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Band: Anaal Nathrakh Homepage Metalnews nach 'Anaal Nathrakh' durchsuchen Anaal Nathrakh
Interviewpartner: V.I.T.R.I.O.L.

ANAAL NATHRAKH haben sich bekanntlich schon immer einen Dreck um musikalische Konventionen geschert. Dies unterstreichen die beiden Briten mit ihrem neuen Schlachtfest, „In The Constellation Of The Black Widow“, das sogar noch brutaler als die Vorgängerwerke aus den Boxen schallt. Sänger V.I.T.R.I.O.L. a.k.a. Dave Hunt äußert sich ausführlich zu „In The Constellation Of The Black Widow“ und den Zukunftsplänen von ANAAL NATHRAKH.




Hallo ANAAL NATHRAKH! „In The Constellation Of The Black Widow“ heißt Eure neue Scheibe, die einen ganz schön plattwalzt und keine Gefangenen macht. Kannst Du uns bitte ein wenig mehr zum Titel, dem Konzept, falls es eins gibt, und der Rolle von Jens Bjørneboe erzählen?

Vielen Dank, das freut mich, dass es Dir gefällt. Und ja, der Albumtitel stammt von Bjørneboes Buch „Moment Of Freedom“. Ein Fan hat es mir empfohlen, und auch wenn solche Sachen natürlich immer subjektiv sind, fand ich es total umwerfend. Der Titel selbst entstammt einem merkwürdigen, jedoch kraftvollen Abschnitt, in dem die Hauptfigur über die verschiedenen Kunstwerke berichtet, die sie sich in verschiedenen Museen angesehen hat. Dies wird durch mehr, sehr entrückte Erwähnungen von weltlichen Geschehnissen der damaligen Zeit ergänzt. Zum Ende dieser Passage hin sagt er: ‚Uranus and Pluto stood in conjunction in the sign of the black widow’, was ich als Hinweis auf die Atombombenexplosionen in Japan verstanden habe. Somit ist es zwar kein Konzeptalbum oder etwas in der Art, aber ich würde sagen, dass einige der Songs auf dem gleichen Thema, der Unmenschlichkeit der Menschen den Menschen gegenüber, fußen.


Wie sehen bis jetzt die Reaktionen auf die Songs, die Ihr schon auf MySpace vorgestellt habt, aus? Und worin bestehen Deiner Meinung nach Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede zu „Hell Is Empty And All The Devils Are Here“?

Im weitesten Sinne sind die Reaktionen sehr positiv ausfallen. Die meisten Leute haben geäußert, dass sie die neuen Sachen mögen. Wir werden dann sehr bald sehen, wie das im Hinblick auf das gesamte Album aussehen wird, aber die Reviews, die ich bislang gesehen habe, waren größtenteils sehr gut. Wenn es um den Vergleich der beiden Alben geht, dann finde ich, dass die neue CD wesentlich aggressiver und intensiver ist. Natürlich muss man das im Kontext der Alben betrachten – „Hell Is Empty And All The Devils Are Here“ war immer noch deutlich aggressiver als ein Großteil der anderen Bands. Wenn wir jedoch selbst darüber reden, dann sehen wir es so, dass „In The Constellation Of The Black Widow“ ein wesentlich besseres Beispiel dafür ist, was wir leisten können. Es ist düsterer und deutlich wilder.


Das Artwork ist sehr schick geworden und passt ziemlich gut zur Grundstimmung. Wie seid Ihr darauf gekommen, eine von Gustave Dorés Illustrationen für „The Raven“ von Edgar Allan Poe zu nehmen? Gab es davor noch andere Ideen? Inwiefern steht das Cover für Dich mit dem Album an sich in Verbindung?

