.: SUCHE
    Erweiterte Suche
CD Review: Nuclear Warfare - Just Fucking Thrash

Nuclear Warfare
Just Fucking Thrash


Thrash Metal
4 von 7 Punkten
"Yeah, ich mag Bier!"
CD Review: Bloodbound - Stormborn

Bloodbound
Stormborn


Heavy Metal, Power Metal
5 von 7 Punkten
"Das Lied von Schmalz und Feuer"
CD Review: Bloodbath - Grand Morbid Funeral

Bloodbath
Grand Morbid Funeral


Death Metal
5.5 von 7 Punkten
"Wie der Gestank von eintausend Scheiterhaufen"
CD Review: The German Panzer - Send Them All To Hell

The German Panzer
Send Them All To Hell


Heavy Metal, Teutonic Metal
4.5 von 7 Punkten
"Acception"
CD Review: Hierophant - Peste

Hierophant
Peste


Crust, Hardcore, Sludge
5 von 7 Punkten
"Bis der [Pest-]Arzt kommt"
CD Review: Cycle Beating - The Age Of Depression

Cycle Beating
The Age Of Depression


Groove Metal, Hardcore, Thrash Metal
5 von 7 Punkten
"Groooooviger Meddal!"
CD Review: Varathron - Untrodden Corridors Of Hades

Varathron
Untrodden Corridors Of Hades


Black Metal
5.5 von 7 Punkten
"Mystischer Hades!"
CD Review: Primordial - Where Greater Men Have Fallen

Primordial
Where Greater Men Have Fallen


Black Metal, Heavy Metal, Pagan Metal
5.5 von 7 Punkten
"Die irische Horde marschiert weiter"
CD Review: Sodom - Sacred Warpath [EP]

Sodom
Sacred Warpath [EP]


Thrash Metal
5 von 7 Punkten
"Advent, Advent, die Hütte brennt!"
CD Review: Carcass - Surgical Remission / Surplus Steel [EP]

Carcass
Surgical Remission / Surplus Steel [EP]


Death Metal
5.5 von 7 Punkten
"Nachgeburt zur Schlachtplatte"
CD Review: Voices - London

Voices
London


Avantgarde, Black/Death Metal, Progressive
6 von 7 Punkten
"Die etwas andere Hauptstadt"
CD Review: Brant Bjork & Low Desert Punk Band - Black Power Flower

Brant Bjork & Low Desert Punk Band
Black Power Flower


Stoner Rock
5 von 7 Punkten
"Keine großen Überraschungen"
CD Review: Knight Area - Hyperdrive

Knight Area
Hyperdrive


Prog Rock, Prog-Metal
4 von 7 Punkten
"Abschlussschwäche"
CD Review: Shaking Godspeed - Welcome Back Wolf

Shaking Godspeed
Welcome Back Wolf


Blues / Bluesrock, Retro Rock
4.5 von 7 Punkten
"Gebremster Schaum"
CD Review: Amplifier - Residue [EP]

Amplifier
Residue [EP]


Alternative, Progressive, Rock
5 von 7 Punkten
"Nachtisch"
CD Review: Raunchy - Vices.Virtues.Visions

Raunchy
Vices.Virtues.Visions


Modern Metal
6 von 7 Punkten
"Opus Summum"
CD Review: Crobot - Something Supernatural

Crobot
Something Supernatural


Retro Rock, Rock'n'Roll
5.5 von 7 Punkten
"Roh, animalisch und treibend"
Share:
Band: Metalnews nach 'Streiflicht - Metal in Ägypten' durchsuchen Streiflicht - Metal in Ägypten
Interviewpartner: Michel Khater, Usama Ahmed




Wenn derzeit von Ägypten die Rede ist, geht es meist nicht um Musik, sondern um Politik. Um die ägyptische Revolution, die im Januar 2011 ihren Anfang nahm und die man wohl kaum als abgeschlossen bezeichnen darf. Um die Machtkämpfe, um Proteste, um Ausschreitungen. Musik hat in diesen Meldungen in aller Regel keinen Platz. Metal schon gar nicht – die Assoziationskette Metal+Ägypten dürfte oft nicht viel mehr umfassen als die US-Deather und Hobby-Ägyptologen NILE und das Cover von IRON MAIDENs „Powerslave“. Metal Archives listet 15 ägyptische Metalbands. Um mal einen vollkommen willkürlichen Vergleich zu geben: für Zypern sind es 46.

