.: SUCHE
    Erweiterte Suche
CD Review: Kadavar - Rough Times

Kadavar
Rough Times


Doom Rock, Hard Rock
6 von 7 Punkten
"Bleiben sich treu!"
CD Review: Arch Enemy - Will To Power

Arch Enemy
Will To Power


Melodic Death Metal
5 von 7 Punkten
"Alles wie immer: Alles gut."
CD Review: Revolution Saints - Light In The Dark

Revolution Saints
Light In The Dark


Hard Rock, Melodic Metal
4 von 7 Punkten
"Del Vecchios neue Platte"
CD Review: L.A. Guns - The Missing Peace

L.A. Guns
The Missing Peace


Sleaze Rock
5 von 7 Punkten
"Rückkehr des Ballermanns"
CD Review: Evil Invaders - Feed Me Violence

Evil Invaders
Feed Me Violence


Heavy Metal, Thrash Metal
6 von 7 Punkten
"Voll auf den Punkt"
CD Review: Marty Friedman - Wall Of Sound

Marty Friedman
Wall Of Sound


Heavy Metal, Instrumental
5.5 von 7 Punkten
"Saitenhexerei auf die angenehme Art"
CD Review: The Black Dahlia Murder - Nightbringers

The Black Dahlia Murder
Nightbringers


Death Metal, Melodic Death Metal
5.5 von 7 Punkten
"Detroit liegt jetzt in Schweden"
CD Review: Pänzer - Fatal Command

Pänzer
Fatal Command


Heavy Metal
6 von 7 Punkten
"Angriff an allen Fronten"
CD Review: Satyricon - Deep Calleth Upon Deep

Satyricon
Deep Calleth Upon Deep


Black 'n Roll, Black Metal, Progressive
5.5 von 7 Punkten
"Kunden, die "Satyricon" mochten, interessierten sich auch für..."
CD Review: Air Raid - Across The Line

Air Raid
Across The Line


Heavy Metal
6 von 7 Punkten
"Yngwies Erben"
CD Review: Jag Panzer - The Deviant Chord

Jag Panzer
The Deviant Chord


US-Metal
5 von 7 Punkten
"Große Gefühle, harter Stahl"
CD Review: Cradle Of Filth - Cryptoriana - The Seductiveness Of Decay

Cradle Of Filth
Cryptoriana - The Seductiveness Of Decay


Black Metal, Melodic Black Metal
5.5 von 7 Punkten
"Die dunkelste Versuchung"
CD Review: Lonewolf - Raised On Metal

Lonewolf
Raised On Metal


True Metal
5.5 von 7 Punkten
"Stimmt."
CD Review: Josh Todd & The Conflict - Year Of The Tiger

Josh Todd & The Conflict
Year Of The Tiger


Rock
5 von 7 Punkten
"Tigerblut!"
CD Review: Grift - Arvet

Grift
Arvet


Atmospheric Rock, Black Metal
6 von 7 Punkten
"Black Metal von 1870"
CD Review: Hexx - Wrath Of The Reaper

Hexx
Wrath Of The Reaper


US-Metal
5 von 7 Punkten
"Erfolgreich zurück"
CD Review: Demons Dream - Nuclear Attack [EP]

Demons Dream
Nuclear Attack [EP]


Heavy Metal
5 von 7 Punkten
"Starker Auftritt"
Share:


Es ist November und es ist Winter – sehr grau und die Roboter um einen herum sind kälter, grauer und rostiger als sonst zu dieser Zeit des Jahres. Andererseits mag ich diese Zeit. Man kann zu Hause sitzen und Musik machen, lesen und andere Dinge tun, die einen nicht allzu sehr ablenken. Ich sitze hier gerade in meiner Wohnung in den Niederlanden - und das schon seit drei Wochen, ohne Reisen, was heutzutage wirklich selten für mich ist. Außerdem genieße ich gerade meine Riesentasse Kaffee [meine Freunde beschweren sich immer, dass der Kaffee in den Niederlanden immer in solch kleinen Tässchen serviert und außerdem furchtbar stark gebrüht wird] und ich lausche der hervorragenden Musik von SECRET CHIEFS 3. Trey Spruance von SECRET CHIEFS 3 und ich haben den größten Respekt vor der Musik des anderen. Ich kann nur jedem da draußen empfehlen, sich diese Band live anzuschauen. Es ist... erhabene Schallkunst.

