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Interviewpartner: Johannes Andersson

TRIBULATION nicht als eine der allerbesten Bands des Jahres 2015 zu bezeichnen, käme einem Sakrileg gleich. Mit ihrem dritten Album "The Children Of The Night" haben sich die Schweden an die Spitze der königlichen Düstersphären-Metaller gespielt und zudem auch mehrmals live bewiesen, dass eine Kombination aus überbordender Spielkunst, aktiver Bühnenperformance und dem Heraufbeschwören einer gruselig-eindrucksvollen Atmosphäre mehr als nur ein Gerücht ist. Vor ihrem Auftritt in den Kellern des Wiener Viper Rooms haben wir Frontmann und Sänger Johannes Andersson in die passend dunklen Backstage-Kammern gebeten, um ausführlich und durchaus humorig über LADY GAGA, blutige Horrorfilme, den Underground und Missverständnisse im Gothic-Segment zu quatschen.




Johannes, 2015 war ein sehr einschneidendes Jahr für TRIBULATION. Mit „The Children Of The Night“ gelang euch quasi der Durchbruch – gleichermaßen bei den Fans, als auch bei den Kritikern. Wie hat das vergangene Jahr euer Leben verändert?

In erster Linie war der Labelwechsel zu Century Media eine große Sache. Vorher waren doch stark im Underground verhaftet und der Wechsel war sicher Mitschuld daran, dass das Album so erfolgreich war – so ehrlich können wir schon sein. Diesen Schritt haben wir natürlich nie bereut.


Wichtig war sicherlich auch, dass ihr euren Sound im Vergleich zum Vorgänger einmal mehr stark weiterentwickelt habt.

Unser Debütalbum fühlt sich fast schon historisch alt an. [lacht] „The Horror“ haben wir schon 2007 geschrieben, wodurch es zur Veröffentlichung 2009 schon nicht mehr frisch war. Seitdem haben wir uns stark weiterentwickelt, aber zwischen „The Horror“ und „The Formulas Of Death“ 2013 war natürlich der größte Sprung zu vermerken. „The Children Of The Night“ sehe ich eher als kongruente Weiterentwicklung.


Gerade in Schweden wird seit Jahren der Mut zum Anderssein gepredigt. Das zeigen neben euch auch Bands wie die leider verblichenen MORBUS CHRON und IN SOLITUDE. Ist diese stete Veränderung und Entwicklung für euch oberste Prämisse?

Nicht wirklich, zumindest suchen wir diesen Weg nicht aktiv – er passiert einfach. Je älter wir werden, umso reifer wird wohl auch die Musik. Es ziehen mehr Rock-Segmente ein und du bist breiter aufgestellt. Ich vergleiche das immer mit meiner eigenen Vinyl-Sammlung, da ich mit steigendem Alter auch verstärkt verschiedene Sachen sammle. Als Teenager bist du natürlich viel engstirniger, da willst du nur schnell und brutal sein und vielleicht furchterregend aussehen. Irgendwann wird dir das aber egal, weil du so viele gute Bands findest, die eben nicht mehr Underground sind. Die BEATLES sind grandios, das hätte ich vor zehn Jahren sicher nicht zugegeben. [lacht]


Die Toleranz geht auf die verschiedensten Musikstile über?

Ich bin da mittlerweile sehr stark mit dem Geschmack meines Vaters verbunden, der sehr viele 70s-Psychedelic-Bands, aber auch BLACK SABBATH oder CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL hörte. Irgendwann zwischen 15 und 17 war ich total in dieser total elitären Death/Black-Metal-Schule verhaftet, aber das ist mir alles viel zu wenig. Warum sollte ich nur einen Stil repräsentieren? Die Welt ist groß genug.


Gerade der gemeine Metal-Fan ist meist aber sehr stark in einem bestimmten Bereich verhaftet.

