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Datum: 04.07.2010Stadt: Lindau



Nachdem BEHEMOTH und DECAPITATED bereits im Frühsommer diverse Festivals unsicher gemacht hatten, folgt nun der zweite Teil, der neben weiteren Festivalauftritten auch diverse Einzelkonzerte beinhaltet. Unter anderem im Club Vaudeville in Lindau, der auch der einzige Tourstopp der beiden Bands in Deutschland darstellt. Mit am Start sind zudem die Kanadier EX DEO, die den Abend eröffnen. Definitiv ein Grund, ins Vaudeville zu pilgern, was sich die ca. 350 Anwesenden an diesem hochsommerlichen Tag wohl auch gedacht haben.



.: EX DEO :.
EX DEO um KATAKLYSM-Shouter und neuerdings Pizzeria-Mitbetreiber Maurizio Iacono eröffnen den Abend pünktlich und bieten im Verlauf der ihnen zugestandenen halben Stunde ihren eher simplen, aber grundsoliden Römer-inspirierten [Melodic/Epic] Death Metal. Prinzipiell vom Konzept her eine wirklich gute Idee, nur hapert es noch etwas bei der Umsetzung, was sich besonders schön an der starren Haltung bzw. den Gesten von Maurizio und dessen Bewegungsunwillen ablesen lässt – und dieser kann wohl kaum an dem eher lustigen, denn imposanten Legionärsbrustpanzer liegen. Vieles wirkt etwas hölzern und bemüht, und gerade der überpräsente hohe Kreischgesang nervt ziemlich schnell, während EX DEO gerade anfangs leider auch mit einem sehr verwaschenen Sound zu kämpfen haben. Letzteres gibt sich jedoch zum Glück während des Auftritts, in dessen Verlauf natürlich auf Material des Debüts, „Romulus“, zurückgegriffen wird und man mit „Cruor Nostri Abbas“ auch einen kleinen Hit vorzuweisen hat. Unterm Strich wirklich nicht übel, aber auch nicht die Offenbarung vor dem Herrn bei solch einem Tourpaket, sodass ich mir eher wünschen würde, dass die vier KATAKLYSM-Mitglieder, aus denen EX DEO ja größtenteils bestehen, ihre Kräfte einzig und allein darauf konzentrieren würden, endlich mal wieder ein völlig überzeugendes und herausragendes Album ihrer Hauptband zu schreiben und aufzunehmen…



.: DECAPITATED :.
Die Lage sieht bei den wiederauferstandenen polnischen Deathern DECAPITATED um Gitarrentier Vogg dann gänzlich anders aus. Überhaupt sagt das Motto des Backdrops, „From Pain To Strength“, eigentlich alles über den aktuellen Stand der Band aus, die sich nach dem überaus tragischen Tod von Vitek und der schweren Verletzung von Covan aufgerappelt und DECAPITATED wieder auf die Füße gestellt hat. Merkwürdig wird dies für die drei neuen Musiker schon sein, von der großen Erwartungshaltung der Fans mal ganz zu schweigen, aber ganz ehrlich: Nach diesem Konzert habe ich überhaupt keine Zweifel, dass DECAPITATED voll auf der Höhe sind und noch einiges Hochkarätiges abliefern können. Sänger Rafał besticht durch kräftige Shouts, viel Bewegungsfreude und sympathische Ansagen sowie sichtlich erkennbare Freude über die überaus positiven Rückmeldungen der Zuschauer. Überhaupt wirkt die gesamte Band völlig motiviert und spielfreudig, und gerade Schlagzeuger Kerim weiß durch sein präzises und energiegeladenes Drumming zu punkten, sodass DECAPITATED 40 Minuten lang bei besten Soundbedingungen völlig souverän einen Kracher nach dem anderen abliefern – beispielsweise „Winds Of Creation“ oder auch das göttliche „Spheres Of Madness“. Und dass DECAPITATED spürbar Bock haben und sich ihrer Sache sicher sind, wird auch dadurch verdeutlicht, dass sich Sänger Rafał später ausgiebig unter die Leute mischt, sich über jeden Kommentar freut und auch ankündigt, dass man im Spätherbst ins Studio gehen wird. Man darf gespannt sein! Ein Wahnsinnsauftritt, bei dem alles gepasst hat [auch wenn „The Empty Throne“ leider nicht gespielt wurde…]!



