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Interviewpartner: Hanno & Erinç

Mantar aus dem Norden Deutschlands haben in den letzten Jahren einen Senkrechtstart hingelegt wie sonst kaum eine Band in der Schnittmenge aus Punk, Doom und Black Metal. Das Geheimrezept: Bärenstarke Songs und die Bereitschaft, sich den Arsch abzuspielen und immer und überall alles zu geben.




Euer neues Album ist im Kasten und wartet darauf, veröffentlicht zu werden. Zwischenzeitlich ward ihr unglaublich viel unterwegs und habt nicht nur in Europa, sondern vor allem auch viel in den USA gespielt. Zahlt sich diese Plackerei für euch aus?


Hanno: Das spielt sich meiner Meinung nach auf drei Ebenen ab: Auf der musikalischen, auf der persönlichen und auf der Business-Ebene. Businessmäßig ist die Sache klar: Wenn du so ein Hansdampf in allen Gassen bist wie wir, eine gute erste Platte ablieferst und das dann auch noch mit vielen Shows in aller Herren Länder untermauerst und wirklich geile Festivals spielst, hast du nachher die Labels auf der Matte stehen. Dadurch hast du einerseits die Qual der Wahl, andererseits natürlich das Luxusproblem, dass du dir ein Label aussuchen kannst. Sowas passiert nicht, wenn du einmal im Monat in Bonn spielst, weil Labels Bands wollen, die bereit dazu sind, Vollgas zu geben. Das haben wir bereits gemacht, bevor überhaupt klar war, dass wir mit einem anderen Label zusammenarbeiten wollten oder würden.

Aus der Musikerperspektive: Ich weiß nicht, ob man durch die Arbeit wirklich ein besserer Musiker wird. Ich wage das sogar fast zu bezweifeln. Ein positiver Effekt ist aber, dass du uns um vier Uhr morgens wecken kannst und wir dir das gleiche Set spielen können wie an einem Samstagabend. Durch das Leben auf Tour sind wir total auf Abruf. Auf Tour kommt man oft zu spät, gerade in den USA, weil die Strecken dort so lang sind. Da ist es keine Seltenheit, dass man aus dem Bus auf die Bühne rennen muss und acht Minuten Zeit für den Changeover hast. Dort schenkt dir auch keiner etwas. Da muss man sich dann merken, wie die Gitarre gestimmt sein muss und sofort loslegen. Drüben bist du erstmal eine unbekannte Nummer und die Zeitpläne sind noch viel strenger als hier in Europa. Wenn du zu spät auf die Bühne kommst, hast du am Schluss keine Zeit mehr und da kommt dann auch jemand und würgt dich einfach ab. Dabei gewöhnt man sich alle Spleens ab und es gibt kein „Da muss mein Handtuch liegen“ und kein „Der Monitorsound muss perfekt sein“ mehr. Es ist natürlich schön, wenn das alles stimmt, aber mittlerweile können wir auch unter miesesten Bedingungen zu 99% abliefern.

Erinç: Der Sound hat da schon einen großen Einfluss. Mit gutem Monitorsound macht eine Show richtig Spaß. Da fühlst du dann richtig wie fett die Musik ist und hast genau den Sound, den du brauchst. Hanno hat schon recht damit, dass wir das nicht zwangsläufig brauchen, aber es macht auf jeden Fall mehr Spaß.

Hanno: Im Endeffekt geht es ja auch darum, dass die Leute vor der Bühne eine gute Zeit haben. Wenn das der Fall ist, amüsieren wir uns sowieso. Es ist also auf jeden Fall wichtig, dass du gut ablieferst, egal welchen Stress du hast. Den Zuschauern ist das nämlich zurecht völlig egal, ob du vorher im Stau gestanden hast, weil sie Eintritt für deine Show bezahlt haben.

Zur persönlichen Ebene: Wir fahren eigentlich nur noch in getrennten Autos.

Erinç: Ja, das geht wirklich nicht mehr anders.

