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Interviewpartner: Marios Iliopoulos

Bereits zum vierten Mal bei uns im Gespräch, zeigt sich Marios Iliopoulos wieder einmal nicht mundfaul. Zu klären gibt es ja aber auch ein bisschen was, zum Beispiel warum er denn schon wieder mit einer gänzlich anderen Besetzung am Start ist…




Hallo Marios, das letzte Mal hast du bei uns im Interview gesagt, dass es nach „Descent Into Chaos“ schwierig war, weil du dir praktisch eine komplett neue Band suchen musstest. Jetzt, zwei Jahre später, hast du schon wieder eine gänzlich ausgewechselte Mannschaft. Was ist denn schiefgelaufen? Ich habe gelesen, du hättest die meisten kurzerhand rausgeschmissen…

Ja, ich kann absolut verstehen, wenn dich diese Neuigkeiten überrascht haben. Damals ging einiges schief, weil die Jungs nicht wirklich mit der Band glücklich waren. Plötzlich wollten sie nicht einmal mehr mit NIGHTRAGE auf Tour gehen! Sie wollten den Sound in eine Mainstream-tauglichere und poppigere Richtung bringen, nebenbei hatten sie auch noch diese eigene Band am Start. Wir hatten einige persönliche Differenzen und einer dieser Typen hat sogar so viel Ärger gemacht, dass ich sie kurzerhand vor die Tür setzen musste – ich hatte keine andere Wahl. Henric [Carlsson, Gitarrist zu der Zeit] hat die Band aber freiwillig verlassen. Er wollte sich mehr um seine Familie kümmern und irgendwie hat ihm der Rock’n’Roll-Lifestyle wohl auch etwas zugesetzt.


Denkst du denn, dass das aktuelle Line-Up länger halten wird?

Yeah, ich finde, ich habe jetzt nette Kerle in der Band, die an die Idee und an die Musik von NIGHTRAGE glauben. Ich bin ziemlich glücklich darüber, da wir alle gute Freunde sind und zusammen viel Spaß haben. Es hat mich einiges an Zeit gekostet bis ich dieses Line-Up beisammen hatte, aber wie du dir sicher vorstellen kannst, ist so etwas verdammt schwierig, denn jeder ist anders und manchmal hat man da verschiedene Träume vom Leben. Was uns betrifft, lieben wir es diese Art von Musik zu spielen. Wir haben da keine großartigen Erwartungen, sondern bleiben lieber am Boden, um die bestmöglichen Songs zu schreiben.




Würdest du trotzdem sagen, NIGHTRAGE ist Marios Iliopoulus? Oder besteht die Band aus dir und wechselnden Musikern?

Ich weiß was du meinst, aber das war nie so bei NIGHTRAGE. Das erste Album musste ich mit Session-Musikern aufnehmen, denn ich hatte zu dieser Zeit wirklich keine andere Wahl. Seit dem sind viele Musiker gekommen und gegangen, aber das lag daran, dass sie entweder ihre eigenen Bands weiterbringen wollten, oder wir hatten einfach Pech und erwischten die falschen Leute. NIGHTRAGE war aber nie nur mein Projekt und das wird es auch nie sein – das war auch niemals die Idee dahinter! Ich wollte immer eine Band mit den möglich besten Leuten gründen, aber das war stets eine schwierige Aufgabe. Mit all diesen Wechseln, haben die Fans einen falschen Eindruck bekommen. Das lag aber alles außerhalb meines Einflusses und ich musste damit weitermachen Alben zu veröffentlichen, denn the show must go on, egal was passiert.


Hatten denn die neuen Jungs bereits die Möglichkeit, Einfluss auf das Album zu nehmen?

Definitiv! Ich habe die ganze Musik zusammen mit Olof [Mörck, Gitarre]und alle Texte mit unserem neuen Sänger Antony [Hämäläinen] geschrieben. Anders [Hammer, Bass] und Jo [Nunez, Drums] haben auch ihre Parts beigetragen. Ich kann dir sagen, das Album ist wirklich durch Teamwork entstanden! Zwar stammen die Grundideen von mir, aber ohne die Jungs hätte ich das Album niemals so machen können – jeder hat den Sound mit beeinflusst. Wenn ich mit Olof und Antony an den Liedern arbeite, stimmt einfach die Chemie, das macht es so viel leichter. Ich habe nächtelang in meinem Studio jedes Riff, jede Melodie zusammen mit Olof ausgearbeitet.


„Wearing A Martyr’s Crown“ klingt für mich um einiges härter als der Vorgänger. Absicht?

Wir wollten ein Album ohne Kompromisse schreiben, ohne trendy zu klingen! Ich bin froh, dass du die Heavyiness bemerkt hast, es ist eine Art back to the roots-Ding, zugleich klingt es aber auch frisch und voller neuer Ideen. Ich denke das NIGHTRAGE-Feeling zieht sich durch alle Song, und dass wir mit dieser Scheibe unseren eigenen Sound gefunden haben. Die ganze nette Mischung aus harten Gitarren, brutalen Vocals, die himmlischen Melodien, der Akustik-Kram, zusammen mit den drückenden Drums und Bass – das sind wohl die Trademarks von NIGHTRAGE!


„Abandon“ hat mich mit seinen Spoken-Words-Einlagen ziemlich an Momente auf IN FLAMES „Whoracel“ erinnert. Wie denkst du darüber?

