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"Starker Auftritt"
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Die Monate rennen wirklich schnell an einem vorbei. Kaum hat man seine Kolumne geschrieben, erreichen einen schon die nächsten Mails, die mir mitteilen, dass es bereits Zeit für die Neue ist. Aber es ist nun mal ein Fakt, dass die Zeit umso schneller vorbei geht, je älter man wird. Es hat mit der Zeit, die man auf der Erde lebt, zu tun. Für einen Fünfjährigen ist beispielsweise ein Jahr ein Fünftel seines ganzen Lebens, während ein Jahr für einen Fünfzigjährigen gerade einmal in Zehntel ist. Ich weiß gar nicht, warum ich das überhaupt erkläre, aber... ihr wisst schon... es ist oft genug so, dass wir uns fragen: „Wo ist nur die Zeit geblieben?“

Wie dem auch sei, ich sitze gerade im Flugzeug und weiß nicht so recht etwas mit meiner Zeit anzufangen. Also habe ich mich entschlossen, die ungenutzte Zeit für meine neue Kolumne zu nutzen.

Als ich damals MELECHESH gründete, verfügte Jerusalem praktisch über keine Black Metal Szene und man konnte dementsprechend nicht einmal Black Metal CDs kaufen. Die beiden Metal-Shops, die es in der Stadt gab, wurden entweder geschlossen oder legten ihr Geschäftsaugenmerk mehr und mehr auf die damals aufkeimende Grunge Szene. Ich mochte Grunge nicht. Ich habe diese Art Musik sogar regelrecht verflucht, denn immer mehr Metalheads hörten auf, Metal zu hören und wechselten zum Grunge. Heutzutage ist mein Musikgeschmack allerdings recht weitläufig [und weitläufig ist, nebenbei bemerkt, noch schwer untertrieben], aber ich fühle heute noch die Eifersucht in mir, wenn ein neuer Musiktrend aufkommt, der dem Metal versucht den Rang abzulaufen. Nichtsdestotrotz gab es damals immer noch einige Überlebende unter der Grunge-Welle, aber diese Leute hatten noch nie etwas von Black Metal gehört. Ich musste etwas tun, also kaufte ich bei diversen Labels verschiedene Platten aus dem Black Metal Bereich und verkaufte sie an Freunde weiter. Nicht aus geschäftlichem Tun, sondern weil ich die Musik verbreiten wollte. Profit habe ich damit nicht gemacht.

MELECHESH verschlang das Meiste meiner Zeit, es war eine Berufung, mit den Jungs in der Band Musik zu machen und wir wussten, dass wir hier etwas Besonderes starteten. Irgendwie fühlte sich die ganze Idee sehr echt an und es hatte einfach etwas Magisches, den Black Metal mit unseren Sounds aus dem mittleren Osten anzureichern.
Als es um den Bandnamen ging, wollten wir etwas, das gleich originell klingt und dazu einen Hinweis auf die okkulte Herkunft gibt. Außerdem wollten wir, dass niemals eine andere Band diesen Namen verwenden würde. Ich dachte lange Zeit angestrengt nach und hatte sogar ein paar Brainstormings mit einem befreundeten Kabalisten. Der Typ ist mittlerweile übrigens ein Lehrer der Kabala und bis zum heutigen Tag hat in der Tat niemand jemals wieder von ihm gehört. Er ist irgendwann an eine Schule gegangen, hat all sein Hab und Gut aufgegeben und das war's. Jedenfalls hatten wir die Idee, das Wort „Melech“ einzubauen, denn es bedeutet „König“ in den verschiedenen Abwandlungen auf Hebräisch, Arabisch und Aramäisch. Ich las das Wort „Melech“ damals in vielen okkulten Büchern – ich mochte den Klang des Wortes. Ich dachte an ein Zusammenspiel auf Aramäisch und Hebräisch und fügte das Wort „Esh“ für „Feuer“ hinzu. Sozusagen „Der König des Feuers“, MELECHESH eben. Wir schrieben damals außerdem einen Song mit dem Namen „Malek al Nar“, der dieselbe Bedeutung hat, also auch König des Feuers. Allerdings war dies die ausschließlich arabische Version des Satzes. Wir schrieben diesen Song, weil wir damals bereits wussten, dass die Menschen MELECHESH als reine israelische oder palästinensische Band wahrnehmen würden. Um unsere breiten Wurzeln allerdings eindeutig abzubilden, addierten wir arabische Elemente, wie eben in diesem Namen. Wir haben übrigens nur einen Palästinenser in der Band, dann noch einen Assyrer, der allerdings halber Armenier ist, genau wie ich. Diverse andere, wie z.B. unser Bassist, waren Israelis zu dieser Zeit, allerdings bewegte sich unsere Musik schon immer über die Politik hinweg! Wir werden allerdings vom Tag unserer Gründung an immer noch in die falsche Region gesteckt. Der eine sagt, wir seien Araber, der nächste bezeichnet uns als Israelis und wieder einer nennt uns Juden. Alles falsch, zumal du keine religiöse Person sein kannst, wenn du ernsthaft dem Black Metal zugetan bist. Und wenn wir sagen, dass das alles falsch ist, dann entschuldigen wir uns dafür nicht! Dann fragen die Leute gern: „Moment mal... bist du ein Rassist?“ und ich kann nur antworten: „Zur Hölle, NEIN!“ Das gesamte Konzept des Rassismus ist extrem fehlerhaft [sogar aus Sicht der Soziologie und Wissenschaft]. Dann gibt es wiederum die, die uns als Moslems bezeichnen und abermals sagen wir „falsch“ und natürlich muss es dann auch die geben, die uns als Christen bezeichnen und... wir sagen... ein weiteres Mal... „Nein!“, obwohl unsere Familien christlichen Glaubens sind, allerdings nicht praktizierend und nur auf dem Papier. Aber auch Letzteres ist für die Meisten viel zu schwer zu begreifen. Diese ganze Herkunftssache ist so was von dumm. Eigentlich wollten wir Fragen dieser Art auch nie beantworten und das Thema niemals anschneiden, aber es ist in den Jahren einfach zu schwer geworden, diesen vorschnellen Fingerzeigen und Klassifikationen zu entgehen. Wenn man aus Jerusalem kommt, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass ihr X oder Y seid. Dieser Ort war über Jahrtausende Heimat und Land vieler Völker, Minderheiten und Nationalitäten!

