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Meine erste Kolumne für 2011 – und es ist bereits die 16.! Für jemanden, der das Schreiben eigentlich hasst, ist das doch schon mal eine Leistung.

2010 war ein sehr produktives Jahr. „The Epigenesis“ wurde aufgenommen und vor gar nicht allzu langer Zeit veröffentlicht. Deswegen fühlte ich mich sehr befreit und zufrieden.
Wir packen gerade alles zusammen, um mit NILE, DEW SCENTED, ZONARIA und DARKRISE im ersten Teil unsere ausgedehnte Europa-Tour anzutreten. BIBLEBLACK, PRESURE POINTS und GOAT THE HEAD werden uns dann im zweiten Teil der Tour begleiten. Ich freue mich schon sehr auf die Tour, wenn sie auch sowohl physisch, als auch mental eine anstrengende Sache sein wird, da wir nur ein paar Tage danach schon in die USA fliegen werden, um dort mit ROTTING CHRIST zu touren.

Die letzten Monate wurden völlig vom Promotion-Programm und Bandproben eingenommen und ich war eine ganze Zeit lang damit beschäftigt, die neuen Songs für die Tour perfekt einzustudieren. Selbstverständlich den Gesang mit dem gleichzeitigen Gitarrenspiel – es hat mich sechs oder acht Wochen gekostet, bis endlich alles saß! Direkt im Anschluss packten wir bereits, um unsere ersten Gigs nach Veröffentlichung des Albums zu spielen, die „Awakening The Giants“-Tour. Das war eine kleine Tour mit sechs Shows in den Benelux-Staaten, Frankreich und Deutschland. Es war eine hervorragende Möglichkeit, uns warm zu spielen. Den Titeltrack des neuen Albums zu spielen, der immerhin ein fetter Zwölfminüter ist, war eine ganz neue Erfahrung. Es war insgesamt eine schallende Reise und diesen Song zu spielen, war neben einer großen Herausforderung auch eine Befriedigung. Ich war dankbar, dass das Publikum ebenfalls voll dabei war, da dieser Song diese einmalige, psychedelische, improvisationsartige Atmosphäre besitzt und nicht nach einem festen Muster verläuft.
Moloch übernahm dabei die zwölfsaitige Gitarre, während ich den Sechssaiter spielte, um den aggressiven Unterton zu wahren. Signifikant für mich war, dass der Öffentlichkeit das Album und somit die namensgebende Epigenese mehr und mehr bewusst wurde. Es ist ein sehr persönliches und komplexes Album, trotzdem zwar irgendwie einfach, doch ich war mir darüber bewusst, dass nicht wenige Hörer sicherlich ein paar Tage oder Wochen benötigen würden, um alle Ebenen und Details dieses Albums erfassen zu können. Je mehr Zeit verging, desto mehr war ich mir darüber im Klaren, dass dieses Album sich in der Psyche der Menschen verankern würde.

Nach besagter Tour durch das mit viel Schnee bedeckte Europa verabschiedeten wir uns von SVART CROWN, einer großartigen Black/Death Metal Band aus Frankreich, von Massive Music, der Tour-Crew und zu guter letzt von NOCTIFERIA, die, das muss ich an dieser Stelle noch einmal betonen, 15 Stunden mit ihrem Kombi von Slowenien aus in die Niederlande durch den Schnee gefahren sind, in etlichen Staus festhingen und alles auf sich nahmen, um bei uns sein zu können!

Direkt nach der Tour flogen MELECHESH geschlossen nach Istanbul, wo wir unser Video zu „Grand Gathas Of Ball Sin“ drehten. Wir hatten entschieden, es dort zu drehen, um auf einer Linie mit dem Feeling des Albums zu bleiben, das wir dort bereits aufgenommen hatten sowie auch dem Feeling der Fotosession treu zu sein. Außerdem fanden wir dort eine unschlagbare Location, die Basilika Zisterne bzw. Yerebatan Sarnıcı. Das Ganze wurde vor ca. 1700 Jahren erbaut und füllte sich über die Jahre so sehr mit Wasser, dass es heute als Wasserspeicher dient. Es gibt dort eine abgestürzte Statue der Medusa, die wirklich sehr cool aussieht. Da die Location Teil von Istanbuls größter Touristenattraktion ist, mussten wir das Kulturministerium überreden, uns die Location für eine Nacht nach den Öffnungszeiten zu vermieten. Übrigens kommt die Zitadelle in ein paar Szenen von „James Bond – Liebesgrüße aus Moskau“ vor. Das Ganze war sehr interessant. Nuclear Blast wird bald ein paar Clips veröffentlichen, die ein paar Szenen hinter den Kulissen zeigen, damit ihr euch vorstellen könnt, wie unser Video entstanden ist.

