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Interviewpartner: Omar Grech

Mit „Never To Dawn“ haben sich die maltesischen Deather BEHEADED nach gut siebenjähriger Pause seit dem Vorgänger „Ominous Bloodline“ kürzlich beeindruckend zurückgemeldet. Gitarrist Omar Grech stand Metalnews.de im Interview ausführlich Rede und Antwort zur neuen Veröffentlichung von BEHEADED.




Hallo Omar! Wie sehen die Rückmeldungen zu „Never To Dawn“ bislang aus, zumal Ihr ein paar der Songs ja schon eine Weile live spielt und auch zwei Songs vorab auf YouTube vorgestellt habt?

Hallo Ihr Leser von Metalnews.de! Zuerst einmal vielen Dank für Eure Zeit und dass Ihr uns dabei haben wollt – wir wissen das sehr zu schätzen. Nun ja, das Feedback sieht bislang sehr positiv aus. Wie Du schon erwähntest, hatten wir bereits zwei der Lieder, jeweils mit einigen Wochen Abstand, präsentiert. Zuerst war das „Elapsed In The Vortex Of Extinction“ über den YouTube-Kanal unseres niederländischen Kumpels The Infidel. Das wurde sehr gut aufgenommen; und danach folgte ein weiteres Stück namens „Where Hours Etch Their Name“. Die Rückmeldungen waren wiederum sehr positiv. Insgesamt sind wir sehr zufrieden damit, wie das Album bislang in der Extrem-Metal-Szene ankommt. Wir haben viel Herzblut investiert, und wenn man sieht, dass die Fans dieser extremen Kunstform dies mögen und schätzen, dann zeigt uns dies, dass sich der Aufwand vollkommen gelohnt hat.


Wieso hat es eigentlich gut und gerne sieben Jahre gedauert, um den Nachfolger von „Ominous Bloodline“ fertigzustellen? Was ist zwischenzeitlich geschehen? Zum Beispiel ist Frank als „neuer“ Sänger deutlich weniger guttural unterwegs. Was meinst Du?

Leider hatten wir nach der Veröffentlichung von „Ominous Bloodline“ einige Untiefen zu umschiffen. Einige der Bandmitglieder hatten in persönlicher Hinsicht harte Zeiten zu überstehen, was wiederum die Band von der Weiterentwicklung abhielt und sich generell auch ziemlich in der Motivation niederschlug. Diese Situation führte dazu, dass ich anderweitig nach Möglichkeiten suchte, um wieder Musik zu erleben und zu erschaffen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich dann sogar bei einer ziemlich angesagten extremen Band namens SLIT mitgespielt. Dort habe ich dann auch Frank kennen gelernt. Wir waren besonders in Großbritannien ziemlich viel unterwegs und waren auch regelmäßig im restlichen Europa auf Achse, z.B. auf Festivals wie dem Hellfest etc. Nach etwa drei Jahren oder so gab es dann wieder ein gegenseitiges Annähern zwischen dem Rest von BEHEADED und mir. Wir haben ein paar Mal geprobt und eigentlich sofort mit den Arbeiten am neuen Album begonnen. Damals benötigten wir allerdings einen Sänger, sodass ich Frank vorschlug, da ich wusste, dass er auf vielerlei Ebenen sehr viel in einer Band wie BEHEADED leisten könnte. Er kam dann dazu und hat genau diese Leistung gezeigt. Gleichzeitig sprach ich auch Robert an, ob er an der zweiten Gitarre dazukommen möchte. Er wurde schon immer als ein wichtiger Bestandteil der lokalen Szene angesehen. Heutzutage ist er allerdings aufgrund anderer Verpflichtungen kaum noch auf Malta; damals hatte er aber vor, etwa ein Jahr auf Malta zu verbringen. Er sagte also sofort zu – und ich war sehr froh darüber, ihn mit an Bord zu haben. Er hat sich bei einigen Soli eingebracht und auch größtenteils den Song „Perished In Existence“ beigesteuert.
Die Herangehensweise bei diesem Album war ziemlich natürlich. Als Hauptsongwriter wollte ich einfach das spielen, was mir sowieso liegt, und mich nicht verbiegen. Ich wollte einfach eine gute Zeit während des kreativen Prozesses haben und die Songs entsprechend schreiben. Für mich stellt Musik ein Mittel dar, meine Gefühle und meine Kreativität auszudrücken, und das war während des gesamten Songwritingprozesses genau der Fall. Ich bin auch der Auffassung, dass der Gesang von Frank sehr gut zum Album passt. Einige Leute, die eher auf reine Slam-/Guttural-Vocals bei Death-Metal-Bands stehen, waren da etwas anderer Auffassung – aber bei Kunst ist das einfach immer der Fall. Man kann es einfach nicht jedem recht machen.




