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Interviewpartner: Neige & Winterhalter




Mit großer Liebe zur Melancholie, einem Händchen für ausgefeiltes Songwriting und dem Hang zu träumerisch-elegischen Melodien haben sich die französischen Avantgarde-Black-Metaller ALCEST über die letzten Jahre an die Spitze der Szene gespielt. In Zeiten, wo naturromantisierter Schwarztod beliebter ist als das blecherne Gekloppe der alten Tage, haben Mastermind Neige und sein trommelnder Sidekick Winterhalter die Führungsposition in einer Subnische übernommen, die in Europa mittlerweile 600er-Hallen füllt. Auch die Wiener Szene war mit gut 400 Besuchern restlos ausverkauft, als sich die Westeuropäer mit ihren Brüdern im Geiste - den japanischen Slow-Doomern MONO - anschickten, die Menschen aus der kühlen Realität zu holen. Wir hingegen haben die beiden Soundtüftler zum Diktiergerät gezerrt und mit ihnen über ihre Liebe zu Japan, SIMON & GARFUNKEL und auch so manch ungeliebtes Thema aus der Vergangenheit zu sprechen.

Neige, Winterhalter – mit euren musikalischen Brüdern im Geiste, den Japanern von MONO, wart ihr mehr als drei Wochen am Stück ohne einen einzigen freien Tag auf Tour. Wie fühlte sich das gegen Ende hin an?

Neige: Das unterscheidet sich bei allen von uns, weil jeder andere Aufgaben hat. Ich persönlich war total fit und immer noch gleich motiviert wie ganz zu Beginn. Die Tour verlief grandios und das hilft natürlich auch, um gut drauf zu sein. Man ist schon lange von der Außenwelt abgeschnitten, aber auch Winterhalter ging es sehr gut.
Winterhalter: Ich musste auch nicht singen, das macht alles einfacher.
Neige: Man muss einfach immer perfekt vorbereitet und geistig absolut relaxed sein.


Für MONO war das Ganze wohl leichter zu bewerkstelligen, denn dort gibt es naturgemäß wenig zu besingen.

Neige: Das stimmt sicher, aber es ist auch nicht jeder gleich drauf. Das kommt immer auf die jeweilige Persönlichkeit an.
Winterhalter: MONO und wir sind durch die Tour extrem gute Freunde geworden und bei so einem Package verkürzt sich die gefühlt ewige Tour erheblich. [lacht] Wenn es zwischen Bands nicht gut läuft, kann das schon mal zur Qual werden.


Hier in Wien habt ihr die Szene ausverkauft – das gelang euch mit MONO auch in anderen Städten, obwohl ihr alles andere als einen Mainstream-Sound habt. Worauf fußt dieser große Erfolg?

Neige: Es lag einerseits an der Kombination der beiden Bands und wir sind mittlerweile auch schon 15 Jahre unterwegs und die Leute kennen uns. Wir sind keine typische Rock- oder Metal-Band, aber haben schon einen sehr guten Status. Unsere Fans sind großartig und unterstützen uns seit jeher.


Das neue Album „Kodama“ erreicht in den deutschen Charts den unglaublichen 15. Platz. Überraschen euch solche Wasserstandsmeldungen von außen?

Neige: Was für eine Überraschung – das wusste ich bis jetzt noch gar nicht. [lacht] Für uns ist so ein Erfolg natürlich nicht üblich, denn Charts sind normalerweise schwer zu erreichen. Aber wir sehen das als tolles Kompliment. Über so einen Erfolg freut sich doch jede Band.


Wohl nicht jede Band… ich denke da an die obertrve Black-Metal-Fraktion…

Winterhalter: [lacht] Wer weiß das schon. Wahrscheinlich sind sie es insgeheim, würden es aber nie zeigen.


„Shelter“ war 2014 einerseits ein großer Durchbruch für euch, andererseits seid ihr mit dem Album extrem poppig geworden. „Kodama“ besinnt sich wieder verstärkt auf Härte und Dunkelheit.

