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Hardcore
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Irgendetwas an der Skyline der US-amerikanischen Städte scheint bei den Iren Anklang zu finden. Teils Romantik, teils Sehnsucht. Pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk holen wir jedes Mal unsere Kameras hervor, sobald wir uns mit unserem stinkenden Tourbus kurz vor dem Ziel befinden – sei es nun Philadelphia, Atlanta oder New York. Diesmal ist es New York, vielleicht der mythischste aller Friedhöfe der Einbildungskraft. Die Auswanderung ist seit über 150 Jahren tief im irischen Unterbewusstsein verankert, und unsere Vorstellungen wurden durch eine Kindheit verstärkt, in der Amerika so eine Art gelobtes Land war. Welche Wahl hatten wir auch? Australien war für die meisten viel zu weit entfernt, und unsere direkten Nachbarn auf der anderen Seite der Irischen See waren der alte Feind, also lief es auf „Merikay“ hinaus. Alle hatten einen Bruder, eine Schwester, eine Tante, einen Onkel oder weitere Angehörige, die auf der anderen Seite des Atlantiks versuchten, ein neues Leben auf die Beine zu stellen. Vielleicht ist es das Gefühl, dass Blut, Schweiß und Tränen unserer Vorfahren mehr oder weniger die Brücke erbaut haben, die wir gerade auf dem Weg nach Manhattan überqueren. Oder eventuell ist es auch das Foto der Arbeiter, die das Empire State Building bauen und dabei auf einem Stahlträger mehrere Hundert Fuß über dem Boden ihr Mittagessen einnehmen, dass ich genau daran denken muss und mein Verstand beschlossen hat, dass sie alle irischer Herkunft sein müssen? Andererseits sind das vielleicht auch nur Mythen, die durch jahrelange Versorgung mit amerikanischen Filmen, Büchern und Popkultur in mein Unterbewusstsein Einzug gehalten haben. Tatsache ist aber auch, dass es im Vergleich zu den Iren eine größere Diaspora an deutschen Vorfahren in den USA gibt. Das haben sie ganz schön geheimgehalten, oder? Die haben auch keinen St. Patrick's Day, nicht wahr? Gleichermaßen gibt es jedoch viel mehr irischstämmige Amerikaner als solche italienischer Abstammung, und das haben sie nicht gerade für sich behalten.

Wir wachsen so sehr umgeben von amerikanischer Kultur auf, dass sich deren Auswirkungen kaum umgehen lassen. Wir stehen herum und starren als Europäer voller Staunen das Alltägliche und Gewöhnliche an. Irgendwo in meinen Hinterkopf krame ich nach Erinnerungen an eine Szene aus „Mean Streets“, aber vielleicht ist das auch die Bar aus „Cheers“ oder auch aus XYZ. Ein Teil von mir erwartet, dass nun ein innerer Woody-Allen-Monolog seinen Anfang nimmt. Währenddessen drängeln sich einige geschäftige New Yorker an mir vorbei und wundern sich zweifellos darüber, was zur Hölle ein ziemlich fertig aussehender Metalhead in einem verdreckten FROST-Shirt und mit einer miesen Top-Gun-Sonnenbrille da macht und ein altes, längst geschlossenes Kino anglotzt. „Stammt das nicht aus...“, fragt sich mein innerer Allen-Monolog gerade. Aber hey, das ist New York, also interessiert es auch niemanden, was ich da verdammt noch mal mache. Sogar mein kaltes Herz empfindet ihre Grobheit irgendwie als reizend. Fragt mich aber mal, ob ich hier leben möchte, und dann könnte es durchaus passieren, dass ich eine Schusswaffe kaufen müsste.

