem finnischen Magazin hat weder an seinem Wahrheitsgehalt noch an seiner im Unterton doch recht dramatischen Botschaft an die vom Konsum von Mainstream-Scheiben infizierte Masse und schon gar nicht an Aktualität verloren. Doch lassen wir das Lamento; es gibt einen Grund für gute Laune und dauerrotierende Haarpracht: „Menhir“! Sechs Elternteile, die unter dem Namen CANOPY „firmieren“, wuchteten diesen bleischweren Wahnsinn aus dem Studio in die kleine verklärte Gemeinschaft des guten Geschmacks. Die beiden Geschäftsführer Fredrik und Jonatan währten METALNEWS.DE Einblick in die Praktiken ihres Unternehmens und lieferten treffende Antworten auf die Frage, warum sich die Zukunftsprognosen rosig lesen.



Hallo Fredrik und Jonatan, es ist mir eine Ehre! Euer Verein trägt einen sehr interessanten Namen. Erzählt uns doch bitte, warum man dessen Essenz auf einen englischen Begriff reduzieren kann, der wahlweise als Verdeck bei einem Boot oder für ein Vordach zur Verwendung kommt und wessen Idee es war, dieses Unternehmen CANOPY zu taufen.

Fredrik: Hi Micha. Die Ehre ist ganz auf unserer Seite! “Canopy” lässt sich als “Abdeckung, meist aus Stoff, auf Stangen abgestützt oder über einem Bett hängend; Thron; überschwängliche Persönlichkeit, oder sakrales Objekt.” übersetzen und kam in einem unserer ersten Lyrics zur Anwendung. Wir fanden, der Name passt zu der konzeptionellen Grundvorstellung dieser Band.

Jonatan: Peter kam mit dem Namen an uns heran. Er war Teil einer Textzeile, welche in der Frühphase unserer Combo verfasst wurde. Wir dachten diesbezüglich immer an ein Blätterdach und ich persönlich bin der Meinung, dass es unsere Musik – mit diesen “weiten” Arrangements und Strukturen – perfekt auf den Punkt bringt. Es fühlte sich zudem recht gut an, unter einem Ein-Wort-Banner zu firmieren.


Eure Bande besteht aus sechs Mitglieder, wovon die Hälfte an der Sechssaitigen tobt. Käme es euch daher in den Sinn, als IRON MAIDEN des UG-Death Metals durchzugehen? Erzählt uns anschließend, wie ihr an den neuen Gitarristen Fredrik geraten seid und inwiefern er schon zur Entwicklung des Band-Sounds beitragen konnte.

Jonatan: Ursprünglich fasste ich die Idee, drei Gitarristen zu verwenden, im Zusammenhang mit einem CANOPY-internen Projekt namens ESOTERICA auf, das sich in Richtung des „Crimson“-Albums von EDGE OF SANITY orientieren sollte. Das Titelstück unserer aktuellen Platte „Menhir“ besteht großteils aus Riffs, welche anfangs für diese Nebenbaustelle gedacht waren. Darüber hinaus stellte es für mich durchaus eine Erleichterung dar, einen Mann mehr an der Axt in CANOPY zu rekrutieren, als ich Musik und Tontechnik weit oben im Norden studiert habe.
Fredrik S. setzte seinen Stempel auf das Werk dieser Truppe. Er nahm einige verdammt gute Platten mit zu den Proben [hauptsächlich progressives und sinfonisches Zeugs aus den Siebzigern sowie aus der Gegenwart] und sein Gespür für melodische Soli ist spitze. Er beteiligte sich an der Entstehung von „New Construct“ sowie „Inward Burst“, indem er jeweils die Hälfte der Riffs beisteuerte.

Seine Position und musikalischen Preferenzen – neben dem Umarrangieren diverser Momente [bei drei Gitarristen] - hatten wiederum schon einen starken Einfluss auf unser Schaffen. „Menhir“ war da erst der Anfang.