„Never To Dawn“ wurde als Konzeptalbum, das sich mit dem Element Wasser befasst, angekündigt. Wie seid Ihr auf diese Idee gekommen und gibt es einen direkten Zusammenhang mit der Tatsache, dass Ihr aus Malta kommt? Hätte es dieses Konzept somit geben können, wenn Ihr nicht von einer Insel stammen würdet?

Ich sehe „Never To Dawn“ als ein sehr ehrliches Stück Arbeit an. Wir erschaffen und spielen nun seit 20 Jahren extreme Musik. Während all dieser Jahre haben wir so eine Art Bauchgefühl für diese Art von Musik entwickelt. Wir wissen sofort, was zu uns passt und was nicht. Wie gesagt, als derjenige, der am meisten Musik beisteuert, wollte ich einfach die Zeit des Komponierens genießen. Der kreative Prozess selbst war keineswegs gehetzt, und sämtliche Ideen wurden so lange geprobt und getestet, bis wir alle ein breites Grinsen im Gesicht hatten. Rückblickend nehme ich „Never To Dawn“ als ein dynamischeres Album verglichen mit „Ominous Bloodline“, „Recounts Of Disembodiment“ und „Resurgence Of Oblivion“ wahr. In manchen Bereichen gibt es außerdem eine Verbindung mit unserem Debüt „Perpetual Mockery“.
Ja, wir wollten auf jeden Fall den Inhalt des Albums mit unserer Herkunft als Malteser verbinden. Da Malta eine Insel ist und wir ringsherum vom Meer umgeben sind, wissen wir sehr gut, wie zerstörerisch diese enormen Wassermassen sein können. Wir entschieden uns dafür, das Element Wasser über das gesamte Album hinweg beizubehalten – und dies lässt sich auch im Artwork wiederfinden. Dieses enthält übrigens einige Details von neolithischen maltesischen Tempeln, wenn man ganz genau hinschaut. Daraufhin schrieben wir auch „Towards An Abducted Sun“ als musikalische Interpretation des Albumcovers. Wir fühlten uns mit diesem Konzept als Basis für den Schaffensprozess von „Never To Dawn“ vollkommen wohl. Und um noch abschließend Deine Frage zu beantworten, ob wir das gleiche Konzept genutzt hätten, wenn wir nicht auf einer Insel leben würden, so lautet die Antwort definitiv nein.


Kannst Du uns noch etwas mehr zum Artwork erzählen?

Das Artwork ist sowohl mit den Texten als auch mit der Musik verbunden. Wir hatten diese Vorstellung von einer Insel, die von der Natur und von übermenschlichen Wesen belagert wird. Wir hatten ursprünglich den Künstler kontaktiert, der vor über 20 Jahren schon das Cover für unser erstes Demo sowie das Bandlogo entworfen hatte. Aufgrund unvorhersehbarer Umstände mussten wir diese Idee jedoch wieder verwerfen, sodass wir uns für einen anderen Künstler entschieden. Letztlich zeichnete nun Yang Guang aus China hierfür verantwortlich. Dabei standen wir in engem Kontakt und haben unsere eigenen Überlegungen während der Entstehungsphase einfließen lassen. Wir sind der Ansicht, dass er es geschafft hat, unsere Vorstellungen sowie die verschiedenen musikalischen und textlichen Einflüsse auf „Never To Dawn“ umzusetzen.


So weit ich weiß, ist dies der zweite Mix des Albums? Warum wart Ihr mit der ersten Fassung unzufrieden? Wie habt Ihr die Aufnahmen erlebt?