Oh ja, das ist nicht übel geworden, oder? Ich selbst habe auch erst gestern die fertige CD in die Finger bekommen, und das Gesamtprodukt sieht großartig aus. Wir hatten uns bereits für den Titel entschieden, sodass wir dann Ideen für das Artwork sammelten. Ich habe mir dann einige Bilder angeschaut, während ich den Titel im Hinterkopf hatte – nicht, um irgendwas direkt benutzen zu können, sondern um Mick ein paar allgemeine Ideen vermitteln zu können, was die Ästhetik des gesamten Artworks betrifft. Dann bin ich aber auf das Bild von Doré gestoßen und wusste sofort, dass es perfekt passte. Es geht dabei nicht um die Verbindung mit Poe, auch wenn es auf dem Album eine Referenz zu Poe gibt; es ist eher das Bild an sich. Es hat mich dazu gebracht, sofort über den Tod, das Böse, Verheerung, Symbolik etc. nachzudenken, und es hat auf einigen Ebenen sofort gut zu dem gepasst, worum es auf dem Album geht. Vor allen Dingen die Auswirkungen eines nuklearen Kriegs. Ich mag Kunst, die einen zum Denken bringt, und dieses Bild hat mich dazu geführt, darüber nachzudenken, wie Tod, Manipulation und alle räuberischen Instinkte letztlich parasitär und paradoxerweise selbstzerstörerisch sind. Es repräsentiert auch die Trostlosigkeit des ultimativen Siegs der Verheerung. Und wenn man dies als Hauptmotiv benutzt und es somit glorifiziert oder zumindest darauf aufmerksam macht, sagt man schon einiges. Es ist ein sehr wirkungsvolles Symbol des Nihilismus und eine düstere Erinnerung an manche Dinge. Man könnte es auch als Kommentar im Hinblick auf manche Aspekte dieser Welt ansehen. Ich könnte jetzt ewig so weitermachen, aber es reicht, wenn ich sage, dass ich das Bild faszinierend fand. Und natürlich ist es ein sehr intensives und auffälliges Bildnis an sich – und es sieht verdammt cool aus! Ich habe es dann Mick gezeigt, und er hat mir zugestimmt, dass es ein großartiges Cover abgeben würde, sodass er sich in die Arbeit gestürzt und Cover sowie Artwork um dieses Bild und dessen Ästhetik herum erstellt hat.


Kannst Du uns ein wenig Einblick in manche der Songs geben? Wurde „Blood Eagles Carved On The Backs Of Innocents“ von dem grausamen Ritual in den isländischen Sagas inspiriert? Was ist der “Lucifer Effect”, und “Oil Upon The Sores Of Lepers” klingt fast schon fürsorglich? Und wie kamst Du auf die lateinischen Passagen in „So Be It“?

Das Schneiden des Blutadlers ist ein solch kraftvolles Bild; es ist so brutal, gnadenlos und kompromisslos. Die Szene in „Das Schweigen der Lämmer“, in der ein Blutadler vorkommt, ist unglaublich bemerkenswert. Neben dem Töten des Opfers scheint es eine Art zu sein, diesem die eigene Dominanz aufzudrücken. Es ist ein Symbol der Herrschaft und der Fähigkeit, anderen unsägliches Leid zuzufügen. Und es ist ein Zeichen für diejenigen, die das Ergebnis dann sehen. Ich glaube, dass die Sagas da ein wenig vage bleiben, was dies alles beinhaltet, aber die Bilder, die um diese Idee herum entstanden sind, sind faszinierend. Es gibt dabei zwei Möglichkeiten, dies für ANAAL NATHRAKH zu nutzen – die erste besteht darin, die Wut, die dieser Idee innewohnt, jemandem etwas Derartiges anzutun, heraufzubeschwören, da dies ein Teil der Band ist. Sie hat diesen mörderischen Charakterzug. Und die andere Möglichkeit ist die, dass ich während der letzten Jahre über einige Dinge gestolpert bin, die im bildlichen Sinne vergleichbar waren. Der erste Aspekt war jetzt ziemlich politisch, auch wenn unsere Absichten nicht in die Richtung gehen, eine politische Aussage zu machen; es geht nur darum, etwas zu zeigen und auszusprechen. Es ging um Berichte über zivile Opfer im Mittleren Osten. Damals erschein es so, als ob Mächte, die nur sehr wenig Bezug zu den Menschen an sich hatten, ihre Namen und Wertsysteme in die Haut dieser Menschen einritzten und sie gleichzeitig als eine Art Symbol opferten, fast wie eine Drohung. Dies und noch weitere ähnliche Gedanken werden somit unter diesem Titel subsumiert.
Der „Lucifer Effect“ dreht sich darum, menschlich zu sein, und bezieht sich auf ein Verhaltensexperiment aus den 1970ern. Schaut das einfach mal nach.
„Oil Upon The Sores Of Lepers“ ist da ein wenig anders. Für diesen Song haben wir Zeitgeist Memento von REPVBLIKA freie Hand gelassen, sich irgendetwas Passendes einfallen zu lassen. Und die Texte, die er verfasst hat, sind ziemlich bitter, strahlen aber auch einen gewissen Trotz aus. Sie scheinen vorzuschlagen, dass man die ganzen schlechten Typen loswerden kann und dass dann alles ein wenig besser wäre – das ist vom Ansatz her wohl ein wenig mehr traditioneller Metal oder Punk, als ich sonst an die Dinge herangehe. Und ich fand, dass es ein passender Titel bzw. Refrain wäre, um das, was er sagt, mit unserer eigenen Ansicht zu kontrastieren.
Was „So Be It“ anbelangt, so finde ich, dass Latein eine solch wunderbar heraufbeschwörende Ausstrahlung hat – Du kannst irgendetwas in Lateinisch sagen und es wird sofort wesentlich bedeutsamer, feierlicher und bedrohlicher. Ich habe dafür das biblische Evangelium des Jesaja als Quelle genutzt, und besonders biblische Texte klingen für mich in der lateinischen Sprache noch wesentlich kraftvoller.