Heavy Metal fand seinen Weg nach Ägypten in den frühen 90ern über Alben, die ins sowohl von Ausländern als auch von Ägyptern ins Land gebracht wurden. Eine kleine Szene begann sich herauszubilden und wuchs im vergleichsweise liberalen kulturellen Klima Mitte der 90er, wenngleich misstrauisch betrachtet von religiösen wie staatlichen Autoritäten, mit denen es in den späten 90ern schliesslich zum Konflikt kam.
Dass Heavy Metal auch im Jahr 2012 keinen leichten Stand in dem nordafrikanischen Land hat, zeigt sich im Anschluss an das im Kairoer Kulturzentrum “El Sawy Culture Wheel“ organisierte Hallenfestival „Walls of Death – The Resurrection“. Ismail el-Washahi, ein Anwalt der Muslimbruderschaft, erhebt im Namen zweier Klienten Anklage, da dort satanische Rituale stattgefunden hätten. Vor diesem Hintergrund fanden die folgenden Interviews mit zwei der aktivsten Figuren der ägyptischen Szene statt – mit dem Musiker Michel Khater und dem Eventmanager des Culture Wheel, Usama Ahmed.

.:Michel Khater:.





Hi Michel! Erstmal wüsste ich gerne, wie es so ist, ein Metalhead in Ägypten zu sein!

Michel: Metal ist nicht besonders alltäglich in Ägypten. Er ist schon eine Weile da. Es gibt viele Leute, die seit den 90ern Metal hören, aber es ist kein verbreiteter Musikstil hier. Nun, um ehrlich zu sein ist es nicht weiter problematisch. Abgesehen von den komischen Blicken der Leute wenn man lange Haare hat und schwarze T-Shirts trägt und so. Ansonsten ist es kein großes Thema.


Die Leute mögen also die Musik nicht sonderlich, aber wenn man nicht zu sehr nach Metal aussieht hat man keinerlei Ärger?

Michel: Ja, ganz genau.

Du hast aber lange Haare, stimmt's? Ich hab die Bilder gesehen...

Michel: Ja, haha.

Die Leute starren dich also an?

Michel: Haha, einige schon. Aber da kann man nichts dran ändern. Und wenn man zu ihnen hingeht und sie fragt, warum sie so gucken oder auch was sie suchen, dann lassen sie einen einfach in Ruhe.


Man will also nicht beim Starren ertappt werden, hehe. Kenne ich auch ein bisschen. Nicht so sehr wegen Metal, hier in Deutschland sind das andere Sachen...Der Auslöser für das Interview war, dass ihr Ärger mit den Behörden hattet, stimmt das?

Michel: Ja. Jetzt nach der Revolution haben wir die Muslimbruderschaft an der Macht. Es war nur ein Anwalt der Muslimbruderschaft. Es gab da dieses Konzert names „Walls of Death“ mit sieben Bands und er ist einfach losgezogen und hat Gerüchte erfunden, dass bei diesem Konzert Satanisten gewesen wären die satanische Sachen getan hätten und dass dagegen etwas getan werden müsse. Das ist übrigens das zweite Mal, dass sowas passiert. Das erste Mal war 1997. Das war eine Katastrophe. Nicht alle hatten Zugang zum Internet und darum haben die Leute einfach geglaubt, was sie in den Zeitungen gelesen haben.



