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Reviews von De Profundis
CD Review: De Profundis - The Emptiness Within

De Profundis
The Emptiness Within


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Interviewpartner: Shoi, Craig, Roman, Arran

Wenn verschiedene, zueinander antagonistisch wirkende Genres genial miteinander verbunden werden, fällt das nur manchmal auf und landet in den Charts – heute seltener denn je. Andererseits haben Vollblut-Musiker wie die uns vorliegenden DE PROFUNDIS zu gute, vor allem aber immer besser klingende Materie am Laufen, als dass der 08/15-Humanoid jemals mit so etwas warm wird. Ihr neuester Streich „A Bleak Reflection“ ist für Leute mit vielfältigem Geschmack, die dennoch sehr viel Wert auf Kohärenz legen und sich lange mit einem Album beschäftigen können. Unerwartet gesprächsfreudig stellten sich vier von fünf Mitgliedern dieser Band den Fragen von METALNEWS.DE.



Hallo zusammen! England ist unter anderem bekannt für seine zum Teil fantastischen Filme, ungezügelt spielende Fußball-Clubs, schlechtes Essen sowie einem horrenden Pensionssystem. Für mich gibt dieser Flecken Erde aber auch noch solche Untergrund-Juwelen wie euch her. Wie viel von England und/oder dem Gemütszustand dort kann man durch eure Musik hören? Würdet ihr sogar sagen, dass gewissen äußerliche Einflüsse in gewissen Teilen eurer Songs zu vernehmen sind?

Shoi: Danke für dein Kompliment, es ist nett, als „Juwel in der Krone“ bezeichnet zu werden. Ich komme eigentlich aus Frankreich, wo andere Sachen wie übel riechender Käse und Schnecken, Frauen, die sich nicht ihre Achseln rasieren wollen sowie einen bescheuerten Präsidenten bekannt sind! Ich denke, die Medien haben ziemlich viel mit der Image-Bildung unseres Landes zu tun. Um ehrlich zu sein, ist es dort, wo wir leben, nicht unbedingt anders. Im Prinzip ist alles, was mit dem Leben als auch seinen Problemen zu tun hat, ein Einfluss auf unsere Musik.

Arran: Nur zwei Mitglieder der Band wurden in England geboren. Ich war nicht einmal beim Großteil des Schreibeprozess dabei. Ich sehe die Musik eher als eine Länder überschreitende Kombination von Einflüssen. Nattürlich leben wir momentan alle in England, aber ich würde die Platte [keine Ahnung, welche er meint – Anm.] nicht wirklich als „englisch“ bezeichnen wollen. Viele unserer musikalischen Einflüsse kommen allerdings aus England, also haben wir sie wahrscheinlich aufgesogen und sie in unserem Stil verarbeitet!

Roman: Ich weiß sogar ein oder zwei Dinge über das britische Pensionssystem... Es ist bei weitem nicht so großzügig wie die meisten staatlichen Pensionsschemata in Kontinentaleuropa, weswegen das private Pensionssystem in Großbritannien sehr gut entwickelt wurde. Die meisten Leute hier haben sogar eine private Pension, um ihre Minimalrente vom Staat aufzubessern. Sei dir aber sicher, dass das britische Pensionssystem keinen Einfluss auf die Musik von DE PROFUNDIS hat! Selbstverständlich bringen mich die Frustrationen des Alltags dazu, so eine Art von Musik zu schreiben, aber letztendlich komponieren DE PROFUNDIS als geschlossene Einheit Musik um der Musik Willen. Der Sound der Gruppe kann auf ihre Persönlichkeiten zurückgeführt werden. Und obwohl natürlich soziale Gegebenheiten die einzelnen Mitglieder in ihrem Aufwachsen wie auch in ihrer Entwicklung geprägt haben, hat England meiner Meinung nach - abgesehen von dieser Auswirkung in unserer persönlichen Entwicklung - in keinster Weise unsere Musik beeinflusst.


2010 jährt sich die Gründung von DE PROFUNDIS zum fünften Mal. Da eine Menge Bands es nicht einmal schaffen, so lange zu existieren, wäre es interessant zu wissen, wie euer Rezept für das Zusammenbleiben sowie dem Erschaffen neuer Stücke aussieht. Was ist es, das euch auf Zack hält, wenn es um diese Band geht? Ist sie eher eine Demokratie oder eine Diktatur? Was braucht es, um Mitglied eurer Kollegschaft zu sein?

Shoi: Wir glauben fest an unsere Arbeit und genießen es, miteinander zu musizieren und live aufzutreten, also hält uns das zusammen. Viele Bands lösen sich auf, weil die Musikindustrie hart ist, es vor allem aber eine Menge Leidenschaft, Hingabe sowie Hartnäckigkeit braucht, um weiter zu machen. Wir sind eine künstlerische Demokratie: Jeder hat eine Stimme, kann Ideen einbringen, welche wiederum für eine Menge Diskussionen sorgen.

Craig: Nun, wir hatten eine bislang bewegte Geschichte in Sachen Line-Up, es ging also nicht immer glatt! Niemand von uns war befreundet oder hat sich sonst irgendwie gekannt, bevor wir in dieser Band zusammen gekommen sind und dennoch sind wir alle gute Freunde geworden. Das bedeutet wiederum: Es gab keinen Wust von Leuten, bevor sie ein Mitglied wurden. Jeder hier ist in erster Linie als Profi-Musiker in dieser Truppe. Wir haben auf musikalischer Ebene sehr hohe Standards, aber erwarten auch von allen Mitgliedern ihren Input in jedem Aspekt der Band, es ist also eine hundertprozentige Demokratie. Wir alle nehmen DE PROFUNDIS sehr ernst; so ist zum Beispiel das Trinken während Proben nicht erlaubt, was wir auch so vorziehen. Die Musik ist für uns alle das Allerwichtigste und wir haben füreinander sehr viel Respekt übrig, basierend auf unserer Hingabe für unsere Kunst.