Dein Gesang hat noch an Intensität und Brutalität hinzugewonnen, während das neue Material an sich ebenfalls brutaler wirkt, wohingegen viele Bands von Album zu Album etwas gemäßigter werden. Habt Ihr Euch dem bewusst widersetzt?

Danke sehr. Es liegt daran, dass mich die Dinge, die mir durch den Kopf gingen und die ich erlebt habe, während ich über das Album nachgedacht habe und es entstanden ist, noch mehr fokussiert und wütender gemacht haben. Ich fühle mich ein wenig wie der Autor und die Hauptfigur des Buchs von Bjørneboe – er sagte, dass sein ständig wachsendes Bewusstwerden des Bösen in der Welt und die Fähigkeit des Menschen zu Grausamkeit und Missbrauch letztendlich dazu führen werden, dass das Leben unerträglich wird. Und einige Jahre später hat er sich dann wirklich umgebracht. Na ja, ich habe jetzt keine Pläne, mich selbst um die Ecke zu bringen, aber ich kann auf alle Fälle diese Überlegung nachvollziehen, zunehmend abgedrehter und verrückter zu werden, je mehr Zeit ins Land geht. Ich hatte dann diese Schreie und Bilder in meinem Kopf; eine Zeit lang kamen sie dann weniger, aber in letzter Zeit hat das wieder sehr zugenommen. Ich vermute mal, dass Deine Beschreibung der mit der Zeit eher ruhiger werdenden Bands daran liegt, dass die Leute ruhiger und entspannter während der Jahre werden. Kriegslust und Aktivismus wird als etwas für jüngere, energiegeladene Menschen angesehen. Vielleicht wird das bei mir auch geschehen, wenn ich älter werde, aber bis jetzt ist das jedenfalls nicht passiert. Ich bin lediglich verzweifelter und verbitterter geworden.
Was Mick und die musikalische Seite der Geschichte betrifft, so finde ich, dass es eine große Hilfe ist, dass hinter ANAAL NATHRAKH in erster Linie ein Gefühl steht. Wenn er etwas anderes mit einem anderen Grundgefühl machen wollte, dann würde er dies mit einer anderen Band umsetzen. Auf eine Art und Weise kann ANAAL NATHRAKH also sehr puristisch sein. Natürlich gibt es Fortschritt und Weiterentwicklung, aber die Grundidee ist für Mick immer noch absolut identisch: Musik zu spielen, die ein ‚AAAARRRGGHHH!’ verkörpert. Falls dieser Ansatz jemals langweilig wird oder wir das Gefühl haben, damit nichts mehr machen zu können, dann würden wir ANAAL NATHRAKH nicht zwangsläufig zu einer Basis für unsere neuen Ideen machen. Wir würden dann etwas anderes machen. Ich habe neulich ein Interview mit Devin Townsend gelesen, in dem er uns erwähnte. Er sagte, er würde liebend gern die schiere, wütende Intensität seiner älteren STRAPPING YOUNG LAD-Sachen wieder einfangen, bekomme es aber nicht hin. Es erscheine erzwungen und unehrlich. Er fand jedoch, dass es bei uns völlig natürlich entsteht, und damit hat er Recht. Die Aggression nimmt also stetig zu, während ich immer wütender werde und Mick neue Wege findet, wie man mit der Musik wüten kann.


