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Interviewpartner: Tom G. Warrior

„This mind is tired of war, of misery and pain” heißt es im Song „Aurorae“ auf „Melana Chasmata“. Tom G. Warrior, mit dem ich an einem sommerlichen Mittag ein Telefon-Gespräch führen dürfte, scheint allerdings alles andere als müde zu sein. Vielmehr findet er deutliche Worte zu seinem neuen TRIPTYKON-Album, zum Zustand der Metal-Szene und zur Frage, wie man eine große Metal-Band werden kann, ohne sich selbst und den Underground zu verraten. Neugierig geworden? Zurecht! Denn Tom G. Warrior dürfte eine der wenigen lebenden Legenden sein, die nach wie vor intensive und kompromisslose Alben veröffentlichen und die sich niemals an die momentan vorherrschende Musik-Industrie angepasst haben! Vorhang auf!




Du hast ja in zahlreichen Interviews, die ich gelesen habe, schon bestätigt, dass das neue Album rein von der Atmosphäre und der Stimmung her recht anders ausgefallen ist als euer Erstlingswerk. E ist wesentlich melancholischer und ich fand es dahingehend ganz interessant, dass die letzte Zeile auf dem Album „We Shall Be Free“ lautet. Ist das eine positive Bejahung vom Zustand des Todes, vom Ende, vom erlösenden Nichts? Oder steht das in keinem Zusammenhang zu eurer neuen musikalischen Ausrichtung?

Also erstens Mal, ich habe das nicht bestätigt, dass das Album anders klingt. Das wird die ganze Zeit geschrieben. Ich persönliche finde, dass es einfach weitere TRIPTYKON-Musik ist. Ich sehe gar keinen großen Unterschied. Ich sehe überhaupt keinen großen Unterschied, auch nicht zur Musik, die ich auf „Monotheist“ geschrieben habe. Ich mache ganz genau das, was ich immer gemacht habe. Ich habe überhaupt in keinem Detail etwas anders gemacht auf diesem Album. Aber die Reviewer und die Journalisten die interpretieren das halt so. Die wollen immer was ganz Neues erleben bei jedem Album. Ich empfinde das ganz anders. Das sind einfach ein paar neue TRIPTYKON-Songs. Das ist meine Empfindung. Und diese letzte Zeile – ja, Du hast absolut Recht. Das ist die Bejahung. Für mich persönlich und ich weiß, ich steh damit ziemlich alleine da, aber für mich persönlich ist der Tod etwas Wunderschönes, eine Erlösung. Eine Befreiung vom Unwesen dieses Planeten oder des Benehmens der Menschheit auf diesem Planeten.


Mhm. Ja. Wenn ich vielleicht kurz beim ersten Teil dieser Antwort einhaken darf. Was ich aber gelesen habe und was Du selber in Deinem TRIPTYKON-Forum geschrieben hast, ist aber, dass Du mit dem Endergebnis des Albums nicht ganz zufrieden bist. Du erwähnst spezifisch, dass Du das Ganze eigentlich neu abmischen hättest wollen. Könntest Du darüber was erzählen? Weil ich denke gerade ich und auch die meisten anderen Journalisten haben gerade die Abmischung als etwas sehr Gutes erlebt?

