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Interviewpartner: Nergal

BEHEMOTH stehen seit jeher für harte Arbeit und intensives Touren, sodass es nicht weiter verwundert, dass die polnischen Extrem-Metaller trotzdem noch die Zeit fanden, ein neues Album aufzunehmen. Die Zeichen stehen auf „Evangelion“ noch deutlicher und spürbarer auf Sturm, sodass Adam „Nergal“ Darski äußerst enthusiastisch und sympathisch Auskunft erteilt, wenn es um die Hintergründe der neuen CD und die weiteren Pläne von BEHEMOTH geht.




Hi! Schön, von Dir zu hören. Wie geht’s, wie steht’s?

Hallo, hier ist Nergal. Mir geht’s ziemlich gut. Ich bin ein wenig müde, aber ich bin gerade voll bei der Sache, also können wir gerne loslegen.


Und los geht’s: Mit „Evangelion“ erscheint am 7. August Eure neue CD. Erzähl mal ein wenig über den Titel und die Rolle der Religion, die stets ein Bestandteil des Bandkonzepts von BEHEMOTH war und ist.

Ja, da ist was dran. Die Religion ist ein großer Teil unserer Leben. Ob wir das nun wollen oder nicht, das übt einfach so viel Einfluss aus. Ich konnte mich dem bislang noch nicht entziehen, darüber nachzudenken. Seit ich 15 bin und richtig anfing, über die Dinge nachzudenken, und dann auch die zweite Kommunion ablehnte, lehnte ich es ab, den christlichen Regeln zu folgen. Ich habe mich dann auch für Underground-Musik interessiert. Das heißt, eigentlich war ich da 14. Und seitdem gab es immer diesen philosophischen Ansatz, da ich auch die Welt gänzlich anders betrachtete. Die Religion nahm sehr viel Zeit in Anspruch und ich dachte sehr viel darüber nach. Es hat mich natürlich dahin geführt, wo ich bin, und ich sehe mich in der Tat als einen freien Mann an – einen frei denkenden Mann, der befreit lebt. Und zum Teil ist es das, worum es bei „Evangelion“ geht. Das Wort kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet, dass man das Wort Gottes bzw. gute Neuigkeiten verbreitet, im Sinne eines Gospels vielmehr. Wir haben dann diesen Titel genommen, aber natürlich mit einer anderen Bedeutung, nämlich einer gänzlich umgekehrten. Für uns ist das nämlich das Evangelion eines neuen Zeitalters, in dem von einem neuen Menschen die Rede ist, der sein Potenzial allen Dingen zum Trotz entfalten wird. Ein Mensch, der nach Glück strebt und der sich von jeglichen Einschränkungen lossagen wird, egal ob jetzt religiöser, politischer oder traditioneller Art. Dieses neue menschliche Wesen interessiert das nicht, denn es wird auf eigenem Weg zum Glück finden. Und genau darum geht es bei „Evangelion". Wir versuchen lediglich, diesem etymologischen Aspekt, den christlichen Konnotationen dieses Titels, der Bibel und dem Testament, zu entfliehen. Es gibt etliche biblische Anspielungen auf dem Album, aber wir benutzen das nur als Metaphern, denn wir sprechen aktuelle Probleme an. BEHEMOTH benutzen zwar jede Menge Metaphern, aber das bedeutet eben nicht, dass wir nur über mythologische Themen sprechen. Vielmehr reden wir von einem modernen menschlichen Wesen. Meiner Meinung hat das Thema einen sehr aktuellen Bezug.


Da wir gerade vom Bandkonzept sprechen, worin bestehen denn Deiner Meinung nach die Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Vergleich mit „The Apostasy“?