Ich weiß nicht so recht, das letzte Mal hab ich mir dieses Album vor vielen Jahren angehört. Die Vocals waren Antonys Idee, also musst du da wohl ihn fragen. Wir wollen keine anderen Bands kopieren, aber weil wir im selben Genre unterwegs sind, sind gewisse Ähnlichkeiten wohl unvermeidbar.


Hast du dir eigentlich das letzte IN FLAMES Album „A Sense Of Purpose“ angehört?

Ich habe mir ein paar Lieder auf ihrer MySpace-Seite angehört und die klangen wirklich gut. Sie sind als Band gewachsen und ziehen ihr eigenes Ding durch.


Man kann wohl ohne weiteres behaupten, dass NIGHTRAGE eine Melodic Death Metal-Band sind. Was bedeutet dir dieses Genre? Wie bist du zu dieser Musik gekommen?
Ich mag Bands wie es sie Mitte der Neunziger gab, wie etwa AT THE GATES, DISSECTION und IN FLAMES. Sie haben einige großartige Alben für das Genre gemacht, das weltweit die Metalszene verändert hat. Ich kann mich erinnern, als ich zum ersten Mal AT THE GATES auf einem Terrorizer Sampler gehört habe und es mich förmlich weggeblasen hat. Zu der Zeit gab es auch coole Livevideos auf MTV Headbangers Ball, was mach nachhaltig beeinflusst hat. Ebenso DISSECTIONs „Storm Of The Lights“, IN FLAMES „Jester Race“ und DARK TRANQUILLITYs „The Gallery“.


Du bist vor einiger Zeit von Griechenland nach Schweden gezogen. Sprichst du schon fließend Schwedisch?

Yeah, natürlich kann ich mittlerweile etwas Schwedisch, immerhin ist mein Umzug schon achteinhalb Jahre her. Von Griechenland nach Schweden zu ziehen war die größte Entscheidung meines Lebens, aber ich wollte meinen nun mal meinen Traum verwirklichen, nämlich die Musik zu spielen, die ich liebe und dafür ein paar geeignete Leute zu finden. Mittlerweile haben wir vier Alben rausgebracht und schon alleine das finde ich großartig!


Jetzt mal ehrlich: Kotzt dich das Klima dort nicht teilweise ziemlich an? Besonders wenn man es mit dem von Griechenland vergleicht…

Nicht wirklich, denn ich wusste auf was ich mich einlasse und habe mich auch daran gewöhnt. Natürlich ist das Klima in Griechenland gänzlich anders und manchmal fehlt es mir auch, aber oft ist es dort so heiß, dass man es kaum aushält. Der schwedische Sommer hingegen ist sehr angenehm und schön, obwohl man im Winter schon leicht depressiv werden kann, aber so ist das nun einmal. Das geht schon in Ordnung, ha ha, ich versuche mir da nicht allzu viele Gedanken darüber zu machen.


Da du ja ein ziemlicher Flitzefinger auf dem Sechs-Saiter bist, hast du sicher ein paar Tipps für Leute, die auch einmal so gut sein wollen.

Danke für die netten Worte! Mein Ratschlag an junge Gitarristen wäre es, so viel Musikrichtungen wie möglich zu hören und wirklich open minded zu sein. Sie sollten auch keine Angst haben zu experimentieren, denn es gibt keine Limits in der Musik, sondern nur im Denken und in der Kreativität. Unter’m Strich wollen die Leute nach all dem Geshredde und der ganzen Technik einfach nur einen guten Song hören. Also sollte man in erste Linie lernen, ebenso einen schreiben zu können. Auch ist es wichtig ein gutes Vibrato zu beherrschen und einen guten Rhythmus-Klang zu haben. Lernt auch in einer Band zu spielen und euch aufeinander einzustellen. Niemand mag ein Arschloch, deswegen sollte man nett und respektvoll mit seinen Bandkollegen umgehen.


Allem Anschein nach scheinst du die Akustik-Gitarre auch sehr gerne zu spielen. Schon einmal über ein reines Akustik-Album nachgedacht?

Das stimmt! Ich liebe den Klang einer Akustik-Gitarre, besonders den einer Zwölf-Saitigen. Wir verwenden davon viel bei NIGHTRAGE dieser Tage, denn das ist ein guter Ausgleich zu dem Metal-Geshredde. Durch diese entspannten und schönen Einlagen versuchen wir das ganze weniger monoton zu gestalten. Ich habe mir schon einige Male darüber Gedanken gemacht, ein ganzes Akustik-Album fernab von NIGHTRAGE zu machen, aber dazu habe ich im Moment schlicht und einfach keine Zeit. Vielleicht wenn wir alles etwas älter sind, finde ich die Zeit das alleine für mich zu machen. Sollte es allerdings Interessenten dafür geben, könnte man das durchaus über ein Label rausbringen…


Danke für deine Zeit! Irgendwelche letzten Worte?

Danke für dieses tolle Interview, ich hoffe alle unsere deutschen Fans werden das neue Album kaufen! Wir freuen uns schon darauf alle auf unserer nächsten Tour zu sehen.

Ammosarier

Autor: Amadeus Mader [Ammosarier] | 07.08.2009 | 18:30 Uhr

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