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Als Mikael Svanberg aka Lord Ahriman 1993 im zarten Alter von 21 Jahren die Black-Metal-Band DARK FUNERAL ins Leben ruft, tut er das, weil er seine grundeigene Umsetzung von extremer Musik nicht mit anderen Ideen teilen will. So eigenwillig der Weg der Band und ihres Meisters über die letzten 23 Jahre auch gewesen sein mag, der Erfolg gibt ihm Recht. Mit dem dritten Album "Diabolis Interium" gelang 2001 sogar der Sprung in die schwedischen Mainstream-Medien. Dass es doch nicht zur Weltberrschung reichte, liegt einerseits am doch zu heftigen Sound der Stockholmer, andererseits am nicht immer schwierigen Charakter Lord Ahirmans, der im Laufe der Karriere Bandmitglieder verbrauchte wie andere ihre Unterwäsche. Nach internen Querelen in den letzten Jahren totgeglaubt, gelang die Wiederauferstehung mit dem famosen "Where Shadows Forever Reign" in diesem Jahr durchaus souverän. Wir schnappten uns das Band-Mastermind in der Wiener Simm City, um einen etwas kantigeren Karriererückblick zu wagen, bei dem sogar Tränen flossen... aber lest selbst.

Auf der Herbsttour 2016 habt ihr 26 Shows in Serie ohne einen einzigen Day Off gespielt. Wie ist sowas physisch überhaupt möglich?

Eine Pause würde schon mal guttun, aber jeder von uns ist in absolut guter Form und wir passen gut auf uns auf. Es ist jeder sehr fokussiert, so konnten wir dieses Monsterprogramm auch relativ gut durchziehen.


Hast du dein Verhalten auf Tour im Gegensatz zu den 90er-Jahren fundamental verändert?

Natürlich, wirklich fundamental. [lacht] Wir haben auf Tour eine „Non-Alcohol-Policy“. Sobald die Leute zu saufen beginnen, sind sie schnell angepisst, immer müde und es spielt sich dauernd Drama ab. Das sind dann immer die negativen Seiten einer Tour und ich möchte nicht wissen, wie viele Bands sich schon wegen Alkoholexzessen auf Tour aufgelöst haben.


Gibt es nicht einmal die berühmten Belohnungsbiere nach erfolgreichen Shows?

Nein, gar nichts. Ich selbst bin seit mittlerweile mehr als zehn Jahren trocken.


DARK FUNERAL waren viele Jahre in der Versenkung verschwunden, bis du letztes Jahr mit dem Song „Nail Them To The Cross“ samt neuer Mannschaft wieder auf die Bildfläche zurückgekehrt bist. Hat sich das wie eine Wiedergeburt angefühlt?

Nein, ich bin niemand, der in die Vergangenheit blickt, sondern immer darauf achtet, selbst besser zu werden und nach vorne zu schauen. Wir haben gute und dunkle Energien gewonnen, um wieder durchstarten zu können – waren aber ohnehin niemals ganz weg vom Fenster. Wenn ich mit Leuten rede, ist es oft nicht die Musik selbst, die sie antreibt, sondern der ganze Spirit dahinter. Es werden Energien freigesetzt, die irgendwo aus deinem Unterbewusstsein dringen.


Als musikalischer Geek, der du bekanntermaßen bist, war es doch sicher schwierig, so viele Jahre lang nichts Neues zu veröffentlichen?

Ich hatte immer eine große Passion für das Schreiben und Produzieren von Musik, aber es weiß auch jeder der mich kennt, dass man mich nicht dazu zwingen kann. Ich schreibe nicht, weil es sein muss, sondern dann, wenn ich etwas zu sagen habe. Wenn ich aber einmal rein finde, dann geht es schnell dahin und ich bin von vielen unterschiedlichen Sachen inspiriert. Ich hole keine alten Klamotten aus der Garderobe, sondern beginne beim Songschreiben immer ganz von vorne. Viele Bands schreiben im Jahr 70 Songs, finden alle genial und veröffentlichen dann das Erstbeste, was ihnen einfällt. Für mich ist das komplett dämlich. Aber gut, jeder ist anders. Das ist auch der Kern von Musik.


Hast du so akribisch gearbeitet, dass du alle Ideen für das neue Album „Where Shadows Forever Reign“ nutzen konntest?