Viele sind leider wirklich sehr engstirnig, das fällt mir natürlich auch auf. Ich würde es begrüßen, wenn sich das ändern würde. Irgendwie habe ich aber das Gefühl, dass die Leute immer offener werden und sich nicht mehr ganz so arg versteifen. Bands wie wir oder die zuvor von dir Genannten sind gute Beispiele dafür, weil sie alle Stilgrenzen überschreiten. All diese Bands werden immer größer und dadurch überlegen auch die Underground-Fans, sich vielleicht einmal eine BEATLES- oder ABBA-Scheibe anzuhören. Mittlerweile wird das immer akzeptierter.


Eine Band wie GHOST wird mittlerweile schon direkt mit ABBA in Verbindung gebracht. Könntest du dir das auch für TRIBULATION vorstellen?

Wir wissen nicht, wohin uns unsere Musik treibt und haben auch keinen strikten Plan. Wir nehmen alles so, wie es kommt, da man das ohnehin nicht steuern kann. Natürlich haben wir bestimmte Inspirationsquellen, aber man kann das nicht festmachen. Es gibt ein eigenes TRIBULATON-Gefühl, dem wir ohnehin nicht entkommen können. Ob wir wollen oder nicht. Trotz unserer vielen Entwicklungen gibt es immer noch viele Fans, die auf jeder Scheibe diesen gewissen TRIBULATION-Sound vernehmen und das ist natürlich ein Riesenkompliment.


Obwohl ihr nicht stehenbleibt ist es in gewisser Weise auch nachvollziehbar, dass Fans ihre Bands möglichst gleich haben wollen. Ein „Reign In Blood“-Fan von SLAYER wird kaum eines der neueren Alben als besonders großartig bezeichnen. Wie geht es dir selbst dabei? Begrüßt du wirklich stete Veränderungen bei deinen Lieblingsbands?

Das ist natürlich keine leichte Frage. [lacht] Wenn eine deiner Lieblingsbands tatsächlich mal Mist baut, bist du natürlich enttäuscht. Was haben sich etwa MORBID ANGEL bei ihrem letzten Album gedacht? Andererseits dauert es oft einige Jahre, bis man draufkommt, wie großartig eine Scheibe eigentlich ist, wobei ich sagen muss, dass sich mein Ersteindruck leider doch meist bestätigt. [lacht] Ein paar gute Songs findet man aber auf jeden Album, deshalb würde ich auch keines in eine Ecke schmeißen. Solange eine Band zumindest ein, zwei gute Songs auf ein Album bringt, ist sie durchaus noch okay. Aber gut – wenn IRON MAIDEN etwas mit Disco oder Hip Hop machen würden, würde ich den Sinn der Menschheit sicher auch hinterfragen. [lacht]


Die schönste Zusammenfassung für TRIBULATION habt ihr in einem Interview mit der Aussage „wir suchen nach der romantischen Schönheit im Tod und der Dunkelheit“ selbst geliefert. Woher stammen eure dunklen Seelen? Warum seid ihr selbst Kinder der Nacht?

Das ist schwer zu sagen. Wir haben immer schon sehr dunkle, schwere Riffs gespielt. Vielleicht machen wir sogar mal ein positives Riff, aber vom jetzigen Standpunkt aus gesehen sind wir sehr weit davon entfernt. Dass wir die Dunkelheit romantisieren und sie schön finden liegt an unserem Umfeld und den Dingen, mit denen wir uns aktiv befassen, und zwar täglich. Meine ganze Wohnung ist mit Gargoyles und dunklen Wänden ausgestattet. [lacht] Ich mag die ganze Ästhetik des Dunklen. Besonders intensiv erlebe ich auch richtig alte Horrorfilme, die dich bis auf die Knochen erschaudern lassen. Du kannst dieses Gefühl sicher auch in allen anderen Genres kriegen, aber ich selbst habe mich für die dunkle Seite der Welt entschieden. Für düstere Alben und Gothic-Klamotten, das fühlt sich für uns gut an und für mich ist ein gutes Lead oder Riff definitiv dunkel und mysteriös.


Horrorfilme gehören zu euren größten Inspirationsquellen. Präferierst du die psychisch erschreckenden, oder die visuell stumpf-brutalen Filme?

