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Band: Metalnews nach 'Middle Class Rut' durchsuchen Middle Class Rut
Interviewpartner: Zack & Sean

Mit ihrem Anfang des Jahres erschienen Debütalbum „No Name, No Color” ist der amerikanischen Alternative-Rockband MIDDLE CLASS RUT die große positive Überraschung des bisherigen Jahres gelungen. Trotz des enormen Suchtpotentials der Platte ist sie zumindest hierzulande bislang leider an der breiten Öffentlichkeit weitestgehend vorbeigegangen. Für etwas Abhilfe sorgte kürzlich eine Europa-Tour, die das Duo im Vorprogramm von LINKIN PARK absolvieren konnte und in deren Rahmen man auch diversen deutschen Städten einen Besuch abstattete. Bei ihrem Gastspiel in München standen uns Gitarrist Zack Lopez und Drummer Sean Stockham Rede und Antwort über alles, was sich in den letzten Monaten bei ihnen so getan hat.




Leider habe ich euren Auftritt nicht vollständig genießen können, weil ich am Haupteingang festhing. Man hat mich da nicht weiter gelassen ...

Zack: … weil du das Aufnahmegerät dabei hattest?


Genau, ich habe zwar diesen Backstagepass hier, aber irgendwie wussten die da vorne nichts damit anzufangen.

Sean: Oh Mann, das tut uns leid!

Zack: Das ist lahm!


Naja, sie wussten es eben nicht besser und machen ja auch nur ihren Job. Ich hätte euren Gig aber natürlich gerne etwas deutlicher gesehen, schließlich hatte ich mich sehr darauf gefreut. Für mich ist „No Name, No Color“ das bislang beste Album in 2011.

Sean: Oh, danke dir! Freut mich, dass du das so siehst!

Zack: Kommst du hier aus der Ecke? Bist du aus München?


Nein, ich bin 200 Kilometer gefahren, um euch zu sehen. Ich hatte schon überlegt, letzten Sonntag zu eurem Auftritt nach Oberursel zu kommen ...

Sean: Ja, das war echt eine klasse Show!

Zack: Das war wirklich klasse da.


Soweit ich weiß, sind das hier eure ersten Deutschland-Konzerte, richtig?

Sean: Nein. Wir haben schon bei Rock Im Park und Rock Am Ring gespielt und wir waren auch schon mal für ein paar Wochen mit THE BRONX unterwegs. Also wir sind schon in ein paar deutschen Städten aufgetreten. Das ist jetzt aber definitiv das erste Mal, das wir hier spielen, seit die Platte veröffentlicht wurde.


Was für ein hervorragender Start in dieses Interview. Ich habe ja gleich die erste Frage versemmelt.

Zack: Ach Quatsch, das weiß ja niemand mehr. Ist auch schon zwei Jahre her und wir haben da ja auch nur ein paar Shows vor wenigen Leuten gespielt, also keine Sorge.


Okay. Wie gefällt euch denn Deutschland?

Zack: Deutschland ist toll. Weißt du, eigentlich hängt es vom Publikum ab. Das Publikum erzählt uns, wie sehr wir Deutschland mögen. Das könnte überall sein. Wenn wir auf der Bühne eine gute Zeit haben, erinnern wir uns immer gerne an den jeweiligen Ort. Leider haben wir nie viel Zeit, um uns die Städte, in denen wir spielen, mal genauer anzuschauen. Die einzige Stadt, in der wir mal ein bißchen raus kamen und etwas gesehen haben, war Hamburg.


Und was haltet ihr generell vom deutschen Publikum?

Sean: Die Menge heute war recht zahm. Die Leute in Oberursel waren wirklich klasse. Die hatten eine Menge Energie und sind total ausgeflippt. Die Leute hier standen eher nur so herum und gaben uns ein wenig Höflichkeitsapplaus.


Ich habe mir gerade DREDG angeschaut und ich hatte dabei das Gefühl, dass die Leute hier einzig und allein auf LINKIN PARK warten und sie sich für die anderen Bands gar nicht wirklich interessieren. Das ist unheimlich schade, weil DREDG ja ebenfalls eine wunderbare Band sind und die Leute sich gar nicht darauf einlassen wollen. Im Gegenteil, es standen sogar ein paar Pappnasen während des ganzen Konzerts da und haben der Band den Mittelfinger entgegengestreckt.

Zack: Das ist doch totale Scheiße. Beschämend.