Ja, meine Äußerungen in dem Forum waren eigentlich sehr vorsichtig, weil eigentlich stehe ich dem Album extrem kritisch gegenüber. Meine ganze Band findet zum Beispiel die Produktion fantastisch und offenbar auch die ganzen Journalisten. Ich persönlich bin absolut unzufrieden mit der ganzen Produktion. Für mich ist sie tot. Ich kenne Musik … ich habe in den 70ern angefangen, Metal und Hard Rock zu hören. Und damals hat man so produziert, dass das Ganze lebt. Ein ganz krasses Beispiel ist zum Beispiel „When The Levee Breaks“ von LED ZEPPELIN. Hör Dir mal das Schlagzeug da an und hör Dir mal heutige Schlagzeugproduktion an, wie sie zum Beispiel auch auf unserem Album ist; das, was der Viktor, unser Gitarrist, gemacht hat. Es ist sicher eine absolut zeitgenössische Produktion und deshalb wahrscheinlich mit heutigen Augen perfekt. Für mich persönlich als jemand, der eine Generation älter ist, ist sie klinisch tot. Und ich bin mit dem nicht zufrieden. Und es gab auch endlose Diskussionen in der Band, weil die Band sehr happy damit ist … ich nicht. Und ich überlege mir, welche Schritte zu unternehmen sind, dass das auf dem nächste Album anders ist. Weil schlussendlich ist das die Band, die ich gegründet habe und die Songs, die ich geschrieben habe und ich weiß ganz genau, wie die klingen müssen. Und diese perfekte, sterile Schlagzeug-Produktion zum Beispiel, die macht mich fertig. Ich habe gerne wenn die Instrumente atmen, wenn sie leben, wenn man hört, das ist Heavy Metal; und [ich habe es gerne; Anm. d. Red.] wenn sie nicht so perfekt produziert sind, als wäre es ein Videogame. Auch wenn das die heute Empfindung ist. Und da gibt’s noch viele andere solche Beispiele. Ich finde auch der Gitarren-Sound ist böser auf „Monotheist“ oder auf dem ersten TRIPTYKON-Album. Und wenn dieses Album nicht schon dreieinhalb Jahre gedauert hätte, dann hätte ich wahrscheinlich die ganzen Gitarren noch einmal neu aufgenommen. Aber irgendwann war es genug und wir wussten, wir müssen es mal zu Ende bringen.


Das heißt, Du würdest auch sagen, dass die Produktion von eurem ersten Album anders und besser ausgefallen ist als die auf „Melana Chasmata“.

Du, das hört sich natürlich alles sehr subjektiv an. Erstens ist das Ganze für mich nicht eine abstrakte Band, wie es halt für die Zuhörer ist. Sondern für mich ist es meine Lebensaufgabe, es ist mein Lebenswerk. Und ich bin natürlich fanatisch involviert. Ich habe Musik noch nie normal angegangen. Und manchmal ist das auch für meine Band schon fast zu viel, auch wenn sie mich sehr gut kennen. Aber mein Fanatismus und meine Radikalität führen auch für meine Band manchmal viel zu weit. Das muss man vielleicht vorausschicken. Und das erste TRIPTYKON-Album war für mich natürlich unglaublich symbolisch, weil nachdem extrem negativen Zusammenbruch von CELTIC FROST war das auch für mich eine ganz wichtige Stufe, die ich erklimmen musste, und auch für mich ein Beweis, ob ich das ohne CELTIC FROST kann. Das letzte Album, das ich quasi ganz alleine gemacht habe, war „To Mega Therion“ 1985 und ich wollte wissen, kann ich das auch im Jahre 2010 noch und so weiter. Das ist ein ganz, ganz wichtiges Album. Und deshalb ist es für mich ganz persönlich in meinem Lebensweg halt ein Klassiker und das wird für mich wahrscheinlich immer schwierig sein, so Alben wie zum Beispiel „Morbid Tales“ oder „Monotheist“ oder das erste TRIPTYKON-Album zu toppen.


Das kann ich verstehen. Aber in weiterer Folge – ich meine, Du hast jetzt gerade in München mit Deiner Band den ersten Gig nach der Veröffentlichung des Albums gespielt. Und Du wirst diese neuen Songs ja jetzt generell auch performen. Und wie fühlt es sich dann für Dich jetzt an, diese Songs auch live zu präsentieren, wenn Du gar nicht so wirklich zufrieden damit bist?

