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| Datum: 15.12.2011 | Stadt: Freiburg | ||||
Lange haben sich CORVUS CORAX, die selbst ernannten „Könige der Spielleute“, nicht mehr in Freiburg blicken lassen. Doch nun, im Zuge der Live-Präsenz zum kürzlich erschienenen „Sverker“ lässt sich die Berliner Mittelaltertruppe nicht lumpen und fährt an einem stürmischen Donnerstagabend, der dem Titel „Ragnarök“ auf der neuen Scheibe ziemlich nahe kommt, im Rahmen eines Clubkonzerts ein eindrucksvolles Programm auf. Wie es überhaupt spannend ist, wie sich CORVUS CORAX von einer reinen Mittelaltermarkttruppe über schon vor über einer Dekade geschickt im Winter eingeschobene Clubtouren zu einer „Club“- und ja sogar „Festival“-Band entwickelt haben – und nebenbei natürlich immer noch im Sommer die Mittelaltermärkte beackern. Man denke aber hier auch an die „Cantus Buranus“-Ausflüge und die Auftritte auf dem Wacken Open Air und dem Summer Breeze Festival, die die Band auch dem Metal-Publikum näher gebracht hat. Und auch in Freiburg zeigt sich an dem sehr gemischten Publikum – vom beinharten Metaller über Mittelalterfans bis hin zu älteren Ehepaaren und alternativ Angehauchten oder einfach Tanzwütigen ist alles vertreten – wieder einmal, wie sehr CORVUS CORAX inzwischen ein deutlich vielfältigeres Publikum ziehen können und wie sie sich als Band, allein schon in Sachen Instrumentierung, beachtlich weiterentwickeln konnten. Was uns wieder zum aktuellen Album „Sverker“ zurückbringt, das diesmal und zum ersten Mal ausführlich in den Norden Europas führt und dabei sowohl skandinavisches als auch keltisches Liedgut beinhaltet und auch wiederum CORVUS CORAX von einer neuen und spannenden Facette zeigt.
So sehen dies auch die zahlreich erschienenen Zuschauer, die das Jazzhaus zwar nicht zum Bersten bringen, aber dennoch für einen gut gefüllten Club sorgen, der mit seinen Steinbögen neben der reichhaltigen Bühnendekoration für Atmosphäre sorgt und ziemlich gut zu den Spielleuten passt – die sich ohne lange zu fackeln auch schon um kurz nach 20 Uhr durch unheilvolles Hörnerblasen [„Intro Gjallarhorni“] angekündigt Richtung Bühne begeben. Was dann folgt, steht natürlich im Zeichen von „Sverker“, sodass die Spielleute im Verlauf des Abends, abgesehen von der kurzen Überleitung „Tjúgundi biðil”, tatsächlich das komplette neue Album live darbieten. Angefangen bei dem treibenden „Gjallarhorni” und dicht gefolgt von dem schleppenden, wuchtigen „Sverker”, kommen natürlich auch die ruhigeren Stücke wie „Lá í mBealtaine”, „Havfrue” [den altdänischen Refrain übernimmt das Publikum, den Rest kann sowieso niemand aussprechen, und selbst Sänger Castus benötigt weibliche Hilfe aus dem Publikum, um das Textblatt hochzuhalten] und „Fiach Dubh” gut zur Geltung. Und wer mit CORVUS CORAX vielleicht auf CD nur bedingt etwas anfangen kann, bekommt neben der überzeugenden Umsetzung an den Instrumenten – hier werden nicht bei jedem neuen Stück Popstar-mäßig etwa die Klamotten gewechselt, sondern schlichtweg die Instrumente, von der Riesendrehleier über die Perkussion bis hin zur Maultrommel und den Dudelsäcken jeglicher Größe – vor allen Dingen auch etwas für die Augen. Getragen von den charismatischen Ansagen von Castus, wird hier immer wieder die eine oder andere Anekdote eingestreut, das Publikum sympathisch mit in das Geschehen eingebunden, ohne zu aufdringlich zu wirken, und nebenbei ab und an ganz schön – sorry, der musste kommen – auf die Pauke gehauen und eine kurzweilige Show geboten. Die Zuschauer danken dies der Band, die neben den neuen Stücken natürlich auf alte Klassiker zurückgreift, zum Beispiel „Mille Anni Passi Sunt”, „Venus Vina Musica” und das wunderbare, sehr tanzbar-hypnotische „Filii Neidhardi” vom „Viator”-Album, eher es über „Baldr” und das hymnische „Ragnarök” wieder zur aktuellen Veröffentlichung zurückgeht. Doch auch ein „Albanischer Tanz” oder „Chou Chou Sheng” [„Seikilos”] darf nicht fehlen, während die Zeit verrinnt wie im Fluge und das auflockernde Sauflied „Trinkt vom Met” live wie vermutet viel besser funktioniert als auf CD. Und zwar so gut, dass es gleich zweimal zum Zuge kommt und in dessen Verlauf einige Freiwillige in der ersten Reihe mit eben jenem Göttertrank versorgt werden, ehe die Band selbst kräftig zulangt. Zugaben sind natürlich ein Muss und werden lautstark eingefordert, sodass sich CORVUS CORAX nicht lange bitten lassen und unter anderem noch das mitreißende „In Taberna” spielen und als sehr ruhigen, fast schon einlullenden Abschluss noch das in gälischer Sprache gesungene „Na Láma-sa” quasi mit auf den Heimweg geben.
Fazit: CORVUS CORAX beweisen mit ihrer aktuellen Veröffentlichung nicht nur, dass sie nach wie vor wandlungsfähig sind und sich nicht davor scheuen, neue Wege zu gehen und zu experimentieren, sondern dass sie an den Instrumenten noch weiter gereift sind und in Sachen Bühnenpräsenz und Darbietung einiges an Erfahrung gesammelt haben, wie sich an diesem durch und durch professionellen sowie kurzweiligen Auftritt sehr gut belegen lässt. Insgesamt wirkt nämlich nichts festgefahren oder zu sehr einstudiert bei den insgesamt vier Dudelsack-/Schalmeispielern und den drei Perkussionisten, für spontane Späße ist zum Beispiel immer Platz, während auch in Sachen Spielzeit bei gut und gerne 130 Minuten überhaupt nicht gemeckert werden darf und die Spielleute somit an diesem Abend die 20 Euro Eintritt an der Abendkasse auf alle Fälle wert waren. – Wer mit Mittelalter grob etwas anfangen kann und nicht immer Stromgitarren braucht oder mal nach einer Abwechslung in Sachen Konzerterlebnis sucht, der liegt bei der momentan laufenden „Sverker”-Tour jedenfalls nicht verkehrt und wird so manche Melodie noch für einige Tage im Ohr haben. Danke für einen gelungenen Abend, CORVUS CORAX!
soulsatzero | |||||
| Autor: Alexander Eitner [soulsatzero] | 16.12.2011 | 19:48 Uhr | |||||
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