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Reviews von Blaze Of Perdition
CD Review: Blaze Of Perdition - Near Death Revelations

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Band: Metalnews nach 'Blaze Of Perdition' durchsuchen Blaze Of Perdition
Interviewpartner: Sonneillon

BLAZE OF PERDITION haben sich in den letzten Jahren zu einer der interessanten polnischen Black Metal-Bands gemausert. Dann kam es – im Herbst 2013 – zu einem Unfall mit Todesfolge. Der Tourbus der Polen verunglückte, Bassist 23 verstarb und Sänger Sonneillon wurde schwerstverletzt und benötigt seither einen Rollstuhl. Nichtsdestotrotz hat sich die Band von dieser Tragödie und diesen Widrigkeiten nicht aufhalten lassen. Ein neues Album namens „Near Death Revelations“ steht in den Startlöchern – und Sonneillon ist sogar wieder fit genug, um sich um die Vocals zu kümmern. Für Metalnews nahm er sich Zeit, um ausführlich über die Hintergründe der neuen Langrille zu sprechen.




Hallo Sonneillon und vielen Dank für Deine wertvolle Zeit! Zunächst einmal: Ich hoffe, dass es euch nach eurem Unfall wieder besser geht. Nach der Tragödie wurde ja Geld gesammelt, damit euer Bassist 23 zu Hause die ewige Ruhe finden kann – hat das geklappt? Ist er nun in der Nähe seiner Heimat und seiner Familie?

Hallo. Ja, wir haben das Schlimmste hinter uns und momentan ist alles mehr oder weniger stabil. 23 ruht nun in seiner Heimatstadt, in der Nähe seiner Familie.

Euer neues Album nennt sich nun „Near Death Revelations“, was eindeutig auf den Unfall anspielt. Inwiefern hat die Arbeit am neuen Album auch wie eine Katharsis funktioniert, sodass sie euch dabei geholfen hat, den Unfall zu verarbeiten? Oder geht es beim Albumtitel mehr um irgendwelche esoterischen/okkulten/spirituellen Einsichten, die Du durch diese Nahtoderfahrung bekommen hast?

Der Titel bezieht sich auf meine Reflexionen, die ich nach meinem Aufeinandertreffen mit dieser Grenze angestellt habe. Sie reichen von spirituellen Themen über Weltauffassungen bis hin zu eher gewöhnlichen und bodenständigen Überlegungen. Das Ganze hat auch einen etwas sarkastischen Ton. Mir ist aufgefallen, dass die Leute eine große Vision oder Weisheit erwarten, die ich von der anderen Seite mitgebracht habe und die ich jetzt mit ihnen teilen kann. Aber die Sache ist so, wie ich sie in einem der Songs besinge: „No wisdom, but confusion.“ So ist es mir ergangen und ich versuche von Zeit zu Zeit all das zu analysieren, an was ich mich von meinem Koma erinnern kann. Es ist sehr leicht, etwas zu glauben, wenn man auf etwas trifft, das man vorher noch nie erfahren hat. Aber ich bin ein sehr skeptischer Mensch, sogar etwas zynisch, also denke ich immer zweimal nach, bevor ich etwas wirklich akzeptiere.

Vielleicht können wir noch bei den Lyrics und den philosophischen Aspekten bleiben. Auf einem T-Shirt von Euch heißt es: „Wer nach draußen schaut, träumt, wer sein Inneres betrachtet, erwacht.“ Das klingt so, als ginge es darum, sich mehr um die transzendentale Ebene als um die materielle zu kümmern. Oder was möchtet ihr uns mit diesem Satz sagen? Und was für Bücher liest Du für Deine lyrischen Konzepte?

Das ist ein Zitat von Carl Gustav Jung, das ich sehr passend gefunden habe. Ich glaube, dass das Innere und das Äußere perfekt zueinander passen, und so müssen wir zunächst wissen, was tief in uns liegt, bevor wir überhaupt versuchen, das Universum zu verstehen. Wir sind alle kleine Universen und wir gehorchen den Naturgesetzen, ob wir es glauben oder nicht.

Es gibt einen polnischen Songtitel auf „Near Death Revelations“, der sich „Królestwo Niczyje” nennt. Wenn ich das richtig übersetzt habe, heißt das entweder „Das Reich des Nichts” oder „Keines Mannes Reich”. Welche Übersetzung liegt näher an der Wahrheit? Und wie würdest Du dieses Reich beschreiben – handelt es sich dabei um ein Synonym für die Leere, die nach der materiellen Existenz kommt?

Dabei handelt es sich um eine Metapher – es geht um einen Mann, genauer gesagt um einen einsamen Verrückten. Er ist ein niemand, der mit seinem Schicksal hadert, obwohl nur er selbst für die Form der Welt verantwortlich ist. Da kein Himmel und keine Hölle auf ihn warten, akzeptiert er nur sein eigenes Selbst auf dem Thron – keine Götter und keine Herrscher … außer den Naturgesetzen.

