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Interviewpartner: Obsidian C.

Zugegeben, KEEP OF KALESSIN standen nicht gerade besonders hoch in meiner "Muss ich anchecken"-Liste, bis ich von "Reptilian" hörte. An der anderen Seite des Interview-Tisches stand Obsidian Claw, seines Zeichens Bordkapitän der norwegischen Galeere, der frei von der Leber weg über den totalen Ausverkauf, dem Metal-Genre als Ganzes, nicht zuletzt aber vor allem das Dasein seiner Band diskutiert.




Hallo Obsidian! Lass uns gleich zu den interessanten Themen übergehen: Wie lautet dein Fazit zur Teilnahme am "Melodi Grand Prix", wie fielen die Reaktionen in deinem unmittelbaren Umfeld aus? Würdest du rückblickend sagen, dass es dieser Schritt wirklich wert war? Warum habt ihr euch für eine gekürzte Version von "The Dragontower" entschieden, den ihr am Eurovision Song Contest spielen wolltet?

Hallo! Ich würde sagen, es hat sich definitiv gelohnt. Es war eine tolle Erfahrung für uns und es hat sogar viel Spaß gemacht. Unabhängig davon, was andere denken könnten, haben wir das nicht rein aus Werbe-Gründen, sondern eher der Erfahrung wegen gemacht. Ich teile diese “Metal gegen Pop”-Mentalität keineswegs, die vielen innewohnt. Ich mag viele verschiedene Arten von Musik und denke auch, dass die Metal-Welt eine Menge hinsichtlich des Einbrechens von gewissen Mauern lernen muss sowie von anderen Genres lernen kann.
Als wir auf den norwegischen Grammy-Awards 2008 aufgetreten sind, war es ebenso großartig für uns. Wenn wir die Möglichkeit hätten, bei einer neuen und größeren TV-Show aufzutreten, würden wir uns nicht just aus dem Grund davon fernhalten, was andere vielleicht davon denken könnten. Die Reaktionen fielen jedoch sehr positiv aus und wir bekamen große Unterstürzung von unseren Freunden und der gesamten norwegischen Metal-Szene wie EMPEROR, DIMMU BORGIR, GORGOROTH sowie DARKTHRONE. Sie schickten uns beglückwünschende Text-Nachrichten, weil wir so weit gekommen sind und haben sogar Geld ausgegeben, um für uns zu stimmen!


Nun zu eurer Platte mit Namen "Reptilian". Inwieweit ist sie eine Fortsetzung eurer früheren Arbeiten und inwiefern setzt sie neue Maßstäbe oder schlägt sie eine neue Richtung für KEEP OF KALESSIN ein? Was war – wenn es denn überhaupt eine gegeben hat – die Prämisse für dieses Album? Wie entstand das Konzept zu "Reptilian" sowohl musikalisch als auch textlich? Wo befinden sich deine Lieblingsmomente oder sogar -songs, wenn es um die Verbindung von Musik und Lyrics geht? Welche Momente auf der Platte machen dich besonders stolz, weil sie entweder deine persönlichen Fähigkeiten erweitern konnten oder einfach nur Spaß machen? Welche Stücke werden deiner Meinung nach die Menge live zum Schwitzen bringen?