Ja, auf jeden Fall. Wie gefällt euch denn überhaupt dieses Tour-Package, mit dem ihr hier gerade durch die Lande zieht [neben dem Headliner LINKIN PARK waren in München die GUANO APES, DREDG, ANBERLIN und eben MIDDLE CLASS RUT zu sehen, in anderen Städten war statt den GUANO APES die südafrikanische Hip Hop-Combo DIE ANTWOORD mit von der Partie; Anm. d. Verf.]?

Sean: Die Jungs von DREDG kennen wir schon sehr lange und deshalb ist es sehr angenehm, mit ihnen hier abhängen zu können. Aber auch was die anderen Bands angeht, ist für uns alles in Ordnung. LINKIN PARK sind natürlich eine richtig große Band und wir haben bislang nur mal kurz zwei von ihnen getroffen, aber sie sind sehr nett. Und natürlich ist es immer gut, mit einer so riesigen Band auf Tour zu sein und Abend für Abend vor 15.000 bis 20.000 Zuschauern zu spielen. Aber ich finde, dass die Bandauswahl an sich sehr stimmig ist.


In Oberursel waren auch DIE ANTWOORD dabei, richtig?

Zack: Genau, die haben auf dem GUANO APES-Slot gespielt. Sie kamen heraus und die Leute haben sie mit allen möglichen Sachen beworfen. Sie sind in jedem Fall unterhaltsam.


Ich habe so viel über sie gelesen und war wirklich neugierig, was sie so machen, aber nachdem ich ein paar Songs gehört habe … puh!

Zack: Ja, sie spielen merkwürdigen Hip Hop mit richtig schlechten Beats …

Zack's Ausführungen werden unterbrochen, als der Tourmanager herein kommt und den beiden erzählt, dass Mike Shinoda von LINKIN PARK gerade im Backstagebereich herum geht und den Vorbands „Hallo!“ sagen will.


Nach eurer Rückkehr in die USA geht ihr dort direkt wieder auf Tour. Mit welchen Bands seid ihr dann unterwegs?

Zack: Wir spielen die „Vans Warped Tour“, aber wir sind nur ein paar Wochen mit dabei. AGAINST ME! spielen auf jeden Fall auf dem gleichen Abschnitt der Tour wie wir. Ansonsten sind da vermutlich einige beschissene Bands und möglicherweise auch Bands, von denen wir bislang noch nie gehört haben, die uns aber trotzdem gefallen werden. Es sind auf jeden Fall sehr viele unterschiedliche Bands dabei.




Vor MIDDLE CLASS RUT habt ihr beiden ja auch schon zusammen in einer Band namens LEISURE gespielt, mit der ihr sogar einen Major-Deal hattet. Allerdings habt ihr unter diesem Namen niemals ein Album veröffentlicht. Was ist da schief gelaufen?

Zack: Der Vertrag war einfach wie ein Lotteriegewinn und deshalb mussten wir es machen.

Sean: Eigentlich hatten wir gar keine richtige Band zusammen, als wir den Vertrag unterschrieben. Es waren eben wir beide und noch ein anderer Typ und wir hatten ein paar Songs geschrieben. Und dann kam plötzlich jemand auf die Idee, dass es unheimlich toll wäre, wenn Axl Rose bei uns singen würde.

Zack: Er war allerdings mit dieser anderen Band beschäftigt, in der er noch spielt. Sie nahmen damals gerade im achten Jahr ein Album namens „Chinese Democracy“ auf, hahaha.

Sean: Jedenfalls nahmen sie uns unter Vertrag und dann hatten wir auch mal einen Sänger, aber wir waren niemals wirklich eine Gemeinschaft, es funktionierte nicht.


Aber wie ist es da mit der rechtlichen Seite? Gibt es nicht immer noch irgendwelche Verpflichtungen aus diesem Deal?

Zack: Nein, sie haben damals einfach unheimlich viele Bands unter Vertrag genommen und sich dann nicht mehr wirklich darum gekümmert. Es gibt unzählige solcher Bands auf nahezu jedem Label.

Sean: Ein paar Monate nachdem unser Vertrag mit dem Label aufgelöst wurde, mussten sie den Laden schließen.

Zack: Genau, es war dann ohnehin vorbei. Heutzutage machen Dreamworks ja nur noch Filme.


Wieso nennt ihr euch eigentlich MIDDLE CLASS RUT? Hattet ihr keinen Namen in petto, den man sich besser hätte merken können? Oder gibt es eine bestimmte Botschaft hinter dem Namen, hat er eine tiefere Bedeutung?