Es wird eine digitale Single für „More Of Fire Than Blood“ geben, und zwar auf Itunes. Wie seid Ihr auf diese Idee gekommen, eine ANAAL NATHRAKH-Single zu haben?

Hm, im Endeffekt hat das unsere Plattenfirma beschlossen und nicht wir. Unser einziges Interesse bezieht sich auf das Album, aber es ist dem Label überlassen, wie sie es bewerben, und wenn sie eine digitale Single veröffentlichen wollen, dann stört uns das nicht weiter. Ich weiß selbst noch nicht, wie dieses Format funktionieren wird, aber ich denke mal, dass es einfach bedeutet, dass die Leute diesen Song als eine Art Vorgeschmack erwerben können, ehe dann der Rest des Albums erhältlich sein wird. Das sollte ich eigentlich mal in Erfahrung bringen. Was für uns aber wesentlich interessanter ist, ist die Tatsache, dass wir für diesen Song ein Video drehen werden. Wir wussten, dass wir eins machen wollen, aber wir hatten uns noch auf keinen Song festgelegt. Dann hat aber das Label angekündigt, dass sie dieses Lied veröffentlichen wollen, also haben wir beschlossen, dazu dann auch das Video zu drehen. Es wird diese Woche entstehen, aber wir sind nur ein kleiner Teil darin, sodass ich gar nicht wirklich weiß, wie das dann insgesamt aussehen wird. Wir haben mit dem Produzenten aber intensive Gespräche geführt, wie das aussehen sollte und was wir darin sehen möchten, also wird das hoffentlich unseren Erwartungen entsprechen. Es wird nicht mehr lange dauern, bis wir das herausfinden!


Mit „Satanarchist“ habt Ihr einen Song von „Total Fucking Necro“ noch einmal aufgenommen. Wieso dieser bestimmte, ziemlich alte Song? Habt Ihr Euch Gedanken darüber gemacht, ob dieser gut zum neuen Material passen würde?

Es gibt da mehrere Gründe. Es ist so, dass viele Leute uns deswegen gefragt haben, da dieses Lied eines der populärsten aus dieser Phase der Band ist. Ein weiterer Grund ist derselbe wie die Veranlassung, in der Vergangenheit neu aufgenommene Versionen von alten Demo-Songs auf die Vorgängeralben zu packen. Es geht darum, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen damals und heute zu unterstreichen. Einige Leute haben ziemlich merkwürdige Vorstellungen oder Vorurteile, was uns betrifft, und das ist jetzt ein Mittel, um zu zeigen, dass unsere Weiterentwicklung uns nicht verweichlicht hat. Wir haben niemanden übers Ohr gehauen oder so. Dadurch dass „Satanarchist“ direkt vor „Blood Eagles Carved On The Backs Of Innocents“ kommt, ist es sogar so, dass sich dadurch zeigt, wie viel brutaler wir heutzutage sein können. Für uns persönlich ist es natürlich so, dass das damals Demo-Songs waren, sodass es cool ist, sie spielen und hören zu können, ohne viele Kompromisse bei dem Equipment eingehen zu müssen, wie es der Fall war, als wir sie ursprünglich aufnahmen.


Mick ist ja vor einer Weile in die USA umgesiedelt: Wie wirkt sich das auf das Songwriting aus? Habt Ihr Eure Arbeitsweise in irgendeiner Form ändern müssen?

