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Nichts in aller Welt kommt mir momentan so unverbindlich vor wie die Abwesenheit jeglichen Menschseins beim Teilen eines Memes oder während eines Klicks auf den „Gefällt mir“-Button bei Facebook. Trotz der Tatsache, problemlos Zutritt zu so vielen Informationen zu haben, hat das Social Networking nichts außer der Brut einer Generation von Tastatur-Aktivisten hervorgebracht, die Betroffenheit und Protest aus dem behüteten, heimischen Wohnzimmer schreien.

Die letzten Postings bezüglich der Bomben in Boston und jene Postings, die sich mit diesem Thema schmücken, beweisen beispielsweise, dass zuweilen der Wert eines Menschenlebens in Frage gestellt wird. Während drei Menschen in Boston starben, starben derer dutzende in Afghanistan oder im Irak. Die “Agenda” der Medien schreibt die Berichterstattung entsprechend vor. Kratzen wir nur ein wenig an der medialen Oberfläche, finden wir schnell leere Floskeln und geheuchelte Betroffenheit. Eine kurze Reflexion würde klarstellen, warum die westlichen Medien verschieden darüber berichten, was in Boston passiert ist. Alles ist verwandt... die Sprache, der Lokalpatriotismus, die Geografie... die Iren haben Boston zum Beispiel erbaut, also berichten die Medien hierzulande logischerweise mehr darüber, als darüber, was in Afghanistan passiert. Wir haben Verwandte dort, also ist die Antwort darauf, was und wie berichtet wird, doch ziemlich einfach. Und hast du eine Tastatur, wirst du posten – über einfach alles. Eine gleichermaßen komische wie tragische Angelegenheit sind dabei die Statusupdates und Tweets aufgebrachter und geografisch sowie historisch offenbar leicht verwirrter Amerikaner, die zur Bombardierung der Tschechoslowakei aufrufen. Ein Land, dass es seit 1993 gar nicht mehr gibt und das mal eben mit Tschetschenien verwechselt wurde. Es dauert länger, auf der Tastatur die Bombardierung der Tschechoslowakei zu fordern, als bei Google nach Tschetschenien zu suchen. Aber hey... das ist die Welt, in der wir leben und sogar CNN hat diesen Fehler gemacht.

Selbstverständlich ist es eine gute Frage, wie viel ein Menschenleben wirklich wert ist. Was diese leeren Floskeln mir jedoch offenbaren ist, dass sich Menschen heute tatsächlich emotional mit einer Tragödie verbunden fühlen, in dem sie lediglich ein Bildchen in einem sozialen Netzwerk teilen. Das ist keine Verbundenheit - im Gegenteil. Es distanziert dich in jeglicher Hinsicht von dieser Tragödie, weil die Menschen denken, sie können unter dem Gefühl vollsten Mitgefühls nun wieder ihrer alltäglichen Trollerei im Internet nachgehen. Mit einem einzigen Klick haben Sie ja immerhin gefällig gehandelt und online eine gute Tat vollbracht. Es scheint die sinnlosesten Geste zu sein, die man sich nur vorstellen kann. Haben wir mehr als einen kurzen Gedanken an die Menschen in Afghanistan verschwendet? Hat es uns irgendwie zu echtem Aktivismus bewogen oder uns dazu gebracht, uns näher mit den Geschehnissen zu befassen? Mitnichten – wohl eher umgekehrt. Es ruft Distanz und Gleichgültigkeit in uns hervor. Selbstverständlich gibt es einen tief verwurzelten Grund zur Annahme, das eine Menschenleben sei mehr wert als ein anderes. Fakt ist, das alles in unserem Leben geografisch beeinflusst wird. Der Teufel steckt jedoch wie immer im Detail und wohnt auch in diesem Falle gleich nebenan. Der Westen ist nun mal der Westen und – ob nun über einen Tsunami oder die Explosion eines Atomkraftwerks – berichtet wird, was „hier“ stattfindet oder über das, was uns direkt betrifft. Ich bin sicher, dass sich die Manchester Evening News von der London Times unterscheidet. Oder was dachtest du, der du gerade voller Entrüstung die Augenbrauen hochziehst?