Roman: Unser Rezept für das Weitermachen bestand bislang aus eisernem Willen und der Weigerung, sich von irgendjemandem etwas gefallen zu lassen. Was die Musik selbst angeht, hat jeder etwas zu sagen, obwohl selbstredend ein oder zwei Leute das Steuer übernehmen – Demokratie wie im Bilderbuch würde einfach nie funktionieren. Wir haben gelernt, dass wir nur mit Leuten zusammenarbeiten können, die DE PROFUNDIS als Priorität ansehen. Ich will Musik erschaffen, ich will Shows spielen und ich habe genug Blut geleckt, um zu wissen, dass ich in dem, was ich mache, wenigstens gut sein will. Ich würde sagen, diese Mentalität wird ebenso von den anderen Mitgliedern geteilt. Wir sind engagiert und arbeiten hart. Wir werden vom Drang getrieben, mehr zu erreichen, da wir alle sehen, dass dieser Band etwas Besonderes beiwohnt.


Euer Debüt "Beyond Redemption" wurde in der Presse im Allgemeinen als erfrischende, unübliche Mixtur zwischen Death und Doom Metal aufgenommen. Wie verbleibt diese Platte in euren Büchern, wie steht ihr heute zu dem Ansichtspunkt der Kritiker? Gibt es etwas, das ihr im Nachhinein ändern würdet? Wird das Album noch immer der Idee und dem Geist von DE PROFUNDIS gerecht?

Shoi: Wir sind noch immer stolz auf „Beyond Redemption“. Wir wären sonst nicht hier und hätten IRON MAIDEN nicht supporten können, wenn das Album in einer Schublade gelandet wäre. Wir waren von den Reviews, die wir damals bekommen haben, überrascht, obwohl wir dachten, die Platte würde den Kritikern weniger stark als uns selbst gefallen. Es ist eine schwer verdauliche Platte mit obskuren Song-Strukuturen sowie Tempo-Variationen. Sie scheinen allerdings Anklang gefunden zu haben. Wenn ich die Möglichkeit habe, irgendetwas zu verändern, wäre es wahrscheinlich die Besetzung, mit welcher wir die Full-Length aufgenommen haben; besonders den Schlagzeuger. Wir hatten ein Session-Mitglied auf dem Album und er hat zwar einen ordentlichen Job gemacht, Nick hätte das alles jedoch auf eine ganz andere Stufe hieven können.

Craig: Ich bin wirklich stolz auf unser Debüt. Gemessen an den Einschränkungen, denen wir damals ins Auge sehen mussten, war es das Beste, was wir schaffen konnten. Die Reviews waren im Allgemeinen sehr positiv. Natürlich gibt es Dinge, auf die wir zurückschauen und nach unserem Ermessen besser hätten realisieren können, aber der Punkt ist ja doch, dass wir uns mit der Zeit entwickeln und genau das haben wir gemacht. Die Wechsel im Line-Up hattenn einen großen Einfluss auf die Entwicklung unseres Sounds. Wir experimentierten ein wenig mit den Songs auf “Beyond Redemption” nach den Aufnahmen dazu, als wir sie live gespielt haben. Arran wiederum hat einige Bass-Linien umgeschrieben und siehe da, die Stücke haben sich erneut weiter entwickelt. Allerdings bekommen wir dieser Tage nicht oft nicht Chance, Lieder vom Debüt zu spielen, da wir selten ein Set spielen, das sowohl unserem Einstand als auch unserem neuen Album gerecht werden würde.

Roman: Ich bin auf unser Debüt sehr stolz, auch wenn es ein paar Mängel aufweist. Sicher, die Schlagzeug-Performance hätte besser sein können. Der Typ, der das damals eingespielt hat, hat nicht viel von Drum-Fills gehalten und einige Passagen fühlen sich zerlegt an. Wir waren damals eine wesentlich jüngere, naivere Band; wir hatten keine genaue Vorstellung oder volles Verständnis von den Vorgängen in einem Studio. Das Endergebnis sah dann so aus, dass einige Teile der Produktion und die Wahl mancher Arrangements nebensächlich waren und verbessert werden konnten, im Nachhinein sowieso. Ich bin ein sehr harscher Kritiker unserer Arbeit, ich kämpfe daher zu sagen, was die besten Seiten des Albums sind. Aber offensichtlich gibt es genug Leute, denen es gefällt, wie es als Ausgangspunkt für unsere spätere Entwicklung diente. Musikalisch war es rauer, mehr in Richtung Death/Doom gehend als heute.


Viele Leute sind sich dessen zwar nicht bewusst, aber ihr wart ganz schön oft auf den Brettern dieser Welt zu sehen. Wie sehr spielt die Live-Präsenz heute in DE PROFUNDIS eine Rolle? Wie fühlt es sich an, solch fantastische Brocken wie "Delusion Of Life" mit den anderen Band-Mitgliedern sowie dem Publikum zu teilen? Und wie stehen die Chancen, euch demnächst live zu erhaschen?

Shoi: Live zu spielen, ist das, was wir lieben, es ist unser Lebensinhalt. Wir haben hart an unseren Leistungen gearbeitet und ich denke, es zeigt sich. Ehrlich gesagt war der Grund, dass „A Bleak Reflection“ so geraten ist, unsere Live-Erfahrung. Wir haben Dinge umgesetzt, die wir spielen wollten und was in einer Live-Situation besser klappt. Ich bin sicher, das hat unser Komponieren geprägt. Es macht Spaß, “Delusion Of Life” zu spielen; wir haben das Stück als Opener verwendet. Heute allerdings – aufgrund von Zeitmangel – ist es der einzige Song von „Beyond Redemption“, den wir noch spielen.