Das ist völlig richtig. Ursprünglich wurde das Album auf Malta in dem Studio aufgenommen, das wir bislang für alle unsere Veröffentlichungen genutzt haben. Wir nehmen in den Temple Studios auf, da es ein großartiger Laden in unmittelbarer Nähe ist. Die Umgebung des Studios ist schlichtweg umwerfend, und wir hatten immer gute Erinnerungen an unsere bisherigen Aufnahmen dort. Der Besitzer und Produzent ist zudem ein alter Freund der Band, auch wenn er eigentlich gar nichts mit der extremen Metal-Szene am Hut hat. Nachdem wir mit den Aufnahmen und dem Mixen fertig waren, haben wir uns eine Pause gegönnt und nach einiger Zeit das Material frisch und unverbraucht angehört. Bei einigen Sachen waren wir rückblickend nicht ganz zufrieden, sodass wir uns für einen neuen Mix entschieden. Die Frage lautete dann: „Aber wo?“ Um das Ganze abzukürzen: Frank kontaktierte Stefano Morabito in Rom, der sich für das Album interessierte und es mixen wollte. Frank äußerte zudem seine Überlegung, seine Gesangsparts noch einmal in Italien aufzunehmen, da er der Meinung war, dort seine Leistung noch verbessern zu können. Also war die Marschrichtung klar, und Frank saß innerhalb von ein paar Wochen in einem Flugzeug nach Rom, nahm dort seinen Gesang erneut auf und stand Stefano beim Mixen und Mastern zur Seite. Wir standen während dieser ganzen Zeit in sehr engem Kontakt und stellten sicher, dass das Album genau so klang, wie wir das wollten. Wenn ich zurückblicke, bin ich fest davon überzeugt, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Das war schon eine harte Nuss, aber die zusätzliche Arbeit hat sich auf alle Fälle gelohnt.




Du erwähntest vorhin schon kurz das Stück „Towards An Abducted Sun“, das fast komplett instrumental gehalten ist, abgesehen von den Worten „xemx misruqa, dlam ta' dejjem, tmiem“, was – wenn mich Google Translate nicht völlig im Stich lässt – Maltesisch ist und etwas wie „gestohlene Sonne, Dunkelheit für immer“ lautet. Oder?

Mit „Towards An Abducted Sun“ wollten wir das Artwork vertonen. Es ist ein kurzes Instrumentalstück, das wir erschufen und dann mit auf das Album nehmen wollten, da es sich von den anderen Songs unterschied und für Abwechslung sorgte, aber dennoch für die musikalische Ausrichtung des gesamten Albums steht. „Xemx Misruqa, dlam ta' dejjem, tmiem“ bedeutet wörtlich: „Gestohlene Sonne, ewige Dunkelheit, Ende“. Die Bedeutung dessen spiegelt der Albumtitel „Never To Dawn“ wider, was eine ziemlich eindrucksvolle Äußerung ist, dass etwas davon abgehalten wird, das Tageslicht zu erblicken – oder auch eine Idee, deren Entfaltung bewusst verhindert wird. Auf eine gewisse Weise steht es für das, womit wir uns als Band während der Jahre unseres Bestehens auseinandersetzen mussten. Aus Malta zu stammen, hat es uns nie wirklich leicht gemacht – die Kultur hier war, vor allem noch vor 20 Jahren, ein großes Hindernis. Wir wurden als so etwas wie Fremdkörper betrachtet, als wir Anfang der Neunzigerjahre mit unserem aggressiven Death Metal auftauchten. Was wir erreicht haben, basiert einzig auf unserer eigenen Überzeugung und unserer Willenskraft, unsere Kunst so entwickeln zu sehen, wie wir uns das gedacht hatten. Ich habe das Gefühl, dass auf dem Album ein gewisser Anteil von persönlicher Rache aufgrund all dieser Hindernisse, mit denen wir uns herumschlagen mussten, enthalten ist.


Wie sieht es mit den Songs „Lament Of A Sordid God“, „The Ancient Acumen“ und „Where Hours Etch Their Name“ aus? Und wie verläuft das Songwriting bei BEHEADED, zumal Ihr ja z.B. auch siebensaitige Gitarren verwendet?

