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Interviewpartner: Ivar Bjørnson

Nicht erst seit gestern begeistern die norwegischen Wikinger von ENSLAVED mit ihrem Progressive Black Metal. Alben wie „Riitiir“ oder „Vertebrae“ brachten der Band nicht nur Verkaufserfolge und Auszeichnungen, sondern wurden auch von den Kritikern sehr geschätzt. ENSLAVED sind eine jener Bands, die es geschafft haben, sich musikalisch immer weiter zu steigern und auch zu verändern, ohne dabei ihre Fans zu stark zu vergraulen. Auch auf dem neuen Album „In Times“ merkt man den Norwegern ihre schwarzmetallische Vergangenheit noch an, auch wenn ENSLAVED heutzutage merklich andere Musik konsumieren und kreieren möchten. Komponist und Gitarrist Ivar hat sich mit Metalnews zu einem Gespräch getroffen, um etwas über die Band und andere Projekte zu sprechen.




Hi Ivar, danke für Deine Zeit! Du hast ja momentan viele Interviews am Laufen. Hast Du das Gefühl, ihr bekommt mehr Aufmerksamkeit, seit ihr bei Nuclear Blast seid?

Ja, das ist wohl so. Es hat eine Form von Parallelentwicklung gegeben - die Alben haben mehr Leute erreicht und wir sind auch viel getourt, also die Band ist auch so bekannter geworden. Aber das hat sicher auch mit Nuclear Blast zu tun. Das ist auch der Grund, warum wir uns für Nuclear Blast entschieden haben. Wir hatten das Gefühl, dass es für den nächsten Schritt nötig ist, unsere Musik und auch die Informationen über uns noch mehr Leuten zugänglich zu machen.


Das klingt so, als hättet ihr nicht mehr viel Zeit für irgendwas anderes außer ENSLAVED. Ist ENSLAVED nun ein Vollzeit-Job oder wie sieht das aus?

Nun, ja fast. Ich bin derjenige, der sich hauptsächlich um die Promotion und um das Songwriting kümmert. Da bleibt nicht mehr viel Zeit für andere Dinge. Aber um ehrlich zu sein, versuchen wir schon, unsere anderen Aktivitäten beizubehalten. Aber nun ist es folgendermaßen: Als wir jünger waren, hatte man vielleicht einen Job und die Band war das Hobby. Nun ist die Band die Hauptsache und nebenbei verrichten wir noch kleinere Jobs als Hobby. Das wäre nicht unbedingt nötig. Ich denke, wenn wir noch etwas mehr touren würden oder mehr Projekte am Laufen hätten, dann könnten wir wohl davon leben. Aber darum geht's nicht. Es ist einfach stimulierend, wenn man andere Dinge tut. Ich zum Beispiel stelle Konzerte von ganz verschiedenen Genres auf die Beine. Und das ist eine große Leidenschaft von mir und die würde ich auch niemals aufgeben.


Auch andere Bands stehen ja an dieser Schwelle, dass sie von der Musik leben könnten, aber dies bewusst nicht tun. Hast Du das Gefühl, dass es ENSLAVED stark verändern würde, wenn ihr davon leben müsstet? Müsstet ihr andere Musik machen?