Neige: Das Album ist nicht mehr Metal als Progressive, Pop oder Post-Rock. Ich bin nicht ganz glücklich mit der Black-Metal-Klassifizierung, weil das nur einen Teil unseres Sound widergibt. Natürlich müssen die Menschen die Musik irgendwo einordnen, das ist natürlich schwierig. Ich tue mir ja selbst schwer, unseren Sound zu beschreiben. [lacht] Wir sind auf „Kodama“ sicher wieder melancholischer geworden. Nach „Shelter“ mussten wir wieder dynamischer und härter werden. Wir haben nun sehr viele starke Kontraste im Sound zwischen hart und sanft. Auch die Lyrics sind dunkler geworden.




Allein durch deine gutturalen Vocals kann man „Kodama“ wieder stärker dem Metal zuordnen. Das Album bezieht sich inhaltlich auf eine Geschichte aus dem fernöstlichen Japan. Könnt ihr das genauer zusammenfassen?

Neige: Ich habe eine Leidenschaft für Japan seit ich ein Kind bin und wollte schon immer dort hin. In Frankreich haben wir sehr viel Zugang zu dieser Kultur und mich haben die Mangas und Animationsfilme immer fasziniert. Sie sind so anders und viel abgedrehter als alles andere. Wir waren dann mit der Band in Japan und diese Erfahrung war unglaublich. Wieder zurück in Frankreich hatte ich diesen Ideen für dieses Album, das aber nicht um Japan geht, sondern seine Ästhetik aufnimmt.


Wie kam es dazu, dass du dich schon als Kind in Japan und die asiatischen Kulturen verliebt hast?

Winterhalter: Es gibt bei uns in Frankreich extrem viele TV-Shows aus Japan und auch unzählige Videospiele.
Neige: Ende der 80er/Anfang der 90er hatten wir im Fernsehprogramm sehr viele Animes. Das war sehr eigenartig, denn Frankreich gehört zu den ganz wenigen Ländern in Europa, die stark darauf setzten. Die Welt dieser Filme und Animes war sehr gewalttätig und ernst. Es ist der komplette Gegensatz zu Disney. Disney für Erwachsene quasi. Wir waren damals durchaus traumatisiert von diesen Impressionen. [lacht]
Winterhalter: Die Leidenschaft hat sich gesteigert. Die Lebensweise, die Kultur, einfach alles.
Neige: Es ist alles so anders als bei uns – so etwas fasziniert einen automatisch.


Sprecht ihr auch Japanisch?

Neige: Nein. Ich kann vielleicht bis zehn zählen und mich vorstellen und bedanken – mehr ist da noch nicht drin. [lacht]


Neige, du hast in einem Interview gesagt, dass du „Kodama“ am ehesten mit der kultigen Post-Rock-Band MOGWAI vergleichen würdest.

Neige: Absolut. Wir haben hier diesen obskuren Post-Rock-Sound, den man von den Pionieren des Genres kennt. Ich glaube, wir sind auch stark von SONIC YOUTH inspiriert und klingen mehr nach diesen 90er-Bands, als nach Metal. Im Metal ist alles immer klar separiert, aber auf „Kodama“ haben wir versucht, alles sehr organisch und zusammenhängend klingen zu lassen. Die Instrumente sollen nicht voneinander abgekoppelt sein, sondern ein großes Ganzes ergeben.


Ihr seid sehr stark vom 80er-Jahre New Wave, aber auch von Pop-Klängen inspiriert. Da tut sich für euch aber eine gewisse Grenze auf, denn eure Fans werden wohl nicht jeden Richtungswechsel von ALCEST bedingungslos mittragen?

Neige: Unsere Fans sind wirklich sehr offen für Neues. Jetzt noch mehr als je zuvor sehe ich im Publikum nicht nur Metalshirts, sondern auch alles andere. Ich glaube, dass der durchschnittliche ALCEST-Fan nicht nur Black Metal hört, sondern die Schönheit der Musik an sich genießt.


Könntest du dir vorstellen, ein Album unter dem Banner ALCEST zu machen, das nach den COCTEAU TWINS oder JOY DIVISION klingt?