Ja, es ist nicht so, dass ich mit allem nicht zufrieden bin. Es gibt Details auf dem Album, mit denen ich nicht zufrieden bin. Wenn ich nicht zufrieden wäre, hätte ich das Album nicht rausgelassen. Immerhin ist es ja unser eigenes Studio, unser eigener Verlag und wir waren ja unsere eigenen Produzenten. Es gibt einfach Details, da bin ich nicht happy. Und da denke ich, die werde ich beim nächsten Album anders angehen. So muss man das verstehen. Also es ist ja nicht so, dass ich jetzt gezwungen bin, Songs zu spielen, die ich hasse oder so was. Das sind ja alles meine Songs. Der Unterschied ist natürlich, wir haben unzählige Konzerte mit dem ersten Album gespielt und diese Songs sind uns in Fleisch und Blut übergegangen. Und man merkt, wenn man auf der Bühne steht, dass man sich bei den neuen Songs viel mehr konzentrieren muss und sich mehr zusammenreißen muss, und sich nicht so in den Auftritt reingehen lassen kann wie bei den älteren Songs. Das ist noch der große Unterschied. Aber das wird sich nach ein paar Konzerten natürlich auch legen. Und Songs wie zum Beispiel „Black Snow“ oder „Altar Of Deceit“ – das ist fantastisch, sowas zu spielen, weil da kommt live so eine dunkle Power raus. Das ist schon sehr cool. Der Gig in München war leider … da hatten wir mit unzähligen technischen Problemen zu kämpfen, die nicht wirklich unsere Schuld waren und das war halt schade. Weil vor allem wenn man sich auf neue Songs konzentrieren muss und dann die ganze Zeit abgelenkt ist, weil das Equipment nicht funktioniert, dann ist das sehr schade. Ich hätte mir das ein wenig anders gewünscht, aber es kommen ja noch unzählige Gigs dazu.


Und wie hattest Du das Gefühl, dass die neue Songs bei den Fans selber ankommen. Also Du hast ja vorher schon erwähnt, dass den Journalisten, dem Label und auch den Bandmitgliedern das Album sehr gut gefällt. Und wie hast Du das Gefühl sind so die grundsätzlichen Reaktionen der Fans, gerade auch wenn Du die Songs live präsentierst?

Also wir haben bis jetzt drei Konzert gespielt – Norwegen, das Roadburn und München. Und wie ich bei diesen drei Konzerten mitgekriegt habe, kam das Material sehr gut an. Das Konzert in Norwegen war ja sogar noch vor der Veröffentlichung des Albums, also niemand hatte zum Beispiel „Altar Of Deceit“ gehört und trotzdem ging die ganze Halle mit. Was mich schon sehr erstaunt hat. Das habe ich in dieser Art vorher eigentlich noch nie erlebt als ich in CELTIC FROST war. Das hat sich unglaublich gut angefühlt und war eine unglaubliche Bestätigung nach all den Jahren der Arbeit.




Also Ende des Jahres geht ihr dann ja auf große Tour mit AT THE GATES und MORBUS CHRON. Und habt ihr euch da schon Gedanken gemacht, was für Songs ihr einbauen werdet? Weil ich habe gesehen, ihr habt bis jetzt „Tree Of Suffocating Souls“, „Altar Of Deceits“ und „Black Snow“ gespielt. Ich zum Beispiel würde mir auch „Boleskine House“ oder „Aurorae“ wünschen, weil ich finde „Aurorae“ ist vielleicht einer der besten Songs, die ich von Dir jemals gehört habe?

Also den möchten wir auch live spielen. Das Problem bei diesem Song ist, dass wir, um den einigermaßen adäquat präsentieren zu können, eine zweite also eine dritte Gitarre quasi brauchen. Und wir wissen auch mit wem wir das machen, aber das heißt natürlich, dass wir es nicht immer spielen können, sondern vielleicht nur bei Festivals und bei speziellen Gelegenheiten. Da werden wir den Michael Zech bitten, uns auf der Bühne zu ergänzen, so dass wir die ganze Gitarrenpracht bei „Aurorae“ rüberbringen können. Also den Song werden wir durchaus spielen, aber nicht jeden Abend. Was wir sonst spielen auf der AT THE GATES-Tour, das weiß ich noch nicht, ich weiß gar nicht, wie lange wir da spielen, ob es eine Stunde ist? Das ist noch zu weit weg. Wenn wir 60 Minuten Spielzeit kriegen, dann sind wir natürlich eingeschränkt, weil unsere Songs sind immer sehr lange und sollten wir uns entscheiden, den Abend jeweils mit „The Prolonging“ zu enden, dann fallen schon einmal 20 Minuten weg. Also mit jedem dazukommenden Album wird es immer schwieriger, eine Auswahl zu treffen. Aber wir spielen zurzeit schon ziemlich viel Neues, was nicht mehr viel mit dem Set der ersten Tour gemein hat. Wir geben uns schon Mühe, da etwas zu variieren. Und die AT THE GATES-Tour, das ist für mich eigentlich gar nicht die wirkliche Tour, da sind wir ja „Special Guest“. Wir haben vorher eigene Festival-Konzerte und wir werden auch danach, wahrscheinlich 2015, noch eine eigene Tour machen. Und da werden wir dann bisschen mehr Freiheiten haben, denke ich mir, um mehr Material reinzubringen


