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Interviewpartner: Joe

SHADED ENMITY schlagen dem deutschen Wortschatz insofern ein Schnippchen, als dass sie nach sehr kurzer Zeit alle Superlativ-Reserven komplett ausschöpfen und jeden Interessierten dazu anhalten, sich selbst auf die Suche nach ihren Schätzen zu begeben - was sich gemessen am neuen Langläufer “Hijo Perdido”, insbesondere jedoch aufgrund der grassierenden Ziellosigkeit in den Reihen des melodischen Todes als keine allzu schlechte Idee herausstellt. Wir ließen es uns daher nicht nehmen, dem unüblich enthusiastischen Frontmann ordentlich auf den Zahn zu fühlen. Zum Einstieg eine Nummer aus dem aktuellen Album "Hijo Perdido".




Hi Joe! Anstatt die bisherige Geschichte von SHADED ENMITY herunterzubrechen, würde ich gerne in Erfahrung bringen, warum es für dich persönlich wichtig ist, dich musikalisch auszudrücken. Erreichst du als Gitarrist und Songwriter seelenreinigende Sphären, die dir über das Leben im Allgemeinen und über alltägliche Probleme im Besonderen hinweghelfen? Und ziehst du nach all den Jahren immer noch die sechssaitige Streitaxt allen anderen Instrumenten vor, die im Metalversum üblicherweise zur Anwendung kommen?

Hey! Zunächst einmal danke dafür, dass du SHADED ENMITY ein Sprachrohr vermitteln willst. Wir alle schätzen dies sehr.

Ich kann mich einzig und allein mit Hilfe von Musik ausdrücken. Wenn ich diese Chance nicht wahrnehmen könnte, wäre ich schon längst durchgedreht! Alles, was ich im Rahmen von SHADED ENMITY geschrieben habe – sei es nun eine Melodie oder gar ein ganzer Song – hat seinen kreativen Ursprung in einer Erfahrung meinerseits. Ich kann mich gerade in einer schwierigen Phase meines Lebens befinden und das, was ich gerade empfinde, über die Sprache der Musik vermitteln, was für die Texte selbst natürlich umso mehr gilt. Wenn es mir gut geht, bin ich unfähig, neue Stücke zu verfassen. Dies gelingt mir nur dann, wenn alles um mich herum zu zerfallen scheint. Wenn es mir scheiße geht, nimmt es für mich extrem therapeutische Ausmaße an, sobald ich Gitarre spiele und singe. Eigentlich freue ich mich sogar auf diese Gefühlswelt, weil ich weiß, dass meine besten Arbeiten zu Zeiten geschrieben worden sind, in denen absolut nichts richtig verlief.

Ich habe schon immer mit sechssaitigen Gitarren hantiert. Als “Like Prayers On Deaf Ears” entstand, nahm ich größtenteils meine LTD DV8 zur Hand, die in E gestimmt wurde, weil ich damals bei einer Black-Metal-Truppe namens INQUINOK mitwirkte, weswegen alle Tracks, die während meiner Freizeit aus mir herausflossen, mit genau jener Axt das Leben eingehaucht wurde. Es fühlte sich daher selbstverständlich an, auch in SHADED ENMITY eine sechssaitige, in E wütende Gitarre zu spielen, auch wenn die meisten Kollegen heutzutage mit eher anderen Stimmungen vorgehen. Das neue Material wird bereits auf einer Siebensaitigen zu Papier gebracht.


Abgesehen davon, dass ich praktisch auf der anderen Seite der Welt lebe, kann ich dir zu deinem bisherigen Werdegang nur gratulieren: SHADED ENMITY sind auf Anhieb zu einer meiner Lieblingstruppen im MeloDeath-Sektor avanciert; mitunter deswegen, weil ihr absolut nichts anbrennen lässt, um eure selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Zehn Sekunden einer Killernummer wie "Beneath Her Wretched Sky" oder "Nothing Left To Give" reichen aus, um den gefühlten Billiarden an AT THE GATES / SOILWORK-Klonen das Gesicht umzusortieren. Wie fühlt es sich an, musikalisch in einer unendlich höheren Liga als jene bemitleidenswerten Haufen zu spielen? Wurde diese stilistische Herangehensweise von Anfang an angestrebt oder bildete sich dieser erst nach einer Unmenge an Proben heraus? Und wie siehst du selbst die Lage im [Melodic] Death Metal-Gebiet, wo du selbst deren Standards schon längst hinter dich bringen konntest?