Vielleicht beschreibt den Grund, warum die erste Welt nicht auf die dritte und diese nicht auf die vierte eingeht, Wikipedia. Wikipedia nämlich definiert die Menschen in der vierten Welt so: “Menschen, die, gleich ob in städtischen oder ländlichen Gebieten wohnhaft, als strukturell irrelevant in unserer Gesellschaft gelten und weder konsumieren, noch erschaffen, was in einer technologisierten und globalisierten Welt als wichtig erachtet wird.” Oder – wenn du so willst – Menschen ohne Internetschluss.

Mit einer Mischung aus Mitleid und Eigenlob teilen wir jedenfalls diese Memes. Aber das ist offensichtlich nicht das, was es braucht – in einer fragwürdigen Welt der Verdammnis der dritten und vierten Welt zu leben, in der man sich bemüht, sich in seiner emotionalen Bewertung nicht nur zwischen Armut und technologischer Relevanz zu bewegen. Währenddessen wird die Nutzung der Social Networks zum Instrument zur Herbeiführung des arabischen Frühlings im mittleren Osten. Genau das gibt uns einen noch treffenderen Einblick in die Teilung der Welten, wenn man sich mal anschaut, wie unterschiedlich sich die erste, zweite und dritte Welt mit Social Media beschäftigen. Es wirkt gar so, als seien wir bereits die übersättigten, fetten Kühe der ersten Welt. Angepasst an das Fehlen jeglicher Menschlichkeit und Interaktion, werden wir ultimativ in diesem Denken gefördert, während “die da” die sozialen Netzwerke zur Entfachung einer politisch-religiösen Revolution benutzen. Für uns war das Rumrevolutionieren aber dann doch nach wenigen Monaten eher langweilig, oder? “Bäh, genug von eurer Revolution da unten!”

Ich hatte neulich in der Kneipe eine kleine Auseinandersetzung mit einer Dame, die sich in völliger Betroffenheit darüber mokierte, was dieser Tage in Syrien passiert. Ich sagte: “Klar, du hast Recht... die Bilder sind absolut grausam. Dennoch werde ich das Gefühl nicht los, dass du erschrocken darüber bist, dass Assad seine Waffen nicht niederlegt, nur weil es so etwas wie YouTube gibt?! Hast du jemals von einer unblutigen Revolution gehört? OK, abgesehen von der Samtenen Revolution in der Tschechoslowakei. Aber auch dieser gingen Jahrzehnte der Blutlachen voraus, die sich in den Abdrücken der Ketten kommunistischer Panzer fanden. Schade, dass sie's irgendwann hinbekommen haben, sonst hätte man sie doch auch prima bombardieren können, oder? Ach ja... sorry, Tschetschenien, OK? Ist das der Grund, warum wir immer sofort auf schockiert machen und umgehend eine schnelle Lösung brauchen? Weil wir die Aufmerksamkeitsspanne einer Maus haben?”

Ich sagte, dass Revolutionen und Demokratie nun mal keine Apps seien, die ein Land sich einfach mal runterladen und installieren könne. Sie bewarf mich mit einem trockenen Blick, gepaart mit einem entsetzten Stirnrunzeln. Diese inferenten Wesen, die mich weder verstehen, noch weiter kümmern könnten...

Ich schätze, ich hatte einfach nicht das passende Meme mit weinenden Kindern neben Ruinen ihres gerade heute Morgen zerbombten Hauses zur Hand oder mein “Gefällt mir” dem entsprechenden Beitrag geschenkt, der bei all den weißen, schockierten Menschen heute Morgen so beliebt war. Wir leben in einer gewalttätigen Welt und während ihr euch darüber Sorgen macht, ob eure Schuhe vegan produziert werden oder euer Kaffee fair gehandelt wird, werden in den Straßen Syriens Kinder in die Luft gejagt – das gibt’s bei YouTube! Checkt das vielleicht erst mal, bevor ihr ein weiteres Meme von Grumpy Cat postet.



23.05.13 22:50 Uhr
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