Okay, dann würde ich ganz gerne darauf eingehen, wie viel Spaß es Dir noch macht, diese alten HELLHAMMER/CELTIC FROST-Songs für die Fans zu spielen? Ich nehme an, dass Dir die Songs selber noch gefallen, aber verschiedene Metal-Musiker sagen, sie würden nicht mehr akzeptieren, dass sie mit 16-17 Jahren die besten Songs gemacht haben und sie möchten jetzt vor allem neue Sachen spielen. Wie ist das für Dich? Oder wie kannst Du das für Dich vereinbaren, dass Du Neues und Altes gut zusammen bringst?

Ja, ich sehe das eigentlich fast umgekehrt. Ich denke mir, es war mir durch Umstände, die ich nicht kontrolliert habe, vergönnt, in jungen Jahren einige Songs zu schreiben, die schon sehr speziell sind und die auch mir sehr viel bedeuten. Und für mich ist es eher die Schwierigkeit, mir immer wieder neu zu beweisen, ob ich auch heute noch solche Dinge schreiben kann. Ich sehe durchaus, dass man mit 20, mit 18 oder so seine besten Songs schreiben kann. Das ist bei jedem Individuum anders und wenn Du 18 bist, dann bist Du auch getrieben von Testosteron und Du willst Dich beweisen und so weiter und das gibt Dir eine ganz eigenartige Power. Für mich hängt das Ganze davon ab, was bin ich für eine Person? Das ist eigentlich gar nicht eine musikalische Frage, sondern erstens, als ich diese Songs geschrieben habe vor 30 Jahren, habe ich da Schauspiel gemacht oder reflektieren die Songs wirklich ganz ehrlich meine Persönlichkeit. Und das kann ich bejahen. Diese Songs sind sehr ehrlich. Und deshalb … ich bin auch heute noch der Radikale, ich auch bin heute noch der Rebell, ich bin auch heute noch der, der die ganze Zeit aneckt. Und sehr radikal vorgeht. Und deshalb passen diese Songs auch heute noch ganz aufrichtig zu mir. Und es ist für mich weder ein Zwang die zu spielen, noch geh ich auf die Bühne und mach den Schauspieler und betrüge die Fans, in dem ich so tue, als wären noch die HELLHAMMER-Zeiten. Es bin immer noch ich und Du kannst jeden fragen, der mit mir arbeitet, ich bin nach wie vor sehr explosiv und bin ich nach wie vor extrem leidenschaftlich und radikal. Also für mich ist das kein Problem. Ich würde nie einen Song auf der Bühne spielen, den ich nicht mehr mag. Ich habe schon so viele Dinge abgesagt, weil ich sie nicht für richtig hielt. Ich würde das auch nicht spielen für Geld.


Ich denke, dass man Dir das bei den Shows, die Du spielst, immer wieder anmerkt. Wahrscheinlich ist das auch ein Grund, warum sie so gut ankommen. Aber ich glaube, worauf sich die Leute beziehen, ist häufig, dass sie sagen, mit 17 war einfach die musikalische Fähigkeit, das auszudrücken, was in ihnen steckt, noch nicht gegeben. Und jetzt mit 30 oder je nachdem mit 40 sind sie technisch einfach so versiert, dass sie dem Gefühl, das heißt dem gleichen Gefühl, auf eine viel bessere Art und Weise Ausdruck verleihen können.

