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Band: Anaal Nathrakh Homepage Metalnews nach 'Anaal Nathrakh' durchsuchen Anaal Nathrakh
Interviewpartner: V.I.T.R.I.O.L.

Zwar haben die britischen Extrem-Metaller ANAAL NATHRAKH erst im letzten Jahr mit „Passion“ ein Album auf die Welt losgelassen, doch nun folgt – knapp eineinhalb Jahre später – schon der nächste Silberling in Form von „Vanitas“. Sänger Dave Hunt alias V.I.T.R.I.O.L. steht im Interview wieder einmal ausführlich Rede und Antwort in Sachen ANAAL NATHRAKH.




Hi Dave! Mit „Vanitas“ steht in wenigen Tagen eine neue Veröffentlichung über Candlelight Records an. Was hat es mit dem Titel auf sich? Ist hiermit „vanity“, also die Eitelkeit, gemeint? Was verbindest Du damit?

Das englische „vanity“ wäre falsch, wobei „vanitas“ oft so übersetzt wird, dabei aber die Bedeutung des Wortes verfehlt. Das englische Wort „vanity“ ist größtenteils nur mit der Schönheit verbunden, während „vanitas“ mehr in die Richtung von Bedeutungslosigkeit und Leere geht. Wir nutzen jedoch beide Konzepte. Die Auffassung besteht also darin, dass alles bedeutungslos ist, es aber auch eine Bedeutung als Fassade gibt. Eine der Sachen, die mich schon seit Langem faszinieren, ist die Wahrnehmung, dass das, von dem wir glauben, was geschieht, nur die Oberfläche und nur eine mögliche Interpretation der Wirklichkeit ist. Die Wahrheit der Realität ist viel einschüchternder. Wir können die Zukunft nur auf einer festen Basis aus unnachgiebiger Verzweiflung bauen.


Was kannst Du uns zu dem düsteren Artwork erzählen? Was hat es mit den Formeln im Hintergrund zum Beispiel auf sich? Ist das so eine Art Statement, wie nahe Schönheit/Eitelkeit und Tod beieinander liegen können?

Wir haben ziemlich viel Zeit in die Erstellung des Covers investiert, d.h. uns etwas Geeignetes einfallen zu lassen, was Mick dann umsetzt. Wir hatten eine ganze Reihe von Ideen und sie dann aber wieder abgehakt, ehe wir uns auf das finale Motiv einigten, das ihr jetzt sehen könnt. An das Mittelalter angelehnte Bildnisse, die Verfremdung alter Bilder und jede Menge andere Ideen. Wir sind aber ziemlich stolz auf das, was wir da erschaffen haben – es ist meiner Meinung nach ein ausdrucksstarkes Bild. Dabei gibt es ziemlich viele Details, die in das Artwork integriert wurden – die Idee einer Fassade, die grausame Wahrheit, die direkt unter der Oberfläche liegt. Das Leben, der Tod, wie vergänglich das Leben ist [Vanitas ist übrigens auch der Name einer Genrebezeichnung in der Kunst, die sich sehr am Memento-Mori-Stil orientiert]. Also haben wir da diese Darstellung der Schönheit, oder zumindest des Lebens, als Fassade als Hauptaugenmerk des Motivs. Dann sind da aber noch Elemente zu finden, die sich auf die menschliche Auffassung beziehen, und die Formeln, die ich ausnotiert habe und die Mick in das Bild eingebettet hat, beziehen sich auf die entropische Physik, d.h. sie deuten auf den letztendlichen Hitzetod des Universums selbst hin. Und diese Dinge weisen wiederum auf den Ansatz hin, dass es eine versteckte Wahrheit unter der Oberfläche gibt.


Welche Veränderungen zu den Vorgängeralben kannst Du feststellen? Würdest Du Euren aktuellen Sound als „gereifter“ bezeichnen? Außerdem scheinen die Abstände zwischen den Alben kürzer und diese selbst extremer zu werden?