Weißt du, jedes Mal, wenn jemand vom anderen Ende der Welt mir davon erzählt, wie wichtig ihm unsere Songs sind und wie “überlegen” wir im Gegensatz zu anderen Kapellen agieren, empfinde ich das als ziemlich schockierend. Vielleicht ist “schockierend” der falsche Ausdruck, aber es schwingt immer ein wenig Frustration mit, wenn ich solche Kommentare vor die Augen bekomme. Das liegt daran, dass niemand in unserer Gegend an SHADED ENMITY interessiert ist. Wir haben zwar ein paar loyale Fans vor Ort, die mir viel mehr bedeuten, als es Worte je zum Ausdruck bringen könnten und die auch bei jeder Show anwesend sind. Unsere Regio wird allerdings auf der anderen Seite von einer Unmenge an Black-Metal-Bands, Möchtergen-PANTERA-”Bro Metal”-Haufen sowie einer Hand voll Doom-Gruppen beherrscht. Wir bekommen keine Unterstützung von den lokalen Radiosendern, die jedoch kein Problem darin sehen, anderen Combos auszuhelfen. Ich fühle mich daher den anderen Bands in meiner Umgebung alles andere als überlegen. Ich bin aber der Überzeugung, dass ich etwas richtig mache, wenn ich lese, wie toll wir doch klingen würden.

Der Songwriting-Prozess bei SHADED ENMITY ist schnell erklärt; ich wendete sowohl für die Arbeiten zu [den beiden Alben] "Like Prayers on Deaf Ears" als auch "Hijo Perdido" an. Ich setzen mich vor meinen Computer und nehme zum Takt eines Metronoms oder Click-Tracks die Rohfassung von Gitarrenspuren auf. Ich erstelle keine Drumtracks. Ich schreibe ausschließlich zum Takt, der vom PC aus ertönt und fertige sämtliche Spuren während dieser Session an. Wenn ich mir das Endergebnis anhöre und Gefallen daran finde, brenne ich es auf eine Cdr und schicke sie unserem Schlagzeuger Simon. Er hört sich das einige Tage lang an, woraufhin wir uns gemeinsam in den Proberaum begeben und wir den Song durchgehen. Simon ist ein hervorragender Drummer. Als er sich die Entwürfe zu Nummern wie "Beneath Her Wretched Sky" angehört hat, nahm er einfach seine eigenen Patterns auf und konnte mit ihnen anfangen, was er wollte. Ich gebe ihm diesbezüglich die absolute kreative Freiheit. Die Energie und Aggression, die von unserer Musik ausgehen, stammen zu gleichen Teilen von mir und Simon.

Unsere Herangehensweise war von Anfang an klar. Wir wussten, dass wir melodischen Death Metal als zentralen Ausgangspunkt unserer Arbeiten ansehen, weil dies eben meinen persönlichen Schreibstil ausmacht. Bis zu dem Zeitpunkt, ab dem Simon die Kessel bediente, hatten wir allerdings keine Ahnung, in welche extremen Klangdimensionen wir vordringen würden. Ein Song der Marke "Nothing Left to Give" zum Beispiel wird an Simon komplett fertig weitergereicht; wir nehmen keinerlei Änderungen den einzelnen Strukturen vor. Simon und ich kennen uns schon seit Langem; wir trafen uns immer vor den Proben bei unserer früheren Band INQUINOK, heute spielen wir gemeinsam, was sich einfach natürlich anfühlt.