Letzte Woche waren ABSU in der Stadt, also zog ich los, um Proscriptor und die Gang zu treffen. Es war großartig, ihn wiederzusehen. Als ich die Jungs das letzte Mal sah, war es Juli, sie waren in Amsterdam und wir hingen miteinander rum. Wir buchten sogar ein Aufnahmestudio, um gemeinsam zu jammen. Proscriptor schlug vor, dass ich die Band während des Songs „Swords And Leather“ auf der Bühne begleite und ich mochte die Idee – es war der Knaller! Im Moment passiert aber noch eine ganze Menge mehr. MELECHESH werden in Kürze den neuen Full-Time-Bassisten vorstellen und außerdem suchen wir noch einen Livegitarristen für die Einzelshows, zu denen Moloch nicht anreisen kann. Wir arbeiten hart an einem neuen Album, worüber ich jetzt allerdings noch nicht viel sagen kann.

Das letzte Mal bei Battlestar Galactica... eh... ich meine... beim letzten Mal, als ich euch schrieb, berichtete ich über meinen Trip nach Indonesien, den ich antrat, um ein wenig dem Lärm um uns herum in Jerusalem zu entkommen. Als ich heimkehrte, hatten sich die Dinge beruhigt. Tragischerweise wurde ein Attentat auf den damaligen Premier Minister Israels verübt [und ich sage „tragischerweise“, weil er einer der wenigen Menschen mit guten Absichten war]. Deswegen war das Letzte, an was die Menschen dachten, ein satanischer Kult in Jerusalem. Politisch betrachtet, brachte diese Sache eine unschöne Wende und Probleme für beide, Israelis und Palästinenser. Zwischen der nächsten Explosion in einem Café oder einem Linienbus lag nie viel Zeit. Jeder wirkte rund um die Uhr angespannt und die Stimmung war düster, was sie heute noch ist. Drohnen! Es geht nicht gerade um Raketenwissenschaft, aber der Status Quo dort ist, dass man die Programmierung der Drohnen versemmelt, so dass es eine Stagnation und ein Patt auf beiden Seiten gibt. Ich habe allerdings schon viel zu viel gesagt und weitere Worte würden nur wieder diejenigen hervorlocken, die darauf reagieren, also lassen wir es damit gut sein. Alles in allem war es ein komisches Jahr. Meine Großmutter starb und sie war mein einziges Großelternteil, das ich kannte und die Mutter meines verstorbenen Vaters, so dass ich sie immer sehr wertschätzte. Ich sah sie leider nicht oft, denn sie lebte zunächst in Istanbul, später sogar in Australien. Am selben Tag, als ich von ihrem Tod erfuhr, erreichte mich auch die Nachricht über eine gute Freundin, die in der Innenstadt vergewaltigt und brutal ermordet wurde. Sie war so ein süßes Mädchen. Wir haben uns oft in die Augen geschaut und stundenlang einfach nur geredet [man muss dazu sagen, dass diese Art von Kriminalität in Jerusalem mehr als selten ist].

Trotz der politischen Misslage in Jerusalem, bekam ich es hin, eine gute Zeit zu verleben. Ich lebte, wie ich wollte und damals gab es viele Menschen, die sich einfach ein normales Leben gewünscht haben, ungeachtet dessen, was dort abging. Ich habe etliche Stunden mit meiner Gitarre verbracht und meine Familie und Freunde der Familie sagten immer, dass es reine Zeitverschwendung sei [ein Klassiker, oder? Viele von uns haben das tausendmal gehört] und machten sogar Witze über mich, wie „Hey, Beethoven, heute schon was komponiert? Bist du schon berühmt?“. Nichtsdestotrotz war ich besessen von dem, was ich tat. Dies ist nach wie vor einer der größten Streitpunkte, die ich mit ihnen hatte und habe. Sie hatten niemals die große Vision, allen war es lieber, ein funktionierender Teil der Maschinerie zu sein, als der Architekt der Maschine selbst. Ich hoffe, dass ihr meine abstrakten Definitionen verstehen könnt, denn sie haben in der Tat einen Sinn.