Hanno: Es ist schon krass. Wir dachten vorher, dass wir uns schon echt gut kennen. Auf Tour lernst du deine Mitmusiker aber noch einmal ganz anders kennen, ob im Guten oder im Schlechten. Die besten Momente sind die, nachdem man irgendwo in den USA ein geiles Konzert gespielt hat, anschließend an der Hotelbar sitzt und dort die ganze Gage für Whiskey verknattert. Manchmal kracht es aber auch. Und egal, ob im Guten oder im Schlechten: Man freut sich immer über ein Einzelzimmer. Das liegt auch gar nicht daran, dass wir nicht gerne zusammen rumhängen. In diesem ganzen Tourbetrieb ist es einfach für jedes Crewmitglied Luxus, auch mal alleine sein zu können.


Wenn es zwischen euch kracht: Wie löst ihr die Situation in der Regel?

Hanno: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei uns beiden nur die Chance gibt, kurz drei Minuten durchzuatmen und das Problem dann sofort zu klären, statt es zu verschleppen. Man muss dazu auch sagen, dass all unsere Streitthemen eigentlich völliger Blödsinn sind. Wir sind aber beide gut darin, uns sehr schnell beieinander zu entschuldigen und zu sagen: Schwamm drüber. Ich selbst bin ja eh voll der cholerische Typ, auf der anderen Seite aber auch sehr friedliebend und daran interessiert, dass wir alles schnell klären. Ich glaube, je schlimmer die Umstände auf Tour sind, desto schneller muss man die Probleme wieder vom Tisch bekommen. Wir sind auch beide nicht nachtragend, das erleichtert vieles.

Erinç: Ja, da bin ich ganz bei dir. Einmal um den Block zu laufen, tut in solchen Situationen sehr gut. Danach sieht dann alles schon ganz anders aus.

Hanno: Es ist bei uns aber nicht wie teilweise bei anderen Bands, weil wir uns das auch gar nicht erlauben können. Wir haben ja keine Lobby und wenn wir uns zerstreiten, dann können wir nicht einfach mit wem anders rumhängen, sondern nur rummaulen und gar nicht mehr reden. Deshalb: Einmal um den Block laufen und alles ist wieder gut.


Hanno, du hast es in vorherigen Interview bereits erwähnt: Eigentlich ist der Tourbetrieb gar nicht dein Ding, weil du gerne allein bist und es nicht magst, so viele Menschen um dich herum zu haben. Gehst du diesen Stress auf eine besondere Art und Weise an, damit du das aushältst?

Hanno: Viele Menschen denken, ich sei ein Misanthrop, aber du hast es ja miterlebt: Wenn du mich abends in der Bar triffst, bin ich der Clown und unterhalte dort alle. Im Tourbus mache ich aber auch gerne mal neun Stunden am Stück überhaupt nichts, das stimmt. In den USA hab ich mich zum Beispiel einfach gerne auf die Ladefläche gelegt. Dabei höre ich dann auch keinen anderen Gesprächen zu und lese einfach ein Buch. Ich brauch das aber auch, denn auch wenn das jetzt total pathetisch klingt: Ich bereite mich 24 Stunden täglich auf diese Dreiviertelstunde auf der Bühne vor. Wenn wir die Zeit dazu haben, gehe ich auch viel spazieren. Wenn wir zum Beispiel in einer Stadt ankommen, machen wir den Soundcheck und dann bin ich auch erstmal weg. Am allergeilsten ist es natürlich, wenn das Hotel nah an der Venue ist. Dann kann man nochmal in Ruhe duschen, was essen oder sich vielleicht kurz hinlegen. Danach hat man dann auch richtig Bock, wenn man sich abends wieder am Laden trifft und sich vielleicht auch schon einen angetrunken hat.

Erinç: Ich muss zwar nicht unbedingt das Hotel in der Nähe haben, aber es ist schon super, wenn man einen schönen Backstage-Raum zur Verfügung hat. Da kann man dann vor dem Auftritt noch etwas chillen und sein Bierchen trinken.


In Bezug auf eure Shows in den USA habt ihr erzählt, dass ihr dort viel Scheiße fressen musstet.