Bezüglich meiner momentanen Sicht zum heute vorherrschenden melodischen Todesmetall kann ich nur sagen, dass ich mir nicht mehr allzu oft neuen Stoff aus dem Genre anhöre und ich daher nicht auf dem Laufenden bin. Wenn ich gutes Zeugs hören will, lege ich meist KALMAH, DIE APOKALPYTISCHEN REITER, IN FLAMES, ETERNAL TEARS OF SORROW etc. auf. Der Markt verfügt allerdings nicht mehr über dieselbe Stärke wie anno dazumal; jedes Mal, wenn mir etwas mit der Bezeichnung “Melodic Death Metal” unterkommt und ich es mir anhöre, halten sich meine Freudentränen in Grenzen.



Was befindet sich im Kern einer jeden Idee, oder sagen wir lieber jedes Stückes, das mit dem Segen von SHADED ENMITY auf die Welt losgelassen wird? Welche Elemente musst du als direkt involvierter Songwriter in jedem unbedingt wiederfinden? Wie hat sich dieser “siebente Sinn”, ob ein Riff zu einem Song passt, über die Jahre hinweg entwickelt? Nahm die musikalische Bandbreite zu oder habt ihr euch strikt darauf konzentriert, mit möglichst wenigen Mittel den maximalen Wahnsinn zu erreichen?

Wenn ich mit einem Stück fertig bin, das potenziell unter dem Namen SHADED ENMITY veröffentlicht werden könnte, lehne ich mich zurück und höre es mir mehrere Male an. Wenn mich allein schon die absolute Grundstruktur nicht emotional berühren kann, verwerfe ich dieses Fragment. Wenn sie mir auch nach dem zweiten Tag zusagt, steht dieser nächste Song. Wenn ich mir eine Nummer in seinem endgültigen Zustand anhöre, mache ich mir über die Lyrics Gedanken, die am besten zu der vorliegenden Musik passen könnten. Dieser Teil des Songwritings macht mir am wenigsten Spaß und zwar nicht deswegen, weil ich sie nur ungern niederschreibe, sondern da mich dieser Vorgang in eine dunkle Region meines Gehirns befördert, in dem ich mich tagelang aufhalte, was mitunter verdammt deprimierend sein kann. Meine Texte werden direkt von der Musik selbst beeinflusst – wenn sie traurige Töne anstimmt, schlagen die einzelnen gesungenen Zeilen einen dementsprechenden Kurs ein. Die meisten Texte von SHADED ENMITY setzen sich mit düsteren Themen auseinander. Wenn der jeweilige Beitrag eine aggressive Haltung annimmt, fertige ich eben wütende Texte an.

Eine Nummer wie "Nothing Left to Give" wurde in seinen Anfängen mit Akustikgitarren eingeleitet, konnte dann aber keinen passenden Übergang finden. Weswegen dieses Fragment wochenlang unberührt herumlag, bis ich mich eines Tages dazu entschloss, den Anfang mit Verzerrung zu versehen, der Rest erledigte sich dann wie von selbst. Ich vertrete also durchaus die Meinung, meinen Stil zwischen "Thought & Remembrance" aus dem Jahre 2005, "Like Prayers On Deaf Ears" sowie “Hijo Perdido” verfeinert zu haben. Damals ging ich noch recht zerfahren vor. Ich tat mir sehr schwer dabei, bei einem Lied zu bleiben, weswegen ich manchmal nur eine Hälfte zustande brachte und gleich darauf den nächsten Beitrag zu einem Album beging, bevor ich mich dann endlich dazu motivieren konnte, bei einem Song zu bleiben und dann diesen auch zu einem Ende zu führen.

Es war durchaus eine Herausforderung, das neue Material zu schreiben, da ich mich nicht ewig im Kreise drehen möchte und dasselbe Album in x-facher Form herausbringen will. Andererseits möchte ich keines unserer Kernelemente einfach so ablegen, die SHADED ENMITY eine Identität verliehen haben.


Deine neueste Errungenschaft, "Hijo Perdido", wurde im "2 Sticks Audio"-Studio innerhalb weniger Tage in Seattle auf Band gebracht. Sofort sticht zum Beispiel der bemerkenswerte Anstieg an Wumms im direkten Vergleich zum Vorgänger hervor. Aber auf was habt ihr euch während des Abmischens noch konzentriert, welche Details lagen dir zu diesem Zeitpunkt besonders am Herzen und in welcher Hinsicht bereiten sie dir auch heute noch beim Hören Freude?