Arran: Die Bühne ist der Platz, auf dem wir stehen wollen und wo wir uns am wohlsten fühlen. Es ist unglaublich befriedigend, seine Musik mit anderen zu teilen und zu sehen, wie sie ihnen gefällt. Ich fühle mich daher unvorstellbar glücklich, die Chance zu haben, das so oft tun zu können. Wir werkeln sehr hart an einer Tour, das kann aber zeitweise sehr frustierende Ausmaße annehmen.

Roman: Wir sind im Kern eine Live-Band. Alben sind wichtig, genauso wie Fotoalben wichtig sind, um Erinnerungen festzuhalten und auf die Vergangenheit reflektieren zu können. Die wahre Form unserer Musik spielt sich aber auf der Bühne ab, wenn wir Fünf spielen. Die Musik lebt, sie atmet. Ich liebe es, live zu spielen. „Delusion Of Life“ macht sogar Spaß, es zu spielen, weil ich und Shoi Gitarren-Soli haben und das Stück sehr aggressiv ist, genauso jedoch ein paar nette Momente hat. Wir sehen zu, eine Tour spielen zu können, allerdings stellt sich diese Aufgabe als ziemlich schwer dar. Aber wird werden – wie immer – so lange durchhalten, bis wir Erfolg haben.




Ihr habt in Indien einen Vertriebsdeal für euren Einstand mit Sony BMG landen können, genauso aber erst vor kurzem einen Vertrag mit Kolony Records unterschrieben. Wie kam es dazu und wie zufrieden seid ihr mit deren Engagement? Kommen sie euren Vorstellungen von professionellem Geschäftsverhalten und kreativer Offenheit nahe? Wie sieht die Kommunikation mit beiden Firmen aus?

Shoi: Wir sind mit Kolony Records sehr zufrieden. Als sich ihr Eigentümer Lorenzo mit uns in Verbindung setzte, war er vom Start weg ehrlich über das, was er machen konnte und was nicht. Er traf uns sogar persönlich in London und wir diskutierten alles im Detail aus, sobald wir uns darauf geeignet haben, mit Kolony Records zusammen zu arbeiten. Er ist immer da, um mit uns reden zu können sowie uns seine Ideen mitzuteilen. Das Wichtigste in unserem Genre ist es, auf Leute zu treffen, die an unsere Musik glauben. Du kannst keine Band mit Songs, wie sie DE PROFUNDIS haben, vermarkten, wenn du kein Fan von ihr bist. Das mit Sony ist eine ganz andere Geschichte; wir sind natürlich sehr stolz darauf, bei einem Major untergekommen zu sein, aber es ist wesentlich schwerer, mit ihnen zu arbeiten. Sie sind zum einen auf der anderen Seite der Welt und keine Weltmeister im Kommunizieren. Ich denke, extremer Metal hat einfach nicht die größte Priorität bei Sony.

Arran: Kolony Records sind fantastisch; wir kommunizieren, wann immer wir auch wollen, fast andauernd miteinander. Sie blicken, wie wir, immer nach vorne. Wir fühlen also, dass die Interessen von jedem in dieser Beziehung erfüllt werden.

Roman: Ich habe bislang nichts als Verehrung für Lorenzo [dem Chef von Kolony Records] übrig. Er ist spitze und behandelt uns sehr gut, er sieht DE PROFUNDIS als eine seiner Bands, die höchste Priorität haben. Er ist bereit, uns finanziell zu unterstützen, wenn wir mal was in der Richtung benötigen. In vielerlei Hinsicht hat er für uns wesentlich mehr getan, als es ein Label normalerweise tun würde; wir haben eine sehr dynamische Partnerschaft mit Kolony Records. Bei Sony ist es komplett anders: Großes Label, ein wenig unpersönlicher und ein momentan ungleich größerer Fokus auf das Verkaufen von Platten. Sie haben uns in Indien gut aushelfen können, ich bin daher ziemlich glücklich mit ihnen.


Würdet ihr die neue Scheibe eher als Konzeptalbum, als Sammlung neuer Stücke bezeichnen oder irgendwo zwischen diesen beiden Kategorien einordnen? Was ist das Haupt-Konzept auf „A Bleak Reflection“, wie lautet die Haupt-Botschaft, die ihr mit diesem Werk vermitteln wollt? Und warum trägt es den Namen „A Bleak Reflection“?

Arran: Textlich ist das Album eine Einheit, aber es gab keinen Plan, all die Musik in eine durchgehende Geschichte zu zwängen. Die Reihenfolge der Stücke wurde erst festgelegt, nachdem wir schon mitten in den Aufnahmen waren, aber ich spüre, es liegt definitiv irgendwo zwischen diesen beiden Kategorien und der Hörer kann die einzelnen Songs genießen. Allerdings bin ich der Meinung, dass das Album eine sträkere Wirkung austrahlt, wenn man es als ein einziges Kunstwerk betrachtet, denn so machen die Nummern mehr Sinn, wenn sie im Gesamtkotext gehört werden. Wir haben uns verdammt viel Mühe gegeben, mit diesem Namen daher zu kommen, konnten uns aber erst ganz am Schluss aus einer langen Listen von Vorschlägen für diesen Titel entschieden. „A Bleak Reflection“ ist eine fast wortwörtliche Beschreibung des Albums selbst. Die Musik und Texte spiegeln ein sehr düsteres, persönliches Abbild einer Welt sowie der Leute wieder, die in ihr wohnen.