Die Katastrophe, von der Michel spricht, ist in der ägyptischen Szene legendär. Am 22. Januar 1997 werden über hundert Metalfans festgenommen, inhaftiert und verhört. Auslöser sind Medienberichte über angebliche satanische Rituale bei Metalkonzerten. Die Vorwürfe , zu denen neben neben Teufelsanbetung und Drogenkonsum auch das Feiern von Orgien und das Häuten von Katzen gehören, erweisen sich bald als vollkommen haltlos. Doch obgleich alle Beschuldigten Metalfans und Musiker freigelassen werden, sitzt der Schock für Ägyptens Metalszene tief – kaum verwunderlich wenn man sich vor Augen hält, dass religiöse Autoritätspersonen nicht weniger als die Todesstrafe forderten. Erst seit etwa Mitte der 00er Jahre werden wieder offizielle Konzerte veranstaltet. Vorsichtig bleiben die Metaller am Nil trotzdem. Bei der Recherche für sein Buch „Headbanging Against Repressive Regimes“ [Freemuse 2010“ stellte Mark LeVine fest: „Obwohl es nie wieder zu einer solchen Razzia kam, berichten die Zeitungen in regelmäßigen Abständen über die angeblichen satanischen Praktiken von Metalheads, und sogar ein Jahrzehnt später hat die Mehrzahl der Musiker die ich interviewt habe Angst davor, öffentlich über ihre Musik zu sprechen, von Politik ganz abgesehen, oder davor, ihre Texte zu veröffentlichen.“

Ich habe von den Ereignissen 1997 gelesen. Damals wurden nach ähnlichen Anschuldigungen viele Leute festgenommen. Warst du da schon in der Szene?

Michel: Ja, ziemlich viele. Aber am Ende wurden alle freigelassen, weil da einfach nichts dran war. Nur Mediengeschwätz, das war alles. Selbst gespielt habe ich 1997 noch nicht, nur die Musik gehört und Konzerte besucht.


War es also nur, um Machtverhältnisse klarzustellen? Oder was meinst du?

Michel: Nicht in der Art. Weißt du, die Medien haben eine Geschichte daraus gemacht und es wurde ein großes Thema von wegen: „Wir haben Satanisten in Ägypten, es gibt hier Satanisten“ und so weiter. Also musste die Polizei irgendetwas unternehmen, damit die Leute wieder die Klappe halten würden. Deswegen haben sie diese Leute festgenommen und gemerkt, dass da absolut nichts dran ist. Rein gar nichts wofür man in den Knast wandern könnte. Es war nichts Falsches daran, sie haben einfach nur Musik gespielt.


Also nur ein Manöver, um die Öffentlichkeit zu beruhigen. Ist es diesmal anders? Was meinst du?

Michel: Ja, diesmal ist es etwas anderes weil es einfach nicht so groß ist wie 1997, vor allem dank dem Internet. Heute gehen sehr viele Leute einfach ins Netz und schauen sich um, was eigentlich das Problem ist: „Was spielen die?“, „Was ist das für Musik?“ und so weiter. Und so kommen dann viele Leute zu dem Schluss, dass die Muslimbrüder wohl einfach Lärm schlagen wegen etwas, das ihnen nicht gefällt. Nicht so wie damals. Wenn früher jemand gesagt hat: „Diese Leute sind Satanisten!“ dann wurde das einfach geglaubt. Diesmal waren die Medien auch nicht alle gegen das Konzert. Und außerdem mögen auch längst nicht alle die Muslimbruderschaft und etliche haben auch schnell gesagt: „Okay, diese Leute denken sich Bockmist über die tatsächlichen Ereignisse aus!“


Du glaubst also nicht, dass es diesmal wieder so viel Ärger geben wird?

Michel: Ich hoffe nicht. Aber das Problem ist, dass sie einfach gegen jede Art von Kunst sind. Sie fangen mit Musik an und keiner weiß, was als nächstes drankommt...