Schweden verfügt über eines der am besten entwickelten Musikschulen-Systeme in ganz Europa, weswegen sich unter anderem im Hard Rock- sowie Heavy Metal-Bereich tausende Truppen auf dem Boden eures Heimatlandes formiert haben. Hattet ihr beide beziehungsweise eure Kollegen das Privileg genossen, professionellen Unterricht zu bekommen oder habt ihr euch eure Fähigkeiten selbst antrainiert? Würdet ihr die Meinung vertreten, dass CANOPY Leute in den Reihen stehen hat, denen die theoretische Seite der Musik sehr am Herzen liegt oder zählt einzig und allein das richtige „Gefühl“?

Jonatan: Ich hatte das Glück, einige theoretische Kurse auf Universitätsniveau zu besuchen, welche mittlerweile meine Schreibe stark beeinflussen. Erik belegte einige Musikkurse in der Grundschule, hat sich aber seitdem nicht mehr mit Theorie herumgeschlagen. Metal-mäßig haben wir uns unsere Fähigkeiten selbst antrainiert, allerdings geht eine Menge der komplexen Melodieaufbauten auf mein Theoriewissenskonto. Es eröffnet uns mehr Möglichkeiten, sowohl hinsichtlich der Harmoniebögen als auch der Dynamik selbst.
Normalerweise stellt die Grundidee den wichtigsten Teil eines Stückes dar und dafür braucht es 100% Feeling und 0% Theorie. Wenn allerdings diese Idee festgelegt wurde, schadet ein wenig musiktheoretisches Wissen keineswegs, um herauszufinden, wie man sie im Rahmen eines Arrangements am effektivsten einbetten kann, um dann in letzter Instanz einen vollwertigen Song „in der Hand zu haben“.

Fredrik: Innerhalb unseres Genres kam ich nie in den Genuss einer professionellen Ausbildung. Ich verfuhr eher nach dem Prinzip des “Trial And Error” und wurde während den meisten meiner Aufnahmen dazu getrieben, das Beste aus meinen Stimmbändern heraus zu holen..


Apropos Schweden: Könnt ihr gewisse Lieblingsbands nennen, die den Klang von CANOPY entscheidend mitgeprägt haben? Habt ihr in letzter Zeit irgendwelche Truppen von außerordentlichem qualitativen Wert entdeckt?Seid ihr vielleicht sogar auf Untergrund-Juwelen aus eurer Gegend gestoßen, welche ihr unseren Lesern weiterempfehlen wollt?

Jonatan: EDGE OF SANITY waren in unserer Anfangsphase eine unschätzbare Inspiration. Großartiger Death Metal trifft auf geile Melodien sozusagen. Bei „Menhir“ jedoch wollten wir eine etwas andere Richtung einschlagen. Um möglichst kreativ an die Arbeit heran zu gehen, hören wir uns gerne sinfonische und progressive Musik an, welche meist aus Non-Metal-Bestandteilen besteht. Elektronische Musik ist für uns ebenso eine sehr interessante Angelegenheit [beispielsweise all die Lounge/Chillout- oder Dubstep-Sachen], auch stehen wir andersartigem Hip Hop nicht abgeneigt gegenüber. Keinerlei Inspiration ist falsch und ich würde mich nie dafür schämen wollen, irgendeine Musikrichtung mit Leib und Seele zu genießen.

Fredrik: Meine Karriere als Death-Metal-Hörer fing mit UNLEASHED und GRAVE an, weswegen ich der Ansicht bin, dass schwedischer Todesblei zum Besten in der gesamten Szene zählt.


Beschreibt uns doch einmal, wie der Alltag im Leben eurer Horde im Normalfall abläuft. Wie verfährt ihr, wenn am Fortgang dieser Mannschaft geschraubt werden soll? Wie schwer ist es für euch, hinsichtlich einer Idee, einem Arrangement oder gar einem kompletten Stück auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen? Und wer entscheidet letzten Endes, wie es weitergeht? Kämt ihr – wie einige andere Gruppen, mit denen ich schon Dialoge führte – einer Demokratie mit einem Diktator an der Spitze gleich?