Wie ich bereits sagte, lebte ich mein Leben, wie ich wollte. Ich hatte Spaß daran. Ich hatte keinen Job, besuchte unter der Woche aber eine Schule für Toningenieure und den Rest meiner Zeit verbrachte ich mit meiner Gitarre oder hing in der Stadt ab. Ich las ebenfalls viele okkulte Bücher. Ich lebte quasi meinen Rock'n'Roll Lifestyle aus! Ich brauchte ehrlich gesagt nicht einmal Geld! Ich hatte ja außerdem Zugang zu kostenlosem Alkohol. Wie ich ja bereits in meinem letzten Beitrag verriet, war mein Bruder der Manager von Seagrams in Indonesien. Seagrams war eine Firma, die hauptsächlich gute Markenware verkaufte, wie z.B. Chivas Regal, Martell Cognac, Absolut Wodka, Finlandia, Mariachi Tequila, B&G Wein und so weiter. Ich hatte also etliche Flaschen zur Verfügung und wenn die Vorräte mal knapp waren, rief mein Bruder einfach den Hauptdistributor in Tel Aviv an, wo ich dann die nächste Lieferung abholte. Ich schnappte mir einfach einen Einkaufswagen, raste durch den Laden, packte ihn voll und verließ ihn wieder. Für eine solch große Firma waren sogar meine zahl- und warenreichen „Einkäufe“ ein viel zu geringer Posten, um überhaupt eine Rechnung zu schreiben bzw. dies buchhalterisch zu verbuchen. Es gab Tage, an denen ich irgendwo an einem Platz oder Park saß und gemütlich einen Premium Whisky schlabberte [nicht wie in den USA, wo öffentliches Trinken verpönt ist]. Und wenn ich Geld brauchte, um Alben oder Gitarrensaiten zu kaufen, besuchte ich einfach die örtlichen Bars und bot ihnen einige Flaschen meines Lieferanten an. Natürlich nur das Premium-Zeug - und das für einen Bruchteil des Preises, den sie eigentlich zahlen würden. Wir waren also ein zufriedener Haufen! Das bedeutete natürlich auf der anderen Seite, dass ich in besagten Bars immer kostenlos Bier bekam. Außerdem arbeiteten die meisten meiner Freunde in irgendwelchen Burger- oder Pizzaläden, also war auch für das kostenlose Essen gut gesorgt. Wie gesagt... Geld brauchte ich eigentlich nie. Ich wollte nicht einmal wirklich etwas mit Geld zu tun haben und ehrlich gesagt hatte ich Angst davor, ein Sklave des Geldes zu werden. OK, ich muss wohl zugeben, dass es Situationen gab, in denen ich „Dope“ verkauft habe. Dope zu verkaufen war allerdings keine große Sache, wenngleich aber unentschuldbar. Ich betone dies, weil ich von einem Kumpel immer kistenweise Zeug bekam. Allerdings nahm ich nur ein wenig davon und mischte es mit großen Blättern, trocknete alles und verkaufte es in kleinen Tütchen, so dass der Anteil des eigentlichen Dopes recht gering war. Die Leute dankten es mir und betonten immer wieder, wie geil das Zeug doch sei. Meine Güte, was für Idioten! Eines Nachts allerdings, ich saß mit einem Kumpel in einer Bar, kam ein Typ auf mich zu und beschuldigte mich wüst, ihm gefälschte Scheiße verkauft zu haben. Ich trank mein Bier in einem Zug aus, sprang auf, packte ihn an der Kehle, drückte ihn gegen die Wand, hob ihn hoch und schrie ihn an: „Ich verkaufe dir das beste Zeug und SO dankst du es mir?“ Er war total eingeschüchtert, zappelte rum und brüllte: „Sorry, sorry, sorry!!!“ Ich muss betonen, dass ich damals wirklich eine Art Schläger war. Sogar meine eigenen Bandkollegen hatten zeitweise Angst vor mir. Einmal warf ich ein Küchenmesser nach Moloch, weil er es gewagt hatte, eine IMMORTAL-CD aus dem Player zu nehmen, die ich gerade genoss, während ich mir ein Sandwich machte. Ich stand in der Küche, er im Wohnzimmer an der Anlage. Das Messer verfehlte ihn nur knapp und schlug in die Betonwand ein, wo ein Stück abbröckelte. Ja, auch ich bin heute froh, dass ich Moloch nicht erwischt habe! Moloch könnte euch so viele Geschichten über mich und meine bescheuerten Taten erzählen und ich bin ihm zutiefst zu Dank verpflichtet, dass er dennoch immer bei mir war. Er sagt andererseits aber auch, dass ich ihn viele Dinge gelehrt habe. Ich hoffe wirklich, dass es so war. Ich bin heute ein völlig anderer Mensch, und das schon sehr, sehr lange. Geburt, Erwachen, Hinterfragen, Rebellion, Zerstörung, Erwachen, Erleuchtung und Schöpfung... ich denke, das ist so der Lauf, den viele Individuen hinter sich bringen.