Erinç: Dort waren vor allem die Schlafplätze so eine Sache. Wenn wir angekommen sind, wussten wir meist noch nicht so recht, wo wir überhaupt übernachten können. Bei der ersten Tour hatten wir eine US-Band dabei, die immer irgendwo Kontakte hatte, aber auch die haben manchmal gesagt: Leute, hier müsst ihr euch selbst umhören, weil wir hier niemanden kennen. Einmal war es auch so, dass wir nach dem Konzert von einem Mädel angesprochen wurden und gefragt wurden, ob wir denn einen Schlafplatz hätten. Sie hat von einem großen Haus erzählt und davon, dass dort jeder einen Schlafplatz hat.

Hanno (lachend): Ja, das war in Tallahassee in Florida.

Erinç: Das war das schlimmste, was wir je erlebt haben.

Hanno: Sowas hast du echt noch nicht gesehen. Das war so krass! Das Bett von unserem Mercher, sah echt so aus, wie man sich das passende Bett zu einer Kindesentführung vorstellt. Das war so gruselig. Jeder von uns dachte, dass er das schlimmste Zimmer erwischt hätte, aber am nächsten Morgen haben wir dann bemerkt, dass es uns alle echt mies erwischt hatte. Dieser ganze Komplex war in einem alten Industriegebäude, wo Schlafzimmer eingebaut wurden. Das Mädel hat es bestimmt gut gemeint, aber es ist eigentlich echt eine Frechheit, Menschen so etwas anzubieten. Ich spreche hier nicht von Bands, sondern von Menschen im Allgemeinen! Andererseits war die Situation so abgefuckt, dass sie schon wieder lustig war.

Erinç: Wo hatte uns denn nochmal das andere Mädel angequatscht?

Hanno: Ah genau, das war das coolste Erlebnis! Das war in Austin in Texas. Die Band, mit der wir damals unterwegs waren, hat viele Hausshows gespielt. Das ist da total beliebt. Es gibt in Texas nur sehr wenige Wohnungen für WGs, also mieten die Leute gleich ganze Häuser und teilen sich den Wohnraum. Die Bewohner laden sich dann manchmal einfach Bands ein, die in ihrem Wohnzimmer spielen. Das ist für Bands, die einen Tag frei haben, echt eine gute Option. Auf jeden Fall haben wir dort eine Show auf dem Hinterhof irgendeiner Rockerkneipe gespielt und das war so richtig asi und dreckig und die Leute waren im Gesicht tätowiert. Erinç und ich hatten an dem Tag einen richtigen Durchhänger und waren in den Vororten von Austin auf der Suche nach einer Tankstelle, um etwas zu Essen zu bekommen. Auf unseren US-Tourneen war es übrigens nicht unüblich, dass wir nachmittags noch nichts gegessen hatten. Unsere Erfindung: Zwei Scheiben Toastbrot und dazwischen Chips. Das schmeckt zwar fürchterlich, rettet einen aber über ein paar Stunden. Auf jeden Fall saßen wir damals in Austin am Straßenrand und aus dem Haus hinter uns kam eine Frau. Als wir gerade dachten, dass wir jetzt verscheucht werden, bot sie uns nicht nur etwas zu trinken und zu essen an, sondern auch noch ein sauberes Bett für jeden. Wir müssen echt erbärmlich ausgesehen haben.

Was für mich persönlich echt beschissen war, war die USA-Tour, bei der ich so richtig krank geworden bin. Da hatte ich eine richtig ernste Grippe, Fieber und auch noch zwei gebrochene Rippen. Dazu kam dann noch, dass die Shows zu dieser Zeit sehr schlecht besucht waren und wir kaum Zuschauer hatten. An einem Abend mussten wir sogar in einer Halfpipe pennen, weil wir in einem alten Skatepark untergebracht waren.

Erinç: Ansonsten ist der Begriff „schlimm“ ja auch sehr relativ. In den USA wirst du einfach bei weitem nicht so behandelt, wie es hier in Europa der Fall ist. Du bist sehr viel länger unterwegs, kommst beim Veranstaltungsort an, hast dort keinen Rückzugsraum, musst schnell auf die Bühne und bekommst nichts zu essen oder zu trinken. Bestenfalls drückt der Veranstalter dir ein paar Chips in die Hand, mit denen du Vergünstigungen auf die Getränke bekommst. Dazu sind auch die Übernachtungen sehr anstrengend, weil du oft mit der Isomatte auf dem Boden schlafen musst – und das in Wohnungen oder Häusern, wo die anderen eben nicht schlafen wollen. Da läuft dauernd jemand durch oder macht Krach. Eine Frau hatte um die zwölf Katzen.

