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Band: Primal Fear Homepage Metalnews nach 'Primal Fear' durchsuchen Primal Fear
Interviewpartner: Ralf Scheepers

Seit ihrer Gründung formen die schwäbischen Metaller PRIMAL FEAR sowohl die einheimische als auch die internationale Metalszene maßgeblich mit – und das inzwischen seit immerhin 15 Jahren. Mit „Unbreakable“ erschien jüngst das neunte Album der Truppe, mit dem sich die Mannen stilistisch wieder mehr an ihre Anfangsphase anzunähern suchen. Wir setzten uns daher mit Frontmann Ralf Scheepers in Verbindung, damit er uns ausgiebig über das neue Album sowie die aktuellen Pläne seiner Mannschaft erzählen kann.






Seit dem letzten PRIMAL FEAR-Album sind etwa zweieinhalb Jahre vergangen – ein Zeitraum, in dem einiges passieren kann. Was hat sich seither bei Euch getan?

Wenn man bedenkt, dass wir in dieser Zeit auch eine Live-CD bzw. –DVD gemacht haben, liegt der letzte PRIMAL FEAR-Output eigentlich noch gar nicht so lange zurück. Überhaupt haben waren wir in dieser Zeit sehr stark auf dem Live-Sektor präsent und haben die Zeit damit wohl ganz gut überbrückt. Zwar haben die neuen Songs eine Zeit auf sich warten lassen, aber wenn man sich vor Augen führt, dass wir nach der Tournee insgesamt nur neun Monate an der neuen Platte gearbeitet haben, waren wir für unsere Verhältnisse sogar ziemlich schnell. Seit Veröffentlichung war ja auch noch einiges los, denn wir sind mit dem neuen Album sehr gut eingestiegen, was uns natürlich riesig freut [lacht]. In der letzten Woche ist wirklich einiges passiert und wir freuen uns sehr über die internationalen Charteinstiege und die durchweg positive Resonanz in den Reviews.


Wo seit Ihr denn mit „Unbreakable“ am höchsten eingestiegen?

Bis jetzt ist das Deutschland mit Platz 31. International sind wir das erste Mal überhaupt in Finnland, Schweden und den amerikanischen Billboard-Charts.


Was war Eure bisher höchste Chart-Platzierung?

Das war auch in Deutschland und zwar sind wir damals mit „Nuclear Fire“ auf Platz 36 eingestiegen. Also sind wir diesmal so gut wie noch nie.


Woher denkst Du kommt das gesteigerte Interesse an PRIMAL FEAR?

Ich hoffe an uns und der Qualität unserer Musik [lacht]. Letztendlich haben wir das natürlich den Fans zu verdanken, die unsere Platten kaufen und ordentlich Mundpropaganda machen.


Wie würdest Du Euer neues Album beshreiben?

Diesmal geht es auf jeden Fall wieder zurück zu unseren Anfängen und damit zu Alben wie „Nuclear Fire“, „Jaws Of Death“ und unserem selbst betitelten Debüt. Wir wollten das auch von vornherein so machen und die Keyboards, die wir auf dem letzten Album der Atmosphäre wegen eingesetzt haben, wieder mehr durch Gitarren ersetzen. Es war auch unser gemeinsamer Wunsch, wieder mehr Metal zu machen. Das soll jetzt nicht heißen, dass wir nicht mehr hinter dem stehen würden, was wir auf „Seven Seals“, „New Religion“ oder auch „16:6“ gemacht haben, denn auch das waren Phasen, die wir sehr genossen haben – wenn wir selbst nicht hinter dem stehen würden, was wir tun, würden wir auch keine Alben veröffentlichen. Jedenfalls wollten wir mit „Unbreakable“ den Kreis zu unseren frühen Jahren schließen.


Hat sich das auch auf den Songwriting-Prozess ausgewirkt?

Unsere Gitarristen, die ja mittlerweile ein ganz anderes Team sind, haben auch etliche Elemente aus dem PRIMAL FEAR-Sound verinnerlicht und ihr eigenes Talent hinzugefügt, wodurch „Unbreakable“ ein typischen PRIMAL FEAR-Album mit dem Vibe von damals geworden ist, ohne dass wir uns dabei selbst kopiert hätten. Das ist ja ohnehin klar, dass wir nicht bei uns selbst abkupfern, sondern die Band auf das nächste Level bringen wollten – das hat auch sehr gut geklappt, weil die Gitarristen eben sehr gut zusammengearbeitet haben und zusammen mit Mat [Sinner, Bass, Anm. d. Red.] super Songs geschrieben haben. Im Laufe des Aufnahmeprozesses habe ich viele Playbacks bekommen, die für mich zum komponieren wirklich ein Elfmeter waren, weil die Jungs genau wussten, dass ich da bestimmte Sachen zu singen würden und genau so ist es auch gekommen [lacht].