Lasst mich wieder zurück auf die Geschichte von MELECHESH kommen. Die Band probte damals unaufhörlich und wir schickten unser Demotape um die ganze Welt. Wir gaben zahlreiche Interviews für Underground-Fanzines und unser Netzwerk wuchs. Wir dachten, dass die Zeit reif sei, eine Debüt-Show zu spielen. Wir hatten geplant, den ersten Black Metal Gig in der Geschichte Jerusalems zu spielen – und ich meine mit allem Drum und Dran: theatralische Elemente, Corpsepaint, Feuer spucken [was eigentlich aufgrund der Brandschutzbestimmungen des Clubs verboten war], Nebelmaschine, Intro, Lightshow, … ich trug ein dunkles Cape [Ja, ja, ich weiß...], aber zu meiner Verteidigung: es war ein richtig geiles Cape mit zwei eisernen Löwenköpfen am Kragen. Das Cape gehörte einer alten Freundin meines Vaters, die eine anglikanische Priesterin war! Sie lieh es mir für diesen Tag aus. Was dabei heraus kam, war wirklich gut. Als wir uns anschließend das Video anschauten, konnten wir aus dem Publikum Leute sagen hören: „Scheiße, oh mein Gott!“ und all so was. Und einige Leute waren wirklich wie betäubt und geschockt. Einige wussten natürlich schon, was es mit MELECHESH auf sich hat, was wir machten und sie waren selbst bereits Fans des Black Metal. Für sie war es also eine willkommene Show. Alles in allem hat es den Leuten wohl gefallen. Was absolut passend war: die Feuerwehr kam, da sich durch den ganzen Rauch und das Feuer alle Feueralarme eingeschaltet und die Feuerwehr alarmiert hatten. Warum passend? Weil MELECHSEH nun mal „König des Feuers“ bedeutet. Sie wollten natürlich, dass wir sofort die Show abbrechen, aber der in dem Moment wirklich coole Clubmanager hat es geschafft, ihnen klar zu machen, dass es sich hier nur um künstlichen Rauch aus den Nebelmaschinen handelte. Wohl überflüssig zu erwähnen, dass wir anschließend nie wieder bei ihm spielen durften...
Eine Live-Version des Songs „Malek Al Nar“ von diesem Abend findet ihr übrigens auf der Re-Issue unseres Debüt-Albums.



Apropos Debüt-Album: für uns als Band sah es wirklich gut aus und wir hatten zwei Deals in wenigen Monaten. Einen über eine 7” Vinyl EP für ein deutsches Label und einen Album-Deal, der von einem komplett neu gegründeten Label kam. Unser Album sollte das Debüt-Album für uns und für sie sein. Ich erinnere mich noch genau an den Tag, alses anfing und ich zur Post ging, um den Brief aus Deutschland abzuholen, in dem man uns schrieb, dass man gern eine 7” EP mit uns aufnehmen wolle. Ich war so glücklich! Ich rannte sofort zu den anderen Bandmitgliedern und wir buchten umgehend ein Aufnahmestudio, wo wir dann „Malek Al Nar [Studio Version]“ und die erste Version von „The Siege Of Lachish“ aufnahmen. „The Siege Of Lachish“ war quasi das Testament über den Pioniersound, den wir damals für uns erfanden und die EP war natürlich limitiert auf 666 Stück. Sie war sehr schnell ausverkauft. Vor weniger als einem Jahr jedenfalls hat Proscriptor von ABSU die Scheibe über sein eigenes Label wiederveröffentlicht. Das Label heißt Tarot Prod und die Re-Issue erschien als Picture EP. Wie dem auch sei... eines nachts um drei Uhr klingelte damals mein Telefon und ich war mächtig angepisst, weil jeder im Haus aus dem Schlaf gerissen wurde. Ich ging also ran und quakte dem Anrufer laut entgegen: „Ey Mann, was rufst du hier mitten in der Nacht an, verdammt noch mal? Was zur Hölle willst du???“ und der Anrufer rang hörbar nervös und verstört mit den Worten. Ich kann mich leider nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnern, jedenfalls legte ich den Hörer wieder auf und bekam denselben Anruf zu besserer Zeit. Es war Andy Harris, einer der wenigen, wirklichen KVLT-Personen. Vielleicht kennen ihn die Meisten eher unter dem Namen Akhenaten von JUDAS ISCARIOT. Allerdings glaube ich, dass das zu einer Zeit passierte, als noch gar kein Album dieser Band veröffentlicht war. Er erzählte mir jedenfalls, dass er gerade dabei sei, ein Label zu gründen und uns gern als erste Band an Bord hätte. Er und Moloch hatten bereits einige Male über das Internet kommuniziert. Das war 1995 oder 1996. Das waren damals noch so richtig primitive Mailaccounts, wie z.B. 27364859@compuserve.com oder so. Ich denke noch heute, dass Andy wirklich Eier gehabt haben muss, uns anzuwerben, denn die meisten anderen Labels gingen lieber auf Nummer sicher und signten norwegische Black Metal Bands. Für ihn war es ein Zusatzrisiko, aber er las zwischen den Zeilen und favorisierte die Idee, eine Black Metal Band aus Jerusalem zu nehmen. Er veröffentlichte unser Album gemeinsam mit dem amerikanischen Label Pulverizer. Die haben dann aber hauptsächlich die Distribution übernommen. Ich habe übrigens erst kürzlich gehört, dass der Besitzer von Pulverized bei einem Autounfall ums Leben gekommen sein soll. Dann gab es da damals noch Breath Of Night, die unsere eher rohen Demos veröffentlichen wollten. Wir nahmen dann eine komplette Serie mit dem Kram auf, den sie als roh ansahen, mischten ihn mit den typischen Einflüssen des mittleren Ostens und hatten so mehr Zeit, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren, was wir als den typischen MELECHESH-Sound bezeichnen.