Gereifter? Mag sein, man reift auf jeden Fall und wird sich der Vorgänge bewusster, wenn man etwas beständig ausübt – Musik machen, Essen zu sich nehmen, Sex haben etc. Ausgereifter bedeutet bei uns jedoch nicht zurückhaltender, wie man dies auch deuten könnte. Um die Artwork-Metapher ein bisschen zu weit zu übertragen: Wir nutzen einen größeren Farbenreichtum und verfügen heutzutage über etwas feinere Pinsel. Ich denke aber, dass der Hauptgrund darin besteht, dass unsere besseren Fähigkeiten, Musik zu machen, sich auch darin widerspiegeln, was wir damit auszudrücken versuchen. Mick war schon immer ein sehr instinktiver Songwriter, und ich selbst habe mich immer schon sehr auf meinen Instinkt verlassen, wie ich mit meinem Gesang auf die Musik reagiere, die er geschrieben hat. Unsere Instinkte sind nun aber besser und haben sich mehr entwickelt.




Was kannst Du uns zu den Songs „The Blood Dimmed Tide“, „Todos somos humanos“, „Make Glorious The Embrace Of Saturn“ und „In coelo quies, tout finis ici bas“ berichten? Was hat Dich diesmal am meisten beeinflusst?

„The Blood Dimmed Tide“ bezieht sich auf einige Ideen in dem Gedicht „The Second Coming“ von Yeats – ich überlasse es Euch einfach selbst, Euch das Teil mal durchzulesen. Ich mag das Konzept – nicht die Wirklichkeit, sondern die Grundidee –, etwas so Mehrdeutiges wie eine blutgetränkte Flut zu entfesseln. Und diese halbmystische, apokalyptische Vision eines Biests, das nach Bethlehem kriecht, um dort geboren zu werden. Ich weiß nicht, ob es nun prophetisch oder überhaupt korrekt ist, aber es fasziniert mich auf alle Fälle.
„Todos...“ war ein Satz, den mir eine Frau in Brasilien entgegenschrie, als wir dort mit BENEDICTION ein paar Konzerte gespielt haben. Wir sind alle nur Menschen; sie wollte, dass ich das verstehe. Ich weiß nicht, warum sie gedacht hat, dass ich mir dessen nicht bewusst sein könnte – ich bin mir dessen auf sehr schmerzhafte Weise bewusst –, aber es schien ihr ziemlich wichtig zu sein. Der Song ist also eine Reaktion auf genau das.
„Make Glorious...“ dreht sich um das Verständnis dessen, dass Deine Dämonen ein Teil von Dir sind. Es gibt da ein Gemälde von Goya, in dem Saturn seine Kinder verschlingt; das fasziniert mich schon seit Jahren aufgrund des blanken Horrors, das es darstellt. Ich habe eine Kopie davon in einem Rahmen an meiner Wand. Ich habe noch kein Gemälde gesehen, das so kraftvoll solch ein persönliches Empfinden von Grauen einfängt. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass solche Dinge so eine Wirkung auf uns haben, weil sie mit irgendetwas tief in uns korrespondieren, und dass ich ein ähnliches Empfinden dieses Horrors in mir feststellte. Ich werde jedoch nicht davor wegrennen, ganz sicher nicht im Kontext von ANAAL NATHRAKH. Der Ansatz des Songs besteht also darin, die Oberhand darüber zu erlangen, von seinen Ängsten verschlungen zu werden.
„In coelo...“ ist ein Zitat aus Schopenhauers frühen Tagebüchern, die ich mehr oder wenig in die Hand nahm und dann damit weitermachte. Man könnte es auf verschiedene Arten lesen – dass Himmel und „hier unten“, d.h. die temporäre, mit Makeln behaftete, banale Welt, Aspekte ein und derselben Sache sind – des Lebens. Oder dass das Himmelreich nur etwas Abstraktes ist, etwas wie eine platonische Form. Oder dass wir alle ab dem Moment, in dem wir geboren wurden, langsam sterben. Und es gibt sicher noch andere Ansätze, aber das ist in etwa das, womit sich dieses Stück beschäftigt.
Die generellen Einflüssen waren wieder so ziemlich alles Mögliche. Dinge, die ich in den Nachrichten sah, Bücher, die ich gelesen habe, Ereignisse im Laufe der Welt, über die ich mir Gedanken gemacht habe. Ich nehme das Leben als eine große Konstellation von Phänomenen wahr; es ist nicht so, als wären da manche Dinge, die sich als Inspiration eignen, und solche, bei denen das nicht der Fall ist. Alles lässt sich überall finden. „Ich werde Euch die Angst in einer Hand voll Staub zeigen“ ist nur der Anfang davon.


