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Datum: 25.04.2015Stadt: Düsseldorf

BLIND GUARDIAN haben zu Beginn des Jahres mit "Beyond The Red Mirror" eine neue Album-Perle auf den Markt geworfen. Die dazugehörige Tour macht in diesem Frühjahr auch in Düsseldorf Halt, unweit der Krefelder Heimat der Band. Die Mitsubishi Electric Halle – ehemals und im Volksmund noch immer Philipshalle genannt – dient als Veranstaltungsort. Die fast schon edel mit Parkett ausgekleidete Location bildet einen angemessenen Rahmen und bietet Platz für zahlreiche Fans sowie ausgiebige Bühnendekorationen. Mehrere tausend zieht es an diesem Samstagabend in die Halle, die trotz Getränkepreisen auf Festival-Niveau guter Stimmung sind. Man hört, wie sich "Slayer"- und "Helga"-Rufe ihren Weg durch die Halle bahnen.



.: ORPHANED LAND:.
ORPHANED LAND dürfen auf der aktuellen Tour für die Bühne eröffnen und das Publikum einstimmen. Dabei treffen die Musiker, die ihren Sound selbst mit "Middle Eastern Folk Metal" betiteln, den Nerv zumindest weiter Teile des Publikums. Viele bleiben jedoch auch skeptisch, während die Band orientalische Klänge mit doomigem Metal verbindet. Es handelt sich um eine zweifellos interessante Mischung, die ihren Weg in die Mitte der Metal-Gesellschaft jedoch bisher nicht gefunden hat. Nichtsdestotrotz geben sich die jungen Herren auf der Bühne sichtlich Mühe, die Menge für sich zu gewinnen und legen viel Spielfreude an den Tag. Auf die Frage von Sänger Kobi Farhi, wer im Publikum ORPHANED LAND zum ersten Mal live sieht, meldet sich eine deutliche Mehrheit per Handzeichen. Hier ist für die Truppe also vermeintlich viel zu holen. Dass Farhi in langem Gewand und mit schulterlangen dunklen Haaren wie ein Christus-Doppelgänger aussieht, scheint ihm bekannt zu sein, denn nach der kurzen Begrüßung zwischen zwei Songs stellt er schmunzelnd klar, dass er nicht Jesus sei. Auch, wenn der ungewohnte Sound von ORPHANED LAND nicht bei allen im Publikum besonders gut ankommt, bietet die Gruppe doch den Blick über den Tellerrand hinaus und arbeiten so vorbildlich an der Völkerverständigung.

.:BLIND GUARDIAN:.
BLIND GUARDIAN starten ihren Auftritt mit "The Ninth Wave", dem Opener des aktuellen Langeisens, und überzeugen damit vor allem alt eingesessene Fans noch nicht so ganz. Gleich danach folgt jedoch ein Klassiker: "Banish From Sanctuary" vom 89er Album „Follow The Blind“. Jubel, Chöre, Pommesgabeln – mit den ersten rasanten Takten des Songs haben sie die Halle nun fest im Griff und machen bis zum Ende keinerlei Anstalten, sie wieder loszulassen. In der Folge schafft es die Band mit einem sehr ausgewogenen Mix aus Highlights der Bandgeschichte, ein hochklassiges Konzert auf die Beine zu stellen und bringt alte wie neuere und neueste Stücke unter einen Hut, ohne mit ihrer Mischung auch nur einmal anzuecken. BLIND GUARDIAN zeigen sich in Düsseldorf in Höchstform. Von den Achtzigern geht es mit "Nightfall" nicht nur ein erstes Mal in die Tolkien-Welt, sondern auch in die Neunziger, anschließend mit "Fly" ins neue Millennium. Bei jedem Refrain erfüllen mehrere tausend Stimmen die Halle. Mit "Tanelorn (Into The Void)" und "Prophecies" finden auch jüngere Werke ihren Platz, ohne einen Bruch hervorzurufen. Das gelingt nicht allen Bands, die bereits derart lange im Geschäft sind, so elegant. Die Mischung bleibt weiterhin bunt und schließt auch einen Akustik-Block ("Mystery Machine" und "Lord Of The Rings") mit ein. Ein besonderes Schmankerl, mit dem nur wenige an diesem Abend rechnen, folgt mit "And Then There Was Silence". "And The Story Ends" beendet – wie passend – das Programm von BLIND GUARDIAN fürs Erste. Lange jedoch lassen sich die Herren nicht bitten und betreten die große Bühne erneut. "War Of Wrath", der gesprochene Einstieg des "Nightfall In Middle-Earth"-Albums, erklingt und löst spontanen Jubel aus. Nicht wenige sprechen sogar mit. BLIND GUARDIAN bringen mit "Into The Dark" einmal mehr Bombast in den Abend. Das Ende der Zugabe wird vom Klassiker "Valhalla" markiert, dessen melodiöser Refrain von den Fans getragen noch mehrere Minuten in die Verlängerung geht. An gleicher Stelle hat 13 Jahre zuvor das Publikum so sehr überzeugt, dass es ein Mitschnitt des Konzerts auf das 2003er "Live"-Album geschafft hat – ein Ansporn, denn auch auf der aktuellen Tour werden die Auftritte der Band zwecks Veröffentlichung mitgeschnitten.