Es geht eher darum, dass die Balance momentan natürlich ist. Ich habe dadurch auch einfach die Freiheit, mich mehr auf andere Projekte oder auf das Songwriting oder auf die Ausarbeitung spezieller Konzerte zu konzentrieren. Dann können wir uns wieder eine Weile nur auf ENSLAVED konzentrieren. Aber mir geht es darum, mein Hirn zu stimulieren. Denn wenn man nur an der Band arbeitet, dann kann man natürlich sehr technisch werden und so weiter, aber ich habe das Gefühl, dass ich einfach etwas Input brauche. Man kann das mit einem verheirateten Paar vergleichen, dass nicht mehr weiß, wohin es steuert. Wenn zwei Leute in einem Wohnzimmer sitzen und sich nur gegenseitig anschauen, dann gibt es bald nichts mehr, über das man reden kann. Ähnlich scheint es bei einer kreativen Person zu sein. Wenn man sich auf ein Projekt limitiert und sonst nur rumliegt und den Rest des Tages Playstation spielt, dann glaube ich, dass das Hirn langsam abstirbt. Es bleibt dann nur noch dieser kleine Teil übrig, der sich auf die Band konzentriert. Dann verliert man den Bezug zur Welt. Für mich ist es nicht komisch, dass Menschen Alkohol- und Drogenprobleme entwickeln, wenn sie nur eine Karriere als Künstler haben. Denn was gibt es schon zu tun, wenn man nicht auf der Bühne steht oder Musik schreibt.


Man muss Interviews mit Leuten wie mir führen ...

Ja, wir haben da Glück, weil wir in einer Musik-Szene unterwegs sind, in der man auch eine "intellektuelle" Beziehung zur Musik hat. Wir haben beide eine Beziehung zu Metal und wir können über die Philosophie der Musik oder was auch immer quatschen, aber wenn man ein Pop-Musiker ist, dann muss man jeden Tag 200 Interviews geben, und man fragt dich, was deine Lieblingsfarbe ist. Dann wird man am Ende einfach verrückt.


Wie schon erwähnt, organisierst Du ja auch Konzerte, und momentan passiert da einiges. Du bist beim Bergenfest in Norwegen involviert und beim Roadburn bist Du momentan Kurator. Was machst Du denn da genau? Was ist Deine Hauptarbeit? Suchst Du da nur Bands aus oder kümmerst Du Dich auch um die Hotelbuchungen et cetera?

Beim Bergenfest kümmere ich mich um den Ablauf des Festivals. Ich arbeite also mit den Leuten in der Organisation und schaue, dass da mit den Computern und der Database alles klappt. Das ist ein ziemliches großes Festival und man muss da viele Leute herholen. Ich arbeite auch viel mit den Leuten, welche die Bühne aufbauen. Da muss ich auch schauen, dass sie immer genau angeben, wie viel Stunden sie am Tag gearbeitet haben. Wir machen auch die Budgets. Da arbeiten dann teilweise bis zu 200 Leute, und dann braucht man natürlich frühzeitig die Kalkulationen für das eigentliche Management. Also das ist ziemlich das Gegenteil davon, was ich sonst auf Festivals mache. Ich bin so weit von den Bühnen entfernt wie es nur geht. Und wenn die Musik losgeht, dann gehe ich heim, haha! Das ist die Anti-Festival-Arbeit!


Du suchst ja auch gemeinsam mit Kvitrafn [WARDRUNA] Bands für das Roadburn-Festival aus, für welches Du momentan Kurator bist. Wie funktioniert das? Sagst Du da einfach, dass Du gerne diese Band hättest, und dann passiert das?

Nun, ich stelle einen Tag mit drei Bühnen auf die Beine. Und für diese drei Bühnen gibt es einfach eine gewisse Kapazität. Das heißt, das Festival gibt uns zuerst einen Überblick darüber, was für Bands da passen – nicht musikalisch, sondern einfach von deren Größe/Bekanntheit her. Dann kriegt man Vorgaben, dass man vier oder fünf lange Sets buchen kann oder auch sechs kürzere et cetera. So Zeug halt. Und ansonsten gibt es auch noch gewisse Inputs und Parameter, aber eigentlich erstellt man dann einfach eine Wunschliste. Ich denke, ich hatte dieses Mal großes Glück, denn die erste größere Band, die ich dabeihaben wollte, waren FIELDS OF THE NEPHILIM. Und die haben gleich ja gesagt. Sie haben sogar darauf bestanden, dass sie vor ENSLAVED und WARDRUNA spielen, weil es unser Tag sei. Sowas erzeugt dann natürlich Druck, weil die Lieblingsband vor einem spielt. Aber das ist auch eine gute Motivation. Abgesehen davon war alles ziemlich einfach, wenn man von einer Band absieht. Wir wollten eine schwedische Folk-Band für die zweite Bühne, aber die konnten aus gesundheitlichen Gründen nicht. Aber abgesehen davon haben alle zugesagt. Es ist auch einfach ein sehr ehrliches Festival. Jeder weiß, dass sie nur genug Tickets verkaufen wollen, um die Bands und die Fixkosten zu bezahlen und nächstes Jahr weitermachen zu können.