Übrigens: Ist das Stück „Of Fire, And Fucking Pigs“ eventuell ein etwas augenzwinkernder Hinweis auf FUKPIG, bei denen Mick und Du ja auch schon involviert wart? Oder worum geht es?

Nö. FUKPIG beschäftigt Mick nur ein wenig, besteht aber vor allem aus seinem Bruder Paul sowie Dunc. Und der Name des Songs stammt von einem Bild, das ich im Kopf hatte, als ich einmal die Augen schloss. Wir mögen aber natürlich beide FUKPIG. Mick hat für sie Sachen geschrieben und programmiert, und ich habe live schon ein paar Mal am Bass ausgeholfen und auch Gastgesang beigesteuert. Davon abgesehen sind sie aber eine fast gänzlich andere Geschichte. Ich bekomme manchmal einfach diese Bilder in meinem Kopf – wir hatten vor ein paar Alben mal einen Titel, der „I Wish I Could Vomit Blood On You... People“, wo es ganz genauso ablief. Bei „Of Fire, And Fucking Pigs“ bin ich die Straße hintergelaufen, und als ich blinzelte, hatte ich ein Bild der gleichen Straße vor Augen, allerdings war es Nacht, alles war in roter und schwarzer Farbe, Gebäude brannten, die Straßen waren voller Verdorbenheit, inklusive fickenden Schweinen. Ich sehe den Titel aber auch als Metapher – die Welt zu betrachten, fühlt sich für mich im Großen und Ganzen so an, als würde ich Schweinen beim Ficken zuschauen, und das Feuer ist meine Wut über manche der Dinge, die ich sehe.


Wie haben sich Eure inzwischen häufigeren Konzerte auf das Songwriting ausgewirkt? Oder spielt das keine Rolle, wenn Ihr neue Songs schreibt?

Es hat das Songwriting keineswegs beeinflusst. Wenn wir ein Album schreiben, dann konzentrieren wir uns nur darauf, das bestmögliche Album dabei herauszuholen. Wir denken nicht über die Konzerte nach. Wenn wir dann live spielen, dann wählen wir aus den aufgenommenen Songs die Stücke aus, von denen wir denken, dass sie live am besten funktionieren. Es ist aber nicht anders herum, dass wir Songs für die Bühne schreiben oder so. Wenn sich herausstellt, dass die Songs, die sich am besten eignen, live ziemlich schwierig umzusetzen sind, nun ja, dann ist das einfach ein Teil der Herausforderung!


Bis zu welchem Grad setzt Ihr eigentlich Gesangseffekte ein? Wie stehst Du dazu? Im Booklet der neuen CATTLE DECAPITATION lässt sich z.B. das Statement „All vocals are created organically“ finden.