Hanno: Zu den US-Festivals muss man aber sagen, dass die schon geiler sind. Da bezahlt man dir die Flüge, das Hotel und alles. Aber ansonsten hat Erinç natürlich Recht. Wenn du an einem Montagabend in Oklahoma spielst, kann das schon sehr rustikal werden.





Weniger rustikal ist der poetische Titel eures neuen Albums Ode To The Flame.

Hanno: Genau, der Titel knüpft nahtlos an "Death By Burning" an. Es geht wieder um das Feuer als alles reinigende Kraft und Leitmotiv. Ich fand Feuer schon immer cool, weil Feuer immer alles auf null setzt und alles reinigt. "Ode To The Flame" ist auch ganz klar ein Loblied auf das Feuer, weil es so kompromisslos ist.

Erinç: Feuer ist einerseits etwas sehr Schönes und kann schön aussehen, hat andererseits aber auch diese zerstörerische Gewalt. Dieser Kontrast macht das Ganze sehr spannend.


Für euer zweites Album habt ihr einen Plattenvertrag mit Nuclear Blast unterschrieben. Angebote dürftet ihr von so ziemlich allen großen Labels erhalten haben. Wieso hat Donzdorf den Zuschlag erhalten?

Hanno: Ganz einfach: Weil der Deal am fairsten ist – und zwar mit Abstand. Das Blast-Team hat sich wirklich Mühe um uns gegeben und sich mehr als ein halbes Jahr von seiner besten Seite gezeigt. Als ich den Vertrag gesehen habe, den wir nun letztendlich unterschrieben haben… Ich wusste wirklich nicht, dass es so faire Verträge überhaupt noch gibt. Wir haben wirklich alles bekommen, was wir von Nuclear Blast haben wollten und da rede ich jetzt nicht nur von Geld. Wir haben künstlerische Freiheit und sind innerhalb der Systemgrenzen absolut unabhängig, was uns sehr wichtig war. Der Deal ist fast so fair wie der, den wir bis jetzt mit Svart Records hatten, während Nuclear Blast natürlich deutlich mehr Power für uns aufbringen kann. Der Hauptgrund für all das ist aber eher logistischer Natur: Wir wollten ein Label, das uns einen guten weltweiten Vertrieb bieten kann. Wir bekommen tagtäglich so viel Post von Menschen auf der ganzen Welt, die unser Album nicht kaufen können oder eben nur zu sehr hohen Versandkosten. Einerseits hatten wir also die Möglichkeit, komplett in den Untergrund zu gehen und alles allein zu machen. Das hätten wir aber arrogant gefunden, weil es einfach schon viel zu viele Fans gibt, die unsere Shirts und Platten haben wollen. Und wenn wir eins nicht wollen, dann ist das irgendeine Liebhaberband für die Typen zu sein, die sich jetzt lauthals über den Nuclear Blast-Deal beschwert haben. Wir wollen einfach Musik machen und sie jedem zugänglich machen, der Bock auf uns hat, ohne dass den Leuten unsere Platten ins Gesicht gepresst werden. Nuclear Blast kann uns all das bieten und ist in den USA genauso gut aufgestellt wie in Europa, was für uns ein wichtiges Kriterium war. Außerdem sind die Nuclear Blast-Leute selbst Mantar-Fans und wir sind uns auf Augenhöhe begegnet. Ansonsten kann ich mich nur wiederholen: Der Deal ist superfair, wir haben alle Freiheiten und mussten uns nicht verkaufen. Du kannst dir bei jedem Mantar-Produkt, das bei Nuclear Blast erhältlich sein wird, sicher sein, dass Erinç und ich das genau so haben wollten. Die haben zu uns gesagt: Hier ist der Release-Day, schickt uns einfach Masterbänder und Artwork und wir legen los. Das Nuclear Blast-Team hat uns weder bei der Tracklist, noch beim Artwork hereingeredet, sondern einfach gesagt: Liefert uns etwas und wir veröffentlichen es. Das muss ein Label dir heutzutage erstmal ermöglichen. Außerdem war das Team überhaupt nicht arrogant. Viele mittelgroße Labels legen eine gewisse Arroganz an den Tag. So nach dem Motto „Sei froh, dass du überhaupt einen Plattenvertrag bekommst“ oder in der Art. Wir sind aber zwei erwachsene Männer und ob mit oder ohne Label: Wir machen die Musik, die wir machen wollen. Wir sind nicht auf ein Label angewiesen und brauchen auch keine Finanzspritze oder sowas. Wir sind so DIY und so unabhängig, dass die Maschine Mantar unabhängig von äußeren Einflüssen funktioniert. Dass wir uns mit Nuclear Blast einen starken Vertriebspartner gesucht haben, ist in meinen Augen nur logisch. Da bin ich schmerzfrei. Die paar Underground-Szenetypen, denen dieser Schritt sauer aufstößt, sollen erstmal die Platte abwarten. Du hast das Album ja gehört und weißt, dass es tierisch gut geworden ist. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass das neue Album noch deutlich kompromissloser und härter ist als unser Debüt. Diejenigen, die nun ein Roxette-Album von uns erwarten, muss ich also leider enttäuschen.