Zu jener Zeit haben wir nicht beabsichtigt, uns in irgendeiner Weise mit der aufkommenden Szene im Rest des Landes zu assoziieren. Wir blieben quasi unter uns, sendeten jedoch zahlreiche Flyer und unser Demotape 1994 durch die ganze Welt, so dass wir schon innerhalb eines Jahres Briefe aus den USA, dem fernen Osten, Südamerika und Europa bekamen. Natürlich aus den jeweiligen Underground Szenen dort.

Die Proberaumsituation war bei uns außerdem eine riesige Herausforderung. Wir begannen in einem antiken Musikraum einer Schule in der alten Stadt. Man erlaubte uns, den Raum – wie damals schon – weiterhin zu nutzen, allerdings war die Backline derweil wirklich antik. Wie ich ja schon einmal schrieb, wurde das Equipment vor über 20 Jahren von Molochs Onkel gekauft. Wir haben dann versucht, unsere Probe in Molochs Haus in Bethlehem zu verlagern, allerdings fand sie dort nur ein paar Male statt, da es aufgrund der militärischen Straßensperren immer schwerer und schwerer wurde, von Jerusalem nach Bethlehem zu kommen. Also gingen wir irgendwann wieder zurück nach Jerusalem. Dort wieder eingezogen, schissen uns dann ein paar Saboteure an, wir hätten das alte Equipment total zerstört, nur, damit sie mehr Zeit für ihre eigene Probe „erlügen“ konnten. Sie spielten eine Art geschniegelten Pop. Daraufhin verboten uns die Inhaber der Räumlichkeiten, verzerrt zu spielen. Sie dachten damals wirklich, dass der verzerrte Gitarrensound einer Ruinierung des Equipments gleich käme und es ihm nicht gut tut! Wir konnten das damals alles gar nicht verstehen, weil wir diesen Raum bereits Jahre zuvor im selben Stil benutzt hatten. Wir reagierten natürlich nicht und spielten weiterhin mit verzerrtem Sound... bis eines Tages der Supervisor dieses Raums zur Tür herein kam [übrigens ein katholischer Mönch!] und uns unsere Verzerrer-Pedale abstöpselte, so dass wir quasi gezwungen waren, akustisch zu spielen. Wir haben ihm dann einfach erzählt, dass die Wände dafür sorgten, dass es nur von außen so laut und verzerrt klänge, wir aber im Raum akustisch spielen würden, haha! Traurigerweise warf man uns nach dieser Aussage achtkant aus den Räumlichkeiten. Das störte uns dann aber eher wenig. Ich bin weiterhin dort gewesen, um zu proben. Immer dann, wenn der langsam in die Jahre kommende Mönch zum täglichen Kontrollgang aufkreuzte, versteckte ich mich hinter dem großen Gitarrenverstärker, so dass er mich nicht sehen konnte. Dort wartete ich, bis er seine alltägliche, herzliche Motivationsrede zur Musikalität und Harmonie beendet hatte. Natürlich wechselten wir dann irgendwann in einen professionellen Proberaum bzw. Probestudio, wenn man so will, was damals verdammt teuer war. Bis heute muss ich allerdings sagen, dass es die beste Probelocation war, die man haben kann. Wir mussten, dank des Proberaum-Rauswurfs, irgendwann doch eine Pause einlegen und ich sprach in dieser Zeit mit einer noblen Organisation in Jerusalem, die Projekte unterstützte, die Jugendliche von der Straße holen und ihnen die Drogen ausreden sollen. Sie hatten in einem großen Haus am Zentralpark einen extrem edlen Proberaum, der 30m unter der Erde lag. Es war ein ehemaliger Schutzbunker. Dort gab es alles, was wir brauchten... eine geile Backline und sogar einen Erholungsraum und so weiter. Mit der Zeit arbeitete ich in dieser Organisation mit und wurde irgendwann zum Junior Supervisor für eben diesen Raum befördert. So bekam ich den Schlüssel. Von diesem Moment an bedeutete das für uns, dass wir am späten Freitagabend proben konnten, anschließend durch die umliegenden Bars ziehen konnten und wenn wir Lust hatten, kehrten wir irgendwann nachts noch einmal zurück, um weiter zu spielen. Wir haben oft Freunde eingeladen, um gemeinsam stundenlang zu jammen. Wir waren so dermaßen abgeschlossen von der Außenwelt, niemand hörte auch nur einen Ton, denn es war ja alles unterirdisch. Andersrum war es allerdings genauso und als eines Tages bei einem Terroranschlag genau über uns ein Bus in die Luft ging, probten wir seelenruhig noch drei bis vier Stunden weiter, denn wir bekamen ja nichts mit. Unsere Familien und Freunde sahen den Anschlag im Fernsehen und jeder machte sich Sorgen, denn wir waren ja nicht da und dort war unser Proberaum, aber wir wussten von nichts. Nach der Probe verließen wir das Gebäude. Der Ausgang lag auf der anderen Seite der Straße, also entgegen der Location des Anschlags. Wir gingen durch den Park nach Hause und erst, als ich zu Hause ankam und meine Mutter mir kreidebleich von dem Anschlag berichtete und mir die Late-Night-News zeigte, sah ich, dass wir genau dort waren, als 30m über uns der Bus in die Luft ging. Irgendwie lustig, denn während dieser ganzen Zeit haben wir dort fröhlich geprobt.

Im Winter 1994 war die Band sehr stabil und wir hatten eine ansehnliche Songsammlung. Wir begannen zunächst, Proberaum-Demos aufzunehmen und sie weltweit in der Tape-Trading-Szene zu verbreiten. Später begannen wir dann die Aufnahmen zu unserer Debüt-Demo, die wir in jener Zeit metaphorisch „As Jerusalem Burns“ nannten und 1995 veröffentlichten.