Das Abmischen von “Hijo Perdido” war ein einziger Alptraum. Ich möchte nicht im Einzelnen darauf eingehen, wie unser Verhältnis zum Toningenieur aussieht. Wir überließen “Hijo Perdido” einem Typen namens Aaron Smith, nachdem wir mit der Arbeit seines Vorgängers mehr als unzufrieden waren. Aaron, der letzten Endes fantastische Arbeit machte, wurde uns von einem Freund empfohlen. Wir waren unter anderem mit dem Schlagzeug nicht einverstanden. Aaron wusste genau, worauf wir klangtechnisch hinaus wollten und bescherte uns einen hervorragenden Mix, der nur minimale Änderungen von unserer Seite aus benötigte.

Die Drums und der Gesang waren unsere beiden Hauptprobleme, da uns beide Aspekte nicht kraftvoll genug herüberkamen. Aaron kriegte das mühelos hin. “Hijo Perdido” nahmen wir innerhalb von zwei Tagen in Zwölf-Stunden-Sessions auf. Jeder von uns kam bis auf die Knochen vorbereitet ins Studio. Simon hatte all seine Parts binnen sechs Stunden im Kasten. Die restliche Zeit ging für die Aufnahmen aller Gitarren, Bässe drauf. Meine Vocals waren innerhalb von vier Stunden fertig. Wenn du über ein knappes Budget verfügst, bist du natürlich daran interessiert, alles unterzubringen.


Was jedoch im Vergleich zum letzten Mal [zum Glück!] nicht dem Rotstift zum Opfer fiel, ist der schiere Kraftaufwand, mit dem ihr diese durch Mark und Bein rasende Hymnen zum Leben erweckt. Diese High-End Stakkato-Riffs sind einfach bezaubernd, zugleich aber weder repetitiv noch unnötige technisches Herumgewichse beinhaltend. Da die letzten beiden Alben innerhalb eines recht kurzen Zeitraumes entstanden sind, stellt sich die Frage, ob es Überschneidungen zwischen den einzelnen Schaffensperioden gab, also ob Material, welches nun auf "Hijo Perdido" zu hören ist, theoretisch auch auf “Like Prayers On Deaf Ears" hätte landen können oder ob ihr unmittelbar nach der Veröffentlichung von "Like Prayers On Deaf Ears" das kompositorische Gaspedal durchgedrückt habt. Könntest du dir vorstellen, dass SHADED ENMITY in Zukunft das Klangspektrum erweitern werden oder belässt bei eurem jetzigen Stil, um eure Identität innerhalb der Metal-Welt zu wahren?

Ich schloss die Arbeiten zu "Hijo Perdido" wenige Monate nach dem Studio-Aufenthalt für "Like Prayers On Deaf Ears" ab. Es gab sogar sechs, sieben Songs, die es theoretisch auf "Like Prayers On Deaf Ears" geschafft hätten, allerdings wollte ich mich nur mit komplett neuem Material beschäftigen. Das gesamte “Like Prayers On Deaf Ears”-Album entstand im Sommer 2007. Die Black-Metal-Gruppe, in der ich mich zu dem Zeitpunkt befand, nahm eine Auszeit, weil unser Stöckeschwinger Simon, der ebenfalls bei INQUINOK tätig war, eine Operation an der Hand benötigte. Der Zustand seiner Hand verschlechterte sich zusehends, er musste für ein Jahr pausieren. "Like Prayers on Deaf Ears" erlebte in diesem Zeitraum seine Geburt. Die einzelnen Stücke strömten nur so aus mir heraus. 2007 war für mich ein sehr anstrengendes Jahr und wird daher für immer einen besonderen Platz in meinem Herzen einnehmen. Obwohl "Hijo Perdido" also erst satte zwei Jahre nach "Like Prayers On Deaf Ears" in trockenen Tüchern lag, nahmen wir die Aufnahmen zu "Hijo Perdido" kurze Zeit nach dem Erscheinen von "Like Prayers on Deaf Ears" in Angriff. Als unser zweites Werk erschien, entschieden wir uns dazu, diesen musikalischen Pfad weiter zu verfolgen, woraufhin "Hijo Perdido" Gestalt annahm.