Jonatan: Ich überwache jede Note, die es auf eine CANOPY-Platte schaffen sollte. Jeder kann Ideen in die Runde werfen, jedoch entscheide ich, was auf das Album kommt. Diese „Regisseur“-Funktion führt dazu, dass ich bis dato das meiste Material beigesteuert habe. So wie sich die Dinge allerdings entwickeln, werden wir in Zukunft eine mehr oder weniger ausgeglichene Kompositionstätigkeit unter den drei Gitarristen in der Band erleben. Am Anfang jedes musikalischen Schaffensprozesses gehe ich mit einer gewissen Vision im Vorfeld heran, welche ich so authentisch wie möglich verwirklicht sehen will und ich sie den Jungs daher penibel aufzeige, wenn wir uns gerade beim Songwriting austoben.
Im Normalfall studieren wir ein Stück ein, nachdem es aufgenommen wurde. Wir nehmen die letzten Arbeiten an den Arrangements [sowie einiger weiterer Sachen] im Studio selbst vor.
Was die Texte angeht, so teilen sich Peter und Fredrik quasi die Aufgaben. Wir versuchen bei jeder Scheibe, ein halbwegs dicht gestricktes Konzept auszulegen, wobei die Themen stark variieren können. Es kommt also sehr selten vor, dass wir eine bis ins letzte Detail ausgeklügelte Geschichte mit verschiedenen Charaktern und einem echten Plot vorweisen können; wir ziehen es vor, dieses Verfahren als „Freestyling im Kontext eines Hauptthemas“ zu nennen. „Will And Perception“ befasst sich beispielsweise mit dem Kampf des Individuums gegen den Rest [Gesellschaft, Leben, Tod, die Welt, andere Menschen, was auch immer]. Andererseits beschäftigt sich das lyrische Konzept zu „Serene Catharsis“ mit dem Experiment eines „im Labor heraufgezüchteten“ Menschen und den damit verbundenen Anstrengungen, dessen „Charakter“ zu formen, wobei natürlich auch Verbindungen hin zur Menschheits- sowie Philosophiegeschichte hergestellt werden. „Menhir“ basiert auf einer apokalyptischen und postapokalyptischen Thematik.

Fredrik: Wie Jonatan schon aufgezeigt hat, wird die Musik im Vorhinein stückchenweise verfasst, um dann im Studio zusammengesetzt zu werden. Oft schreiben wir während dieser Zeit an den Texten. Im Allgemeinen befinden wir uns auf einem flexiblen Pfad, was das Songwriting betrifft.



Inwiefern wandelte sich die Arbeitschemie zwischen den einzelnen Mitgliedern im Laufe der Jahre, in deinem Fall [da du ja seit 2004 dabei bist] also von der "Will And Perception"-EP über das Debüt bis hin zu "Menhir"? Sprechen wir heutzutage von Teamarbeit oder haben gewisse Mitglieder die Kontrolle über den gesamten Schaffensprozess übernommen, während die Anderen Details einstreuen, die dem Gesamtpaket den letzten Schliff verpassen?

Jonatan: Wie schon oben angedeutet, bin ich der Verfasser der meisten Stücke. Allerdings erleben wir mittlerweile etwas mehr Input der anderen Mitglieder.

Fredrik: Früher wollte ich immer mit den Texten fertig werden, während wir gerade am Song-Aufbau waren. Heutzutage hat sich dieser Prozess jedoch zugunsten der Anpassung der Lyrics und Gesangslinien der dann schon fertig geschriebenen Nummern verändert. Selten schreiben wir um einen Text herum, „Decipher“ und „Menhir“ von dieser Regel ausgenommen.