Vor ein paar Wochen habe ich ein Interview mit Naas [NIGHTBRINGER] geführt und wir haben über die Schwierigkeiten gesprochen, spirituelle Einsichten in Worten und Symbolen auszudrücken. Wie siehst Du das bezüglich Deiner Lyrics? Wie schwierig ist es für Dich, Deine Einsichten niederzuschreiben? Und inwieweit, glaubst Du, können die Hörer Deine Konzepte und Ideen fassen, indem sie die Lyrics lesen?

Nun, Herr Naas hat hier zu 100 % Recht. Es ist in der Tat sehr schwierig, etwas das nur auf eigenen Gefühlen, Reflexionen und/oder tiefen spirituellen Einsichten basiert, in ein paar einzelne Wörter zu übersetzen, die dann für andere auch noch verstehbar sein sollen. Die Lyrics auf „Near Death Revelations“ sind unglaublich persönlich ausgefallen, und diese Kunst hilft mir dabei, mit meinen Dämonen umzugehen. Ich erwarte nicht – und es ist mir auch nicht so wichtig –, dass jeder alles versteht, was ich so andeute. Und es ist auch nicht nötig, das Konzept zu verstehen, um die Musik und die Atmosphäre genießen zu können. Die Lyrics sind für mich eine Art Tagebuch; ein kreativer Weg, um meine innere Leere ausdrücken zu können, mehr nicht. Ich will nicht predigen oder Lehren verbreiten, weil ich nicht davon ausgehe, dass ich – oder irgendjemand anders – die universelle Wahrheit erkannt hat. Davon abgesehen glaube ich, dass die Wahrheit, was auch immer diese für Dich bedeutet, etwas ist, das jeder in sich selbst finden muss … sie ist niemals für jede Person gleich.




Das Cover-Artwork von „Near Death Revelations“ ist sehr reich an okkulten Symbolen. Köntest Du uns da eine kleine „Tour“ durch die Symbole geben und deren Bedeutung geben? Und könntest Du uns etwas über den Künstler, der hinter dem Artwork steckt, verraten?

Der Künstler hinter diesem Artwork heißt Mentalporn. Er ist ein guter Freund von uns und sehr talentiert. Und er war auch bei uns, als der Unfall passiert ist, also hat er sich am besten geeignet. Es gab vorher ein anderes Cover, aber wir mussten ein neues finden, weil wir herausgefunden haben, dass es sich dabei um ein Plagiat gehandelt hat – so war das die beste Entscheidung für alle Beteiligten. Davon abgesehen … ich habe ihm die Lyrics geschickt, ein paar kleine Hinweise gegeben und ihm dann gesagt: „Du warst da, Du weißt, was Du zu tun hast.“

Musikalisch seid ihr eurem Pfad treu geblieben. Man findet natürlich Weiterentwicklungen auf „Near Death Revelations“, aber vergleicht man die Scheibe mit früheren Alben, gibt es keine fundamentalen Änderungen. Wie siehst Du das? Wo siehst Du die größten Unterschiede zwischen zum Beispiel „The Hierophant“ und „Near Death Revelations“?

Ich würde es wagen, zu behaupten, dass wir endlich unseren eigenen Sound und unsere eigene Atmosphäre gefunden haben. Nun, ich behaupte nicht, dass wir das Rad neu erfinden oder das Genre auf einen neuen Level hieven [lassen wir diesen Blödsinn den PR-Agenturen], aber es scheint langsam so zu sein, dass BLAZE OF PERDITION nicht mehr länger, eine Variation einer Idee einer anderen Band ist. Die spezifische Persönlichkeit und die künstlerische Eigenständigkeit markieren wohl den größten Unterschied.

Ihr habt die Musik zu den so genannten Satanic Audio Studios geschickt, wo das Mixing und das Mastering gemacht wurde. Ich kenne dieses Studio nicht. Könntest Du uns etwas darüber erzählen? Und habt ihr schon früher mit Haldor Grunberg gearbeitet? Und wart ihr in diesen Produktionsprozess involviert?

Satanic Audio ist ein Studio, das einem der Jungs der Band THAW gehört. Er hat auch schon unsere Split-Scheibe mit DEVATHORN abgemischt und gemastert. Wir waren mit dem Resultat zufrieden, also fiel uns die Entscheidung leicht. Und jetzt sind wir sogar noch zufriedener mit dem Ergebnis. Der Kerl ist sehr talentiert, intelligent und intuitiv. Und das ist keine Selbstverständlichkeit, wenn es um Toningenieure geht, glaub mir. Ich kann ein ziemlich nerviger Mensch sein, wenn es um die Abmischung meiner Vocals geht, und ich bin mir sicher, dass ich das auch dieses Mal war. Aber ich hoffe, er ist mir nicht böse. Ich möchte nur immer das bestmögliche Resultat erzielen.

Bezüglich dem Songwriting: Stand da schon vor dem Unfall Material bereit oder habt ihr alles in den Jahren 2014 und 2015 geschrieben?

