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Interviewpartner: Paolo Rossi

FLESHGOD APOCALYPSE haben dieser Tage Ihre zweite Full-Length, „Agony“, veröffentlicht und damit bewiesen, dass sie derzeit zur Speerspitze des symphonischen Death Metals gehören. Das Album strotzt vor brutaler Wucht und glänzt mit durchdachten Streicherarrangements. Grund genug, ein paar Worte mit Basser Paolo Rossi, der nebenher auch für die cleanen Gesangsparts bei FLESHGOD APOCALYPSE zuständig ist, zu wechseln. Und der italienische Tieftöner erweist sich nur nicht als redselig, sondern auch als absolut sympathisch!





Hallo Rom! Glückwunsch zu Eurem neuen Album „Agony“, es ist wirklich ein heftiges Biest geworden! Bevor wir zu einzelnen Details kommen: Wie würdest Du „Agony“ mit Deinen eigenen Worten beschreiben? Welches sind die größten Veränderungen zu den Vorgängern und wie würdest Du FLESHGOD APOCALYPSE in drei Worten beschreiben?

Hallo! Vielen Dank, ich weiß die Anerkennung wirklich zu schätzen! Wir alle sind der Meinung, dass „Agony“ eine natürliche Weiterentwicklung ist. Wir wollten alle so ein Album machen, seit wir mit der Band angefangen haben, und jetzt hatten wir die Chance dazu, was vor allem Francesco, unserem Pianisten und Arrangeur, zu verdanken ist, der jetzt fester Bestandteil der Band ist. Auf unseren ersten Veröffentlichungen haben wir versucht, die klassischen Elemente vor allem durch Gitarrenmelodien einzubringen, jetzt konnten wir ein ganzes Orchester dafür nutzen. Wir haben versucht, die Gitarrenparts einfacher zu gestalten, damit sie ein einheitlicher Teil dieses Orchesters werden, und daher haben sie jetzt eher eine rhythmische und solidere Form, sodass die Melodien den klassischen Instrumenten vorbehalten sind. FLESHGOD in drei Worten? Schnell. Episch. Death Metal!


Das Erste, was ich dachte, als ich „Agony“ gehört habe war, dass die klassischen Arrangements weitaus mehr in den Vordergrund gerückt sind und dass es großartig klingt. Habt Ihr mit einem echten Orchester arbeiten können? Wer hat die Orchesterparts geschrieben und wir seid ihr bei den Aufnahmen zurecht gekommen?

Nein, leider können wir uns kein echtes Orchester leisten. Alle Instrumente wurden von unserem Pianisten programmiert. Er und unser Drummer haben die Arrangements geschrieben, sodass wir diese bei den Aufnahmen letztlich nur an die heftigen Anteile in unserer Musik anpassen mussten. Wir sind wirklich sehr zufrieden mit dem Ergebnis, aber in Zukunft würden wir gerne mal mit einem echten Orchester arbeiten!


Erzähl' und doch bitte mehr über das Konzept hinter „Agony“. Stimmt es, dass jeder Song für eine Sünde oder ein Verbrechen steht, mit der/dem jeder von uns in seinem Leben irgendwann zu tun hat? Und wie passt das Artwork dazu?

Du hast absolut Recht! Die Menschheit ist dazu verdammt, in Qual zu leben, weil wir es anscheinend nicht schaffen, uns von den Ketten unserer Natur zu lösen. Das ist auch der Grund, warum wir uns für das Cover entschieden haben. Der kämpfende Mann steht für die Menschheit, die Ketten sind unsere Sünden, die aus der Erde kommen als Symbol für die Natur, während der eintretende Sturm unser verfluchter Glaube an uns selbst ist.


Was war das Schwierigste bei den Aufnahmen zum Album? Eure Riffs sind unfassbar schnell, wie schafft ihr es, die Songs live genauso fett rüberzubringen? Und habt Ihr eine klassische Instrumentenausbildung?

Jedes Instrument ist recht recht schwierig einzuspielen, deswegen sind unsere Songs ziemlich straff arrangiert. Und jedes Instrument muss sich an das bereits erwähnte „Orchester“ anpassen, ohne dabei den klassischen Aspekt zu vergessen. Und live spielt unser Drummer mit einem Metronom, daher müssen wir den Kram so höllisch schnell spielen, haha! Und ja, ein paar von uns haben eine klassiche Ausbildung an ihren Instrumenten erhalten.


Ihr habt teilweise noch in anderen Bands gespielt und tut es zum Teil immer noch. Warum ist FLESHGOD die Band, die erfolgreich ist und die hervorsticht? Was hat diese Band, das die anderen nicht haben? Und mal ganz nebenbei, wie seid Ihr eigentlich auf den Bandnamen gekommen?