Meiner Meinung nach befindet sich der melodiös geprägte Metal-Tod seit Äonen in einem kreativen Vakuum, vorrangig ausgelöst durch dessen Kommerzialisierung: Im Prinzip hat diese Spielart eine Metamorphose hin zum Pop im metallischen Gewand durchmachen müssen, wovon das mit Abstand schlimmste Beispiel SONIC SYNDICATE sind. Glücklicherweise gibt es Ausnahmen, die den ehemals hohen Standard wieder aufleben lassen. Warum sind so viele Bands, die diesem Sub-Genre zugeordnet werden, unter die Eierlosen gegangen und/oder versuchten, einer breiteren Masse durch Vereinfachung ihrer Werke geschmacklich zu entsprechen und nebenbei so ziemlich alle generischen Zutaten der Marke “Abwechselnder Clean/Shout-Gesang” ins eigene Rezept aufzunehmen? Welche sonstigen Eigenschaften zählen zu euren verhasstesten, wie geht ihr solchen Klischees effektiv aus dem Weg? Sagt es nicht viel über den Zustand der Metal-Szene aus, dass Qualität offenbar als unwichtiger im Vergleich zu großen Marketing-Kampagnen ebenso aufgeblasener Großkonzerne angesehen wird?

Jonatan: Ich finde, es ist sehr einfach, radiofreundlichen Metal aufzunehmen und dabei zeige ich nicht einmal mit dem Finger auf ein bestimmtes Subgenre. Ich bin der Meinung, dass sich dieser Auswuchs einfacher umsetzen lässt als kommerzieller Hip Hop, R'n'B oder sogar Indie Pop. Deswegen sind auch viele Schrotttruppen unterwegs. Wir umschiffen Klischees dadurch, indem wir die Songs zu Papier bringen, auf die wir Bock haben. So einfach ist das.

Fredrik: Es kümmert uns nicht sonderlich, was andere Kapellen im so genannten Genre des Melodic Death Metal treiben. Wir sind stolz auf das, was wir bislang erreicht und spielen die Mucke, auf die wir Lust haben. Im digitalen Zeitalter, in dem wir uns ja alle befinden, ist es bezüglich der Marketingmechanismen einfacher geworden, derartige Truppen nicht nur zu erreichen, sondern effektiv zu fördern - aber das Zielpublikum, für das diese Musik geschrieben wird, gehört im Gegensatz dazu nicht zu unserer Zielgruppe. Wir wenden uns an Leute, die die Geduld aufbringen können, sich hinzusetzen und unserer Musik lauschen zu können. Wir schreiben keine Musik für die Fast-Food-Generation. Der Wiederanhörungswert solcher Bands tendiert gegen Null, womit sich auch begründen lässt, warum ihre Bekanntheit zeitlich eingeschränkt sein wird.


Wenn CANOPY die Zukunft dieses Subgenres darstellen würden, hättet ihr eurer Meinung nach das, was es braucht, um all den Miesepetern, Pessimisten, Kritikern und Scheiße redenden Metalheads, die sich gerne kleinere Combos zum intellektuellen Herumstoßen aussuchen, Paroli zu bieten?

Fredrik: Wie ich schon zuvor zu Protokoll gegeben habe, verwirklichen wir in unserer Musik unsere eigenen Idealvorstellungen derselbigen, weil wir von ganz eigenen Zielen und Wünschen ausgehen.

Jonatan: Wir werden uns weiter entwickeln und dafür jedes Mittel in Anspruch nehmen, das dafür notwendig sein sollte. Wer auch immer unser Anliegen klasse oder mies findet, ist egal – sie alle sind herzlich willkommen, unseren Werdegang zu verfolgen.


Wenn Death Metal erst noch erfunden werden müsste, welchem nächstbestem Genre würden sich CANOPY stattdessen widmen? Welche anderen Stilrichtungen würden dem Wesen dieser Band entsprechen?

Fredrik: Im Metal-Bereich selbst höre ich mir gerne Sachen aus der Black- und Doom-Ecke an. Davon abgesehen fahre ich genauso auf Industrial Noise ab.