Tut mir leid, dass ihr euch mit solchen Problemen rumschlagen müsst, wo es doch eigentlich bloß um Musik geht und ihr nichts Verbotenes getan habt...


Michel: Nein, konnten wir auch gar nicht. Der Laden, in dem wir das Konzert gemacht haben, hat sehr strenge Regeln. Zum Beispiel – ich weiß, dass klingt für jeden Metaller inEuropa langweilig – darf man nicht drinnen rauchen. Man darf auch keinen Moshpit oder eine Wall of Death veranstalten. Alles, was man halt gerne möchte, ist verboten. Man darf nur sitzen und Headbangen, das ist alles. Natürlich darf man auch keine Nietenarmbänder mitbringen und so weiter. Und vor dem Konzert fühlen sie einem auf den Zahn. Wenn man noch nicht dort gespielt hat, muss man sich vorstellen. Es ist also nicht so, als ob man da einfach hingehen kann und machen darf, was man will.


Es ist also schon sehr streng geregelt, nicht gerade viel Spielraum...

Michel: Ja. Aber vorher, vor 1997 war das nicht so.


Vor 97 gab es also keine Vorstellungsgespräche und die Texte wurden nicht kontrolliert?

Michel: Vor 1997 gab es keinen Veranstaltungsort wie das El Sawy. Man ist einfach losgegangen und hat einen Raum und Equipment gemietet und alles aufgebaut, dann sind die Bands hingekommen und haben gespielt. Die Konzerte waren also freier als heute. Man konnte nicht nur die Musik hören sondern auch trinken und tun wozu man Lust hatte...aber die Situation ist jetzt anders.


Als aktiver Musiker, würdest du sagen dass es heute einfacher oder schwieriger ist, Metalkonzerte zu machen?

Michel: Es ist einfacher jetzt. Im El Sawy zu spielen ist nicht schwer. Andererseits ist es schwierig, weil es nur diesen einen Ort gibt. Du kannst so viele Konzerte geben wie du willst, aber letztlich gibt es nur diesen einen Laden. Nur das Culture Wheel. Es ist der einzige Platz mit geeignetem Soundequpiment wo man Metalkonzerte machen darf. Vorher gab es auch die Bibliotheca Alexandrina in Alexandria. Dort gab es auch einige Metalkonzerte, aber sie haben vor einem Jahr oder so damit aufgehört.


Warum das?

Es ist einfach Ägypten, einen richtigen Grund gab es eigentlich nicht. Irgendwann haben sie einfach entschieden, dass sie keine Heavy Metal Konzerte mehr machen wollen...das war ihnen Grund genug, haha.


<>bHauptschwierigkeit sind also geeignete Veranstaltungsorte und Equipment?

Michel: Ja, die Orte und die Ausrüstung sind am Problematischsten. Alles spielt sich jetzt im Culture Wheel ab. Ein geschlossenes System. Du willst auf ein Metalkonzert? Guck einfach aufs Programm vom Culture Wheel und warte, bis eins auftaucht.

Nun, so treffen sich wenigstens alle am gleichen Ort...

Ja, stimmt. Aber vor 97 gab es verschiedene Möglichkeiten und dieselben Leute haben sich einfach überall getroffen. Wenn's irgendwo ein Konzert gab, sind alle hingegangen. Das ist nicht das Problem. Dass man so festgelegt ist, ist das Problem. Früher konnte man ein beliebiges Haus mieten und seine Sachen machen.


Würdest du sagen, dass die ägyptische Metalszene wächst

Michel: Ja, verglichen mit vorher schon.


Wie viele Leute kommen zu Konzerten?

Michel: Kommt ein bisschen drauf an.Zwischen 300 und 500 wenn es nur eine Band ist. Aber wenn es eine Veranstaltung mit mehreren Bands ist, wird die Zahl größer.


Du hast ja schon gesagt, dass die Zuschauer nicht herumspringen dürfen. Sie bleiben also alle brav sitzen und schütteln die Haare?