Auf diesem Opus haben wir uns mehr auf das Live-Element in unserer Musik konzentriert. Ich liebe Blastbeats, verstehe mich da nicht falsch, aber auf einem Konzert kann es für das Publikum mit der Zeit sehr ermüdend werden, weil es echt hart ist, sich durch all diese vielen Elemente in unserer Musik durchzuhören, wenn dir dauernd die Doublebass im Nacken sitzt. Wir wollten daher etwas mehr Groove und Abwechslung in die ganze Sache einbringen, wobei wir andererseits auch die epische Atmosphäre bewahren wollten. Davon abgesehen gibt es aber immer noch viele extreme Schlagzeug-Stellen auf der Scheibe.
Im Gegensatz zu unseren früheren Sachen ist das hier viel abwechslungsreicher und kraftvoller aufgebaut, vor allem aber schlägt es dir mehr direkt ins Gesicht, ohne jedoch die Epik auszulassen. Du könntest also sagen, es gibt mehr von allem, hehe. Das ist für uns eine natürliche Entwicklung weg von den letzten beiden Alben.
Ich hatte die Idee zu diesem Werk schon lange bevor "Kolossus". Zuerst wollte ich ein melodisches und durchaus “softes” Album machen, bevor wir wieder in die Dunkelheit mit einer Scheibe wie “Reptilian” zurückkehren. Und an manchen Stellen des neuen Albums rezitieren wir unsere früheren Werke wie eben "Kolossus" sowie sogar “Agnen” - jedoch mit einem andersartigen Blick zurück - die antiken Schriftrollen von "Kolossus" zum Beispiel zu lesen. „It’s all epic you know“ [O-Ton]. Hehe.
Ich finde, live kann sich mehr Stücke von dieser LP aussuchen, das zum Beispiel “Dragon Iconography”, “The Awakening” und “Judgement” starke Live-Songs sein werden. Dann aber haben wir wieder “The Dragontower” wie auch “Dark As Moonless Night”, die über enorme Refrains verfügen und ich denke, sie werden auf der Bühne ebenso aufgehen, schauen wir mal. Es ist immer gut, ein wenig mehr Auswahl für das Live-Programm zu haben.



Erzähle uns des Weiteren, ob es signifikante Änderungen des Songwritings im Vergleich zum letzten Mal gegeben hat. Was hat dir am meisten Spaß gemacht beziehungsweise dir die meisten Nerven abgerungen, während du an „Reptilian“ geschrieben hast? Irgendwelche Anekdoten, die du mit uns teilen willst, was die Aufnahmen oder die Proben betrifft?

Dieses Mal haben wir die meiste Zeit damit verbringt, die Stücke im Studio zu schreiben, also weniger Proben und dafür Vorproduktion. Ich habe meine Riffs aufgenommen, dann kam Vyl und hat seine Patterns darauf gelegt. Wir haben als Band nie im klassischen Sinne geprobt. Der Schreibeprozess hingegen war recht einfach. Wenn du 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche Zugang zu deinem Studio hast, kommst du einfach jedes Mal, wenn dich die Inspiration packt. Es war zudem wesentlich unkomplizierter, die Ideen auszuarbeiten, die nicht wirklich zum Vorschein kommen, wenn du die ganze Zeit zu Hause nur die Gitarre hörst. Einige Riffs oder Abschnitte erwecken solange nicht zum Leben, bis du eben ein paar zusätzliche Gitarren-Dubs oder einige weitere Drum- oder Keyboard-Spuren darunter mischt. Dann werden sie zu richtigen Höhepunkten auf dem jeweiligen Album. Früher war ich so streng mit mir, wenn es um das Riffing geht, dass alles zu 110% funktionieren musste, was aber auch den Nebeneffekt hatte, dass die Musik für die Fans langweilig werden konnte. Sie konnten sich darin nicht wirklich verlieren, weil die Musik selbst absolut keine Wechsel beinhaltete, die alles aufmischten. Jetzt haben wir mehr Parts am Start, bei denen das jeweilige Riff selbst vielleicht nicht mehr so hervorsticht oder einzigartig ist, sondern zu etwas Größerem wächst oder hat eine tiefere Bedeutung im Song-Kontext. Das macht in meinen Augen die Musik lebendiger.


Wurden irgendwelche Ideen früherer Aufnahmen für "Reptilian" wiederverwendet, gibt es sogar Reste von den Sessions zu diesem Album? Wenn dem so ist, wie groß sind die Chancen für die Fans, diese zu Gehör zu bekommen?

Es gab keinerlei Ideen von früheren Aufnahmen, aber wir haben noch drei Songs von diesen Sessions übrig, die wir hoffentlich in Kürze veröffentlichen können. Ich denke, diese haben sehr viel Potenzial, obwohl sie es nicht auf das Album machen konnten. “Reptilian” selbst ist schon 58 Minuten lang – hätten wir diese Drei ebenfalls draufgepackt, wäre es zu lang und am Ende sogar langweilig geworden. Einer dieser Lieder stammt komplett aus der Feder von Vyl, wir hoffen also, dass die Fans demnächst seine Gitarren- sowie Songwriting-Skills zu Gehör bekommen und ihn nicht nur als reinen Schlagzeuger wahrnehmen. Und übrigens... wir haben schon die Vocals für das nächste HEADSPIN-Album im Kasten, das dieses Jahr erscheinen wird. Vyl hat dieses Mal mehr als fünfzig Prozent der Stücke geschrieben – er hat die meisten Gitarren-, Bass- sowie Schlagzeug-Parts eingespielt.


