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Interviewpartner: Jon Nödtveidt




Dissection – Teil II! Nachdem unser erstes Interview mit Jon Nödtveidt (aufgrund des engen Zeitrahmens von 15 Minuten) etwas knapp bemessen war, hatten die Redakteure diesmal etwas mehr Zeit, sich im Vorfeld des Dissection-Auftrittes am 07.12.04 in Münster-Breitefeld/Live Arena mit Herrn Nödtveidt zu unterhalten. Mein Dank geht an Falko und Jörg von Bruchstein, sowie an Jürgen vom Dissection-Management, die uns erhebliche Handlungsfreiheit, sowie einen genügend großen Zeitraum für die „Befragung“ ließen, und letztendlich an Jon selbst für seine Geduld und Hilfsbereitschaft. Ich will dieses Interview trotz seiner Brisanz unkommentiert stehen lassen, und den Gesprächsverlauf, sowie die überraschenden Enthüllungen für sich alleine sprechen lassen. Die einzigen Kommentare werden meine Anmerkungen zur szenischen Darstellung des Ganzen sein, um dem Leser ein Gefühl für die Atmosphäre des Gesprächsverlaufs zu geben.

Einführung:
Nachdem uns der Tourmanager im Hinterhof der Live Arena in Empfang genommen hat, führt unser Weg durch enge Korridore in einen kleinen Raum direkt hinter der Bühne. Aufkleber an den Wänden zeugen von Stand-Ins zahlloser Weltklassebands, ebenso wie der Helden des Lokalkolorits. Der Raum ist in helles Licht getaucht. Wir werden den drei anwesenden Personen vorgestellt, Thomas Asklund, der Drummer, sitzt relaxt auf der Couch. Neben ihm ein Gitarrentechniker, der die ganze Zeit, auch während des Interviews, auf seiner Akustikklampfe indische Gebetsmusik spielt. Zufall, oder Absicht? Die sanften Klänge jedenfalls verleihen der Atmosphäre einen surrealen Touch, während ich mich darauf vorbereite, in die finsteren Abgründe von Jon Nödtveidts Seele vorzudringen...


Erster Teil – Verschiedenes...
Hallo Jon. Es ist eine lange Zeit her, dass du uns mit deiner Anwesenheit beehrt hast. In der Zwischenzeit ist Vieles vorgefallen. Wie fühlst du dich dabei, nach all den Jahren wieder auf der Bühne zu stehen, und...wie lief die Tour bisher?

Jon Nödtveidt:
Großartig! Ich bin überglücklich, endlich wieder da zu sein. Es ist so, als wäre ich in all den Jahren niemals weg gewesen. Wir haben einige sehr gute Shows gespielt, und jedes Mal war uns ein hervorragendes, treues Publikum vergönnt. Ich hätte nie damit gerechnet, aber insgeheim habe ich es immer gehofft. Doch nun scheint es, als hätten es die Leute gar nicht erwarten können, Dissection wieder zu haben.


Wo wir gerade von Dissection sprechen. Findest du denn, dass ein Song wie „Maha Kali“ ernsthaft Dissection repräsentiert? Die Resonanzen auf diese Single waren denkbar durchwachsen. Und damit meine ich, überwiegend negativ. Ich will deinem künstlerischen Schaffen keinen Abbruch tun, aber meiner Meinung nach ist „Maha Kali“ kein Metalsong mehr, sondern tendiert schon in die Dancefloor/Volksmusikschiene.

(Jon starrt mich forschend an) Findest du?

Ja. Wo ist eure Heaviness? Ich meine, sehr düster waren Dissection noch nie. Ihr wart schon immer sehr melodisch, harmonisch und ausgefeilt. Im Gegensatz zum typischen Blackmetal auf jeden Fall. Dennoch hatte die Gitarrenarbeit schon immer etwas klirrend Kaltes. Und das vermisse ich bei einem Stück wie „Maha Kali“ auf das Ärgste. Wenn ich fragen darf, wie fallen denn die restlichen Songs auf eurem neuen Album aus? Die Tatsache, dass das meiste an Material bis zum Jahre 1993 zurückblickt, lässt mich hoffen...