Lasst mich euch ein wenig über unsere Erfahrungen berichten, die wir während der Dreharbeiten zum Video sammeln konnten...
Zunächst einmal war es verdammt schwierig, die logistischen Dinge zu bewältigen. Das Wetter war nicht gerade das Beste und somit war es sehr kalt in der Zisterne, aber ich werde später noch einmal darauf eingehen. Am ersten Abend trafen wir den Regisseur, Rouzbeh Heydari, der aus Toronto in Kanada nach Istanbul geflogen war. Ich kenne Rouzbeh bereits seit einigen Jahren und habe ihn bei vielen Gelegenheiten in Kanada getroffen. Wir hatten an diesem Abend mit der Vorproduktion und Besprechungen begonnen, wir teilten uns am nächsten Tag in Gruppen auf, um durch die ganze Stadt zu rennen, da wir noch einige coole Sahen fürs Video organisieren wollten. Der Samstagmorgen ging dann ebenfalls dafür drauf. Die Drum-Firma, von der wir für das Video eigentlich das Drumset leihen wollten, gab uns dummerweise den Laufpass, also war viel Telefoniererei angesagt. Ich rief etliche Bekannte an und fand schließlich im Drummer der befreundeten Band UNDERTAKTERS jemanden, der ein Schlagzeug ausfindig machen konnte, das wir mieten durften. Agean, der Endorsement-Partner unseres Drummers Xul, versorgte uns mit ausreichend Becken, also war das schon mal geregelt. Wir hatten außerdem nur zwei Autos und benötigten ein größeres Drittes, um das ganze Film-Equipment transportieren zu können. Leider gingen uns aber die Fahrer aus. Das Problem haben wir irgendwie immer, weil keiner in der Band Auto fährt. Es ist verdammt teuer, in den Niederlanden einen Führerschein zu bekommen. Das kostet bis zu 2.000 Euro. Außerdem fahren viele von uns lieber mit dem Fahrrad oder den lokalen Verkehrsbetrieben. Somit sind unser Bassist und Drummer also erst mal außen vor, wenn's ums Fahren geht. Rouzbeh hat zwar einen Führerschein, aber – wie alle in den Staaten und Kanada auch – fährt er nur mit Automatikgetriebe. Wir mussten also auch noch eine Karre auftreiben, die nicht nur entsprechend groß war, sondern obendrein ein Automatikgetriebe hatte. Nach ewiger Suche fanden wir schließlich eines. Logisch, dass die so viel Kohle dafür wollten, dass man dafür auch gleich Arme und Beine hätte in Zahlung geben können.
Das Team war allerdings großartig und sehr effizient. Mit der Band waren wir insgesamt zwölf Leute. Das schwächste Glied waren die Assistenten, die eigentlich alle Dinge bereitstellen und organisieren sollten. Rouzbeh selbst hingegen war sehr engagiert und hat einen fantastischen Job gemacht, während die Assistenten irgendwo rumsaßen, nur durch die Gegend glotzten und sich Pizza reinzogen. Rouzbeh arbeitete knietief im kalten Wasser, um eine Bühne für die Drums zu bauen. Er vermied Schlaf und Nahrung und arbeitete wie ein Tier. Fast zwei Tage ohne Essen und Schlaf, dafür rund um die Uhr nur Arbeit, das muss hart gewesen sein, denn als wir am zweiten Tag das letzte Mal „Cut!“ riefen und begonnen, unsere Sachen zusammen zu packen, stellte er sich in eine Ecke und kotzte sich buchstäblich die Seele aus dem Leib. Rouzbeh ist ein interessanter Charakter und ich bin dankbar dafür, ihn nun einen Freund nennen zu dürfen. Vor ein paar Jahren lag er mal einen Monat lang im Koma. Ich machte mir große Sorgen und wollte genau wissen, ob alles OK ist. Er erzählte mir von wirren Alpträumen während dieser Zeit und dass er sich nicht bewegen konnte, aber immer wieder Stimmen um sich herum gehört hatte. Es kam ihm vor wie einige Tage, nicht jedoch wie ein ganzer Monat. Ich interessiere mich generell sehr für solche Dinge und habe sehr viel zu diesem Thema gelesen. Über Menschen, die 20 Jahre im Koma gelegen haben und davon berichten, jedes Wort gehört zu haben, während andere Betroffene dies wiederum verneinen. Der Geist ist faszinierend...
Übrigens: Keine Sorge, ich plaudere hier keine Privatgeheimnisse eines Freundes aus, mit dem ich nicht vorher geklärt habe, dass das in Ordnung geht!