Auch wenn beide Platten meiner Meinung recht ähnlich klingen, werden wir unseren Stil mit dem neuen Stoff dramatisch erweitern, gleichzeitig jedoch alle Merkmale von SHADED ENMITY beibehalten.


Welche Songwriting- sowie Band-Chemie-Erfahrungen, die im Zusammenhang mit „Hijo Perdido“ stehen, willst du mit unseren Lesern teilen?

Während den Vorbereitungen zu “Hijo Perdido” probten meist nur ich und Simon. Die anderen zwei Jungs stießen selten zu uns. Über Stunden hinweg waren nur ich und Simon zugegen, weswegen wir fast ausschließlich nur mit Ideen jonglierten und uns gegenseitig dazu antrieben, mit etwas Originellem daherzukommen. Wir konnten eine sehr gute Verbindung zueinander aufbauen, weil wir derlei Dinge oft gemeinsam angehen. Als wir das Studio betraten, waren Rob und Zach [früher für die Gitarre beziehungsweise den Bass zuständig, Anm.] gut darin, ihre Parts einzuspielen. Da die Beiden kaum die Zeit hatten, mit uns zu proben, stellte ich für sie Tabs zusammen, damit sie sich alleine auf die Sessions vorbereiten konnten. Ich wünschte, es gäbe mehr von der Chemie zwischen den einzelnen Mitgliedern zu erzählen, allerdings würden die meisten Geschichten hierzu langweilig ausfallen, da sie mich, meinen Computer sowie meine Gitarre beinhalten.



Etwas, das mich beim Hören einer großartigen Platte beschäftigt, ist, ob man die jeweilige Region, aus der die Band stammt, in ihren essentiellen Charakterzügen heraushören kann. Kannst du es überhaupt an gewissen Stücken festmachen, ob ein Hauch von Seattle durch "Hijo Perdido" weht? Würde sich dieses Werk in irgendeiner anderen als der jetzigen Art und Weise entfalten, wenn du es an einem anderen Ort auf der Welt komponiert hättest?

Absolut! Der Regen in unserer Gegend kann sehr inspirierend auf mich wirken und hilft beim Schreiben. Ich kann mir nicht einmal vorstellen, was ich mir aus der Achsel drücken würde, wenn ich mich in Florida, geschweige denn in Kalifornien aufhalten würde. Vielleicht käme dabei so etwas wie FIVE FINGER DEATH PUNCH heraus.
Seattle ist meiner Meinung nach eine düstere Stadt, was mir gefällt. Die Sonne zeigt sich so gut wie nie, alles liegt in grauen Schleiern. Ich wünsche mir jedoch, eine Platte von SHADED ENMITY in Europa zu schreiben. Es würde mich enorm anspornen, in der Heimat der besten Truppen im melodischen Death Metal zu verweilen.


Wie lange warst du mit dem musikalischen Rückgrat dieses Meisterwerkes, vor allem aber mit der Feinarbeit der einzelnen Nummern beschäftigt, um letzten Endes diesen wunderschönen akustischen Fluss zu gestalten und etwaige Schwachstellen auszumerzen? Wenn du willst, kannst du konkrete Beispiele nennen, die etwas mehr oder sogar weniger Zeit in Anspruch genommen haben. Befinden sich darüber hinaus gewisse Parts auf „Hijo Perdido“, auf die du besonders stolz bist, weil sie dazu beigetragen haben, die Band auf ein höheres technisches Niveau zu hieven oder einfach “nur” eine Menge Nerven gekostet haben, um sie in ihre endgültige Form zu gießen?