Ja! Da hast du recht, die meisten Songs sind wirklich schon älter in dem Sinne, dass die Basiskomponenten auf einen sehr langen Entstehungszeitraum zurückblicken. Ich habe all dieses Material über die Jahre hinweg gesammelt und auch im Gefängnis daran gearbeitet. Dennoch denke ich, dass selbst „Maha Kali“ unsere Band repräsentiert. Es ist eben eine andere Facette von Dissection. Manchmal sind wir schnell und hart, manchmal aber auch melodisch und langsam. Wie bei „Where Dead Angels Lie“. Du kannst doch nicht unsere Musik aus der Vergangenheit mit unserem heutigen Stil vergleichen! Jede Entwicklung bei uns passt in ihren Zeitrahmen...


Mag sein. Dennoch lässt sich für mich ein Übersong wie „Where Dead Angels Lie“ nicht im Mindesten mit, verzeihe den Ausdruck, Schrott wie „Maha Kali“ vergleichen. Aber lassen wir das. Eine Frage zum aktuellen Line-Up. Wie ist es zustande gekommen?

Nun, wir hatten auf unserer Website einen Contest laufen, in dem Musiker dazu aufgefordert wurden, sich für Dissection zu bewerben. Natürlich waren die Anforderungen sehr hoch. Wie du sicherlich weißt, müssen Dissection-Mitglieder nicht nur gute Musiker sein, sondern auch meine Einstellung bezüglich des Satanismus teilen. Es war ein langwieriger Prozess, obwohl die Reaktionen sehr stark ausfielen. Letztendlich machten diese Jungs, die du draußen gesehen hast, das Rennen. Ich finde, es ist das stärkste Line-Up in unserer Geschichte. Es passt am Besten zur Band.


Kommen wir später auf die Satanismusgeschichte zu sprechen. Was ist mit vergangenen Line-Ups? Gibt es da keine Musiker, die du heute vermisst? Niemanden, der heute eventuell auch noch gut zur Band passen würde?

Nun, da fällt mir keiner ein. Wie gesagt, jede Besetzung war iher Epoche angemessen. Die Besetzung, die hier und heute spielt, ist die beste. Fertig.


Was ist mit Johan Norman (Ex-Gitarrist)?

Jon wirkt wie versteinert. Seine Züge verraten keine Gefühlsregung.


Ich hörte, ihr hättet persönliche Differenzen gehabt. Was war der genaue Grund eures Auseinanderscheidens?

Jons Gesicht beginnt, weich zu werden. Er senkt seinen Kopf...
Johan passte nicht mehr in unser Konzept. Er begann, von seinem Glauben an die Band, und unserer Einstellung abzufallen. Ich konnte das nicht tolerieren. Er war kein Satanist mehr...und in meiner Band spielen nur Satanisten!


Um nochmal auf das Line-Up zurückzukommen. Es sind ja nicht mehr viele deiner Landsleute dabei. Set ist Italiener, und Brice Franzose. Findest du das aufgrund deines Backgrounds nicht unvertretbar, so viele Nichtskandinavier in einer Band zu haben, die teilweise noch selbst bei Formationen wie Nightrage gespielt haben, deren Stil partout nicht zu Dissection passen will? Könnte das nicht auch Einfluss auf den neuen, „verwässerten“ Sound gehabt haben?

Nein, denn wie gesagt. Alle sind gute Musiker, und stehen hinter meinem Konzept. Ich verstehe natürlich, was du meinst. Früher wäre ich zu solch einem Schritt wohl auch niemals in der Lage gewesen. Heute bin ich offener, auch anderen Stilen gegenüber. Und natürlich auch „nichtskandinavischen“ Musikern gegenüber!