Neige: Dieses Album war „Shelter“. Es war für viele Menschen wohl etwas zu anders und somit kann ich sagen, dass wir unser „seltsames Album“ bereits geschrieben haben. Vielleicht machen wir künftig noch einmal eines, aber es ist nicht so einfach, als Band aus den gängigen Schienen auszuscheren. Aus dem Originalsound rauszuwachsen ist immer mit viel Risiko verbunden, ich will da nichts versprechen.


Winterhalter, was hältst du von der Liebe zur Pop, die vor allem Neige besitzt?

Winterhalter: Jeder hat seine favorisierten Bands und Künstler. Ich kann dir auch nicht sagen, was wir als nächstes machen werden. Das macht ALCEST auch aus.
Neige: Wir sind sehr vorsichtig dabei, die vielen verschiedenen Genres so zu mischen, dass nichts wirklich heraussticht. Ich glaube gar nicht, dass jemand all unsere Einflüsse heraushören kann.


Ihr beiden spielt seit mittlerweile 2009 als Konstante zusammen in der Band. Seht ihr euch als kompositorisch gefestigtes Duo wie Frost und Satyr von SATYRICON oder Fenriz und Nocturno Culto von DARKTHRONE?

Neige: Immer nur Metal-Vergleiche. [lacht]


Okay, dann nehmen wir einfach SIMON & GARFUNKEL.

Neige: [lacht] Warum nicht? Aber die Jungs haben auch auf externe Hilfe zurückgegriffen. Das ist irrsinnig riskant, denn dann bringt jemand neue Ideen, soll aber deinen Grundsound möglichst beständig lassen. Nein, natürlich sehen wir uns als Team, keine Frage. Wir ergänzen uns einfach perfekt. Ich mache immer noch dasselbe wie zu meinen Anfangstagen. Ich schreibe die Gitarrenspuren und –melodien und den Korpus der Songs. Winterhalter arbeitet dann am Schlagzeug und wir können uns dann zusammensetzen, um die Strukturen zusammenzubauen.
Winterhalter: Wir arbeiten immer sehr intensiv zusammen, um das bestmögliche Ergebnis zu erreichen. Die Präproduktionsdemos bleiben erst einmal drei bis vier Monate liegen, damit wir die Songs mit vielen Gesprächen und Diskussionen noch einmal überarbeiten können. Es herrscht ein laufender, künstlerischer Austausch zwischen uns beiden.


Aber ihr zwei seid der Stamm, der eigentlich alle Entscheidungen trifft. Traut ihr anderen nicht über den Weg?

Neige: Ich glaube, das zwei Leute einfach reichen. Gerade im Entscheidungsprozess erleichtert das die Sache erheblich. Auf „Shelter“ haben wir Martin Koller mitreden lassen, der das Album auch produziert hat. Aber es ist einfacher, wenn wir die Dinge zu zweit erledigen. Die Chemie muss einfach passen. Wenn da irgendwas nicht zu 100 Prozent funktioniert, dann bist du im Arsch. [lacht]


Ihr liefert euren Hörern einen Sound, in dem sie versinken können, der zum Träumen verleitet und ein bisschen aus der Realität entführt. Gelingt euch das selbst bei euren eigenen Songs auch?

Neige: Ich habe eine sehr seltsame Beziehung zu meiner eigenen Musik. Es fällt mir nicht leicht, die Gefühle der Menschen aufzunehmen, weil ich dem Ganzen einfach zu nahe stehe. Bei anderen Bands kann ich das leichter nachvollziehen. Meine Songs sind so persönlich, dass ich die Interpretationen von unseren Fans oft gar nicht ganz nachvollziehen kann.
Winterhalter: Wir arbeiten so viel und lang an unseren Songs, dass sie sich oft um 180 Grad drehen. Wir überarbeiten die Nummern wirklich unendlich oft, dann kommen Produktion, Mixing, Mastering etc. – und immer ändert sich alles aufs Neue.
Neige: Wenn ich einen Song das erste Mal wo aufnehme und versuche, ihn wirken zu lassen, fühle ich gar nichts. Die meisten Riffs entstehen erst während des Songwritingprozesses, aber wenn du gewisse Riffs schon 50 Mal wiederholst, bist du zufrieden bist, geht einiges an Magie verloren. Das ist traurig, aber leider unumstößlich.
Winterhalter: Nachdem das Album quasi fertig ist, hören wir es uns ganz genau an, um etwaige Schwächen endgültig zu beseitigen. Dann wird es erst einmal für sechs Monate zur Seite gelegt, um eine gewisse Distanz zum Produkt zu bekommen. Erst dann entdeckst du die Magie der Songs wieder, das ist ein magischer Moment.