Fast schon alle Songs waren vor dem Unfall bereit, aber die Lyrics gab es noch nicht. Zum Beispiel war der Arbeitstitel des Albums ein anderer. Aber eines Nachts im Krankenhaus, als ich mir einige Notizen machte und lose Ideen aufschrieb, ist mir dieser neue und besser passende Titel eingefallen.

Auf den Promo-Bildern sieht man nur zwei Bandmitglieder – warum ist das so? Repräsentieren diese Fotos die beiden Masterminds von BLAZE OF PERDITION?

Nun, nicht ganz. Alle vier von uns haben beim Songwriting mitgewirkt, es gibt sogar noch ein paar Ideen von 23, die wir aufs Album gepackt haben, um sein unglücklicherweise sehr kurzes Abenteuer bei uns zu ehren. Aber XCIII und ich sind die Hauptkräfte hinter dem Konzept und der Substanz von BLAZE OF PERDITION.

„Near Death Revelations“ ist euer erstes Album auf Agonia Records, zuvor habt ihr vor allem Sachen über Pagan Record veröffentlicht. Was ist der Grund für den Wechsel? Und ist der Vertragsabschluss auch ein Zeichen dafür, dass ihr aus dem Underground herausmöchtet und ein „größerer Spieler“ in der Metal-Szene werden wollt?

Wir versuchen immer, die bestmögliche Option auszuwählen, die sich uns im Moment bietet und ich habe das Gefühl, dass Agonia Records momentan die beste Wahl sind. Es ist noch zu früh, um irgendwelche große Gedanken über das Label zu teilen, aber bis jetzt läuft alles zufriedenstellend. Ich glaube an unser Album und ich glaube daran, dass Agonia etwas mehr daraus machen kann. Wir sind auch sehr stolz auf die Qualität von „Near Death Revelations“, aber ich denke, wir sind alle etwas zu alt und zu verbittert, um uns irgendwelchen Träumen von großem Ruhm auszusetzen. Außerdem sind wir definitiv keine Rockstars, das entspricht nicht unserer Persönlichkeit.




Es wird auch eine Tape-Version von „Near Death Revelations“ via Arachnophobia Records geben. Hörst Du selbst noch viel Musik auf Kassette? Oder warum ist es euch wichtig, eine Tape-Veröffentlichung zu haben?

Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich mir zum letzten Mal eine Kassette angehört habe, aber ich weiß, dass es noch Leute gibt, die große Fans von diesem Format sind. Also warum sollte man sie dann benachteiligen? Als Krzysiek von Arachnophobia auf uns zugekommen ist und gesagt hat, dass er Interesse an einer MC-Version hat, gab es keinen Grund, dies abzulehnen, vor allem wenn man bedenkt, dass wir gute Freunde sind.

In den letzten Monaten und Jahren sind viele starke polnische Black Metal-Veröffentlichung erschienen – INFERNAL WAR, MGLA, ABUSIVENESS und BLAZE OF PERDITION sind nur ein paar Bands, die einem da einfallen. Wie siehst Du die polnische Black Metal-Szene im Moment? Fühlst Du da viel Energie?

Ich muss zugeben, dass ich ziemlich heikel bin, wenn es um polnische Musik geht und nicht jede objektiv gute Band gefällt mir auch. Aber ich freue mich, dass es so viel Talent, Energie und so viele Ideen gibt. Wir können sicher alle auf diese Szene stolz sein und wir sollten hoffen, dass diese Energie nicht aufhört.

Kannst Du uns etwas über die Live-Front erzählen? Sind Konzerte in irgendeiner Form geplant? Oder bleibt ihr vorläufig eine Studio-Band?

Das wird noch besprochen. Ich kann sicher nicht mit der Band mitreisen, aber wir denken gerade über einen guten Ersatz für mich nach, der live die Sache rüberbringt. Momentan konzentrieren wir uns auf die Veröffentlichung und die Promotion. Wir denken über Gigs nach, wenn wir das Gefühl haben, dass es wichtig wird.

Letzte Frage: Habt ihr euren eigenen Proberaum, und wenn ja, was ist das coolste Ding, das man darin finden kann [zum Beispiel eine Flagge, ein Poster, ein zerstörter Kühlschrank et cetera]?

Ja, wir haben einen Proberaum, aber wir betreten ihn dieser Tage nicht besonders oft, die Gründe dafür sollten klar sein. Vielleicht ändern sich die Dinge eines Tages, wir werden sehen. Es gibt darin aber auch kein besonderes Zeug, wenn man von unserem Equipment absieht.

Vielen Dank für Deine wertvolle Zeit und Deine Mühe! Ich wünsche Dir persönlich gute Besserung und für BLAZE OF PERDITION nur das Allerbeste. Die letzten Worte gehören Dir!

Dankeschön.

Squiggofant

Autor: Jonathan Jancsary [Squiggofant] | 14.06.2015 | 18:51 Uhr

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