Lassen wir das mal so stehen. Kommen wir zu etwas anderem. Nämlich dem sagenumwobenen MLO (Misanthropic Luciferian Order).


Zweiter Teil – Der MLO und der Platz zur Linken...
Okay, Jon. Sag an, wohin hat dich der „Left Hand Path” geführt? Ich weiß, dass der MLO drei Grundprinzipien hat. Drei Wege, die ins Chaos führen. Den „Drakonischen Setianismus“, den „Sumerischen Chaos-Gnostizismus“ und die „Kliffotische Kabbalah“.
Kannst du beschreiben, worum es in jeder dieser individuellen Philosophien geht?


Beim „Drakonischen Setianismus“ geht es um altägyptische Mythologie. Es geht um die Anbetung der Götter Seth und Opeth. Beides sind Chaosgötter, beide bilden Gegenpole im menschlichen Geiste! Du musst dir das so vorstellen. Der Einfluss von Seth ist eher konstruktiv reflektierend, es geht um Aufbau und Schaffen, während Opeth das dunkle, zerstörerische im Menschen symbolisiert. Der eine Weg.
Beim zweiten, dem „Sumerischen Chaos-Gnostizismus“, geht es um das Wissen von der Erschaffung des Kosmos. Der Kosmos ist einst aus dem Chaos entstanden. Aus einer Urkraft, die wir als „Schwarze Flamme“ bezeichnen. Obgleich zerstörerisch, bedeutet diese „Flamme“ doch auch Schöpfung, denn ohne sie wäre nicht möglich gewesen, was man im wissenschaftlichen Sinne als „Urknall“ bezeichnet. Aus dem „Urknall“, obwohl diese Theorie mittlerweile umstritten ist, entstand damals das Weltall. Es lässt sich in diesem physikalischen Tumult kein roter Faden finden. Es gibt eigentlich keinen nachweisbaren Grund, warum aus einer unzentrierten Ursuppe aus Atomen und Molekülen plötzlich Ordnung und auch Leben entstehen sollte. Es muss also eine Kraft dahinterstecken, die physikalisch nicht erfasst werden kann. Das ist die „Schwarze Flamme“, von der ich rede. Sie ist meiner Meinung nach die Essenz, die unfassbare Entität, die nach wie vor in uns allen steckt, und die unser eigenes kreatives Potential darstellt.
Die „Kliffotische Kabbalah“. Hierbei handelt es sich um eine altbabylonische Lehre der Weisheit. Chaosmagie. Sie ist für uns nur insofern wichtig, als hier eine weitere Macht ins Spiel kommt, nämlich Azerate. Dieses Wesen, dargestellt als elfköpfiger Drache, ist ein Zusammenschluss von elf unterschiedlichen kosmischen Kräften, deren Ziel das Chaos ist. Alleine sind diese Kräfte unfokussiert und schwach; nur im Zusammenschluss, in der Personifikation als Azerate, gewinnen sie an Macht. Für uns, die MLO, und ich nehme an, das interessiert dich, bedeutet diese Kraft folgendes: Der bestehende Kosmos, Spiegelbild unserer irdischen Gesellschaft, bedeutet Ordnung und Hierarchie. Physikalische Barrieren wie auch die Gravitation gelten für uns alle. Das überträgt sich auf die Menschen und ihre totalitären Systeme und Staatsformen. Kreativität und Individualität werden eingeschränkt, wir wachsen in einer Umgebung auf, in der wir kontrolliert werden. Gezüchtet wie Nutzvieh. Niemand lehrt uns noch, nachzudenken. Ich sage das jetzt bewusst allgemein formuliert, da ich mich auf keine bestimmte politische Richtung beschränken will.
Die Kraft der „Schwarzen Flamme“, getragen und überbracht von „Azerate“, befähigt uns jedoch, zu uns selbst zu finden. Alle gesellschaftlichen Schranken und Barrieren zu durchbrechen. Jeden Widerstand unbarmherzig zu vernichten!