Das ist natürlich Geschmackssache, aber wir alle in der Band sind uns da relativ ähnlich. Wenn du jung bist, willst du natürlich auch die brutalsten Filme sehen. [lacht] Begonnen habe ich mit den Zombie- und Kannibalen-Filmen aus den 70er- und 80er-Jahren. Damit habe ich zwar ziemlich aufgehört, aber die Qualität sehe ich in diesen Filmen noch immer, wenn ich sie zwischendurch auspacke. Aber auch das hängt mit dem Alterungsprozess zusammen. Je professioneller etwas gemacht wird, umso stärker berührt es mich – zum Beispiel der alte „Nosferatu“, aber auch das Remake aus 1979. Filme wie „Das Omen“ oder „Der Exorzist“ führen dich einfach auf eine viel tiefere Ebene der Dunkelheit, als ein Gore-Splatter-Movie.


Ich finde es interessant, dass nahezu alle Künstler die legendären alten Horrorfilme als Inspirationsquelle nennen, so gut wie nie aber die vielen neuen. Woran liegt das?

Diese Frage habe ich mir selbst schon mal gestellt und vor allem meine Generation sollte die neueren Filme mögen, aber ich denke, viel hängt auch mit den großen Regie-Meistern der alten Tage zusammen. Sie wussten genau, was sie machen und heute geht es nur mehr um den einen erschreckenden Moment, wo sich alle hinter ihren Sofas verkriechen. Ich will aber das Kranke, das Abartige von Horrorfilmen fühlen und mich nicht alle 15 Minuten von einer Szene erschrecken lassen. Natürlich gibt es auch gute neue Filme, wie zum Beispiel „Insidious“ oder „The Conjuring“ – diese Filme haben nämlich Schreckensmomente und gleichermaßen eine gut durchdachte Story.



Würdest du sagen, dass die Musik von TRIBULATION eine ähnliche Atmosphäre wie die legendären DISSECTION vor 20 Jahren transportiert?

Ich denke schon, das muss natürlich der Hörer entscheiden. Der Vibe ist sicher ähnlich, obwohl ich uns nicht direkt vergleichen würde, aber das passiert wohl unweigerlich öfter. [lacht] DISSECTION waren aber großartig und es gibt sicher schlimmere Vergleiche.


Wie würdest du von den Leuten denn gerne gesehen werden? Was sollten sie sich denken, wenn in ihren Köpfen der Name TRIBULATION aufploppt?

Man sollte uns unvoreingenommen und aufgeschlossen begegnen. Richtet uns und unsere Fans nicht aufgrund unseres Auftretens oder unserer Kleidung. Das größte Kompliment wäre natürlich, wenn jemand erstmals zu unserer Show kommt und völlig beeindruckt davon nach Hause geht. Wenn das Konzert gut war, auch das Licht dazu gepasst hat und die Atmosphäre einfach stimmte. Wenn man in unsere Musik einfließen kann. Wir sind dann zufrieden, wenn wir das Gefühl haben, dass es die Show gerade wert war.


Zur derzeit laufenden Tour habt ihr die EP „Melancholia“ veröffentlicht, wo ein Haufen interessanter Remixes zu finden sind, zum Beispiel jener mit dem bekannten Underground-Künstler AUTHOR & PUNISHER.

Ehrlich gesagt, weiß ich verdammt wenig über diese EP. Sie passiere sehr schnell und Century Media wollten, dass wir etwas auf die Tour mitnehmen können. Ich habe die CD noch nicht einmal selbst wirklich gehört. [lacht] Zumindest nicht am Stück. Die AUTHOR-&-PUNISHER-Version ist sicher die Interessanteste und ein Statement dafür, dass man seinen Geist erweitern und die Grenzen eintreten soll. Das Label hat den Typen angeschrieben und wir waren natürlich begeistert von der Idee – wir stehen Neuem immer offen gegenüber. Man muss Risiken eingehen, um wohin zu kommen und die Version fiel wirklich gut aus. Mit solchen Remixes kriegst du mehr aus TRIBULATION-Songs heraus.