Als ich durch die Straßen von Portland schlendere, reagiere ich den Leuten, die mich anlächeln, und auch der gesamten zufriedenen und glücklichen Ausstrahlung misstrauisch gegenüber. Ein Teil meiner verbitterten Dubliner und europäischen Seele hasst sie irgendwie dafür, aber ich bin mir sicher, dass ein paar Monate hier diesen eisigen Splitter in meinem Herzen zum Schmelzen bringen würden. Wenn man als Europäer zum ersten Mal in den Vereinigten Staaten ankommt, dauert es eine Weile, um herauszufinden, ob diese Freundlichkeit eine Einbildung ist. Natürlich liegt ein Teil dessen darin begründet, dass Trinkgelder eine wichtige Rolle spielen, wenn man in den USA im öffentlichen Dienst tätig ist, aber das Lächeln, das meinem mürrischen Auftreten bis hinunter zur kalifornischen Küste entgegengebracht wird, scheint tatsächlich ehrlich zu sein. Ich denke an all jene Zeiten, als schlecht gelaunte osteuropäische Frauen in irgendeinem ehemaligen sowjetischen Staat mir mein Wechselgeld voller Verachtung zugeworfen haben, während ich versuchte, eine Flasche Wasser zu kaufen. Oder als irgendein französischer Kellner mich von oben bis unten herablassend musterte, während ich mit meinem zusammengebastelten Französisch versuchte, ein Bier zu bestellen. „Soll ich den Marsch den Champs-Élysées hinunter aus dem Jahr 1941 noch einmal für Dich Revue passieren lassen?“, sagt mein innerer Allen-Monolog. Vielleicht war er immer schon da. Wir können in dieser Hinsicht ohne jeden Zweifel einiges von den Amerikanern lernen. In Dublin kann man die Aggression auf der Straße spüren. Die Rezession hat ihre Klauen tief in die Gesellschaft hineingeschlagen, und Du weißt einfach, dass alle Leute, die in beschissenen Jobs ohne Perspektive schuften, wiederum vom mittleren Management eine reinbekommen und so weiter und so fort. Alles schert sie einen Dreck – außer irgendwie diesen Tag durchzustehen, nach Hause zu gehen und davon Abstand zu bekommen. Dies breitet sich aus wie eine Seuche. Niemand schert sich auch nur das kleinste Bisschen um die anderen. Zwischenzeitlich habe ich in Portland einen Kaffee in einem trendigen und Fair-Trade-affinen Laden bestellt, der mir daheim den Magen umdrehen würde, aber Himmel noch eins, wenn die junge Frau hinter der Theke nun mal in ihrer Aufgabe sichtbar aufgeht und es ihre Lebensberechtigung zu sein scheint, mit meinen zynischen europäischen Reaktionen auf ihr entwaffnendes Lächeln umzugehen. Ich habe ein schlechtes Gewissen, dass ich kein Trinkgeld gegeben haben, als ich mit meinem Eimer voller Hipster-Kaffee gehe, aber wir machen das halt nicht, okay? Wie hat sie es nur geschafft, derart präsent in meinen Gedanken zu sein. Irgendeine Frau mit festlicher Unterarmbehaarung und Tattoos im Nacken lächelt mir zu, als sie ihr Motorrad abstellt. Ich schaue finster drein; sie hat ihr Motorrad übrigens nicht angekettet. Vielleicht müssen wir auch umdenken. Trotzdem – es gibt einen Grund dafür, dass BLACK SABBATH aus Birmingham stammen und VAN HALEN aus Kalifornien. Und nehmen wir einfach mal an, dass meine Laune zu 99% eher das Anfangsriff zu „Black Sabbath“ ist als zu „Panama“. Nur um das mal festzuhalten. Dennoch lege ich für gewöhnlich an einem Samstag so gegen acht Uhr abends ROTH auf, auch wenn das nicht lange anhält und die Bitterkeit sowie das Entsetzen bis Sonntagnachmittag weit fortgeschritten sind. Kalifornien ruiniert die Europäer – hört Euch „Technical Ecstasy“ an...