Zurück zum Video. Einige der logistischen Probleme lagen wohl zweifelsohne an der Größe der Stadt. Es gibt 13 Millionen Menschen in Istanbul, also kann es aufgrund der Verkehrssituation auch schon mal bis zu drei Stunden dauern, wenn man einfach mal etwas abholen will. Ich musste zum Beispiel ein Double-Bass-Drumset fünf Stockwerke vom Vermieter aus runterschleppen, da der Proberaum im fünften Stock lag. In solchen Situationen geschehen aber auch immer die lustigsten Dinge. Ich schleppte das Schlagzeug selbst, während ich auf das Auto wartete, um Zeit zu sparen. Dann kam der Fahrer an und die Karre war viel zu klein! Wir haben alles eingeladen und das Ding war bis unters Dach voll. Ich musste halb in eine der Bass-Drums krabbeln und meine Körperteile in irgendwelche Trommelöffnungen stecken, damit wir überhaupt los konnten. Das Auto konnte deswegen nur maximal 30km/h „schnell“ fahren, da mir jedes abrupte Abbremsen nicht nur sämtliche Gliedmaßen, sondern gleich die Hüfte mit gebrochen hätte, weil ich dort so schief und schräg im Auto verteilt saß. Natürlich lachten wir und hatten die Lacher generell auf unserer Seite. Einer, der uns sah, meinte, dass ich ausgesehen habe wie jemand aus der Sesamstraße. Naja gut... dann war's wohl so.

Bei den Zisternen – ich muss noch einmal erwähnen, wie cool diese Location ist, vor allem die Säulen, die optisch ziemliche Ähnlichkeit mit den Elementen auf unserem Album haben und lyrisch auch sehr daran erinnern – musste ich dann für den Dreh ins Wasser. Knietief musste ich ins Wasser und ich kann euch sagen, es war verdammt kalt! Bevor wir aber schlussendlich die Band filmten, drehten ein paar Schauspieler noch einige Selbstgeißelungs-Szenen, was sehr, sehr gut aussah. Die Zeit drückte allerdings ein wenig, so dass das Sicherheitspersonal der Zisterne uns immer wieder aufforderte, endlich unseren Kram zu packen und zu verschwinden, denn es sei ja immerhin bereits Mitternacht. Ich sage es mal so... wir konnten schließlich bis sechs Uhr morgens bleiben, … dank einer kleinen... Spende...

Eine Einstellung zum Video verlangte, dass ich auf einer Leiter stand, die wiederum im Wasser stand, um den richtigen Winkel für die Szene hinzubekommen. Ich musste dafür die ganze Zeit auf den Fersen balancieren, um nicht von der Leiter zu fallen und das Ding klebte quasi hinter mir. Es dauerte fast zwei Stunden. Anschließend waren meine Beine so gut wie taub und vollkommen blutleer. Als ich dann von der Leiter wieder herunter ins Wasser stieg, schoss das Blut in meine Beine, die Kälte des Wassers drumherum sorgte in Windeseile dafür, dass meine Körpertemperatur rapide absank, so dass ich sofort unkontrolliert und unaufhörlich zu zittern begann. Das bedeutete dann erst einmal schnell den Weg in den Crew-Raum, runter mit all den Klamotten und mit einer Decke vor einen Heizlüfter. Meine Lederhose war komplett mit Wasser vollgesaugt und ich vergaß sie obendrein noch im Kofferraum des Autos, mit dem wir am nächsten Tag zu einem Außendreh mussten. Bis dahin musste es ein dünner Überwurf tun.

Wir schliefen erst einmal ab ca. sieben Uhr morgens und der Wecker ging schon um halb zehn oder zehn Uhr wieder los, weil wir zur Außenlocation aufbrechen mussten. Kein Schlaf kommt im türkischen Straßenverkehr beinahe einem Selbstmord gleich! Wir alle sind abwechselnd gefahren und es kostete uns fast den ganzen Tag, bis wir endlich da waren. Wir verpassten knapp das Sonnenlicht, konnten aber so gerade noch ein paar Szenen eintüten, bevor sie ganz untergegangen war. In der Zwischenzeit blieb auch noch unser Truck in einem Matschloch am Rande der Klippen stecken. Das war ein wirklich richtig geiler, großer und verdammt böse aussehender Truck mit riesigen Rädern, schwarzer Außenhülle und überall Chrom – ein Hammerteil! Als er feststeckte, habe ich ihn zum ersten Mal von innen gesehen und – was soll ich sagen – dieses teure, riesige, meterlange Ding mit den monströsen Reifen hatte noch nicht einmal einen Allradantrieb. Wie sollte man da bitte aus dem Matsch wieder herauskommen?