Roman: Es ist ein feines Konzept-Album. Ich will nicht darauf bestehen, dass die Lieder eine Message haben, dass die Hörer die Story dahinter lesen MÜSSEN oder dass es nur eine Seite der Geschichte gibt. Es liegt ganz am Hörer selbst, wie er das alles interpretiert. Sicher hat jeder Song eine Geschichte und ihre Texte sind miteinander verbunden, sie ergeben also eine große Geschichte. Aber genauso kann jedes Stück ein Schnapschuss von einer ganz anderen Story sein. Die ultimative Botschaft ist die der Selbstreflektierung und, letzten Endes, die der Trauer. Der Titel des Albums ist auch doppeldeutig zu verstehen: es kann einem ein blasses, geisterhaftes Bild darstellen – also eine Reflektion – oder eine trauervolle Sicht der Dinge sein. Für mich ist es beides.


Welche Eigenschaften müssen Songs aufweisen, um auf einer DE PROFUNDIS-Platte zu landen? Gibt es sogar spezielle Arrangements oder Techniken, die als Teil des Band-Wesens bezeichnet werden können? Wann wisst ihr, wenn ein Song „fertig“ ist? Schmeißt ihr schlechte Ideen gleich weg oder legt ihr sie beiseite, um sie später noch einmal zu bearbeiten? Könnt ihr diesbezüglich sogar Unterschiede beziehungsweise Ähnlichkeiten zwischen beiden LPs nennen?

Shoi: Lange Songs und ihre vielen Wechsel sind meiner Meinung nach ein Markenzeichen von uns. Wir experimentieren genauso mit Dynamiken; es gibt schließlich nichts Langweiligeres als ein Album ohne Dynamik, wo sich alle Songs gleichen. Ich denke, wir haben es auf beiden LPs geschafft, jedem Song eine eigene Persönlichkeit zu verleihen. Wenn ein Song die Zehn-Minuten-Marke überschritten hat, wissen wir, er ist fertig.  Es kommt vor, dass ich mit einem Riff daherkomme, das nicht jeder mag; wenn ich allerdings ein wenig an ihnen feile, mögen es die Leute wesentlich mehr. Bei „The Mourner“ war das der Fall, wo das Haupt-Riff anfangs ein komplett Anderes war. Es klang total nach Old-School Thrash, Craig mochte das überhaupt nicht. Sobald ich jedoch die Art und Weise, wie ich es spielte, geändert habe und dem ganzen einen dem Black Metal etwas ähnlicheren Klang verpasst habe, ging das Lied in eine andere Richtung. Ich denke, das ist jetzt Craigs Lieblingsstück auf dem Album. Der Hauptunterschied zwischen dem ersten und zweiten Werk ist, dass die Songs heute zugänglicher, vor allem aber aufgrund der Line-Up-Wechsel technisch wesentlich besser tönen. Allerdings sagen auch eine Menge Leute, dass es sich immer noch nach uns anhört, was sehr gut ist.

Roman: Normalerweise ist ein Song erst dann wirklich fertig, wenn er schon auf einem Album gelandet ist. Zusätzliche Arrangements können bis dahin immer wieder ihren Platz finden. Das gesagt habend, spielen wir einige Stücke von „A Bleak Reflection“ live anders als auf Platte, weil wir fühlen, dass die neueren Parts songdienlicher sind. Unsere Musik entwickelt sich, sie ist ein in Bewegung bleibender Fluss voller Gedanken und des Ausdrucks; deswegen bleibt sie nicht dieselbe – warum sollte sie auch? Am Ende des Tages handelt Musik ausschließlich von Selbstdarstellung. Natürlich muss der Song selbst derselbe bleiben, um weiterhin erkennbar zu sein, aber wenn jemand drei Noten in seinem Solo austauschen will, dann kann er das natürlich machen.




Um auf euer zweites Machtwerk zu sprechen zu kommen: Es ist eine großartige Fortsetzung des Pfades, den ihr schon mit eurem Debüt eingeschlagen habt. Ich habe es einigen meiner Metal-verrückten Freunde vorgespielt und sie meinten, die neuen Songs klängen nach einer „schwärzeren, dramatischeren Version von SOLITUDE AETERNUS". Wie geht ihr im Allgemeinen mit solchen Vergleichen um? Nerven sie, schmeicheln sie euch oder sind sie das „notwendige Übel“? Sagt uns des Weiteren eure Meinung zu der amerikanischen Doom-Metal-Legende.

Shoi: SOLITUDE AETERNUS??? Also, mit dieser Band wurden wir noch nie verglichen. Ich bin nur mit einigen Sachen von ihnen vertraut, mir persönlich leuchten die Ähnlichkeiten zu uns zwar nicht ein, aber jeder hat eben ein anderes Hörempfinden. Ich denke prinzipiell in Genres, ich mag – wie wir alle in der Band - die Abwechslung in der Musik. Ich denke, das ist es, was uns heute einen anderen Sound gibt, weil wir so viele verschiedene Einflüsse vorzuweisen haben. Vergleiche sind ein notwendiges Ungetüm, wenn du die Gruppe in den Köpfen der Leute einordnen willst. Wenn die Leute aufhören, dich mit etwas zu vergleichen, weißt du, dass du selbst zum Einfluss für Andere geworden bist.

