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Reviews von In Extremo
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In Extremo
Quid Pro Quo


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Interviewpartner: Michael Rhein

Sie haben zusammen mit ein paar anderen Bands wie beispielsweise SUBWAY TO SALLY oder CORVUS CORAX [ beziehungsweise deren Ableger TANZWUT] ein ganz spezielles Genre zu Ruhm und Ehre gebracht. Sie haben mittelalterliche Folklore mit Rock und Heavy Metal gemischt und dies im Laufe der letzten über zwanzig Jahre außerordentlich erfolgreich. Die Rede ist von IN EXTREMO, die in diesen Tagen ihr neues Album „Quid Pro Quo“ auf die Menschheit losgelassen haben. Unser Redakteur sprach mit dem Sänger Michael Rhein über die aktuellen Geschehnisse in und um IN EXTREMO.






Hallo Michael. Legen wir gleich los. Ich habe das neue Album „Quid Pro Quo“ gehört und möchte doch einige Dinge darüber wissen.

Ok, dann schiess mal los.


Mein erster Eindruck war durchweg positiv. Eure Meldung, ihr habt eine Mischung aus alldem, was ihr bisher gemacht habt, angeboten, kann ich nach dem ersten Eindruck durchaus bestätigen. Der Ausdruck „back to the roots“ mag zwar abgedroschen klingen, aber trifft das in gewisser Weise zu?

Ja, das kann man durchaus so sehen. In diesem Album sind in der Tat alle elf vorhergegangenen Scheiben enthalten, wie wir finden.


„Pikse Salve“ lebt von diesem einzigartigen „Villeman og Magnhild“-Spirit, dem Song, der mich einst zu IN EXTREMO gebracht hat. Wird das eine neue Live-Hymne?

Gut möglich. Wir starten im Oktober unsere Hallentour, werden aber vorher auf diversen Festivals und unserer Burgentour die Gelegenheit nutzen, um einige der neuen Songs Live zu testen. Dieser wird mit Sicherheit dabei sein. Dann werden wir sehen, ob die Nummer gut ankommt und sie dann in die Toursetlist aufnehmen.


Der nächste Song, den ich mir vorgeknöpft habe, nennt sich „Lieb Vaterland magst ruhig sein“. Dies ist ja nun quasi ein Anti-Kriegs-Song. Wenn man die derzeitige Situation in der Welt betrachtet, bekommt man irgendwie nicht den Eindruck, die Menschheit hätte sich im sozialen Umgang miteinander etwas gelernt. Wie geht man als Künstler/Spielmann damit um? Ist es wichtig, politische Dinge anzusprechen oder sollte man Kultur & Politik voneinander trennen?

Eigentlich sollte man das trennen. Wir haben das über all die Jahre komplett voneinander getrennt und niemals Statements zu diesem Thema abgegeben. Aber es ist heutzutage völlig egal, welche Medien du einschaltest oder mit wem du dich unterhältst, es geht immer um das Thema Bedrohung, Krieg und so weiter. Da haben wir das Thema einfach mal aufgegriffen, dies ist wirklich unser Anti-Kriegs-Song. Da geht es hauptsächlich um Manipulation. Vor allem Kinder werden manipuliert und wachsen mit Waffen in den Händen auf und freuen sich dann, auf Menschen zu schießen. Und das alles für Idioten wie Politiker oder irgendwelche religiösen Fanatiker. Wir können daran nichts ändern und wir zeigen auch nicht abfällig mit dem Finger drauf. Wir möchten einfach auf die Situation an sich aufmerksam machen.


Jetzt fällt die Überleitung zu „Sternhagelvoll“ natürlich schwer. Aber das ist die Seite, die man von IN EXTREMO kennt. Die Nummer hat was von einer irischen TORFROCK-Variante, finde ich.

Ich würde den Song als zeitlos beschreiben und glaube, das wird so etwas wie eine neue Hymne von uns. Die Idee dazu hatten wir bereits vor ein paar Jahren, haben das Thema aber irgendwie wieder verworfen. Einfach ein gute Laune-Song, der unheimlich Spaß macht. Es war uns diesmal wichtig, am Ende des Albums noch mal ein richtiges Highlight zu präsentieren.




Als Gäste auf dem Album präsentiert ihr dieses Mal Hansi Kürsch von BLIND GUARDIAN und die Jungs von HEAVEN SHALL BURN. Ersteres verstehe ich noch, aber wie passen HSB zu IN EXTREMO?

Wir sind einfach gute Freunde, haben sogar wöchentlich Kontakt. Als der „Flaschenteufel“ fertig war, bot sich das irgendwie an. Ebenso mit dem Hansi, den haben wir einfach angerufen, ob er nicht Lust dazu hätte. Er hat in seinem Leben noch nie einen Song in deutsch gesungen und sagte sofort zu.


IN EXTREMO Live ist stets ein Erlebnis. Ich selbst habe euch sowohl Anfang des Jahrtausends auf einem Hamburger Mittelaltermarkt als auch 2012 auf der 70.000 Tons of Metal Cruise gesehen. Und jedes Mal ist mir aufgefallen, dass ihr den Kontakt zum Publikum sucht: Ist Fannähe für IN EXTREMO eine Selbstverständlichkeit, auch nach all den Jahren im Business?