„Lament Of A Sordid God“ war eines des letzten Stücke, das wir für das Album geschrieben haben. Es ist ein sehr intensiver Song – besonders vom Anfang bis ungefähr zur Mitte. Danach kommt diese Passage mit klassischem Old-School-Death, den wir sehr mögen. Es erinnert mich selbst an die frühen DEATH, vor allem die „Leprosy“-Scheibe. Da das Bindeglied wie gesagt das Element Wasser darstellt, basiert dieser Song lose auf dem mythologischen Gott der Unterwelt, Charon, der als Fährmann die kürzlich verstorbenen Seelen von den Lebenden in das Reich der Toten überführt. Obwohl er ein Gott ist, ist er an die Unterwelt, an das Wasser und an die Dunkelheit gebunden, was wiederum an das Albumkonzept anknüpft. Er selbst, seine Existenz und seine Klage werden hier symbolisch genutzt, um zu beschreiben, wie selbst die Mächtigsten der Dunkelheit unterlegen sind.
„The Ancient Acumen“ ist das zweite Stück, das wir für die Scheibe geschrieben haben. Es hat viele unterschiedliche Passagen und dunkle Melodien. Obwohl es sieben Minuten lang ist, schafft es das Stück meiner Meinung nach, das Interesse des Hörers aufrecht zu erhalten. Ich fand auch, dass der letzte Abschnitt einen guten Abschluss des Albums darstellt, sodass wir uns dazu entschlossen, dieses Lied ganz an den Schluss zu stellen. Textlich dreht sich „The Ancient Acumen“ darum, dass auch heutzutage immer noch viele Glaubensrichtungen auf Texten und Büchern basieren, die Hunderte von Jahren alt sind und – egal wie unterschiedlich, gültig oder auch gegenstandslos sie sein mögen – allesamt Prophezeiungen über Tod, Zerstörung, das Ende der Welt und die Apokalypse enthalten. „Das Ende“ ist etwas, womit sich die Menschheit fortwährend selbst betrügt und es hinauszuzögern und zu vermeiden versucht, aber es ist einfach unausweichlich. Die letzten Zeilen des Songs lauten: „Death was inscribed by the ancient acumen“, da jegliches alte Wissen uns vermittelt, dass der Tod das ist, wozu wir bestimmt sind.
„Where Hours Etch Their Name“ ist meiner Auffassung nach der Song, der das gesamte Album am besten bezüglich Musikalität und Herangehensweise auf den Punkt bringt. Es gibt schnelle Passagen, interessante Übergänge, und es wird langsamer und heftiger zum Ende hin. Das ist das einzige Stück auf dem Album, zu dem ich auch die Texte beigetragen habe. Es handelt sich um ein sehr surreales textliches Konzept, in dem Ideen und Wörter, die man zu einem gewissen Zeitpunkt äußern möchte, letzten Endes niemals geäußert werden. Wir haben hier also diese Metapher des stundenlangen Eingravierens von Wörtern in Stein, der dann jedoch vergraben und der Stille überlassen wird.
Das Songwriting fußt auf keiner Formel oder etwas Ähnlichem. Wie auch immer, normalerweise stammen die Riffs von mir, und ich habe auch eine ungefähre Vorstellung, welcher Part auf welchen folgen sollte und so weiter. Ich habe den Eindruck, dass das Material, mit dem ich am zufriedensten bin, meistens Riffs sind, die aufgrund von Gemälden meiner Lieblingsmaler inspiriert worden sind, z.B. Hieronymus Bosch, Hans Memling, Pieter Bruegel der Ältere etc. Manchmal entstehen neue Ideen aber auch einfach daraus, die Gitarre in die Hand zu nehmen und der Kreativität ihren Lauf zu lassen. Die Songs werden immer und immer wieder im Proberaum gespielt, um die besten Schlagzeug- und Gesangsparts sowie Übergänge zu finden. Wir haben uns dann seit der letzten Veröffentlichung, „Ominous Bloodline“, für die siebensaitigen Gitarren entschieden, da wir das Gefühl haben, dass sie uns genügend Klangfarbe geben, um die Musik zu erschaffen, die uns vorschwebt.