Ich habe die genaue Zeitabfolge nicht im Kopf; ich benötigte für die Fertigstellung von “Hijo Perdido” ungefähr drei bis vier Monate, mit den dann von Simon erarbeiteten Patterns einige zusätzliche Wochen. Er war vom neuen Material sehr angetan, was ihm beim Erschaffen seiner Arrangements half. Es gab durchaus auch Wochen, in denen mir nur an einem einzigen Tag eine Idee in den Sinn kommen wollte. „One Way Out“ zum Beispiel konnte ich binnen sechs Stunden fertig stellen, zwei bis drei weitere Stücke wurden in demselben Tempo vollendet. Manchmal verselbständigt sich dieser Prozess aufgrund meiner momentanen Gefühlslage. Ich glaube nicht, dass wir als Band die einzelnen Stücke umfassend modifiziert haben, als ich sie ihnen zum Lernen gab. Wie zuvor erwähnt mache ich es mir nicht gerade leicht, an einer neuen Nummer zu schreiben, damit, wenn ich sie erst einmal aus meine Hände gebe, so gut wie keine Änderungen vorgenommen werden müssen.

Die meisten Texte werden binnen eines Tages komplettiert. Auf Songs wie "Man At The Edge Of The World" und "Nothing Left to Give" bin ich besonders stolz, weil sie von dem Dauerfeuer anderer Beiträge abweichen sowie ein wenig Groove einbringen. Ich würde gerne mehr Material dieser Art verwirklichen. Verstehe mich nicht falsch, auch "One Way Out" gehört der allumfassenden Erbarmungslosigkeit zu meinen absoluten Lieblingen.


Gibt es einen Abschnitt auf “Hijo Perdido”, der dein tiefstes Inneres berührt und daher zu den besten Momenten in der bisherigen Geschichte von SHADED ENMITY zählt?

In musikalischer als auch textlicher Hinsicht wäre "Nothing Left to Give" mein persönlicher Favorit. Mir lag bei diesem Song besonders viel am Herzen und ich habe genau das erreicht, was ich mir in gesangstechnischer sowie -rhythmischer Hinsicht selbst aufgelegt habe. Er verschafft mir unter anderem auch deswegen Gänsehaut, weil mir die Texte so zusagen. Musikalisch ist er düster ausgelegt. Die Lyrics hierzu kamen zu einer Zeit auf das Papier, als ich der Kirche im Allgemeinen gegenüber – also nicht nur die katholische Kirche selbst – sehr feindselig eingestellt war. Die Zeile "Who is that on center // I saw his face before but I think it was somewhere else, maybe this guys' a whore" steht im direkten Zusammenhang mit dem Coloradoer Priester Ted Haggard des “Young Life”-Kirchenkultes, der für Sex mit einer männlichen Nutte bezahlte und beide Methamphetamine einnahmen. Die Prostituierte erkannte das Gesicht des Priesters im Fernsehen wieder und ging an die Presse. Darüber hinaus befinden sich hier einige Zeilen in den Lyrics, deren Bedeutung ich aus Gründen der Wahrung der Anonymität der betroffenen Personen ich nicht näher besprechen werde


Wenn Zeit, Geld sowie eine euch küssende Muse vorhanden wäre, würdet ihr welchen Beitrag auf dem neuen Album verfilmen?

Interessant, dass du diese Frage stellst, da wir uns gerade mit einer Crew über ein Video zu “One Way Out” austauschen. Wir hätten gerne "Nothing Left to Give" verfilmt, allerdings hätten wir unsere Vorstellungen davon nur mit einem angemessenen Budget verwirklichen können.


Ich nehme an, dass ihr schon einige Bühnen mit neuen Stücken in der Setlist betreten konntet. Verhielt sich das Publikum bei der Darbietung des frischen Materials im Vergleich zu den älteren Nummern merklich anders? Inwiefern sehnen sich nach beziehungsweise profitieren SHADED ENMITY von der Energie, die während eines Live-Auftritts von den Zusehern abstrahlt?

Wir erhalten bessere Reaktionen für das neue Material. Seattle versucht noch immer, heraus zu finden, für was wir stehen, wovon uns viele einfach nicht verstehen können oder wollen. Die meisten Auftritte verlaufen recht handzahm ab, gerade mal eine Hand voll Leute kommen. Ab und zu findet ein Gig statt, in dem einige Maniacs einen hübschen Moshpit zustande bringen, was natürlich Spaß macht. Üblicherweise jedoch geben sich Sturzbesoffene als Publikum aus und geben einen Scheiß darauf, was vor ihnen gerade abgeht. Hauptsache, sie können ihrem Gegenüber zu einem Takt die Fresse polieren. Größtenteils bringen wir 40 bis 50 Menschen zusammen. Wir lieben es ebenso, Shows für nur zehn oder 20 Leute zu spielen, darin liegt aber nicht die Zukunft von SHADED ENMITY und wie ich schon vorher zu Protokoll gegeben habe, ist Seattle nicht der Ort, an dem die Band ihre größte Anhängerschaft wähnt.