Ich finde, dass „The Apostasy“ alles in allem eine Weiterentwicklung dessen war, wo wir mit „Demigod“ aufhörten. Und „Demigod“ war ein ziemlich erfolgreiches Album. Wir wollten den Stil dann von „Demigod“ aus perfektionieren, aber ich denke, dass „The Apostasy“ sich in viele verschiedene Richtungen bewegte – vielleicht sogar zu viele. Daher fehlt dem Album meiner Ansicht nach ein wenig der Fokus. Das wollten wir aber auf „Evangelion“ mithilfe der Erfahrungen, die wir während der Jahre und vor allem durch die Aufnahmen von „The Apostasy“ und „Demigod“ gesammelt haben, und das sind unsere bisher erfolgreichsten Veröffentlichungen, kombinieren und auf die nächste Stufe bringen. Das haben wir dann gemacht. Wir wollten dabei eine CD erschaffen, die noch kompakter und noch konsistenter ist. Ich finde, dass „Evangelion“ einerseits wahrscheinlich das vielschichtigste Album von BEHEMOTH ist, während es gleichzeitig eine sehr kompakte Veröffentlichung ist. Alles befindet sich am richtigen Platz, zum Beispiel auch die Reihenfolge der Songs. Man muss über das Album im Kontext eines Ganzen nachdenken, sodass es insgesamt sehr monolithisch ist. Man kann nicht einfach nur einen einzelnen Song herausgreifen und denken, dass alles komplett ist, denn das funktioniert nicht. Alle neun Songs auf der Scheibe sind konsistent und klingen total aufeinander abgestimmt. So sehen wir das zumindest.


Was mir zum Beispiel sofort auffiel, war das unglaublich abwechslungsreiche und ideenreiche Drumming von Inferno. Was meinst Du dazu?

Ach, er ist wahrscheinlich einer der charismatischsten Schlagzeuger in diesem Genre. Klar, es gibt natürlich bessere Schlagzeuger da draußen, die zum Beispiel schneller oder auch technischer sind. Aber das spielt für mich keine Rolle. Inferno ist für uns die beste Wahl für den Mann hinter dem Drumkit. Er hat jede Menge Charisma, er hat einen eigenen Stil, er fällt auf und er ist mit Herz und Seele dabei. Er ist nicht einfach nur ein Musiker, er ist ein verdammtes Inferno, hehe. Und auf dieser Scheibe liefert er erneut ein Statement ab.


Da Du gerade von einer soliden Einheit der Songs sprachst, reden wir dann auch von einem Gesamtkonzept in sowohl musikalischer als auch textlicher Hinsicht? Während des ersten Songs kommt zum Beispiel die Textzeile „We worship the sun, we worship the moon“ vor, und das findet sich wiederum im Artwork wieder, oder?

Ganz exakt. Manche dieser Sachen laufen einfach sehr unbewusst ab. Wir haben gleichzeitig an den Texten gearbeitet, und dann habe ich mit unserem Grafiker gesprochen, und er sagte dann „Ich werde dann noch die Sonne und den Mond hinzufügen, so wie die Balance von Ying und Yang im Leben“, und ich sagte darauf nur: „Weißt Du, das ist ein merkwürdiger Zufall, denn ich habe gerade einen Song geschrieben und darin kommt genau die Zeile „We worship the sun, we worship the moon“ vor." Auf diesem Album ist vieles einfach so geschehen, sodass nichts verkrampft war, sondern einfach am richtigen Platz landete. Das war fast schon magisch und ein wundervolles Erlebnis, dieses Album zu schreiben. Natürlich ist aber nicht alles einfach so passiert, denn ich hatte eine allgemeine Vorstellung, was die CD betrifft. Aber gerade die kleinen Details sind es, die dieses Album so besonders machen, gerade im Vergleich mit den anderen Veröffentlichungen.


Wir kamen gerade schon auf das Artwork zu sprechen: Erzähl mal ein wenig darüber und welche Vorstellungen Ihr davon hattet. Die Hure von Babylon spielt ja eine sehr zentrale Rolle.