Es hat keinerlei Auswirkungen. Wir können immer noch so oft wir wollen in Kontakt stehen und Ideen austauschen, und durch die Arbeitsteilung macht sowieso jeder seinen Part für sich allein. Mick braucht mich also nicht wirklich, wenn es um die Gitarren geht, und ich brauche ihn nicht, wenn es um Ideen für die Texte geht. Mick kommt aber regelmäßig für ein paar Wochen am Stück zurück, sodass es für ihn ziemlich leicht ist, für sich allein die Musik aufzunehmen, und dann nehmen wir den Gesang auf, wenn er mal wieder in England ist. Wir haben also keine Jam Sessions wie viele andere Bands, sodass wir – abgesehen von den Gesangsaufnahmen – so oder so nie wirklich die ganze Zeit in ein und demselben Raum sein mussten. Es bringt allerdings mit sich, dass wir sämtliche Live-Aktivitäten in den Zeitraum legen müssen, wenn er für Proben etc. im Land ist, aber das ist kein wirkliches Problem.




Ihr habt letztendlich einen Vertrag bei Candlelight Records unterschrieben. Was hat Euch dazu bewogen, Euch für Candlelight zu entscheiden? Hat es diesmal eine Rolle gespielt, dass sie ebenfalls aus Großbritannien stammen?

Wir haben das so gesehen: Wenn Candlelight es auf die Reihe bekommen, EMPEROR gut zu versorgen, dann sollte das auch bei uns gewährleistet sein. Es geht dabei nicht wirklich darum, dass sie britisch sind; unser letztes Label [Anmerk.: Season Of Mist], FETO jetzt mal ausgeklammert, kam aus Frankreich. Es ist einfach so, dass ein Label einige Dinge wesentlich leichter gestaltet, wenn es um Vertrieb, Presse etc. geht. Die Überlegung ist also dahingehend, dass Candlelight in der Lage sein sollten, dafür zu sorgen, dass jeder unsere CD auftreiben kann, der das möchte. Und wenn es um die Presse und so geht, dann haben wir hier jemanden, der über die ganzen Kontakte und einige Erfahrung, wie man so etwas aufbaut, verfügt, sodass der Verlauf von Interviews etc. läuft wie geschmiert. Candlelight sind groß genug, um alle diese Dinge zu leisten und uns noch genug Geld für Equipment etc. zu geben, und das ist alles, was wir benötigen. Wir haben auch mit anderen Labels gesprochen, manche größer, manche kleiner, aber das mit Candlelight hat alles in allem am meisten Sinn ergeben und war auch am einfachsten durchzuführen.


Apropos Feto Records: Wie ist denn da der aktuelle Stand? Welche Bands des Labels kannst Du uns empfehlen? Soweit ich weiß erscheint die Vinyl-Version von „In The Constellation Of The Black Widow“ ebenfalls über Feto, oder?

Meines Wissens nach hat Mick eine Weile davon Abstand genommen, neue Bands auf Feto zu veröffentlichen, um die Dinge mit den Bands, mit denen er bereits zusammenarbeitet, zu festigen. Es geht jetzt also eher darum, sich wieder neuen Dingen zuzuwenden; einige Neuigkeiten, was neue Bands betrifft, werden bald angekündigt. Was die derzeitigen Bands auf dem Label angeht, dann finde ich RAMESSES davon am spannendsten. Sie haben zusammen mit den Chapman Brothers eine Kollaboration am Start. Das sind zwei sehr interessante, zeitgenössische Künstler, die für ihre ‚Hell’- und ‚Fucking Hell’-Skulpturen/Installationen und ihre berüchtigte ‚Modifizierung’ von Goya-Drucken bekannt sind. Sie planen gerade ein spezielles Artwork für die Band und einen Auftritt von RAMESSES im Rahmen einer Ausstellung in London in naher Zukunft. Das ist schon eine ziemlich tolle Sache für eine Band. Und richtig, die Vinyl-Ausgabe von „In The Constellation Of The Black Widow“ wird ungefähr zur selben Zeit wie die CD auf Feto erscheinen. Das ist ziemlich klasse für uns, da sich Candlelight keine großen Gedanken über Vinyl gemacht hatten, sodass wir dadurch die Chance bekommen, eine schönes und limitiertes Paket mit farbigem Vinyl etc. zu schnüren. Ich freue mich ehrlich gesagt selbst darauf, davon eine Fassung im Schrank stehen zu haben.