Bis heute schätze ich unser Debüt-Album sehr, was wohl verständlich ist. Besonders natürlich aus sentimentalen Gründen und vielleicht auch aus Befangenheit. Technisch gesehen allerdings werden auch heute noch zahlreiche Black Metal Alben aufgenommen, die von ihren Aggressionen und der Versiertheit leben. Der Drummer kann heute aber z.B. einfach die Aufnahmen unterbrechen, um mal eine Pause einzulegen oder einen kleinen Fehler auszubessern. Wenn er in der Mitte eines Songs einen Fehler bemerkt, wird die Aufnahme einfach angehalten und der Fehler ausgebügelt. Des Weiteren werden heute auf etlichen Alben Triggertechniken verwendet, was natürlich die Qualität der Aufnahme erhöht und dem Drummer oft bei der Geschwindigkeit behilflich ist. Unser Debüt wurde allerdings live in einem Studio eingespielt, sprich: die gesamte Band spielte gleichzeitig, ohne Pause. Das war natürlich besonders für den Drummer heikel, denn wenn er einen Fehler machte, mussten wir das Ganze noch einmal als Ganzes einspielen. Wir konnten uns keinen anderen Weg der Aufnahme leisten. Ich liebe aber heute noch die Riffs. Bass und Gesang wurden später hinzugefügt, nach dem wir drei Leute waren, was während der Aufnahmen passierte.

Wir haben in der Zeit so viel Blödsinn angestellt. Wir haben z.B. keine Patronengurte finden können, wie sie alle anderen Bands aus diesem Sektor hatten. Moloch hat sich dann auf die Suche gemacht und in Bethlehem zahlreiche Leute genervt. Schließlich schenkte ihm irgendein Typ eine scharfe Munitionskette eines M60 Maschinengewehrs. Die war vielleicht lang! Moloch schaffte es, durch die Armee-Checkpoints zurück nach Jerusalem zu schleichen und versteckte das gute Stück in seiner französischen Schule. Hätte die Armee das herausgefunden, hätte das wahrscheinlich zu einem kriegerischen Akt mit Frankreich geführt, hahaha!
Wir teilten die Munitionskette in mehrere Teile, um daraus Patronengurte herzustellen. Das Problem: die Dinger waren verdammt schwer! Ja, Leute, die Kugeln waren echt, verdammt! Unser Drummer, Lord Curse, war der Techniker unter uns, also beschloss er, die Patronen eine nach der anderen selbst zu leeren. Ich erinnere mich genau daran, wie der Kerl in meinem Garten saß, eine Kippe in der Fresse hatte und jede einzelne Kugel leerte. Wir haben das Schwarzpulver gesammelt und dann in Brand gesteckt, was wir schon immer geil fanden. Außerdem haben wir uns eigene Spikes gebastelt, was wieder einmal Lord Curse zu verdanken war, denn er war schon immer ein Fan davon, solche Sachen herzustellen. Er bastelte so gut wie alles zusammen aus Nägeln, Nieten oder Spikes...