Arran: Besonders in einer Band wie DE PROFUNDIS sehe ich Vergleiche als notwendiges Übel an. Rezesenten brauchen immer etwas, um Vergleiche anzustellen, um so ihre Leser zu informieren, aber auch, um die Musik selbst gut beschreiben zu können. Wenn eine Truppe wie wir daherkommt, viele dynamische Wechsel in ihren Liedern hat und wie niemand anderer da draußen klingt, kann ich einsehen, warum eine Einordnung verdammt schwer sein muss. Besonders dann, wenn jeder Song auf dem Album seinen ganz persönlichen Charakter hat. Ich mag unsere generelle Klassifizierung als „Extreme Metal“, weil sie „extreme Musik“ oder „Musik der Extreme“ verspricht.

Craig: Metalheads scheinen eher damit beschäftigt zu sein, Musik in Genres zu unterteilen, als dass sie reine Hörer von anderer Musik sind. Ich bin ebenso sehr pingelig, wenn es darum geht, aber mein Dasein in DE PROFUNDIS hat meine Sichtweise diesbezüglich etwas verschoben. Aus der Sicht eines Künstlers haben solche Themen absolut keine Bedeutung. Die Leute scheinen dieselben Probleme damit zu haben, uns mit diesem Album einzuordnen, da wir uns vom Debüt weiter weg bewegt haben, im Speziellen haben aber die Journalisten damit Schwierigkeiten, da sie ein Wort-Limit [in ihren Artikeln] haben, was oft nicht ausrreicht, um die Musik adäquat zu kategorisieren. Es ist wesentlich einfacher, zu schreiben, diese Bande klingt wie Band X. Wir empfinden manche Beschreibungen, die wir mitbekommen, als unglaubwürdig, da wir manchmal sogar keine Fans von einem musikalischen Bezugspunkt sind! Manchmal haben wir noch nie etwas von manchen Combos gehört! Ich finde es auch amüsant, dass die Spanne an Bands, mit der wir verglichen werden, so groß ist – sehr selten wird eine Band zweimal genannt! Das allerdings ist toll, weil es bedeutet, dass wir nicht zu sehr nach irgendjemand Anderen außer uns selbst klingen.

Roman: Mich interessieren sie nicht. Ihr Sänger hat eine tolle Stimme, aber davon abgesehen weiß ich nicht genug über sie, tut mir leid.


Seid ihr eher kühl berechnende Perfektionisten, die genau wissen, was sie im Studio machen werden, bevor sie es überhaupt betreten haben oder mögt ihr Improvisationen und das Hinterlassen eines „frischen“ Eindruckes“ auf euren Arbeiten? Erzählt uns diesbezüglich den Unterschied zwischen "A Bleak Reflection" und eurem Einstand. Habt ihr es als schwer empfunden, genau dieselben Vorstellungen von euren Songs auf Band zu bringen, wie ihr sie im Kopf hattet?

Shoi: Für dieses Album wollten wir uns so gut wie möglich vorbereiten. Wir haben sehr oft geprobt und hatten eine sehr klare Vorstellung davon, wie das Endprodukt klingen sollte. Es klang jedoch weitaus besser, als wir es uns erträumt haben. Es sind die ganzen kleinen Details im Studio, die du tust, die den großen Unterschied ausmachen. Roman und ich hatten, was die Gitarrensolos betrifft, schon einiges fertig komponiert, einiges wiederum haben wir während den Aufnahmen abgeschlossen. Arran hatte die mühsamste Aufgabe zu bestehen, er hat sich ja der Band schließlich einen Monat vor dem Studio-Aufenthalt angeschlossen!
Was „Beyond Redemption“ betrifft, waren wir keineswegs so sicher unterwegs, da wir einige Wochen vor den Aufnahmen unseren Drummer aussteigen haben sehen. Das hat die Dynamik der Songs ein wenig geändert, aber wir zogen das durch.

Arran: Ein paar meiner Parts auf dem Album sind improvisiert, besonders in den melodischeren Abschnitten. Ich wollte sie so belassen, wie sie sind. Diese Abschnitte wurden zur selben Zeit wie Nicks Schlagzeug aufgenommen, also gibt es hier eine echte Verbindung. Ich bin dann meine Arbeit noch einmal durchgegangen und habe einige Dinge geändert, um sie mit einigen coolen Momenten von Nicks Spuren – die er spontan eingespielt hat - zu vereinen. Meistens spiele ich Arrangements, die schon vor dem Aufenthalt im Studio entstanden sind. Aber weil ich eben nur einen Monat hatte, die Lieder einzustudieren, habe ich versucht, ein offenes Ohr für jede neue Idee zu bewahren, welche ich haben könnte, sobald ich im Studio war.

Craig: Wir stellen immer sicher, dass wir sehr gut vorbereitet sind, bevor wir ins Studio gehen. Wir haben die Aufnahmen beider Alben aus eigener Tasche bezahlt und es ist keineswegs billig, sich einen Sound auf Album-Niveau anzuschaffen. Wir konnten es uns also nicht den Luxus leisten, im Studio zu sein, wenn es nicht absolut notwendig war. Das gesagt habend, haben wir einen Großteil der neuen Platte in unseren „Barking Dog“-Räumen eingespielt, welche es uns ermöglichten, bei aller Flexibilität die einzelnen Song-Teile abzuändern, bei Bedarf auch zu verbessern. Das Material hat also nach wie vor etwas Spontanes an sich, während es andererseits aber unsere ursprüngliche Vorstellung davon beinhaltet und übetroffen hat. Das Debüt selbst wurde ausschließlich in den Warehouse Studios verewigt, wir konnten also weniger flexibel sein, gleichzeitig litten wir hingegen genauso unter größerem Zugzwang. Ich denke, du kannst es sogar hören, dass wir dieses Mal relaxter zu Werke gingen.