Da die meisten neuen Stücke so klingen, als ob ihren inspirativen Ursprung in epischen Fantasiefilmen/-büchern haben, wäre es wissenswert, zu erfahren, ob du irgendwelche konkreten Einflüsse nennen könntest und wie hoch dieser auf "Reptilian" nun war. Was haben Fantasy-Filme inne, das dich im speziellen Maße begeistert und dazu motiviert, Musik zu schreiben? Und wenn "Reptilian" der Soundtrack zu irgendeinem Streifen wäre, um welchen [oder zumindest welches Thema] würde es sich dabei handeln?

Dieses Mal ist es ein wenig schwieriger, einen einzigen Film zu nennen, der die gesamte Entwicklung der Platte begleitet hat. Früher waren es “Riddick – Chroniken eines Kriegers”, “Alexander”, das Computer-Spiel “Oblivion” etc., heute kann ich mich nicht mehr so genau festlegen. Es dürfte so ziemlich alles sein, was wir gefühlt und gesehen haben, das ins neue Werk einfloss. Und das kann alles von “Oblivion”, “Mass Effect” wie auch “Lord of the Rings” bis hin zu “Star Wars”, “Star Trek”, “Stargate” und das “Stargate Atlantis” sein.
Lustig war es, als wir im Studio gerade "Kolossus" verewigt haben, die Texte dazu schrieben und gerade bei der Finalisierung von ihnen waren, habe ich die letzte Staffel von “Stargate SG-1” jede Nacht nach dem Aufenthalt im Studio gesehen. Die Rasse namens Ori wurde vorgestellt und hatte diesen gewissen Mythos an sich, den “Kolossus” sehr gut zu Gesicht steht. Wenn du dir mal das Video zu “Ascendant” ansiehst, gibt es Ähnlichkeiten zu der Szene, in der Thebon sich selbst gegenübersteht... einer steht im Licht, einer in den Flammen. Das war aber etwas, wovon der Regisseur keine Ahnung hatte. Purer Zufall. Beim letzten Feinschliff für das Album konnte ich irrsinnig viel Ideenkraft schöpfen, weil es sich als dieselbe Geschichte wie "Kolossus" herausgestellt hat, obwohl wir sie vor der Staffel, wo die Ori vorgestellt wurden, geschrieben haben.
Als ich in den letzten Zügen von “Reptilian” war und an einigen Texten arbeitete, sah ich mir “Star Trek Enterprise” an. Nicht die Next Generation, sondern die Enterprise, die ich jedem SciFi-Fan ans Herz legen will! Was geschah, war, dass die Rasse der “Reptilians” vorgestellt wurde und es in jeder Episode hieß, “Reptilians dies, Reptilians das”, was sich dann auch als große Inspiration für uns entpuppt hat, um weitere Texte, Details etc. für das Album zu verfassen.


Ich persönlich höre mir das epische Schlussstück am meisten an. Welche Geschichte hat dieser Song, hattet ihr irgendwelche größere Schwierigkeiten, ihn einzufangen? Was macht ihn deiner Meinung nach so besonders?

Ich war schon seit jeher ein Riesenfan von den epischen Stücken von IRON MAIDEN oder HELLOWEEN. Ich liebe Songs wie “Alexander The Great”, “Seventh Son Of A Seventh Son” und “Keeper Of The Seven Keys”. Ich habe bereits auf der Titelnummer von “Agnen” mit diesen enormen Längen experimentiert, jedoch war es einfacher als das, was meine Helden damals vollbracht haben. Das Titelstück für “Armada” ist insbesondere von “Alexander The Great” beeinflusst worden, halt eben im Stil des Extreme Metal geschrieben, was die ganze Zeit mein Ziel auch war – nicht die alten Idole erneut verwursten, sondern sich eher der Sorte epischen Metals bedienen und diesen dann mit Extreme Metal vermischen. Ich habe damit angefangen, den “Titelsong” für “Reptilian” [“Reptilian Majesty”] zu verfassen, lange bevor ich an “Kolossus" dachte. Ich denke, das war einer der ersten Songs, welchen ich nach “Armada” geschrieben habe, aber ich konnte es nicht vervollständigen, weswegen ich auch der Meinung war, dass er nicht auf “Kolossus” gepasst hätte, weil der “Kolossus”-Titelsong mehr in diesem Stil verfasst wurde. Also ließ ich es vorerst dabei, legte ihn unfertig zur Seite. Dann setzte ich die Arbeit daran fort und stellte ihn so fertig, wie ich es mir vorgestellt habe. Mit dem Studio in der Nähe sowie einige Keyboards etc. konnte ich endlich die Richtungsweise für das gesamte Album finden, welche mir schon lange vorschwebte. Es ist definitiv bislang der Song, an dem ich die längste Zeit über gesessen bin und ich mag ihn sehr. Dürfte vielleicht mein absolutes Lieblingsstück von KEEP OF KALESSIN sein, zusammen mit dem Titeltrack zu “Armada”.