Was meinst du mit „Widerstand vernichten“?

Damit meine ich, zur „Schwarzen Flamme“ zurückzukehren. Ich meine damit, gegen die genannten gesellschaftlichen Widerstände anzutreten, und sich selbst innerlich weiterzuentwickeln. Jeder von uns muss auf eine höhere Bewusstseinsebene gelangen, das heißt, sich seiner eigenen menschlichen Schwächen bewusst werden, und dagegen ankämpfen. Das erfordert Kraft. Kraft kann man nur aus Kreativität schöpfen. Wir müssen gegen unsere Süchte ankämpfen. Seien es Drogen, Alkohol, was auch immer. Wir müssen uns aus Hierarchien lösen, und unseren eigenen Weg gehen.


Das klingt alles immer noch sehr unklar formuliert für mich. Und teilweise sehr bedenklich. Du hast mir immer noch nicht gesagt, gegen welche Widerstände du antrittst. Willst du mir etwa mitteilen, dass die Philosophie der MLO nicht menschenfeindlich ist? Wo ihr doch in euren „Fünf Prinzipien“ davon sprecht, „der größte Feind der Gesellschaft zu sein“, oder euch unter den Menschen „wie Werwölfe unter Schafen“ zu verhalten! Das klingt menschenverachtend, und auch danach, als ob ihr zu äußerster Gewalt bereit seid, um eure für mich immer noch unklaren Ziele durchzusetzen! Beinahe faschistoid!

Nein! Das hast du falsch verstanden.


Und offensichtlich neunzig Prozent der restlichen Welt auch! Oder was glaubst du, warum zur Hölle so viele Leute über deine „Botschaft“ aufgebracht sind, und dir misstrauen? Das alles klingt sehr nach Kampf und Krieg gegen die Gesellschaft! Ein Blick auf eure Homepage (www.mlo-scandinavia.tk, Anm. d. Verf.) genügt, um diesen Eindruck zu bestärken. Wie sehen denn eure Ziele auf die Praxis bezogen aus? Und ich will jetzt keine Propagandaslogans hören, sondern nur Fakten! Führt ihr einen offenen Kampf nach außen? Oder war das alles nur ein Missverständnis?

Jon blickt mich leicht belustigt an, jedoch nicht ohne einen Anflug von Respekt
Nein, wir führen definitiv KEINEN Kampf gegen irgendeine Person, oder eine Institution. Du darfst mich gerne auf diese Worte festnageln. Wir wollen, und werden niemals irgendeiner Person körperlichen Schaden zufügen. Der Terminus „Kampf“ bezieht sich nur auf mich selbst, und auf jede Person, die dem MLO angehört, beziehungsweise unsere Philosophie teilt. Es geht hierbei nur, und ich wiederhole, NUR um uns selbst. Wir fechten Tag für Tag einen Kampf in unserem Inneren aus. All unsere Ängste! Unsere Versuchungen! Unsere Schwächen! Das sind unsere Feinde. Im Prinzip wären wir fast Mönche, aber ich mag dieses Wort nicht. Wie im Zen-Buddhismus, oder beim Tantra, so geht es auch hier nur um ausschließlich innere Weiterentwicklung, die friedfertig in uns selbst abläuft. Ich weiß, unsere Prinzipien sind sehr elitär, und das schreckt viele ab. Wir wollen niemanden „rekrutieren“, noch haben wir Pläne von „Weltherrschaft“! Wir trennen uns nur ab von der Außenwelt. Wir möchten keine Einflüsse, die uns schaden könnten. Wir möchten nur unseren Frieden finden. Deshalb halten wir fern, was uns nicht passt. Und deshalb will ich auch nur Musiker bei Dissection, die meine Ansichten teilen. Und das „Dunkel“, vor dem sich viele fürchten mögen, ist für uns selbst das Licht. Es bedeutet „Erkenntnis“.