Die Crew nutzte die Gelegenheit, um einige Szenen zu drehen, für die wir nicht benötigt wurden, also nutzten MELECHESH ihre Zeit, einen Truck aus dem Matsch zu ziehen. Meine Freundin übernahm das Steuer und wir zogen und zerrten alle, bis das Ding plötzlich seitlich ausbrach und zwei Meter vor dem Abgrund wieder zum Stehen kam. Wir haben alle wie wild „Stop!“ gebrüllt. Meine Freundin musste dann bis ins nächste Dorf laufen, weil einfach nichts mehr zu machen war, und sie fand einen Bauern, der einen alten, rostigen Traktor besaß. Er fuhr zu uns und zog den Truck aus dem Matsch.



Dann musste ich für den Dreh meine Lederhose anziehen. Sie war immer noch nass und verdammt kalt, weil sie ja den ganzen Tag im Kofferraum gelegen hatte und dort nicht trocknen konnte. Ich wurde auf einer Klippe gefilmt, hinter mir das weite Meer und der Wind blies eiskalt an mir vorbei. Wir drehten noch ein paar kleine Szenen, packten alles wieder zusammen und machten uns wieder auf die Straße.
Ich war der Fahrer des kleinsten Autos. Mann, die fahren da wirklich wie die Irren! Mehrere Male wurde ich beinahe gerammt und vor allem in einer Situation war es verdammt knapp. Es kam ein mittelgroßer Lastwagen auf mich zu, fuhr auf meiner Spur, … es waren wirklich nur wenige Zentimeter und ich wäre Matsch gewesen. Rouzbeh, der den großen Truck fuhr und direkt hinter mir war, dachte in diesem Moment, es hätte mich erwischt und war seinerseits auch fast in einen Unfall mit dem Kerl verwickelt. Wie die Verrückten, wirklich, wie die Verrückten fahren die dort!
In einer anderen Situation habe ich vor lauter Wut ein Auto verfolgt, dass mich beinahe gerammt hätte. Ich wollte diesen Typen fies verhauen, aber er entkam mir leider. Ich will euch aber mit weiteren Details nicht langweilen.
Sogar am Tag nach dem Dreh hatten wir keine Ruhe. Die Band und der Regisseur waren in einem modern designten, gut aussehenden Hotel untergebracht und wurden morgens schon von Pistolenschüssen und Geschrei geweckt. Die Jungs erzählten mir, dass man einer Frau ins Bein geschossen habe und dass Blut auf dem Boden gelegen habe. Die Ambulanz kam und holte sie ab... alles sehr komisch.

Ich hatte nun eine kleine Schreibpause für ein paar Tage, lege aber gerade wieder los. Übrigens wieder einmal vom Flugzeug aus, also keinerlei sonstige Ablenkungen. Die perfekte Zeit, das hier zu Ende zu bringen.