Wenn wir uns schon über Shows unterhalten, könntest du uns vielleicht noch verraten, was sich in dieser Hinsicht tut. Wann werden wir armen Europäer Teil eurer exzellenten Stage-Performances, mit welchen Rahmenbedingungen könnte man euch über den großen Teich locken?

Der Markt, den wir überwiegend zu erreichen scheinen, liegt offensichtlich in Übersee. Simon und ich führten schon eine Unzahl an Diskussionen darüber, wie wir zu euch vorstoßen könnten. Wenn unsere Flüge bezahlt und unsere Mägen gefüllt werden, würden wir beide morgen bei euch treffen, die andere Hälfte (Steven und Jesse) träfe nur wenig später ein. Wir würden nichts lieber tun als auf euren Festivals sowie Shows zu spielen. Es wäre ein Traum von uns, nach Wacken kommen zu können. Jeder von uns verfügt über einen Pass; wir sind daher jederzeit bereit, in See zu stechen.


Wo können unsere Leser ein Exemplar der neuen Scheibe abstauben und vorzugsweise ihr Geld direkt in die Band investieren?

Jeder, der am Kauf unserer CDs ist, kann eine Mail an shadedenmity[at]gmail[dot]com schreiben, worauf ich die nötigen Daten für einen Paypal-Transfer übermitteln werde. Ihr könnt auch die CDs über www.cdbaby.com bestellen, digital über Itunes, CDBaby oder Amazon.com beziehen.


Gut, nun zu ein paar allgemeineren Fragen: Ich bin einzig und allein aufgrund der Macht des Internets auf eure Musik gestoßen. Wie wichtig ist es allerdings für euch, im Netz Präsenz zu zeigen, besonders hinsichtlich der lokalen Szene? Bist du der Meinung, dass sich die Kommunikation zwischen Fans und Bands auf Plattformen wie Facebook et al eine so große Bedeutung einnehmen, dass in Zukunft kein Bedarf beziehungsweise Platz für Flyer, Mund-zu-Mund-Propaganda etc übrig bleiben wird? Wie weit würdest du gehen wollen, um deine Botschaft nach außen zu tragen, um neue Anhänger zu rekrutieren? Gibt es für dich diesbezüglich eine unsichtbare Linie, die du nie überschreiten würdest?

Das Internet stellte sich bislang als große Hilfe für uns dar. Ich schickte unser Album "Like Prayers on Deaf Ears" an einige Magazine, um ein Review zu erhalten und jemand von ihnen hat die Platte ins Netz sowie als Torrent gestellt. Ich kann mich daran erinnern, eines Tages aufgewacht, meinen Myspace-Account kontrolliert und dabei den urplötzlichen Anstieg der Hits bemerkt zu haben, den unsere Songs erhielten. Aus ungefähr zehn Klicks wurden auf einmal Tausende. Wir bekamen Bestellungen herein und mehrere Magazine aus Deutschland, Italien sowie weiterer Länder zeigten Interesse aus unserem Schaffen.