Nein, aber ich schreibe keine Songs, die dann nicht erscheinen. Ich arbeite so lange daran, bis ein Song veröffentlichungswürdig ist, sonst wird die Idee sofort weggeworfen. Natürlich habe ich noch viele Ansätze von Songs, die ich hier nicht verwendet habe, aber die sind zumindest so gut, dass ich sie irgendwie noch fertigstellen werde. Jedes Riff, jede Melodie, die ich kreiere, ist für etwas Größeres bestimmt.


Das Album bekam sehr gute Kritiken und wurde von den Fans hervorragend aufgenommen. Warst du erleichtert, als du bemerkt hast, dass alles gut war?

Natürlich. Das größte Kompliment ist immer dann, wenn du das Material auf Tour bringen kannst, denn das bedeutet, dass es bereits eine Nachfrage gibt. Auf der Bühne kriegst du noch einmal extra Energie. Davor bist du durch die harte Arbeit so fokussiert, dass du nicht an den Spaß des Livespielens denkst. Es ist schwer zu erklären, aber die Belohnung zu merken, dass die Leute darauf stehen und es live gut ankommt, ist unbezahlbar.




Im Gegensatz zu anderen Bands passen die neuen Songs bei euch auch live perfekt zu den alten. Eine Setlist-Zusammenstellung sollte also vom dramaturgischen Standpunkt her kein großes Problem sein.

Bislang hat noch kein Mensch die Setlist kritisiert. Die Reviews sind besser als je zuvor und natürlich höre oder lese ich so etwas gerne. Doch prinzipiell gilt: Je mehr Songs ich aufnehme, umso schwieriger wird natürlich das Zusammenstellen einer Setlist. Wir spielten auf dieser Tour das längste Set unserer Geschichte. Zwischen 80 und 85 Minuten, das geht auch konditionell in die Knochen. Du bist jeden Abend ordentlich ausgepowert. Auch das würde nicht gehen, wenn wir saufen würden. Es wird definitiv noch eine zweite Europa-Tour mit einer anderen Setlist geben. Wichtig ist mir, dass alle Generationen von DARK FUNERAL-Fans bei unseren Shows etwas kriegen.


Mit dem neuen Album wolltest du offensichtlich auch die Vergangenheit heraufbeschwören. Das Artwork ist wie auf euren ersten Alben in kühlem Blau gehalten, Necrolord hat es gezeichnet und die Songs erinnern teilweise an die „Vobiscum Satanas“-Ära.

Das ist lustig, denn die ganze Sache hat eine völlig andere Richtung genommen, als wir geplant hatten. [lacht] Ich habe Necrolord in den letzten Jahren oft getroffen und immer haben wir darüber geredet, dass wir wieder zusammenarbeiten sollten. Die letzten drei Alben, die in Rot gehalten waren, hatten ein zusammenhängendes Thema, das mit dem letzten Werk aber abgeschlossen war. Ich habe Necrolord dann auf einer Kunstausstellung getroffen, ihm von unserem Album erzählt und es vergingen 20 Jahre seit unserer letzten Zusammenarbeit. Er war sofort von der Idee begeistert und ließ sich einfach von meiner Musik und den Lyrics inspirieren.


Euer Debüt „The Secret Of The Black Arts“ ist exakt 20 Jahre alt und für die meisten eurer Fans eine Art „Heiliger Gral“. Kannst du das nachvollziehen?

Damals war die Konkurrenz verdammt groß und aufgrund der Alben von SATYRICON, EMPEROR oder anderen zu dieser Zeit war es nicht absehbar, dass unser Debüt so gut laufen würde. Viele Menschen haben uns schnell entdeckt und mir geht es als Fan nicht anders. Das extraspezielle Feeling habe ich auch oft mit dem Debütalbum einer Band oder eben demjenigen, das ich als erstes hörte. Ich kann diesen Zugang also gut verstehen. Das ist natürlich cool, aber wenn es um die Verkaufszahlen geht, schaut es bei uns fast umgekehrt aus. „Diabolis Interium“, unser drittes Album, hat uns dann auf ein anderes Level gehievt. Auch die Merchzahlen zeigen, dass „Diabolis Interium“ und unser neues Album am besten laufen. Ich kann mit „Diabolis Interium“ prinzipiell ganz gut, aber ich bin heute so unglücklich mit der damaligen Produktion. [lacht]


Würdest du sagen, ihr habt mit eurem Debütalbum euer Heimatland Schweden endgültig auf die Black-Metal-Landkarte gehoben?