Als ihr die Zusammenarbeit mit Nuclear Blast angekündigt habt, wurden die Ausverkauf-Rufe in der Tat schnell laut.

Hanno: Ja, wobei man ja auch dazu sagen muss, dass etwa 1200 Facebook-Fans die Ankündigung des neuen Albums und die damit einhergehende Bekanntmachung des Deals mit Nuclear Blast geliket haben, während etwa elf Typen etwas zu motzen hatten. Die haben einfach Schiss, dass das Vinyl jetzt in acht verschiedenen Farben veröffentlicht wird. Auch da kann ich für Ruhe sorgen: Es wird eine einzige limitierte Schallplatte geben und zwar mit einer Auflage von 1000 Exemplaren. Danach ist jede Pressung schwarz. Es gibt keine DVD-Beilagen, keine Posterbeilagen – nichts.


Habt ihr bei der Produktion etwas anders gemacht?

Erinç: Nein, eigentlich gar nicht. Wir sind alles genauso angegangen wie beim letzten Mal. Wir haben wieder mit dem Schlagzeug angefangen, das wir in einem externen Studio mit gutem Raumklang aufgenommen haben. Die Gitarre und der Gesang kamen dann in unserem Hausstudio dazu. Die Herangehensweise war nicht anders und wir haben wieder mit unserem Freund Timo zusammengearbeitet. Das war auch eine ganz bewusste Entscheidung. Wir wollten keinen Schnickschnack und keine Zauberei, weil beim letzten Mal auch alles wunderbar funktioniert hat. Wir sind also komplett bei unseren Leisten geblieben. Das Songwriting fand eher on the run statt, weil wir uns immer zwischen den Auftritten in Bremen getroffen haben, um an den Songs zu schrauben. Das war beim ersten Album anders, weil wir uns dafür ein Jahr lang immer wieder treffen und an den Songs arbeiten konnten. Die Ruhe hatten wir bei Ode To The Flame nicht und das Songwriting lief eher nebenher ab.

Hanno: Da glaube ich mittlerweile aber, dass es ein Vorteil ist, dass wir die Platte aus der Hüfte schreiben konnten und eigentlich gar keine Zeit dazu hatten, uns während des Songwritings zu verrennen. Ich glaube, dass wir die zweite Platte genau so gemacht haben, wie eine zweite Platte sein muss. Du hast uns ja auch schon gesagt, dass du eine Weiterentwicklung hörst, wir aber trotzdem zu 100% nach Mantar klingen. Dementsprechend glaube ich im Nachhinein, dass der Zeitdruck ein Segen war und uns nur dazu gebracht hat, dass wir das machen, was wir am besten können. Wir haben nicht versucht uns neu zu erfinden und genau wie bei der ersten Platte sind viele Songs erst so richtig entstanden, nachdem der Aufnahmeknopf gedrückt wurde. Vieles passiert dann doch noch spontan und ich glaube, dass diese rohe Energie den Songs gut tut. Wenn du die Songs vorher schon zwei Jahre auf der Bühne gespielt hast, klingen sie bei den Aufnahmen vielleicht zu abgewichst und zu glatt.


