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Interviewpartner: Jaz Coleman


Jaz Coleman ist nicht nur Frontmann der britischen Post-Punk-Legenden Killing Joke, sondern vor allem Freidenker, Querkopf und Aussteiger im erweiterten Sinne. Der 55-Jährige Brite verachtet seine Heimat und die USA und lebt dafür alternierend in Neuseeland, der Schweiz und Prag. Er braucht die Massen genauso wie er sie verachtet und redet mit seinem Bruder, einem weltweit anerkannten Wissenschafter, kaum ein Wort. Er liebt die Klassik, ist Buchautor und verstärkt die Bühnenshows meist mit einer visuellen Portion Theatralik. Vorhang auf für ein Gespräch abseits gängiger Normen und Denkmuster.




Jaz, den Bandnamen KILLING JOKE hast du in einem Interview einmal so erklärt: „Das Gefühl eines Kerls im Ersten Weltkrieg, der dabei ist, aus dem Schützengraben zu stürmen … und er weiß, dass er in etwa zehn Minuten tot sein wird, und er denkt an diesen Arsch daheim in Westminster, der ihn in diese Situation gebracht hat. Das ist das Gefühl, das wir versuchen rüberzubringen … den todbringenden Witz.“ Das klingt wie ein schwarzhumoriger Witz mit einem würzigen Nachgeschmack. Ist diese Erklärung noch immer aktuell?

Ich denke schon. Ich sehe die Dinge heute aber wesentlich positiver, weil sich unser Schicksal in gute Bahnen gelenkt hat. Die Liebe hat die Furcht besiegt. Ich fühle mich in der Welt prinzipiell wohler als früher, obwohl mich immer noch viele Dinge verunsichern. Dazu zählen unter anderem Nanotechnologie-Peilsender und andere Sachen, die der normale Mensch nicht sieht. Mich jagen im Prinzip auch 40 Jahre später noch dieselben Ängste – nur anders verpackt.


Du warst immer jemand, der seine Finger in offene Wunden legte und hast ein bewegtes Leben hinter dir. Unter anderem hast du in der Schweiz Internationales Bankwesen studiert …

Korrekt, aber mir ging es vor allem darum, die christliche Religion zu erlernen, um zu wissen, wie ich sie zerstören kann – in lustiger Art und Weise. Ich persönlich glaube nicht daran, dass Jesus Christus eine menschliche Person war, die wiederauferstanden ist. Für mich heißt der christliche Gedanke: Wenn wir in einem Akt der Gnade agieren, wenn wir inspiriert sind und uns gut fühlen, dann sind wir alle Jesus. Das ist wohl eher eine spirituelle, denn eine religiöse Ansicht.


Wie passt das jetzt aber mit dem wirtschaftlichen Hintergrund deines Studiums zusammen?

Mir ging es bei dem Studium einfach darum, dass ich verstehen kann, was in der Welt so vor sich geht. Ob du es glaubst oder nicht, aber die Welt wird nicht von Regierungen regiert, sondern von Zentralbanken. Und all diese Banken werden von Basel aus geführt. Ich habe in diesem Studium die Machtstrukturen der Welt verstehen gelernt. Du hast als die führenden Glieder einen Präsidenten und seine Regierungsmitglieder, die militärischen Strukturen und die Zentralbanken.


Wolltest du damit den Feind von innen bekämpfen?

Ich bin ein Sänger in einer Band, Mann.


Diese Selbsteinschränkung nimmt dir doch keiner ab…

[lacht] Mich interessiert es einfach zu sehen, wie weit ich bei gewissen Dingen gehen kann. Wo ich Menschen inspirieren oder erwecken kann, um ihnen die Mechanismen der Welt zu erklären und Auswegmöglichkeiten aufzuzeigen. Ich bezeichnete mich selbst als überzeugten Anti-Amerikaner, denn ich bin mir sicher, dass der meiste Wahnsinn dieser Welt direkt aus dem Pentagon kommt. Ich war eine Zeit lang in Russland und habe dort gesehen, wie die westlichen Mainstream-Medien daran arbeiten, einen alten neuen Feind aufzubauen. Die Russen können niemals über Europa drüberrollen oder Großbritannien einnehmen, das ist so lächerlich. [lacht] Aber die Medien drücken uns förmlich einen neuen Krieg aufs Auge. Ich denke, ich spiele in einer sehr kleinen Form eine Rolle, den Menschen die Absurdität dieser Sache näherzubringen.