Fällt es euch heute leicht, eine Verbindung zu euren eigenen, älteren Songs herzustellen? Die sind musikalisch als auch textlich meist weit von der Gegenwart entfernt.

Winterhalter: Wir spielen nicht so viele alte Songs live, das hat auch damit zu tun. Außerdem fällt es uns schwer, sie perfekt zu spielen, weil es teilweise schon sehr lange her ist.
Neige: Wenn wir für Konzerte proben, fragen wir uns oft, ob diese Songs überhaupt von uns sind – sie fühlen sich jedenfalls nicht mehr danach an.
Winterhalter: Das Gefühl ist einfach ein komplett anderes. Es ist interessant, aber manchmal auch erschreckend.
Neige: Ich habe mir unlängst mit meiner Freundin „Écailles de Lune“ angehört und mir hat es gefallen. [lacht] Für mich ist es immer noch eines unserer besten Alben. Wenn ich aber genauer hinhöre, dann werde ich wahnsinnig, weil zum Beispiel die Produktion so schlecht ist. Oder beim Debüt – da sind die Spuren der Akustikgitarre so schlimm, weil ich sie direkt aufgenommen habe und das würde ich zum Beispiel sofort ändern. Aber gut, das war damals die jeweilige Phase mit den jeweiligen Fehlern – man lernt und entwickelt sich weiter.


ALCEST ist eine Band, die sehr viel Energie aus Themen wie Natur und Romantik bezieht. Seid ihr Kämpfer gegen moderne Technologien und den maschinellen Hype der Gegenwart?

Neige: Die Leute können das gerne so sehen, denn die Verbindung zur Natur ist sehr stark. Wir haben dazu aber eine sehr kontemplative Beziehung. Winterhalter ist bei uns der Naturbursche. [lacht]
Winterhalter: Ich wandere viel, angle gerne und bin einfach immer draußen.
Neige: Er hat eine echte Verbindung zur Natur. Ich bin eher ein Träumer und schätze den Grundgedanken. Würde ich aber eine Woche in der freien Wildbahn leben müssen, käme ich wahrscheinlich nicht mehr zurück. [lacht] Wir haben keine ökologische Botschaft oder so etwas. Ich lebe in Paris und habe ein iPhone – ich will nicht falsch rüberkommen. Ich bin jedenfalls kein Prediger, die Leute sollen sich ihren eigenen Reim daraus ziehen. Können die Menschen aber mit unserer Musik im Ohr durch den Wald laufen und sich entspannen, dann sind wir glücklich.


Haben dich die tragischen Terroranschläge in Paris eigentlich direkt oder indirekt zu „Kodama“ mitinspiriert?

Neige: Das Album war bis dorthin so gut wie fertig, es gibt also keine direkten Einflüsse. Als letzten Song haben wir das Instrumental „Onyx“ fertiggestellt und da kamen die Bilder in mir hoch. Es war sehr dunkel und mich überkam beim Einspielen ein Schauer. Meine Wohnung ist keine zwei Minuten vom Bataclan weg, natürlich bin ich noch immer erstarrt von diesen Ereignissen.


Hast du dir einmal überlegt, von Paris wegzuziehen, um vielleicht deinen Frieden zu finden?

Neige: Natürlich kommt dir das in den Sinn, aber andererseits bist du nirgends auf der Welt sicher und zudem gewinnen doch genau die anderen, wenn du nachgibst und von deinem Zuhause verschwindest.


Was ist die Essenz eines ALCEST-Songs?