Jonatan: Elektronische, progressive, sinfonische oder mehrschichtige Folk-Musik steht auf dem Programm. Je mehr sich abspielt, umso besser.


Obwohl ich mit "Will And Perception" durchaus etwas anfangen konnte, vermochte “Menhir” vergleichsweise doch wesentlich mehr Wurst vom Teller zu ziehen. Warum hat diese LP wesentlich weniger Zeit verschlungen als der erwähnte Vorläufer? Was hat sich denn im Vergleich zum letzten Mal denn so fundamental verändert, um ebenjenes Ziel erreichen zu können? Wie seid ihr diesmal bei der Aufteilung der Songwriting-Arbeiten vorgegangen? Kann das Lob für diese immense musikalische Weiterentwicklung ebenso für die textliche Seite CANOPYs ausgesprochen werden?

Jonatan: Wir wurden in überwältigender Weise inspiriert und wollten einfach die Band komplett neu erfinden. Das nächste Album wird diese Entwicklung fortsetzen. Fredrik Segell nahm an diesem Prozess teil und steuerte wie gesagt auch einige Riffs bei. Unsere Performance als Truppe ist auf dem aktuellen Werk so gut wie noch nie zuvor in unserer Geschichte.

Fredrik:Der Schreibprozess an “Menhir” war wesentlich konzentrierter und heftiger als beim letzten Mal. Wir schlossen uns für eine Woche in einer Hütte ein, um am Teil zu arbeiten. Wir taten nichts Anderes als “Menhir” zu essen, zu atmen und zu schlafen.


Hauptsächlich bin ich vom recht modernen Klang angetan, während das Material selbst das Potenzial dazu hat, auch über die nächsten Jahre hinweg mich zu begeistern – ihr habt in anderen Worten vielleicht sogar zeitloses Material auf die Menschheit losgelassen. Aber was konkret ist es, das euer Schaffen von dem anderer Truppen hervorhebt? Würdet ihr sogar so weit gehen zu sagen, dass man im Sound von CANOPY typisch schwedische Elemente heraushören kann? Und was gefällt euch beiden an den vergangenen Auswürfen dieser Band als auch “Menhir” selbst?

Jonatan: Danke dir für dein Lob. Ich liebe es, in meine Musik möglichst viele Facetten und eine Vielfalt an verschiedenen Klangtexturen einzubringen. Ich will eine Klanglandschaft erschaffen, die mehrere Anläufe braucht, um sich vollständig entfalten zu können.
“Menhir” ist für mich in jedweder Hinsicht besser als unsere zuvor erschienenen Werke. Wir werden allerdings, was das Live-Set angeht, auch auf unser damaliges Material zurückgreifen, um jeweils das Beste für den Tag heraus zu holen.




Darüber hinaus konntest du, Fredrik, die Intensität deines Gesanges im Vergleich zu "Will And Perception" kräftig steigern. Wie hast du dich auf die Aufnahmen zu "Menhir" vorbereitet, auf was legtest du besonderen Wert und wo kann man deiner Meinung nach den größten Fortschritt hin zum Vorgänger feststellen?

Fredrik: Hah, danke! Ich war krank, als wir „Menhir“ aufgenommen haben. Vielleicht brachte das die gewisse Extraportion Härte ein! Ich war schon immer darauf erpicht, das Beste aus mir heraus zu holen, um möglichst brutale Growls bei Beibehaltung aller Töne einzusingen. Während den Sessions zu diesem Album übermannte uns darüber hinaus ein gewisser Eifer, jeden einzelnen Growl möglichst perfekt auf Band zu bringen. Sich darauf vorzubereiten, war meist ein schwieriger Task, da die Texte zu dem Zeitpunkt noch nicht vorhanden waren.

Jonatan: Als Produzent wollte ich natürlich eine möglichst weite Bandbreite aus Fredriks Stimme zum Vorschein bringen, in der er stimmlich durch die anderen Instrumente schneidet und dabei möglichst lange diesen bestimmten Frequenzbereich beibehält.