In den USA auf Tour zu sein ist wiederum eine ganz andere Angelegenheit. Man bekommt den überwältigenden Eindruck von Rock-Kultur, egal wo man ist – ob man im „Rainbow“ sitzt und zu Fotos von Jimmy Page an genau demselben Ort aufblickt oder bei offenem Schiebedach den allgegenwärtigen Rock-Radiosender zu „Hot Blooded“ einschaltet. Dieses Gefühl wird schnell durch die Monotonie der ewig langen Fahrten auf vollgestopften Highways ersetzt, Junk Food auf Junk Food getürmt, das Deinen Körper jedes Mal in die Zuckungen eines Junkies versetzt, sobald Du einen Wendys oder Jack In The Box siehst, und dann dreckige, feuchte Clubs, die ihre besten Zeiten im Jahr 1981 hatten und deren Angestellten es scheißegal ist, welche kleine Band Du eigentlich bist, die versucht, den Laden wenigstens zur Hälfte vollzubekommen. Die Belohnung besteht dann aus 62 Leuten in Cleveland an einem Samstagabend oder 111 Besuchern in Rochester im Rahmen eines eintägigen Festivals. Das Lächeln funktioniert, als uns die Promoter erzählen, dass dies gar nicht mal so übel ist, da VADER zuletzt nur 28 Zuschauer hatten, und so weiter und so weiter. Die Rock 'n' Roll-Kultur in den USA ist mehr oder weniger ein Mythos, der auf Nostalgie basiert, wenn sie jemals eine klein gehaltene PRIMORDIAL-Tour betraf.

Die traurige Tatsache ist, dass es unter Obama sogar noch schwieriger geworden ist, in die Vereinigten Staaten einzureisen, und die 4000 Euro für das Visa und die dazugehörigen Gesprächstermine, um dann vor 62 Leuten spielen zu dürfen, lassen die Perspektiven einer europäischen Band vollkommen sinnlos erscheinen. Zählt dann noch einen Anstieg der Flugpreise um ungefähr 75 Prozent seit etwa 2005 und die Merchandise-Bedingungen dazu, mit denen einen viele Clubs gängeln, und dann sieht das Ganze einfach grundlegend widersinnig aus. Erst wenn man sich für ein paar Stunden das amerikanische Rock-Radio anhört, bemerkt man, dass man nie wirklich neue Bands zu hören bekommt, und nein, es ist auch niemand daran interessiert, sie zu hören. Metal und Rock sind auf ganzer Linie von Grunge, Nu Metal und Hip Hop übertrumpft worden. Natürlich würde man so oder so niemals PRIMORDIAL im Radio hören, aber wenn wir uns zumindest am äußersten Rand in die Definition der Rock 'n' Roll-Kultur hineinquetschen, dann lässt mich das über die Grundfeste der amerikanischen Gesellschaft und darüber, woran wir in Europa anhand von Filmen und Magazinen glauben, nachdenken. Es ist fast ausschließlich in Sepia-getöntes Technicolour aus den Siebzigern gekleidet, voller Sehnsucht nach einem mythischen Sommer auf Ridgemont High, wo man auf dem Parkplatz Bier trinkt, auf den Auftritt von VAN HALEN wartet und niedlichen blonden Mädels mit Ponyfrisur und Hot Pants nachjagt. Deine zukünftige Glückseligkeit wird mit einer Art von Nostalgie bezahlt, vielleicht weil es viel zu düster ist, sich einzugestehen, was in Amerika seit den Mittachtzigern von Reagan, dem Sturz des Kommunismus und dem Krieg gegen die Drogen und den Terror passiert ist. Ich gehe die Nachrichtensender durch und suche dabei nach Informationen über Syrien oder auch nur nach irgendetwas, was gerade in Europa geschieht, und kann fast nur kleine, niedliche Geschichtchen über fettleibige Teenager, die abnehmen wollen, oder die Phrasen von staatsaffinen Governeuren über Homosexuelle finden. Sogar die gut dokumentierten Ausrutscher von Romney, für die die europäische Presse ihn mehr oder weniger kreuzigt, werden hier vom Großteil der Medien vertuscht. Man bekommt tatsächlich den starken Eindruck, dass sogar die meisten Leute in den ziemlich aufgeklärten Staaten und Städten wie Portland einen wirklichen Überblick über die Geschehnisse der restlichen Welt vermissen lassen und dass Europa einfach nur ein riesiger Antiquitätenladen ist. Aber vielleicht sind wir das ja?



18.12.12 23:37 Uhr
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