Hm, die Sache ist, dass die sogenannte Hure von Babylon, oder wie die ganzen Namen lauten, um sie zu beschreiben, gar nicht diese abscheuliche Frau war. Das ist ein Mythos aus dem Neuen Testament. Es war jedoch im Metalgenre überhaupt nicht oft genutzt worden. Ich war ehrlich gesagt sehr überrascht, da ich das auf Google eingegeben habe, und wir wussten zwar alle, was die Hure von Babylon ist, aber wir hatten nie wirklich gründlich darüber nachgedacht. Wir wissen alle viel über die männlichen Aspekte des Bösen, die auf den ganzen Heavy-Metal-Alben landen. Der Antichrist, Baphomet, Satan. Das ist alles sehr offensichtlich und auch sehr klischeebehaftet. Aber bei der Hure von Babylon – ich meine, ich habe hier gut 2000 CDs und mehrere hundert LPs stehen, aber ich weiß von keiner einzigen, auf dessen Cover dieser Charakter auftaucht. Und ich dachte nur: Wow! Heureka! – Ich habe dadurch zwar keine neue Welt an sich entdeckt, aber dafür doch eine neue Welt für mich selbst. Das ist wie ein weiblicher Aspekt des Bösen, der für Christen so verdammt erschreckend ist, da sie für gegensätzlichen Werte steht, die für alle Christen so abscheulich und düster sind. Ich hätte keinen besseren Charakter für unser Cover finden können. Dann haben wir das Ganze noch modifiziert und noch einige Ideen eingebracht. Sie reitet ein siebenköpfiges Biest und hält den Kelch der Unzucht, aber dann haben wir noch Sonne und Mond und ein Schwert in ihrer rechten Hand hinzugefügt. Dann noch den heiligen Mann, der sie anbetet und sich zu ihren Füßen befindet, und dazu kommen noch, und das ist wirklich essentiell, die zerbrochenen Zehn Gebote zu ihren Füßen. Und das ist ein Statement über unsere Ansicht bezüglich jeglicher Art von Religion, Einschränkungen und Regeln. Das ist somit sehr definitiv und wie ein ultimatives Cover. Es ist komplett als solches, und das ist toll.
Und dann kam noch die Entscheidung hinzu, es in Schwarzweiß zu machen, weil wir ein wenig von diesen ganzen farbigen Photoshop-Kollagen gelangweilt waren, die wir für viele unserer Alben genutzt haben. Es wird einfach zu sehr überstrapaziert. Einerseits war das ein Risiko, denn wenn die Leute sich erst einmal an etwas gewöhnen, dann erwarten sie auch eine neue Version dessen auf jeder neuen Veröffentlichung. Wenn Du das aber nicht bringst, dann könnten sie enttäuscht sein. Die ganze Grundidee dieses Albums besteht jedoch darin, dass in erster Linie wir selbst mit allem zufrieden sein müssen – die Musik, die grafische Gestaltung, die Texte etc. Wir wollten erst mal über niemanden als uns selbst nachdenken. Nicht über die Fans, nicht die Plattenfirma, nicht die Medien. Aber natürlich ist es uns nicht egal, da ich ja möchte, dass alle die Scheibe mögen. Sollte das aber nicht eintreten, na ja, was soll ich da machen, aber wenigstens war ich selbst damit zufrieden. Das ist unsere Einstellung, und das ist genau das, was wir gemacht haben. Ich habe mit unserem Grafiker gesprochen, und wir hatten die Idee, etwas zu machen, das wie eine Art mittelalterlicher Holzschnitt aussieht. Das ist alles selbst erschaffen und alles von Hand gefertigt. Ich finde, es sieht sehr kunstvoll aus. Daher hoffe ich wirklich, dass es sich von den gängigen, typischen Metal-Artworks abhebt, und ich bin damit total zufrieden. Warte mal ab, wenn Du das fertige Digipak in der Hand hältst; Du wirst vom ganzen Aussehen echt überrascht sein. Die ganze Fotosession darin und die ganzen Ideen darin – wir nutzen zwar nur drei Farben, aber ist es sehr eindrucksvoll.


In musikalischer Hinsicht stechen meiner Meinung nach besonders zwei Songs heraus, und zwar „Ov Fire And The Void“, das sehr langsam und episch ist, und auch „Lucifer“. Das Epische ist zwar nicht gänzlich neu für Euch, aber sehr intensiv.