Ja, das stimmt. Das ist natürlich so. Ich bin heute technisch der viel bessere Musiker. Nur ist das eine komplette Fehleinschätzung. Das sind so die Bands, die zum Beispiel gehen und ihre absolut einzigartigen klassischen Alben der Mitte 80er Jahre jetzt noch einmal neu aufnehmen, weil sie jetzt besser spielen oder weil es jetzt die bessere Produktion gibt und bla bla bla – was da halt alles aufgezählt wird. Was diese Leute vergessen, ist, dass es in der Musik nicht um Technik geht, sondern verdammt nochmal um Emotionen. Und diese Alben aus den 80er Jahren –so unperfekt sie auch sind, schau Dir mal die HELLHAMMER-Produktion an –, sowas kann man niemals re-kreieren, das ist absolute Echtheit. Das sind Gefühle der Angst, der Rebellion, des Aufschreis und der Aggression. Ich könnte das heute natürlich technisch millionenfach besser spielen, ich könnte es viel besser produzieren, aber WHAT THE FUCK! Damit würde ich ja genau das killen, was das eigentlich ausmacht. Das war ja Untergrund-Musik. Und diese Griffbretter-Wichser, die versuchen immer besser zu sein, die verpassen das Allerwichtigste der Musik, nämlich die verdammten Emotionen. Musik ist nicht irgendein Fließbandding, das man technisch machen muss. Sondern Musik ist Kunst, ist Emotion, ist Risiko, ist Anarchie – gerade UNSERE Musik, Hard Rock. Da geht’s um Rebellion. Wissen diese Leute eigentlich, woher diese Musik entstammt. Und damit habe ich ein Problem, damit habe ich ein Riesenproblem.


Ich denke oftmals ist in diesem Kontext auch das Problem, wenn man früh anfängt, hat man noch alle Freiheiten. Aber irgendwann kommt man auch in diese ganze Metal-„Kultur“/Metal-Industrie hinein. Und ich meine TRIPTYKON, noch mehr als CELTIC FROST, ist natürlich auch irgendwie auf einer gewissen Ebene ein Teil der Musik-Industrie, auch weil ihr bei einem großen Label seid. Und es ist doch wahrscheinlich recht schwierig, das was Du gerade beschrieben hast, also die Anarchie und dieses Gefühl auszudrücken, mit regelmäßig auf Tour gehen, mit Promo-Sessions und so weiter zu verbinden. Ist das für Dich nicht wahnsinnig schwierig, das irgendwie zu verbinden und trotzdem das Gefühl zu haben, Du bist dem Underground treu geblieben?

Nein, überhaupt nicht. Erstens bin ich Underground, weil ich mich mit meiner Musik nicht angepasst habe. TRIPTYKON ist nach wie vor eine Musik, die kommt nicht in die Charts. Meine Band wird z.B. in meinem Heimatland komplett geschnitten, weil die Leute, die an den entscheidenden Stellen sitzen, in den Medien sagen, dass das dem Zuhörer, dem Zuschauer nicht zumutbar ist. Ich bin definitiv noch Underground. Das Zweite ist, was soll das? Das trifft doch nicht zu. Du redest von Bands, die sich in Fotos in Leder und mit Nieten und als Männer mit Schwertern und Waffen und ich weiß nicht was präsentieren und sagen, wir sind die Obermacker. Die totalen Machos. Und nachher wird gesagt, wir sind jetzt in die Industrie reingezwängt worden und wir können nicht mehr. Das ist doch alles bullshit. Wenn ich mich in den Fotos schon als Mann gebe und das tue ich, dann bin ich auch verdammt nochmal Mann in meiner Karriere. Und das heißt für mich, ich mache alle Entscheidungen so, wie es mir verdammt nochmal passt. Ich habe mein eigenes Label gegründet, genau deshalb, weil ich die Kontrolle darüber haben will, was ich mache. Und wenn es mir zum Beispiel nicht mehr passt, heute Interviews zu machen, dann ruf ich Century Media an und sage, es ist jetzt fertig. Und niemand da wird aufmucken, weil die ganz genau wissen, wenn der Tom das sagt, dann meint er es auch. Und das Label, bei dem ich bin, Du sagst, ihr seid bei einem großen Label. Ja, das stimmt nicht! Ich bin bei Prowling Death Records; dieses Label hat nur HELLHAMMER, CELTIC FROST und TRIPTYKON. Und dieses Label ist als Partner zu Century Media hingetreten und hat gesagt, wir haben dieses Album produziert, lizenziert es. Ich habe die volle Kontrolle über jeden einzelnen Satz, über alles, was rausgeht bei Century Media, weil ich der Labelchef bin. Und das habe ich genau deshalb gemacht, um zu verhindern, was Du gesagt hast. Und in der heutigen Zeit, mit den heutigen Mitteln, kann das jede Band auch machen. Und wenn sie das nicht tun, dann heißt das einfach, die haben es nicht drauf. Die heutige Zeit hat es für jede Band so einfach gemacht, die Kontrolle zu übernehmen und auch der Mann zu sein, den sie vorgeben zu sein. Es gibt keine Entschuldigung. Also heute noch in den 80ern zu sagen, das Label hat mich gezwungen oder ich kann nicht anders, da kann ich nur lachen. Das entspricht nicht der Realität. Und Du kannst mir glauben, ich mache das seit 32 Jahren. Ich habe beide Zeiträume erlebt.