Wie schon gesagt, spielt ihr da auch mit ENSLAVED, und zwar zwei Shows. In einer Show konzentriert ihr euch auf die archetypischen Ideen der nordischen Götter. Ihr spielt da vor allem eure Songs, in denen es um alte Götter und deren Bedeutung geht. Könntest Du uns darüber vielleicht noch etwas mehr erzählen? Wie kam das auf, wie wird das genau aussehen und was wollt ihr damit sagen?

Das ist eine Idee, die uns gekommen ist, als wir uns für das Thema unseres Roadburn-Tages entschieden haben. Dieses nennt sich „Houses Of The Holistic". Es war gar nicht einfach, ein Thema zu finden, denn ENSLAVED und WARDRUNA haben natürlich diese nordischen Wurzeln, aber das war uns zu eng. Dann wird es so eine skandinavische Sache. Wir wollten da etwas Offeneres. Wir haben uns die Bands angeschaut, die wir gerne einladen würden, und festgestellt, dass sie einen holistischen Ansatz haben. Es gibt natürlich Variationen – FIELDS OF THE NEPHILIM sehen das eher von ihrem okkultistischen und von Crowley inspirierten Konzept, aber es bleibt eine ganzheitliche und inkludierende Philosophie. ENSLAVED und WARDRUNA haben das Nordische. Bei SOLSTAFIR bin ich mir nicht wirklich sicher, ob die immer noch mythologische Referenzen haben, aber einfach weil sie so isländisch sind, ist das schon eine mythologische Sache haha. Ja, dann haben wir uns gefragt, was können wir mit ENSLAVED eigentlich machen, und dann kam uns diese Idee. So ein Konzert passt auch gut zum Roadburn Festival, weil mit der Songauswahl, den Themen der Songs und dem visuellen Konzept hat man dieses Archaisch-Mythologische und gleichzeitig den moderneren Ansatz, da ja der Schweizer Psychologe C.G. Jung die nordischen Götter im Sinne von Archetypen interpretiert hat. Diese beiden Sachen repräsentieren die antiken nordischen Texte gut. Da kommt man an den Kern dieser Texte.


Letzte Frage zum Roadburn: Du spielst ja auch eine Special-Show mit den Musikern von WARDRUNA namens SKUGGSJÁ. Das habt ihr schon einmal gemacht, und zwar in Norwegen, um den Leuten die nordische Mythologie näher zu bringen. Könntest Du uns darüber was erzählen? Worum geht es da genau? Und plant ihr noch mehr Shows zu spielen?