Welche Stücke bedurften die meiste Zeit und Energie eurerseits, welche wiederum schrieben sich wie von selbst? Musstet ihr gewisse Arrangements oder sogar ganze Nummern wegwerfen, um dem hohen Standard des restlichen Materials keinen schlechteren Kompagnon zur Seite zu stellen?

Jonatan: Wir schmeißen regelmäßig Zeugs weg, um das ursprüngliche Gesamtkonzept nicht mit minderwertiger Ware zu beschmutzen. Manchmal – was wirklich erwähnenswert ist – fügen wir in letzter Sekunde Ideen ein! Einige meiner absoluten Lieblingspassagen auf “Menhir” entstanden sehr rasch. Das komplette letzte Thema des Titelstückes zum Beispiel wurde in einer einzigen Jam-Session zwischen mir und Peter verfasst. Dann spielten wir es noch zwei Mal, bis wir dann hierfür eine fixe Struktur erschufen – die danach aufgenommenen Schlagzeugspuren sind diejenigen, welche man auf der Platte selbst hören kann!


Hast du hinsichtlich deiner eigenen beziehungsweise der Performance deiner Kollegen irgendwelche Lieblingsmomente auf "Menhir"? An welchen Stellen der LP entgeht dir ein "Wow!"?

Fredrik: Hah, schwierige Frage! Ich genieße den Flow des gesamten Albums; die Aufbauten [„Menhir“, vor allem aber „Inward Burst“] sind fantastisch, weil sie dem ganzen eine gewisse Härte verleihen, der ich nicht widerstehen kann.

Jonatan: Ich liebe das Ende des Titeltracks, weil es mich an die großartige Jam-Session mit Peter erinnert. Genauso schätze ich Fredik Segells lockeres Bridge-Riff ab der Hälfte von "New Construct" und die kleine Multilayer-Orgie, welche zwischen den ersten zwei Arrangements in “The Entire City” einsetzt. Der Pre-Refrain-Part in “Earth Splits Into Fire” entpuppte sich ebenso als Granate, wobei ich mir ebenso “A Storm Within A Storm” als auch “Inward Burst” in ihrer Gesamtheit anhöre. Ich muss zugeben, ich finde das Album recht klasse, haha!


Obwohl die neue Scheibe großteils 2009 im Kasten war, dauerte es bis zum 14. August letzten Jahres, damit auch Leute wie ich darauf Zugriff erlangten. Welche Schwierigkeiten sind euch diesbezüglich entgegentreten?

Jonatan: In Wahrheit kamen diese Verzögerungen auf, weil ich über sieben Monate lang am Reisen war, haha! Hinsichtlich des Labels haben wir zusammen mit Stephane von Disconcert in Kanada gearbeitet, auch wenn wir „Menhir“ letzten Endes auf eigene Faust veröffentlichten. Heutzutage geht es sowieso weniger um Alben als viel mehr um Auftritte, weswegen wir daran arbeiten, die Bühnen dieser Welt zu erobern.

Fredrik: Nun, Jonatans Reisen haben mit Sicherheit den gesamten Veröffentlichungsprozess verzögert, was aber wahrscheinlich gar nicht einmal so schlecht sein konnte, da wir uns in der glücklichen Lage befanden, in der Zwischenzeit an vielen Details arbeiten zu können. Ich selbst wohne in den Niederlanden, was die Gesamtsituation noch komplizierter gestaltete. Was die Herstellung des Albums betraf, so war es wirklich kein Zuckerschlecken, ein Unternehmen für Digipaks mit posterähnlichem Booklet zu finden, deren Preise sich im akzeptablen Bereich befanden. Letztendlich ließen wir „Menhir“ bei mehreren Manufakturen fertigen, deren Produkte ich dann alle bei mir zusammenlaufen ließ.