Zack: Nein, es gibt keine tiefere Bedeutung. Aber das ist ja nicht ungewöhnlich. Ich meine, was zum Geier soll denn PEARL JAM sein? Oder GUANO APES. Irgend einen Namen muss man seiner Band ja geben. Natürlich hätten wir uns etwas Griffigeres aussuchen können.

Sean: Es ist aber auch wirklich schwer, einen guten Namen zu finden, den nicht schon irgendeine andere Band verwendet. Es gibt ja in etwa 35.000.000 Bands im Internet und für jedes Wort, jede Wörterkombination gibt es schon ca. 100 Bands, die sich danach benannt haben.


Okay, ich war noch nie in der Situation und habe deshalb vielleicht auch noch nicht so viel darüber nachgedacht.

Zack: Warte es ab. Wenn du mal eine Band an den Start bringst und einen Namen suchst, dann denkst du dir nur noch: „Was zur Hölle?“


Ich hatte das Thema erst kürzlich in einem Interview mit John Arch und Jim Matheos von FATES WARNING besprochen. Die machen jetzt ein neues Projekt und nennen sich in Ermangelung passender Namen einfach ARCH/MATHEOS.

Sean: Ja, wir wollten uns auch schon Lopez/Stockham nennen, , aber es gab da schon eine Band mit diesem Namen, hahaha.


Mich würde mal interessieren, wo eure Einflüsse liegen? Welche Bands haben euch inspiriert?

Sean: In erster Linie viele Bands, die wir vor ca. 15 Jahren als Jugendliche mochten. Sachen, die man damals eben so gehört hat, wie NIRVANA, RAGE AGAINST THE MACHINE, PEARL JAM, TOOL, QUICKSAND, AT THE DRIVE-IN ...


Mir kommen immer JANE'S ADDICTION in den Sinn, wenn ich euer Album höre.

Sean: Klar, JANE'S ADDICTION.

Zack: Wonach du klingst und was dich inspiriert hat, ist aber nicht das selbe. Ich habe natürlich eine Stimme, die der von Perry Farrell [JANE'S ADDICTION-Sänger; Anm. d. Verf.] sehr ähnelt.

Sean: Es ist aber wirklich ein großer Unterschied zwischen dem, wie du aussiehst und dem, wie du gerne aussahen würdest.

Zack: Wir machen einfach nur unser Ding und eifern Niemandem nach. Natürlich sagen die Leute immer, dass wir uns nach dieser oder jener Band anhören, aber ich setze mich bestimmt nicht hin und höre mir stundenlang JANE'S ADDICTION-Platten an. Ich habe eben eine relativ hohe Stimme, die der von Perry Farrell sehr ähnelt. Aber es ist ja nun mal einfach so, dass die Leute etwas hören und sie immer gleich Verbindungen zu etwas, das sie kennen, herstellen. Aber es könnte schlimmer sein, als mit JANE'S ADDICTION verglichen zu werden.


Definitiv! Die Songs auf eurem Album stammen in erster Linie von den drei EPs, die ihr schon gemacht habt, richtig?

Zack: Naja, in etwa die Hälfte ist neu und die andere Hälfte stammt von den EPs.


Heißt das denn, dass ihr bereits an eurem nächsten Album arbeitet? Wann kann man damit rechnen?

Zack: Wenn die Leute „No Name, No Color“ leid sind und nach neuem Material verlangen. Aber im Grunde genommen ist es ja auch noch recht neu, speziell für die Leute in Deutschland.

Sean: Du kennst die Platte natürlich schon eine Zeit lang, aber viele Leute haben sie ja noch gar nicht gehört und wir hoffen natürlich, so viele Leute wie möglich damit zu erreichen. Wir werden hier noch häufiger auf Tour gehen und wenn das dann alles vorbei ist, dann werden wir mit einer neuen Platte zurückkommen. Wir haben ja schließlich immerhin 15 Jahre dafür gebraucht, überhaupt mal ein Album zu veröffentlichen.

Zack: Genau, wir wollen erst mal noch eine Zeit lang mit diesem Album arbeiten. Wir wollen jedem die Chance geben, es zu hören.


Das ist verständlich, wenngleich ich mir natürlich wünschen würde, dass es schon bald Nachschub gibt.

Sean: Wir haben bislang ja noch nicht so viele Fans, verstehen aber, dass diese gern mehr hören wollen und wir wollen euch natürlich auch gerne mehr Musik geben. Möglicherweise bringen wir zwischen den Alben noch was raus. Wir haben noch einiges an altem, unveröffentlichtem Material herumliegen, vielleicht machen wir da ja noch etwas draus.