Das zu hören überrascht mich sehr, weil die Songs auf Ode To The Flame deutlich detaillierter klingen, als es auf Death By Burning der Fall war.

Hanno: Ja, das haben uns schon viele Leute gesagt. Das Album ist zu 100% Mantar, aber es gibt eben mehr Ebenen, mehr verschiedene Stimmungen und mehr Details – da ist von totalem Black Metal-Gebolze bis zu atmosphärischen Parts alles dabei. Keine Ahnung, ich glaube das war Zufall. Wahrscheinlich haben wir uns als Musiker besser kennengelernt. Die erste Platte war ja auch ein Schuss aus der Hüfte, aber damals haben wir noch nicht so lange und so viel zusammengespielt. Jetzt sind wir schon seit zweieinhalb Jahren ein Team, haben herausgefunden was wir können und das Beste aus uns herausgeholt. Außerdem hat man als Musiker natürlich permanent im Hinterkopf, dass man nicht dieselbe Platte zweimal aufnehmen möchte. Einigen Fans wäre das wahrscheinlich sehr recht gewesen, aber als Musiker gibt es nichts frustrierenderes als beispielsweise Death By Burning 2.


Woher holt ihr euch Input für eure Songs?

Hanno: Also musikalisch kann ich da nichts Genaues benennen, aber die Natur spielt natürlich eine große Rolle. Wir waren im Sommer zum Beispiel beim Void Festival, das direkt neben einem Wald stattfindet. Wir haben dort mitten in der Nacht gespielt und ich war echt ein paar Stunden alleine im Wald spazieren. Wenn du nach so einem Spaziergang wiederkommst, gibt es nichts derberes und intensiveres als direkt auf die Bühne zu gehen. Das ist für mich alles. So ein Wald ist ja auch nicht leise. Du denkst zwar, dass dort absolute Stille herrscht, aber diese Stille hat ja einen Klang und das finde ich unfassbar geil. Es ist auch kein Zufall, dass der Wald so eng mit dem Black Metal verbunden ist, weil der Wald als solches einfach unheimlich episch ist und einen eigenen Sound hat, so ein Rauschen. Wenn du zum Beispiel so einen Blastbeat hast und dazu dann noch so ein Gitarrenshredding, dann klingt das ja auch wie ein Rauschen und das find ich super. Vielleicht ist die Platte dadurch an manchen Stellen auch noch dunkler geworden.

In Bezug auf das Songwriting finde außerdem ganz wichtig, dass man nicht auf Knopfdruck versucht, irgendwelche Riffs zu erfinden. Weil wir dieses Mal kaum Zeit hatten, habe ich mir morgens direkt nach dem Aufstehen meine Gitarre geschnappt und gespielt. Das ist der einzige Zeitraum am Tag, in dem man Dinge spielt, die nicht den gewöhnlichen Mustern unterliegen und spontan aus dem Bauch kommen, weil der Kopf zu dieser Tageszeit noch nicht so voll ist. Das habe ich dann immer mit dem Handy aufgenommen und da sind Songs draus entstanden.




Genau, die Songs. Dazu habe ich auch noch ein paar Fragen. In eurem neuen Song Era Borealis gibt es diese sehr eingängige Textzeile: „This is death – über alles“. Worum geht es da?

Hanno: Das Grundthema der gesamten Platte ist die Aufnullsetzung jeglichen Lebens. Deshalb eben auch Ode To The Flame - wegen der reinigenden Kraft des Feuers. Ich meine das auch gar nicht im negativen Sinne, sondern eher im drastischen – wie so eine Neuordnung und eine Neugestaltung der Dinge und der Natur. Dieses „death über alles“ steht also eigentlich nur für: Einmal mit Feuer über alles drüber und von vorne beginnen. Die Zeile als solche ist eine Floskel, die von einem Kumpel aus den USA stammt und als deutsche Band fanden wir das lustig. Mit dem Titel Era Borealis muss man in diesem Zusammenhang natürlich aufpassen. Ich will jetzt nicht sagen, dass es um die nordische Ära geht, weil das sehr faschomäßig klingt, aber für mich hat der nordische Wald schon eine sehr große Bedeutung. Ich kann das aber nur sehr schwer erklären. Diesen Rückzug in die Natur setze ich persönlich jedenfalls immer mit dem Rückzug in die nordischen Wälder gleich und damit, dabei nichts als Flammen hinter sich zu lassen.