Wie sehen Eure Tourpläne in näherer Zukunft aus? Seid Ihr nicht erst kürzlich bei Doomstar Bookings eingestiegen? Oder vielleicht wieder einmal das Neurotic Deathfest, wo Ihr schon mehrfach am Start wart?

Ja, das ist richtig. Wir sind nun bei Doomstar und freuen uns sehr darüber, weil wir wissen, dass sie sehr leidenschaftlich und sehr gut sind. Momentan bereiten wir eine Europatour für Anfang März 2013 vor. Wir werden zusammen mit PYREXIA sowie zwei weiteren Bands, d.h. UNFATHOMABLE RUINATION und SCORDATURA [beide aus Großbritannien], unterwegs sein. PYREXIA waren schon immer eine Band, zu der wir aufgeblickt haben und die wir als treibende Kraft der US-Death-Metal-Szene, vor allem in New York, wahrgenommen haben. Wir haben außerdem noch Pläne, im Spätsommer 2013 in Australien, Thailand und Indonesien auf Tour zu gehen.
Außerdem hoffen wir natürlich auf einige großartige Festivals. Es wäre natürlich klasse, wieder das Neurotic zu spielen. Das ist meiner Meinung nach einfach das beste Indoor-Death-Metal-Festival in Europa, sodass es immer eine Freude sowie eine Ehre ist, dort aufzutreten. Wir sind bereit, so viel wie möglich für die neue Veröffentlichung zu touren.


Welche aktuellen Bands faszinieren Dich – sowohl die alten Hasen als auch die Newcomer? Welche könntest Du unseren Lesern empfehlen, und wo besteht Deiner Ansicht nach das Limit für extremen Death Metal?

Um ganz ehrlich zu sein, so mag ich einen Großteil der neuen Death-Metal-Sachen nicht besonders. Der Hauptgrund besteht darin, dass viele Musiker heutzutage Musik ganz anders wahrnehmen, als das noch der Fall war, als ich damit angefangen habe. Den richtigen Bund zum richtigen Zeitpunkt und dann in einem total abgefahrenen Timing zu greifen, stellt für mich nicht unbedingt schon allein gut gemachte Kunst dar. Viele Leute mögen diesbezüglich nicht der gleichen Meinung wie ich sein. Ich finde aber, dass Musik so viel mehr als nur das ist. Es sollte Gefühl enthalten sein, es sollte das Selbst des Spielenden projizieren – auch wenn es brutaler Death Metal ist. Kunst sollte keine oberflächliche Hülle sein, die aus einem Haufen von Noten besteht, die zusammengezurrt und dann durch den PC gejagt werden. Ganz ehrlich: Wenn ich erst hier und jetzt mit der Death-Metal-Szene in Kontakt gekommen wäre, wie sie jetzt besteht, dann würde ich sie vermutlich nicht besonders mögen. Daher höre ich mir auch eher Sachen aus den frühen Neunzigern und die ganzen Klassiker wie „Dreams Of The Carrion Kind“, „Human“, „Clandestine“ und so weiter an. Ich mag auch Grindcore-Truppen wie TERRORIZER, LOCK UP und NAPALM DEATH.


Was hat Dich eigentlich die letzten 20 Jahre lang dazu angehalten, weiter Musik zu machen und in der Band zu sein? Wie hat sich die Szene verändert, wenn man sich Deine kritische Äußerung von gerade eben betrachtet?