Wo verläuft Deiner Meinung nach die Grenze für solch extreme Musik wie die Eure, falls es denn eine gibt? Wie viel können die Fans davon aufnehmen, wie es beispielsweise bei manchen extrem technischen Death-Metal-Bands der Fall ist? Und davon mal abgesehen, wie schwierig ist es für Euch, einen Schlagzeuger zu finden, der das auch live durchziehen kann?

Ich sehe da keine Begrenzungen, aber ich bin auch ein Fan von sehr extremen Noise-Geschichten. MERZBOW sind mir da ein wenig zu lasch. Ich käme also sehr gut damit klar, wenn ANAAL NATHRAKH deutlich extremer würden, aber ich dann verstehen, dass andere Leute, inklusive Mick, das nicht so sehen und dass es wenig sinnvoll wäre, ANAAL NATHRAKH in MASONNA [Noise-Musikprojekt von Yamazaki Takushizu] zu verwandeln. Wir sind nicht daran interessiert, Musik zu machen, die dazu gedacht ist, im Museum als Ausstellungsstück für technische Brutalität Wertschätzung zu erfahren. Unserer Meinung nach sollte Musik wesentlich mehr aus dem Bauch heraus kommen; sie sollte sich um ein zerreißendes Grundgefühl von Chaos und Gefühl drehen. Viele Sachen der Marke NECROPHAGIST oder ORIGIN berühren mich nicht wirklich und sind mir zu kalt. Ich habe absolut nichts gegen diesen Stil; es gibt etliche Leute, die das Zeug lieben, und ich mag die Brutalität der ganzen Sache, aber ich mag nicht Technik um der Technik willen, denn das ist für mich nicht wirklich brutal. Gebt mir wütende Raserei und keine chromatischen Tonleitern. Es gibt Beispiele, wo beide Aspekte zusammenkommen – habt Ihr Euch mal den Opener auf „Obscura“ von GORGUTS reingezogen? Das ist einer meiner Lieblingssongs und davon abgesehen für die meisten Leute nahezu völlig unspielbar. Ein Freund von mir, der wesentlich mehr technische Musik hört, findet das Album auf der anderen Seite nicht gut, weil es ihm zu überladen und zu chaotisch ist. Mick hat meiner Ansicht nach wesentlich mehr Bezug zur Musikalität als ich, aber er teilt mit mir diese Wahrnehmung des Chaos, und natürlich ist ihm das Wort ‚extrem’ nicht unbekannt. Wenn man also betrachtet, dass es Parts auf allen unseren Alben gibt, die so ziemlich über Musik hinausgehen [beispielsweise nach zwei Dritteln im zweiten Song auf der neuen CD oder der letzte Song auf dem Vorgänger], dann denke ich mal, dass wir uns vielmehr in Richtung Dramatik und Wirkungskraft bewegen werden, als einfach nur schneller oder technischer zu werden.
Womit ich Deiner Frage jetzt ein wenig ausgewichen bin. Natürlich könnten wir noch schneller spielen, aber nicht aus dem Grund, weil wir denken, dass es das benötigt, um extrem zu sein. Die einzige Begrenzung besteht darin, wenn bei uns selbst nichts rüberkommt, wenn wir es uns anhören, aber an diesem Punkt sind wir noch nicht. Und nein, es ist wirklich nicht leicht, Schlagzeuger zu finden! Jetzt haben wir aber einen echt tollen Schlagzeuger gefunden, und jeder scheint mit dieser Lösung sehr zufrieden zu sein. Wir müssen ihm sogar öfter sagen, ein wenig das Tempo zu verringern, anstatt ihn anzutreiben!


Was hältst Du prinzipiell von der Rolle des Internets und von MySpace? Wo verläuft der schmale Grat, die Leute auf die eigene Musik aufmerksam zu machen und auf der anderen Seite die Filesharing-Geschichte zu haben?