Diese neue Platte ist die mittlerweile dritte, welche ihr in derselben Besetzung eingespielt habt. Was sind die Umstände für diesen „Zufall“ dieses stabilen Line-Ups deiner Meinung nach, warum arbeitet ihr so gut zusammen? Was braucht es im Allgemeinen, ein Mitglied dieser Band zu sein, wie kam diese Band überhaupt zustande? Was denkst du von Gruppen, die laufend ihr Personal ändern? Und wenn du willst, kannst du uns den Charakter jedes einzelnen Mitglieds von KEEP OF KALESSIN kurz beschreiben.

Es ist einfach kein Zufall, dass dieses Line-Up nach wie vor Bestand hat. Lange bevor wir an “Armada” gearbeitet haben, war das meine Intention. Ich habe jedem, der an diesem Prozess beteiligt war, gesagt, wir müssen uns nun wirklich konzentrieren und die Band als Hauptjob für mindestens die nächsten fünf Jahre ansehen. Wenn sie dem nicht zugestimmt hätten, wären sie erst gar nicht an Bord gekommen. Es ist sehr ermüdend, laufend neue Mitglieder rein zu holen, da es dem Kollektiv schadet. Nach der “Reclaim”-EP wollte ich wirklich eine standfeste Besetzung haben. Und ich fand es auch, das wirklich gut ist, weil jeder sich so leidenschaftlich dieser Aufgabe widmet und alles dafür opfern würde, um in dieser Band dabei zu sein! Darüber hinaus sind sie die besten Musiker, die Norwegen anzubieten hat, von daher sind wir “von dort unten” gesegnet worden, diese Gang zusammengestellt zu haben.
Thebon ist der am abwechslungsreichsten arbeitende Vokalist, den das Extreme-Metal-Genre je gesehen hat und ich arbeite mit ihm sehr gut zusammen, was das Ausarbeiten der vielen verschiedenen Gesangsstile betrifft, welche wir auf unseren Arbeiten vertreten haben. Er ist zudem ein sehr talentierter Songwriter und wir werden in Zukunft mehr von seinen anderen Projekten zu Gehör bekommen. Wizziac ist ein hart arbeitender, begabter Bassist. Er ist derjenige, der nie wirklich ausrastet, sondern über eine ausgeglichene Seele verfügt. Er ist immer da, wenn ich Hilfe entweder beim Aufnehmen, Management oder dem Holen von Equipment brauche. Vyl ist vielleicht der beste und momentan unterbewertetste Drummer der norwegischen Szene. Keiner, mit dem ich bislang gespielt oder eine Tour bestritten habe, hat auch nur annähernd die selben Skills gehabt wie er. Er kann das meiste groovige Zeug genauso spielen wie fast schon jazzige Patterns, um sie dann mit den schnellsten Blastbeats oder Doublebass-Attacken zu verfeinern. Zwar können einem viele Schlagzeuger die Rübe von Körper wegblasten, aber sie können zum Beispiel nicht AC/DC spielen, was meines Erachtens nach für einen Drummer von außerordentlicher Wichtigkeit ist.


Wie haben sich die Individuen in KEEP OF KALESSIN während der Entstehung von "Reptilian“ sowohl musikalisch als auch bezüglich der Band-Chemie entwickelt? Auf welchen Stücken spürt man besonders, welche Magie dieses Line-Up versprüht und du daher zum Reinhören empfehlen würdest?