Meiner Meinung nach gab es keine schwedische Band in diesem Genre, die ähnlich groß wurde wie wir. Wir waren damals sogar in den Nachrichten und den Tageszeitungen vertreten – alles explodierte. Wir hatten dann einen Deal mit Metal Blade in den USA und waren eine der ersten Extreme-Metal-Bands von hier mit einem derartigen Vertrag. Das war ein großer Sprung für uns. Ich habe das damals gar nicht so realisiert, aber aus der heutigen Perspektive war das natürlich etwas ganz Großes.


Glaubst du, ihr hättet mehr Ruhm und Erfolg abbekommen, wenn ihr Norweger wärt?

Möglicherweise, ja. Aus irgendeinem Grund ging die ganze Aufmerksamkeit damals nach Norwegen. Sie hatten halt die extremeren Charaktere, aber Schweden ist das größere Land und ich verspreche dir, dass dort musikalisch viel verrücktere Dinge passierten. Norwegen ist aber eine extrem religiöse Nation und da wurden die Kirchenbrandanschläge ganz anders aufgenommen als es in einem Land wie Schweden jemals passiert wäre. Das war sicher auch ein wichtiger Grund für die Popularität der norwegischen Bands. In Schweden passierte aber auch abseits der Musik viel irres Zeug, das es niemals in die Nachrichten schaffte.


Hast du dich als eine Art Popstar gefühlt, als du mit der Band im Fernsehen warst und der US-Deal in trockenen Tüchern lag?

Ich war immer jemand, der sich im Privatleben zurückzog. Ich liebe Livekonzerte, aber wenn ich in Stockholm oder anderen Städten daheim auf Konzerte gehe, wollen die Leute immer mit mir reden, was mich nervt, weil ich die jeweilige Band sehen möchte. Ich habe dann aufgehört auf Konzerte zu gehen, außer ich kann es mir backstage ansehen. Ich war vor ein paar Jahren mit meiner neuen Freundin mal unterwegs und es kamen Leute auf mich zu, um sich zu bedanken oder mir zu erzählen, was ihnen meine Musik für ihr Leben gebracht hätte. Dass meine Songs sie durch ihre Teen-Jahre gebracht hätten - das war einerseits natürlich schön zu hören, aber andererseits hat es mir auch viel von meinem Privatleben genommen. Ich war nie ein Fan von persönlichem Hype. Es ist gut, wenn dadurch bei der Band was weitergeht, aber ich halte es nicht aus, wenn die Leute mit dem Finger auf mich zeigen. Das war auch ein Grund, warum ich mich länger zurückgezogen habe.




Hat sich deine Einstellung gegenüber Satanismus und Okkultismus in den letzten 20 Jahren geändert?

Natürlich. Das Leben an sich dreht dich immer wieder in neue Richtungen. Ich bin immer meinem Pfad gefolgt, aber natürlich war ich als Jugendlicher engstirniger und viele Leute in meinem Umkreis haben mir gesagt, dass sie froh wären, dass ich mich verändert hätte. [lacht] Ich versuche einfach mein Leben zu leben und darauf zu scheißen, was die Leute über mich sagen oder denken. Ich hatte auch niemals Idole oder Vorbilder, so etwas brauche ich nicht. Ich habe immer auf mich und meine Arbeit geachtet und bin damit gut gefahren. Dass man aus Lebenserfahrungen lernt, das ist aber wohl für jeden normal.


Kannst du dich heute noch mit allen alten DARK FUNERAL-Songs identifizieren?

Mit den meisten schon. Ich habe so viele Erinnerungen und ich sehe jeden Song als einen Teil eines Lebensabschnitts. Das Musikschreiben ist für mich wie ein Kurzfilm, es spielt sich zu jedem Song eine Szene in meinem Kopf ab. Ich kann mich genau an Details aus der jeweiligen Ära erinnern. Ich versuche mich dann immer auf die positiven Dinge zu fokussieren. Das ist auch eine der wichtigsten Änderungen in meinem Leben – ich versuche, das Gute aus allem herauszuziehen. Es wird immer eine dunkle Seite in mir geben, aber sie soll nicht mehr die Überhand nehmen. Daran arbeite ich wirklich hart. Und so versuche ich mich auch an die guten Zeiten zu erinnern und das Negative beiseite zu schieben.


Bereust du Dinge aus der Vergangenheit?