Die PR-Maschinerie der Russen ist wahrscheinlich mächtiger als deren tatsächliche militärische Strukturen.

Das müssen sie auch so machen. Als die Sowjetunion zerfiel hat der damalige US-Außenminister James Baker Michail Gorbatschow garantiert, dass die Grenzen nicht verändert werden würden, was gelogen war. Lass uns das in die richtige Perspektive setzen: Die Russen haben drei Übersee-Basen, die USA haben mehr als 600. Natürlich müssen sie die PR-Maschinerie anwerfen.


Nun haben die Amerikaner mit Donald Trump einen Präsidenten, der den Kontakt zu Russland zu suchen scheint.

Ich mag Hillary Clinton nicht. Ich mag auch Trump nicht, aber Clinton ist für mich wie ein Krebsgeschwür für das ganze Land. Sie kommt aus einer Politikerkaste, wo alles genormt ist und Denken außerhalb gängiger Schemata verpönt ist. Dort geht es nur darum, die eigenen Kinder so schnell wie möglich in diese Bahnen zu lenken. Clinton ist für mich schlimmer als Trump. Aber es gibt ja wenig Auswahl oder? [lacht] Die Politik und ihre Verhaltensweisen beeinflussen uns. Jedes Mal wenn ich in den Himmel schaue, sprühen sie uns von dort mit Gift voll. Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass wir Experimente militärischer Operationen sind. Was soll ich dazu noch sagen? Die Amerikaner sind fünf Prozent der Weltbevölkerung und verwenden 55 Prozent der natürlichen Ressourcen auf dieser Welt. Indiens Bevölkerung stellt 18 Prozent der Welt dar und braucht nur zwei Prozent dieser Ressourcen. Seit dem letzten Weltkrieg haben die USA 28 Kriege begonnen – das sind die Fakten und deshalb werden KILLING JOKE niemals wieder in den USA spielen. Und wenn, dann sind sicher nicht mit mir.


Kommen wir mal zur Band – seit acht Jahren sind bei KILLING JOKE wieder die Gründungsmitglieder am Werk. Was hat sich im Vergleich zu früher zwischen euch verändert?

Wir sind uns näher als früher, das definitiv. Ruhiger geworden sind wir nicht, aber es gibt zumindest keine Faustkämpfe mehr in der Band. Wir haben über die Jahre realisiert, wie wichtig wir für uns sind. Die Jungs sind meine Gliedmaßen, ein Teil meiner selbst. Auch wenn es wirklich schwierig ist, liebe ich sie, denn ich weiß, wie wertvoll wir füreinander sind. Eine Band ist schwieriger zu handhaben als eine Ehe, aber meine Band ist länger zusammen als meine Ehe gehalten hat. [lacht] Am wichtigsten ist es, Bands mit Freunden zu gründen. Es geht nicht um das Ziel, sondern um die Reise.


Ihr hattet innerhalb der Band sehr oft unheimlich viel Stress. Gab es mal eine Zeit, wo du nicht mehr daran geglaubt hast, dass die Band wieder existieren könnte?

Nein, das war nie ein Thema. Selbst als unser Drummer Paul Ferguson die Band verließ und dann etwa 20 Jahre nicht dabei war, wusste ich immer, dass er zurückkommen würde. Da hatte ich nicht den geringsten Zweifel.


Du bist ursprünglich mit der Klassik aufgewachsen, dann hast du KILLING JOKE gegründet, aber später immer wieder auf deine Ursprünge zurückgegriffen. Was gibt dir Klassische Musik, was dir Populärmusik nicht geben kann?

Andere Konzerthallen, ein anderes Publikum und schönere Frauen. [lacht] Natürlich gibt es auch bei KILLING JOKE schöne Frauen, aber rein musikalisch sind das zwei verschiedene Universen und ich liebe es, dazwischen hin- und herzuspringen.