Also keine äußeren „Feinde“?

Nein, auf keinen Fall.


Ich finde, Anton Szandor LaVey hat hierbei schon einen guten Weg gefunden. Wie steht der MLO zur Church Of Satan? Oder besser, worin unterscheidet ihr euch?

Ganz einfach. Die C.O.S. ist materialistisch orientiert. Keine Magie. Alle Leitsätze der C.O.S. sind zwar transparent und nachvollziehbar, aber rein weltlich. Es geht nur um die Entwicklung des Selbstbewusstseins und des Selbstvertrauens, was ich eigentlich gut finde. Dennoch ist die C.O.S. meiner Meinung nach ein Haufen von Karrieristen, die nichts im Kopf haben, als Reichtümer anzuhäufen, und aus ihren Mitgliedern bessere Manager zu machen. Jedweder geistige Aspekt des „Left Hand Path“ (dem Platz zur Linken Gottes als Synonym für Individualität und Selbstbestimmtheit) ist verloren gegangen. Ich hingegen beschäftige mich weiterhin mit Magie und Transzendentalem.


Womit wir wieder beim Thema wären. Was IST Magie?

Es gibt verschiedene Stufen von Magie. Niedere, hohe, schwarze, und weiße Magie. Unsere Magie steckt im Lesen von alten Schriften, und in der Meditation. Magie bedeutet Meditation, und ich meditiere sehr viel. Nur dadurch kannst du deine inneren Kräfte, die „Schwarze Flamme“ deiner Kreativität zum Leuchten bringen. Zerstörung bedeutet in diesem Zusammenhang nur das Abwerfen von Fesseln. Gib dich deinem inneren Selbst hin, und lerne von dir! Erforsche die Urkraft!


Und, praktiziert ihr auch „Rituale“? Wie würden die aussehen?

Ja, wir praktizieren Rituale. Jeder für sich alleine. Es gibt keine schwarzen Messen oder so, falls du das meinst. Wir meditieren, und üben „Sprüche“. Diese Sprüche geben dir persönlich Kraft, körperliche und psychische Schmerzen und Entbehrungen zu lindern, beziehungsweise, diese nicht mehr zu spüren. Eine Art von ritueller Selbstbeschwörung. Das hat mir unter anderem auch die Kraft vermittelt, meinen sehr anstrengenden Gefängnisaufenthalt zu überstehen.


Böse Gerüchte besagen, du und deine „Ordensbrüder“, ihr hättet früher auch Tiere geopfert. Beispielsweise Katzen. Hättet deren Blut getrunken, und ihr hättet auch menschliche Knochen gesammelt. Wie stehst du heute dazu?

Jon hält fest den Blickkontakt zu mir. Seine Augen strahlen, wie auch schon während des gesamten Interviews, eine Art kryptischer Düsternis aus. Dennoch scheint es ihm wichtig zu sein, mir verständlich zu machen, was in ihm vorgeht
Das stimmt leider. Ich schäme mich heute dafür, früher auf meinem Weg so unreif gewesen zu sein, und solche Dinge getan zu haben. Ich habe Lebensformen geschadet, und das ist schlimm. Nichts kann das entschuldigen. Doch heute sieht alles anders aus. Ich würde so etwas Widerwärtiges nie wieder tun. Damals stand ich noch auf diesen primitiven Schwarzweiß-Satanismus. Hätte ich nur damals schon gewusst, was ich heute weiß. Jeder macht Fehler...das dumme ist nur, wenn man nicht aus diesen Fehlern lernt.


Okay, das klingt plausibel.