Du kannst immer Sachen bereuen, aber das wird nichts an der Gegenwart ändern. Ich sehe lieber nach vorne und schaue, was ich beim nächsten Mal vielleicht besser machen kann. Einfach gewisse Fehler nicht mehr zu wiederholen. Bereuen ist immer schlecht, denn was passiert ist, ist passiert. Punkt. Was soll’s?


DARK FUNERAL hatten in den letzten 20-25 Jahren unzählige Besetzungswechsel zu verzeichnen. Ist es so hart, mit dir zusammenzuarbeiten?

Das ist definitiv der Fall. Das hat Vor- und Nachteile. Ich bin extrem ehrlich und loyal. Wenn du versuchst mich zu verarschen, dann bricht die Hölle aus – das kann ich garantieren. Ich lerne aber auch dazu und versuche so offen wie möglich zu sein. Wenn Leute aber versuchen, mir oder meiner Familie zu nahe zu kommen, dann verschließe ich mich und kappe die Brücke. Das ist eine Art Selbstschutzprozess für mich und ich weiß, dass das nicht immer gut für ein Gemeinschaftsprojekt ist. Mit den meisten Ex-Mitgliedern habe ich aber immer noch ein gutes Verhältnis und wir telefonieren sogar hie und da. Viele haben mich zum neuen Album beglückwünscht und mir ihren Respekt ausgesprochen.


Es gibt also kein böses Blut mehr?

Das stimmt nicht ganz so. Mit 99 Prozent der Leute kann ich mich zumindest kurz treffen oder „Hallo“ sagen, aber ich würde mich mit ihnen wohl nicht auf mehrere Biere in ein Pub setzen. [lacht] Die Seiten sind geschrieben, so war das eben im Leben. Vor einigen Jahren hatten wir in Stockholm eine 20-Jahre-Jubiläumsshow, wo viele alte Bandmitglieder dabei waren. Das war wirklich lustig. Wir haben uns über alte Erinnerungen unterhalten und ebenso über die schlechten, aber eben aus einer erwachseneren Perspektive. Das war ein guter Verarbeitungsprozess.


Gab es in der Bandgeschichte einmal eine Phase, wo du selbst nicht mehr sicher warst, ob die DARK FUNERAL weiterexistieren könnte?

Seit der ersten EP vor 23 Jahren ließ ich niemals etwas zwischen mich und die Band kommen. Es war nie ein Thema, das Kapitel endgültig zu schließen. Ich habe mich auch in schlechten Zeiten immer auf die Hinterbeine gestellt, mich abgeputzt und bin weitergegangen. Viele Sachen landeten in der Presse und ließen ein schlechtes Licht auf die Band fallen, aber ich habe hinter dem Vorhang immer weitergearbeitet und versucht, alles zu verbessern. Ich mag die Öffentlichkeitsarbeit gar nicht, aber sie gehört zum Job dazu. Ich habe mich stets um alles gekümmert, was die Band anbelangt. Entweder du folgst mir, oder eben nicht. Aber wenn nicht, dann halte mich nicht auf. Deshalb waren die Besetzungswechsel auch nie problematisch. Ich habe das alles schnell abgehakt und die meisten leben heute ein total anderes Leben. Das ist auch kein Problem, solange sie die Band nicht aufhalten.




Ein einschneidendes Erlebnis war sicher der Selbstmord deines Freundes und Ex-Gitarristen Blackmoon vor drei Jahren. Überdenkt man nach so einem Vorfall gewisse Dinge?

Es gibt für alles, was im Leben passiert, einen Grund. Menschen machen Fehler und Menschen verändern sich. Das kann manchmal schmerzhaft sein, gehört aber zum Leben dazu. Als David [Parland aka Blackmoon – Anm. d. Verf.] zu dieser Zeit so fertig war mit sich selbst, hatten wir gerade viel Kontakt miteinander. Verdammt, es ist hart darüber zu reden… Ich habe versucht ihm zu helfen, aber es war zu spät… [beginnt zu weinen] Das passiert mir die ganze Zeit, sorry.


Kein Problem, lass uns das Thema wechseln. Was die Fans an euch noch immer sehr zu schätzen wissen ist die Tatsache, dass ihr live für eine ruppige Old-School-Black-Metal-Show sorgt. Gerade die neueren Black-Metal-Bands setzen ja eher auf hippes Kunstverständnis, die Natur oder das Agrarwesen.

