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Datum: 03.10.2012Stadt: München





Wenn die schwedischen Hard Rocker BULLET nach München kommen, dann kommen sie ins „Backstage“ – da bisher stets mit hochkarätiger Unterstützung von ähnlich aufstrebenden Newcomern wie SKULL FIST, STEELWING und ENFORCER oder gar im Vorprogramm von GRAND MAGUS unterwegs, spielten die Herren dabei immer in der größten Halle des Areals. Diesmal tritt man jedoch etwas kürzer, weshalb man mit den ebenfalls aus Schweden stammenden SCREAMER und den spanischen Hard Rockern 77 eher unbekannteres Fußvolk im Schlepptau hat. Entsprechend sind im Vorverkauf auch nur knappe 100 Tickets über die den Ladentisch gegangen und das Konzert steigt in der mittleren Halle des „Backstage“. Dennoch lässt sich schnell feststellen, dass BULLET nichts von ihrer Zugkraft verloren haben, denn selbige ist schon lange vor Beginn ziemlich gut besucht.






.:SCREAMER:.
Die Landsleute der Gastgeber machen den Anfang und entpuppen sich schnell als recht gewöhnliche Speed Metal-Band mit schwerer 80er-Schlagseite und erinnern damit schwer an ENFORCER mit weniger Gitarrensoli. Da die Beteiligten allesamt mit ihren Instrumenten beschäftigt sind, hält sich die Bühnenpräsenz der Herren naturgemäß in Grenzen, allerdings sind insbesondere die beiden Gitarristen Dejan Rosic und Anton Fingal schwer bemüht, ihre Spielfreude auf das Publikum zu übertragen und das kommt in jedem Fall sympathisch rüber. Und weil die Schweden erst eine Platte auf dem Kerbholz haben, besteht das Programm aus gerade mal sieben Songs – trotzdem sind SCREAMER dem Publikum ganz offensichtlich nicht unbekannt, denn ab dem ersten Song versammeln sich allerhand beinharte Fans in den vorderen Reihen und singen Nummern wie „Keep On Walking“ und „Can You Hear Me“ lauthals mit. Dank des von der ersten Minute an hervorragend abgemischten Sounds macht der Auftritt der Mannen auch durchaus Spaß, nur bringen SCREAMER eben nicht sehr viel Wiedererkennungswert mit – als Vorband also perfekt.

Screamer
Adrenaline
Keep On Walking
Phoenix
All Over
Can You Hear Me
Rock Bottom






.:77:.
Auch wenn manch einer im Publikum aussieht, als habe er das noch live miterlebt, so vermitteln die Spanier 77 doch eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie die Gebrüder Young wohl in ihrer Jugend ausgesehen haben: Mit identischen Instrumenten bestückt sieht Frontmann Armand Valeta aus wie Malcolm Young, während sein Bruder LG mit Röhrenjeans und freiem Oberkörper inklusive wüstestem Stageacting recht authentisch den Angus gibt. Obendrein hat ersterer eine Stimme wie der junge Bon Scott, weshalb die Herren 77 den mächtigen AC/DC mit jeder Note huldigen – das ist freilich nicht gerade originell, macht aber gehörig Spaß und hat obendrein hohen Unterhaltungswert: Gitarrist LG gibt nicht nur auf der Bühne den wilden Mann, sondern springt diverse Male bei einer seiner Solo-Eskapaden in den Zuschauerraum um unter anderem auf einem der seitlich aufgestellten Tische weiter zu frickeln. Mit derartigem Einsatz haben 77 natürlich keine großen Schwierigkeiten, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen und so werden die eingängigen Bluesrock-Nummern, die die Band auf ihre Setlist geschrieben hat, von der inzwischen recht dicht gepackten Menge auch standesgemäß abgefeiert.






.:BULLET:.
Nach einer etwas ausgedehnten Umbaupause wird es endlich Zeit für den Hauptgang und die Gastgeber eröffnen ihr Set mit dem für ihre Verhältnisse fast schon düsteren „Midnight Oil“ von ihrer aktuellen Platte „Full Pull“. Dabei fällt als erstes auf, dass BULLET von Auftritt zu Auftritt oder doch zumindest von Tour zu Tour professioneller werden, was nicht nur an der generellen Bühnenpräsenz der Truppe sondern auch an den Ansagen von Bandkopf Hofer abzulesen ist, der sich inzwischen bestens in seine Rolle als Bandleader hineingefunden hat. Im Hinblick auf die Setlist räumen die Schweden ihrer aktuellen Platte durchaus den gebotenen Platz ein, denn „Full Pull“ ist mit stolzen fünf Songs vertreten, allerdings macht sich hier auch ein gewisses Gefälle bemerkbar: Im direkten Vergleich zum stilbildenden Material der Truppe scheinen die Songs des neuen Albums nicht ganz so mitreißend zu sein und so kommt der Auftritt der Schweden erst mit „Turn It Up Loud“ so richtig in Fahrt und der Rausschmeißer „All Fired Up“ – zumal direkt nach dem unverzichtbaren „Bite The Bullet“ angestimmt – ist etwas unglücklich gewählt. Dennoch werden die Herren aus Växjö von eine absolut enthusiastischen Publikum empfangen und die ausgewogene Mischung aus neuen und klassischem Material gibt rein objektiv betrachtet ja auch eine effektive Setlist ab – und was BULLET für Stimmungskanonen sind, muss man ja nicht mehr diskutieren.

Midnight Oil
Rush Hour
Full Pull
Turn It Up Loud
Dusk Til Dawn
Pay The Price
Roadking
One Deal With The Devil
Stay Wild
Rolling Home
Highway Pirates
Back On The Road
Bite The Bullet
All Fired Up

Fans von erdigem Hard Rock werden mit dem aktuellen Tourpaket von BULLET sicherlich ihre Freude haben, denn hier wird von Anfang bis Ende der klassische Gitarrensound des Marshall-Amps gefeiert. Allerdings sind 25 Euro nicht gerade wenig Geld und obwohl sämtliche der beteiligten Musiker sich den sprichwörtlichen Allerwertesten abgespielt haben, kann man sich letzten Endes nicht des Gefühls erwehren, eine Budget-Veranstaltung besucht zu haben – das mag auch daran liegen, dass nicht einmal die Gastgeber eine Zugabe gespielt haben. Prinzipiell gab es an diesem Abend also nichts auszusetzen und vor allem BULLET haben alle Erwartungen erfüllt, allerdings waren die letzten beiden Besuche der Schweden spannender, vornehmlich weil sie größer angelegt waren.

Metalviech

Autor: Thomas Meyns [Metalviech] | 08.10.2012 | 15:30 Uhr
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