Du hast auch ein Buch verfasst und in einem Film mitgespielt. Haben all diese Kunstformen für dich dieselbe Wertigkeit und Wichtigkeit?

Ich denke schon. KILLING JOKE ist nicht alles, was wir im Leben haben. Jedes Bandmitglied macht auch viele andere Dinge. Wir haben in der Band Komponisten, Architekten und Buchautoren. Unsere Botschaft ist: Selbsterziehung. Und das ist unser Vermächtnis.


Du bist nicht unbedingt ein großer Freund moderner Kommunikationsgeräte wie Smartphones oder iPads…

[lacht laut auf] Das ist eine unglaubliche Untertreibung. Ich gehöre zur letzten Generation, die stolz darauf ist, das nicht zu brauchen. Ich zeige dir mein Handy [kramt ein uraltes Tastenhandy aus der Jackentasche - Anm. d. Verf.]. Das benutze ich hie und da, weil sie es mir aufgezwungen haben. Ich brauche keine Computer und nichts dergleichen.


Wie recherchierst du dann all die Dinge, die dich interessieren?

Mit Kommunikation und Gesprächen. Ich vermisse die engen Beziehungen der Menschen, um vernünftig miteinander kommunizieren zu können. Im letzten Jahrhundert war das noch gang und gäbe, heute ist nichts mehr davon übrig. Ich habe auch Töchter und sehe das mit Sorge – mir gefällt es nicht, in welche Richtung sich die Gesellschaft entwickelt hat.


Macht es dich wahnsinnig, wenn deine Töchter mit ihren Smartphones herumspielen?

Ja, das kann ich nicht leugnen. Aber meine älteste ist 28 und versucht das nicht in meiner Gegenwart zu machen.


Euer aktuelles Album „Pylon“ drehte sich primär auch um die Tücken der modernen Technologie.

Ich beobachte das sehr genau. Ich habe ein großes Interesse an wissenschaftlichen Entwicklungen. Mein Bruder Piers ist einer der berühmtesten Wissenschaftler der Welt und ich habe viel von ihm gelernt. Er ist Amerikaner.


Wie ist eure Beziehung zueinander, nachdem du so amerikafeindlich bist?

Wir können kaum miteinander reden oder diskutieren, weil ich da sofort durchknalle. Wir haben seit einigen Jahren nicht mehr miteinander gesprochen. Wenn ich sehe, wie es auf der Welt zugeht, dann steigert das meine Spiritualität. Erklär das mal einem Wissenschaftler. [lacht]


Was fürchtest du an der modernen Technologie am meisten?

Ganz einfach: die Leute demonstrieren nicht mehr so intensiv wie vor 30 Jahren.


Das kommt aber ganz auf das jeweilige Land an.

Das stimmt, aber es wird immer weniger, weil die Leute Angst haben, ihre Jobs zu verlieren. Sieh dir nur das Schicksal von Edward Snowden an – ein Grund mehr, warum wir Menschen leider immer stärker in eine Lage der Selbstzensur verfallen. Sobald wir damit beginnen, verlieren wir unsere Eigenständigkeit und gleichen uns immer mehr an. Es gibt keine großen Persönlichkeiten mehr. Ich hasse diesen Trend. Edward Snowden hat uns mehr oder weniger erklärt, dass die Mächtigen uns abdrehen können, weil wir so viel Nanotechnologie in uns haben.


Wo habe ich meine Nanotechnologie?

In deinem Körper, das kann ich dir beweisen. Wir können nichts dagegen tun.


Kannst du mir da ein konkretes Beispiel geben?

In deinem Körper sind Nano-Würmer. Seit mehr als 25 Jahren wird dieses Gift am Himmel versprüht und es dringt in dein Gehirn, deinen Intellekt. Sie haben über deine Organe dann die gesamte Kontrolle über dich als Mensch. Sie können dich foltern und was auch immer sonst sie wollen. Wenn du mir das nicht glaubst, dann solltest du den bekannten „Red Wine Spit Test“ machen. Der zeigt dir die Nano-Würmer in deinem Körper auf.


Wie funktioniert dieser Test?