Wie ich bereits sagte, war es einfach ein geiles Gefühl. Wir spielten Black Metal in der heiligen Stadt und haben so gut wie jeden angepisst, den es dort gab. Es wurden immer mehr Augenbrauen uns gegenüber hochgezogen, allerdings wuchs auf der anderen Seite die Black Metal Szene durch uns weiter an. Natürlich wuchsen so auch die Gerüchte, es gingen Satanisten in der heiligen Stadt umher bla bla bla...
Die Streitigkeiten mit den eigenen Familien darüber eskalierten irgendwann und alles lief irgendwie aus dem Ruder. Im Osten der Stadt galt ich sogar als Gesetzloser. West Jerusalem war zu jener Zeit allerdings bereits moderner und liberaler, also waren die Zeiten dort in Ordnung. Bis zu einem Samstagabend, als ich mich auf den Weg machte, um mir das Konzert der Band eines Freundes anzuschauen. Ein paar Metalheads liefen mir über den Weg und teilten mir mit, dass ein Journalist nach mir suchen würde, um mit mir in Kontakt zu treten. Er ging angeblich seit geraumer Zeit in die Clubs und auf Konzerte, auf die ich auch ging, besuchte so gut wie jedes Konzert, das auch nur im Entferntesten mit Rock zu tun hatte, nur, um mich zu finden. In dieser Nacht fand er mich. Er sagte, dass er für eine der größten Zeitungen arbeite und dass er gekommen sei, um eine Story über MELECHESH zu schreiben, da wir die erste Band waren, die diese Art Musik in Jerusalem spielte. Er hatte es sehr eilig und war sogar bereit, mich für die Story zu bezahlen, was ich allerdings sofort ablehnte. Ich dachte mir dennoch, dass es eine gute Idee wäre, dieses Interview zu geben, allein schon wegen der Promotion für die Band. Ich hatte vorher bereits einige Interviews für die Lokalzeitungen gegeben und das war immer ganz gut. Ich sagte ihm also zu, sagte ihm aber auch, dass er darauf achten soll, dass es hier um die Band geht und um nichts anderes. Er gab mir sein Wort darauf, dies im Kopf zu behalten und sagte zu. Wir nahmen uns ein Taxi, fuhren zu mir nach Hause und ich zeigte ihm ein paar Bücher, die ich las und wie ich lebte. Dann fuhren wir zur Redaktion des Zeitungsverlags, um das Interview zu machen.
Ein paar Tage später, als Moloch, Lord Curse und ich durch die Straßen des Zentrums liefen, um die Zeitung zu kaufen, beschimpften uns die Menschen, sie zeigten mit dem Finger auf uns und schrien: „Da, das sind welche von diesen Satanisten!“. Wir erreichten den Zeitungsstand... wir sahen die Zeitung... die Story war auf der Titelseite und es war ein Bericht zu lesen, der in etwa die Schlagzeile hatte: „Satanischer Kult in der heiligsten aller Städte!“ Ich rastete total aus und war hochgradig angepisst. Die komplette Story war der absolute Dreck, sogar die Bildunterschrift zum Bandfoto, wo zu lesen war: „Mitglieder der Band MELECHESH bei satanischen Ritualen auf dem Friedhof“. Das Promo-Foto wurde nicht einmal auf einem Friedhof aufgenommen! Anschließend beschrieb man den Stil der vermeintlichen Satanisten, also die langen Haare [ja, damals hatte ich sie noch], die schwarzen Klamotten, die Anhänger um den Hals und die Zeitung berichtete, wir würden sogar Tieropfer darbringen und eben all diese Scheiße. Jeder, der mich auch nur halbwegs kennt weiß, dass ich jedem, der einem Tier etwas antut, sofort selbst etwas antun würde!