Meine nächste Frage bezieht sich auf den Song Schwanenstein. Und zwar ist der Schwanenstein ein sogenannter Findling, also ein großer einsamer Stein, der durch einen Gletscher an seinem jetzigen Standort vor der Insel Rügen abgelegt wurde. Worum geht es in eurem gleichnamigen Song?

Hanno: Da geht es um die drei Kinder, die in den 50er Jahren auf genau diesem Stein erfroren sind und wie Schnee von ihm abgekratzt werden mussten. Es gab damals auf Rügen ein Kinderheim und vor der Küste war alles voller Eis. Drei Kinder aus diesem Heim sind über das Eis auf den Schwanenstein geklettert. Dann gab es plötzlich ein Unwetter, das Eis brach und das Meer wurde viel zu unruhig, als dass man die Kinder mit Booten hätte retten können. Als das Wasser sich dann beruhigt hatte und die Rettungstrupps den Stein erreichen konnten, waren die drei Kinder dort festgefroren.


Okay, die letzte Songfrage: Einer der neuen Songs heißt Oz. Mir kam dabei sofort die weltberühmte Fantasiewelt aus dem Zauberer von Oz in den Sinn. Verbirgt sich hinter eurem Oz eine ähnliche Fantasiewelt oder geht es in dem Song um etwas anderes?

Erinc: Nee, da geht es tatsächlich um etwas anderes und zwar um den Hamburger Sprayer Oz.

Hanno: Genau, der ist hier in Hamburg sehr bekannt, aber eigentlich sogar weltweit. Jedenfalls ist er vor kurzem gestorben und hat die Buchstaben „Oz“ als Tag benutzt. Ich finde, dass das einfach unglaublich hart und geil klingt und daher passt es auch zu dem Song. Es geht also nicht um die gleichnamige Traumwelt, sondern einfach nur darum, dass das ein kraftvolles Wort ist. Für mich klingt das wie eine übergeordnete Kraft, die manche Menschen haben, andere aber nicht.


Zum Abschluss muss ich dem Manowar-Merch auf den Grund gehen. Warum, Hanno?

Hanno: Manowar sind geil und da akzeptiere ich keine zwei Meinungen. Viele Menschen merken das gar nicht, aber Manowar haben in manchen Bereichen sogar einen großen Einfluss auf unser Songwriting. Wenn du dir zum Beispiel die Strophe von Schwanenstein anhörst (Hanno imitiert den Rhythmus anhand von Dadadada-Lauten), dann klingt das total nach Manowar oder Bathory oder sowas. Dabei hat man sofort Bilder von stolzen Rittern im Kopf, die über einen Hügel reiten und dann in ein Dorf einfallen. Das find ich tierisch und auch total unpeinlich. Manowar haben natürlich nicht nur geile Sachen gemacht und unsere Version davon ist schon sehr eigen, aber diese Kriegshymnen, die man sich vorsingt, bevor man gemeinsam in den Krieg zieht – das ist eine Manowar-Ästhetik, die mir sehr gut gefällt, ohne dass ich hier jetzt Kriege verherrlichen möchte. Eher so das Gefühl auf dem Wikingerschiff, wenn 48 Mann im gleichen Takt rudern und man weiß, gleich kreist ultra der Hammer. Find ich voll geil.


Ihr seid sehr stolz auf eure Heimatstadt Bremen. Seid ihr dort schon stadtbekannte Helden?

Hanno: Najaaa… Frauen wollen mit uns zusammen sein und Männer wollen so sein wie wir. Wenn wir über den Markt gehen, bekommen wir Obst geschenkt und bekommen überall Drinks ausgegeben.