Du musst zum Carnicom Institut gehen und die Professoren dort machen das mit dir. Auf YouTube gibt es eine genaue Anleitung und du siehst dann die gesamte Nanotechnologie in deinem Körper.


Wenn du immer von „denen“ redest – meinst du das Pentagon?

Natürlich, es ist garantiert das Pentagon.


Glaubst du auch, dass das Pentagon die Denkweisen der Menschen steuern kann?

Natürlich. Die chemisch-elektronische Kontrolle von Menschen findet garantiert statt. Das geschieht in einer großen Häufigkeit und ist wieder direkt mit der Nanotechnologie in deinem Körper vernetzt. Durch bestimmte Mikrowellen werden deine körperlichen Funktionen gesteuert. Durch die Smartphones und all die nanotechnologischen Ingredienzen, die sich in unserem Körper befinden, unterliegen wir dem Transhumanismus. Diese Dinge passieren, sie sind echt. Die Vereinten Nationen sagen immer, dass das Versprühen dieser Gifte über uns illegal ist, aber sie tun es trotzdem.


Nennen wir das Kind beim Namen – du redest von Chemtrails.

Natürlich.


Alles klar. Du hast mehrere Orte, an denen du lebst, die meiste Zeit verbringst du aber in Neuseeland. Warum gerade dort?

Ich bin so weit wie möglich von anderen Menschen entfernt. Ich lebe dort auf einer kleinen Insel mit 400 anderen Menschen. Dort kann ich die Welt vergessen und in Frieden leben. Aber ich lebe auch sehr oft direkt in deiner Nähe – nämlich in Prag.


Lass mich zu Neuseeland noch eine Frage stellen. Einerseits bist du froh, wenn du deinen Frieden hast und abgeschieden lebst, andererseits bist du auf Tour immer von Hunderten Fans umzingelt. Wie passt das zusammen?

Ich brauche beide Seiten der Medaille. Ich könnte es mir auch leicht machen und nicht mehr auftreten, aber das ist kein Thema für mich. Wir haben eine sehr angenehme Art von Fans, die sind nicht so wie jene von U2. [lacht]


Was macht Prag für dich so besonders?

Du bist zu jung um zu wissen, wie sich Berlin in den späten 80er-Jahren angefühlt hat. Das hatte immer ein Gefühl von Illegalität, weil man an bestimmte Türen klopfen musste, um in Keller zu kommen, wo man dann Joints rauchen und auftreten konnte. Prag hat dieses Feeling immer noch und ich kenne das sonst von nirgends mehr. Prag ist einfach eine Stadt der Gegenkultur. Ich mag es, wenn Freiheit ein wichtiger Teil des Seins ist und in Prag fühlt man sich extrem frei.


Hat Prag denn heute immer noch diesen rebellischen Geist, der vor der Maueröffnung herrschte?

Leider nicht mehr genug. Überall wo ich hingehe, gibt es einen rebellischen Geist. Neuseeland ist ein ziemlich langweiliger Staat – bis ich komme. [lacht]


Was hat zB Wien an sich, dass dich daran hindert, hier leben zu wollen?

Ich bin jemand, der sich hier unwohl fühlt, das liegt nicht an der Stadt. Wir spielen hier in der ((szene)) Wien. Diesen Club mag ich. Er ist abgefuckt, dreckig – ein alternatives Scheißloch. Das macht Schönheit für mich aus. Der Rest von Wien ist mir einfach zu sauber und gelackt.




Welches Verhältnis pflegst du zu deiner ursprünglichen Heimat England?

Ich kann England nicht mehr mein Heimatland nennen. Das ist 30 Jahre her, für mich ist so ein Gefühl gar nicht mehr möglich. KILLING JOKE war für mich das Ventil, um dort rauszukommen, ich halte es dort überhaupt nicht aus. Ich mag die Leute. Aber das Land, das Wetter, das Essen und die Lebenskosten – ich bin allergisch dagegen.


Würdest du dich als Kosmopoliten bezeichnen?

