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Datum: 31.01.2015Stadt: Feldkirch




Gestandene Sludger und knüppelharte Rocker beehren am 31. Januar das kleine österreichische Städtchen Feldkirch, genauer gesagt den kleinen, aber feinen Keller des Graf Hugo. Die Rede ist von HORN OF THE RHINO, manchen vielleicht noch als RHINO bekannt, und BEEHOOVER. Die Spanier von HORN OF THE RHINO gibt es schon seit gut zehn Jahren und das Trio hat erst letzten August ein neues Album „Summoning Deliverence“ via Doomentia Records herausgebracht. Das deutsche Duo BEEHOOVER existiert seit 2003 und hat sich mit seiner ungewöhnlichen Musik – die Herren musizieren nur mit Bass und Drums – eine ansehnliche Fanbase erspielt. Das letzte Album „The Devil And His Footmen“ ist allerdings schon etwas älter, da es 2013 erschienen ist.

Beide Bands punkten zunächst mit günstigen Merch-Preisen, wenn man von den Vinyl-Preisen für HORN OF THE RHINO-Platten einmal absieht. Als dann gegen halb zehn HORN OF THE RHINO die Bühne entern, ist der Club gut gefüllt und einigen im Publikum ist die Vorfreude deutlich anzumerken.




::HORN OF THE RHINO::

Das spanische Trio mit dem Label „Sludge“ zu versehen, ist nur teilweise richtig. Schließlich finden sich auch viele rockige, doomige und thrashige Elemente in deren Songs. Dies ist aber nicht so entscheidend, denn HORN OF THE RHINO punkten bei ihrem Auftritt erst einmal mit ihrer Attitüden und mit ihrem Frontvieh Javier Gálvez. Bei den Haaren und der Größe werden im Publikum einige neidisch gewesen sein. Der etwas kleinere und schmächtige Bassist Sergio „Rambo“ Robles gleicht seine fehlende Statur dadurch aus, dass er die Aufgabe des Anheizers und des Blödlers übernimmt. Neben Fan-Interaktion und wildem Gepose springt der gute Mann auch mehr als einmal ins Publikum oder auf die Soundboxen und malträtiert seinen Bass von da aus. Herr Robles kann sich das leisten, da die Basslinien der Songs nicht besonders kompliziert sind. Aber auch musikalisch wird hier einiges geboten, denn HORN OF THE RHINO präsentieren ein variables Set. Zwar konzentriert man sich eher auf langsamere Tracks, die alles niederwalzen, aber Ausflüge in höhere Temporegionen sind keine Seltenheit. Etwas gewagt wird das Ganze nur dann, wenn Herr Gálvez schmachtend und ohne Instrumentalunterstützung vor sich hinsingt. Das kommt aber, Gott sei Dank, nur selten vor. Für zukünftige Live-Gigs wäre vielleicht zu überlegen, den Spannungsbogen des Sets etwas anders zu gestalten. Im Mittelteil gibt es einen kleinen Durchhänger und die Zugabe mit einem langsamen Track zu beginnen, ist auch ungünstig. Außerdem gibt es natürlich Abzüge was die „Trueness“ betrifft, denn mal ehrlich, Metaller dürfen niemals mit Stoffschühchen auftreten! Das reißen HORN OF THE RHINO am Ende des Sets aber wieder raus, indem sie einen Song über Sex, Dominanz und große Titten ankündigen. Der Abend und der Metal sind damit gerettet! Guter, wenn auch nicht überragender Gig!




::BEEHOOVER::

Schon beim Aufbau zeigt sich bei BEEHOOVER die deutsche Gründlichkeit. Die Drums werden akribisch aufgebaut, das Mikrofon von Bassist und Sänger Ingmar Petersen genauestens platziert und zwei Kellerbiere müssen an den richtigen Orten stehen, bevor die Sause losgehen kann. Das genügt allerdings noch nicht, denn Herr Petersen muss sich noch seiner Schuhe entledigen. Der Gig wird also barfuß bestritten. Gut, bei den vielen Pedals, die der Herr zu bedienen hat, ist das kein Wunder. Außerdem immer noch stylischer als Stoffschühchen! Dann geht’s aber endlich los …, und zwar mit einem Fehlstart. Noch vor dem ersten Takt fliegt Drummer Hamisch ein Drumstick ins Publikum. Sympathische Aktion! Dann aber legen BEEHOOVER richtig los und zeigen eindrucksvoll, dass zwei Herren mit Drums und Bass vollkommen ausreichen, um einen coolen Vibe zu erzeugen. Das Graf Hugo erbebt förmlich unter dem gewaltigen Bass und den donnernden Drums. Am Anfang des Gigs gehen dafür leider die Vocals etwas unter. Nach einer Korrektur am Mischpult und nach den ersten paar Schluck Bier bessert sich die Situation aber deutlich. Aber wen interessieren die Vocals, wenn man hauptsächlich auf das Griffbrett von Herrn Petersen starrt und begeistert zusieht, was Ingmar aus seinem Instrument herausholt. Schon geil, was der gute Mann mit seinem mächtigen Gerät alles anstellen kann! Auch die Tatsache, dass Ingmar den Gig sitzend bestreitet, hindert ihn nicht daran, ordentlich abzugehen und die tollsten Verrenkungen mit seinen Beinen und Füßen vorzunehmen. Man ist halt Rock’n’Roller durch und durch! Die Setliste ist ebenfalls sehr gelungen, da sie sehr abwechslungsreich gestaltet ist. So wird zum einen zwischen schnellen und langsamen Momenten fließend gewechselt. Zum anderen finden sich im Set aber auch atmosphärische und ruhige Parts. Bei diesen beschwert sich Herr Petersen allerdings beim Publikum, dass zu viel getuschelt wird. Tatsächlich scheint das Publikum mit BEEHOOVER etwas weniger anfangen zu können als mit HORN OF THE RHINO. Dies hat allerdings nichts mit der musikalischen Qualität zu tun, denn das Duo musiziert absolut hochklassig! Herr Gálvez macht auf der Bühne aber etwas mehr her als die beiden deutschen Techniker. Trotzdem kommen sowohl Fans von BEEHOOVER als auch Freunde von gut gemachtem Rock’n’Roll hier voll auf ihre Kosten und dürfen nach dem Gig mit einem zufriedenen Lächeln den Club verlassen.

Die Kombination von HORN OF THE RHINO und BEEHOOVER hat gut funktioniert. Beide Truppen zeigten sich engagiert und spielfreudig und hatten sichtlich keine Probleme damit, auch in einem kleineren Club aufzutreten. Wer sich also in die kalte Winternacht gewagt hat, der wurde mit einem interessanten Konzertabend belohnt. Daumen nach oben – sowohl für die Bands als auch für die Organisation des Spektakels!

Squiggofant

Autor: Jonathan Jancsary [Squiggofant] | 01.02.2015 | 11:01 Uhr
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