Michel: Nein, erst kürzlich hat es das Okay gegeben, dass bei einem Metalgig keine Stühle mehr aufgestellt werden brauchen. Also werden die Stühle weggeschafft und die Leute können im Stehen headbangen oder was sie sonst tun. Aber Fakt ist, dass bei Konzerten in Ägypten nur Headbangen erlaubt ist. Stagediving ist verboten, Moshpits auch...


Du bist ja bei VARDEN und mindestens noch einer anderen Band, wenn ich das richtig überblicke...

Michel: Ja, aber die andere Band macht keinen Metal. Drei Bands, VARDEN, BARAKA und KLAKET, aber VARDEN ist die Metalband, der Rest ist eher Pop.


Erzähl mir ein wenig von deinen Bands – der Metalband und den anderen. Was spielt ihr, wie kam es dazu, mit was für Leuten spielst du zusammen?

Michel: Okay, also...ich spiele in der Metalband VARDEN, das ist symphonischer Power Metal. Wir hatten vor ein paar Tagen einen Auftritt – das erste Metalkonzert nach dieser Satanismus-Sache. Die Band ist seit 2006 aktiv. Wir spielen hauptsächlich eigene Originalsongs, aber es gibt ein paar Cover. Hm, was gibt’s da noch? Es gibt zwei Gitarristen, einen Schlagzeuger, einen Keyboarder, einen Basser und einen Sänger; auch eine Gastsängerin...ähm ja, das wär's soweit! Es gibt eine Facebook-Seite, da könnt ihr mehr erfahren!





Was bedeutet der Name deiner Band VARDEN?

Michel: Das kommt aus einer Geschichte, einer fiktiven Geschichte wo es eine Art Armee gab, die Varden genannt wurde. [Offenbar eine Rebellengruppierung aus Paolinis Eragon-Zyklus, Anm.d.Verf.].


Und die anderen Bands?

Michel: Die anderen Bands, also: Da sind BARAKA, die orientalischen Rock mit arabischem Gesang spielen. Das ist stark folklastig. Dann gibt’s da KLAKET, ebenfalls eine Rockband mit arabischem Gesang. Aber das ist eine recht normale Rockband, nicht allzu spannend...


Es ist eine von deinen Bands, also findest du sie wohl interessant genug hoffe ich doch!

Michel: Jaaa aber du weißt ja wie es ist: es gibt die Musik die man liebt und die Musik die man halt einfach spielt, weil's hier in Ägypten immer besser ist zu spielen als herumzusitzen und nichts zu machen.


Das kann ich unterschreiben. Dürfte auch überall wahr sein, denke ich mal! VARDEN sind also dein künstlerischer Schwerpunkt und bei den anderen Bands hast du eher einfach so mitgemacht?

Michel: Ja, wie das halt so läuft. Irgendwer sucht einen Schlagzeuger und diese Person kennt jene Person und sagt: „Frag doch einfach mal an!“. Und dann hört man sich die Musik an und denkt sich: okay, das ist nicht verkehrt, ich mach mit...


Scheint ja zu klappen. Lebst du als professioneller Musiker in Ägypten?

Michel: Nein, tue ich nicht. Bei Metal und Rock kann das hier keiner machen, weil die Musik einfach nicht beliebt genug ist. Man kann damit einfach kein Einkommen zusammenkratzen. Ich bin neben dem Schlagzeugspielen Ingenieur, damit verdiene ich mein Geld, haha.


Habt ihr vor, im Ausland zu spielen? In Deutschland zum Beispiel?

Michel: Natürlich. Es ist aber nicht einfach, nach Deutschland zu kommen. Die Situation hier in Ägypten ist einfach so, dass es nicht leicht ist, ins Ausland zu reisen. Wir als Band versuchen es natürlich weiter.


Früher oder später wird es schon klappen denke ich!