SKUGGSJÁ war eigentlich eine Auftragsarbeit. Die norwegische Regierung feierte letztes Jahr die 200-Jahr-Feier der norwegischen Verfassung. Wir sind damals von der furchtbaren dänischen Regierung freigekommen. Und bei dieser Feier gab es verschiedene Ansätze. Die zwei wichtigsten Sachen waren dabei der Fokus auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau, da dies schon damals in der Verfassung sehr wichtig war. Unsere Verfassung war eine der ersten auf der ganzen Welt, die das bedacht hat. Finnland war vielleicht noch früher. Die andere Sache ist die Meinungsfreiheit. Und diesbezüglich hatten sie die Idee, dass der Extreme Metal ein großer Teil der norwegischen Kultur ist. Diese Kunst ist ja bekannt dafür, einige verstörende Sachen zu sagen – zumindest für die Öffentlichkeit. Die Regierung hat sich aber dafür entschieden, dass man darin einen künstlerischen Wert finden kann und dass es in einer Demokratie notwendig ist, auch solche Stimmen zu haben. Zusätzlich wollten sie aber eine Verbindung zu der Geschichte Norwegens und der norwegischen Kultur. Das ist allerdings etwas komisch, denn dieses bzw. unser Wikinger-Projekt war das einzige, das sich auf die vorchristliche Zeit bezogen hat. Das Ganze war dann wie ein Festival. Es gab einen Wikingermarkt, Schaukämpfe [die finde ich immer etwas seltsam, aber wenn die Leute es mögen], aber auch akademische Exkursionen, die mit dem Entstehen der norwegischen Konstitution 1814 zu tun hatten. Da gab es auch Wikinger-Gräber und Wikinger-Dörfer und so weiter. Das Publikum konnte sich das anschauen und Akademiker haben darüber referiert, was da los war und welcher Wikinger-König da begraben liegt et cetera. Am Abend gab es dann die Konzerte mit ENSLAVED, WARDRUNA und dem speziellen Projekt SKUGGSJÁ. Das war also der Rahmen der Sache. Wir wollten mit dieser Sache auch Widerstand dagegen leisten, dass man einen großen Teil der norwegischen Geschichte verdrängt bzw. entfernt hat. So wie es in vielen christlichen Kulturen der Fall ist. Und wo es dann nicht passt, erfindet man einfach etwas. So ist z.B. ein großer Wikinger-König St. Olaf. Damals nannte man ihn aber „Olaf der Fette", weil er ein sehr gieriger und furchtbarer Diktator war. Er hat Kinder entführt, um Menschen zu unterdrücken und so weiter. Er war die Wikinger-Form von Assad oder Saddam Hussein et cetera. Aber das passt nicht gut zur Geschichte der Christianisierung, also hat man die Geschichte umgeschrieben. Er wurde ein Heiliger und ein netter Kerl, der den Kindern Milch und Honig gegeben hat. Also ging es bei uns auch darum, dass es einer aufgeklärten Demokratie nicht würdig ist, noch solche Leichen im Keller zu haben. Das ist genau so, als würden die Amerikaner die ganze Sache mit den Indianern umschreiben. So als wären die Europäer alle friedlich gewesen und die Ur-Einwohnern leider an den Folgen von Krankheiten gestorben. Das Ganze führte dann zu einer recht fruchtbaren Diskussion in Norwegen und auch im akademischen Kontext wurde es aufgenommen. Es wurde einfach mehr wahrgenommen, dass die Hälfte unserer mittelalterlichen Geschichte totaler Blödsinn ist. Das sind einfach erfundene Geschichten, die wie Märchen klingen sollen.

Und zum letzten Teil der Frage, wenn ich mich noch erinnern kann haha: Ja, wir planen derzeit eine Aufnahme [jetzt, wo das ENSLAVED-Album fertig ist] und es wird auch eine Tour geben. Diese wird allerdings nicht passieren, bevor wir den kommenden Tourzyklus mit ENSLAVED abgeschlossen haben. Also Frühjahr 2016 wäre wohl meine Schätzung.



Jetzt müssen wir doch etwas über „In Times" sprechen. Es ist auffallend, dass ihr dieses Mal wieder mit den Leuten gearbeitet hat, mit denen ihr schon auf euren letzten Alben kollaboriert habt. Beim Mixing, Mastering und dem Cover-Artwork hat sich nichts geändert. Hattet ihr jemals das Gefühl, dass ihr einmal neue und frische Perspektive brauchen könntet? Um euch nicht zu wiederholen?

