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Datum: 17.04.2004Stadt: Leipzig

Endlich war es soweit. Das vielumjubelte erste, komplette Album der Leipziger Musikgenies „Back To Times With Splendor“ sollte das erste Mal live performancet werden und das war natürlich für den Schreiber dieser Zeilen wie auch anderer Tastaturakrobaten der Konkurrenz Anlass genug sich in die Sachsenmetropole zu begeben und in den Tiefen der Moritzbastei diesen besagten (Dis)Harmonien zu lauschen.
Da das vielschichtige Werk mit allerlei Finessen ausgestartet wurde, war es umso mehr interessant, ob man das Leipziger Allerlei stilgerecht umsetzen kann oder nicht. Soviel im Voraus: Es kommt annähernd hin!

::CARVEN::

Jetzt aber erstmal ein paar Worte zu den beiden Vorbands CARVEN und ASTERIUS.
Erstere stammen ebenfalls aus Leipzig und haben sich dem „trendigen“ Metalcore gewidmet. Ihre Songs besitzen alle den nötigen Groove zum Mitwippen und mit der attraktiven Sängerin (Antje) hat man live ein weiteres Schmankerl parat. Selbige hat aber zusätzlich noch eine sehr gute Cleanstimme, die meiner Meinung nach etwas zu oft in den einer Frau nicht so liegenden, deathigen Kreischgesang überschwang. Ihre sauber gesungenen Passagen erinnerten mich aber immer wieder an Christina Scabbia von LACUNA COIL und genau deshalb blieben mir CARVEN wohl auch im Gedächtnis. Da kann man sicher noch einiges rausholen und für die agressiveren Sachen gibt es sicher wie auch bei den Italienern eine männliche Kehle.
Lustig fand ich den Basser, da er mit seinen beinahe spastischen Verrenkungen nicht gerade einen typischen Hupfmetaller ausmachen konnte. Vielleicht hatte er aber auch einfach nur zuviel „Bullyparade“ angeschaut...
Als äusserst postiv zu werten war der neue Drummer. Dieser glänzte den ganzen Gig mit seinen treibenden Takten und war neben der Sängerin die grosse Stütze der Band.

::ASTERIUS::

Bevor es aber zu einer weiteren musikalischen Darbietung kam, wurde uns ein teilweise computeranimierter Kurzfilm präsentiert, der das anwesende Publikum zu spalten wusste. Manch einer machte es sich draussen gemütlich, verbrachte die viertel Stunde mit Small-Talk oder liess sich von den einfachen Formen, die in dem Filmchen die Hauptrolle spielten und uns unwahrscheinlich faszinierten, in seinen Bann ziehen. Von wem dieses kleine Kunststück stammte, hab ich allerdings vergessen. Hmm, ja...ich sollte mir gelegentlich Notizen machen, aber sowas finde ich halt schwul!

Die Stuttgarter kannte ich bis dato nur aus dem CD-Player und war deshalb auch gespannt, ob man die sphärischen Sachen auch live umzusetzen weiss. Allerdings wurde ich mit einem Stilmix aus TIAMAT, SAMAEL [durch den singenden Gitarristen war das auch optisch so!!] und etwas True Metal Einsprenklern positiv überascht!
Um ehrlich zu sein, mochte ich ihre Mucke noch nie sonderlich, aber nachdem ich die Schwaben livehaftig erlebt habe und sah, wie engagiert man doch zu Werke geht und wie stark ihre Songs knallen können, werde ich dieser Band sicher noch ein Ohr und bei dem nächsten Konzert sicher auch ein Auge widmen.