Die größte Überraschung und ein weiterer Beweis, dass ihr den Geist eurer Hörer öffnen wollt, ist zweifellos das THE OFFSPRING-Cover von „Pay The Man“. Damit hätte nun wirklich niemand gerechnet.

[lacht] Da hast du wohl Recht. Dieser Song ist von ihrem größten Mainstream-Album aller Zeiten, der „Americana“. Als das Album herauskam, bekamen ich und alle meine Freunde es als Weihnachtsgeschenk. Ich weiß noch, dass ich das Album anfangs nicht so mochte, weil ich mehr in die Richtung der SEX PISTOLS und THE CLASH tendierte. Natürlich war ich viel mehr mit der „Smash“ von OFFSPRING verbunden, aber dieser Song, „Pay The Man“, ist im Prinzip TRIBULATION. Diesen Song hätten auch wir von Anfang an so schreiben können. Unser blonder Gitarrist Jonathan und ich hatten damals die Band STENCH, in der ich die Drums spielte und immer wenn wir uns im Proberaum aufwärmten, haben wir „Pay The Man“ gespielt. Der Song war total untypisch für diese Band und vor allem deren Album. Wir haben den Song immer gemocht und es war fast logisch, dass der Song mal als Cover bei uns landen würde – auch wenn er vielleicht ursprünglich für STENCH geplant war. Die anderen waren von der Idee glücklicherweise auch begeistert und so führte dann eins zum anderen.


Das wäre doch eine nette Idee für TRIBULATION – ein Coveralbum mit total unbekannten Nummern zu machen.

Warum nicht? Es wird immer nach TRIBULATION klingen, so viel wäre fix. Es gibt verdammt gute Songs, die mit Metal nichts am Hut haben. Wer weiß?


Es gibt ja schon so viele Popsongs mit einer dunklen Seele, die sich für euch vielleicht anbieten würden.

Auf jeden Fall. In jeder Art von Musik steckt eine gewaltige Portion Dunkelheit. Wenn LADY GAGA mal einen richtig guten Song macht – vielleicht vergehen wir uns auch einmal daran?


Wenn man so stark mit der dunklen Seite des Lebens verbunden ist wie ihr, führt das eventuell einmal zum Gothic Metal?

Wir flirten immer wieder mit diesem Genre, aber ich persönlich habe zum Beispiel kein einziges Gothic-Album in meiner Sammlung – ich könnte das Genre nicht einmal wirklich definieren, weil ich einfach nicht darüber Bescheid weiß. Der Look ist natürlich cool und die wenigen Songs, die ich kenne, sind sehr eingängig. Wir werden aber wohl keine Goth-Band werden, auch wenn sicher ein Teil der Inspiration davon stammt. Wir mögen eher die Kleidung, aber auch da gibt es ja Unterschiede zwischen zum Beispiel diesen Plastik-Goth-Typen und jenen, die sich total in schwarze Kleidung wickeln und eher modischer aussehen. Was weiß ich – es gibt einfach so viele Subnischen und es ist wohl schwer zu sagen, wo wir da reinpassen.


Wenn ihr einen TRIBULATION-Song schreibt, was ist das Wichtigste? Das Riff? Die Hookline? Der Text? Die Atmosphäre, die transportiert wird?

Am Ende ist die Atmosphäre wohl entscheidend. Ich habe darüber noch nie wirklich nachgedacht, aber wenn wir im Proberaum, Strophe, Riff und Refrain machen, reicht das alles immer noch nicht, solang es keine passende Atmosphäre gibt. Natürlich muss alles Zusammenspielen, aber die Atmosphäre ist mit Sicherheit am Wichtigsten. Ein Song kann zwei oder auch elf Minuten lang sein – man muss das richtige Gefühl haben, dass er fertig ist, das ist immer verschieden.



Die Metal- und Rockszene in Schweden floriert derzeit wie kaum zuvor. Siehst du hinter den großen Zugpferden GHOST noch Bands, die den Durchbruch schaffen könnten? Eben ihr oder ENFORCER zum Beispiel?