Menschen riefen mich an und teilten mir mit, dass die Polizei für ein Verhör nach mir suchte. Plötzlich wurde das Gesetz erlassen, Satanismus in Jerusalem zu praktizieren, sei illegal. Ihr müsst euch das mal vorstellen... kein Mensch hat vor diesem Geschehnis seit der Gründung des Landes vor ein paar tausend Jahren in Jerusalem jemals über dieses Thema gesprochen. Gerade die sonst sehr liberale Regierung verabschiedete dieses Gesetz, die eigentlich immer recht verharmlosend mit solchen Dingen umging. Ich denke, es gab einfach plötzlich zu viele Beteiligte, die dafür stimmten. Zu dieser Zeit sagte ich vielen Menschen, sie sollen einfach den Mund halten, wenn man sie nach mir fragte, denn andere, die dies nicht taten, kamen in große Schwierigkeiten, wenn sie sagten, sie seien mit mir befreundet. Die Polizei kannte unsere echten Namen nicht, denn während Konzerten trugen wir ein Corpsepaint und nutzten unsere Pseudonyme. Die Zeitung verweigerte ihnen außerdem die Herausgabe unserer Kontaktadressen und Namen. Es war die pure Hexenjagd damals. Meine Ex-Freundin rief mich plötzlich an und erzählte mir, dass sie verhaftet worden sei, da sie ein Pentagramm um den Hals trug. Man befragte sie, aber sie hat ihnen nichts erzählt. Ich erinnere mich an einen Abend, als die Bands und Freunde gemeinsam nach Tel Aviv fahren wollten. Wir standen alle in Jerusalem beisammen und wollten die Reise antreten, als ein Streifenwagen kam und vor unserer Gruppe langsamer wurde. Wir rannten sofort alle los in verschiedene Richtungen und riefen uns verschiedene Locations zu, an denen wir uns gleich treffen würden, um den Bus nach Tel Aviv zu nehmen. Damals gab es viele junge Leute, die mich in Bars oder Clubs ansprachen, weil sie dem satanischen Kult beitreten wollten. Ich habe sie immer gefragt, von welchem Kult sie bitte sprechen und sagte ihnen, dass sie sich verpissen sollen. Traurigerweise sorgte der Zeitungsartikel dafür, dass einige Jugendliche genau das taten, was von der Zeitung propagiert wurde. Trendorientierte Leute, die sogar die Tieropferung aus dem Zeitungsartikel übernahmen. Es war einfach nur enttäuschend. Ein einziger Journalist war dafür verantwortlich, dass plötzlich von irgendwelchen Leuten Tiere getötet wurden. Und das alles nur, um eine Zeitung zu verkaufen.
Die Leute von der Organisation und dem Proberaum, von dem ich eben sprach, rieten mir, die Proben und Aktivitäten erst einmal für ein paar Wochen ruhen zu lassen. Ich dachte damals, dass es eine hervorragende Idee sei, meinen Bruder endlich einmal in Indonesien zu besuchen. Er leitete dort die Firma Seagram [Vertrieb der Marken Chivas Regal, Jack Daniel's, Absolut Vodka, Martel Cognac, und ja, ich hatte auch in Jerusalem dadurch damals einen unerschöpflichen Lieferanten, haha!] Ich verließ die