Dafür haben wir gerade ein Video gedreht, hehe. Der Song an sich entstand sehr spontan. Auf diese Art und Weise sind wahrscheinlich die besten Lieder von BEHEMOTH entstanden. Für diesen Song und dessen Arrangements habe ich nur ein paar Stunden gebraucht. Er ist eigentlich sehr einfach gehalten, aber hat den richtigen Groove und einen sehr intensiven Text. Das war dann auch sofort meine erste Wahl für ein Video. Ich sagte: „Leute, das wird unsere erste Single“. Und damit hatte ich tatsächlich Recht, denn ein paar Monate später haben wir uns dann für ein Video zu diesem Song entschieden, und das ist richtig toll geworden. Das ist auf alle Fälle eines meiner Lieblingslieder auf der CD. Das gilt auch für „Lucifer“. Ich habe ein bisschen gejammt und ein Riff gespielt, und Seth und Orion saßen dabei und sagten: „Tolles Riff, was ist das denn?“. Ich erinnere mich noch, dass ich sie angelogen habe, da ich sagte: „Oh ja, das ist das Riff, an dem ich seit ein paar Tagen arbeite“. Blödsinn, denn das war mir gerade erst eingefallen und ich habe das vor mich hingespielt, hehe. Aber das war zwei Wochen, bevor wir ins Studio sind. Inferno war allerdings gar nicht bei der Probe dabei, aber ich sagte: „Jungs, das wird ein toller Song. Wir sollten daran arbeiten“. Und daraus wurde dann dieses achtminütige Monster. Als es dann in trockenen Tüchern war, ging mir durch den Kopf, dass es diese ursprüngliche Ausstrahlung hat, die in Richtung CELTIC FROST geht, und dann wurde mir klar, dass ein polnisches Gedicht super dazu passen würde. Ich hatte da ein Gedicht von Tadeusz Miciński, der ein Repräsentant des ‚jungen Polen ist, im Hinterkopf. Das war ein Abschnitt in der polnischen Literatur, der Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts stattfand. Und er war auch einer der ersten Autoren in der polnischen Literatur, der das ganze satanische Luciferion-Konzept erforschte. Ich wurde von seinen Werken inspiriert, aber besonders, als ich die Arbeiten für das Album begann, kaufte ich seine Bücher und befasste mich mit seiner Lyrik, die mir sehr gut gefällt, und dann dachte ich, dass es sehr exotisch wäre, polnische Texte zu benutzen. Wir sind wahrscheinlich kurz davor, das größte Album von BEHEMOTH vom Stapel zu lassen, das jede Menge Werbung bekommen wird, und darauf ist dann ein polnischer Song! Die Leute werden sich denken: Was geht denn da ab? Ich fand die Idee dann großartig, und der Song ist sehr episch geworden. Wir wollen diesen auf alle Fälle auch live spielen.


Fandest Du es schwierig bzw. ungewohnt, in Deiner Muttersprache zu singen?

Nein, überhaupt nicht. Ich fand es zwar insgesamt schwierig, aber da der Text so großartig ist, lief das wie geschmiert. Ich habe glaube ich nur 30 Minuten gebraucht, um das alles einzusingen. Ich bin mit dem Gesang für diesen Song auch sehr zufrieden; es ist eher kehlig und weniger Gegrunze. Die ganze CD geht in die Richtung, denn auch wenn es viel Death-Metal-Gegrunze gibt, so wollte ich es noch viel fieser klingen lassen.


Wie verlief denn der Songwriting- und Aufnahmeprozess? In einer der Videoepisoden war beispielsweise von einer intensiven Vorproduktion die Rede. War das Neuland für Euch?

Oh ja, wir haben diese sehr professionelle Vorproduktion gemacht. Das war zwar auch bei „The Apostasy“ der Fall, aber diesmal war es wesentlich besser. Der Klang der Demos war gut, und wir hatten alle Songs schon fertig arrangiert, bevor wir überhaupt ins Studio gegangen sind. So arbeiten wir am liebsten. Ich mag es nicht, im Studio zu sitzen und dann zu versuchen, das Riff meines Lebens zu schreiben, denn das wird einfach nicht so passieren, hehe. Ich muss mich da sehr konzentrieren und nachdenken, und dann taucht eine Melodie oder das Riff in meinen Kopf auf. Letztlich entwickelt sich das dann zum kompletten Song. So arbeiten wir: Ich fange allein in meinem Home Studio an und dann stelle ich die ganzen Riffs und Ideen für die Musik den Jungs vor. Daraufhin formen wir dann zusammen die Lieder. Das hat ungefähr drei Monate im Proberaum gebraucht, woraufhin wir zweieinhalb Monate für die Aufnahmen benötigten. Colin Richardson hat dann die CD in London abgemischt, was auch noch mal drei Wochen gedauert hat. Alles in allem reden wir also von drei bis vier Monaten für die Produktion.




Daniel Bergstrand war dieses Mal allerdings auch noch im Boot, oder?

Daniel ist nach Polen gekommen, um das Schlagzeug aufbauen und die Schlagzeugspuren kozuproduzieren. Er hat echt wahnsinnig gute Arbeit abgeliefert. – Ach, bei diesem Album hatten wir so viele Leute am Start, hehe. Es gab wohl fünf Toningenieure. Für jedes neue Kapitel der Aufnahmen war eine neue Person zuständig.