Wow, es gibt viele, viele Momente auf dem Album, wo ich dich bitten würde, genauer hinzuhören, weil sie voller Details stecken. Dieses Mal haben wir uns eben nicht “Weniger ist mehr”, sonder “Mehr ist mehr” gedacht. Hehe.
Achte besonders auf den Bass hier. Er wird wesentlicher vielschichtiger als auf dem üblichen Metal-Album eingesetzt, wo er nur den Gitarren-Riffs folgt. Die Basslinien sind wirklich cool und enorm komplex.
Das Drumming auf “The Dragontower” ist weit mehr, als du dir vielleicht beim ersten Hinhören denkst. Höre dir mal den Refrain an. Die Snare blastet durch den gesamten Chorus durch. Der Beat, den unser Schlagzeuger spielt, ist sehr technisch sowie schwer zum Spielen, ist dabei aber auch noch groovig. Disco mit Snareblasts, alles gespielt durch einen einzigen Menschen. Thebon wütet einfach herum. Ich habe gehört, dass Leute meinen, sein Gesang auf “"Kolossus"” wäre schlecht, aber ehrlich mal, diese Leute sollten ihre Ohren untersuchen lassen, weil man hat noch nie jemanden so singen hören! Sowohl melodisch als auch extrem ist sein Gesang. Und seine Death-Vocals gehören zu den Extremsten, wenn er will. Dann auf einmal füllen seine Kreischgesänge den gesamten Raum! Check einmal seine Grunz-Vocals bei “Dark As Moonless Night”, besonders dort, wo er “Wake up! And turn the cross” singt.


Euer Label beschreibt euren Stil als "Extreme Metal". Für mich klang „Extreme Metal“ schon immer wie ein schwer verdaulicher Kompromiss zwischen Black und Death Metal, welcher sich die meiste Zeit über hochkomplexe musikalische Brutalität definiert, die jeden Geist vermissen lässt. Würdest du diese Beschreibung als passend empfinden und wenn nicht, welches Sub-Genre käme eurem Stil denn gleich? Auf welchem Fundament baut dieses Genre, gibt es irgendwelche anderen Bands da draußen, welche ihr mit in dieses Genre einbeziehen würdet?

Am einfachsten wäre es, zu sagen, wir spielen Metal. Mich kümmert es nicht, welches Genre ich nun beackere, ich will mir da nicht selbst Grenzen aufsehen. Aber dann muss man ja umso mehr beschreiben, wonach man denn nun klingt. Wir nennen unsere Musik daher Epic Extreme Metal. Extreme Metal vereint Black, Death, sowie Thrash Metal – klingt nach uns. Allerdings sind wir andererseits auch auf Melodien sowie epische Stücke ausgerichtet, sodass wir das Wort “Epic” hinzugefügt haben, um eben genau diesen Faktor in unserem Schaffen hervor zu heben, sodass wir nicht nur als Extreme Metal gelten. Und zu sagen, wir würden “Epic Metal” spielen, würde bedeuten, in eine Liga mit NIGHTWISH oder EPICA zu geraten, also bestehen wir auch auf “Extreme Metal”. Wir spielen epischen, melodischen Metal in einem extremen Death/Thrash/Black-Gewand, Epic Extreme Metal also.


Da ihr ja in Trondheim euer eigenes Studio betreibt, wäre es interessant, zu erfahren, wo ihr dieser Tage einen Unterschied im Gegensatz zu den frühen Jahren, wo ihr noch auf fixe Studio-Zeiten in anderen Gemäuern angewiesen wart, ausmachen könnt. Ist euer Studio theoretisch auch für andere Bands zugänglich, habt ihr schon mit anderen Künstlern zusammen gearbeitet? Gib uns einen kleinen Einblick in eure Aufnahmeräume, besonders hinsichtlich des Equipments und der Besonderheiten verglichen mit den dir bekannten anderen Studios.