Einige Teile mögen ein wenig verzerrt sein, weil ich so laut singe und weil wir manchmal auch beschissene Mikros benutzen. Da wir aber den Klang mancher Mikros mögen und uns auch nicht an dem geringfügigen Kratzen stören, das dann entsteht, belassen wir es einfach dabei. Wir machen das aber nicht so oft, wie man vielleicht annehmen könnte, und wir benutzen außer ein wenig Hall [was auf so ziemlich jedem Gesang liegt, von dem man jemals eine Aufnahme gehört hat] eigentlich so gut wie keine anderen Effekte. Manchmal dann noch so einen „Down the phone“-Effekt für Parts im Hintergrund, um sie einfach ein bisschen von dem Hauptgesang im Vordergrund abzuheben. Ich mag Gesang mit Effekten nicht, es sei denn, es sind wirklich „Klangeffekte“, wo dann wiederum alles erlaubt ist, da die Stimme wie ein flexibles Instrument eingesetzt wird. Beim Titelstück unseres ersten Albums gibt es beispielsweise diesen langen Abschnitt mit einigen echt merkwürdigen Geräuschen, die wir erzeugten, indem wir mit einem Gesangseffekt herumexperimentiert haben. Es ist aber nicht als Gesang anzusehen, und die meisten Leute würden erst gar nicht realisieren, dass das Gesang ist und keine Samples oder irgendwas in der Art.
Vor ein paar Alben hatten wir auch mal so ein Statement, das so ähnlich war wie das von CATTLE DECAPITATION, aber es erscheint ein bisschen sinnlos, das immer wieder zu betonen. So ähnlich wie bei DEICIDE vor ein paar Jahren. Aber nein, es gibt kein Auto-Tune, keine Harmoniser oder Pitch Shifter – nichts von diesem Müll. In so gut wie allen Fällen – so auch bei dem langen Schrei bei „Forging Towards The Sunset“ auf „Vanitas“ – gilt: Was man hören kann, stammt von mir. Wobei ich auch betonen muss, dass ich Gesangseffekte nur dann für schlecht halte, wenn sie zum Schummeln dienen. Wenn sie offensichtlich sind und einfach zum Erzeugen von Atmosphäre eingesetzt werden, dann habe ich kein Problem damit. So hat beispielsweise das exzellente Album von FEVER RAY jede Menge Pitch Shifting etc., aber das ist kein Beschiss und es gibt keine Versuche, um das irgendwie zu verheimlichen. Es wird einfach so wie ein Gitarreneffekt oder etwas Vergleichbares eingesetzt. Ich denke, dass CATTLE DECAPITATION vermutlich auch etwas in der Art damit gemeint haben. Es ist mehr ein Statement dahingehend, die Leute nicht darüber anzulügen, zu was man selbst in der Lage ist, als etwas, das mit der „Reinheit der menschlichen Stimme“ zu tun hat. Ich mag es jedenfalls nicht zu tricksen und finde es dezent nervend, wenn manche Leute sagen, dass etwas, das von mir stammt, nicht echt war; aber davon abgesehen ist mir das alles ziemlich egal.


Wird es auch für „Vanitas“ wieder eine Vinyl-Fassung geben, vermutlich über FETO? Welches Bonus-Material würdest Du dazupacken, wenn es in finanzieller Hinsicht keine Grenzen gäbe?

Ja, es dürfte in Kürze eine Vinyl-Version über FETO geben. Ihr müsst aber einfach abwarten, um herauszufinden, was sich darauf befinden wird. Hm, wenn wir alles draufpacken könnten, was wir wollen? Ich weiß, das wäre total lachhaft, aber es wäre cool, einige Sachen, die auf den Ideen für das Albun und den Aufnahmen basieren, zu integrieren. Auszüge aus Büchern, Bilder, ein paar Bier, die wir getrunken haben [bei „Vanitas“ war das z.B. hauptsächlich Bud Light – nicht gerade das beste Bier, aber wir waren in Amerika – und Biere aus Kleinstbrauereien mit den aberwitzigsten Namen]. Bei „Passion“ war es dagegen vor allem Strongbow Cider – und so weiter und so fort. Über die Jahre hinweg hätten wir Ausgaben von „1984“ und „Moment Of Freedom“ oder das erwähnte Goya-Gemälde etc. weitergeben können. Oder vielleicht auch nur interessante Sachen, die indirekt mit dem Album zu tun haben. Das wäre ziemlich cool, wenn es möglich wäre.


Wie nimmst Du die aktuelle Musikszene und den Nutzen von Social Media diesbezüglich wahr? Interessieren Dich Clicks oder bist Du eher überrascht, wie viele Leute sich z.B. den „Vanitas“-Trailer auf YouTube angeschaut haben?