Um ehrlich zu sein, es gab da natürlich diesen Gedanken, dass wir aufpassen müssen, dass uns das nicht passiert. Aber gleichzeitig sind wir – zumindest momentan – zu dem Ergebnis gekommen, dass wir mit denselben Leuten noch ganz viel erreichen können. Wir nehmen als Band ja unsere Sachen jetzt selber auf, bevor die Musik abgemischt wird. Schon alleine da gibt es noch ungeheures Potenzial, was die Verbesserung des Aufnahmeprozesses betrifft und so weiter. Momentan versuchen wir so viel wie möglich live im Studio aufzunehmen. Wir müssen also mehr proben, damit es besser klingt. Beim Artwork hatten wir dieses Mal allerdings einen etwas anderen Zugang. Wir haben Truls Espedal mehr Gedanken und Einsichten in die Lyrics mitgeteilt. Das hat zu einem Cover geführt, das vielleicht nicht so detailliert, aber gleichzeitig viel stärker ist; schon alleine wegen den Farben. Also denke ich, aber da rate ich jetzt nur, dass wir so noch ein paar Alben produzieren werden, bevor wir das Gefühl haben, alles ausgereizt zu haben.


Ihr habt ein Video online gestellt, in welchem Truls Espedal erklärt, wie das Artwork entstanden ist. Da meint er, dass das Symbol in der Mitte der entscheidende Teil des Artworks ist und dass alles anderes sich um dieses aufbaut. Inwiefern ist dieses Symbol so wichtig? Und inwiefern repräsentiert das Symbol auch das lyrische Konzept?

Grutle und ich haben die Lyrics geschrieben und das Konzept entworfen. Wir haben eine etwas andere Perspektive als der Zeichner. Das Cover-Artwork dreht sich viel um Landschaften und verschiedene Ebenen von Plätzen. Im Hintergrund sieht man den Anfang, das Chaos, das Primordiale, das Ungeschliffene. Bezüglich des Vordergrunds ist es wichtig, das eigentliche Album zu haben, denn auf der Rückseite wird das Rätsel um diese Personen gelüftet. Auf jeden Fall repräsentiert der Vordergrund die Küste, also unsere Seite des Ozeans, während der Hintergrund die andere Seite des Ozeans darstellt. Das kann man jetzt auf verschiedene Arten konzeptualisieren. Man kann es mythologisch sehen. Das wäre nur natürlich bei ENSLAVED. Dann geht es um den nordisch-mythologischen Ort von Feuer und Eis, also jener Platz, von dem alles abstammt. Dagegen steht der moderne Mensch auf der anderen Seite dieses magisch-mythologischen Ozeans. Aber man kann es auch psychologisch interpretieren. Wir haben C.G. Jung ja schon angesprochen – das individuelle Bewusstsein und das gemeinsame Unterbewusstsein. Man könnte es auch von einer zeitlichen Perspektive deuten. Das Jetzt ist hier und die Zukunft oder die Vergangenheit sind auf der anderen Seite und so weiter. Und dieses Symbol in der Mitte ist dasjenige, was sich niemals verändert. Das ist also das Portal oder die Brücke zwischen der Dualität. Insofern würde ich mit dem Künstler übereinstimmen, dass das Symbol der Kern des Gedankens ist. Es ist das einzig unveränderliche Element.


Und da das Album „In Times" heißt, ist wohl die zeitliche Interpretation die offizielle?

Ich weiß nicht, es gibt da keine offizielle Version. Sogar ich ändere meine Perspektive regelmäßig. Jetzt wo Du es so sagst, klingt die zeitliche Interpretation am vernünftigsten. Ich meine, Grutle sieht das Ganze immer mythologisch und ich eher psychologisch. Das ist auch so eine Dualität in der Band. Also irgendwo dazwischen liegt wohl die Wahrheit. Aber der Auslöser für das Album war auf jeden Fall das Konzept der Zeit. Dabei ging es auf jeden Fall um das „Paradox", dass man in multiplen Zeiten existiert – physiologische Zeit, mythologische Zeit, psychologische Zeit und so weiter.