Michel: Ha! Das will ich hoffen! Aber die meisten Leute wissen nicht einmal, dass es in Ägypten eine Metalszene gibt, das ist das Problem! Für alle Metalbands in Ägypten die viele verschiedene Stile abdecken wäre es super, wenn Leute von außerhalb kommen würden um sie zu sehen. Auch andere internationale Bands, um der weltweiten Metalszene zu zeigen, dass es eine kleine aber wachsende Metalszene in Ägypten gibt. Wir hoffen, dass sie eines Tages mit dem Rest der Welt mithalten kann.


Alles klar, das hoffe ich auch. Gebt den Kampf nicht auf! Danke für deine Zeit und Geduld!



.:Usama Ahmed:.


Was hat dich zum Metal gebracht und wie bist du an Musik gekommen?

Usama: Ich bin mir nicht sicher aber ich glaube, ich höre Metal seit der Highschool. Mehr als zehn Jahre auf jeden Fall. Einige Highschool-Freunde waren Musiker und sie haben mich mit Rock und Heavy Metal versorgt. Dann habe ich angefangen, Schlagzeug zu lernen und Metal zu hören, zum Beispiel METALLICA und IRON MAIDEN.


Spielst du immer noch in einer Band?

Usama: Nein, wegen der Arbeit seit ein paar Monaten nicht mehr. Aber davor immer. In ein paar Wochen ergibt sich vielleicht eine neue Band, ich arbeite gerade an etwas Musik.


Du organisierst unter anderem das Metal Blast Festival im Culture Wheel. Seit wann? Wie oft hat es stattgefunden?

Usama: Wir haben letztes Jahr nach der Revolution angefangen, bisher gab es vier Veranstaltungen.


Gab es vor der Revolution schon solche Festivals?

Usama: Nicht in dem Maßstab, aber es gab kleine lokale Konzerte im Culture Wheel. Nach der Revolution haben wir angefangen, ein paar Bands aus dem Ausland, aus dem mittleren Osten, zu holen.

Es hat kürzlich Anschuldigungen bezüglich Satanismus gegeben, kannst du dazu etwas sagen?

Usama: Stimmt, das ist passiert. Aber wir sind nur Musiker und machen Musik. Und Metal ist die internationalste Musik der Welt. Eigentlich gibt’s da nicht viel zu sagen, wir sind halt Musiker.


Ihr bekommt also keine Probleme, wenn ihr Metal spielt?

U sama:Eigentlich nicht. Okay, manchmal kommt irgendwas von Regierungsleuten oder so, aber das sind keine großen Sachen.


Es ist also nicht so, wie es 1997 war?

Usama: Nein. Nein, es ist nicht wie früher.


Würdest du sagen, dass die Bedingungen heute besser sind?

Usama: Ja, heute ist es besser. Mit sozialen Netzwerken und dem Internet kann jeder an Informationen kommen, das macht es auf jeden Fall besser.


Wie groß ist die Metalszene in Ägypten, was würdest du sagen?

Usama: Wie groß, nun...ich bin nicht sicher, aber seit wir angefangen haben Konzerte zu organisieren wird es jedenfalls mehr. Man könnte also sagen, dass wir unsere Metalszene wieder aufbauen.


Wie viele Metalbands gibt es deiner Schätzung nach in Ägypten?

Usama: Professionelle Bands haben wir vielleicht etwa zwölf. Und neue, die gerade anfangen, haben wir circa zehn. Es werden langsam mehr!


Treten Bands aus dem Ausland in Ägypten auf?

Usama: Bisher kaum. Aber wir arbeiten gerade daran, mehr Bands aus dem Mittleren Osten nach Ägypten zu holen. Man weiß noch nicht wie es klappt, aber demnächst sollen zwei davon im Culture Wheel spielen. [Zu denen die schon da waren zählen neben BILOCATE [JOR] und PERVERSION [UAE] offenbar auch die polnischen Urgesteine VADER. Anm.d.Verf.]


Gibt es außer dem Culture Wheel noch andere Veranstaltungsorte für Metal?