GHOST sind wirklich auf dem besten Weg, ganz groß zu werden. Das Geschäft ist verdammt hart und es braucht wahnsinnig viel Einsatz und Ausdauer, um sich hier durchzusetzen. Am Allerwichtigsten ist die Geduld – wenn du keine Geduld für dieses Business mitbringst, dann wirst du relativ schnell und enttäuscht aufgeben. Wir sehen diese Geduld demütig und arbeiten uns kongruent nach vor. Wir setzen uns immer neue und größere Ziele – viele machen das nicht und scheitern daran. Wir sind derzeit mitten in dieser Spirale, in der wahnsinnig viel passiert. Derzeit geht alles zu schnell, aber wenn wir uns nach der Tour zu Hause zusammensetzen, können wir in Ruhe reflektieren. Vor etwa einem Jahr haben wir als Opener eine Tour eröffnet – jetzt sind wir erstmals Headliner. Das hat eine große Bedeutung für uns. Es ist auch schön zu sehen, dass das Land Schweden und seine Einwohner langsam verstehen, welch kulturelle Produkte in ihrer Heimat entstehen. Schweden war da schon immer langsam, aber wir wurden zuhause mittlerweile für die Grammys nominiert – das ist schon großartig. Auch die schwedischen Medien öffnen endlich die großen Augen für Hard-Rock- und Metal-Bands. Würde ich immer noch auf dem gleichen Level sein wie vor zehn, zwölf Jahren, dann würde ich es nicht mehr machen. Wir wollen auch Geld verdienen und bekannter werden. Dazu muss man die Chancen nützen und Risiken eingehen. Wir sind definitiv eine der Bands, die derzeit auf dem aufsteigenden Ast sind.


Irgendwann einmal kommt aber vielleicht der Punkt, wo ihr Eingeständnisse machen müsst, um noch größer zu werden. Euch eventuell verkaufen oder zumindest drastisch verändern.

Wir gehen nur diese Schritte, bei denen wir uns auch noch wohlfühlen. Es wird immer Leute geben, die nicht mögen was wir tun und natürlich auch welche, die den Weg mit uns mitgehen. Das ist immer so bei Bands, die sich nicht wiederholen, aber darüber darf man nicht zu viel nachdenken. Manche Fans gehen, manche kommen, das kann man nicht immer beeinflussen. Es tut mir leid, liebe Underground-Patrioten, aber wir werden dort nicht ewig verhaften bleiben.


Gibt es gewisse Grenzen, die ihr musikalisch und karrieretechnisch nicht überschreiten würdet?

Ich müsste jetzt nicht zwingend einen Vertrag beim allergrößten Label der Welt unterschreiben, aber erfolgreicher zu werden ist etwas, wofür wir leben und arbeiten. Wir versuchen so groß und bekannt wie möglich zu werden, aber das braucht natürlich Zeit. [lacht]


Kannst du auch diejenigen Bands verstehen, die absichtlich im Underground verhaftet bleiben wollen?

Klar, auf jeden Fall. Ich respektiere sie auch total, aber ich persönlich will weiter gehen. Ich höre mir immer noch den ärgsten Underground-Black-Metal an, aber für mich und TRIBULATION geht es um Weiterentwicklung. „The Children Of The Night“ war ein großer Schritt in diese Richtung.


Und wie sehen die nächsten Schritte aus?

Langsam beginnen wir, am vierten Album zu arbeiten. Derzeit sind wir aber so oft und permanent auf Tour, dass sich das gar nicht ausgeht. Wo ist das Jahr 2015 hin? So schnell verging alles und heuer sieht’s nicht viel anders aus. 2017 möchten wir das nächste Album veröffentlichen und ich hoffe, wir schaffen es dann auch ins Studio. Das ist der große Plan, aber du weißt ja nie, was noch dazwischenkommt.

Robert Fröwein [Froewe]

Autor: Robert Fröwein [Froewe] | 12.02.2016 | 22:10 Uhr

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