Roman: Ich bin ein absoluter Perfektionist. Frag meine Kollegen – ich mache sie manchmal verrückt damit! Ich will alles so gut wie nur irgendmöglich haben. Keine Kompromisse! Das Debüt war im Kern uns, wie wir die Songs spielen plus eines Studio-Technikers; dann hat er versucht, das Material so gut wie möglich klingen zu lassen, soweit wir das gehört haben. Dieses Mal - mit „A Bleak Reflection“ - haben wir versucht, über Ideen für die Produktion zu reden – lange, bevor wir einen Take hatten. Wir haben Fernando für die Produktion des Albums fast sechs Monate vor den Aufnahmen verpflichtet. Während des Mixings haben ich und er viel Zeit dahingehend verbracht, unterschiedliche akustische Zugangsweisen zu versuchen. Aber ich denke, wir hatten schon jene Produktion im Kasten, die uns vorschwebte. Es war also mehr eine Sache des Realisierens als des Überlegens. Nach dem Debüt sagten wir uns so etwas wie „Ah, so hört es sich also an!“, wohingegen wir auf der neuen LP wussten, wie wir klingen und genau das wollten wir auch standesgemäß auf CD rüberbringen.


Hinter den Knöpfen saß ja, wie bereits erwähnt, Fernando Pereira Lopes, der dafür bekannt ist, unter anderem schon mit MISANTHROPE zusammen gearbeitet zu haben. Wie war es, mit ihm das Mischpult zu teilen? Würdet ihr wieder auf seine Dienste zurückgreifen?

Shoi: Mit Fernando zu arbeiten, war toll. Wir wurden ihm durch einen Freund von uns bei MISANTHROPE vorgestellt. Fernando war vom ersten Tag an darauf scharf, mit uns zu arbeiten. Ungefähr sechs Monate vor den Aufnahmen, kam er zu uns und teilte uns seine Vorstellungen und was ihm vorschwebte. Es hat sofort geklappt. Für mich war es prima, weil Fernando während den Aufnahmen in meinem Haus wohnte. Wir sind beide Franzosen, daher haben wir uns sehr verstanden. Der Mann ist ein totaler Workaholic, er hat sich komplett in unser Projekt vertieft. Du kannst dir daher meine Antwort denken, wir werden zweifelsohne wieder mit ihm arbeiten!

Arran: Exakt, er hat uns sehr unterstützt. Er hat sich unsere Musik immer als Außenstehender angehört, kam aber als Produzent genauso mit großartigen Ideen für das Album an. Die Menge an Arbeit, welche er in das Abmischen gesteckt hat, war absolut erwähnenswert, wir haben ihn kaum schlafen oder den Raum während des gesamten Prozesses verlassen sehen!

Roman: Fernando hat seinen Arsch für uns abgearbeitet. Wirklich ein großartiger Typ, überprofessionell und wirklich gut, wenn es um das Studio-Equipment geht. Am wichtigsten aber: Er verstand genau, was wir machen wollten.




Gibt es irgendwelche speziellen Momente oder sogar ganze Songs auf "A Bleak Reflection", auf die ihr besonders stolz seid oder euren musikalischen beziehungsweise technischen Horizont in besonderem Maße erweitern konnte? Wenn ihr euch das neue Album noch einmal anhört: Was sind eure persönliche Höhepunkte darauf, welche Gefühle kommen in euch auf? Könnt ihr euch schon die Platte mit kritischen Ohren anhören, ist es euch überhaupt möglich, das als Teil der Band tun zu können?

Shoi: Wir sind auf das Album als Ganzes besonders stolz, für mich klingt es wie ein komplettes Album. Alle Songs haben ihren eigenen Charakter, folgen aber zugleich derselben Geschichte. Ich persönlich bin auf das Intro der Platte stolz, ich bin damit am Ende des Schreibeprozesses für „A Bleak Reflection“ daher gekommen und die Jungs schlugen vor, für die tragende Melodie ein echtes Cello einzusetzen. Das war die beste Entscheidung, die wir treffen konnten. Ich werde niemals den Tag vergessen, an dem Pippa, die Session-Cellistin, zu uns ins Studio kam und ihre Parts aufnahm. Ich, genauso wie Roman waren während den Sessions dabei und die Tatsache, dass ein so talentierter Mensch außerhalb der Band zugestimmt hat, für unsere LP etwas aufzunehmen, hat uns die Sprache verschlagen. „The Longing“ (ein Instrumental-Stück) ist ebenso ein hervorragender Moment; wir diskutierten, ob wir etwas so Andersartiges machen sollten. Wir haben jedoch alle dem zugestimmt, einigen Leuten wird es gefallen, anderen nicht – aber das ist ja der Punkt! Wir Vier konnten hier wirklich unsere Solo-Künste verfeinern! Auch das Bass/Schlagzeug-Solo ist fantastisch.