Mir ist das in jeglicher Hinsicht ziemlich egal. Die Welt ist die Welt, und heutzutage gehört nun mal dieses Social-Website-Zeug dazu. Letzten Endes ist das einfach nur Informationsmaterial. Ich selbst benutze Facebook nicht wirklich oft, da ich es die meiste Zeit über nicht besonders interessant finde. Manchmal ist es aber nützlich, und viele Leute benutzen es sehr viel, sodass es ein offensichtlicher Ort ist, um den Leuten etwas über die Band mitzuteilen. Das Gleiche gilt für YouTube. Sie sind einfach nur Teil unserer Welt im Jahr 2012. Niemand wird dazu gezwungen, sich diesen Dingen zu widmen, aber wenn sie dies möchten und einige Einblicke in „Vanitas“ in Form von z.B. Clips erhalten möchten, dann können sie diese finden. Die Tatsache, dass 20.000 oder wie viel auch immer Leute sich das Video angeschaut haben, bedeutet lediglich, dass die Leute gespannt auf die Veröffentlichung des Albums sind. Das wollen wir auch stark hoffen, denn andererseits würde es nicht sehr viel Sinn ergeben, das Teil zu veröffentlichen!


Da wir uns im Jahr 2012 befinden und viel über den Untergang der Welt spekuliert wurde und da ANAAL NATHRAKH ja nicht gerade wenig apokalyptisches Potenzial mit sich bringen: Kann die Welt Deiner Meinung nach eventuell noch gerettet werden oder trifft es der neue Songtitel „You Can't Save Me, So Stop Fucking Trying“ eher?

Es ist, wie es ist... Ich bezweifle, dass jegliche Anstrengungen, um etwas von dem Ausmaß einer Gesellschaft zu retten, letztlich irgendetwas bewirken werden. Oh, man kann natürlich etwas erhalten. Man kann einen kleinen Anteil an Dingen bewahren, wie zum Beispiel gefährdete Tierarten. Ich finde, dass diese Bemühungen etwas Nobles haben, auch wenn sie scheitern. Genauso wie der Tod von Sokrates nobel war. Aber kann man, zum Beispiel, die westliche Gesellschaft retten? Ich weiß nicht, ob man so fragen kann. Ich denke mal, dass sie für eine gewisse Zeit bestehen bleiben wird, mit gelegentlichem Aufblitzen an ausgeschöpftem Potenzial oder von Größe – und einem überwiegenden Großteil an überwältigendem, erstickendem, beschissenem Verhalten. Genauso wie jede andere menschliche Gesellschaft. Insgesamt betrachtet, gehe ich davon aus, dass wir als Spezies uns selbst verzehren und dann verschwinden werden. Bis dahin wird es Aspekte unserer Welt geben, die wunderbar und ehrfurchtgebietend und tiefsinnig sind, genauso wie es jede Menge Seiten geben wird, die alles wie einen furchtbar schlechten Witz oder ein riesiges Laboratorium für Folter und Ausbeutung aussehen lassen. So etwas wie Erlösung ist eine Täuschung.




Wie sieht dann die nähere Zukunft bei Euch aus? Das letzte Summer Breeze liegt hinter Euch, und irgendwie war da auch etwas über eine Kanada-Tour zu hören. Wie sieht es mit Europa aus? Mit wem währt Ihr gerne unterwegs?

Ja, Kanada, danach dann einige Konzerte in Großbritannien. Außerdem haben wir über Touren in Europa kurz nach dem Jahreswechsel gesprochen. Was die Frage des Tourpartners betrifft, so ist das schwer zu sagen. Es ist so, dass mindestens die Hälfte der Leute, die wir uns selbst wünschen würden, ziemlich merkwürdige Tourgefährten für ANAAL NATHRAKH darstellen würden, und das Ende vom Lied ist eigentlich, dass die zwischenmenschliche Dynamik wesentlich wichtiger ist, wenn Du selbst tourst, als die Frage der musikalischen Kompatibilität der Bands. Augenscheinlich wollen die Fans natürlich einen Haufen Bands sehen, die sie mögen, aber wenn man in einem Bus zehn Zentimeter von den anderen Menschen entfernt ist und sie sich als Arschlöcher herausstellen, dann ist es eigentlich egal, wie gut ihre Musik nun sein mag. Es wäre sehr cool, eine Reihe von Auftritten mit NAPALM DEATH zu bestreiten, finde ich. Wir kennen die Jungs sowieso, und die Musik dürfte die Fans beider Bands ansprechen. Was wirklich lachhafte Kombinationen anbelangt, die nie passieren werden, dann wären das für mich wohl WHITEHOUSE und für Mick wahrscheinlich MICHAEL JACKSON. Er ist da ein bisschen schräg unterwegs. Ich bin aber gespannt, was sich bezüglich der angesprochenen Europatour ergeben wird, falls es sich realisieren lässt. Es wurde aber noch nicht angekündigt, insofern darf ich Euch nicht verraten, mit wem das sein wird!