Gibt es in eurer bisherigen Karriere so etwas wie ein absolutes Highlight?

Zack: Die Platte zu veröffentlichen war eines. Ein Video zu machen, der ganze Kram, der dazugehört. Wir haben so lange daran gearbeitet, endlich da hin zu kommen. Normalerweise erlebt eine Band, wenn sie zehn Jahre existiert, so einiges. Bei uns hat es alleine eine halbe Ewigkeit gedauert, ein Album zu veröffentlichen. Das ist so großartig. Das selbe gilt für das Video, wir wollten so etwas schon immer machen. All diese Standardgeschichten, die zu einer Karriere dazu gehören, wir haben wirklich so unglaublich lange dafür gearbeitet, das alles erreichen zu können. Das sind die Höhepunkte. Wir können richtig beobachten, wie MIDDLE CLASS RUT wächst. Hier zu sein und für tausende von Menschen zu spielen, das sind Höhepunkte. Solange sich eine Band entwickelt und weiter wächst, wird es immer wieder neue Highlights geben. Wenn man das Gefühl hat, nicht das richtige zu tun, dann kann man es gleich bleiben lassen.




Ich habe übrigens vorhin einen Typ in den vorderen Reihen herumlaufen sehen, der eure CD direkt an den Mann bringt. Das ist ja mal eine interessante Idee und es scheint auch zu funktionieren, er hat direkt ein paar Scheiben verkaufen können – und das gute zwei Stunden nach eurem Auftritt! Zumal, wo doch heutzutage kaum noch jemand eine CD kauft.

Zack: Es ist ja nicht nur das, die Leute würden eben auch nicht mehr über den ganze Platz zum Merch-Stand gehen, um sich die CD zu kaufen und deshalb schicken wir den Typen da herum, der zu den Leuten hingeht und die CD anpreist. Es ist fast wie wenn dich ein Obdachloser nach etwas Wechselgeld anspricht. Du zögerst zwar, aber wenn du vielleicht noch etwas Kleingeld hast, gibst du es ihm und so ähnlich läuft es hier auch. Die Leute erinnern sich an unseren Auftritt und denken sich „10 Euro? Okay. Warum nicht?“ Sie brauchen sich nicht darum zu bemühen, wir bringen die CD zu ihnen. Die Leute wollen ja für so etwas keinen Aufwand betreiben, also müssen wir ihnen entgegenkommen.


Und wie ich schon sagte, es funktioniert.

Zack: Ja, ich glaube wir verkaufen auf diese Art mehr Platten, als wir vorher überhaupt verkauft haben, hahaha.


Ich habe gelesen, dass „Lifelong Dayshift“ auf einer Spezialausgabe des „Transformers 3“-Soundtracks enthalten sein wird. Was ist das für eine „Spezialausgabe“?

Sean: Naja, wir schaffen es niemals auf die „richtige Version“. Es ist wie wenn es heißt, unser Song sei in einem Videospiel – er ist im Endeffekt nämlich gar nicht in dem Spiel. Es gibt dann nur irgendeine Homepage, auf der man sich den Song herunterladen kann. Das ist nicht wirklich eine große Sache.

Zack: Es gibt von dem Soundtrack eine normale Version, dann gibt es eine Version, die man nur in jenem Geschäft bekommt, das nächste Geschäft hat dann wieder eine eigene, spezielle Version. Die Leute, die „Transformers“ wirklich lieben, kaufen also jede einzelne Version und bekommen dann in der Regel eine Extra-Band, bzw. einen Extra-Song. Ich weiß nicht mal, warum das so gemacht wird. Vermutlich kommt die Idee von den jeweiligen Geschäften direkt, damit sie sagen können, dass man diese oder jene Band eben nur auf ihrer speziellen Version findet. Aber im Grunde genommen ist das ja auch totaler Quatsch. Wäre unser Song im Film zu hören, dann wäre das eine coole Sache, aber so …

Sean: Ja, es wäre natürlich cool, wenn du deinen Kindern eines Tages erzählen könntest, dass du mit deiner Band in diesem Film zu hören warst. Dann kann man sich den Film ausleihen und es ihnen vorführen.

Zack: So kannst du ihnen nur sagen, dass sie in dieses eine Geschäft in dieser bestimmten Stadt gehen sollen, und sie dort vielleicht diesen Soundtrack finden, auf dem unsere Band ist.