Arran: Es gab einige Sachen auf dem Album, die ich in meinem Kopf gehört habe und dann wahnsinnig viel Zeit damit verbracht habe, wie ich sie bloß spielen könnte! Ich wollte besonders bei den Schlagzeug- als auch Gitarren-Parts etwas beisteuern. Ich spiele daher zu den Gitarren recht unterschiedliche Arrangements, welche die meiste Zeit über mit dem Schlagzeug konform gehen, nichtsdestotrotz melodisch mit den Gitarren eine Einheit bilden.
Die meiste Zeit spiele ich auf meinem bundlosen Bass, was als definitives Highlight gelten kann, da man so hört, wie sich die Seele der Stücke durch den Einsatz meines Basses leicht verändert hat. In den heftigeren Sektionen hat das Material sogar einen richtig erdigen Touch, dafür in den ruhigeren Passagen eine melodische Einfühlsamkeit. Ich bin daher froh, dass die anderen Jungs mir die Chance gegeben haben, das durchzuziehen. Mir gefällt vor allem, wie das Instrumental-Stück geworden ist, bei dem ich das einzige Mal meinen bundierten Bass verwendet habe. Ich war anfangs ein wenig besorgt, als ich zuerst gehört habe, wie die Jungs es gespielt haben, wusste dann jedoch, es ist ein großartiges Stück Musik und dass ich dem Album einen weiteren Charakter verleihen könnte. Wir haben es noch ein wenig verändert, bevor wir damit ins Studio gingen; das Bass-/Schlagzeug-Solo war wahrscheinlich einer der interessantesten Recordings, die ich bislang hatte! Nick hat seine Drum-Spuren aufgenommen, ich habe im Prinzip sein Solo schrittweise gerlernt und dann mein Bass-Solo dazu geschrieben. Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, es klingt ziemlich originell. Besonders für eine Metal-Platte!
Ich denke, man kann über das gesamte Album weg das Gefühl der Hoffnung verspüren. Sogar bei Stellen der Verzweiflung, kann man trotzdem fühlen, dass die Dinge sich zum Besseren wenden werden. Die Platte wühlt sich nie im Elend, weil es immer die Erwartung mitschwingen lässt, dass sich die Dinge ändern werden und ich höre die Dynamik in den Songs, die das auch wirklich zum Ausdruck bringen. Ich bin der Meinung, ich kann darüber anfangen, objektiv nachzudenken, wenn ich nicht mehr weiß, wie die Aufnahmen stattgefunden haben. Das ist bislang allerdings nicht passiert!

Craig: “Nocturnal Splendour” sticht sofort heraus. Als wir den Song fertig gestellt haben, wussten wir sofort, dass er auf ewig in unserer Setlist verbleiben würde, auch wenn wir noch weitere zehn Alben einspielen. Das gesagt habend, hat jeder Song mindestens einen „Wow“-Moment; sei es das doppelte Gitarren-Solo in „Cease To Be“ oder das Schlagzeug- und Bass-Zwischenspiel in „Longing“. Um das neue Material, das wir momentan im Proberaum zocken, zu beurteilen: Wir gehen in eine etwas technischere Richtung, wie man es im Mittelteil von “Crimson Black Bleeding” hört, aber das befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium. Ich glaube, es ist schwierig, über seine eigene Arbeit objektiv sprechen zu können, aber ich bekomme Gänsehaut, wenn ich gewisse Passagen – obwohl ich sie schon tausende Male gehört habe – vernehme.

Roman: Es ist schwer, mich von einem Album so zu distanzieren, für das ich sehr hart gearbeitet habe. Ich werde immer noch sauer, wenn ich den einen oder zwei Fehler in der Produktion höre. Meine persönlichen Höhepunkte sind einige der akustischen Sachen, Arrans Bass-Solo und das Ende von „The Mourner“.


Unmittelbar vor dem Einmarsch ins Studio habt ihr die Position am Bass mit einem neuen Herrn namens Arran belegt. Wie bekam er die Stelle bei DE PROFUNDIS, hat er sogar zu den neuen Liedern etwas Anderes, außer die Aufnahme der Bass-Spuren natürlich, beigetragen? Wie verläuft die Chemie zwischen ihm sowie dem Rest der Bande?

Shoi: Wir haben einmal ein paar Gigs mit Arrans anderer Band gespielt und er stach für uns sofort wegen seines technischen Spielstils hervor. Als wir an einen Punkt bekommen sind, wo wir feststellen mussten, dass wir mit unserem alten Bassisten nicht die Platte aufnehmen konnten [hatte verschiedene Gründe], war Arran die einzige Person, an die wir dachten. Er war der einzige Bassist in London, der das musikalische Flair sowie die richtige Einstellung mitbringt, um das durchzuziehen. Ich erinnere mich, wie nervös ich war, als Roman ihn angerufen hat. Würde er ja oder „Verpiss dich!“ sagen? Hehe… Zu unserem Erstaunen hat er ja gesagt! Unsere einzigen Sorgen waren noch, ob er persönlich zu uns passt und wie er sich auf der Bühne schlägt. Bei seiner anderen Band nämlich schien er der ruhige Typ auf sowie abseits der Bretter zu sein. Wie falsch wir doch lagen! Er ist wahrscheinlich der mit der meisten Energie auf der Bühne und hört offstage nicht auf, zu reden.  Die Chemie ist daher perfekt!

Arran: Ich habe einige Gitarren- als auch Schlagzeug-Parts geändert. Ansonsten jedoch fühlte ich, dass die Songs sehr stark sind, alle Song-Strukturen blieben unverändert.

Roman: Arran ist ein toller Kerl, vor allem aber ein exzellenter Bassspieler. Wir haben ihn mit einer anderen Truppe spielen sehen und als wir uns dazu entschieden haben, unseren alten Bassisten zu ersetzen, war er der Erste, an den wir dachten – und tatsächlich, er war der Einzige, nach dem wir gesucht haben. Wir waren überglücklich, als er zustimmte, sich uns anzuschließen; die Chemie zwischen uns ist einfach hervorragend. Das Instrumental hatte zum Beispiel kein Bass-Solo bis zu dem Zeitpunkt der Aufnahme drinnen! Seinen Sound sowie seine Visionen in die Songs innerhalb dieser kurzen Zeitspanne hinein zu schreiben, war eine harte Nuss, aber ihm gelang das tadellos. Es war wirklich komisch, da Arran sein Bass-Solo zu einem ausgedehnten Schlagzeug-Solo von Nick spielte. Ich musste mich dann mit Shoi und Fernando hinsetzen, um mir eine Gitarren-Begleitung zum Bass/Schlagzeug-Solo auszudenken, was das genaue Gegenteil von dem ist, wie wir normalerweise ein Solo auf Band bringen und schreiben. Wie auch immer, es war eigenwillig, aber es funktionierte sehr gut!