Gibt es irgendwelche Neuigkeiten zu Euren anderen Projekten und Bands? Wie sieht es eigentlich mit dem längst überfälligen BENEDICTION-Album aus?

Wir schreiben immer noch daran. Das alte Biest braucht einfach sehr lange, um sich bewegen, haha! Aber: BENEDICTION sind mehr als lebendig, es geht uns gut, und wir hoffen, dass wir irgendwann Anfang nächsten Jahres im Studio sein können. Wir haben für 2013 schon Festivals etc. anstehen, also sollten wir bis dahin ein neues Album am Start haben. Obwohl es also ein bisschen still war in letzter Zeit, so arbeiten wir beständig daran.


Bonusfrage 1: Welches Buch hat Dich in letzter Zeit fasziniert, sodass Du uns dieses evtl. empfehlen möchtest?

Das, was ich zuletzt gelesen habe und was einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat, war eine Kurzgeschichte. „I Have No Mouth And I Must Scream“ von Harlan Ellison. Ich fand es einfach unglaublich, aber ich habe auch einen ziemlich speziellen Geschmack bei Literatur. Das Teil wurde in einer einzigen fieberhaften Nacht verfasst, und ich bin der Meinung, dass es möglichst am Stück gelesen werden sollte. Aber verdammte Scheiße. Ich habe es einem Freund empfohlen, und ich habe darauf geachtet zu erwähnen, wie grauenhaft es ist. Trotzdem hat er mich, nachdem er es gelesen hatte, einen Bastard genannt, weil ich ihm davon erzählt hatte, und gesagt, dass seine Seele Qualen erlitten hätte. Also sucht danach und lest es meinetwegen auch, es ist einfach brillant, und es geistert auch im Internet herum, aber sagt dann bloß nicht, dass ich Euch nicht gewarnt hätte.


Bonusfrage 2: Wenn man die Musik von ANAAL NATHRAKH verfilmen würde, was für ein bestimmter Film oder welches Genre würde das wohl sein? Etwas in der Art von „1984“, aus dem Ihr ja auch schon Samples hattet [„Imagine a boot stamping on a human face – forever...]?

Fuck, keine Ahnung. Ideologisch wäre so etwas wie „1984“ sicher okay. Vom Klang der Musik her wäre das vermutlich eher wie die Abschnitte in der Hölle aus „Constantine“. Er ist nicht der beste Film, aber er enthält einige gute Ideen. Oder vielleicht auch dieser rekonstruierte Logbuch-Eintrag aus „Event Horizon“. Noch ein gutes Beispiel wäre „Threads“ – der ist nicht sonderlich gut bekannt, aber der Streifen wurde in den Achtzigerjahren von der BBC erstellt und befasst sich damit, was geschehen würde, wenn eine Atomwaffe auf Sheffield niedergehen würde. Die Sache daran ist, dass Sheffield ein ziemlich bodenständiger Ort und viel alltäglicher ist als diese ganzen großen Filme, die ein verherrlichendes Bild von diesem Ereignis in New York oder so darstellen. Nein, „Threads“ ist vermutlich der unerbittlichste, zermürbendste Film, den ich jemals gesehen habe, gerade weil er in vielerlei Hinsicht so alltäglich ist. Ich glaube, der wurde auch nur einmal ausgestrahlt, und falls das wirklich so ist, kommt es mir wahrscheinlich vor, dass die Leute es einfach nicht verkraften konnten, das erneut im Fernsehen anzuschauen. Vermischt das mit etwas völlig Gewalttätigem und Dämonischem – und dann sollte das ziemlich gut hinkommen.



soulsatzero

Autor: Alexander Eitner [soulsatzero] | 15.10.2012 | 22:44 Uhr

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