Aber es ist ein Anfang...

Sean: Ja, es ist schon mal was.

Zack: Es bringt aber leider nicht viel. Ich glaube, dass jedes Konzert, das wir spielen, mehr bringt. Dadurch, dass wir auf dem Soundtrack vertreten sind, verkaufen wir nicht mehr Platten. Und selbst wenn die Leute den Song hören und er ihnen gefällt, heißt das längst nicht, dass sie mehr über diese Band herausfinden wollen.


Bezieht sich der Song mit seiner zentralen Aussage „Your life it ain't worth wasting mine on“ auf eine bestimmte Person?

Zack: Es bezieht sich nicht auf eine spezielle Person, es ist eher so eine Art Lebenseinstellung. Dem einen genügt es, sich einfach irgendwie durchzuschlagen, der andere kann damit überhaupt nichts anfangen. Wem das genügt – fein, für mich ist es nichts. Das ist die Aussage hinter dieser Zeile.


Worüber sich viele Leute wundern, wenn es um MIDDLE CLASS RUT geht, ist die Tatsache, dass die Band nur aus euch zwei Leuten besteht, ihr es aber trotzdem schafft, diesen großartigen Sound zu kreieren. Wie kam es denn dazu, dass ihr nur zu zweit seid? Wolltet ihr nicht mehr Kontrolle als nötig abgeben?

Zack:Als wir anfingen, wollten wir einfach nur Musik machen und aufnehmen. Es war im Grunde genommen völlig egal, wer alles mit dabei ist, aber wir sind einfach glücklich mit dem, was wir zu zweit erschaffen. Da das so gut funktioniert und wir wirklich zufrieden sind, machen wir eben einfach so weiter. Und letztendlich wird es ja auch immer komplizierter, je mehr Leute an so einer Band beteiligt sind.

Sean:Es ist auch nicht so, als hätten wir einen Haufen Freunde auf Abruf, die bereit wären, auf Tour zu gehen, ohne wirklich etwas dafür zu verdienen. Freunde, die ihr Leben zurücklassen, um Musik zu spielen. Es gibt nur wenige Menschen, die dazu bereit sind.


Wie lange kennt ihr beiden euch jetzt eigentlich schon?

Zack: Seit 15 Jahren.


Und ihr spielt auch schon seit knapp 15 Jahren zusammen?

Sean: Ja, wir haben an dem Tag, an dem wir uns das erste mal trafen, angefangen, zusammen Musik zu machen.

Zack: Ja, wir spielen seit einer verdammten Ewigkeit zusammen, hahaha.


Ich habe vorher noch nie vom dem Label Bright Antenna gehört, bei dem ihr unter Vertrag seid. Ihr habt doch sicher auch schon einige Angebote von größeren Labels vorliegen, oder?

Sean: Nein, Bright Antenna war ein kleines Indie-Label aus Oakland, als wir unterschrieben haben, aber dann sind sie eine Partnerschaft mit einem größeren Label eingegangen, das wiederum zu Warner Brothers gehört. Das heißt, das wir bereits die Vorzüge der Major-Strukturen genießen können.

Zack: Wenn ich daran zurückdenke, wie ich mir immer Musikvideos angeschaut habe und ich kannte keines der Labels, die dort immer erwähnt wurden. Aber es wird auch einfach zunehmend unwichtiger. Wenn du bei den großen Labels signst, heißt das in der Regel, dass du einen beschissenen Deal hast. Wir haben einen wirklich guten Vertrag mit einem kleinen Label abgeschlossen, haben aber dennoch die Möglichkeit, auf Tour zu gehen, Platten aufzunehmen und Videos zu drehen. Sie haben das selbe Geld zur Verfügung, wie die Major-Labels, aber wir haben einen guten Vertrag und die volle Kontrolle über unsere Musik. Wir haben vorher auch noch nie was von Bright Antenna gehört, aber sie glauben an uns und unsere Musik und das ist viel wichtiger, als ein Label mit einem großen Namen zu haben, bei denen Leute arbeiten, die sich nicht für dich interessieren.

Sean: Wir wollen künstlerische Kontrolle, einen Tour-Support und einen vernünftigen Vertrieb und wir haben das Gefühl, dass wir das bestmögliche Paket bekommen haben. Wir hatten auch zwei, drei Majorlabel-Deals vorliegen, aber das war alles nicht das Wahre.

Zack: Die Majorlabels geben dir einen hohen Vorschuss und das war es dann.