Nun ja, den Fans hat man als Musiker ja im Prinzip alles zu verdanken. Ich beobachte viele Bands, sowohl die großen amerikanischen Acts als auch mittlerweile einige deutsche, die trauen sich einfach nicht, unter die Leute zu gehen. Vielleicht, weil sie dazu auch zwei Security Leute mehr brauchen oder so, keine Ahnung. Ich selbst schaue mir auf Festivals oft andere Bands aus der Nähe des Mischpultes an. Da habe ich überhaupt kein Problem, wenn mich die Leute ansprechen. Vor den vielen Leuten spielen und ihnen dann im Anschluss nicht einmal die Hand geben, das ist nicht so mein Ding.


Bevor ihr im Herbst die Hallentournee startet, spielt ihr wieder die Burgentour. Wird das Unplugged sein, oder wie muss man sich das vorstellen?

Nein, da kommen wir mit kompletten Besteck an. Wir haben diese Burgentour vor zehn Jahren ins Leben gerufen. Eigentlich machen wir diese Tour fast jedes Jahr, diesmal wollen wir das sogar noch etwas ausweiten. Da kommen die Leute alle mittelalterlich gekleidet und so weiter, ich finde es immer klasse, in solch einem tollen Ambiente zu spielen.



Ihr habt vor zwanzig Jahren auf den Mittelaltermärkten angefangen, heutzutage spielt ihr den großen Festivals mit. Habt ihr damals daran gedacht, dass die ganz großen Bühnen dieser Welt rockt?

Nein, natürlich nicht, hahaha.


Ich hake mal nach. Man hat doch als junger Musiker Träume, wohin es mit der eigenen Musik mal gehen soll. Wann ist es euch bewusst geworden, dass es nach vorn losgeht?

Natürlich ist uns das irgendwann klar geworden, aber wann genau, kann ich eigentlich nicht sagen. Schau mal, es ist im Prinzip genau so wie bei einem Journalisten. Der Journalist möchte auch, dass seine Texte in der ganzen Welt gelesen werden. Und so ist es mit uns Musikern auch. Die eigene Musik soll um die Welt gehen und von möglichst vielen Menschen gehört werden. Alles andere wäre einfach gelogen. Wir hätten allerdings nie gedacht, dass es so schnell abgeht und sind auch unheimlich dankbar für alles, was in der Zeit passiert ist.




Ihr habt euer Jubiläumskonzert auf der ehrwürdigen Loreley-Bühne gefeiert. Wie ist das Ganze zustande gekommen und wie würdest du diese Feierlichkeiten im Nachhinein persönlich bewerten?

Du musst dir vorstellen, dass wir fast ein Jahr lang an den Vorbereitungen für dieses Konzert gearbeitet haben. Wir können uns auf die Fahnen schreiben, die Loreley zwei mal hintereinander komplett ausverkauft zu haben. Für mich ist das schlicht und einfach unfassbar. Als wir unmittelbar vor Konzertbeginn hinter dem Vorhang standen und die Leute vor der Bühne toben hörten, war das Gänsehaut pur und wir mussten die eine oder andere Freudenträne schon verdrücken. Es war ein wundervolles Fest. Ich habe übrigens später den Polizeibericht gelesen. Es gab zwei Verletzte. Zwei Verletzte bei 24.000 Leuten, ein gebrochenes Bein und eine Platzwunde am Kopf, jeweils resultierend aus kleinen Unfällen. Das kann dir auch auf der Straße passieren, es gab keine Schlägereien oder so etwas. Wir selbst sind später noch über den Zeltplatz gegangen und konnten beobachten, dass die Leute ausgelassen gefeiert und getanzt haben. Eine wundervolle Stimmung, kann ich immer wieder sagen.


Was bleibt jetzt noch für die „Sieben“? Wo soll es jetzt noch hingehen, was sind die Orte, an denen ihr unbedingt noch spielen wollt?

Eigentlich haben wir ja schon auf der ganzen Welt gespielt. Was definitiv noch fehlt, sind Kanada, Japan und Australien. Aber ich wünsche mir generell, dass wir weiterhin gesund bleiben und mit dem gleichen, friedlichen Ehrgeiz wie bisher weitermachen.


Zum Abschluss fällt mir noch eine blöde Frage ein. Ihr habt einmal im Fernsehen beim Bundesvision Song Contest mitgemacht. Nun hatten „wir“ in diesem Jahr erneut ein Fiasko beim renommierten Eurovision Song Contest hinnehmen dürfen. Wäre das nicht mal eine schöne Herausforderung?

Man sollte niemals nie sagen. Aber ich glaube, da nehmen die uns nicht wirklich. Könnte mir aber vorstellen, dass wir mit „Sternhagelvoll“ eine gute Figur gemacht hätten, hahahaha...

Fränky

Autor: Frank Wilkens [Fränky] | 24.07.2016 | 10:18 Uhr

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