Ich sehe mich mehr als Europäer denn als Brite. Um ehrlich zu sein ist mir der ganze Brexit scheißegal. Es war lustig, sich das anzusehen. Wie eine große Show. Ich habe keine großen Emotionen, die ich mit diesem Thema verbinde. Schau – ich mag den Gedanken der Demokratie. Aber Demokratie kann nicht funktionieren, wenn weniger als ein Prozent der wählenden Menschen keine Ahnung haben, über was sie da überhaupt abstimmen. [lacht] Demokratie erfordert Information und Bildung. Das wir in diesem Bereich ein Problem haben, das zeigte zuletzt ja die Wahl von Donald Trump. [lacht]


Die Information an sich wird immer kanalisierter weitergegeben.

Die Mainstream-Medien bringen mich zum Kotzen. Ich habe die Schnauze so voll davon. Ihr Plan ist es ja, die Leute durch ihre Propaganda-Nachrichten immer dümmer und dümmer zu machen. Meine Botschaft ist simpel – bildet euch selbst eure Meinung und passt auf, woher ihr eure Informationen kriegt.


Aber wenn man sich selbst nur auf eine Schiene begibt und gewissen Theorien folgt, wird man auch niemals beide Seiten der Münze betrachten können.

Es gibt zu allem einfach zu viel Information. Es gab einmal eine Welt vor den Computern. Man musste sich ein Buch kaufen oder ausborgen und nach etwas suchen, um eine Antwort zu finden. Natürlich muss man dann immer verschiedene Seiten betrachten, das ist klar.


Wie hast du das mit deinen Töchtern gemacht?

Um ehrlich zu sein, habe ich sie niemals in eine Richtung gepusht. Sie sehen ja ohnehin, was meine Meinung zu gewissen Themen ist und welchen Zugang ich habe. Meiner Meinung nach reicht das aus, um ihnen ausreichend Einblick zu gewähren.


Weil du die Demokratie angesprochen hast – vor exakt 20 Jahren habt ihr das Album „Democracy“ veröffentlicht. Erschreckt es dich manchmal, in welche Richtung sich dieser Begriff heute entwickelt hat?

Ach, Demokratie war damals scheiße und ist heute scheiße. Heute hast du nur noch zusätzlich das Phänomen der gedachten Weltüberlegenheit der Westmächte. Demokratie bedeutet ja längst schon keine Wahlfreiheit mehr.


Siehst du dich als eine Art Sprecher für Gleichdenkende, da du als Sänger einer bekannten Band im Rampenlicht stehst?

Nein, ich sehe mich nur als wütenden Bürger. Dass ich bekannter bin und mir vielleicht mehr Leute zuhören, ist für mich nicht unbedingt positiv, um ehrlich zu sein. [lacht] Ich bin niemand, der Aufmerksamkeit wollte und schon gar keinen Ruhm. Das ist verdammt mühsam. Mir ist es auch egal, ob mir die Leute zuhören oder nicht. Ich wende nur mein Recht an, etwas auszusprechen und habe Verachtung für dumme Leute, die genau wissen, was falsch läuft, aber eben nichts davon in die Öffentlichkeit tragen. Genau das hat uns früher in den Faschismus geführt.


Sind wir wieder auf dem besten Weg dorthin?

Oh Mann, diese Kreuzung haben wir schon längst überschritten.


Der Umgang diverser Staaten mit den Flüchtlingen hat auch etwas Faschistisches an sich.

Wir müssen allgemein wieder die natürliche Weisheit des Menschen schärfen. Wir brauchen mehr Thinktanks, die sich wieder mit dem Intellekt der Menschen befassen. Es gibt zu viele Institutionen, die sich Verhaltenskontrolltechniken bedienen, um Leute zu manipulieren. Wenn du glaubst, du hast einen selbstständigen Gedanken, ist das eine Lüge. Du denkst nämlich nicht mehr selbstständig.


Gibt es aus deiner Perspektive eine Chance, hier noch einen Turnaround zu schaffen?

Auf jeden Fall. KILLING JOKE zeigen euch das vor. Es ist immer ein Prozess der Selbstständigkeit und des Ungehorsams gegenüber manipulativen Institutionen. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben und werde das auch nie tun.


Robert Fröwein (Froewe)

Autor: Robert Fröwein [Froewe] | 07.02.2017 | 22:15 Uhr

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