Bei FLESHGOD ist jeder zu einhundert Prozent auf die Band fokussiert! Das ist die absolute Voraussetzung! In den anderen Bands gab es immer jemanden, der nicht daran geglaubt hat, mit dieser Musik eine gewisse Art von Erfolg erreichen zu können, oder es schlichtweg nicht wollte, darum sind unsere anderen Bands in der Versenkung verschwunden. Der Bandname stammt von mir! Er steht für die Apokalypse des Gott des Fleisches, wobei der Gott in diesem Fall die Menschheit ist, der an sein sterbliches Fleisch gebunden ist und sich stetig auf dem Weg zu seiner Apokalypse befindet, korrumpiert durch falsche Glaubensbekenntnisse, Religionen oder religiösen Ansichten.




Eine kurze Frage noch zu eurer letzten EP „Mafia“: Die EP bezog sich thematisch auf die italienische Mafia an sich. Habt ihr deswegen Probleme bekommen, mit der echten Mafia?

Zum Glück hatten wir keine Probleme. Wir wollten mit „Mafia“ ausdrücken, wie ein Mensch mit Furcht und Verzweiflung umgeht, es bezieht sich also nicht auf konkrete Vorfälle oder so. Viele Fans und Kritiker haben nicht verstanden, warum wir den Oktopus als passendes Cover für die EP genutzt haben. Der Oktopus ist eine italienische Metapher für die Mafia. Er hat viele Tentakeln, ebenso wie die Mafia Ihre Hände in vielen Netzwerken und Geschehnissen hat... eben dergestalt, dass sie ihre Tentakeln ausbreitet.


Wie bereits auf der „Mafia“-EP, so habt Ihr auf dem neuen Album erneut Deine cleanen Vocals eingesetzt [die mich persönlich sehr an ICS VORTEX erinnern], nur in weit größerem Umfang. Wie kommt's, ist es einfach eine Bereicherung für den Bandsound an sich und wie sind die Reaktionen darauf bisher?

Danke für das Kompliment! Mein Gesang war auf „Mafia“ eher ein Experiment. Ich habe einfach eine Melodie gesungen, die an sich für die Gitarre gedacht war. Ich singe auf dem neuen Album eigentlich nur bei vier Refrains, so viel ist es also nicht. Ich denke, dass wir meinen Gesang in Zukunft weniger für Refrains einsetzen, sondern eher vereinzelt für besondere Teile in Songs. Natürlich ist uns bewusst, dass manche Fans diese Art von Gesang nicht mögen, aber ehrlich gesagt ist uns das ziemlich egal. Wir machen einfach, was wir machen wollen, so arbeiten wir letztlich.


Wie schreibt ihr neue Songs? Probt ihr zusammen, wer schreibt die Musik, wer die Texte und wer entscheidet letztlich, was in einen neuen Song kommt und was nicht? Und ist die Band Euer Leben oder müsst ihr nebenbei arbeiten?

Die Band ist unsere Arbeit! Wir müssen zwar alle in der Zeit abseits der Band immer mal wieder irgendwo arbeiten, aber so viel Zeit bleibt dafür gar nicht. In Italien ist es zudem gar nicht so einfach, mal eben zwischendurch einen Job zu bekommen. An sich proben wir jeden Tag, und wir nutzen viel Zeit, um herauszufinden, was gut für einen neuen Song ist und was man wie arrangieren kann. Meistens schreiben unser Drummer und unser Pianist die Musik und entscheiden was gut oder schlecht ist, wobei wir alle einen gewissen Anteil daran haben. Ich schreibe die Texte und wir arrangieren viel zusammen in unserem Proberaum oder im Studio.


Nenn' uns doch ein paar der Bands, die euch inspiriert haben und es immer noch tun. Und welche Bands sind aktuell für Euch erwähnenswert?

Also an sich vor allem die ganzen Klassiker wie MORBID ANGEL, CANNIBAL CORPSE, DEICIDE, IRON MAIDEN, METALLICA und eine Menge mehr. Die beste Band derzeit sind definitiv RAMMSTEIN! Sie haben Energie, sind spektakulär und Meister von Arrangements!


Vielen Dank, Paolo und hier kommt Deine Gelegenheit für ein paar berühmte letzte Worte:

„Thank you man, and be sure to check us out on our next European tour!! See you on the road my friends!“

trapjaw

Autor: Andy W. [trapjaw] | 31.08.2011 | 23:35 Uhr

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