Setlist:
Frozen Zodiac
On Black Tusk
Gemini North
A Greater Path
Another Me
One Perspective
Continuum
Astral Unity
Ode To North

::DISILLUSION::

Nun war noch eine kleine Umbaupause angesagt, die man sich wie immer mit Small-Talk und Getränkeholen verschönerte.
Nachdem der DJ die letzten, sphärischen Töne verklingen liess, startete man das Intro zu „Back To Times Of Splendor“ und Sänger Vurtox mit seiner 7-Saitrigen nebst seinen Anhängern Jens (dr.), der sich seine wunderschöne Matte abschneiden lassen hatte (sniff), und dem schmächtigen, sympathischen Flitzeflinger Rajk betraten die in erdigem, dem Coverartwork angepassten Licht die Bühne. Umjubelt vom zugemenschten Gewölbe aus Ziegelsteinen, das nicht die allerbeste Akkustik für Bands bietet, ließ sich das Trio erstmal feiern, um dann mit dem Titelsong diesen unvergesslichen Abend auf die Spitze zu treiben.
Wie bei der vorigen Band, müssen DISILLUSION für die Keybords auf die Harddisk zurückgreifen, was auch nicht schlimm ist. Allerdings kam auch der Bass „playback“, was mich als ehemaligen Basser den Abend etwas mitleidig werden ließ. Sicher werden die Jungs aber noch einen geeigneten Mann, der in ihre Reihen passt, finden.
Ohne grosse Pause ging es weiter mit „A Day By The Lake“, zu dem sich Maik von DARK SUNS im hinteren Bühnenteil auf einem Barhocker mit seiner Akustikklampfe postierte und für die nötige Atmosphäre bei den nun folgenden Songs sorgte.
Als nächstes kam mit „Expired“ ein etwas älterer Song, bei dem man merkte, wieso die „Splendor-Songs“ live nicht das bieten können, was sie auf Scheibe vorgeben. In erster Linie ist es der Sound, der bei den Frühwerken noch nicht so ausgreift ist. Selbiges betrifft auch das Songwriting, bzw. die detailverliebtheit, die es auf dem Meistwerk vom Leipziger Allerlei zu geniesen gilt. Live kann man das unmöglich bewerkstelligen und so werden die alten Songs sicher auch in nächster Zeit für mehr Schwung und Abwechslung auf der Bühne sorgen.
„And The Technik, äh...Mirror Cracked“ oder so ähnlich hiess es dann, denn irgendwie sponn die Harddisk und so musste man noch einmal von vorne anfangen, aber es sei ihnen verziehen! Höhöhö!! Ok, je mehr Technik man live benötigt, desto mehr kann eben auch schieflaufen. Beim erneuten Versuch lief es jedenfalls, wenn auch ein paar Taktschwankungen auszumachen waren, die sich später aber wieder im verstärkten Selbstbewusstsein verliefen. Schnell noch den nächsten Song nachgeschoben und man konnte sich auf weitere, ältere Songs der Porter-Ära plus den drei Neuronenkönigen himself gefasst sowie dem lauthals mitgesungenen „The Long Way Down To Eden“ machen, die allesamt sicher dargeboten wurden bis...ja, bis man von der Bühne ging und die logische Zugabe mit hallendem Applaus gefordert wurde. Und tatsächlich kam jetzt der letzte fehlende „Splendor-Song“ – das 17-minütige „The Sleep Of Restless Hours“, das aber nicht ganz ausgespielt wurde. Die ca. 10 Minuten waren aber auch nicht von schlechten Eltern und so konnte man sich danach zufrieden aus der Bastei schleichen und sich nebst Anhang wieder on the road machen.

Setlist:
Back To Times Of Splendor
A Day By The Lake
Expired
And The Mirror Cracked
Alone I Stand In Fires
The Porter
Eternal Duality
Three Neuron Kings
The Long Way Down To Eden
----------
The Sleep Of Restless Hours

Im Grossen Ganzen kann man die splendorischen Songs live allemal anhören und wenn Vurtox noch etwas mehr auf die Einsätze und die Tonlagen achtet, kann aus diesen sächsischen Musikzwergen irgendwann auch irgendwann die Haus- und Hofband von August dem Starken werden.

trabi

Autor: Danny Jakesch [Trabi] | 24.05.2004 | 21:54 Uhr
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