Weil "Menhir" meinen inneren Seismografen fast durchgehend extrem ausschlagen ließ, könnte ich mich ums Verrecken nicht für einen Lieblingsmoment, geschweige denn -song entscheiden. Ich habe diesem Album sogar meine Stimme für die Kategorie "Bestes Melodic Death Metal Album 2010" gegeben, was einigen SOILWORK-Fanboys zu Kopf stieg. Aber kümmert es euch überhaupt, wie Außenstehende zu euren Outputs, eurem Stil, eurer Musik oder der klanglichen Textur eines bestimmten Riffs stehen? Wie sahen die Reaktionen in eurem unmittelbaren Freundes- und Familienkreis aus? Unterstützen euch eure Familien bei der Arbeit im Rahmen von CANOPY, akzeptieren sie sie wenigstens?

Jonatan: Die Anerkennung von anderen Leuten ist jederzeit eine großartige Sache. Ich mag es, wenn sie beschreiben, welche Momente sie auf einem unserer Alben am für sie bedeutendsten finden. Was Kritiken angeht, so weiß ich damit umzugehen. Ehrlich gesagt kümmerte es mich nie, wer was über diese Band zu sagen hatte, weil ich dazu tendiere, sie mit jedem einzelnen Release neu zu erfinden, weswegen sie sich also sowieso jedes Mal verändert.
Meine Familie hat mich bislang in jedweder Hinsicht unterstützt, was diese Band angeht.

Fredrik: Dass die Leute da draußen auf das abfahren, was wir machen, ist selbstverständlich ein dicker Bonus für unsere Arbeit, wirklich interessieren tut uns das allerdings nicht, da wir auch ohne Unterstützung genau das umsetzen, was wir umsetzen wollen. Da wir uns auch irgendwo im “Mittelfeld” des Death Metal befinden, bekommen wir so oder so ein wenig Schmutz ab. Manchen sind wir zu brutal, anderen zu melodisch und so weiter. Diese Haltungen beeinflusst uns in keinster Weise.



Das Cover hat nicht nur eine sehr authentische Farbgebung, sondern wirkt zudem sehr “simpel”. Wer zeichnete dafür verantwortlich und inwieweit wollt ihr Schlüsse hin zum Gesamtcharakter der Songs auf "Menhir" ziehen?

Jonatan: Emil Särelind erstellte die Skizzen, noch bevor ein Großteil des Albums überhaupt aufgenommen wurde! Es war großartig, mit diesem Vibe an die einzelnen Stücke heranzugehen. Wir haben danach lediglich nur ein paar Details verändert, damit die Verbindung zum Inhalt des Albums selbst hergestellt wird.


Was eure Live-Aktivitäten angeht, so habe ich mir auf diversen Portalen einige Clips reingezogen, die aufzeigen, wie sehr ihr aufeinander abgestimmt agiert. Das Publikum scheint es im Schnitte ebenfalls sehr genossen zu haben. Wie wichtig ist es euch allerdings, im Gegensatz zum Erschaffen neuen Materials auf die Bühne gehen zu können? Wie erlebt ihr die Transformation bloßer Songs, welche im Großen und Ganzen im Proberaum zusammengesetzt wurden, hin zu wahren Live-Granaten?

Jonatan: Auch wenn es für uns wahrscheinlich komfortabler ist, an neuem Material zu arbeiten, so nimmt das Live-Element in unserer Band einen sehr wichtigen Platz ein. Auf der Bühne herrschen ganz andere Regeln; es funktioniert nicht immer das, was man auf Platte hinkriegen kann und umgekehrt. Wir grasen den Backkatalog ab, entnehmen daraus einzelnen Tracks und verpassen ihnen für die kommenden Live-Shows eine Art Frischzellenkur, was in der Zwischenzeit auch einen zentralen Bestandteil dieser Band ausmacht.