War das Absicht, um möglichst viele unterschiedliche Meinungen und ein unverbrauchtes Urteilsvermögen zur Verfügung zu haben?

Hm, ja und nein. Das passierte eigentlich zufällig. Malta zum Beispiel ist Vater geworden, sodass er nur zwei bis drei Wochen Zeit hatte. Dann konnte ein anderer Beteiligter nur eine gewisse Zeit bleiben und musste dann auf Tour gehen. So ging das weiter. Aber letztendlich bin ich damit sehr zufrieden, sodass wir das bei der nächsten CD wohl wiederholen werden. Das war fantastisch. Alle paar Wochen gab es einen neuen Verantwortlichen, und das bedeutet auch ein anderes Gehör und neue Ideen, sodass auch neue Dinge geschehen. Das hat uns zudem erlaubt, einander nicht überdrüssig zu werden. Das war ein sehr wichtiger Aspekt, den ich sehr zu schätzen wusste.


„Evangelion“ ist Eure erste Veröffentlichung, die über Nuclear Blast erscheint. Ein großer Schritt im Vergleich zu Regain Records, würde ich mal sagen?

Ja, Metal Blade übernimmt das in den USA, Nuclear Blast macht Europa und Mystic Production ist für Polen zuständig. Das sind quasi drei große Firmen, und dann kommen noch die ganzen Lizenzen dazu. Die CD erscheint zum ersten Mal überhaupt in Israel, und dann natürlich in Japan, Indonesien, Taiwan, Thailand, China und so weiter und so fort. Das wird einfach überwältigend, hehe.


Wie seid Ihr eigentlich an den Vertrag mit Nuclear Blast gekommen?

Hehe, das war auch eher Zufall. Sie hatten mich eingeladen, um an einem Videodreh für Terrorizer teilzunehmen, da Karl Sanders von NILE vor Ort war. Sie wollten, dass ich auf der Terrorizer-Titelseite erscheine, sodass ich dann nach Donzdorf geflogen bin, um den Fotografen zu treffen. Ich traf dann Jaap und die ganzen anderen Leute, und ich dachte mir: „Hey, die sind alle ziemlich cool“, hehe. Ich hatte natürlich „The Apostasy“ im Gepäck, und als Jaap mich zurück zum Flughafen fuhr, gab ich ihm die CD und sagte: „Hör Dir das doch einfach mal an und sag mir ehrlich, was Du davon hältst“. Zwei oder drei Tage später kam dann eine E-Mail von ihm, in der er nach unserer Label-Situation fragte, da er die CD total mochte. Da war ich dann erst mal platt, hehe. Aber es war auch eine große Erleichterung. Ich möchte eigentlich keine dreckige Wäsche in der Öffentlichkeit waschen, aber Regain Records sind so ein lahmer Verein geworden. Deren Leute haben jegliche Leidenschaft und Überzeugung verloren. Sagen wir mal so: Wenn Regain jetzt „Evangelion“ veröffentlichen würden, dann würden wir gerade wohl gar nicht miteinander sprechen, oder falls das doch der Fall wäre, dann wäre ich nicht so enthusiastisch und vollkommen bei der Sache! Es wäre eher in der Richtung: „Ach je, noch ein Album, das versaut wird“. So sehe ich das. Das ist wie ein Neuanfang für uns, weil die Leute bei Nuclear Blast solche Enthusiasten sind. Sie alle lieben das Album, stehen voll hinter der Band und wollen uns auf bestmögliche Weise unterstützen, was mich natürlich auch wieder antreibt. Denn das ist genau das, was ich von ihnen hören möchte; wir haben unser Bestes gegeben und jetzt sind sie an der Reihe, ihr Bestes zu geben. Ich bin sehr zufrieden, da ich es kaum abwarten kann, möglichst vielen Leuten etwas über das Album zu erzählen.




Die CD erscheint auch in einer limitierten Fassung mit einer Bonus-DVD? Was wird sich darauf befinden? Wird das Live-Material sein?

