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Datum: 03.10.2009Stadt: Düsseldorf





.: UNEXPECT :.

Die avantgardistische Mischung der Kanadier dürfte vielen Anwesenden zunächst unbekannt und im Verlauf der wenigen Minuten Spielzeit sicher auch schräg reingelaufen sein. Stilistisch lassen sich die Sieben nämlich kaum einordnen, findet man schließlich außer Black Metal, Death Metal, Rock, progressiven Elementen, psychedelischem Rock auch noch Wahnsinn der Marke FANTOMAS oder THE DILLINGER ESCAPE PLAN. Zwar sind die männlichen Vocals zu weit in den Vordergrund gemischt, ansonsten gibt es soundtechnisch wenig zu bemängeln. Aufsehenerregend natürlich unter anderem der 9-String Bass von Bassist ChaotH, der ihn hörbar und fingerfertig zu nutzen weiß. Ein Augenschmaus ist und bleibt die Sängerin, die sich sowohl in Growls und Klargesang zuhause fühlt und durch Rotationsgemoshe mit enormer Haarlänge für angenehmen „Wind“ sorgt. Ein wunderbarer und fantastischer Ausflug in das eigensinnige Reich einer Band, die enorm viel Potential vorweist und von der sicher noch einiges zu hören sein wird.



.: BIGELF :.

Technisch einwandfrei tischen BIGELF dann auf, können aber augenscheinlich das Publikum nicht wirklich auf ihre Seite ziehen, da sich nach UNEXPECT doch ein deutlicher Teil der Masse in die Vorhalle verzieht und sich erst zur "OPETH-Stunde" wieder zurück meldet. Mit ihrem Retrosound und den vielen 70er-Jahre-Anleihen können sie aber dennoch bei den verbliebenen Zuhörern punkten. Durch schräge, durchaus innovative Ideen schafft es die Truppe aus L.A., einen modernen Hauch einzubauen, ohne die Grundthematik aus den Angeln zu heben. Ob Ansätze von BLACK SABBATH, DEEP PURPLE, LED ZEPPELIN sich mit dem Irrsinn vertragen, der hier mit Bravour vorgetragen wird. Und ob!




.: OPETH :.

Was für ein Sound! OPETH klingen an diesem Abend in der Philipshalle transparent und druckvoll und trumpfen mit einer leicht an die DREAM THEATER-Fanschaft angepasste Setlist auf, die zwar einige wesentliche Songs der jüngeren und älteren Vergangenheit missen lässt, jedoch trotzdem ihren Reiz hat. Wenngleich ich z.B. wirklich gerne von der „Morningrise“ oder allgemein von mehr ausladenden und härteren Stücken verwöhnt worden wäre. Durch die relativ knapp bemessene Zeit, die man als Support mit einem Billing von insgesamt vier Bands nun mal nur zur Verfügung hat, lässt sich das wahrscheinlich aber auch gar nicht groß ändern. Der ewig gut gelaunte Mikael Åkerfeldt weiß jedenfalls das vermutlich weniger Growl-affine Publikum mit den typischen sympathischen Ansagen zu unterhalten und bietet sowohl an der Gitarre als auch beim Gesang eine routinierte und einwandfreie Leistung. Ein solides OPETH-Konzert, das ruhig um einiges hätte länger sein können, damit eine größere Bandbreite ihrer Diskografie untergebracht werden kann.




.: DREAM THEATER :.

Die Vorzeigeband im progressiven Metal öffnet nach angenehm kurzer Wartezeit die Vorhänge. Die Halle ist so voll wie zu keinem Zeitpunkt an dem Abend und eine leicht müde wirkende Band gibt trotz dessen in ca. 90 Minuten alles, was erwartet wird. Glasklarer Gesang sowie erstaunlich dynamisches Drumming – was ich live von Herrn Portnoy schon als wesentlich trockener erfahren habe. Dazu gibt es drei große Videowände zu bestaunen, die mit repetitivem Charakter passend zu dem jeweiligen Song bildgewaltig untermalen. Ob „Nightmare To Remember“, „Prophets Of War“, „Wither“, „One Last Time“, „The Mirror“ oder auch „In The Name Of God”, allesamt kommen brillant rüber und lassen sowohl die sitzende Belegschaft auf den Tribünen als auch die Meute vor der Bühne andächtig oder eben auch wild feiern. Vor allem wundert mich die stimmliche Leistung von LaBrie, der vor vielen Jahren bereits wesentlich Schlechteres durchs Mikro rief. So endet ein Abend mit wirklich herausragenden Bands der extremen Gitarrenmusik und dürfte jung und alt gleichermaßen berührt haben. In den darauffolgenden Tagen dürfte viel Taschengeld für Klampfen und CDs ausgegeben worden sein. Wollen wir hoffen, dass mindestens 0,1% der durch diesen Gig inspirierten Nachwuchskünstler nur halb so gut werden, wie das, was wir an diesem Abend geboten bekamen!

shub

Autor: Thomas Kleinertz [shub] | 15.10.2009 | 10:56 Uhr
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