Für uns ist MySpace lediglich eine Seite, die eine Basis dafür bietet, den Leuten Deine Musik zu zeigen und mit den Fans zu kommunizieren. Es ist ein Werkzeug – nicht mehr, nicht weniger. Was das Downloading betrifft: Ich weiß, dass es einfach Fakt ist, sodass es eigentlich keine Rolle spielt, wer was darüber denkt, denn es wird einfach passieren. Und ich bin nicht so naiv, dass ich denken würde, dass uns das nicht passieren wird. Aber es ist trotzdem ein echter, verdammter Schlag ins Gesicht, wenn Du herausfindest, dass Dein Album schon Wochen, bevor es überhaupt erscheint, schon verfügbar ist. Und zwar nicht, weil wir jetzt erwartungsvoll mit Dollar-Zeichen in den Augen herumsitzen, sondern weil wir es uns einfach nicht leisten können, Alben zu machen und dann nichts dafür zu bekommen – wir sind keine reichen Leute. Wie würdest Du Dich fühlen, wenn Du den ganzen Tag auf der Arbeit verbringen würdest und dann jemand, den Du noch niemals getroffen hast, aufkreuzt und Deinen Lohn einstreicht? Würde es alles besser machen, wenn sie Dir dann noch voller Enthusiasmus erzählen würden, wie toll sie Deine Arbeit finden? Auf der anderen Seite ist es natürlich längst nicht so einfach, denn die ganze Download-Geschichte bedeutet auch, dass Tausende von Menschen, die sonst vielleicht niemals auf Deine Band gekommen wären, unsere Sachen hören und dadurch etwas erfahren. Und diese Unterstützung ist unschätzbar viel wert. Ohne diese Unterstützung durch die Fans wäre es sinnlos, überhaupt neue Musik zu veröffentlichen.
Es lenkt aber trotzdem von Erwartung ab, eine neue CD zu veröffentlichen – wenn Musik kostenlos und problemlos verfügbar ist, bevor sie überhaupt richtig erscheint, dann verliert sie an Wert. Jedes Album ist dadurch weniger wert und weniger besonders, und diese Fans verlieren tatsächlich etwas im Vergleich zu den Fans, bevor Downloading populär wurde. Insgesamt wäre ein Mittelweg für mich die idealste Lösung: Wenn die Leute Sachen herunterladen und es mögen, dann sollten sie das Zeug auch kaufen. Und auch wenn das niemals eintreten wird, so wäre ich deutlich glücklicher, wenn niemand Alben herunterladen könnte, ehe sie überhaupt veröffentlicht worden sind. Ich habe die moralischen Argumente einiger Leute gehört, die Downloads als eine Form der Demokratisierung ansehen, aber für Menschen in unserer Situation ist das einfach nur jede Menge Bullshit. Ladet Musik runter, wenn Ihr das wollt – es wäre sinnlos, von den Leuten etwas anderes zu erwarten. Wenn Ihr das aber wirklich mögt und behalten wollt, dann seid bitte erwachsen und kauft es auch.


Wie ist der Stand der Dinge bei Euren anderen Bands und Projekten, siehe BENEDICTION, MISTRESS und DELIVERANCE?

MISTRESS haben sich letztes Jahr aufgelöst, aber es gibt ein letztes Konzert auf dem Damnation Festival in England im Oktober. Ich glaube, Mick hat jetzt so ziemlich die Besetzung für DELIVERANCE beisammen, sodass es da in Kürze neues Material und vermutlich auch einige Konzerte geben dürfte. Mit BENEDICTION sind ein paar Auftritte im Sommer geplant, und wir sind gerade dabei, den Feinschliff am neuen Album anzugehen. Ein Großteil der Musik ist bereits geschrieben, also ist es jetzt nur eine Frage, die Ecken und Kanten abzuschleifen, damit ich dann alles vorliegen habe und die Texte verfassen kann. Und danach geht’s ins Studio. Ich vermute mal, dass wir die Aufnahmen noch vor Jahresende durchgezogen haben werden.