Dritter Teil – Blutvergießen und Erinnerungen...
Mal was völlig anderes. Wie geht es deinem alten Kumpel Vlad? Du erinnerst dich doch. Vlad Nemesis, mit dem zusammen du dieses kleine Abenteuer auf dem Berg hattest? Du weißt doch sicher, wovon ich rede. (Anm. d. Verf.: Der Redakteur spielt auf die Geschichte von dem Mord an Josef Ben Medour an, einem algerischen Homosexuellen; für den Nödtveidt damals wegen Beihilfe verurteilt wurde.)

Nödtveidts Augen leuchten triumphierend, als hätte er die Frage vorausgesehen
Oh, Vlad? Ja, Vlad geht es ganz hervorragend. Ich schreibe ihm regelmäßig. Sieht so aus, als hätten all diese Jahre unserer Freundschaft nichts anhaben können...


Wie stehst du heute zu dem Mord? Bereust du ihn?

Hm...bereuen. Das ist eine schwierige Frage. In gewisser Weise nicht, da man Vergangenes nicht bereuen kann. Ich habe damals einen Fehler gemacht. Ich habe aus diesem Fehler gelernt. Ich bin im Gefängnis gelandet. Das wiederum gab mir die Chance, mich weiterzuentwickeln. Es klingt vielleicht hart, aber die Tatsache, dass ich ein Menschenleben genommen habe, hat mir geholfen, vorwärts zu kommen! Ganz egoistisch betrachtet? Nein, ich bereue es nicht. Universell betrachtet? Es war das größte Verbrechen!


Ich will wissen, ob es dir leid tut, den algerischen Schwulen umgebracht zu haben!

Für einen Moment starrt mich Jon haßerfüllt an. Dann verklärt sich sein Blick. Er senkt den Kopf...
Ich denke, es tut mir leid...


Was hat dich der Knastaufenthalt gelehrt?

Dass der größte Feind in dir selbst steckt! Und dass es besser ist, deine Freunde und Verbündeten zu kennen, als nach irgendwelchen äußern Feinden zu suchen! Siehst du, mein Leben ist soviel besser geworden. Es tut unheimlich gut, wieder frei zu sein! Um nichts in der Welt würde ich darauf verzichten wollen. Es ist nun die Stunde des Sieges für mich! Ich bin froh, dass mich die Fans immer noch akzeptieren! Ich habe so viele Stadien meines Lebens hinter mich gebracht, und habe eine Chance verdient! Ich bin anders als früher! Bitte, akzeptiert mich! Jeder ist für sein Schicksal selber verantwortlich. Wir alle sind unseres eigenen Glückes Schmied. Und mein Schicksal hat mich tiefer in die Finsternis geführt als ich dies je für möglich gehalten hätte. Nun steht mir hoffentlich der Weg wieder frei, etwas Neues zu beginnen.


Ist das auch der Grund für deine...entschuldige den Ausdruck...“Glasnost“-Politik gegenüber der Presse? Keine Bosheit? Keine Menschenverachtung und Misanthropie? Keine kryptischen Äußerungen mehr?

Ja. Ich will nur noch meine Botschaft verbreiten, dem „Metal huldigen“, und mit meiner Band Dissection die Bühnen erobern, haha! Das ist alles. Das Leben ist kurz. Mein Leben mag mir nichts bedeuten, aber immerhin kann ich etwas für mich Positives tun. Und vielleicht kann ich andere dazu bringen, nachzudenken, bevor sie etwas Unüberlegtes tun. Anders als ich das einst tat.


Abschluss
Okay. Ich denke, das spricht für sich. Ich wünsche dir also viel Glück und viel Spaß bei der Show, und auf deinem weiteren Lebensweg. Bis nachher, hau rein!


Als wir den Ort verlassen, blickt uns ein nachdenklicher Jon Nödtveidt hinterher. Zu welchen Erkenntnissen ist er wohl gelangt? Kann man seinen Aussagen vertrauen? Ich denke, das wird wohl nur die Zeit selber offenbaren...

AirRaids

Autor: Michael Quien [AirRaids] | 10.12.2004 | 15:51 Uhr

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