Neige: Ich würde sagen, dass dich ein Song von uns aus der Realität beamt. Er sollte dir eine Fluchtmöglichkeit geben und ich denke, wir machen Reisemusik. Wenn ich Musik komponiere, bin ich mir sicher, dass ich etwas kreiere, das nicht von dieser Welt ist. Das klingt jetzt seltsam, ist aber nicht anders zu erklären.


Ihr spielt immer noch in diversen anderen Bands. Wie wichtig sind euch diese anderen Projekte?

Neige: Bei EMPYRIUM spiele ich zum Beispiel nur live Gitarre.
Winterhalter: Sehr wichtig, weil wir dort teilweise ganz andere Musik spielen und dadurch offen und tolerant bleiben. Es ist nur schade, dass wir durch ALCEST kaum mehr Zeit für die anderen Bands haben. Aber das ist natürlich jammern auf hohem Niveau.
Neige: Es ist unheimlich wichtig, auch andere Sachen zu machen, um frisch und motiviert zu bleiben. Wir hören ja auch nicht nur eine Art von Musik. Zum Beispiel auch New Wave oder SIMON & GARFUNKEL. [lacht]
Winterhalter: Wir sind nun einmal von Anfang an in den Metal gerutscht. Metaller waren unsere ersten Fans und wir waren zuerst auf einem Metal-Label. Deshalb kommen wir auch nie mehr ganz aus dieser Nische raus.


Über eure Vergangenheit bei der umstrittenen, nationalistischen Band PESTE NOIRE haben wir rundum schon fast alles gelesen und gehört – eine Frage hätte ich dazu dennoch: Ihr habt euch immer als unpolitisch deklariert. Ist es wirklich möglich in so einer Band zu spielen, ohne zu wissen, woran sie glaubt und welche Haltung sie hat?

Neige: Das habe ich sicher nie gesagt. Ich habe dort gespielt, als ich sehr jung war. Es ist nicht so, dass ich nicht wusste, worum sich PESTE NOIRE drehten, aber ich kümmerte mich damals nur um die Musik. Natürlich bereue ich das heute, denn es ist wichtig, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Aber wir mögen nicht mehr über dieses Thema reden und distanzieren uns von dieser Band.


Gibt es bestimmte Träume, die ihr euch mit ALCEST noch erfüllen wollt?

Winterhalter: Ich bin eigentlich ganz zufrieden. [lacht] Es wäre schön, wenn noch mehr Menschen Aufmerksamkeit auf unsere Musik legen – und das Image, das gerne über uns kreiert wird, beiseitelassen.
Neige: Du träumst also davon, dass sich die Menschen alle verändern? [lacht]
Winterhalter: Nein, aber es wäre einfach schön, wenn sich alle wirklich auf die Musik fokussieren könnten.
Neige: Als ich die Band als Teenager gründete, war mein Ziel, eine CD aufzunehmen. Heute kann jeder etwas aufnehmen und auf einem kleinen Label veröffentlichen, aber zur Jahrtausendwende war das noch kein Thema. Als das Album rauskam, dachte ich mir, ich wäre jetzt berühmt. [lacht] Wenn ich heute ein Album veröffentliche, habe ich noch immer das Kribbeln im Bauch und finde es noch immer aufregend, was passiert. Die vielen Touren, die Länder, die wir schon bereisten – das hätte ich mir alles nie erträumen lassen. Mir würde es noch gefallen, wenn wir Musik für einen Film oder eine Dokumentation machen könnten.


Ich würde euch als die perfekte Prophecy Productions-Band bezeichnen.

Neige: [lacht] Wie denn? Das klingt nicht nach einem Kompliment. [lacht] Ich scherze natürlich nur. Klar, wir passen sehr gut zu diesem Label. Es kann sein, dass es mal gut oder schlecht klingt, aber wir klingen auf jeden Fall immer anders und sind stets die Außenseiter. Ich glaube, auch das verbindet uns in gewisser Weise mit unserem Label.




Interview: Robert Fröwein (Froewe)
Fotos: Andreas Graf

Robert Fröwein (Froewe)

Autor: Robert Fröwein [Froewe] | 23.12.2016 | 10:08 Uhr

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