Sean: Sie sind nicht wirklich daran interessiert, viel Zeit zu investieren, um deine Band vernünftig aufzubauen. Wenn es nicht gleich durch die Decke geht, verlieren sie ganz schnell jegliches Interesse. Sie sagen „Oh, die erste Woche lief nicht gut, ihr seid erledigt! Das Thema ist durch.“

Zack: Wenn wir die Platte …

Sean: … bei einem Major veröffentlicht hätten, wären wir längst fallen gelassen worden.

Zack: Auch wenn die Single gut lief, heißt das längst nicht, dass du viele Platten verkaufst.




Ist die Single denn gechartet?

Sean: Ja, Mann. Sie war Top-5 in den USA [Stimmt nicht ganz, „New Low“ - die erste Single der Band erreichte Platz 6 in den Billboard Alternative Songs-Charts; Anm. d. Verf.]. Aber die Zeiten haben sich einfach geändert. Solch ein Erfolg schlägt sich nicht wirklich in Verkäufen und damit einhergehenden, großen Gewinnen nieder.


Aber es ist ja trotzdem eine gute Sache!

Zack: Na klar. Wenn du das siehst, dann denkst du nur „Fuck!“, aber andererseits fragst du dich natürlich, wo du jetzt stehen würdest, wenn du nicht mal das erreicht hättest. Dann wären wir wirklich schlecht dran.

Sean: Wir wären nirgendwo mehr.

Zack: Immerhin haben wir unser Album draußen und können Shows spielen, auch Headliner-Shows. Das erlaubt uns dieser kleine Erfolg, finanziell kam dabei aber nichts herum. Man nimmt das halt an, wofür auch immer es dann gut sein mag und hofft, dass es noch ein bißchen weiter geht.

Sean: Vermutlich würden wir das hier so oder so machen und wir werden es machen, solange es geht. Und bis dahin nehmen wir alles, was wir bekommen können, ob es jetzt diese „Transformers“-Geschichte ist oder was auch immer.


Aber ihr werdet nicht reich davon …

Zack: Zum Teufel, nein!


Es ist aber eure Hauptbeschäftigung, oder? Ihr geht nicht noch nebenher arbeiten?

Zack: Wir haben gar keine andere Wahl.

Sean: Glücklicherweise bezahlt uns unser Label genug, damit wir keinen regulären Job annehmen müssen.

Zack: Aber es geht auch gar nicht. Dich würde doch niemand einstellen, wenn du sagst, dass du alle zwei Wochen für einen Monat lang weg bist, weil du eine Tour spielst. Das ist einfach unmöglich. Und darum müssen wir uns durchschlagen, indem wir ständig auf Tour gehen. Wir verdienen damit im Endeffekt aber kein Geld. Andererseits kannst du das beides auch gar nicht wirklich vereinen, wenn du erfolgreich werden willst. Entweder du versuchst beides und bekommst dann Probleme, oder du verzichtest komplett auf das Touren.


Klar, das sehe ich ein. Es war mir nur nicht ganz klar, wie das läuft. Was denkt ihr denn, wie es mit MIDDLE CLASS RUT weitergeht? Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

Sean: Das ist schwer zu sagen. Hoffentlich versuchen wir dann immer noch, das alles, was wir jetzt aufgebaut haben, weiterzuentwickeln und zu vergrößern. Wir hoffen wirklich, dass wir uns unsere eigene kleine Welt aufbauen, in der wir fortbestehen können. Das wir zum Beispiel auf Tour gehen können, wenn wir es wollen. Ich glaube momentan nicht, dass wir bis dahin die größte Band der Welt werden können, wobei das natürlich großartig wäre. Da werde ich jetzt nicht lügen, das ist schon unser großes Ziel und war es auch immer.


Die Songs dafür hättet ihr ja schon mal.

Sean: Haha, ja. Wir sind bereit und warten darauf, dass die Welt das auch einsieht, hehehe. Und wenn das nicht passiert, dann haben wir eben einfach weiterhin unsere kleine Welt, die wir gerade aufzubauen versuchen.

Zack: Ich denke darüber nach, was in fünf Jahren sein wird, seit ich 19 war und man weiß es nie. Was du denkst und was dann letztendlich ist, stimmt selten überein. Wir können nicht mal voraussagen, was in drei Monaten sein wird. Du musst einfach nur auf alles vorbereitet sein und dich treiben lassen. Das ist alles, was du tun kannst.

kaamos

Autor: Timo Beisel [kaamos] | 25.07.2011 | 23:49 Uhr

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