Wenn es das Internet mitsamt mp3.com sowie GNute, die vor mehreren Jahren ihren Dienst entweder umgestellt oder ganz eingestellt haben, nicht gäbe, wäre ich nie auf die vielen großartigen Bands gestoßen, die ich heute schätze. ARCTURUS, CHILDREN OF BODOM, IN FLAMES als auch viele weitere wären mir dann bis heute verborgen geblieben. So etwas habe ich zuvor noch nie gehört. Als ich das erste Mal an CHILDREN OF BODOMs „Warhearts“ gestoßen bin, hat es mir die Sprache verschlagen. Natürlich blieb es mir als Jugendlicher ohne finanzielle Mittel verwehrt, diese Scheiben legal zu erstehen, weswegen ich sie mir damals heruntergeladen habe. Je älter ich wurde, umso emsiger verfolgte ich das Ziel, mir eine Sammlung zuzulegen. Es fühlte sich großartig an, all die Alben, die ich als Heranwachsender so liebte, nun auch in physischer Form in deinem Schrank stehen zu sehen.. Facebook ist ebenso ein hilfreiches Werkzeug, weil sich so ziemlich jeder auf dieser Plattform befindet und du so jeden erreichen kannst.

Flyer werden nach wie vor einigen Leuten erstellt. Einige fertigen solche Poster für Gigs an, auf denen wir präsent sein werden. Teilweise werden noch Handzettel verteilt, manche nehmen diese und kleben sie als Straßenlaternen. Ich finde, Flyer werden auch in Zukunft Bestand haben, da man nie weiß, wie es weitergehen wird. Vielleicht haben die Leute in fünf Jahren Facebook aus ihrem Kurzzeitgedächtnis gelöscht und sind schon auf der nächsten Plattform-Welle unterwegs. Ruf dir doch in Erinnerung, wo wir vor fünf Jahren standen. Wir werden jede [vertretbare] Möglichkeit nutzen, um so viele Menschen wie nur irgend möglich zu erreichen. Bislang bot sich uns noch keine Chance, der wir von unserer Seite aus eine Absage erteilen mussten.


Zu guter Letzt noch die Frage, welche Platten dir in letzter Zeit die Kinnlade herunterklappen ließen.

Das wären dann:

DIE APOKALYPTISCHEN REITER - „Licht“
RAMMSTEIN - „Liebe ist für alle da“
FAIR TO MIDLAND - „Arrows And Anchors“
ALBOROSIE - „Escape From Babylon“
DR. DRE - „The Chronic 2001“
DMX - "Flesh Of My Flesh, Blood Of My Blood"

Diese Scheiben rennen im Prinzip die ganze Zeit bei mir in der Anlage.



Danke dir vielmals für deine Zeit und Geduld, so weit zu kommen. Empfehle unseren Lesern zum Abschluss noch einige Sehenswürdigkeiten oder Lokale, die sie sich unbedingt ansehen sollen, wenn sie erstmal ihren Fuß auf Seatlleschen Boden setzen.

Kein Problem! Danke für dein Interesse an SHADED ENMITY. Wir werden bald in eurem Land aufkreuzen – das ist ein Versprechen!

Wenn ihr Fuß auf Seattleschen Boden setzt, würde ich vorschlagen, zuerst die Gegend rund um den Broadway Capitol Hill in Augenschein zu nehmen, da man dort viel für's Auge und den Gaumen [hervorragendes Essen!] bekommt. Mount Rainier ist ebenso fantastisch. Wenn ihr in der Stadt eine Pizza verdrücken wollt, besucht Piecora's. Ein Laden namens "Dicks" [ja, der heißt wirklich so!] verkauft sehr gutes Fast Food, Hamburger und dergleichen.

Natürlich gibt es noch eine Menge anderer Plätze, die man in Seattle besucht haben sollte. Der Space Needle-Turm wird überbewertet, gebt dafür keinen Cent aus. Er sieht ungefähr genauso cool vom Boden aus wie die Aussicht oben, wobei man für Letzteres zahlen muss. Geile Clubs, in denen Lokalmatadore aufspielen, sind Studio 7, El Corazon, 2 Bit Saloon, Showbox und Galway Arms. Es gibt eine Tour durch den Seatteler Untergrund, die ich noch nicht bestritten, aber von der ich viel Gutes gehört habe. Diese führt euch durch einige alte Bordelle sowie die etwas schäbigere Seiten des alten Seattle. Die Stadt hat eine Menge zu bieten und in den elf Jahren, in denen ich hier schon lebe, habe ich bei Weitem noch nicht alles gesehen, was als „sehenswert“ gilt.

Micha

Autor: Michael Bambas [Micha] | 25.09.2011 | 22:07 Uhr

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