Ich hatte ja versprochen, wieder auf die Chronologie zurück zu kommen. In meiner letzten Kolumne erzählte ich euch vom Aufnahmeprozess des Albums „The Emissaries“ und berichtete von all den Herausforderungen. Ich brauche wohl nicht extra zu betonen, dass die Fans nach der Veröffentlichung dieses Diamanten – wie es eigentlich beinahe schon Tradition hat – erst einmal einen Monat brauchten, um das ganze Ausmaß des Albums zu verinnerlichen. Wir waren dankbar, dass auch die Presse das Album abfeierte und dass es an der Spitze vieler Play- und Jahreslisten stand. Für mich war das Ganze allerdings sehr viel erfüllender, denn meine Objektivität existierte ja quasi gar nicht. Ich ging allem, was damit zu tun hatte, vollständig aus dem Weg, hörte sogar das Album monatelang gar nicht. Ich nahm von Paris aus an der Promotion teil und flog später nach New York, um dort Promotion für Presse und Redaktionen zu machen. Es war ein gutes Gefühl, dort zu sein. Ich war zwar nur wenige Monate vorher bereits in den USA, allerdings war ich zu dieser Zeit in Kalifornien. Ich war dort, weil ich der Trauzeuge bei der Hochzeit meines besten Freundes aus Kindertagen war. Lord Curse [Saro], unser erster Drummer, war ebenfalls dort. Die Hochzeit war sehr schön. Sie fand auf einem großen Weinberg statt, was natürlich zu ein paar Weinproben führte. Ich hing danach noch ein paar Tage in Berkeley, San Francisco, San Jose, Las Vegas und Hollywood ab. Es war großartig, wieder zurück in Hollywood zu sein und es war das erste Mal, seit den 80ern. Ich traf ein paar Freunde und Teile meiner Familie, hing in der besten Bar meines Lebens, The Rainbow, rum und besuchte sogar meine alte Highschool, die ich damals kurzzeitig besuchte, die Le Conte Junior High.
An einem der Tage besuchte ich auch ein paar Büros von Nuclear Blast und Century Media, da ich gerade in der Nähe war und ein paar Leute dort kannte. Das war ziemlich cool und in derselben Nacht holten mich ein paar Freunde ab, weil wir zu einem Garagenstudio nach Glendale fuhren, das war Wahnsinn! Das Studio gehörte damals einem der berühmtesten armenischen Schlagzeuger. Der Kerl war superfreundlich und sein Sohn war ein großer MELECHESH-Fan, was auch der Grund dafür war, dass man mich eingeladen hatte. Wir begannen, gemeinsam zu jammen und hatten Spaß bis in die frühen Morgenstunden. Der Schlagzeuger hatte einen bösartigen, Tennisball-großen Tumor an seinem Hals und konnte deswegen nicht reden. Er sah in seinen Bewegungen aus wie ein präzise marschierender Soldat, aber... Mann, konnte der Kerl spielen! So viel Gefühl und man konnte in seinen Augen die Freude an seinem Spiel sehen. Es war, als würde er in diesem Moment die ganze Welt um ihn herum vergessen können. Das hat mir damals wie heute eine Menge bedeutet.
Ein lustiger Kerl war an diesem Abend auch noch bei uns, den ich an dieser Stelle namenlos belassen möchte. Ich schwitzte vom ganzen Spielen und sagte irgendwann zu ihm: „Verdammt, ist das heiß hier drin! Ich schwitze wie ein Schwein!“. Er sah mich an und meinte trocken – und das müsst ihr euch mal bildlich vorstellen: „Ach, das ist nur, weil du ein schwarzes Shirt an hast. Sieh mal, ich hab ein Weißes und schwitze kein bisschen.“ Stell sich das mal einer vor. Es war drei Uhr morgens, weit und breit keine verdammte Sonne zu sehen und der Kerl antwortet mir diesen Satz wie aus der Pistole geschossen. Manchmal liebe ich den verdammt trockenen, natürlichen Humor bestimmter Menschen.

Ich bin schon wieder völlig abgedriftet. Ich war also in New York, um die Promotion und Pressearbeit zu erledigen...
Das war wirklich großartig. Ich habe einige Journalisten getroffen, viele Redakteure von verschiedenen Magazinen. Ich betone dies extra, weil in der Zwischenzeit leider sehr, sehr viele, wirklich coole Magazine nicht mehr existieren, wie zum Beispiel Metal Maniacs, Metal Edge oder Unrestrained. Letzteres geschah aufgrund des plötzlichen Todes des Chefredakteurs und MELECHESH-Pressepromoters Adrian Bromley, den ich früher schon einmal erwähnte. Er war mein Gastgeber in New York und wir hatten eine absolut tolle Woche dort.

„The Emissaries“ war also draußen, es war erfolgreich und die Gig-Angebote trudelten ein. MELECHESH beanspruchte meine gesamte Zeit – 24/7 MELECHESH. Deswegen entschied ich mich, mich endgültig und zu 100% auf MELECHESH zu konzentrieren, was schlussendlich dazu führte, dass ab diesem Zeitpunkt MELECHESH mein einziger Beruf war und bis heute ist. Von diesem Moment an ging es nur noch von Gig zu Gig, von Festival zu Festival. Der Ball rollte schneller als je zuvor, wofür ich mehr als dankbar war, doch auch der Stress-Level war um einiges höher als sonst. Hier ging es nicht mehr darum, sich zu Hause zu verkriechen und sagen zu können: „Hey, ich hab' 'ne Band!“, sondern das war das Leben eines Wunschtraums. Wie immer, versuchte meine Familie in Jerusalem natürlich, mich dazu zu bewegen, die Sache doch endlich sein zu lassen, doch ich verstand es recht gut, sie argumentativ und philosophisch in die Schranken zu weisen und sie dazu zu bringen, mich damit in Ruhe zu lassen. Der Kampf des Willens, der in den frühen 90ern begonnen hatte, ging nie wirklich zu Ende. Niemals habe ich mich über irgendjemanden hinweggehoben oder mich über jemanden gestellt, es ging einfach nur um mein Leben und meine Träume!

26.01.11 21:45 Uhr
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