Die Frage ist halt insgesamt interessant, wie man es schafft, das zu verbinden und eben dem treu zu bleiben, was man glaubt. Und TRIPTYKON und CELTIC FROST sind dafür sicher ein interessantes Beispiel.

Wenn Du weißt, was Du tust, dann ist die beste Art und Weise vorzugehen diejenige, die Kontrolle zu behalten und zwar so weit wie es nur geht.




Ich verstehe. Nun noch zu einem anderen Thema: Ich habe gelesen, dass ihr noch mehr Musik aufgenommen habt für eine EP, die veröffentlicht werden soll. Kommt die noch vor der Tour im Dezember oder kommt die erst 2015?

Es war eigentlich geplant, diese Ende des Jahres zu machen. Ob wir das auch machen, das weiß ich noch nicht. Also die wird sicher kommen, aber es kann gut sein, dass das Anfang 2015 sein wird. Wir gehen das relativ spontan an. Weil für uns ist an sich das Hauptwerk das Album. Aber die EP wird kommen und es gibt auch noch ein oder zwei andere Songs, die noch nicht veröffentlicht worden sind, die aber wahrscheinlich noch raufkommen. Also es wird definitiv nicht irgendwie ein Abzock-Produkt sein, sondern es wird definitiv die Band repräsentieren. Und sie wird durchaus ein eigenständiges Produkt sein. Aber wir sind da gerade nicht so im Stress, dass es gleich morgen sein muss. Die kommt schon.


Ja, ich habe nur gedacht, weil eure letzte EP kam dann ja recht fix.

Das hatte auch damit zu tun, weil wir auch das „Shatter“-Video recht spät nach dem Album fertiggestellt haben und die EP natürlich zusammen mit dem Video veröffentlicht wurde. Aber dieses Mal ist es ein bisschen anders; die beiden Videos sind bereits abgedreht. Das erste wird in Kürze erscheinen und deshalb sind wir mit der EP relativ frei und können sie dann machen, wenn es sich richtig anfühlt.


Damit hast Du meine nächste Frage halb beantwortet. Ich wollte wissen, zu welchen Songs ihr dieses Mal Videos machen werdet. Kannst Du das schon verraten oder soll das erst herauskommen, wenn das Video tatsächlich erscheint?

Nein, das ist kein Geheimnis. Das erste Video wird für den Song „Aurorae“ geben und das zweite Video, was dann wahrscheinlich irgendwann Ende Jahr rauskommt, betrifft den Song „Tree Of Suffocating Souls“.