In den letzten Jahren habt Ihr nur wenige Konzerte gespielt, beispielsweise das Maryland Death Fest und das Inferno Festival. Gibt es bereits Pläne, eine komplette Tour oder einzelne Konzerte wie das Caos Emergente Festival im September zu spielen? Wann werdet Ihr in Deutschland auftreten?

Momentan haben wir das Summer Breeze Open Air bestätigt, sodass Ihr uns schon in ein paar Monaten in Deutschland sehen könnt. Es stehen noch einige andere europäische Festivals auf der Liste, beispielsweise das Caos Emergente und das Brutal Assault, und auch einige Konzerte in Großbritannien sind in der Planung. Wir haben auch über einige kurze Touren in sowohl Amerika als auch Europa gesprochen. Aber das Album erscheint jetzt ja erst, sodass wir uns bislang erst mal darauf konzentriert haben. Wenn die Scheibe dann veröffentlicht wurde und die Konzertveranstalter diese gehört haben, werden wir uns ernsthafter um das Buchen von Konzerten kümmern. Ich habe so ein Gefühl, dass da einige interessante Dinge geschehen könnten.


Irgendwo habe ich mal die Beschreibung gelesen, dass ANAAL NATHRAKH so etwas wie die Essenz des modernen Extrem-Metal repräsentieren. Was meinst Du denn dazu? Und wie stehst Du selbst zu verschiedenen Schubladen und Genres?

Die Essenz des modernen Extrem-Metal? Nun ja, das ist sicher nichts Schlechtes, so bezeichnet zu werden, aber das ist nichts, worauf wir uns jemals konzentriert haben. Unsere Haltung bezüglich der Genres, und das ist so eine Art Standardantwort für uns, sieht so aus, dass wir uns nicht darum kümmern. Ich kann verstehen, dass die ganzen Bezeichnungen bedeutsam sind für Journalisten, die die Musik irgendwie beschreiben müssen, und für Leute, die die Musik noch nie gehört haben, diese aber irgendwie einordnen wollen. Und die Leute werden das so oder so machen, unabhängig davon, was wir davon halten, also machen wir uns darüber auch keine Gedanken. Genres sind aus unserer Sicht dennoch nicht relevant, da wir einfach versuchen, die beste Musik zu schreiben, die wir zu schreiben imstande sind. Das ist das Einzige, worüber wir nachdenken. Und ich würde sogar noch weitergehen und behaupten, dass es mit Metal nichts zu tun hat, sich zu sehr auf Genres zu konzentrieren. Der Grund dafür, dass ich das sage, besteht darin, dass sich Metal, und besonders Black Metal, zum Teil darum dreht, den ganzen Werten, die einem von der Gesellschaft verpasst werden, ein großes ‚Fuck You’ entgegenzuhalten. Dafür gibt es eine individualistische Haltung darin. Und wenn man aber Genreklassifizierungen als Voraussetzung für die eigene Akzeptanz oder Offenheit gegenüber Musik einstuft, dann erlaubt man äußeren Einschätzungen, die eigene Meinung zu beeinflussen. Man kann nicht zur Elite gehören, wenn man in der Herde mittrabt. Ich denke mal, dass einige Bands beschließen, einen besonderen Musikstil zu spielen und diesen Stil dann zu verfeinern, aber dafür sind wir einfach zu eigenbrötlerisch. Wir haben eine Vorstellung davon, wie ANAAL NATHRAKH klingen sollen, die auf Gefühl und nicht auf Genres beruht, sodass wir uns nicht wirklich darum scheren, auf welche Musikgenres wir zurückgreifen, um dieses Gefühl zu vermitteln.


Ein gutes Schlusswort, denn damit wären wir auch am Ende angelangt. Vielen Dank für die ausführlichen Antworten und Einblicke in die Welt von ANAAL NATHRAKH!

Gern geschehen. Vielen Dank für die Unterstützung. Und besten Dank für Deine Bemühungen, denn es gibt einfach so viele unsäglich routinierte Interviews da draußen!

soulsatzero

Autor: Alexander Eitner [soulsatzero] | 18.06.2009 | 17:55 Uhr

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