Usama: Ja, wir arbeiten gerade daran, kleinere Sachen in anderen Läden zu machen, aber ich weiß noch nicht, wo das letztlich sein wird. Aber momentan ist das Culture Wheel das wichtigste Kulturzentrum hier und deshalb sind wir sehr glücklich, dass wir mit ihnen zusammenarbeiten können. Und es macht auch nicht allzuviel Arbeit, wir kümmern uns nur um dieMusik und dieOrganisation. Es ist also in Ordnung für uns wie es läuft und einen größeren Veranstaltungsort haben wir gerade nicht.


Vielleicht kommen ja in naher Zukunft noch welche dazu...

Usama: Sicher, das wäre großartig. Es wäre auch prima, ein Festival zu haben wie Wacken in Deutschland. Wir wollen auch so etwas machen, vielleicht werden wir so etwa in einem Jahr anfangen, etwas zu planen. Unser Land ist für so etwas noch nicht bereit.


Ich hab gelesen, dass jemand vorhatte, ein Metalfestival bei den Pyramiden zu machen. Das wäre ziemlich cool...

Usama: Aber sicher! Vielleicht in einigen Jahren. Wir arbeiten daran, aber wir haben bisher keine geeigneten Sponsoren und die Dinge brauchen etwas Zeit hier nach der Revolution. Also vielleicht so etwa in drei Jahren.


Was sind eure zukünftigen Pläne?

Usama: Wir wollen die Metalszene weiter ausbauen und bekannter machen, viele wissen nicht einmal, dass es hier eine gibt. Wir wollen auch Workshops für junge Bands machen und, hoffentlich, ein internationales Festival. Vielleicht in drei Jahren. Gerade arbeiten wir daran, ein paar Bands aus dem Mittleren Osten hier herzukriegen. Das sind momentan die Pläne. Aber wir haben gerade erst damit angefangen und warten noch auf Zusagen.


Das wär's fürs Erste, danke für deine Zeit und Geduld. Vielleicht sieht man sich ja mal auf irgendeinem Festival...

Usama: Gern geschehen. Ja, das wäre super!


Ob die Meinungen von Michel und Usama so von den meisten ägyptischen Metalheads geteilt werden, lässt sich aus der sicheren Entfernung natürlich kaum sagen. Jedenfalls schienen mir beide bei allem Optimismus vorsichtig zu sein. Aus gutem Grund natürlich, denn obwohl ägyptische Metalbands wie SCARAB und MASCARA auch schon jenseits der Landesgrenzen für Aufmerksamkeit sorgen konnten, ist die Szene mit ihrer ausgesprochenen Konzentration auf Kairo und das El Sawy Culture Wheel noch sehr verwundbar. Und wie Michel so treffend sagte – man weiß nicht, was als nächstes kommt. Erneute großangelegte Verfolgungsaktionen wie 1997 scheinen nicht wahrscheinlich, aber doch möglich – was die ägyptischen Bands und Veranstalter nicht davon abhängt, weiter Musik zu schreiben, aufzutreten und um Verständnis für Metal als Kunstform zu werben. Je besser vernetzt und breiter aufgestellt sie sind, desto besser dürfte die Situation hoffentlich werden. Das Michel Khater im September an einem Drum-Workshop mit dem ehemaligen SCORPIONS-Schlagzeuger Mathias Liebetruth teilgenommen hat beweist: es geht voran.




Hier noch einige interessante Links zum Thema:

Homepage von Michel Khater
Freemuse
Agentur Govad
Artikel über die Vorwürfe auf Egyptianchronicles.blogspot.de

grim_rieper

Autor: Lennart Riepenhusen [Grim_Rieper] | 28.10.2012 | 22:57 Uhr

Kommentare
HOME |  IMPRESSUM |  RSS |  FACEBOOK |  TWITTER |  DISCLAIMER
@Metalnews_de folgen

METALNEWS.DE - Metal-Magazin