Ich denke mal, dass es die Begeisterung für diese Art von Musik ist, und wir haben auch einen ziemlich ausgeprägten Sinn für Humor. Also halten wir ziemlich zusammen, auch wenn wir recht unterschiedliche Charaktere sind. Die Death-Metal-Szene selbst hat sich während all der Jahre beträchtlich verändert. Als das alles Ende der Achtziger bzw. Anfang der Neunziger anfing, konnte man sofort sagen, ob eine Band nun aus Schweden, New York oder Florida stammte. Die bestimmten Gebiete, Städte und Länder hatten einen ganz bestimmten Klang und der Stil spiegelte dann wider, woher die Band genau kam. Heutzutage ist das fast gänzlich verschwunden. Ich tippe mal, dass das Internet damals der Hauptgrund hierfür war, da der Informationsaustausch sowie die Kommunikation um einiges erleichtert wurde. Somit wurden Musiker durch den Sound der anderen Bands zunehmend beeinflusst, sodass sich diese klaren Grenzen, die die einzelnen Szenen voneinander trennten, immer mehr auflösten. Damals erfolgte der Austausch von Musik auch primär über das Tape Trading. Die Leute haben normalerweise handgeschriebene Listen mit ihrer Tape-Sammlung versandt und dafür dann die Listen von anderen erhalten. Die Tapes wurden kopiert und erneut kopiert, aber irgendwie war das damals alles total populär. Es gab außerdem jede Menge an Fanzines in der Szene. Manche Leute haben sich organisiert und dann ein Magazin gedruckt, während die Bands ihr Material zur Rezension eingeschickt haben, um ihre Musik bekannter zu machen. Die Bands haben dann Flyer gedruckt und in die Umschläge der Rundschreiben gelegt. Es gab also über den normalen Postweg jede Menge Aktivitäten. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie Dave [unser Bassist] und ich mit einem ganzen Stapel Umschläge zum Postamt gegangen sind, um unser „Souldead“-Demo-Tape an Magazine und andere Bands zu versenden. Heutzutage ist das ganz anders. Das Internet hat alles verändert. Die Kommunikation erfolgt ohne Verzögerung und kostet nichts. Die Tapes wurden vom digitalen Sound eingeholt. Interessanterweise hat es in den letzten Jahren eine Rückbesinnung auf das Vinyl gegeben, was ich als sehr positive ansehe, da Vinyl einfach ein viel besseres Hörerlebnis als eine CD bietet.




Zudem habt Ihr das Malta Death Fest mit auf die Beine gestellt. Wie ist das bislang verlaufen und wie sieht die Zukunft des Festivals aus? Und was sollte man als Metal-Fan auf Malta auf keinen Fall verpassen?

Das Death Fest war eine Idee, die wir hatten, um die lokale Death-Metal-Szene enger miteinander zu verschweißen. Die Hauptorganisatoren waren Frank und David. Ich habe in manchen Bereichen ausgeholfen, und auch Chris, unser Schlagzeuger, hat mit angepackt. Es ging also primär darum, als gesamte Band etwas an die Szene zurückzugeben. Ed The Infidel aus Amsterdam war in beiden Fällen der Moderator, und wir haben neben den Auftritten zusätzliches Programm auf die Beine gestellt. Es sollte auch einfach Spaß machen, und beide Ausgaben verliefen ziemlich gut. Wir möchten das Festival auf alle Fälle weiterführen. Nächstes Jahr werden wir viel auf Tour sein, sodass wir hoffen, trotzdem genügend Zeit für die Organisation der Veranstaltung zu finden. Die besten Orte sind übrigens der V-Gen Club und die Coconut Grove Bar, die beide in Paceville zu finden sind. Malta hat einfach jede Menge Sehenswürdigkeiten zu bieten, sodass Touristen wirklich die Qual der Wahl haben – vor allem, was Historisches betrifft.


Bonusfrage: Wenn man die Musik von BEHEADED verfilmen würde, welcher Streifen oder welches Genre wäre das wohl?

Ich denke mal, dass das ein surrealer Film wäre. Wir haben uns nie mit Gore oder solchen Sachen befasst, sodass dieses Genre überhaupt nicht zu uns passen würde. Vielleicht also ein surrealer Streifen, die kraftvolle See, ein wenig maltesische Landschaft und vermutlich eine düstere Science-Fiction-Wendung – das würde wohl gut passen.


Dann danke ich Dir vielmals für das ausführliche Interview und alles Gute mit „Never To Dawn“!

Vielen Dank für das coole Interview und die interessanten Fragen. Hoffentlich sehen wir jede Menge deutsche Death-Metal-Fans auf der anstehenden Tour mit PYREXIA im März. Schaut doch einfach immer mal wieder auf unserer Facebook-Seite für die Infos rein. Besten Dank nochmals.

soulsatzero

Autor: Alexander Eitner [soulsatzero] | 08.12.2012 | 11:06 Uhr

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