Wer ist für das großartige Artwork für "A Bleak Reflection" zuständig gewesen, wie sehen die Ideen dahinter aus?

Arran: Darryl Jones hat uns eigentlich zuerst für das Artwork kontaktiert, worauf wir sehr stolz sind. Er hat den Charakter jedes einzelnen Songs genauso wie das Album als Ganzes genommen und hat es auf unglaubliche Weise zu Papier gebracht. Wir haben ihn mit einigen vagen Ideen bedacht und er hat sie so hinbekommen, wie wir es bezüglich Farbgebung etc. mochten. Er arbeitete sehr effizient, ich bin mit dem Aussehen des Artworks sowie der Wiedergebung dessen, was das Album ausmacht, sehr zufrieden. Es gibt ein zwölfseitiges Booklet – wenn du also glaubst, das Cover wäre das Highlight, solltest du dir mal die Kunst darin ansehen!

Roman: Darryll Jones hat das Artwork für unser Album realisiert. Ich kam mit dem Konzept daher und habe ihn wahrscheinlich mehr als jeden anderen damit verfolgt, aber jeder in der Band gab seinen Teil dazu, also geht daher wirklich das Artwork mit der musikalischen Vorstellung der gesamten Band konform.


Apropos visuelle Aspekte: Welcher Song auf eurem Album wäre der Beste, um für ein Video verfilmt zu werden?

Shoi: Vielleicht “Nocturnal Splendour”. Es ist etwas kürzer und hat all die Dynamik, mit der ein Video gut funktionieren würde.

Arran: „Nocturnal Splendour“ wäre vielleicht das beste Stück, weil es all die Elemente von DE PROFUNDIS aufweist und das Kürzeste ist! Nick und ich haben sogar ein großes Diagramm von Dynamiken sowie Notizen zu den textlichen Strukturen gezeichnet, als ob das Ganze als Musik für einen Kurzfilm gelte. Wir haben das alles auf dem Weg zurück vom „Ilha Do Ermal Festival“ in Portugal verwirklicht. Wir haben sogar einen Plot! Wir müssen nur noch jemanden finden, der dies für uns verfilmt!

Craig: Darüber hinaus würde “Nocturnal Splendour” visuell sehr gut klappen, da es seine eigene Geschichte innerhalb eines größeren Konzeptes erzählt.

Roman: „The Mourner“ oder „Nocturnal Splendour“. Aber nur dann, wenn jemand bereit ist, uns Tausende von Euros zu geben, da die Längen hier sehr lang sind!


Erzählt uns auch noch etwas über die bald anstehenden Touren sowie der schon ausgelegten Zukunft von DE PROFUNDIS.

Shoi: Hinsichtlich der Touren sind wir momentan sehr beschäftigt, aber es ist schwerer, als du dir es vorstellst. Wir wollen wirklich einen Support-Slot auf einer kommenden Tournee und Kolony Records sind bereit, uns diesbezüglich finanziell zur Seite zu stehen. Aus irgendeinem Grund jedoch stellt sich die Situation nach wie vor ziemlich knifflig dar. Oft war der Preis für diesen Slot lächerlich hoch. Wir haben vor kurzem zwei Angebote für zwei respektable Headliner bekommen, sie wollten jeweils 500 Euro für eine Show haben! Wir haben versucht, mit den Veranstaltern zu verhandeln und sie kümmerte es überhaupt nicht. Am Ende haben sie diese Band ohne Geschichte oder Album gewählt. Diese größeren Gruppen und Booking-Agenturen schießen sich damit selbst ins Knie. Die Ticket-Verkäufe sind alles andere als großartig, daher wäre es doch logisch, einige starke Headliner zusammen mit einigen wirklich aufstrebenden Bands zusammen zu führen, um ein tolles Billing zu haben. So werden zahlende Fans glücklich, vor allem aber die Tour wäre durch so etwas glaubhaft. Wie auch immer, mal gucken, was die Zukunft bringt.

Roman: Wir hoffen, eine Tour entweder im Frühling oder Herbst diesen Jahres zu machen. Alles befindet sich derzeit in der Planung, ich kann daher nichts mehr dazu sagen!


Und zu guter Letzt die Frage, was bei euch momentan für Scheiben in der Anlage rennen. Gibt es irgendwelche Londoner Untergrund-Horden, die ihr unseren Lesern neben dem Anchecken von DE PROFUNDIS nahe legen würdet?

Shoi: Ich habe letztens die Neue von PARADISE LOST verdammt oft gehört, genauso wie die neuen Platten von MASTODON, SUFFOCATION und VADER. Seit einiger Zeit allerdings höre ich mir auch wieder die alten Sachen von EMPEROR an.

Roman: Ich war erst vor kurzem in New York, wo ich mir IMMOLATION, DEATHSPELL OMEGA und ARCTURUS geholt habe. Freu mich schon darauf, die hören zu können! Abgesehen hatte ich die letzten beiden Scheiben von UNLEASHED oft in meiner Anlage Old-School Death Metal in seiner Höchstform!


Danke vielmals für eure Zeit und alles Gute mit DE PROFUNDIS.

Shoi: Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, mit uns zu reden und, noch wichtiger, unserer Musik zu lauschen. Es ist nett, mit jemandem zu sprechen, der es schätzt und versteht, was wir da tun. Das macht das ganze Interview viel interessanter. Hoffe, wir sehen uns bald!

Micha

Autor: Michael Bambas [Micha] | 18.01.2010 | 19:27 Uhr

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