Erinc: Und wir dürfen schwarzfahren!

Hanno: Nee, also ehrlich gesagt: Ich merke da überhaupt nichts von. Ich bewege mich in Bremen allerdings auch seit 20 Jahren in exakt denselben Kreisen und seit 15 Jahren in denselben Kneipen. Da kommt jetzt keiner an und sagt „Aaalter, wie krass, wie megageil!“ und das muss auch nicht sein. Sowas ist mir auch gar nicht wichtig. Erinç hat sowas öfter. Er ist ja am Wochenende Türsteher auf dem Hamburger Kiez und da kommt das öfter vor, dass Leute ankommen und sagen „Ey, du bist ja der Typ von Mantar!“ Die bekommen dann natürlich sofort auf’s Maul. (lacht)

Was mir tatsächlich etwas bedeutet, ist die Tatsache, dass wir im Moment die Bremer Band sind, die eigentlich am meisten gerissen hat, sich weltweit einen Namen erspielt hat, regelmäßig in den USA ist und solche Geschichten. Das ist für eine Bremer Band sehr selten und ich kann mich nicht daran erinnert, wann es sowas das letzte Mal gab. Da bin ich schon sehr stolz drauf.


Es gab Zeiten, da wusstet ihr gar nicht, ob und wie es mit Mantar weitergeht. Euer Signing mit Nuclear Blast verstehe ich als Statement. Was erwartet ihr von 2016?

Hanno: Wir machen jetzt erstmal eine Pause und spielen im Sommer wieder einige Shows, vor allem auf Festivals. Vielleicht nicht ganz so viele wie im letzten Jahr, aber auf jeden Fall ein paar interessante Sachen. Wir sind zum Beispiel in Litauen, in Tschechien, in Rumänien, in Finnland, wahrscheinlich auch in Spanien und Portugal, den USA, Kanada, Frankreich, England und natürlich überall in Deutschland. Ja und nach dem Sommer fangen wir an, uns mit der neuen Platten den Arsch abzuspielen. Da hab ich auch Bock drauf, aber jetzt ist es auch erstmal schön, noch ein bisschen durchatmen zu können. Die ganze Tourerei war wirklich extrem anstrengend – vor allem, weil wir dabei auch noch eine brauchbare Platte ausscheißen mussten.


Apropos live: Hattest du nicht erzählt, dass ihr mit Svart Records noch ein Live-Album veröffentlichen wollt?

Hanno: Genau und zwar veröffentlichen wir die St. Pauli Sessions, die mal im Internet rumgegangen sind. Viele haben uns nachher gesagt, wie geil und roh sie diese Aufnahme finden, weil sie diesen Livecharakter hat. Deshalb bringen wir das Ganze als Kleinauflage über Svart Records raus.


Weißt du schon wann?

Hanno: Also jetzt gerade finalisiere ich noch das Artwork und danach kommt es dann darauf an, wie lange die Presswerke brauchen. Das kann schon noch ein paar Monate dauern, aber das Teil erscheint auf jeden Fall noch vor dem Sommer.


Okay Jungs, hier meine letzte Frage: Was müsste passieren, damit ihr später auf Mantar als erfolgreiches Projekt zurückblickt?

Hanno: Das ist doch schon so weit.


Ja?

Hanno: Ja, guck mal… Das sagt zwar jede Band von sich, aber als wir angefangen haben, wollten wir eine Aufnahme machen, ein Tape herausbringen und es an Kumpels verteilen. Und wir wollten eine Show in Hamburg spielen, zu der auch Leute kommen - 50 oder so, nur dass es nicht peinlich ist. Außerdem wollten wir die heftigste Band Hamburgs sein, ohne dass ich da jetzt jemanden dissen möchte. Ich finde, dass das alles unglaublich schnell gegangen ist und alles, was über diese Ziele hinausgegangen ist, ist nur noch Benefit. Das ist schon wirklich geil und davon werden wir bis ins hohe Alter zehren. Das nehmen wir nicht als selbstverständlich hin, sondern als Geschenk.

Timon Menge [sludgeworm]

Autor: Timon Menge [sludgeworm] | 15.04.2016 | 20:01 Uhr

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