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Datum: 12.01.2006Stadt: München

BOLT THROWER haben gerufen und alle sind sie gekommen – so oder so ähnlich könnte man wohl den Triumphzug 2006 Großbritanniens schwerster Artillerie äußerst passend umschreiben.

Das erste Ärgernis des Abends ereignete sich allerdings gleich um 20 Uhr, als Germany´s Finest Tech Death Metal Act NECROPHAGIST die Show eröffnete – angekündigt war dies laut Eintrittskarte leider erst für 21 Uhr. Die Mannen um Saitenhexer Muhammed Suicmez nahmen dies allerdings gelassen hin und ließen sich auch nicht vom wirklich schrecklichen Sound aus der Ruhe bringen – nicht einmal der zeitweise Ausfall des Triggermoduls konnte etwas daran ändern, dass die vier Necrophagisten ihren technischen Death Metal mit höchster Präzision ins Publikum prügelten. Und jeder qualitätsbewußte Death Metaller nahm Perlen wie „Epitaph“, „The Stillborn One“ oder „Intestinal Incubation“ mit Wohlwollen auf – auch wenn Necrophagist nach wie vor sicher keine Band zum live abgehen ist; vielmehr war genaues Zuschauen und fasziniertes Griffbrettglotzen angesagt – Death Metal auf allerhöchstem Niveau wurde hier zum Einstieg geboten und ein Großteil des Publikum nahm dies dankend auf.

Nach 40 Minuten räumte man schließlich die Bühne – und ich hatte mich eigentlich sehr auf die nachfolgenden NIGHTRAGE gefreut, da ich sowohl das Debüt „Sweet Vengeance“ als auch den Nachfolger „Descent Into Chaos“ in guter schweden-deathiger Erinnerung hatte. Leider konnten die 5 Griechen meine Erwartungen nicht einmal im Geringsten erfüllen – die Setlist enthielt bis auf zwei Ausnahmen fast nur Midtempo Material – diese Songs wollten allerdings nicht so wirklich zünden. Erschwerend kam hinzu, dass Neusänger Jimmie Strimell seinen Vorgänger Tompa Lindberg nicht einmal ansatzweise ersetzen konnte – zu 0815 klang seine Stimme dazu live; außerdem konnte er der charismatischen Bühnenshow Tompas nicht annähernd das Wasser reichen. Zu allem Überfluß kamen auch noch technische Probleme hinzu, als Gitarrist Gus G. innerhalb kürzester Zeit auf beiden Gitarren Saiten rissen und er deswegen 2 Songs ohne D-Saite spielen mußte. Habe ich schon den äußerst beschissenen Sound erwähnt? Der hatte sich kein bischen gebessert, er war eher noch schwammiger und undefinierter als bei NECROPHAGIST - in ihm gingen auch die letzten Gitarrenharmonien der Griechen unter. Schade.

Auch die nachfolgenden MALEVOLENT CREATION mussten unter besagtem Sound leiden. Diese waren zwar mit Ur-Sänger Brett Hoffmann angereist, dafür wurde allerdings der ebenfalls angekündigte Altbassist Jason Blachowicz flugs wieder ausgeladen und man verstärkte sich stattdessen mit dem Rest von Blachowiczs Band DIVINE EMPIRE auf den Positionen Bass und Drums. Schade, dass es Dave Culross nicht mit über den großen Teich gemacht hatte. Doch auch die neue Interimslösung hinter den Drums konnte überzeugen. Die Doublebass war mittlerweile auch drückend und präsent geworden – die Snareschläge konnte man größtenteils leider nur erahnen. Ähnlich schlimm war es um den Gitarrensound bestellt, der, an einen wildgewordenen Elektrorasierer erinnernd, aus den Boxen dröhnte. Doch davon ließen sich alte Hasen wie MALEVOLENT CREATION nicht beeindrucken – mit wahnsinnig viel Druck und Aggression prügelten sie dem Publikum 45 Minuten lang ihren rasenden Death Thrash Cocktail tight um die Ohren. Und bei Songs wie „Malevolent Creation“ vom Debütklassiker „The Ten Commandments“, „Coronation Of Our Domain“ vom Hammer „Retribution“, „Living In Fear“, “Dead March” oder dem abschließenden “The Will To Kill” blieben wenige Köpfe still, erste Moshpits bildeten sich und Brett Hoffmann bewies wieder einmal, dass er alleine durch seine aggressive Bühnenperformance und vor allem durch sein Wahnsinnsorgan der beste Sänger ist, den der Florida Fünfer jemals hatte. No one can destroy this malevolent creation.

Kurz nach 23 Uhr war es nach einigen Bühnenumbauten endlich soweit: Die Lichter gingen aus und ein urtypisches BOLT THROWER Intro ertönte bevor die englische Kriegsmaschinerie mit dem Opener des aktuellen Albums, „At First Light“ einstieg - der Bolzenwerfer ist zurück auf deutschen Bühen. Schon nach den ersten Takten war klar: Hier werden heute abend keine Gefangenen gemacht. Die Dampfwalze hatte sich in Bewegung gesetzt und die 5 Briten walzten gnadenlos alles nieder: Sauber und definiert war der Drumsound von Martin Kearns, Gavin Ward und Baz Thompson legten eine Wall of Sound darüber, Jo Benchs Bass Sound stopfte jedes noch so kleine Soundloch und über allem thronte der zurückgekehrte Karl Willetts mit seiner einzigartigen Stimme. Der gute Karl scheint die letzten Jahre in diversen Pubs zugebracht zu haben und hat sein Aussehen etwas geändert, seinem monströsen Organ tat dies allerdings keinen Abbruch - DAS ist die einzig wahre Stimme, die zu BOLT THROWER paßt. Punkt. Aus. Amen. Diese Band hat so viele Klassiker geschrieben, dass es mittlerweile wirklich schwer wird, einen Großteil davon auf der Setlist unterzubringen: BOLT THROWER gaben sich alle Mühe, ihr komplettes Schaffen ab „Warmaster“ abzudecken und so gab es unter anderem folgende Kracher zu hören: „Cenotaph“ im Doppelpack mit dem neuen Song „The Kill Chain“, vom grandiosen „The IVth Crusade“ gab es sowohl den Titeltrack als auch das epische „Where Next To Conquer“ zu hören und natürlich durfte auch „Mercenary“ nicht fehlen. Nach knapp 60 Minuten beendete der Rausschmeisser „When Cannons Fade“ des aktuellen Albums „Those Once Loyal“ den Set. Zu diesem Zeitpunkt war das Publikum zwar schon ziemlich angeschlagen, aber noch lange nicht zufrieden: Mit „Contact – Wait Out“ und dem abschließenden „…For Victory“ gab es noch zwei Mal Nachschlag für die Massen bevor das Quintett endgültig die Bühne räumte und das Outro vom Band lief. Zu erwähnen ist auf jeden Fall auch noch, wie fannah die Briten nach wie vor sind: Egal ob vor der Show selbst Merchandise verkaufend oder nach der Show noch vor der Bühne – die sympathischen Briten nahmen sich für jeden einzelnen Fan Zeit – etwas, das man auch nicht mehr von jeder Band gewohnt ist. Von den äußerst fairen Merchandise Preisen mal ganz zu schweigen.

theburningdarkness

Autor: Thomas Gschwendner [theburningdarkness] | 13.01.2006 | 03:33 Uhr
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