Nun, die Besonderheit dürfte wohl sein, sich im Studio nicht stressen zu lassen. Hehe. Wir denken, es braucht eine entspannte Stimmung, um den Musikern zur Höchstleistung zu pushen. Natürlich gibt es Phasen, an denen du dich wirklich selbst fordern musst, aber ich glaube, wir haben einen guten Mittelweg gefunden.
Es ist großartig, über ein eigenes Studio zu verfügen, weil es hilft, Musik schreiben zu können, wann immer auch inspiriert sind. Ich habe sogar schon Stücke für das nächste KEEP OF KALESSIN-Album geschrieben, was ich sogar vor den Aufnahmen zu “Reptilian” gemacht habe. Alles läuft jetzt wesentlich effizienter.
Nach “Reptilian” habe ich zudem die beiden neuen Platten von BLOODTHORN sowie CHTON aufgenommen. Sie gehören zu den besten norwegischen Death-Metal-Kapellen und ihre Alben werden im Laufe diesen Jahres erscheinen. Des Weiteren arbeitete ich mit meinem Bruder an seinem Projekt namens MERAH. Er war derjenige, der den Song “Ix” von der “Reclaim”-EP mit mir zusammen geschrieben hat. Er ist ein sehr talentierter Musiker und ich produziere seine Scheibe. Das wird etwas sehr Einzigartiges sein, dass so verdammt großartig klingen wird, dass du es nicht glauben wirst, wenn du es erstmal hörst! Da hoffe ich auf eine Veröffentlichung im Herbst, aber ich bin zur Zeit sehr beschäftigt, also warten wir mal ab.


Was KEEP OF KALESSIN als Band betrifft: Welche Unterschiede zwischen den neunzigern, Nullerjahren und heute würdest du in musikalischer, lyrischer und „ideologischer“ Hinsicht nennen wollen? Wenn du willst, kannst du auch die Black-Metal-Bewegung und ihrer Entwicklung als solches analysieren. Und wie sehr hat es euch über die Jahre hinweg geholfen, im verbreiten sowie Verkaufen eurer Musik stets als „norwegische“ Band verkauft zu werden? Oder anders ausgedrückt: Wie sehr hat KEEP OF KALESSIN der „norwegische“ Faktor geholfen, dort zu landen, wo ihr jetzt seid?

Weil KEEP OF KALESSIN nie Teil irgendeiner Bewegung wie dem norwegischen Black Metal oder dem später aufgetauchten Pagan Metal war, denke ich nicht, dass uns der Norwegen-Faktor in der Vergangenheit allzu sehr geholfen hat. Wir haben härter als die meisten anderen norwegischen Bands gekämpft, aber haben immer noch nicht den Grad an Aufmerksamkeit und Respekt erfahren dürfen, den ebenjene Truppen heute genießen. Wir sind sogar die Band, welche den Neunziger-Black-Metal am ehesten noch am Leben hält. Wir sind dem atmosphärischen Schwarzmetall dieser Zeit näher dran als alle anderen Bands heutzutage. Jeder spielt diesen langweiligen Black 'n Roll [außer so Juwelen wie LJAA, DØDSENGEL oder SARATH – Anm.], der in meinen Ohren momentan die schlimmste Musik da draußen ist. Keine Atmosphäre, keine instrumentalen Fähigkeiten und nicht ein richtiger Groove, wenn man mal den richtigen Rock 'n Roll hernimmt. Wir haben unsere Fans durch harte Arbeit sowie dem Erschaffen von Musik gewonnen, welche weit über den norwegischen Standard hinaus gehen. Ich hoffe, die Leute werden endlich anerkennen, dass KEEP OF KALESSIN eine Weltklasse- und nicht nur eine norwegische Band sind.


Habt ihr schon die kommende Tour für "Reptilian" ausgelegt? Was können sich die Fans erwarten?

Wir haben einen Song namens “Judgement” aus dem Album “Reptilian” gespielt und die Leute haben ihn sehr gut aufgenommen. Wir freuen uns schon sehr darauf, alle weiteren Stücke davon auf die Bühne zu bringen. Wir sehen bereits, wie dieses Material unsere Shows qualitativ extrem verbessern wird.


Alsdann, danke für deine Worte und alles Gute für die Zukunft.

Danke für das Interview. Wir hoffen, die Leser geben “Reptilian” jene faire Chance, die es verdient hat. Es ist eine Platte voller Details, die Fans von IRON MAIDEN bis hin zu NILE ansprechen wird.

Micha

Autor: Michael Bambas [Micha] | 01.05.2010 | 16:34 Uhr

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