Stadt also und ging nach Jordanien, von wo es per Flug nach Indonesien ging, um dort die exzessivsten und luxuriösesten Monate zu verbringen. Mein Bruder war Teil eines riesigen Netzwerkes der dortigen Party-Szene und kannte jeden. Seine Freundin war ein berühmtes Supermodel, die man so gut wie jeden Tag irgendwo im Fernsehen sehen konnte. Egal, in welchen Club oder in welche Bar wir gingen, es wurde uns sofort die V.I.P.-Area zurecht gemacht. Es war eine gute Abwechslung von der stressigen Situation zuvor. Ich bin dort auch sehr oft in die dreckigsten Alleen und zu Marktplätzen gegangen, um die Metalheads Indonesiens zu treffen. Mein Bruder hatte mich zwar immer wieder gewarnt, ich solle nicht dort hin gehen, denn es sei gefährlich, aber ich ging dennoch. Ich sagte ihm, ich fühlte mich dort sicher mit meinen Headbanger-Kollegen und in der Tat... ich war sicher. Es waren sehr coole Leute. Aber mal ehrlich, Freunde: der Unterschied zwischen den Reichen und den Armen dort ist wirklich erschreckend. Während ich Leute kennen lernte, die in zusammengezimmerten Wellblech-Behausungen lebten und sich von Reis dreimal täglich ernährten, wurde ich von Seiten meines Bruders auf eine Privatinsel zu ausgelassenen Partys der Reichen eingeladen... verrückt!

Ich liebte die Tempel auf Bali, allerdings verbrachte der böse Black Metaller die meiste Zeit auf einem Jetski durch das tropische Meer um die Insel, was irgendwie total surreal war - nach all den Geschehnissen in Jerusalem. Ich ließ es allerdings einfach geschehen, da es oft so ist, dass auf den größten Scheiß positive Dinge folgen, die man nicht erwartet, aber sehr gut gebrauchen kann. Als ich nach Jerusalem zurückkehrte, hatte sich die Situation dort ein wenig beruhigt. Die Regierung hatte derweil sehr viele andere Dinge, um die man sich sorgte. Wir entschlossen uns allerdings dennoch dazu, uns erst einmal bedeckt zu halten.

OK, ich bin nun mehr oder weniger auf dem Weg, ein schönes Abendessen zu genießen und anschließend ein paar Bars aufzusuchen [richtig, ich bin derweil gelandet]. Ich habe an diesem Artikel nun über eine Woche geschrieben und es ist nun Zeit, ihn zu beenden. Es gibt allerdings noch so vieles mehr von den Anfängen und der Evolution MELECHESHs zu erzählen. Behaltet in Gedanken, dass ich von der Band in einer biografischen Art schreibe. Zu Beginn dachte ich, es würde eventuell langweilig sein, aber mittlerweile steckt ein richtiger Sinn dahinter, denn ich merke, dass die Band ein so großer Teil von mir ist. Sie hat mich zu dem gemacht, was ich bin und mich viele Dinge im Leben gelehrt. Ich denke, dass einige von euch, die mal eine Band gegründet und so viele Jahre darin gespielt haben, das sofort abnicken würden.

19.10.09 02:24 Uhr
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