Ich verfolge die Szene nicht so wirklich, ich habe keine Ahnung. DARK FUNERAL sind DARK FUNERAL und wir waren und sind einzigartig. Der Grund für diese Band war immer schon, dass niemand gleich extreme Musik spielen wollte wie ich. Also musste ich damals meine eigene Band ins Leben rufen. Ich habe mir alles selbst aufgebaut und bis heute versuche ich die Band so gut wie möglich zu pushen. Ich höre oft den Satz, dass wir typischen Black Metal spielen. Aber nenne mehr doch eine verdammte Band, die so wie wir spielt.


Was ist denn typischer Black Metal? Das wäre schon mal die erste Frage.

Exakt erkannt. Es gibt Millionen von Genres und Subgenres und daher ist diese Ansage schon von Grundgedanken her gesehen Bullshit. Aber gut, diese Leute verstehen uns und unsere Musik nicht, was soll’s. Ich bin immer noch davon überzeugt, dass wir etwas Einzigartiges schaffen und Energien freisetzen, die sonst keiner so auf die Reihe kriegt.


Sehr unüblich für eine Black-Metal-Band ist es auch, im Social-Media-Bereich so aktiv zu sein wie ihr. Und zwar nicht nur auf Bandseite, sondern auch unter den einzelnen Protagonisten.

Früher wurde ich mit E-Mails überflutet und es war mir nicht möglich, diese zu beantworten. Wir haben oft gedacht, dass viele Leute eine Antwort verdient hätten, weil nicht jeder jedes Magazin mit Interviews von uns lesen kann. Es ist einfach leichter, wenn du über Social Media vielen Menschen auf einmal antworten kannst. Ich versuche auch dort täglich besser zu werden, aber wir wollen als Band transparent sein und den Leuten einen Einblick in unser Leben geben. Ich muss eben nicht mehr jedes Mail einzeln beantworten. Ich bin sehr überrascht darüber, dass uns so viele Leute auf Facebook folgen und dieses Service annehmen. Speziell ich und Sänger Heljarmadr reden oft darüber. Wir schneiden von dieser Tour auch ein paar Minivideos zusammen, die aus Auftritten, Interviews und Backstage-Impressionen bestehen. Die Leute sollen wissen, was so los ist. Es ist nicht immer so leicht wie es aussieht. [lacht] Ich muss auch darauf achten, dass ich nicht zu viel Privates nach außen trage.


Ich finde es vor allem insofern interessant, als das so viele Black-Metal-Bands überhaupt keine Lust auf Social Media haben, ihr aber genau den entgegengesetzten Weg geht.

Wir folgen nicht den Regeln, wir machen sie – das ist die Quintessenz von DARK FUNERAL. Wir haben oft schon Sachen gemacht, die noch nicht dagewesen sind und alle haben uns dafür gehasst und ausgelacht. Sechs Monate später siehst du dann Bands das gleiche machen und alles toll finden. Ich habe so viele Beweise dafür, deshalb kann ich darüber längst nur mehr lachen. [lacht]


Was bringt die Zukunft für DARK FUNERAL und eure Fans?

Wenn die Stimmung wieder passt, dann werde ich auch wieder schreiben. Die Lebensumstände bei mir sind ganz anders als noch vor wenigen Jahren und es derzeit wesentlich leichter für mich, kreativ zu sein.


Werdet ihr auch wieder zu den richtig fetten Bühnenshows mit Pyrotechnik zurückkehren?

Das ist sowieso eher für Festivals gedacht, denn bei den kleinen Venues kriegst du das nicht hin. Es liegt aber immer am Budget. Ich habe so viele verrückte Ideen, die ich gerne umsetzen würde, aber das muss man alles erst einmal finanzieren können. Wir können auch Shows spielen, die keinen Cent kosten, aber ein richtig fettes Konzert ist natürlich eine ganz andere Erfahrung. Ich will dir noch nicht zu viel über meine Ideen verraten, ihr sollt das dann sehen. Warten wir mal ab was der Sommer 2017 und die Festivalsaison bringen. Es liegt auch an den Leuten. Je mehr von euch kommen, umso mehr Budget haben wir für große Showelemente. [lacht]

Fotos: Andreas Graf (4), Century Media


Robert Fröwein (Froewe)

Autor: Robert Fröwein [Froewe] | 08.12.2016 | 17:33 Uhr

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