Da bin ich gespannt, wie das aussehen wird. Ich habe gelesen, dass Du eigentlich schon sehr viel Material für die nächsten TRIPTYKON-Alben in Deinem Kopf hast und dass Du ungefähr weißt, wie die neuen Alben ausschauen sollen bzw. wie sie für Dich selber werden sollen. Hast Du da schon immer so grundsätzlich einen Faden im Kopf, wie Deine nächsten Alben ausschauen sollen? Hängen die irgendwie zusammen? Oder wie kann ich mir das ungefähr vorstellen, also wie arbeitest Du und wie planst Du Deine Alben?

Also das trifft zu. Die nächsten Alben sind ziemlich weit gediehen, sowohl in meinem Kopf wie auch im Computer, was das Design betrifft. Das Design steht eigentlich. Ich weiß wie die aussehen und so weiter. Ich weiß auch die generellen Themen und so. Das ist schon alles zusammenhängend und das ist irgendwie eine Tradition, die haben wir damals bei der Gründung von CELTIC FROST begonnen. Wir haben damals auf 3 Alben vorgeplant und ich habe das dann später beibehalten. Für mich persönlich ist das einfach die Arbeitsweise, die sich für mich am komfortabelsten anfühlt. Ich mache nicht gerne was per Zufall. Ich mache es nicht einfach in der letzten Minute, sondern ich weiß gerne, was ich mache und ich weiß gerne, wie das weitergeht. Ich muss zum Beispiel unbedingt wissen, wie ein Album aussieht, also vom Design her, von der Kunst, die auf dem Cover ist. So dass ich das Album auch dementsprechend fertigstellen kann. Für mich muss die Musik und das Bildliche eins sein. Und deshalb ist es sehr wichtig, beides zu kennen und nicht nur eines davon.


Weil ja auch Dein jetziges Album wieder ein Cover-Artwork vom bekannten Künstler Giger hat; wird das weiter fortgesetzt, weißt Du das schon, oder ist das noch unklar?

Das weiß ich schon [lacht]. Das weiß ich schon. Könnte sein, könnte aber auch nicht sein [lacht].


Dann will ich da nicht weiter darauf eingehen, wenn das noch nicht geeignet ist, um darüber zu reden. Noch etwas zu Dir persönlich. Ich habe mir letzthin von Dayal Patterson das Buch „Black Metal – Evolution of the Cult“ gekauft und da kommst Du ja auch vor – wieder einmal mit HELLHAMMER und CELTIC FROST. Da wird in Kurzform Deine Geschichte erzählt, die man ja auch aus Deinen Büchern teilweise kennt. Wie ist denn das für Dich persönlich, dass Du diese „Geschichten“, also Deine Vergangenheit, immer und immer wieder erzählen sollst? Oder dass immer wieder danach gefragt wird? Wäre es Dir lieber, man würde häufiger über Deine neuen Alben bzw. die neuen Sachen, die passieren, reden, als dass Du immer wieder darüber sprechen musst, wie alles angefangen hat?

Nein, das ist schon okay. Ich begreife das schon, warum das gefragt wird. Und das ist ja nicht so, dass das eine das andere ausschließt. Ich werde ja pausenlos auch nach meiner neuen Arbeit gefragt. Also ich fühle mich jetzt weder in der einen noch der anderen Richtung unausgefüllt oder nicht beachtet. Nein, das ist völlig okay. Und meine Vergangenheit ist ja für mich genau so wichtig. Ich verstehe das schon. Das ist okay.


Okay. Abschlussfrage: Könntest Du uns den Namen einer Underground-Band verraten, die Du kürzlich entdeckt hast und die man sich anhören sollte. Das muss keine Metalband sein, das kann auch was ganz anderes sein.

Naja, wenn es nicht Metal sein soll, dann würde ich definitiv die Solo-Alben des DEAD CAN DANCE-Gründers Brandon Perry empfehlen. Er hat zwei Soloalben und die sind grandios. Das ist Musik auf der höchsten Stufe! Und wenn es Metal sein soll: eine Band, die mich extrem beeindruckt hat, ist PORTAL aus Australien. Die Radikalität und Dunkelheit dieser Band ist absolut einzigartig.


Vielen, vielen Dank für Deine Zeit!


Squiggofant

Autor: Jonathan Jancsary [Squiggofant] | 05.05.2014 | 15:52 Uhr

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