Die Frage hast Du wohl schon ein paar Mal gehört, aber der Titel „In Times" ist sehr ungewöhnlich für ENSLAVED. Die letzten Alben hatten einen direkteren Bezug zu Runen und zur nordischen Mythologie. War das eine bewusste Entscheidung, sich davon etwas zu lösen? Oder hat sich das natürlich entwickelt?

Das ist einfach so passiert. Bei uns gibt es immer einen Bezug zu den Arbeiten, die wir früher gemacht haben. Wir kamen also gerade von "Riitiir", das sehr ritualistisch war und in dem es auch um multidimensionale Existenz geht. Da haben wir das sowohl etwas esoterisch als auch recht wissenschaftlich und konkret behandelt. Das war sehr inspirierend und die Sache mit der Quantenphysik war sehr spannend. Ich meine, jetzt ist ein Punkt erreicht, wo schon fast die Wissenschaft verrückt klingt und die Mythologie eher normal. Aus irgendeinem Grund sind nun all diese Elemente hochgekommen, die mit Zeit zu tun haben und, vielleicht unbewusst, so ist es dazu gekommen. Dann ist mir der Titel eingefallen und ich habe ihn gleich Grutle gezeigt. Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht wüsste warum, aber dass mir der Titel sehr gut vorkäme. Wir hatten auch zuerst das Gefühl, dass er sich von den anderen sehr stark unterschied. Aber der Titel verschwand einfach nicht. Immer wenn wir an eine Alternative gedacht haben, blieb dieser Titel ganz oben auf der Liste.

Außerdem sollte der Name auch in der Schweiz populär werden, da sie ja so viele Uhren machen.


Ja, das klappt vielleicht! Eine interessante Idee. „Vikingligr Veldi" und „Frost" wurden ja 2014 20 Jahre alt. Ihr habt da ja eigentlich gar nichts Großes draus gemacht – kein spezielles Konzert, keine spezielle Veröffentlichung et cetera. Warum?

Ja, das ist etwas zum Feiern. Aber um ehrlich zu sein, wir raffen gerade alles zusammen. Es ist so, wie wenn man zu lange den Boden nicht mehr gewischt hat. Dann wird es ein großer Haufen und diesen müssen wir abarbeiten, wenn wir nächstes Jahr den 25. Geburtstag von ENSLAVED feiern. Da werden wir auch für die Alben etwas machen. Ich würde gerne mit der Band zu diversen Orten fahren, wo diese Alben sehr wichtig sind, und dort Konzerte spielen. Ich weiß z.B., dass gerade „Frost" in Frankreich und der Umgebung sehr wichtig ist. Also vielleicht können wir irgendwo zwischen Frankreich und Deutschland ein „Frost"-Konzert machen. Vielleicht können wir auch irgendwo „Below The Lights" machen. Es ist ja nicht so, dass diese Sachen nicht wichtig wären. Aber letztes Jahr sind so viele Dinge passiert und wir konnten kaum all jene Dinge tun, die wir unbedingt machen mussten. Wir haben uns diese Dinge also aufgespart.


Also ist es nicht so, dass ihr mit diesen Alben oder dieser Black Metal Musik nichts mehr anfangen könnt?

Nein, überhaupt nicht. Wir arbeiten immer noch am Re-Issue des ersten Albums, eine luxuriöse Edition. Aber leider ist sie schon sechs Monate überfällig. Jeder, der involviert ist – z.B. wird das Artwork von einer sehr bekannten Person gemacht –, macht das nur, weil er eine spezielle Beziehung zum Album hat. Und die Leute helfen da alle, und zwar umsonst. Das sind alles erfolgreiche Künstler und die müssen sich zuerst um ihre bezahlten Jobs kümmern. Aber es wird passieren. Und von „Frost" spielen wir ja immer noch viele Dinge.


Squiggofant

Autor: Jonathan Jancsary [Squiggofant] | 24.02.2015 | 13:54 Uhr

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