Es gab viele komische Situationen, die einfach zum Schmunzeln waren, wenn man sich mal zurückerinnert. Zum Beispiel auch die Familie von Moloch. Seine Mutter wusste, was er tat, konnte es aber nicht gutheißen. Sie sah all diese okkulten Symbole und Texte, wusste aber nicht so recht etwas damit anzufangen, dabei war sie eine angesehene und intelligente Frau. Eines Tages sprach sie darüber und irgendwer empfahl ihr, einen Exorzisten für Moloch zu organisieren. Seine Familie ist nicht wirklich religiös, aber da es sich augenscheinlich um eine böse Macht zu handeln schien, dachte seine Mutter, das sei eine ganz gute Idee. Mein Telefon klingelte und Moloch, der damals noch sehr jung war, meldete sich bei mir. Er war total aufgeregt und stammelte: „Hey Mann! Die wollen mir hier einen Exorzisten auf den Hals hetzen!“ Ich sagte: „Gut, jetzt denken sie endgültig, du seist bekloppt! Sag ihnen einfach, dass du den Kerl abstichst, wenn er auftaucht.“ Er hatte Erfolg, sagte genau das und seine Familie rief keinen Exorzisten. Als die Jahre vergingen, verstand auch seine Familie, was es mit seiner Einstellung und der Musik auf sich hat. Es war immer das Gleiche. Wenn meine Mutter angepisst war, sagte sie immer nur: „Du hast den Teufel eingeladen, bei uns zu wohnen!“ und ich sagte immer nur: „Nein, das habe ich nicht!“ und so weiter. Mein Wohnzimmer sah allerdings wirklich aus, wie der pure Underground. Überall Briefe, Symbole, Flyer, Pentagramme, okkulte Bücher, LPs, CDs, Demos... überall! Eines Tages waren wir in einer fremden Stadt unterwegs und wir bekamen mit, wie man uns Dinge hinterher sagte, wie z.B. dass wir Menschen mit einem Schwert Arme abschneiden würden und so was. Wir fragten uns unentwegt, woher die Menschen diese Geschichten haben. Allerdings lag dies ziemlich nahe, denn wir trieben es irgendwann in der Tat auf die Spitze. Wir hatten eine Fotosession, die wir natürlich in voller Montur samt Corpsepaint absolvierten. Irgendein kleines Kind sagte etwas, das uns beleidigen sollte, also beschlossen wir, ihm Angst einzujagen, zogen die Schwerter und erschreckten ihn ein wenig. Er hatte höllische Angst und rannte davon. Für uns war das nichts anderes als ein Riesenspaß, allerdings hat die Story wohl jemand einem anderen Jemand erzählt und dann wundert es einen doch eher wenig, wenn am Ende dabei rauskommt, dass MELECHSH irgendwelchen Leuten die Arme mit Schwertern abschneiden! Eine andere Geschichte, die so nie erzählt wurde ist die, dass ich für drei Wochen Drummer von MELECHESH war. Lord Curse war damals für drei Wochen raus, also habe ich diesen Part übernommen. Ich habe damals noch Drums gelernt und immer geübt. Es gibt sogar eine Demo-Aufnahme mit mir an den Drums und Moloch an der Gitarre. Heute spiele ich allerdings nicht mehr. Wir haben das damals jedenfalls schnell wieder mit Lord Curse geklärt.

Innerhalb weniger Monate kam unser Debüt raus und die Dinge schienen langsam ins Rollen zu kommen. Ich wollte allerdings mehr und trotz des Fakts, dass ich Jerusalem einfach liebte – und es heute noch liebe – war ich unzufrieden mit der Situation dort. Lasst mich darüber beim nächsten Mal berichten. Jetzt werde ich erst einmal meinen Maker’s Mark Whisky genießen und mir einen interessanten Film anschauen.

21.11.09 19:03 Uhr
HOME |  IMPRESSUM |  RSS |  FACEBOOK |  TWITTER |  DISCLAIMER
@Metalnews_de folgen

METALNEWS.DE - Metal-Magazin