.: BEHEMOTH :.
Kaum eine andere Band wäre danach in der Lage, noch einen draufzusetzen, aber um es vorwegzunehmen: Genau das schaffen die Landsmänner von BEHEMOTH spielend! Ehrlich gesagt habe ich dies nicht erwartet, da die Band während der Tour mit KATAKLYSM vor zwei Jahren fast schon so routiniert wirkte, dass kaum noch Freiraum für Dinge abseits der ‚Choreografie’ zu sein schien. Ganz anders jedoch anno 2010 in Lindau, denn nach der etwas langen Umbaupause von gut 35 Minuten zeigen die vier BEHEMOTH-Musiker ganz schnell, wo hier der Hammer hängt. Und gibt es einen besseren Einstieg als „Ov Fire And The Void“ vom aktuellen Album „Evangelion“? Wohl kaum. Aber auch die restliche Setlist ist ein buntes Potpourri an Hits der Marke „Slaves Shall Serve“, „Conquer All“, „Demigod“ [natürlich!], „Shemhamforash“ oder auch „Chant For Eschaton“. Nergal ist bei bester Laune, macht kurze Ansagen ohne viel Firlefanz und ist stimmlich voll auf der Höhe, während sich seine Kollegen präzise und routiniert, aber eben keineswegs festgefahren und äußerst frisch wirkend auf der Bühne verhalten und, wie gewohnt, kaum einen Moment stillstehen oder mit dem Headbangen aufhören. Und das ist genau das, was die Maschinerie BEHEMOTH ausmacht, da die Band ihrem Namen alle Ehre macht, den Zuschauer bei einem perfekten Sound schlichtweg plattwalzt und einem in keinster Weise auch nur ansatzweise die Möglichkeit lässt, sich dieser massiven Präsenz irgendwie zu entziehen. Warum auch? Und nach gut 60 Minuten Vollbedienung gibt es mit „Lucifer“ als Zugabe noch den krönenden Abschluss eines herausragenden Konzerts einer Band, die sich so schnell nicht mehr das Wasser abgraben lassen wird [egal, was man nun von dem ganzen Klimbim auf der Bühne – Banner, Aufsteller, ‚Skulptur’-Mikros etc. – und dem optischen Drumherum hält]. Überragend!

Fazit: Ein Konzertabend, der sich in jeglicher Hinsicht gelohnt hat, auch wenn EX DEO im Vergleich zu den wie Schweizer Uhrwerke agierenden DECAPITATED und BEHEMOTH eher blass wirken, vielleicht aber schon mit dem zweiten Album die gewonnene Erfahrung noch gewinnbringender einsetzen können und ihr Konzept weiter ausarbeiten. Man darf zudem gespannt auf die nächste DECAPITATED-Scheibe sein, die nach diesem Auftritt auf einiges hoffen lässt. Einziger Wermutstropfen des Abends: Die mit 20 Euro doch wenig Fan-freundlichen T-Shirt-Preise bei allen Bands, die vermutlich nicht auf deren Mist gewachsen sind [darauf angesprochen, entschuldigte sich DECAPITATED-Rafał sofort, er könne jedoch leider nichts daran ändern], aber im Rahmen einer solchen Tour einfach zu viel sind. Es reicht eigentlich, dass IRON MAIDEN, SLAYER und Konsorten bzw. deren Merchandise- und Booking-Agenturen die Fans ausnehmen, sodass hier ein wenig mehr Bodenhaftung nicht verkehrt wäre [und ganz schnell kosten Shirts dann beim nächsten Mal eben nicht mehr 20, sondern 25 Euro…]. – Ansonsten: Daumen ganz weit nach oben!



soulsatzero

Autor: Alexander Eitner [soulsatzero] | 05.07.2010 | 21:44 Uhr
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