Fredrik: Für mich ist es das Größte, live spielen zu können. Da wir selbst leider kaum aktiv auf die Bretter steigen können, intensiviert das den Reiz natürlich umso mehr. Wir wurden schon für das diesjährige Dong Open Air in Neukirchen-Vluyn Mitte Juli gebucht und werden rund um diese Zeit auch andere Venues ansteuern. Wer also daran interessiert ist, uns in ein Billing aufzunehmen, setze sich bitte mit uns in Kontakt: Wir suchen nach Auftrittsmöglichkeiten in Deutschland!


Eine Band eures Kalibers müsste zudem sicherlich schon einmal daran gedacht haben, sich einem bekannten Label anzuschließen. Welche Punkte sind euch im Bezug auf die Zusammenarbeit mit eurem Geschäftspartner wichtig, was erwartet ihr euch zuallererst von ihm? Seid ihr schon den leidigen Weg der Initiativpromotion gegangen und wenn ja, inwieweit warf dieser schon Früchte ab?

Jonatan: Im Moment würde ich es lieben, eine Booking-Agentur im Rücken zu haben; davon abgesehen hätte ich auch Lust auf gute, alte Promotionsarbeit.

Fredrik: Niemand verkauft mehr Unmengen an CDs, weswegen es für uns am wichtigsten ist, live spielen zu können.


Euer Merchandise wird – zusammen mit dem der mächtigen OBITUS – über einen Webshop namens Dissension vertickt. Wie ist diese kleine Unternehmerschaft entstanden und inwieweit werden die auf diesen Seiten verbratenen Mäuse direkt wieder in die Band zurück investiert?

Fredrik: Dissension wird von mir betrieben, weswegen auch alles Geld, was hier von Kunden ausgegeben wird, wieder direkt in CANOPY hineinfließen. Ich hatte ursprünglich vor, den alten Webshop auf unserer Homepage umzubauen und dachte mir, dass es vielleicht nicht schlecht wäre, ihn zu erweitern und dabei auch Merchandise von der Band meines Bruders, OBITUS, rein zu stellen. Für OBITUS sang ich diverse Gastgesänge eingespielt – ich musste daher nicht lange zögern. Im Moment werden zwar nur CANOPY und OBITUS über Dissension vertrieben, das Programm sollte jedoch im Laufe diesen Jahres erweitert werden.



Nächstes Jahr zählen CANOPY zehn ganze Lenze. Klingt Sommer 2012 für euch wie ein angemessener Zeitraum für die Erscheinung der nächsten Platte? Wie weit seid ihr eigentlich schon diesbezüglich?

Fredrik: Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass wir im Sommer 2012 mit einem Album am Start sein können. Hoffentlich ergibt sich dann noch die Möglichkeit, dies im Rahmen eines großartigen Zehn-Jahres-Jubiläums-Gigs zu feiern.

Jonatan: Wir arbeiten im Moment an einer Menge guter Ideen. Die nächste Scheibe wird eine ähnliche Entwicklung von “Menhir” weg zeigen wie es “Menhir” im Vergleich zu “Serene Catharsis” war. Die Scheibe wird 2012 erscheinen!


Alles klar, dann danke ich euch beiden, dass ihr uns am Laufenden über CANOPY gehalten habt! Seid doch so frei und betreibt an dieser Stelle vielleicht ein wenig Werbung!

Jonatan: Checkt die Bay-Area-Thrasher von CHAINSAW an, die unseren Peter am Schlagzeug in ihren Reihen stehen haben; des weiteren wären noch die Heavy-Rocker von BARBUS zu erwähnen, bei denen ich und Erik zocken, sowie KINABALU, bei denen ich und Peter an unserem Debüt arbeiten, das diesen Frühling erscheinen soll.

Fredrik: Besucht unsere Bandcamp-Seite, wo ihr unser neues Album gratis streamen könnt: http://menhir.bandcamp.com. Bei der Gelegenheit könnt ihr auch ein digitales Exemplar um fünf Euro erstehen. Für alles Andere [T-Shirts, Longsleeves, Hoodies, CDs, etc], geht auf Diessension.se. Cheers!

Micha

Autor: Michael Bambas [Micha] | 23.02.2011 | 13:50 Uhr

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