Es hat also Umbesetzungen gegeben?

Ja, Alex Beyrodt und Magnus Karlsson bedienen jetzt die Saitenfraktion.


Und wie kam es dazum?

Tja, das ist wie in jeder anderen Beziehung auch: Menschen entwickeln sich voneinander weg und wenn es nicht mehr geht, dann geht es eben nicht mehr. Schade ist nur, dass wir da nicht vernünftig drüber reden konnten und was war auch das Hauptproblem. Wir wünschen in jedem Fall jedem ehemaligen PRIMAL FEAR-Mitglied für ihre jetzigen Vorhaben nur das Beste und viel Erfolg und es ist schade, dass wir das Problem, das bestand, nicht ansprechen konnten, denn sonst wäre es wahrscheinlich gar nicht erst soweit gekommen. Aber wenn es nun so sein soll und sie ihren Weg gehen möchten, dann muss man das natürlich respektieren und wir wünschen ihnen viel Glück.


Glaubst Du, dass die Arbeit an Deinem Soloalbum auch Deine Herangehensweise an die Songs von PRIMAL FEAR beeinflusst hat?

Nur in technischer Hinsicht. Ich habe bei meinem Soloalbum meinen Gesang erstmals zuhause aufgenommen und das hat mich einfach was die Technik angeht weiter geschult, um dann auch mit PRIMAL FEAR so arbeiten zu können. Ansonsten hat sich an der Herangehensweise an die Songs eigentlich nichts geändert.


Worum geht es in den Texten von „Unbreakable“?

Wir verarbeiten oft persönliche Erfahrungen, die wir dann mit Fantasy-Elementen etwas verallgemeinern. Es sind diesmal z.B. in „Born Again“ ein paar autobiographische Sachen drin, denn im letzten Jahr sind einige Freunde von mir sehr früh gestorben und ich habe mit meiner Schwester und meinem Vater auch zwei Familienmitglieder verloren. Das habe ich in diesem Song dann verarbeitet, aber trotzdem ist alles sehr allgemein gehalten und ich spreche keine einzelnen Personen an oder etwas in der Art. In „Conviction“ sprechen wir die Wirtschaftskrise und die Bankiers, die sich da verzockt haben, an und in „Marching Again“ geht es um das Tourleben und das Gefühl, im Flieger zu sitzen und nicht schlafen zu können, aber trotzdem jeden Abend alles zu geben. Wir nehmen also Dinge aus dem Leben und komponieren dann.


Also ist ein Gewisser Bezug zur Realität beim Songwriting hilfreich?

Auf alle Fälle! Aber natürlich ist das auch nicht bei jedem Songtext so, manchmal nimmt man auch komplette Fantasy oder Science Fiction und macht was draus – das heißt dann eben Metal-Text [lacht].


In letzter Zeit hört man von vielen Musikern, dass sich die aktuelle angespannte Wirtschaftslage in der Welt auch auf das Touren auswirkt, weshalb sich viele Bands mit Tour-Packages mit bis zu sieben Bands und natürlich verkürzter Bühnenzeit konfrontiert sehen – nimmst Du das auch so wahr?

Wir befinden uns zum Glück noch in der guten Position, dass wir mit ein oder zwei Bands als Support losziehen können – Ende März bis Mitte April sind wir ja wieder mit BRAINSTORM unterwegs und haben uns dafür diesmal lokale Vorbands gesucht. Wir können ganz froh darüber sein, dass unsere Konzerte noch gut besucht werden und wir nicht mit fünf oder sechs Bands auf Tour gehen müssen. Wir haben also momentan noch keinen Grund uns zu beschweren, aber ich weiß nicht, ob das nicht irgendwann mal schwieriger wird, wenn alle Bands gleichzeitig unterwegs sind. Dann gibt es ja auch noch die Amerikaner, die hier bei uns kein Visum brauchen und für ihre Live-Aktivitäten einfach rüberkommen können [lacht] – wenn wir nach Amerika wollen, ist das ja ganz anders: Da brauchen wir Arbeitsvisa, die etliche tausend Euro kosten und müssen mit unserem Rechtsanwalt zum Konsulat.