BLIND GUARDIAN wären nicht BLIND GUARDIAN, wenn nicht noch eine weitere Zugabe von drei Songs erwartet werden dürfte. Hier folgt auch ein Moment, auf den viele in der Halle gewartet haben: "The Bard's Song - In the Forest", natürlich akustisch begleitet. Im Anschluss fordert das Publikum lautstark weitere Evergreens der Metal-Veteranen. "Mirror Mirror" kann sich dabei gegen die "Majesty"-Rufe durchsetzen. Welch Zufall, stellt der Song auch auf der geplanten Setlist das Finale dar. Doch, als die Segel danach gestrichen zu werden scheinen, ertönt die Forderung nach "Majesty“ erneut. Mit merklicher Freude über den enormen Fan-Zuspruch („Düsseldorf, ihr seid megageil!“ lässt er gleich mehrmals verlauten) wendet sich Hansi Kürsch an Drummer Frederik Ehmke und schickt ihn zurück ans Schlagwerk. Mit "Majesty" findet ein grandioser Abend seinen letzten Höhepunkt und sein endgültiges Finale. BLIND GUARDIAN spielen in Düsseldorf ganze zwei Stunden und 20 Minuten mit nur kurzen Verschnaufpausen vor den Zugabe-Teilen und durchgängig auf hohem Niveau. In gekonnter Manier greift Frontmann Hansi Kürsch mit seinen Blicken immer wieder tief in die Halle hinein und widmet sich auch den Sitzplatz-Rängen am Hallenrand. Jeder im Publikum dürfte mindestens einmal an diesem Abend das Gefühl haben, direkt angesungen worden zu sein – eine großartige Bühnenpräsenz.

Setlist BLIND GUARDIAN:
The Ninth Wave
Banish from Sanctuary
Nightfall
Fly
Tanelorn (Into the Void)
Prophecies
Lost in the Twilight Hall
Miracle Machine
Lord of the Rings
And Then There Was Silence
And the Story Ends
---
War Of Wrath
Into the Storm
Twilight of the Gods
Valhalla
---
Wheel of Time
The Bard's Song - In the Forest
Mirror Mirror
---
Majesty

Was die Konzerte von BLIND GUARDIAN und damit auch diesen Samstagabend in Düsseldorf über das bisher erwähnte hinaus zu etwas ganz Besonderem macht, ist vor allem die Verbindung, die Band und Fans unglaublich leicht zueinander finden. BLIND GUARDIAN sind immer noch die Jungs vom Niederrhein, die ihre Songs einfach gerne mit ihren Fans feiern. Und damit füllen sie heute regelmäßig große Hallen. Und Metallerherzen. Wem sich die Chance bietet, die Band live zu sehen, der sollte unbedingt zugreifen! BLIND GUARDIAN sind 2015 in Höchstform.

SebyK

Autor: Sebastian Kronenberg [sebyK] | 02.05.2015 | 13:50 Uhr
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