Nein, es ist ein Making-of, aber das ist komplett neues Material. Das hat man also noch nicht online sehen können. Wir haben demnach nicht einfach nur die Video-Episoden zusammengeklatscht und auf DVD gepackt. Das wäre ja Abzocke. Wir haben so eine Art Dokumentarfilm gedreht, in dem alle zu Wort kommen und neues Material enthalten ist. Insgesamt sind das circa 45 Minuten, wobei noch ein fünfminütiges Making-of der Fotosession dazu kommt. Das sollte für die Fans wirklich interessant sein, da es sehr cool aussieht.


Kommen wir mal zur Konzertsituation: Ihr wart ja ziemlich lange für „The Apostasy“ unterwegs, beispielsweise mit KATAKLYSM. Ihr wart auch zum ersten Mal in Asien, oder?

Oh ja, mit „The Apostasy“ haben wir einige neue Territorien für uns entdeckt. Wir waren in Japan, China, Taiwan und Indonesien, und wir sind zum ersten Mal überhaupt nach Neuseeland geflogen. Wir waren zwar davor schon in Australien, aber das war das erste Mal in Neuseeland. Somit haben wir einige neue Märkte für uns entdeckt; jetzt wollen wir das durch lizenzierte Veröffentlichen dort und weitere Tourneen untermauern. Die Japaner lieben BEHEMOTH. Bei der ersten Show dort waren gut 400 Leute, wir haben das komplette Merchandise verkaufen können und das Album läuft dort prima. Sie sind momentan in einer ziemlich miesen wirtschaftlichen Situation, aber es waren doch einige Zuschauer beim Konzert und haben JBC unterstützt, die in Japan das Album veröffentlicht haben. Das freut mich sehr.


Wann werdet Ihr wieder hier bei uns unterwegs sein?

Es gibt da dieses schöne Paket im Herbst. Das werden wir und DEVIL DRIVER als Co-Headliner sein, und dazu kommen noch SCAR SYMMETRY, ARSIS und noch eine weitere Band. Das ist also alles sehr vielschichtig aufgestellt. Das dürfte eine tolle Sache werden, und wir spielen viele Konzerte in Deutschland. Und diese Vielschichtigkeit ist auch der springende Punkt, da wir mit diesem Album nicht nur Black- und Death-Metal-Fans erreichen wollen, sondern auch diejenigen, die vielleicht noch gar nicht wissen, dass es uns überhaupt gibt. Wenn die Bands alle gleichförmig sind, kann es schnell langweilig werden. Natürlich ist es wichtig, vor den ‚eigenen’ Fans zu spielen, denn diese bilden die Basis, aber mir geht es auch darum, mich zu fordern. Ich bin tatsächlich der Überzeugung, dass wir sogar Zugang zu Fans von DEVIL DRIVER finden und sie letztlich auf unsere Seite ziehen können. Ich sage damit nicht, dass das auch wirklich passiert, aber ich habe das Gefühl, dass wir von dieser gemeinsamen Tour sehr viel profitieren können. Ich möchte mit der neuen CD so viele Leute wie möglich erreichen, und ich bin mir sicher, dass wir das hinbekommen werden.


Das ist vermutlich auch die Überlegung dahinter, in den USA mit SLAYER und MARILYN MANSON auf Tour zu gehen?

Genau das ist der springende Punkt! Wir wollen die ganzen Freaks, die sich MARILYN MANSON reinpfeifen, auf unsere Seite bringen und ihnen zeigen, wie richtiger Metal klingt, haha! Nein, das ist echt toll. Ich bin selbst ein großer Fan von MARILYN MANSON, und was könnte man mehr wollen, als SLAYER jeden Abend sehen zu dürfen, da wir alle selbst SLAYER-Fans sind? Ich kann es kaum abwarten. Das wird die Tour unseres Lebens!


Ein gutes Schlusswort. Dann danke ich Dir für Deine Zeit und die ausführlichen Antworten. Möchtest Du noch etwas an unsere Leser loswerden?

Zuerst einmal möchte ich etwas versprechen, da ich weiß, dass unsere Position in Deutschland gemischt ist. Mit Nuclear Blast und Rock The Nation, einem großartigen Tourveranstalter, in unserem Rücken kann ich versprechen, dass wir ausgiebiger als bisher auf dem deutschen Markt vertreten sein werden. Wir möchten sicherstellen, dass „Evangelion“ unser bislang erfolgreichstes Album in Deutschland wird. Vielen Dank für Eure Zeit und wartet einfach auf uns!

soulsatzero

Autor: Alexander Eitner [soulsatzero] | 23.07.2009 | 18:14 Uhr

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