In Amerika scheint Ihr derzeit aber ganz gut anzukommen, nachdem Ihr dort ja Eure Live-CD aufgenommen habt…

Ja, auf jeden Fall und wir werden auch wieder hingehen, aber es ist natürlich nicht einfach: Amerika ist ein riesiges Land und da kann es schon mal vorkommen, dass man vor 500 bis 1000 Leuten spielt, es kann aber genauso gut vorkommen, dass man mal vor 50 Leuten auftritt, weil man eben gerade irgendwo in der Wüste von Texas sitzt, wo die Metalfans vielleicht etwas rar sind. Man erlebt also einiges.


Wie lief denn die Produktion Eures neuen Albums ab?

Wir haben wieder über das Internet gearbeitet und uns Files hin und her geschickt und der arme Achim Köhler musste dann nachher unseren ganzen Schrott konsolidieren [lacht]. Aber wir sind ja mittlerweile ein so gut eingespieltes Team, dass auch diese Arbeitsweise sehr gut funktioniert. Der Achim mixt das dann alles in seinem Studio, nachdem wir die Dateien auf einen gemeinsamen Server hoch geladen haben. Das Schlagzeug wurde wieder in Winterbach aufgenommen, weil man ein Schlagzeug immer noch in einem großen Raum aufnehmen sollte. Alles andere kann man mittlerweile aber tatsächlich auch in Heimstudios aufnehmen. Natürlich wäre es nach wie vor besser, wenn man sich zwei Monate in irgendeinem Studio einschließen könnte, aber wer kann das noch bezahlen? Auch die Plattenfirmen geben inzwischen nicht mehr so viel Budget, auch für die Bands, die sich das leisten könnten, weshalb man da inzwischen etwas kleinere Brötchen backen und gucken muss, dass man auch mit sich selbst zuhause klarkommt. Das ist eine Entwicklung, die sich im Musikgeschäft derzeit überall erkennen lässt und natürlich macht das auf die Dauer auch gewisse Bereiche wie große Studios, die auf Kundschaft angewiesen sind, kaputt.


Ihr habt also nicht zum ersten Mal so dezentral gearbeitet?

Nein, dass hat sich in den letzten drei Jahren so entwickelt. Natürlich hat das alles Vor- und Nachteile: Ich habe zuhause manche Refrains bis zu 20 mal wiederholt und früher im Studio hätte man vielleicht schon nach dem zehnten mal gesagt, dass es genug ist. Ich bin eben Perfektionist und entsprechend umfangreich fällt meine Arbeit, die im Studio deutlich schneller gegangen wäre, zuhause aus. Im Studio ist das natürlich auch ein ganz anderes Feeling, wenn die ganze Band zusammen hat und jetzt versucht man, den gleichen „Vibe“ auch zuhause zu erzeugen.


Glaubst Du, es geht bei der Arbeit im heimischen Wohnzimmer ein bisschen Rock ’n’ Roll-Feeling verloren?

Ich glaube bei denjenigen, die das alles noch miterleben konnten, kann das gar nicht verloren gehen, weil ich – wie gesagt – dieses Gefühl ja mit nachhause nehme. Aber bei Bands, die jetzt erst anfangen, könnte das schon zum Problem werden, wenn sie nie gemeinsam im Studio waren. Ich bin z.B. auch nach wie vor der Meinung, dass Bands gemeinsam proben sollten und nicht bloß zuhause am PC Musik machen. Wir machen das mit PRIMAL FEAR auch hin und wieder mal, allerdings stehen wir natürlich vor einem logistischen Problem: Magnus kommt aus Schweden, Randy ist in Berlin und Alex fährt aus Saarbrücken her, aber wir möchten das trotzdem beibehalten.


Damit sind wir schon durch – möchtest Du gerne noch ein paar abschließende Worte sprechen?

Ich möchte mich im Namen der Band für die Treue der Fans und dafür, dass sie uns jetzt in den ersten Wochen so tatkräftig unterstützt und die CD gekauft oder zumindest bei iTunes legal herunter geladen haben, bedanken. Das ist echt geil und wir werden auf jeden Fall bald zu Euch kommen und live spielen!


Vielen Dank!

Metalviech

Autor: Thomas Meyns [Metalviech] | 08.02.2012 | 01:32 Uhr
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