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Datum: 14.12.2005Stadt: Stuttgart

Ein teils passendes, teils seltsames Package, das diesen Winter durch Europa zu touren bereit war. Mit HATESPHERE hatten die Stars aus Cleveland zwar einen Verbündeten an Board, was das Publikum anging, auf der anderen Seite standen DARK TRANQUILLITY als Co-Headliner auf dem Programm, die nicht so ganz ins Billing passen wollten. Doch, der Reihe nach...


:: HATESPHERE
Die dauertourenden [diese letzte markierte die vierte[!] Tournee in einem Jahr] Dänen um den sprich- und wortwörtlich bunten Hund der Metalszene Jacob Bredahl begannen ihren Set wie fast immer mit dem „Bloodred Hatred“-Übersong „Low Life Vendetta“ und bretterten alsbald die sich langsam aber stetig füllende Röhre komplett ins Jenseits. Mit ständigen Faxen und Späßen sowie gewohnt überagilem Stageacting kam nicht eine Sekunde lang das Gefühl des Stillstandes oder gar der Langeweile auf. So schmetternden die Nachwuchs Thrash-Könige hauptsächlich das Material vom aktuellem Brecher „The Sickness Within“ in das aufnahme- und bangfreudige Publikum und konnten von Song zu Song immer positivere und lautere Resonanzen ernten. Zwar nicht dies, als viel mehr sein bildlich gesprochen zum Erbrechen gereiztes Organ, bewog Mr. Bredahl gleich 3 mal (es können auch 4 gewesen sein) während der Show in einen vor dem Drumkit postierten Eimer zu kotzen. Welch Wandel, früher würgte der Schreihals erst nach der Show... Wie immer aber, konnte man den Ort des Geschehens nach dem letzten Song mit einem Grinsen im Gesicht Richtung Biertresen verlassen; auch wenn der obligatorische Rausschmeisser „Disbeliever“ leider aus dem Set verschwunden scheint...


:: DARK TRANQUILLITY
Ein schweres Erbe, welches die Göteborg Sound-Mitbegründer um Frontjesus Mikael Stanne da antraten. Beim besten Willen konnte man sich nicht vorstellen, dass DARK TRANQUILLITY am heutigen Abend, wo sowieso die Anhäger „älterer“ Bands oder traditionelleren Metals hauptsächlich in die Ludwigsburger Rockfabrik zu den alljährlichen X-Mas Festivals abgezischt sein sollten, wirklich etwas zu reißen vermochten. Doch weit gefehlt. Das durchweg bunt gemischte Publikum von jung und etwas älter brachen in wahre Begeisterungsstürme aus, als die Schweden Ihre Songs durch den Konzertsaal bliesen. Hauptsächlich lag der Schwerpunkt natürlich auf den letzten beiden Veröffentlichungen „Character“ und „Damage Done“ aber wie so oft erhielten auch die älteren Sachen von „The Gallery“ und „The Mind’s I“ Einzug in das Set. Übrig blieben glückliche Gesichter vor und auf der Bühne [Stanne grinst ja sowieso immer wie ein Honigkuchenpferd], ausgerenkte Nackenwirbel und die Wartezeit am Tresen, um den nächsten erfrischenden Gerstensaft zu ordern! Alle Achtung, damit hätte wohl niemand gerechnet!


:: CHIMAIRA
Endlich mal ein Soundcheck der Sinn macht. Mit Dimebag-Gedächtnis Riff stimmten die Roadies schon mal die Gitarren der Hauptprotagonisten des Abends und als dann die Lichter ausgingen und eine übermäßig großzügige Menge Kunstnebel beinahe die ganze Halle einnahm, ging die Party richtig los. Die Inventoren der New Wave Of American Heavy Metal brachten die Hölle nach Stuttgart! Von der ersten Sekunde an flogen die Haare, nickten die Nacken, als wollten sie sofort zerbersten und die Circlepits wollten schier kein Ende nehmen. Mit einer gesunden Setlist, die sich über ein „ganz altes“ Stück [„Severed“], 6 mittelalterliche [„Cleansation“, „The Impossibility Of Reason“, „Power Trip“, „Pure Hatred“, „The Dehumanizing Process“ und „Eyes Of A Criminal“] und natürlich einige neue Songs vom momentanen Nackbrecher „Chimaira“ [„Nothing Remains“, „Save Ourselves“, „Inside The Horror“, „Salvation“, „Comatose“ und „Lazarus“] erstreckte, ballerten sich die sympathischen und animationsfreudigen Amis in sämtliche Herzen des Abends, während sie mit einem brutalen Grinsen sämtliche Muskeln aus einem rausprügelten. Zur allgemeinen Verwunderung funktionierten die Stücke des bekanntlich wesentlich metallischeren und sperrigeren neuen Outputs ebenso gut wie jene Kracher, die die Band innerhalb kürzester Zeit zu einer gefragten Institution haben wachsen lassen. Besonders das „balladesk“ angehauchte „Salvation“ brachte einen fast um. Nach guten 70 Minuten verließen die Jungs um Kreischhals Mark Hunter die Bühne und hinterließen „Zugabe“-Rufe en masse. Zwar waren diese gerechtfertig, denn der Favorit vieler „Down Again“ fehlte definitiv – dafür hatte man aber wirklich die besten Songs ausgewählt, um sie der hungrigen Meute um die Ohren zu schleudern! Beide Daumen hoch hoch hoch - FETT!

shilrak

Autor: Markus Jakob [shilrak] | 15.12.2005 | 21:32 Uhr
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